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Central-Verein-Zeitung · 1937-11-19 · 46 (19.11.1937) · page 12

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
46 (19.11.1937)
Date
1937-11-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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4t?i?e u C.-V.-Zeitung Nr.46 * 19. November ISte/ Jakob spricht an Benjamins Wiege Von Edith L. Meyer Du Knabe, dessen Mutter ich geliebt, wie man die Eine liebt, der man im Dienen mit ganzer Seele sich zu eigen gibt: Mein Sohn Ben-Oni . . . Lass' dein Leben sühnen den Tod der Vielgeliebten. Sieh', es halten dich meine Arme stolz dem Licht, entgegen, dass es den vollen Glanz auf dich verschwende. Schliess1 nicht die Kammer deines Herzens zu! An meiner Hand, mit meinem "Vatersegen gehst du behütet, Kind, als schrittest du im Schatten jener mütterlichen Hände, die noch im letzten irdischen Erkalten zu ewigem Gebete fromm sich falten. Lass' allen Liebreiz, den ihr Gott' verliehn, in deines Antlitz' Süsse neu erscheinen. Und wie das Angesicht der Einzigeinen Licht und Gewölk mir wechselnd widerschien, so sei auch du mein Lachen und mein Weinen. Gott segne dich, Ben-Oni, — Benjamin! ii!!iii;;!:!:iimii!!iitHmiii:ii!mii!imi^ den Bildnisse der Zeitgenossen Gibbon, Hume, Adam Smith, die Porträts der Militärs und nicht zuletzt die 33 Selbstbildnisse dieses englischen Malern, der auch die Damen des Adels auf der Leinwand festgehalten. Gainsboroughs „Blue Boy" wurde neben den Landschaften lebendig, die so typisch die Nuance des Landes wiedergeben. Als der Vortrag mit den berühmten Darstellungen der Lady Hamilton von Romney und dem Bildnis der Elizabeth Farren von Lawrence sein Ende gefunden, dankten viele Besucher dem Redner für den ebenso klaren wie-umfassenden Ausflug in die Malerei des alten England. 0. B. * Das Museum o f Art in Toledo kam durch die Stiftung von Edward Dramtnond Libbey in den Besitz eines antiken Werkes von grosser Bedeutung. Es handelt sieb um den Kopf eines jungen Mädchens, der seit 20 Jahren in der Sammlung Henry Goldman in New-York beheimatet gewesen. Nach dem Tode des bekannten jüdischen Knnsfcsammlers konnte dieses antike Werk, das dem Kunstkreis der Praxiteles nahesteht, für das Museum of Art in Toledo gesichert werden. * Die Stadtbibliothek in Maastricht (Holland!) erwarb eine kostbare lateinische Bibel aus dem Jahre 1485, die sich vorher im Besitz des Münchener Antiquariats Jacques Rosenthal befand. Die Eröffnung der Chanukka-3Iesse des Verbandes Berlin des Jüdischen Frauenbundes in der Marburger Strasse 5 ist auf Freitag, 19. November. 11 Uhr, verschoben worden. Druckfehlerberichtiguag. In dem Beitrag „Der schöpferische Augenblick" von Alfred Auerbach in Nr. 45 der C.-V.-Zeitung, Seite 3. muss es auf Zeile 9 statt „Ferien" Fernen heissen. Zeitung Nr. 40 von 1937) das Schicksal jener Generation geschildert hat, die durch Kriegs? und Nacbkriegswirren ihren Weg gehen musste, ist er in die vorderste Reihe der lebenden Romanciers getreten. Der Erfolg, der bisher allen seinen Büchern beschieden war, wird ihm auch bei diesem neuen Buch treu bleiben. Das enthebt uns nicht der Verpflichtung, mit Aufmerksamkeit zu prüfen, ob die einmal erreichte künstlerische Höhe gehalten wurde. Diese „Begegnung" dreier Menschen bedeutet einen Stillstand. Nur schleppend kommt die Handlung in Fluss, die eigenartige Technik" des Dichters, in traumhaften Visionen die Vorgeschichte zu entwickeln, verliert sich hier oft in zu weit ausgesponnener Seelenzergliederung. Der Held des in Ichform erzählten Romans, ein Schriftsteller, flieht unruhvolf als Vierzigjähriger aus der nördlichen Heimat in die Sonne Capris. Alle seine Handlungen vollziehen sich unter einem schicksalsvollen Zwang. Zwei Frauen begegnen ihm. Joan, das sprühende Im Oktober und im November legte die Schriftleitung des „Morgen" ihrer Lesergemeinde zwei inhaltsreiche Hefte vor, die in besonders ausgeprägtem Masse das Niveau wahren, das wir von dieser Zeitschrift gewohnt sind. Die Vielgestaltigkeit des Inhalts macht den ..Morgen" hier unversehens zum Querschnitt jüdischen Lebens, ohne dass die betrachtende Haltung auch nur einen Augenblick der Aktualität zuliebe aufgegeben würde. Im Oktoberheft wird die Situation ..Zwischen den Konferenzen'', die zur Zeit hinsichtlich des Palästina-Problems besteht, von Werner Cahnmann im Leitartikel eingehend geschildert Die Strömungen im jüdischen Lager, die Alternativen der jüdischen Politik, die zögernde Haltung des Völkerbundes und die Entschiedenheit Englands werden als Komponenten der Lage aufgezeigt, wobei sich für den Verfasser ergibt, dass eine besonnene, allen ideologischen Bestrebungen um eine ..Endlösung" geduldig ausweichende politische Haltung den Gegebenheiten am meisten gerecht wird- Berthold Weinberg beschäftigt sieb in einer Untersuchung ..Zum Glaubensproblem der Gegenwart" mit der religiösen Seite der Rückkehr zum Judentum. Er wirft die Frage auf. ob bei aller Hinwendung zum Judentum ein religiöser Umbruch möglich und der geistesgeschichtlichen Situation gemäss ist. Gegen H. J. Schoeps stellt er die These auf, dass die Auseinandersetzung nicht mit dem Kollektiv, sondern mit dem Universum den Weg zum Göttlichen ebnen wird. Eine über das Historische weit hinausreichende Studie widmet Hanns Meissner der Auswanderungsfrage. An; dem 'Schicksal "'einer Familie vor hundert Jahren schildert er die Bedrängnisse und die Möglichkeiten, die mit der jüdischen Wanderung allem Anschein nach unlöslich verbunden und auch uns gegenwärtig sind. Mala Laase r ruft in einer unaufdringlich gehaltenen Novelle „Der Schuhkarton" zu Hilfsbereitschaft und Mitgefühl auf. Hans Bach beschäftigt sich anlässlieh des Erscheinens seiner deutschen Ausgabe mit dem Peel-Bericht, den er als das literarisch und politisch gleich bedeutende Werk eines Volkes .bezeichnet das ein Weltreich zu beherrschen ge¬ Händler und Verkäufer der neuen Ware manches von denen entlehnen, denen sie den Untergang bereiten helfen. Vor allem ist ihnen die Anlockung des Publikums gemeinsam: Wie der Spielmann seine Gesänge durch die Ankündigung der wunderbaren Geschehnisse anpries, die er erzählen wollte, und die Spannung der Hörer erweckte — so preisen die wandernden Buchdrucker die Werke, die sie verkaufen, ganz ähnlich durch' die Andeutung oder Anführung ihres mehr oder weniger wunderbaren oder wuchtigen Inhalts an. Ausserdem liegt noch eine Aehnlichkeit des jüdischen Buchhändlers mit dem Spielmann darin, dass beide belesene Männer sind, beide oft Bearbeiter ihrer Stoffe, oft auch Verfasser sind. Der Unterschied zwischen beiden liegt u. a. darin, dass der Spielmann wirkliche Hörer anredet, während der wandernde jüdische Buchhändler, auch im Text, zu einem gedachten Publikum spricht. Dabei benutzt er oft die sprachlichen Formen, die der spielmännische jüdische Brauch geschaffen hatte; in dieser Tradition schreibt auch er hin und wieder: ..Hört, ihr lieben Leuf im allgemeinen aber ist an die Stelle der Aufforderung zum „Hören" die zum „Lesen", an die Stelle der kleinen Hörgemeinschaft des Sprechers das stille Kämmerlein des Lesers getreten. Nur die Ankündigung des Werkes, die sich jetzt in die Form der Vorrede (hebräisch: hakdama) kleidet scheint Öfters beim Eintritt in die „Gasse" gesprochen worden zu sein: das wird ausser durch ihren Sprechton durch eine nichtjüdische Quelle bezeugt, wonach die versifizierte Ankündigung der Uebersetzung eines „Ritual-Buches", wie die Quelle sagt, in Amsterdam gedruckt, „öffentlich recommandieret", also doch wohl auf der Gasse ausgerufen wurde. Auch hierin erinnert der jüdische Buchhändler noch an den Spielinann. Eine seltsame Aehnlichkeit verbindet ihn ebenfalls mit einer anderen mittelalterlichen: Erscheinung. Er, der Sammler, Abschreiber und Redaktor der von ihm herausgegebenen Werke, nennt sich oft „Schreiber aller frommen Weiber" oder „Diener aller frommeu Weiber". So hatte sich aber auch der mittelalterliche Kopist Leben, ist ihm magisch getrieben durch viele Jahre aus Amerika nachgereist und glaubt in der Vereinigung mit ihm die Erfüllung ihres Lebens zu finden. Noch im Rausch erkennt er, dass ihn eine andere Frau auf das Eiland gelockt hat: Anetta, die zarte, hintergründige Italienerin. Aber ihm ist die Erfüllung nicht gegeben, so wenig wie ihr, die ein schuldhaftes Leben abbüsst. Beide Frauen entgleiten ihm, und er geht einsam, suchend in die Zukunft. Man erkennt aus dieser kurzen Inhaltsangabe, dass das Problem der stets entweichenden Frau hier wie in „Abschied vom Gestern" das Leitmotiv ist. Selbstverständlich ist auch diese Arbeit besonders in ihrem letzten Drittel, reich an dramatischen Momenten, an glänzend formulierten Gedanken, prächtigen Bildern und phantastischen Figuren. Jedoch drängt sich das Gefühl auf, Körmendi habe — wie der Dichterheld seines Buches — nicht die Ruhe gefunden, das Werk ausreifen und sich vollenden zu lassen. Or. wohnt ist. Erich Loewenthai entreisst eine Märchennovelle aus der Feder zweier in Prag tätiger Jüdinnen, Bela Horwitz und Rachel Rausnilz, um 1700 in jüdisch-deutscher Sprache geschrieben, der Vergessenheit. Im Covernberheft stellt H. B. ein literarisches, besser ein literarisch-ökonomisches Thema, „Das jüdische Buch", zur Diskussion. Anschaulich, weiss der Aufsatz klarzumachen, wie innerhalb des jüdischen Verlagswesens wie des Verlagswesens überhaupt geistige Zielsetzungen mit wirtschaftlichen Notwendigkeiten vereint Buchproduktion und Bucherfolg bestimmen. In der etwas ernüchternden Feststellung, dass die jüdischen Verlage in mancher Hinsicht nicht weniger als das jüdische Publikum versagt haben, liegt zugleich die Frage nach der. Zukunft des jüdischen Buches, in der der Autor mit Recht eine Schicksalsfrage unserer Gemeinschaft sieht, Einen praktischen Wegweiser für die „Einwanderung nach Amerika" gibt Karl Landauer, der mit den herkömmlichsten Vorurteilen über das Yankeetum aufräumt und eine vorurteilsfreie und einordnungsbereite Haltung der jüdischen Einwanderer nach den Vereinigten Staaten herzustellen bemüht ist. Ernst S i m o n behandelt in einer Untersuchung „Die Bibel im neuen Palästina" einige Einzelprobleme bibelkritischer und pädagogischer Art, die mit der Wandlung in der Haltung zur Bibel in Zusammenhang stehen. Walter Laas er erzählt einige lustige Anekdoten von „Hersch Ostropoler", dem jüdischen Eulenspiegel des Ostens. Bertha Badt-Strauss iässt die Figur eines beinahe vergessenen, für den Bildungsweg jüdischer Menschen im 19. Jahrhundert aber höchst charakteristischen Gelehrten Meyer Isler aus Tagebüchern und Briefen wieder aufleben. In einer geistreichen Studie, als Schauprozess-Protokoll „Constantin .Brunner und seine Zeitgenossen", wirft Leo Hirsch die Frage nach der Bedeutung des Mannes im jüdischen Bereich und für die jüdische Entwicklung auf. Durch beide Hefte zieht "sich ein in zwei Teile gegliederter sachlich kühler, doch in seinen Schlussfolgerungen aufs tiefste erregender Aufsatz von Günter Friedländer, der das „Ende der Bünde" zum Gegenstande hat An Hand vorzüglichen Tatsachenmaterials schildert der Artikel den Weg, den die jüdischen Jugendbünde in den letzten Jahren genommen haben, und der von einem äusseren Aufschwung in eine genannt, der für wohlhabende jüdische Frauen Handschriften und religiöse Bücher abschrieb und so ihr Lesebedürinis stillte; auch dies bildete eine primitive Form des Literaturbetriebes. In einem Nachwort lobten diese Kopisten ihre „gute Gönnerin", d. h. ihre freigebige Hand, sie stellten hier ihre Verdienste, ihre Wohltätigkeit und Frömmigkeit und womöglich noch die trefflichen Eigenschaften ihres Mannes dar und wünschten ihr Glück und Segen: „Das tut beten der arme Schreiber, Diener aller frommen Weiber." Im Text redet der Kopist die Gönnerin, wie der Spielmann seine Hörer, vertraulich an und versichert sie der Wahrheit des Geschriebenen. Später unterschreibt und nennt sich der Kopist — und ist so schon von manchem Gelehrten irrtümlich für den Verfasser des abgeschriebenen Werkes gehalten worden. Es handelt sich hier also um eine Gruppe verwandter Erscheinungen, die sich nicht immer scharf gegeneinander abgrenzen. Der Buchhändler stellt wahrscheinlich und sozusagen die neue und. erweiterte Ausgabe des Kopisten dar. Der wandernde Buchhändler ist jedenfalls ein geschickter Mann, der die neuen Umstände zu nutzen weiss. Er lässt meist ein Werk in einer kleinen Auflage drucken und vertreibt es 'selbst, mit seinem Vorrat von Ort zu Ort, von Gasse zu Gasse wandernd und es etwa so anpreisend: „Kommt her, liebe Mannen und Frauen, Und tut das schön Maassebuch anschauen . . ." Oder: „Ihr alle, Mannen und Frauen, Kommt alle, das herrliche Buch anzuschauen . . ." Auch vornehmer und in noch spiel männischem Charakter („Buch Josippon"): „Ihr lieben Leuf, leset in diesem Sefer, was es bedeut" . . . Von grossen Wundern und Zeichen, Was da ist geschehen vor alter Zeit . . .'* usw. Ein Sittenbüchlein, 1602 in Basel erschienen und von den Pflichten der Frauen handelnd, empfiehlt sich als Wegweiser: So wird das Büchlein euch weisen den rechten Drum, liebe Weiber, seid nit trag, [Weg, Ihr sollt darinnen lesen und in Ehren halten. Es ist gedruckt nach den Alten, Und tut etliche Groschen nit sparen, tiefe innere Krise hmeintührte. Für diesen Weg weiss der Verfasser eine überzeugende soziologisch-pädagogische Deutung zu geben, und in Worten, deren Unebenheit man seine Erregung anmerkt, schildert er den verhängnisvollen Einfluss, den das politische Spiel der Erwachsenen- Organisationen auf die jüdische Jugendbewegung ausgeübt hat Die stärkste Möglichkeit zur Fortführung der Erziehungsarbeit, die bisher den Bünden oblag, sieht Friedländer in den Einrichtungen der Jugendpflege, obwohl er sich nicht im unklaren darüber ist, dass diese, ehe sie den neuen Aufgaben gerecht wird, noch einen starken Bedeutungswandel wird durchmachen müssen, und dass sie noch weithin unerprobt ist. Im zweiten Teil seines Aufsatzes wendet sieb Friedländer dem „Aufbau der Jugend" zu. Seine Forderungen sind bescheiden und der Wirklichkeit angepasst, bedürfen aber wegen ihrer Ausrichtung auf das Zweckmässige und Mögliche besonderer Beachtung. Zur Ueberwindung der nicht unbedenklichen pädagogischen Situation schlägt Friedländer eine Reihe von Einzelmassnahmen vor, deren Behelfsmässigkeit auch ihm selbst klar ist. Aber er empfindet die Notwendigkeit sehr stark, endlich Entscheidendes für die jüdische Jugend zu tun, solange sie noch in Deutschland lebt und soweit es die schmaler werdenden Mittel der jüdischen Gemeinschaft gestatten. Der Besprechungsteil beider Hefte ist wie immer besonders reichhaltig. Ludwig Feuchtw a n g e r zeigt den letzten Band der „Berliner Bibel" an, Rudolf L e v y gibt eine Literaturübersicht über Neuerscheinungen, die jüdische, arabische, palästinensische Fragen behandeln. Sehr fesselnd ist eine Skizze „Umworbene Juden", die sich mit der in Frankreich plötzlich hochschiessenden Literatur judenmissionarischen Charakters beschäftigt Werner Cahnmann bespricht das Reisebuch einer Frau, die ohne Begleitung Arabien durchzogen hat. Die mustergültigen Neuauflagen des Baerschen Siddurs und der Mandelkernschen Bibelkonkordanz, die der Schockenverlag kürzlich herausgebracht hat, werden ■ in ihrer neuen Gestalt einer eingehenden Würdigung unterzogen, ebenso die nun vollständig vorliegende, von' Max Brod besorgte Gesamtausgabe der Werke Franz Kafkas. Neben kleineren Beiträgen bringt das Oktoberheft eine der beliebten Glossen des „Morgen" mit der Ueberschrift „Komfort", während im Novemberheft von der fast klassisch gewordenen filmischen Figur des Charlie, die Chaplin gestaltet hatte, Abschied genommen wird. Kurt Julius Riegner. Im Kulturbund s Dr. Max Osborn „Die grossen Engländer" Das 18. Jahrhundert in England brachte das Scharfen der berühmten Künstler Reynolds, Gainsborough, Romney und Hoppner. Max Osborn begann seinen Vortrag im Kulturbund mit dem Werk von Hogarth, dem eigentlichen Begründer der englischen Malerei, und er zeigte im Lichtbild die bekannten Folgen, die „Heirat nach der Mode" und viele andere moralisierende Gemälde und Kupferstiche dieses Künstlers. Der Vortrag rief wieder vieles ins Gedächtnis, vornehmlich die Porträts, die Reynolds, der den Anschluss an die alten Meister suchte, gemalt hat. Die durch ihre Charakteristik hervorragen- Vom Grund und Lohn der Gebote werdet ihr [darinnen erfahren. Noch in „jener Welt", dem Paradiese, wird man des Bücherkaufes froh sein, behauptet ein anderer: Wenn ihr ernstlich darinnen werdet lesen. So wird sich euer Herz erfreuen. Und werdet ihr es wert halten, So werdet ihr in Ehren alten (alt werden). Drum lasst euch euer Geld nicht verdriessen, Denn ihr werdet es noch in jener Welt [gemessen. Auch eine andere Anpreisung behauptet von dem Kauf des Buches: „Die künftige Welt werdet ihr damit verdienen". Mit einer ganz besonders eigenartigen und wirksamen Werbung tritt der erste Herausgeber des grossen Maassebuches auf. Er beginnt mit dem Lobe Gottes: Gott, dessen Name gelobt sei, allein die Ehr', Der mir hat geholfen in meinem Begehr, Das ich mir lange hab' vorgenommen, Zu dienen den Weibern, den frommen. Jeder, fährt er fort, der die hübschen Geschichten und Hagadas seines Werkes gelesen habe, könne sich, auch wenn er bisher nichts von den heiligen Schriften gewusst hätte, fortan als Gelehrter aufspielen und den Anschein erwecken, als kenne er die „Tora auf einem Fuss", — eine knappe Anspielung auf die hübsche Anekdote, die von Hillel berichtet wird: ein römischer Hauptmann bat ihn, ihm den Inhalt der Lehre zu sagen in der Zeit, während der er, der Hauptmann, auf einem Fuss zu .stehen vermöge. Sodann polemisiert dieser Buchhändler und Herausgeber gegen diejenigen ursprünglich spielmännischen Bearbeitungen und jetzigen Bücher, deren Fabeln niehtjüdiseben Ursprungs sind; nicht ohne Hinblick auf den scharfen Wettbewerb, den sie ihm machen, sagt er, sie seien „heidnisch und ungöttlich"; es sei „eine Sünd' so hoch wie ein. Haus, Zu lesen am heiligen Sabbat daraus". Dagegen — Wollt ihr eure Zeit mit Lesen vertreiben, So will ich euch ein schönes Maassebuch schreiben. Drum, ihr lieben Frauen, kauft es behend. Bevor es muss gehen in fremde Land' — Das heisst bevor er weiterwandern muss. Nach der Versicherung, das Buch werde den Käufer viel Gutes lehren, schliesst er mit dem kühnen Versprechen, Gott werde den Käufer des Buches mit seinem Schutze belehnen!: Drum lassfs euch um einen Taler nit sein zu teuer. So wird euch Gott, behüten vor dem Bösen und dem Ungeheuer. Diesenj Versprechen liegt freilich der Dämonen- und Aberglaube jener Tage zugrunde; die gottesfürchtigen Geschichten des Maassebuches, meint, der Herausgeber, sind geeignet bösen Zauber zu brechen oder jedenfalls Anschauungen zu erwecken, welche einen inneren Schutz bilden. Andere wandernde Buchhändler mahnen .zur Eile, weil sie nach Hause wollen; es ergibt sich dabei, was für arme Teufel sie sind: Drum, liebe Weiber, habt auf mich acht und tut mir's Blatt abkaufen, Da ich bald zu meinem Weib und Kindern muss laufen. Auch die Anpreisung in Prosa kommt vor« und zwar sonderbarerweise in einem im übrigen gereimten Sittenbuche, dem „Buch des ewigen Lebens*, das 15S3 herausgekommen ist: „Das Buch des ewigen Lebens, welches denen, so es lesen und mit Fleiss, was darinnen begriffen ist, behalten und ins Werk setzen, Gnade in dieser Welt bei Gott und Menschen, danach aber das ewige Leben erwirbt, dazu uns dann der gütige Gott sämtlich wolle verhelfen." Sogar Gebetbücher werden im barocken Stil der Epoche zum Kauf angepriesen: „Liebe Brüder, kauft diese liebliche Tefilla oder kräftige Artznei für Körper und Seele, die nit in solchem Druck gewesen ist weil (während) die Welt steht ..usw. Im übrigen aber haben diese Buchverkäufer aicht nur. ihre Bücher kräftig angepriesen ~, deren innerer Wert erfüllte durchaus die Versprechungen — sondern auch ein Bewusstsein ihrer kulturell-sittlichen Aufgabe gehabt. (Wird fortgesetzt) Zwei „Morgen"-Hefte

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