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Central-Verein-Zeitung · 1937-11-11 · 45 (11.11.1937) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
45 (11.11.1937)
Date
1937-11-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 45 « 11, November 1937 C.-V.-Zeitung (Fortsetzung von S. 6) glücklicherweise nicht gefehlt Das „Philo- L e x i k o n", das Handbuch des jüdischen Wissens, liegt genau drei Jahre nach Erscheinen'in vierter Auflage, im 27. bis 31. Tausend vor, und nahezu SO 000 Exemplare sind verkauft Spürt man hier den Gründen für den Erfolg nach, so "wird man leicht geneigt sein, ihn nurder Konjunktur des Jahres 1934 zuzuschreiben. Natürlich ist daran etwas Wahres. Aber es ist ja die Aufgabe des Verlegeres, im rechten Augenblick die rechten Autoren für das rechte Werk zu finden. Nur der Zusammenklang dieser drei Faktoren ruft das gewünschte Echo hervor. Der viel schwächere Anklang ähnlicher Arbeiten bewies von neuem, dass auch in der Konjunktur nur die Leistung den Erfolg verbürgt Der scharf kalkulierte, auf grossen Gewinn bewusst verzichtende Preis von 4,80 RM liess das Lexikon zu einem Volksbuch werden. Einband, Satzbild, Kürzungszeichen, Bebilderung, Einteilung, Behandlung und Auswahl des Stoffes wurden von Kritik und Käufern in gleicher Weise gelobt Der Erfolg wäre ihm jedoch nicht durch drei Jahre in aller Herren Länder treu geblieben, wenn der Verlag nicht jede Auflage erweitert und verbessert hätte, und wenn, er sich in diesem Bestreben nicht mit den Wünschen der vier Herausgeber Emanuel bin G o r i o n, Alfred Loewenberg, Otto Neuburger und Hans Oppenheimer getroffen hätte. Der Absatz von 30 000 Exemplaren hat einen zahlenmassig beträchtlichen Umsatz geschaffen, aber an ihm haben Verlag, Buchhandel, Mitarbeiter, Drucker und Papierlieferanten jeder in gleich bescheidener Weise partizipiert. So ist das Lexikon in unserem begrenzten Raum ein beachtlicher wirtschaftlicher Faktor, von dem wir hoffen, dass er in nicht allzu ferner Zeit sich durch eine wieder verbesserte 5. Auflage bewähren kann. Die jüdische Oeffentliehkeit in Deutschland weiss, dass der Philo-Verlag als einer der wenigen von Anbeginn auf jüdische Buch Produktion eingestellten Unternehmen in erster Linie in Deutschland lebende jüdische Schriftsteller fördern will. Philo-Lexikon, Philo-Zitaten-Lexikon, Ptjilo-Bücherei, seine Autoren Bab, Baeck, Bambexger, Elbogen, Guttmann, Hirsch, Landsberger, Maybaüm, Reissner, Rothgiesser, Samter, Sinsheimer, Warschauer, Wiener sind neben vielen anderen Ausdruck dieser Gesinnung, zu deren Erhaltung die jüdischen Bücherkäufer durch diese Zeilen und in diesem von der C.-V.-Zeitung grosszügig geschaffenen Rahmen aufgerufen werden . Philo, Jüdischer Buchverlag. DaMy Herbst" ' . Von Arthur Silbergleit . Der Dandy Herbst gönnt sich nie Seelenruhe, Da er auf Sensationen stets bedacht. Er säumt die Spitzen seiner Schnabelschuhe Mit Ranken flammenroter 'VYeinlaubpracht. Da fliesst ein Schleifen, Rascheln, Zischeln, Knistern Durch seinen gonghaft klängereichen Gang, Da schwingt und zittern zwischen Blatt» geschwistern Ein Waldesfabeln hallender Gesang. Und nun ihn Astern stutzerhaft staffieren, Dass er stolziere schwerenöterkeck, Und seine Schuhe mystisch musizieren, Höhnt ihn ein Specht: „Du Geck, du Geck, du Geck!" e eines Schriftstellers Sie sollten einen Schriftsteller nicht fragen, welches Buch er gern geschrieben wüsste. Denn welches auch immer er nennen würde: er könnte siehs doch selber schreiben. Und doch wüsste ich eins . . . aber das ist eine andere Geschichte, und dazu gehören zwei, und der zweite sind Sie, lieber Leser. Was nämlich das Buch betrifft, jenes Buch: das uns fehlt, jenes Buchs das unbedingt geschrieben werden müssie, ja, dieses Buch ist ja vorhanden, es ist in mancherlei Formen und Gestalten da. bloss eins fehlt ihm, und das sind Sie. lieber Leser. Wie? Auch Sie sind da? Sie lesen? Entschuldigen Sie mich nicht, ich will Ihnen zu nahe treten: Sie sind auch da, auch hier, unter anderem, aber das reicht dem Buch nicht Sie sind nicht genug da. Sie lesen, aber wie? Ein bisschen lau, so wie Sie es eben gelernt haben, als Kind in der Schule und an den Groschenheften unter der Schulbank und am Fortsetzungsroman im Lokalblatt. Unter anderem lesen Sie. Offen gestanden, meine ich es so. Als Flaubert den Schiuss seines Provinzromans schrieb, worin sieh Madame Bovary mit Arsen vergiftet, da hatte er eine Woche lang die Zeichen der Arsenvergiftung am eigenen Körper; so schrieb er. Und Sie lesen das, sagen: Na ja, und gehen zur Tagesordnung über; so lesen Sie. Trotz Flauberts Arsen schmeckt Ihnen die Zigarette. In unserimmer gleich aufs ganze gehendes Jüdisch übersetzt heissi das: Hätte nur eine Generation von uns richtig gelesen, wäre längst der Moschiach gekommen. Und waren und sind denn nicht die richtigen Bücher da? Die fünf Bücher Moses waren da und die richtigen Leser fehlten. Da kamen die Propheten, um die Leser lesen zu lehren. Aber die lernten nicht lesen, sie stellten die ganze Bibel in den Buchschrank und die Propheten dazu, zitierten und rezitierten sie und — nichts weiter. Kamen die Meister der Mischna und des Midrasch, der Aggada und Halacha, um lesen zu lehren. Aber die Leser hängten" sich an Worte nnd Buchstaben und lasen nicht. Kamen die Dichter und Deuter des Mittelalters, und nun gelang das Lesen. Immer wenn eine Gemeinde in Feuer und Schwert zu Tode ging, konnte sie lesen. Da war kein Wort mehr Schrift und Buchstab und flüchtiges Geleier, da las man mit Haut und Haar. Mittlerweile sind wir moderne Menschen geworden. Unsere Auswahl an Lektüre ist gewachsen, auch unsere Toleranz. Vielleicht genügts sogar, wenn man Spinoza oder Shakespeare liest, wenn es nur das rechte. Lesen ist Aber wir müssen wohl selbst das nicht recht getan haben, denn der Moschiach scheint noch zu zögern. Wir täten gut uns nun ein wenig mit unseren eigenen Büchern abzugeben. Mit den alten, die wie guter Wein immer besser werden, mit neuen, die noch reifen (worunter aher auch solche: sind, die nie reifen werden; reden wir nicht davon), und mit den kommenden, die wir wünschen und nötig haben. Und genau so, wie wir sie wünschen und nötig haben, werden sie sein: es hängt nur von Ihnen ab! Leo Hirsch. .. eines Lesers Es kann nicht die Aufgabe des Lesers «ein, bestimmend auf den Inhalt des Buches und die Buchproduktion einzuwirken. Wird also dem Leser die Frage vorgelegt, welches jüdische Buch für den jüdischen Menschen in Deutschland heute geschrieben werden müsste, so wird er, dieser Problematik bewusst, davon absehen müssen, Vorschläge konkreter Art zu machen und so den ihm zugeteilten Kreis zu überschreiten. Es gilt somit, sich auf eine allgemeinere Einstellung zu beschränken, eine Einstellung, die sich vielleicht zusammenfassen läßt in dem Wunsch nach einer zur Erneuerung hinführenden Bewahrung und Erhaltung. Als Bewahrung sehen wir dabei den Weg, der den jüdischen Menschen in Deutschland zum Heute hinführte. Es wird also die geschichtliche und kulturelle Entwicklung im Heute auslaufend aufzudecken sein, mag die Betrachtung sich nun auf das Geschichtspolitische oder auf die Entwicklung der geistigen und künstlerischen Ideen im Verlauf der Jahrhunderte beziehen. Einflüsse aus der Umwelt und die Einwirkungen auf die Umwelt werden zu berücksichtigen sein und die Betrachtung so in den Kreis der allgemeinen geschichtlichen und ideelichen Entwicklung einreihen. Das jüdische Buch — mag es eine zusammenfassende Darstellung geben, sich monographisch beschränken oder aber auch in künstlerischer Freiheit gestaltet sein — wird schon so wesentlich dazu beitragen, dem jüdischen Menschen in Deutschland, im besonderen der dessen am meisten bedürfenden jüdischen Jugend,, das festigende Bewusstsein zu geben, einer Gemeinschaft anzugehören, die im Rahmen der allgemeinen Entwicklung stets .ihren wesentlichen Beitrag geliefert hat . - Führt der Schreibende in solchem Geiste aus den mannigfachen Quellen des jüdischen Weges schöpfend zum Heute, so ist auch die Grundlage gewonnen, von der aus ein neuer Aufbau erfolgen kann. Denn diese Grundlegung einer humanistischen Weltschau führt mit Notwendigkeit zur Besinnung auf eine innere Moralität und zur Erkenntnis und Erneuerung der sittlichen Werte, die in der jüdischen Lehre ihre gültige Niederlegung gefunden haben. So wird der schreibend Schöpfende, die Geheimnisse des menschlichen Seine und Geistes gleichermassen achtend, an der ewigen Aufgabe mitwirken, auszugleichen zwischen Wirklichkeit und Geist Solcher Haltung entfliessen die Bewegungen und Kräfte, die dem Weiterleben im Geist unentbehrlich sind, Karl Sehönberg. „Ich mochte ein Buch,.." So wird jedes Verkaufsgespräch im Buchladen eingeleitet Nun beginnt die $uancierung: wir unterscheiden den .literarisch gebildeten", den „unliterarischen" und als weitere Unterteilung den „uninteressierten" Menschen. Der echte Buchverkäufer, d. h. der Mensch, der im und mit dem Buch lebt, der wie ein Schauspieler von seiner Rolle vom Buch als Erscheinungsform fast , ein wenig besessen ist, kam früher mit der erstgenannten Käuferkategorie sehr schnell zu einer Verständigung. Von der gleichen Basis aus war durch wenige Fragen die geistige Richtung festgestellt und dann kam es nur auf das gut sortierte Lager an, um einen zufriedengestellten Käufer den Laden verlassen zu sehen. Heufee in der Epoche des Uebergangs, der Umgruppierung, stellen diese Kreise uns die schwersten Aufgaben. „Welches Buch?" hiess es früher, heute muss es heissen: „welches jüdische Buch?" Der Freizügigkeit des Geistes ist ein neues Gebiet zu erschliessen, das zwar durch die Begrenzung schreckt, innerhalb seines Raumes aber viel Neues und Schönes bietet Die Einführung der in unserem Kreis zahlenmässig grossen geistig interessierten Käuferschichten in einen entstehenden jüdischen Kulturbereich ist eine.der wichtigsten Aufgaben des veraniwortungsbewussten Buchverkäufers. Wie schwer sie ist, wissen wir alle aus der praktischen Erfahrung. Früher konnte jeder —- von finanziellen Erwägungen abgesehen — sein Lern- und Unterhaltungsbedürfnis aus dem literarischen Schaffen der Welt befriedigen. Heute ist trotz aller Bemühungen einzelner das Verständnis noch immer nicht durchgedrungen, dass nach der Neuordnung der Dinge die Notwendigkeit besteht — schon aus einer seelischen Verpflichtung gegen sich selbst —, seine Aufnahmefähigkeit in der Hauptsache dem jüdischen Bereich zuzuwenden. Auch hier gibt es Bücher, die „man" gelesen haben muss! Unnötig, in diesem Zusammenhang festzustellen, dass den Verlagen unendlich viel zu tun übrig bleibt, um den Ansprüchen der geistig Verwohnten Vollwertiges zu bieten. Aber auch das schon Vorhandene wird in erschreckend geringem Masse von dem „Buehkäufer aus Neigung" gewertet, ja überhaupt gekannt. Im Buchbezirk ist der geistige Umbruch ins Jüdische aus eigenem freien Willen erst bei einer kleinen Schicht vollzogen. Im Buchkäufer die Beziehung zum jüdischen Buch hergestellt, ihn überzeugt zu haben, welche Kraftquelle das jüdische Schrifttum ihm für seine seelische Existenz bieten kann, das kommt im Erfolgsfalle der Empfindung gleich, die sonst nur produktiv^ Leistungen gewähren. Viel weniger schwierig gestaltet sich der Umgang mit dem Bücherkäufer, der als „uniiterarischer" Mensch unseren Buchladen betritt. Seine Zahl ist viel grösser als man denkt. Die geistige Führung, die dem veraniwortungsbewussten Buchhändler in jedem Falle obliegt, wird — soll sie erfolgreich sein — im wesentlichen von seiner psychologischen Einfühlfähigkeit abhängen. Mit wenigen geschickten Fragen tastet man die „geistige Ünbescholtenheit" ab, gibt ihm einen Begriff vom Wert des Buches und von der Systematik, nach der man Literatur für sich selbst kauft oder zu schenken pflegt. Jüdische Buchverfriebe nach Städten geordnet AACHEN BERLIN BRESLAU FRANK FURT-Main HAMBURG LEIPZIG Bydidruckerei Gunter Ransenherg Rudolfstraße 47 Rubin Mass Berlin-ChaHofteriburg 4, Pestalozzistraße 15 Jakob B. Brandeis 1, Karlsfrasse 7 Sa Kauffmann Schillerstraße 19 Eva von der Dunk geb. Marcus 13, Hcrtersfraße 76 M. W. Kaufmann C1, Brühl 34-40 Edmund Meyer W50,BambergerStr.61!• Eisner 2, Tauentzienstraße 53 M. Lehrberger & Co. Schillersfraße 19 MAINZ BERLIN HANNOVER Magenza Fustsfraße 17 €• Boas Nachfig. (Inh. Jakob Gesang) C 2, Neue Friedrichstraße 69 Philo G.m.b.H. W15, Pariser Straße 44 Rose Horwitz ], Karisplatz Hugo Oppenheimer Ruckertstraße 57 Siegfried Bacharach O, Wedekindstraße 5 MANNHEIM Gerhard Fuchs W 50, Nürnberger Str. 64 NL Poppelauer C 2,NeueFriedr ichstr.59 Frieda Lichtenstein 13, Kaiser Wilhelm Str. 39 B. Rachelsohn Sandweg 6 c KARLSRUHE Karl Maron Rosengartenstr. 22 Anne Bensinger Karlstraße 30 NL Ganzer N4, Oranienburger Str. 26 Kurt Rosenbaum W15, MeinekestraßelO Stefan Münz 13, Kaiser-Wilhelm-Str. 8 S. W. Waldmann Hans-Handwerk-Str. 65 Solomon Oppenheimer, E 2,12 1. Rabinowifz Kriegsstraße 132 Hechaiuz-VerSag W15,MeinekestraßelO Alfred Rosenfhal N 4, Gr. Hamburger Str. 30 FÖRTH-BAYERN MÜNCHEN DORTMUND Marse Rosenberg Gabelsbergerstraße 4 JüdischerBuchverfrieb früher „Ewer"-Buchhandlung G. m. b. H., Ottosfraße 2 Joseph Jastrow W 15, Kaiserallee 21 Wolf Salles N 54, Grenadiersfr. 30 Lotte Volk Felsstraße 47 KASSEL G.Sanger Blumenstraße 29 Jenny Michel Lutherstraße 9, Ii DagobertSabatzky 13, Zentnerstr.-19/0 r. Samuel Jurovics NW 87, Wullenweberstraße 4—5 Martin Solomon NO 43, Neue Königstr. 79 ESSEN HALBERSTADT KÖLN-RHEIN STETTIN H. Lewin N 54, Grenadiersfr. 28 Frau M. Schlesinger W 50, Passauer Str. 24 Jud« Buchhandlung „Jordan", Turmstr. 6 Martha Hildesheimer Moitkestraße 8 Wolf Topilowsky i G.m.b.H., Senesissfr. 49 Eberhard Burghaun Kaiser-Wilhelm-Str. 12

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