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Central-Verein-Zeitung · 1937-12-09 · 49 (9.12.1937) · page 13

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
49 (9.12.1937)
Date
1937-12-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 4? 4. Beiblatt Paliistiiia-II-niscIiaii der C.«V.-Zei<ii Terror und Ge£enma ssnahmen Die Militärgerichte, über deren Tätigkeit in der vorigen Nummer ausführlich'berichtet wurde, haben in der vergangenen Woche ihre Arbeit energisch fortgesetzt. "Das Militärgericht zu Jerusalem verurteilte den jungen Araber AI Charidi aus Ramie wegen Besitz eines Revolvers zu fünf Jahren Gefängnis. Der 32jährige Araber Jussuf Mohammed Sursy wurde gleichfalls wegen Besitzes von Munition zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt; jedoch wurde dieser Urteilsspruch von Generalmajor Wawell auf fünf Jahre Gefängnis herabgesetzt. Auch der wegen Waffenbesitzes über diebeiden Brüder Ali gefällte Urteilsspruch von sieben und einem Jahr Gefängnis wurde von Generalmajor Wavell in zwei "und ein Jahr Gefängnis gemildert. In der Nähe von Saf ed. wurden wiederum Araber .festgenommen, die Waffen bei sich trugen. Auch sie werden wahrscheinlich dem Militärgericht zur Aburteilung übergeben werden. Wie notwendig diese scharf durchgreifenden Massnahmen leider immer noch sind, geht daraus hervor, dass sich die Zwischenfälle während der letzten Woche wiederum verschärft haben. Am 28. November wurde der britische Polizist Pearce auf dem Wege von K far. Hachoresch nach A fu 1 e tödlich verwundet. Kurz vorher war an der gleichen Stelle ein Wagen mit jüdischen Arbeitern beschossen worden, die von N a h a 1 a 1 nach X f a r. H a c h o r e s c h zurückkehrten. Dabei wurde der Jude Hermann Hat'bei verwundet. Militär und Polizei durchsuchten darauf die Anhöhen in der Gegend von Nazaret und verhafteten den Besitzer eines Hauses,. In dem Bomben und Munition gefunden wurden. Ebenso wurden bei den" folgenden Haussuchungen im Nazaret- und^ Beisanbezirk mehrere Personen festgenommen. Auch zwei arabische Polizisten, die aus Haifa auf Patrouilledienst gegangen waren, sindvon arabischen Aufständischen getötet worden. Es handelte sich um christliche Araber, die in Begleitung eines dritten Polizisten, eines Mohammedaners, ihren Dienst versahen. Der Mohammedaner kam nur deshalb mit dem Leben davon, weil nach mohammedanischem Gesetz die Ermordung von Mohammedanern in dem durch religiöse Feiern geweihten Ramadhanmonat verboten ist. Die Angreifer waren eine etwa 40 Mann starke bewaffnete Bande, nach der die Nachforschungen sofort eingeleitet wurden. Auch sonst werden aus vielen Teilen des Landes Ueberfälle gemeldet. Am 1. Dezember abends wurde bei einem Angriff auf .einen jüdischen Omnibus, der von der N es ch e r-S i e d - luns nach -Haifa fuhr, der 35jährige Jude Zvi Scblarker durch Schüsse verwundet. Im Verlaufe der im Anschluss daran eingeleiteten Untersuchung wurde der Muchtar des Dorfes Shuni sowie ein anderer Araber, in dessen Besitz Feuerwaffen gefunden wurden, verhaftet. In der Nähe des Tatortes wurden auch sechs weitere verdächtige Araber gefangengenommen. Auch sonst waren jüdische Autobusse wiederum ' wiederholt Ziele arabischer Angriffe.' Zwischen N a h a r i a und Haifa wurde bei einer Beschiessung der Chauffeur durch Giassplitter leicht verwundet. In der Nähe von Nasaret wurde ein Autobus mit Steinen beworfen. Einem jüdischen Polizisten sowie Passagieren, die die Angreifer verfolgten, gelang es, zwei zu verhaften. Zwischen Akko und Safed wurden bei der Beschiessung eines Aulobusses drei jüdische Passagiere verwundet. Ihre Namen sind: Ascher Po g orzer, der jüdische Hilfspolizist Arje Tschesler und Simon Bolkenhol- Polizeihunde, die auf die Spur der Angreifer gesetzt wurden, spürten zwei Häuser in dem Dorf Farradiya auf, die wahrscheinlich vor der Polizei zerstört werden werden. Afule sowie die landwirlscbafti i c he Mädchenschule in N a b a 1 a 1 waren Beschiessungen ausgesetzt, die von allen Seiten gleichzeitig" ausgeführt wurden. Polizisten und Hilfspolizisten erwiderten das Feuer mit Maschinengewehren und schlugen die Angreifer zurück. Auch der amerikanische K i b b u z J u a r a wurde beschossen. Mit Hilfe schnell herbeigeeilter Hilfspolizisten aus Misehmar Ha-Emek wurde der Angriff abgeschlagen, und keio Siedler wurde verletzt. Dass auch diese Terrorweile teilweise wiederum von Arabern gegen Araber gerichtet ist, gebt daraus hervor, dass das Haus eines der Nashashibi-Partei atigehörigen Notabein im Dorf Anebta bei Nablus von Arabern beschossen wurde. Auch eine arabische Brandstiftung in einem Asphaltlagerhaus in Tulkerem. die zu einem Grossfeuer führte, hatteden Tod von fünf Arabern zur Folge. Drei weitere Araber wurden durch die Feuersbrunst verletzt. . Schliesslich muss auch wieder vou einem jüdischen Todesopfer berichtet werden. Der zwanzigjährig Abraham Cfcaim Perlman kehrte "am -L Dezember abends mit einer Gruppe von jungen Leuten von einem Besuch in Talpiot nach Jerusalem zurück. An der Bahnstation wurden sie aus dem Hinterhalt überfallen. Perlman wurde getötet, und die siehzehnjährige Malka Jacubowitz sowie die sechzehnjährige Yona Klobier wurden verwundet. des Schweizers J. A. Seiler (Nichtjude), übernimmt - wiederum ein Schweizer, Andre M. Hamburger (Jude), die Leitung. * Infolge der fortgesetzten Ruhestörungen macht die spontane Trennung der Bevölkerungsteile' in Jerusalem schnelle" Fortschritte. Die Araber verlassen die jüdischen und die Juden die arabischen Wohnviertel. Ein neuer Weg. der an den Mauern der Altstadt entlangführt, ermöglicht es. die Klagemauer zu erreichen, ohne die arabischen Viertel der Altstadt zu berühren. * In dem Prozess, den die Erben des im Jahre 1909 abgesetzten türkischen Sultans Abdul Hamid, gegen die Mandatsregierung in. Jerusalem angestrengt haben, und in dem die Herausgabe bedeutender Ländereien in Palästina verlangt wurde, ist ein für die Kläger günstiges Urteil gefällt worden.;Die Gebiete, aut die durch dieses Urteil die Erbansprüche bestätigt wurden, umfassen etwa 98000 Hektar und liegen in den Bezirken Beisam, Akko,Haif8, Hule und Jericho. Man nimmt an, dass die Regierung zur Regelung der Angelegenheit den Weg des aussergerichtlichen Vergleiches beschreiten wird. Mit dem vorliegenden Urteilsspruch ist insofern ein interessantes Präjudiz geschaffen, als ähnliche Prozesse auch gegen die Regierungen des Irak und Syriens geplant sind, in "denen das ottomanische Recht die gleiche Grundlage bietet, wie in Palästina. Es handelt sich dabei u. a. um die wichtigen Oelgebiete in Mossul. Da nach ottomanischem Recht den Erben ausser dem Boden auch alle Objekte und Rodenschätze zufallen, würde sich in diesem Falle die Prozessumme um die Erträge aus der bisherigen Oelproduktion erhöhen. Aufbau und Lehrgeld in der Schiffahrt V on unserem *- Palästina- Berichterstatt-er Tel-Aviv, im November. Der Dampfer „Tel Aviv", der seit etwa Jahresfrist im Hafen von Haifa ,.au der Kette" lag. hat die Reise nach Japan angetreten. Dieses Ereignis hat in der palästinensischen Öffentlichkeit einen überraschend starken und schmerzlichen Widerhall gefunden; überraschend deswegen, weil die wirtschaftspolitische Diskussion, die jetzt,; anlässlich eines längst vorherbestimmten Ereignisses, in lebhaftester Form geführt wird, vielleicht fruchtbarer gewesen wäre, wenn man sie vor einem Jahre begonnen hätte, als die ersten Nachrichten über Schwierigkeiten dieser Reederei ..durchsickerten". Heute benutzt, man den Anlas», die Fragen der jüdischen Schiffahrt und der jüdischen Arbeit zur See in ihrem ganzen Umfang aufzurollen und durch sachliche Analyse des Problems Richtlinien für die Zukunft herauszuarbeiten. Allerdings gab es gerade in der letzten Zeit mehrere Anlässe, erfreuliche und unerfreuliche, sich mit diesem neuen Gebiet jüdischer Arbeit zu beschäftigen. Die Fortschritte der Hafenarbeit in Tel-Aviv und Haifa und die Anfänge rationeller jüdischer Seefischerei in eigenen Spezialfahrzeugen, der eindrucksvolle Besuch des jüdischen Schulschiffs ..Sarah I", der. günstige Bericht der jüdischen Reederei „Palestine Maritime Lloyd''4, die den regelmässigen Passagier- und Frachtverkehr zwischen Haifa und Konstanza mit zwei Dampfern betreibt, die Indienststellung des Kurze Nachrichten In den ersten neun Monaten des Jahres 1937 wanderten in Palästina insgesamt 10111 Personen ein /gegenüber 27 95!) im Jahre 1936), davon St>83 (20 »28) Juden und 1428 (1494) Nicht- Juden. Der Anteil der Juden an der Gesarateinwanderung ist also von 94r9 Prozent auf 85.3 Prozent "zurückgegangen. Das Bild dieses Rückganges wird noch .deutlicher, wenn man darauf hinweist, dass die Zahl der jüdischen Einwanderer im Vergleich zum Vorjahre um 63,6 Prozent abgenommen hat gegen eine Abnahme von nur "4,4 Prozent der nicht.jüdischen Einwanderer. Von der Gesamtzahl der Einwanderer kamen 3250 (7319) Personen oder 31,9 (26,3) Prozent aus Deutschland und 2655 (10 531) Personen oder 26,3 (3~-7) Prozent aus Polen. Der Anteil Deutschlands hat sich also seit dem letzten Jahr bedeutend erhöht. Tm gleichen Zeitraum erwarben 13 138 Personen das palästinensische Bürgerrecht,, davon 13 038 Juden, was einem Anteil von 99.2 Prozent entspricht. * Nach dem Rücktritt des bisherigen Leiters des bekannten King-David-Hotels in Palästina, Bretter für die Orangenkisten werden in dem neuen Hafen von Tel-Aviv ausgeladen Fot. Günter Bjlss, Berlin ^*KOsnmu/est Von Fritz Benjamin (Schluss) Niemand kann die zweitausendjährige Diaspora mit plötzlicher Loslösung von Europa wettmachen wollen. Der hochgemute Stolz der Pioniere ist nur ein vages Unterpfand der Entwicklung. — Ans Meer mit seinem vermittelnden Blick nach Europa müssen sich die natürlichen Gegebenheiten jüdischer Kolonisation anlehnen! Idylle in Galiläa In Nazaret, von Zypressen umstellt und mit weissen Fronten der Klöster das hügelige Rund überlagernd, sind wir ins Bergland von Galiläa eingedrungen. Einsame Täler, anmutig begrünt und bebuscht. ünstrenges Licht blickt aus milderen Lüften, und selbst im entwaldeten Lande beschwören musische Töne die heitere Zuversicht — Zur Abendstunde begrüs9t uns der arabische Hirte. die Hand an der Stirn und lächelnd mit milchweiesen Zähnen. Er treibt am Wiesenhange die schwärzlichen Schafe in den ummauerten Ring. Sein Knabe legt das verlaufene Lämmlein zur blökenden Mutter, und zwei Antilopen, die Geiss mit dem Kitz, umspielen ihn auf federnden Läufen und äugen scheu zu den Fremden aus sanften Lichtern. Die Sonne, rosig und ernst über dem verdunkelnden See von Tiberias, verliess den heiteren Raum, Nacht sank, und wir meinten, im Lande Galiläa wieder Wälder und Quellen rauschen zu hören . . . Tiberias ist ein kleines Städtchen am Kineret- See. Das winkelige alte Gassenlabyrinth drängt sich ans Ufer, während am kahlen Hange eine junge Vorstadt an Palmenwegen entsteht. Vom schönsten schwarz-violetten Basaltstein sind die Häuser geschichtet, und die geweissien Fugen äurchbändern sie, wie der. Jude den überlieferten Gebetsmantel und der arabische Beduine den derberen Umhang mit wechselnden Streifen ziert. Die Bewohner des Städtchens leben im uralten eifernden Brauche. Heute noch ist es wie damals, als die letzten Treuen im Lande nach der Zerstörung Jerusalems hier ihre Zuflucht fanden. Durch die Jahrhunderte1 zogen die Stillen aus aller Welt nach Tiberias, und die Gelehrsamkeit ihrer Schulen wurde zum Ruhme der Stadt. Die Gräber weiser Rabbinen liegen auf erhöhtem Friedhof, und dem und jenem wird sein Jahrfest bereitet mit Wallfahrt und aufgehängten Lichtern. Einstmals war es eine Pracht mit dem See von Tiberias. Seine Ufer waren reichlich bebaut, Städte und heitere Villen schauten aus blühenden Gärten, und zu den Badeplätzen der heissen Schwefelquellen kamen die verwöhnten Gäste selbst aus dem fernen Rom. Heute sind Trümmer und Trümmer der alten Zeit in den menschenleeren Tälern zerstreut. — Nun schürft in der felsigen. Oede der Beduine das lockere Geröll zur Seite, dem Reisenden die musivische Pracht der Böden, die heidnischen Marmorsteine und den Grundriss der gewölbten Thermen zu weisen . . . Einsam und schweigsam ist der See von Tiberias, ein kahles Nest und ein leerer Kranz! "Sein weites Rund wird von ebenen Bergrücken umschlossen. Traurige Heiterkeit, wie Liebe ohne Ziel, liegt auf dem blanken Gewässer. Denn ein jeder See hat, anders als das Meer, die Liebe für sich. Ob im märkischen Sande, am Alpenfluss oder in Palästina, der See ist des lächelnden Herzens gewiss. Ist das Meer nicht ein Raubtier, aber jener das Hätschelhündchen in der staubigen Landschaft, das seine Getreuen mit freundlichen Winden und Wellen umschmeichelt? Von Norden leuchten die schneeigen . Kämme der syrischen Bergrücken, Am nördlichen Ufer betreuen italienische Franziskaner die Synagogenstätte von Kapernaum aus römischer Zeit, und auf halbem Wege dorthin halten Diakonissinnen Rasthaue und Fremdenheim. Ihr Garten ist wie ein üppigster Strauss an den kahlen Busen des Sees geschmiegt, und so unvermutet kommt der Uebergang vom Leeren zum Ueberreicben, dass keiner sich schämt, auf übermütige Weise sich verzaubert zu fühlen, wie in der Magie eines Theaterbildes. Im unendlichen tropischen Dickicht prangen amethystene Riesenblüten an fruchibehangenen Bananenstauden. — Auf der Terrasse über dem See war indessen die kleine Mahlzeit bereitet, und die freundliche Schwester reichte, uns das Kaffee- .ge'tränk in dickwandigen Schalen und den frischgebackenen Napfkuchen, der nach guter Hausmannsart reichlich mit Rosinen und Mandeln gespickt war ... Ausklang Lieber Freund!--mit Jubel und Trubel empfing uns die jüdische Stadt Tel-Aviv. Hoch über dem Mittelländischen Meere ragte in Einsamkeit das asiatische Jerusalem. Ueber den Kamm des Gebirges Judäa lenkte die Strasse in die fruchtbare Hitze des Emek, glitt am Karmelhange in die weiträumige Bucht: jetzt hält uns Haifa zwischen Winden und Wassern ... Aber tausend blinkende weisse Gebäude staffeln sich dir an der Flanke des sachten Gebirges entgegen wie ein rüstiges Heerlager am strategischen Posten. Willst du Europa nicht vergessen und in Asien dich nicht verlieren, so komme nach Haifa! Hier versammelt sich eine junge Gesellschaft um die Wunder der Technik und misst dem eroberten Boden seine Aufgaben zu. Das wächst und wird, ohne dass dich ein zähes Ungefähr wie in Tel-Aviv und ein hieratischer firnst wie in Jerusalem verfolgt und erschrecRt. Haifa ist zwar eine Arbeits-, aber keine Arbeiterstadt! Ich muss auf diesem Unterschiede bestehen! Ist der jüdische Landmann im Emek kein Bauer von ständischer. Art," so sind Maurer und. Schlosser in Haifa keine Arbeiter im soziologischen Sinne Europas. Ihre seelische Aufgeschlossenheit versagt sich der klassenmässigen Spaltung. Sie mögen gewerkschaftlich oder parteilichorganisiert sein — Mann für Mann haben sie im Grunde keinen anderen Wunsch, als zum jüdischen Menschenvolke zurückzukehren. Es liegt darin Einfalt und ein weisheitsvoller Stil von gütiger Gemein, schaff, der uns, die Gelockerten, immer wieder erschüttert. Weil alles von weittragenderer Bedeutung ist, so sind auch Leistung und Arbeit in einem kultischen Sinne dem. Leben eingebaut. Drum geht es hier keineswegs auf amerikanische Weise, dass ein jeder sich den derben Erfolg ins Gebetbuch schriebe! Ein unvergleichliches Erbe von sozialer Dichte macht, dass keiner minder sei und von serviler Demut, aber jeder der Würde des Nächsten mit zarter Bereitschaft begegne. Niemand im ganzen Lande verschanzt sich hinter ernster und sturer Feierlichkeit^ sondern überall bist du der gutgeheisseue Freund. Das ist befreiend und glücklich, das ist auch magisch und schwer, wie nie und nirgendwo sonst! Auf solche brüderliche Weise beiligt das Volk seinen Gott! Ich sehe wohl, dass sich die Ethik der einzelnen mit einem wilden Pathos ihrer Gemeinschaft überkreuzt.. Eifernde Parteigänger reizen einander mit verbissenem Hohn und angebotenem Steinwurf, und, während englische Tommys mit nüchternem Gummiknüppel durch die Strassen patroullieren, fühlt sich der hoffnungsvolle Glaube im tiefsten beschämt. — Aber in den Masslosen verbirgt sich indessen vielleicht ganz andere Unruhe, als der politische Vorwand verrät; sie meinen sieh selbst, ein jeder für sich, und in jedem überschlagen sich die Nöte des. jüdischen Volkes, mit Härte und Schärfe ein unbarmherziges Zeugnis abzulegen. Haifa ist Vorort der Gefahr, wo die Spannungen Europas und Asiens sich begegnen, wo ein neuer Rhythmus ins alte Land geriet, und die junge Stadt der Juden mit-ungewohnter Verantwortung bedrängt. — Ich liebe diese Wirrnis! Ein Volk brach auf an einem Punkte, der in jedem Sinne Uebergang zwischen Wüste und Meer, Asien und Europa, bedeutet, zu einer Zeit, wo alles im Aufbruch ist, Völker der alten Welt' ihre Staaten und Religionen. Das «ind schicksalhafte Gezeiten! Wenn ich von der Karmelspitze den ei uz igen Blick auf das purpurne Meer geniesse und umkehrend zwischen Oelbäumen, Steineichen und

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