Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 46 (19.11.1937)
- Date
- 1937-11-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage der C-V.-Zeitung Nr. 46 * 2. Beiblatt 19. November 1937 Mitteilungen aus dem Hilfsverein der Juden in Deutschland Amerikanische Städtebilder (II.) Chicago Sonderbericht für die C.-V.-Zeitung Chicago, im November. Man schätzt die Zahl der Einwanderer, die?pit 1933 aus Deutschland nach Chicago gekommen sind, auf 1500—2000. Es gibt daneben Schätzungen, die bei 1000 bis 1200 liegen. Auf ,-iüe Fälle ist die Zahl der Einwanderer nicht hoch, besonders, wenn man bedenkt, wie viel jüdische Menschen in der gleichen Zeit aus Deutschland nach New-York gegangen sind. Wie mir aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wurde, haben fast alle diese Menschen — von venigen Ausnahmen abgesehen — hier ein Unterkommen gefunden. Allerdings: allzu glänzend ist ihr Leben meist nicht, und sie bellen in hartem Wirtschaftskampf um ihr Dasein. Viele können gerade leben, aber manche ringen noch um die Grundlagen einer einigermaßen ausreichenden Existenz. Die meisten sind im Handel untergekommen. Denn Chicago ist eine gewaltige Handels- und Industriestadt und ein wirklicher Rückschlag in der allgemeinen Konjunktur ist bisher nicht ein- L'etreten. Die Stellungen sind, wie gesagt, nicht glänzend. Manche arbeiten als Packer oder?iinstwie am Lager, viele sind Verkäufer oder Verkäuferinnen und wieder andere Vertreter und kleinere Rayon cliefs. Viele Akademiker habfn sich umgestellt und kämpfen sich zum Tri] wacker durch. So kenne ich einen Anwalt, •i?r hier als Packer begann und schwer und Für •«ingenügeiiden Lohn bis zur völligen Erschöpfung schuftete: jetzt ist er Vertreter einer cuten Engrosfirma und hat ein ganz nettes Einkommen. Ein anderer, der vordem kulturell aber auch kaufmännisch tätig war, begann als kleiner Verkäufer in einer Branche, die seiner früheren Tätigkeit ganz fern lag und ist nun m einer Druckerei als Kaufmann tätig, wo seine geistigen Fähigkeiten anerkannt werden und ihm ein entsprechendes Gehalt einbringen. Das sind immerhin nicht ganz untypische Fälle einer Entwicklung. Natürlich waren in beiden Fällen gründliche Kenntnisse im Englischen die unerläßliche Vorbedingung für den Aufstieg. Solche Kenntnisse sind natürlich auch für den Sekretär- und Stenotypistinnenberuf unerlässlich. Nur Menschen, die die englische Sprache in Wort und Schrift wirklich beherrschen und noch dazu mit englischer Stenographie und dem englischen Maschineschreiben so vertraut sind,, dass sie die Konkurrenz mit d?n einheimischen Arbeitskräften aushalten, haben Aussichten. Frauen und Mädchen finden am leichtesten Stellungen im Haushalt; sie werden meist nicht schlecht bezahlt und, wenn man ganz im Hause lebt, hat man natürlich volle Pension und Wohnung. Die Annahme einer Stellung im Haushalt ist oft eine ganz gute Zwischenlösung für Frauen und Mädchen, die nur auf sich selbst und die eigene Arbeitskraft angewiesen sind, wenn sie hierher kommen. Verkäufer und Verkäuferinnen erhalten im allgemeinen 13—IS Dollar die Woche und hin und wieder einen geringen Verkaufsbonus. Damit können sie leben, wenn man bedenkt, dass der Kaufwert des Dollars, alles in allem genommen, etwa 2,50 RM beträgt. Ist der Einwanderer verheiratet, so ist die Lage natürlich schwieriger, aber die Frau kann hier leichter mitverdienen als drüben, denn es gibt hier Vorschriften gegen das Doppelverdienertum. Auch ist die Hausfrau von hauswirtschaftlicher Arbeit hier mehr entlastet als drüben. Eine Hausangestellte verdient hier 20—40 Dollar im Monat neben freier Station. Auch Aufwärterinnen werden gut bezahlt. Ein guter Boden ist für Techniker aller Art vorhanden. Sie müssen aber wirklich etwas verstehen und dürfen nicht etwa nur flüchtig umgeschult sein. Techniker und Mechaniker dieser Art und Qualifikation werden weit höher bezahlt als in Deutschland. Im grossen und ganzen ist hier der Wirtschaftskampf für den Einwanderer aus Deutschland auch schwer, weil die sozialen Stützen und Sicherheiten fehlen, an die er seit Jahrzehnten gewöhnt war. So ist die Krankenversicherung hier z. B. noch völlig unzureichend. Zwar gibt es Polikliniken, aber die Kraiikenliausraten und die Arzthonorare sind hoch. Beides durch eine Versicherung hereinzuholen, ist möglich, aber recht teuer. Dagegen gibt es eine erschwingliche Versicherung, die wenigstens die Krankenhauskosten deckt. Vertragliche Sicherung im Arbeitsverhältnis gibt es kaum. Man kann jeden Tag ohne viel Federlesens auf die Strasse gesetzt werden. Ein Trost ist hierbei, dass es immerhin freie Stellen gibt und dass man nicht durch gesetzliche Bestimmungen in der Annahme freier Stellen, ganz gleich welcher Brauche, gehemmt ist. Auch die Macht der Gewerkschaften, die zunimmt, reicht bei weitem nicht aus, um etwa fremde oder nicht organisierte Arbeitnehmer, an der Annahme von Stellen zu hindern. Vorschriften über Arbeitszeit und Mindestlöhne bestehen kaum. Alles ist in Wirklichkeit dem freien Spiel der Kräfte überlassen, und man kann sehr hineinfallen. Findet man einmal längere Zeit keine Arbeit, so kann die Lage recht misslich werden, obgleich jüdische Wohlfahrtsinstitutionen vorhanden sind, die es dem Einwanderer ermöglichen, sich eine gewisse Zeitlang gerade noch über Wasser zu halten. Wohnungen sind in allen Preislagen vorhanden, und man kann schon für fünf bis sieben Eine offene Antwort Von Heinz Berggrün Berkeley (Kalifornien), Mitte Oktober, Auf meinen Artikel „Student in Kalifor- '■:;;,n'\ den die C.-V.-Zeitung in Nr. 34 vom 26'. August veröffentlichte, bekam ich eine Reihe von Zuschriften. So sehr mich diese Briefe als Zeichen des Widerhalls und des fr-ieresses an meinen Eindrücken freuen, so sehr haben sie mich zugleich in Verlegenheit versetzt. Ich hatte in meinem Artikel erwähnt, dass ich selbst erst wenige Monate hier im Lande bin, gerade selbst erst, versuche, so gut es geht, mich zurechtzufinden und erste, flüchtige Einrücke zu ordnen. Und doch nahmen die Briefschreiber an, sie wendeten sich an ^nen Experten, an jemanden, der mit allen Problemen, die Amerika betreffen, aufs engste vertraut sei und über alles genauestens Bescheid wisse. Von ganz vagen und allgemein gehaltenen Fragen wie: Können Sie mir irgendwelche Tips geben, u'-ti herüberzukommen?", bis zu detaillieren Erkundigungen über die Aussichten in dieser oder jener Branche an dem und dem Platze war alles vertreten. Da sass ich j'un also mit den Briefen vor meiner Schreibmaschine und versuchte, jeden einzelnen, so gut es ging, zu beantworten (clenn aus eigener Erfahrung wusste ich ^'ohl mit wieviel Ungeduld die Schreiber auf die Antwort warten), und dann bepcbIoss ich schliesslich, ausserdem noch pine generelle Antwort zu geben, und hier sei sie nun. Aus allen möglichen psychologischen Gründen ist es nur zu verständlich, dass ]-nan von jemandem, der irgendwo im Ausland sitzt, erwartet, dass "er genau über das Land, in dem er sich, wie kurze Zeit a"ch immer, befindet, orientiert sei. Wie aber verhält es sich damit in Wirklichkeit? Dollar die Woche ein ganz anständiges Zimmer bekommen. Grosse Möbel mitzubringen, lohnt nur, wenn man sich hier eine grosse und teure Wohnung leisten kann. Die kleineren Wohnungen haben meist nur kleinere Räume, die auf grosse Möbel nicht zugeschnitten sind. Sehr praktisch ist es unter Umständen — besonders für einzelne Männer und Frauen, oder wenn die Hausfrau mitarbeitet — sich eine möblierte Wohnung zu nehmen. Solche Wohnungen gibt es von einem Zimmer aufwärts. Sie liegen im Preis etwa 30 Prozent über den nicht möblierten. Es gibt eigene Appartement-Hotels, die nur solche Wohnungen vermieten. Für etwa 38 bis 45 Dollar erhält man eine Einzimmer-, für 50 bis 55 Dollar schon eine etwas grössere Wohnung, etwa mit Zimmer und Wohnküche. Der Komfort in Appartement, dieser Preislage ist für europäische Begriffe sehr gross. Gas und Elektrizität, Dampfheizung und elektrischer Kühlschrank sind im Preis ebenso einbegriffen wie die gesamte Bett- und Badezimmerwäsche. Dazu wird gratis das ganze Geschirr einschliesslich der Küchengeräte geliefert. Eine Zweizimmerwohnung dieser Art besteht gewöhnlich aus einem nett und wohnlich möblierten Zimmer mit einklappbaren und am Tage nicht sichtbaren Betten, einer Wohnküche, einer geräumigen Kleiderkammer und einem Badezimmer. Das Essen ist nicht teuer, selbst wenn man im Restaurant isst. Für 25 bis 35 Cent gibt es ein sehr reichliches Essen mit einer guten Tasse Kaffee. Kocht man zu Hause — und auch Einzimmerwohnungen haben mindestens eine Kochnische — so stellt sich das Essen allerdings erheblich billiger. Ein guter Herrenanzug kostet 25 bis 35 Dollar, Dameukieidung ist im Vergleich zu europäischen Verhältnissen billig, nur Schuhe kosten etwa das gleiche wie in Deutschland. Grössere Gegenstände wie Radioapparate usw. und ebenso Kleidungsstücke, Möbel aller Art kauft man hier vielfach auf Abzahlung. Die Raten sind nicht ihoch. Man muss nur durchhalten können. Nun zu den Problemen seelischer Art. Jeder muss sich umstellen und eingewöhnen, und das geht nicht ohne Anstrengung und ohne einen erheblichen Ruck. Diese Dinge kann man richtig sehen und beurteilen nur "dann, wenn man sie selbst durchgemacht hat. Unglückselig ist die Lage vieler älterer Leute, die früher nie herausgekommen sind, und sich unter den schwierigsten materiellen Verhältnissen umstellen sollen, da man Leute über 40 Jahren hier nur schwer annimmt. Meist hapert es bei den älteren Menschen auch mit der Sprache. Sie können sie meist nicht mehr recht lernen. Diese unglücklichen äusseren Umstände beeinflussen die innere Haltung. Solche Menschen werden leicht griesgrämig, überempfindlich und überkritisch gegen ihre neue Heimat. Diese Seelen Stimmung, die sie Ist es nicht so, dass man — soviel Selbstvertrauen man auch haben mag — am Anfang, meist verwirrt von den vielen neuen Eindrücken, von den ungewohnten und unerwarteten Dingen, die einem täglich begegnen, erst unsicher, und meist recht mühsam versucht, sich in die neuen und völlig fremden Verhältnisse hineinzufinden? Was ist es denn, was einem im Grunde, wenn wir ehrlich sein wollen, am Anfang am meisten beschäftigt und zugleich auch am meisten Schwierigkeiten macht? Etwa herauszubekommen, ob nun die Amerikaner wirklich „materialistisch" seien oder wie die Frage der Weissen und Schwarzen gelöst wird? Mein, von der meist alles andere zunächst überschattenden Sorge um Existenz, Stellung, Lebensunterhalt abgesehen, sind es die ganz kleinen und ganz persönlichen Dinge: etwa zu wissen, wie man auf Englisch sagt, dass man dieOberhemdenkragen nicht gestärkt haben will, oder einen billigen Spediteur in Erfahrung zu bringen, der einem ein paar Bücherkisten vom Schiff zur Wohnung transportiert, oder zu erfahren, wie schwer ein Luftpostbrief sein darf, um zur Grundgebühr für Luftpostbriefe nach Europa befördert zu werden, usw. — Man tue das nicht mit der Bewegung ab: das sind ja alles nur Bagatellen! Gewiss sind es Bagatellen, aber sie gehören nun einmal dazu, sehr sogar, und gerade am Anfang spielen diese kleinen und kleinsten Dinge in ihrer unerwarteten Häufung eine grosse Rolle. Wie immer man auch sein Leben ansieht: niemand „wartet" auf einen in Amerika, und so wenig "wie man auf dem Schür dem sagenhaften Dollarmillionär begegnet, der einem auf die Schulter klopft und sagt: „Sie, junger Mann, Sie sind gerade der richtige für mich, für Sie habe ich einen Posten als Privatsekretär. Gehalt spielt keine Rolle", so wenig stehen die Amerikaner am Landungssteg und warten darauf, einen in Empfang zu nehmen und einem alles abzunehmen, was man in der ersten Zeit an Schwierigkeiten zu überwinden hat. In seinem Artikel im Juliheft des „Morgen": „Amerika — hast du es besser?" schrieb Joachim Prinz, dass einem der Emigrationsbeamte, wenn man ankäme, die Hand schüttle und einem „Welcome in America" zurufe. Nun, ich muss leider gestehen, dass mir kein Emigrationsbeamter die Hand geschüttelt hat, und auch andere, die ich fragte, wissen sich an einen besonderen Willkommensgruss des Emigration- Off icers nicht zu erinnern. Damit,will ich keineswegs etwa sagen, dass die Amerikaner unhöflich oder unfreundlich seien oder einem gar, wenn man hier ist, irgendwelche Schikane bereiten. Durchaus nicht. Aber die anderen reissen sich auch für einen kein Bein aus. Die Amerikaner tun es füreinander nicht — das entspricht völlig ihrem gesunden Lebensegoismus — wie kann man es von ihnen da Fremden, Ausländern gegenüber erwarten? Das alles — um nicht missverstanden zu werden — bezieht sich in keiner Weise etwa auf die Mr M.WÄRBÜSIG & CO. GEGRÜNDET 1797 HAMBORG FERDI NAN D STR. 75 BERLINER BÜRO: TIER GART EN STR. 2 b Förderung der jüdischen Auswanderung i. Durch Kapital-Transfer An dem Transferverfahren, das auf Anordnung der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung über die Allgemeine Treuhand - Stelle, für die jüdische Auswancierung(Altreu)-Gesellschaii mit beschränkter Haftung. Berlin W. 35, Potsdamer Strasse 72. abgewickelt wird, können in Zukunft siemüss einer "dieser Treuhand-Stelle von der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung erteilten Genehmigung jüdische Personen teilnehmen, deren Vermögen bei Einzelauswanderung 30 000 RM. bei gemeinschaftlicher Auswanderung von 2 Personen 40 000 RM, bei gemeinschaftlicher Auswanderung von 3 und mehr Personen 50 000 RM nicht übersteigt. Die bei Einleitung des Verfahrens zu berücksichtigenden Einzelheiten sind aus einem Merkblatt der AUreu zu ersehen, welches auf Anforderung vom Hilfsverein der Juden in Deutschland, Berlin W.35, Ludendorrl'strasse 20. und dessen Zweigstelleu, vom Palästina - Amt, Berlin W. 15, Meineke- ' Strasse 10, und dessen Zweigstellen sowie von der Altreu an Interessenten kostenlos abgegeben wird. Diese Stellen sowie die Altreu erteilen auf Wunsch auch Auskumt über die Höhe der erzie 1 bareu Transrersätze. IL Darlehen für minderbemittelte Juden Die. Keic-hM-fTtmung der Juden in Deutschland teilt mit: Zur FürcWung der Auswanderung minderbemittelter jüdischer Personen ist die Reichsvertretung der Juden in Deutschland in der Lag*, Darlehen zum Zwecke der Durchführung der Auswanderung zur Verfügung zu stellen, sofern nachweislich die Auswanderung nur durch Bereitstellung solcher Darlehen vollzogen werden kann. Einzelheiten sind einem Merkblatt zu entnehmen, das bei dem Hilfsverein der Juden in Deutschland, Berlin ¥7 35, Ludendorlfstr. 20 und dessen Zweigstellen sowie beim Palästiaa-Amt, Berlin W 15, Meinekestr. 10 und dessen Zweigstellen erhältlich ist. MW-W« lä^UAU^J.!^.^^^ manchmal mehr oder minder offen zur Schau tragen, erschwert ihnen in wachsendem Masse das Einleben und so die Möglichkeit zum Aufbau einer wirtschaftlichen Existenz. Es ist ein circulus vitiosus, der zur äusseren und inneren Katastrophe führen kann. Auf Verwandte soll man sich nicht allzusehr verlassen, denn der Amerikaner ist praktisch und nüchtern, beurteilt auch die Verwandtschaft nach dem Massstab gegrossartige Arbeit, die von den Hüfs- und Ünterstützungskomitees geleistet wird und die nicht genug anerkannt wrerden kann, — ich rede jetzt nur von den kleinen Dingen des täglichen, alltäglichsten Lebens. Wenn ich also am Anfang schrieb, dass mich die Briefe, die ich erhielt, einigermassen in Verlegenheit versetzt haben, so werden die Absender der Briefe, falls sie diesen Artikel lesen, sicher sehen, was ich meine. — Was würde etwa ein Zahnarzt, der seit vielen Jahren, ja schon Jahrzehnten in Berlin ansässig ist, mit einem Brief anfangen, in dem ihn eines Tages jemand aus der Provinz anfragt, ob er die Eröffnung eines KonfitürenEngros-Geschäftes in Berlin für zweckmässig hielte und welche besonderen Ratschläge er hinsichtlich dieser Absicht ausserdem erteilen könnte? Und dieser Zahnarzt, nehmen wir an, wohnt nun schon seit vielen Jahren am gleichen Ort, womöglich kennt er sogar innerhalb seines grossen. Bekanntenkreises den einen oder anderen, der wenigstens etwas mit dem erwähnten Fach zu tun hat. Würde er nicht dennoch in gewisser Verlegenheit sein, was er antworten sollte? Und nun kommen also Briefe an jemand, der erst ganz kurze Zeit in einem fremden Lande ist, noch wenige Menschen hier kennt und in den Briefen wird Auskunft über Dinge verlangt, mit denen sich der Empfänger nie befasst hat, ja nie befassen konnte — und von denen er aller Wahrscheinlichkeit nach niemals etwas erfahren wird. Manche Leute haben bekanntlich die Fähigkeit, über Bücher oder Filme zu sprechen, die sie nie gelesen oder gesehen haben. Das ist immerhin nicht sehr gefährlich. Denn das Schlimmste, was dabei riskiert wird, wäre, dass sich einer daraufhin einen Film ansieht, der es nicht wert ist oder ein gutes Buch nicht liest, weil der . andere sich abfällig darüber geäussert hat. Bei so wichtigen und entscheidenden Fragen wie der Auswanderung ist es aber an-