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Central-Verein-Zeitung · 1937-11-19 · 46 (19.11.1937) · page 13

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
46 (19.11.1937)
Date
1937-11-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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i^r. <6 4. SeibioK Palästina-Umschau der C.-V.-Zeitung Seite 13 19. Novbr. 1937 Vorausschauende Arbeit für einen Jüdischen Staat Von unserem Dr. E. R—z-Palästina-Berichterstatter Wie auch immer die Zukunft des Teilungsplans aussehen mag, die Frage eines eigenen jüdischen Staates ist in die Diskussion geworfeu, es gilt hieraus die Folgerung zu ziehen, sich mit dieser grossen, übergrossen Problematik auseinanderzusetzen, die sie umschliessi. Die "Verpflichtung, eingehend alle staatspolitischen Probleme zu durchdenken, darf als unbestritten vorausgesetzt werden. Es gilt, praktisch durch jüdische Fachleute innerhalb und ausserhalb Palästinas greifbare Vorarbeit für das grosse, produktive Gebiet eines Staatsaufbaues zu leisten, eine Vorarbeit, die nicbt an jüdische Parteidogmen der Diaspora gebunden ist, sondern die frei und klar, zunächst "auf dem Papier, an die Wirklichkeit der Gestaltung eines Staatswesens herangeht Es scheint die Stunde gekommen, einen Plan aufzustellen, der die wichtigsten Sachgebiete der Staatsverwaltung in allen ihren Teilgebieten unter besonderer Berücksichtigung der palästinensisch welSS-Äppa?a £e „Jupiter" anch zum Löten and für Dental-Arbeiten Dr. Emst Moritz & Co.. Berlin W 30, Schwäbische Str. II sehen Verhältnisse umfasst, es müssen Fachleute auf jedem dieser Gebietegefunden werden, die die sachlichen Vorarbeiten zu leisten bereit sind, auf deren Grundlage in der Geburtsstunde eines eigenen Jüdischen Staates die staatspoli tische Wirklichkeit gestaltet werden kann. Je mehr Zeit dafür da ist, desto besser für die Qualität der Arbeit, deren Schwierigkeit niemand unterschätzen wird. Vor einem wird man sich dabei von vornherein schützen müssen: das ist vor der Gefahr einer theoretischen Zerpflückung, vor einer geistigen Atomisierung, die leichter auseinander als zusammenführen "kann. Der Gedanke des positiven, praktischen Zieles darf keinen Augenblick aus dem Auge verloren werden. Es kommt nämlich nicht auf geistige oder literarische Brillanz an, sondern auf solide, wissenschaftliehe Fach- und Sacharbeit, die von Grundideen der Staatshoheit, der Rechte und Pflichten des Staates ausgeht, die jenseits jedes Dogmas liegt Nicht um .den Staatsbegriff soll es bei diesen Arbeiten zur Vorbereitung des jüdischen Staates gehen, sondern um den greifbaren Inhalt des Staates, nicht um die äussere Staatsform, sondern um die innere Staatsformung. Gewisse Ansätze und Erfahrungen liegen zweifellos durch die Arbeit der Jewlsb Agency und der Zionistischen Parteizentrale vor, auf einzelnen Gebieten wenigstens. Soweit vorhanden und zugänglich, werden sie natürlich heranzuziehen sein. Auf jedem Gebiete aber, ob jüdischspezielle Erfahrungen vorliegen oder nicht, ist ein eingehendes Studium der einschlägigen Fragen in den grossen europäischen Staaten bezw. Amerikas ebenso wichtig, wie ihre Handhabung in den fortgeschrittenen Staatseinheiten des Vorderen Orients. Auf vielen Gebieten wird eine Synthese möglich sein, auf anderen wird man sich für ein bestimmtes Vorbild entscheiden müssen. Wenn die generellen Probleme herausgearbeitet sind, dann mus die Detailarbeit unmittelbar folgen, wenn man erreichen will, dass die zu leistende Arbeit Zug um Zug in die Wirklichkeit umsetzbar wird. Wenn die Stunde kommt, die die Formung des eigenen jüdischen Staates bringt, dann darf es kein Gebiet geben, für das nicht gründliche Vorarbeit geleistet ist. Zu den wichtigsten Fragen, die zu berücksichtigen sind, gehört zunächst der Behördenaufbau, Zentralisation oder Dezentralisation des Verwaltungsaufbaues, die Gestaltung der Rechtsverhältnisse, der Gerichtsbarkeit, der Aufbau des Arbeitsrechtes, des Gewerberechtes, der Sozialversicherung wie der gesamten Sozialverwaltung, das P o 1 i - z e i r e c h t und die Polizeiverwaltung, auf wirtschaftlichem Gebiete die umfassenden Fragen der Handelspolitik und Zolltarifgestaltung, und nicht zuletzt das gesamte B u d g e t w e s e n, Fragen der geographischen Einteilung, der Verbindung zwischen Staats- und Kommunalverwaltung usw. usw., um aus der Fülle das Wichtigste zu nennen. Sonderfragen des Eisenbahnwesens, der P o s tvenvaltung, seien nicht vergessen. Alle diese Kernfragen einer geordneten Staatsverwaltung müssen unter Beachtung der bisherigen Verhältnisse im Lande geprüft werden, das bestehende vielfältige Recht muss übergeleitet werden ebenso wie die ökonomischen Fakten der Gegenwart für die wirtschaftspolitischen Massnahmen der souveränen Zukunft den Ausgangspunkt zu bilden haben. Es ist z. B. ausser. Diskussion, dass auf dem Gebiete der industriellen Produktions Wirtschaft ein Schutzzollsystem nötig ist, ein Zollschema, das aber in allen seinen Einzelheiten sorgfältigst zu prüfen ist, ehe es in Funktion tritt, soll es auf längere Sicht nicht mehr Schaden bringen als Nutzen. Gerade auf diesem schwierigen Gebiet liegen sehr gründliche Vorarbeiten glücklicherweise schon vor, ebenso wie für die wirtschaftepolitische Beratung des künftigen Jüdischen Wirtschaftsministers ein sehr bedeutsames Instrument in dem Ständigen Industriecommitte besteht, das von den offiziellen jüdischen Stellen zusammen mit der führenden englisch-jüdischen Bank und Handels- und Industrierepräsentanten schon seit längerem gebildet ist und sehr beachtliche Arbeiten geleistet hat. Fragen der Finanz Wirtschaft und der Währung bedürfen eingehendster Ueberlegungen, wenngleich in der letzteren Frage der Anschluss an den Pfundbiock. des Britischen Empires ausser Frage stehen dürfte. Damit ist aber noch nicht, die Währungsstabilität als solche gesichert, deren Einzelheiten weitblickender Erwägungen bedürfen. Das alles sind nur Beispiele aus der Menge von Problemen. Die systematische, fachmännische Untersuchung aller dieser Ausschnitte staatlichen Lebens in Funktion zu setzen unter den besonders gelagerten Verhältnissen Palästinas, der kleineu „Grösse" des Landes, seiner orientalischen Umwelt und seiner engen europäischen Verknüpfung in kultureller und ökonomischer Beziehung, ist eiue Angelegenheit aller Juden, die Palästina bejahen, — auch,wenn sie es nicht als die letzte Lösung ansehen. Deshalb sollte jeder, der etwas Wesentliches in dem Problemkreis zu sagen hat, der die Vorbereitung eines eigenen Jüdischen Staatswesens in Palästina umfasst, dies tun. Es wäre zu wünschen, dass alle diese Beiträge, ob gedruckt oder ungedruckt, unabhängig davon, in welcher Sprache sie verfasst sind, durch ein anzustrebendes Jüdisches Staatsarchiv gesammelt werden, das nach angemessener Zeit in kleineren Sammelwerken die Frucht der Arbeiten veröffentlichen könnte, die durch die Fachwelt aller Länder beigetragen worden ist. Aber es sei deutlich gesagt: nur praktische Facharbeit, abseits aller politisch-ideologischen Probleme, ist erforderlich, erfüllbare Wirklichkeit und nicht ziellos verworrene Zukunftsphantastereien. Das Staatsgebiet und eine vorhandene Bevölkerungszahl sind gegebene Grössen, es gilt das Skelett des Staatsgebäudes vorzubereiten, in dem diese Menschen friedlich und arbeitssam leben sollen, in dem die Massnahmen vorzubereiten und durchzuführen sind, die eine wirtschaftlich gesicherte Einwanderuns grossen StilS; ermöglichen, in dem eine stolze und freie Jugend erzogen wird. Das sind grosse Aufgaben, sie vorzubereiten, ist ein Gebot dieser Zeit, die so plötzlich dem Gedanken eines eigenen Jüdischen Staates gegenübersteht. Terror in Jerusalem In der Jerusalemer Altstadt kam es in der Mitte der vorigen Woche zu Ausschreitungen, deren Folge die Verhängung des Ausnahmezustandes war. Man sab sich schliesslich genötigt, in zwei Viertel der Stadt je eine aus zehn Mann bestehende Sonderpolizeiabteilung zu legen, deren Unterhaltskosten die Bevölkerung aufbringen muss. Am "Mittwoch wurde in der Altstadt von Jerusalem ein arabischer Gärtner durch mehrere Schüsse getötet. Weiterhin kam es zu Ausschreitungen, bei denen ein Jude und ein Araberscheich schwer verletzt wurden. Endlich wurde in der Nähe der Schneller-Schule in Jerusalem ein Araber erschossen. Auf einen Hilfspolizeiposten im Mekor-Baruch-Viertel wurde geschossen, einige Kugeln drangen in Unterkunftsräume der Polizei ein, ohne aber jemanden zu verletzen. Im Sanhedria-Viertel in Jerusalem wurde ein Tojähriger Araber erschossen. Auf die arabische Omnibus-Halle in der Nähe des Hauptpostamts der Stadt wurde eine Bombe geworfen; fünf Araber wurden verletzt, zwei erlagen ihren Wunden. Ein junger Jude ist im Zusammenhang mit diesen Ereignissen festgenommen worden. Endlich wurde auch eine "Bombe auf eine Gruppe arabischer Arbeiter unweit des Jerusalemer Bahnhofs geschleudert. In der Altstadt wurden in mehreren Häusern die Fenster eingeschlagen. Auch am Sonnabend der vergangenen Woche kam es zu ernsten Ausschreitungen. Auf eine Synagoge der Altstadt wurde eine Bombe geschleudert, die aber keinen Schaden anrichtete. Bei Zusammenstössen in der Altstadt wurden vier Araber und ein Jude getötet, fünf Araber und fünf Juden verletzt. Zusammenstösse am Sonntag forderten zwei Todesopfer. Die Kämpfe nahmen zeitweise ein solches Ausmass an, dass der Autobusverkehr umgeleitet werden musste. Die Strassen der Stadt werden von Panzerwagen durchfahren, der Verkehr auf den Ausfallstrassen wird überwacht. Schulbesuch ist unmöglich. Die Polizei erschoss einen Araber, der auf Anruf eines Polizeibeamten nicht stehen geblieben Senden Sie mir bis auf Widerruf die C-V.- Zeitung. 33 Pf. für Dezember zahle ich bei Vorlage der Postquittung an den Briefträger. Die beiden letzten November- Nummern werden mir kostenlos geliefert. Name: Ort:.;..... Strasse: Ausschneiden und mit 3 Pfg. Irankiert oder auch unfrankiert) senden an: C-V.-Zeitung. Vertrieb, Berlin W 15. Emser Strasse 42. Telet. 92 81 41. war; er stand im Verdacht des Waffenschmuggels. Ein Autobus auf der Strecke Jaffa —Jerusalem wurde unter Gewehrfeuer genommen, wobei drei Araber den Tod fanden. Gelegentlich einer Schiesserei in Bethlehem ist ein arabischer Polizist verwundet worden. Ein Haus, in welchem Waffen und Sprengstoffe gefunden wurden, ist von der Polizei in die Luft gesprengt worden. Auf der Landstrasse zwischen Jaffa und Jerusalem explodierte bei einer Brücke eine Mine, die nur geringen Schaden anrichtete. Die Brücke ist weiterhin passierbar. Im Zusammenhang mit der Explosion ist das nahegelegene Dorf Suba polizeilich durchsucht worden. In der Nähe von Herzlia wurden zwei Araber, die Bomben bei sich führten, verhaftet. Verhaftung von 45 Revisionisten Die Mandatsbehörden haben in der vergangenen Woche 45 Revisionisten verhaftet. Unter ihnen befindet sich Erich Jabotinsky, dex'. Sohn Wladimir Jabotinskys, ferner der frühere Präsident der Revisionistischen Organisation, Dr. Jona Fröhlich. Die Verhaftungen werden in Zusammenhang mit den Vorfällen in Jerusalem gebracht. Es heisst, das die Verhafteten in das Gefängnis von Akko eingeliefert werden sollen. Palästinafahrt III. Von Dr. Eva Reichmann-Jurigir*arm TEL-AVIV, 29. Oktober. Es ist nicht logisch, mit dem Ende zu beginnen, aber wenn die Fülle der Erlebnisse sämtliche Denkordnungen zersprengt, geht die Logik in die Brüche. Darum stehe am Anfang dieses Berichtes die Meldung: unsere Gruppenreise vom Kulturbund und der B. Z. V. ist vorbei. Nach wiederum vielen vollen Wochen — zum Teufel mit dem streitsüchtigen Kalender, der sechs ganze Tage dafür hergeben will! — ist sie zu Ende gegangen. Die meisten von uns waren traurig, als wir uns trennen mussten. Der jeweils anberaumte frühe Tagesbeginn, das Aus- und Einpacken, die Mahlzeiten mit der vorübergehenden Spannung, wie grosse Mühe man sich wohl mit uns geben würde, die Autobusiahrten, die Empfänge, mit denen man uns ehrte und erfreute, das Sehen, Hören und Kennenlernen, die Lieder, die wir sangen, wenn die schnelle Dämmerung des Südens herabsank, — das alles war zum Rhythmus unseres Lebens geworden. Und. durch den gemeinsamen Rhythmus hatten wir etwas von der gemeinschaftsbildeuden Kraft dieses Landes auch an uns erlebt: wir _ Menseben aller .Berufe und Altersstufen — waren eine kleine Kwuza geworden. Die Pionierarbeiten zwar waren uns abgenommen: die leisteten allein unser prachtvoller Reiseführer und Lehrer uud Akiba, unser Fahrer. Aber — mag auch unsere Bindung nur auf der Wucht gemeinsamen Erlebens und nicht auf gemeinsamer Leistung beruht haben — sie ist jeden Tag enger geworden und hat uns den Abschied schwer gemacht. Als wir von unserer letzten Rundfahrt zurückgekehrt waren, sprach Akiba, bevor wir unsern Autobus verliessen, noch einmal zu uns von der Liebe zu dem Land, durch das er uns hatte fahren dürfen, und die er uns als Forderung mit auf den Weg gebe. Es waren starke und schlichte Abschiedsworte, die uns nicht verloren gehen werden. Jetzt, einundeinhalb Tage später, sind wir schon in alle Winde zerstreut. Einige blieben in Tel-Aviv, die anderen verteilten sich auf die übrigen Städte oder gingen aufs Land, um dort den Rest des Palästinaaufenthalts zu verbringen. Wenn wir uns in Monaten in Deutschland wieder treffen werden, werden wieder Welten äusseren und inneren Geschehens zwischen uns Tiegen und die kleine Einheit wird geborsten sein. Für kurze Zeit aber war sie das Gefäss eines reichen und erfüllenden Erlebens, dessen Wirkung seinen flüchtigen. Bestand überdauern wird. Wir haben von Jerusalem, nachdem sich uns zunächst der Zugang nicht recht zeigen wollte, in den Tagen unseres Dortseins noch vieles erfahren. Nicht das ganze Jerusalem zwar, denn diesmal sprachen die politischen Tatsachen ein gewichtiges Wort und verschlossen uns manche Tore und Wege. Aber wir haben uns vieles von dem, was uns von innen zu sehen, verwehrt blieb, von aussen her zu erobern gesucht. Wir sind auf Dächer und Mauern geklettert und haben die Hügel, und Täler, die Kuppeln und Türme,. von allen Seiten her betrachtet. Als sich uns bei der Rückfahrt die grossartige Gesamtsehau wieder bot, die uns beim Kommen die erste Ahnung von der bevorstehenden Herrlichkeit vermittelt hatte, grüsslen wir sie mii vertrauteren Blicken. Wir haben aber nicht nur allgemeine Uebersichten gewonnen. Wir haben die Altstadt, zumal ihre jüdischen Teile, kennengelernt, sahen das bunte Völkergemisch und die ehrwürdigmalerischen Strassenzüge, Elendsquartiere und den bewunderungswürdigen Kampf dagegen, wir fühlten uns in uralten Synagogen als die späten Nachkömmlinge einer unablässigen Folge .,von Geschlecht zu Geschlecht" und erschauerten an der Klagemauer vor der Zeitlosigkeit dieses jahrtausendelangen Ablaufs. Wir sahen Rechavia mit seinen neuen Wohnvierteln, Hochhäusern und Verwaltungsgebäuden und standen schliesslich auf dem Skopus, wo in der Nähe der Nationalbzbliothek und der Universitätsgebäude jetzt der grossartige Bau des Hadassa-Krankenhauses seiner Vollendung entgegengeführt wird. Das Semester haite eben begonnen und am Schwarzen Brett standen Studenten und lasen. die angekündigten Vorlesungen. Es war ein Bild — gar nicht so andersartig als an anderen Universitäten zu dieser Zeit. Nur wenn man aus den Gebäuden in das Amphitheater heraustrat, wenn man wieder die Landschaft Jerusalem liegen sah, und am Ostabhang in unvergleichlichen Farben das Tote IVIeer, dann wurde einem die Andersartigkeit als eine Grossartigkeit bewusst und als eine echt jüdische Grossartigkeit dazu. Wir sind tagelang in den Kolonien umhergefahren, erschüittert und erhoben zugleich. Wir haben die ungeheuren kolonisatorischen Leistungen angestaunt und uns über die wunderbaren Menschen gefreut, die dort Voraussetzung und Ergebnis einer harten, ungewohnten Arbeit sind. Sie alle mögen uns vergeben, wenn wir trotzdem diese Universität am Rande der Wüste unmittelbarer als jüdisch empfanden als sämtliche Traktoren und Brutapparate auf dem Lande. An der beispiellosen Kühnheit, ein Werk zu krönen, bevor noch seine Fundamente feststehen, an dem Wagnis, dem Geiste eine Stätte zu errichten, mag sie auch vor den Massstäben einer rechnerischen Vernunft nicht zu rechtfertigen sein, erkannten wir wieder einmal untrüglich Sinn und Richtung des gesamten jüdischen Palästina. 'Noch ist die Universität bei aller ihrer schon sehr realen Arbeit mehr ein Symbol als eine Wirklichkeit. Sie umfasst erst einige Fakultäten, und der Ausbildungsweg, den sie vermittelt, kommt als ordentliche Berufsausbildung f.ir die Bedürfnisse des Jischuw nur vereinzelt in Betracht. Aber hier ist es wie bei der kolonisatorischen Erschliessung eines neuen Ansiedlungsgebietes: man stellt zunächst einige hervorragende Menschen an zwei ausgesetzte Grenzpunkte. Sind die erst . besetzt, so ist es leichter. Menschen zu finden, die den Zwischenraum auszufüllen die Kraft haben Die Universität auf dem Skopus ist. ein solches geistiges Bollwerk gegen die Wüste, das hervorragende Menschen aufgerichtet haben. Zu einem organischen Teil des jüdischen Aufbaus wird es erst werden, wenn auch die Zwischenstationen im wirtschaftlichen, geistigen und politischen Sinne ausgefüllt sind. Als wir von der Höhe herabkamen, begegneten wir den Menschenmassen, die gerade von der Beerdigung Avinoam Yellins zurückströmten. Er war am Morgen seinen ihm durch arabische Schüsse zugefügten Verwundungen erlegen. Die Universität, auch in der politischen, auf Verständigung zwischen Juden und Arabern gerichteten Idee, die ihre leitenden Männer trägt, ist noch ein weit ins Ungewisse vorgeschobener Posten. Die Zwischenslaiionen sind noch nicht besetzt. Am Abend begrüssten uns die Jüdischen Institutionen: Jewish Agency, Keren Kajemet und Keren Hajessod in ihrem Verwaltungsgebäude in. Rechavia. Kurt Blumenfelds klugen und herzlichen Worten, seinen erstaunlichen Formulierungen und der von ihm ausstrahlenden Sicherheit gelang es, in das wogende Auf und Nieder miserer Gedanken und Empfindungen wieder etwas Ordnung zu bringen. Auch die menschliche Wärme, die wir in jedem Gespräch zu spüren bekamen, legte einen ersten schonenden Verband auf die Stellen, an denen sich unsere Seele in den gewaltigen Stössen dieses unfassbaren Landes schon wund geschlagen hatte. Etwas sicheren Schrittes, als man gekommen war, ging man durch die menschenleere Nacht nach Hause. Dieser Empfang war kein gesellschaftliches Ereignis, sondern eine Wohltat. Wir haben die Wohltat noch sehr gut gebrauchen könuen. Die ersehnte Fahrt nach Jericho und dem Toten Meer musste aus Sicherheitsgründen aufgegeben werden, und als wir am nächsten Morgen Jerusalem in der Richtung auf Tel-Aviv verliessen, erhob sich wieder die Frage, ob wir über das in den letzten Tagen so vielfach genannte Ludd hinweg den Weg nach Ben Schemen würden wagen können. Einige Telephonate brachten günstigere Nachrichten, und, nachdem wir uns an der fast mitteleuropäischen WaJdlandsehaft des Erholungsheims Arsa der Histadrut in der Nähe von Moza er-

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