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Central-Verein-Zeitung · 1937-11-19 · 46 (19.11.1937) · page 11

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
46 (19.11.1937)
Date
1937-11-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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JChÖpferische Juden / Der Verleger und der Kaufherr Von unserem F.B.-Berichterstatter Kopenhagen, Anfang November. In diesen Tagen feierte der Verlag Albert Bonnier in Stockholm das Jubiläum seines hundertjährigen Bestehens, in Dänemark gedenkt man zu gleicher Zeit des Geburtstages Philipp W. Heymanns, der vor hundert Jahren das Licht der Welt erblickte und später Gründer der Brauerei Tuborg wurde. Bonnier ist das bedeutendste Unternehmen in der Hand jüdischer Schweden, Tuborg im Rahmen wirtschaftliehen Wirkens die hervorragendste Schöpfung von Juden in Dänemark. Der ewig närrische Zufall verkettet Verlag und Brauerei, und doch steckt hier hinter dem Zahlenspiel der Gedenktage der tiefere Sinn einer nunmehr hundertjährigen, über die private Sphäre weit hinausreichenden vielseitigen und erfolgreichen Wirksamkeit der seit dem Beginn des vorigen Jahrhunderts mit Land und Leuten fest verwurzelten Juden Skandinaviens. Ihre Geschichte ist kürzer als die der Juden des übrigen Europas. Fast jede Familie kennt noch das Einwanderungsdatum, das ein Neubeginnen bedeutete. Nahezu jeder weiss um seinen Stammbaum mit seinen Verzweigungen und hält auf die Tradition seiner Familie. Die ersteingewanderten Familien ragen amerikanischen Erscheinungen nicht unähnlich als eine Art Aristokratie hervor, in Stockholm nennen sie sich selbst mit deutschen Worten: die alten Juden. Sie haben es in einer immer wieder ganz erstaunlichen Weise durch alle Geschlechterfolgen, nicht zuletzt auch durch glückliche Wahlverwandtschaften verstanden, das ererbte geistige und wirtschaftliche Gut nicht nur zu erwerben, sondern zu besitzen und zu weiten. So treiben denn einzelne Stammbäume mit in Skandinavien und oft darüber hinaus klingenden Namen immer wieder neue Triebe, ohne das? die Bäume taube Früchte zu tragen scheinen. Wir-finden durch, das Jahrhundert in einzelnen hervorragenden Familien eine genealogisch bemerkenswerte Fülle von Wissenschaftlern, Künstlern und überdurchschnittlichen Männern der Wirtschaft. Der Verlag B o'n n i e r schenkte zu seinem Geburtstage den schwedischen Schriftstellern eine Million Kronen .und .seinen . Angestellten, eine weitere Million und feierte sein Jubiläum darüber hinaus durch ein .Prachtwerk«seiner Geschichte,' die zugleich eine Geschichte der schwedischen Literatur und Kultur des letzten Jahrhunderts ist. Der Verlag zählt nicht nur zu den grössten Wirtschaftsunternehmungen des Landes, er rechnet zu den bedeutendsten Verlagen der Welt. Er umiasst einen Buchverlag, in dem kaum ein Name von Weltruf fehlt, sowie' einen Zeitungs- und Zeitscfariftenverlag. Strindbergs Kampf um Anerkennung war mit ein Kampf des Verlags Bonnier; Selma Lagerlöf. Ellen Key, Sven Hedin und Axel Munthe, um nur einige allgemeiner bekannte Namen der schwedischen Literatur zu nennen, sind mit dem Verlag verknüpft. Die Bonniers kamen von Böhmen über Deutschland nach Kopenhagen. Der altangesehene dänische Verlag Gyldendal Hess ihnen hier keinen Raum. Gerhard Bonnier sandte seinen ältesten Sohn Adolf nach Göteborg. Als er 1827 in Göteborg an Land stieg, betrug sein Betriebskapital 66 Reichstaler. Er begann, um uach wenigen Monaten 700 zu besitzen. 1830 holte er sich seine jüngeren Brüder Albert und Felix nach. Er eröffnete eine Filiale in Stockholm, wo alsbald Königin und PIronprinz zu seinen besten Kunden zählten. 1837 begann Albert Bonnier seine erfolgreiche Verlagstätigkeit mit dem Buch „Beweis, dass Napoleon nie existiert hat", einer Satire über den theologischen Streit um „Das Leben Jesu" von David Friedrich Strauss. Albert Bonnier lebte über 60 Jahre seinem Verlegerberuf, während seine Brüder sich dem Buchhandel, dem Buch- und Zeitungsverlag,. daneben auch der Journalistik widmeten. Albert Bonnier überflügelte die Brüder und die Konkurrenz; er starb mit 80 Jahren. Mit seinem Sohn Karl-Otto trat die dritte Generation in die Reihe. Unter ihm erfolgte eine Konzentration des schwedischen Buch- und Zeitungsverlags gewaltigsten Ausmasses. Die konkurrierenden Verlage wurden nahezu Schlag auf Schlag mit Albert Bonnier fusioniert. Karl-Otto Bonnier ist heute über 80 Jahre, vor eingen Jahren begann er mit der Herausgabe einer vielbändigen Geschichte seines Geschlechts. Jetzt steht die vierte und fünfte Generation der Bonniers in dem weitschichtigen Betrieb. Gehen wir nach Dänemark. Philipp W. Heymann stammte aus einem alten Kaufmannshaus. Er selber lernte in der Butterbranche, während sein Vater und Bruder bayrisches Bier in Dänemark brauten. Er war der erste, der dänische Butter in hermetisch verschlossenen Dosen in überseeische Länder exportierte und damit der dänischen Landwirtschaft völlig neue Bahnen wies. Er schuf die Kopenhagener Schweineschlächterei, der später viele Filialen auf dem Lande folgten. In Wort und Schrift kämpfte er für eine Verbesserung der dänischen Schweinerasse, bis es zuletzt gelang, den englischen Markt zu "erobern. Heute ist die'Bacon- ■. Ausfuhr : eineder__Hjiurjtejnnahmeque Dänemarks. Zum Schlüsse warf er sich, auf die Brauerei Tuborg, die unter seiner Leitung ein technisch mustergültiger Betrieb wurde. Seine Arbeit wurde von seinem Schwiegersohn fortgesetzt, doch hier mündet seine Geschichte in die der Familie Dessau. In der Kopenhagener Börse hängt ein Gemälde Kopenhagener Börsenlebens. Hier sehen wir Heymann, einen Riesen mit freundlichem Blick hinter Brillengläsern, im Gespräch mit interessiert lauschenden Kaufleuten. Er übertrifft fast alle an Körpergrösse und Leibesumfang. Bei aller Gemütlichkeit seines Wesens hatte er ein für seine Zeit schreckliches Tempo; das nun längst aufgewachte Kopenhagen von heute erzählt, dass er als erster Stenographen beschäftigte und als erster sich eines Telephons bediente. Er ist längst gestorben, aber die dänische Wirtschaft erinnert sich heute, da sich sein Geburtstag zum hundertsten Male jährt, seines bahnbrechenden Unternehmergeistes. Neue Romane Hans V. Hammerstein: Wald. Ein Roman aus dem allen Oesterreich. Bermann- Fischer Verlag, Wien 1937. Wo der ewige Atem der Wälder braust, wird er oft denen, die ihn liebend verstehen, zum Schicksal. So ist es nicht nur in den Ländern des Nordens, so ist es auch im niederösterreichischen „Waldviertel", dem Hochland, das im Süden von der Donau und' im Norden von Böhmen begrenzt wird. Kampf um das Walderbe ist der Inhalt dieses Romans. Des Waldes Seele offenbart sich in mannigfaltigen Gestalten. Er ist der Mittelpunkt des Geschehens, ist es in höherem Masse als der junge Mann,''der in seinem Schatten Liebe, Jugend und Leid erfährt und als Schützer des Waldes die Kraft seines Herzens erprobt. Die Zeichnung der Gegenwelt, die den Wald bedroht, ist etwas blass und beiläufig: aber der Strom der Erzählung fliesst in ruhevoller Stärke, wenn sie aus der Fülle des Erschauten in unermüdlicher Dankbarkeit den Wald preist und die gottgeschaffene Welt, die seine Wipfel umrauschen. Unseren besonderen Sorgen und Nöten scheint dies Buch fernzustehen, aber es trifft uns ins Herz, wenn der Erzähler die Heimat anspricht als: „Glück..., wenn nicht das grösste. so das gewisseste und dauerhafteste für Erdenkinder, ein Glück, das keine Launen hat. das sommers und winters schön ist und mit dem Alter in seinem Wert immer tiefer und voller erfasst wird." P.M. Valentin Richter: Ein Leben und ein Augenblick. Bermarm-F hoher Verlag, Wien 1937. Dies ist die unheimliche Geschichte des österreichischen Dragonerleutnants Anton Ehm. der gleich nach dem Ende des Krieges die Heimat verlassen hat und durch alle Demütigungen und Versuchungen des niederen Lebens gewandert ist, bevor er im Nordwesten Argentiniens auf abenteuerliche Weise zu Macht und Reichtum gelangt. Aber in Südamerika hält es ihn nicht. Nach vielen Jahren kehrt er zurück nach Oesterreich, wo er keine Verwandten und kaum noch Beziehungen hat. Er istein seltsamer Heimkehrer. Er kehrt nicht zurück wie d«r Wanderer Odysseus, um Rechte, geltend zu- -machen, nicht wie Enoch Arden, der-die- "Heimat wieder verlässt, um das Glück der geliebten Frau "nicht zu stören. Anton Ehm hat eine Schuld, vielleicht nur eine Gedankenschuld, die ihn in die Heimat zurückzwingt. Es handelt sich bei ihm, wenn man das Wort von-Marcel Proust hier anwenden darf, um eine „Recherche du temps perdu." Einst, im Herbst 1918, in der Todesverlorenheit der letzten Kriegstage, als seine Welt zerbrochen war und nur die Liebe zu einem stolzen und schönen Mädchen ihm noch Lebensmut gab, hat er während eines Gefechtes auf einen heldenmütigen Kameraden, der zugleich sein Rivale war, einen Schuss abgefeuert. Ob der Freund den feindlichen Kugeln oder diesem Schuss erlesen, ist nicht zu klären. Anton Ehm muss mit diesem Augenblick, der ihm die ungeheuerliche Tat eingab," fertig werden, so gut es geht Was einst geschehen," offenbart er der Tochter der einst Geliebten Nach dieser Beichte kehrt er zu. den Pflichten zurück, die ihn in Argentinien erwarten. Der Leser täte diesem JRoman bitter Unrecht, wenn er ihn, um seiner phantastischen Fabel taukka-Leuchier Bücher M W. KAUFMANN, Leipzig C, Brühl 34/40 willen, nur als spannende Lektüre aufnähme. Es geht nicht um einen Kriminalfall, es geht um Schuld und Sühne als Gesetz des Lebens, dem jedes Menschentum unterworfen bleibt. Wohin auch immer der Verfasser uns führt, er lässt uns im farbigen Geschehen Entscheidungen des Geistes miterleben. P.M. Franz Körmendi: Begegnung. Bermann-Fischer Verlag, Wien 1937. Seitdem Körmendi in seinem umfangreichen Werk „Abschied vom Gestern'* (vgl. C.-V.- oo<xxxxx><xxx>c><><x><x><xxxxxx>o n G. Bursch-Dreyfus: „Arosa" Fot. Sonnenfeld Die Jüdische ■VoIksÜteratar / Leo Rein /. Fortsetzung Auch der spielmännische Bearbeiter einer provencalisehen Verserzählung beginnt: „Gott den Herrn soll man loben und erzählen seine Wunder . . im zweiten Vers redet er die Hörer an: „Wollt ihr Wunder hören und eine Weile still schweigen, Ich will singen . . . und schöne Geschichten anzeigen . . ■" Aehnliehe Anreden finden sich oft: „Hört zu, ihr lieben Leuf!" „Wollt ihr hören, ihr Herren allgemein"; ebenso oft die Aufforderung zur Ruhe. Hat der Spielmann die Erzählung so weit vorgetrieben, dass eine gewisse Spannung erreicht ist, so macht er eine Ruhepause und regt, fast immer durstig, die Hörer an, ihm eine Erfrischung zu bringen. Er bricht oft in der spannendsten Situation ab und droht, nicht nur diese Spannung nicht zu lösen, sondern auch den Helden in seiner gefährdeten Lage zu lassen: z. B. muss dieser ... so lange gefangen sein, Bis ihr mir gebt zu trinken gut Wein, Doch will ich ihm helfen wohl. Schenkt ihr mir anders ein grosses Glas voll. Nach der Erfrischung beginnt der Spielmann meist einen neuen Gesang. Fast immer schiiesst der Wunsch nach der Erfüllung der messianischen Verheissung den Vortrag des letzten Gesanges ab. Dass auch hagadische und Prosa-Geschichten vorgetragen wurden, bezeugt manche Maasse, welche die Zeichen der spielmännischen Entstehung noch an sich trägt. Ebenso werden die jüdischen Spielleute auch Lieder allgemeiner Natur vorgetragen haben. Manche jüdische Handschrift birgt die hübsche Bearbeitung eines Liebesliedes; aber auch Sabbatlieder stammen vod Spielleuten, die sich als Verfasser nennen: „Der uns das Semiraus neu gesang, Er ist uns allen ein Bekannt", Er ist von Zürich aus der Stadt, Buimin ist er genannt." IV. Elia Bachur und sein „Baba-Buch" Eine sehr interessante Erscheinung aus der Weit der beginnenden Renaissance ist Elia Levita, der sich, weil er spät heiratete, in seinen volkstümlichen Werken Elia Baehur (Elia der Jüngling) nannte. 1469 in Neustadt bei Nürnberg geboren, wanderte er früh nach Italien aus, veröffentlichte hebräische grammatische Studien und volkstümliche Glossare. Er lernte den Kardinal und Humanisten Egidio Viterbo kennen, und der wurde sein Gönner; Bachur führte ihn, in der Welt der erwachenden. Altertumsstudien, in die Kenntnis des Hebräischen ein und übersetzte für ihn kabbalistische Werke. Bachur war Gelehrter und Pamphletist, Schriftsteller und Dichter. Nach nochmaligem Aufenthalt in Deutschland endete sein bewegtes Leben in Venedig am 28. Januar 1549. Bachur vereinigte in seinen beiden Hauptwerken, die hier in Betracht kommen, nämlich dem „Baba-Buch"1 (auch Bovo-Buch oder Bovo- Maasse genannt) und „Paris und Viena". die ältere spielmännische Tradition mit der Technik der Italiener. Beide Werke sind Abenteuerromane; beide sind in Stanzen geschrieben. Das „Baba-Buch", 1507 verfasst, hat eine bedeutende Popularität erlangt; es ist nach seinem Erstdruck, den Bachur noch erlebt, haben dürfte, oft neu aufgelegt worden; ausserdem gehört es zu den ersten gedruckten jüdischen Büchern. Den verschiedenen anderen Fassungen des vielgelesenen Werkes, das er aus dem Italienischen bearbeitete, gesellte Bachur die jüdische Version. Es sind die bunten Abenteuer und Zwischenfälle des Mittelalters - und der politischen Verhältnisse am Mittelmeer, die den Inhalt der ursprünglichen Version des Werkes bilden. Baba, der Sohn eines Herzogs, wird von seinem heimatlichen Hof durch den Mörder seines. Vaters vertrieben, der Babas junge Mutter heiratet. Die Matrosen einer Brigg nehmen ihn auf, verkaufen ihn aber als Sklaven an den König Arminion. Baba gewinnt die Liebe der Königstochter Drusenia, besteht schwere Kämpfe und verrichtet entsprechende Heldentaten; als seine wahre Abkunft bekannt wird, gibt der König seine Zustimmung zur Verlobung der beiden. Aber neue Schwierigkeiten und neue Kämpfe drohen dem Helden, eine Intrige entfernt ihn vom Hofe, er gerät in die Gefangenschaft des Sultans. Auch hier rettet ihn — ein beliebtes Motiv — die Liebe einer Frau: diesmal ist es die Tochter des Sultans. Baba, von Sehnsucht nach Drusenia getrieben, entflieht und kommt gerade zur rechten Zeit, um die Verbindung Drusenias mit einem verhassten Nebenbuhler zu hindern und sie vor der schon drohenden Hochzeitsnacht zu retten. Neue Leiden und gemeinsam getragene Abenteuer entstehen den Liebenden, die herumirren, bis es Baba doch gelingt, in seine Heimat zu gelangen, den Mörder seines Vaters im Kampf zu erschlagen und seinen herzoglichen Sitz wieder einzunehmen. Die Aufgaben, die der mittelalterliche Roman ihm stellte, hat der Held gelöst und kann nun in Frieden leben. Die lebhaft bewegte Handlung des Romans in Verbindung mit Bachurs volkstümlichem Erzählertalent war es gewiss, die den Erfolg des Buches erzeugte. Wert- und gehaltvoller, aber weniger bekannt ist „Paris und Viena", der Roman, der das Lob der beständigen und hin- gebungsvolien Liebe Vienas zu Paris singt. Bachur hat, auch nach eigenem Zeugnis, seine Arbeiten selbst vorgetragen; Erik hat ihn daher den jüdischen „letzten Spielmann" genannt. Obwohl kein Namenloser, sondern gleichzeitig ein Gelehrter von Ruf, bleibt Bachur doch innerhalb der spielmännischen Tradition. „Ich singe es" — das Baba-Buch — „mit einem welschen Gesang" (in einer italienischen Weise), schreibt er in der Vorrede; und nach dieser Weise wurden später auch andere jüdische Lieder gesungen. Auch nennt er sich: „Doch will ich nennen davor, wer das Buch hat gemacht und geschrieben, Elihu Bachur nennt er sich zuvor, ein ganzes Jahr ist ihm dabei geblieben . . ." Halb im Scherz, halb in der Schablone des spielmännischen Brauches bricht auch er mitten in der Schilderung-einer Lieb^sszene ab mit den trinkfrohen Worten: „Und wollt ihr weiter . hören von den Vieren, so wartet; ich muss zuvor die Kehl' mir schmieren . . ." Ueberhaupt ist der tiefe Ernst der frühen spielmännischen Epoche jetzt verschwunden: bereits bei Bachur beginnt der Einfluss jener burlesken Komik, die den Abstieg bedeutet. Was bei Bachur, der gleichfalls sein Epos mit der messianischen Verheissung schiiesst, nur angedeutet erscheint, gelangt in den nächsten Epochen zur vollen Auswirkung. V. Die wandernden jüdischen Buchhändler Die Erfindung des Buchdrucks bedeutet im Grunde schon den Untergang für die wandernden Erzähler und Vortragenden. Sie nimmt ihnen den Grund, auf dem sie standen, indem sie das Bedürfnis, dem die wandernden Sprecher und Sänger dienten, auf andere Weise befriedigt. Die gedruckte Schrift, die massenweise verbreitet werden kann, tritt nun an die Stelle jener mittelalterlichen Unterhalter und Neuigkeitenträger. Freilich, eine Erscheinung, die in die Geschichte der Kultur so tiefe Spuren gegraben hat wie die Tätigkeit der Spielleute, tritt nicht mit einem Male und nicht vollständig ab: sie erhält, wie so oft in der Kulturgeschichte, eine mindere, eine Nebenfunktion. Wir werden die Reste des jüdischen Spielmannstums als Gelegenheits-, Hochzeits- und Purim-Dichter noch wiederfinden. Im 16. und 17. Jahrhundert aber treten an die Stelle des ernsten mittelalterlichen Spielmanns neue und seltsame Erscheinungen, die überaus charakteristisch für die Epoche sind und gleichfalls unser Interesse verdienen. F.s sind die wandernden Buchdrucker. Buchhändler und Sihriftenverkäufer. Nocn hat das neue Gewerbe nicht seine eigene und ihm eigentümliche Organisation ausgebildet, noch lehnt es sich an die alten Formen des Verkehrs, des Verkaufs im Umherziehen und des Ausrufens an öffentlichen Plätzen, auf Gnsse und Markt an. So sehen wir das seltsame Schauspi«M. dass die

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