Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 45 (11.11.1937)
- Date
- 1937-11-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 10 e.-V.-Ze!fün§ Nr. 45 * 11..Novemfcejrl&T Wie leicht kann man diesen Menschen, die zunächst kalt, fremd und verschlossen vor uns stehen, den Zusammenhang der jüdischen Literatur mit den Problemen der Gegenwart klarmachen, wie rasch fühlt man spontane Resonanz und ein wenig Betroffenheit über die Bereicherung, die sie veranlasst, das Verkaufsgespräch mit aufrichtigen Dankesworten für die individuelle Beratung zu beenden. Und in diesem Zusammenhang ein Wort über Kinder als Bücherkäufer. Ihr Interessenkreis ist von der Schule beeinflusst und daher von vornherein auf das jüdische Buch gelenkt. Ihre Führung wird uns dadurch leicht gemacht, und nichts Schöneres gibt es als den begeisterten und sehnsüchtigen Blick, mit dem manche Kinder das durch Druck und Bild wesenhaft Gewordene festhalten und sich aneignen wollen. Die primitive Form der Warenübermittlung vollzieht sich beim Buehkauf des ..uninteressierten" Buchkäufers. Er betrachtet das Buch gewissermassen als Geschenkartikel, ein wenig hob er vielleicht im Rang als Schokolade oder Handschuhe. Fragen wie ..Kann ich als Barmizwogeschenk Teppich- U/SUu ßankai- NO, Greifswalöer Str. 13 / 533317 reintgung Hlllf' DCbKül, Xsnsftt " "" stjtopferei Entmottung.Atifbewahruns 9i Goethes Werke in der Gesamtausgabe für etwa Mk. 5.— bis 6.— haben'?'' sind nicht selten. Aber auch hier stehen wir vor einer wichtigen Aufgabe: deu inneren Funken im Käufer zu suchen, der zündend plötzlich den Kontakt zwischen Buch und Mensch herstellt. Zuweilen gelingt es, und man hat das Empfinden, er kommt zugehörig der zweiten oben geschilderten Kategorie, als ,.unliterarischer" Mensch wieder, dem man dann leichter weiter helfen kann auf dem Weg zum Buch. Solche Pflichten sind dem verantwortungsbewussten Buch verkauf er dieser Zeit in die Hand gegeben. Das jüdische Buch wird lebendig sein, wenn er sich seiner Aufgabe und seiner Verpflichtung gewachsen zeigt, wenn aus dem Erleben der Gegenwart die Produktion ersteht, die engeren Kontakt zum Buchkäufer' schafft und wema dieser selbst aufgeschlossener als bis jetzt dem heissen Bemühen von Verlag und Buchverkäufer gegenübersteht. Lucia Jacoby. MmsMBm *«& IMmm. KTseiwinc wöcncuiiicb abu« Ocnvä.hj. Po*is-«:li!us> für Lufr- Postsendungen bei folgend-3.!: Postämtern: Berlin S\Y II: Frankfurt Main Bnhnposiaim 19 oder Flughafen; München Postami 2 (Flughafen); Köln Flughafen. Einwurf V: anderen Postäni;orn oder in andere»: Oüon bis zu 1 Ta£ früher. Abkürzungen: B. A. Buenos- Aires: Bcrd. Bordeaux; Cherb. Cherboors: LH Le Harre. -ZiffeTr ir: Klammern Pogt.gchhjsszcit'm Ab Seeweg nach Nordamerika An Berlin HamDurs Bremen Cherb. X.-Yot!4 15. 11. .15. 11. (1$) ,.Noru»ad:e" IT. 11. (LH) 22. II. 1$. II. IS. 11. (I«; Europa- Id. il. 20. 11. 25. 11. Luftweg: Bis auf weiteres keine Verbindung. Seeweg nach Südamerika ßfrtin Frankfurt Bord. Cherb. Rio ß. A. U.ll.lSOi 12 11. (S) 13.11. 26.11. 30.11. 17.11.(18) IS. 11.(8) 20.11. 2.12. 5.12. Luftweg: Zuseht 1.50 RM für je 5 g (1.25 Brasil.) Berlin Frankfurt Köln Rio B. A. 13. 11. {•■'< 13. II. (In IS. U. (U) Fr. Lufrp. 16. IL 17. 11. 17. 11. (2P, 17. 11. (-24) De Lufw. 20. 11. 21. 11. Nie vergesse ich den Abend im Sommer 1533. als Martin Buber irgendwo — ich glaube, es war in der Aula einer jüdischen Schule — über das Erlebnis der jüdischen Kinder in dieser Zeit sprach: sie haben ihre Umwelt verloren, die Weit ihrer Freunde und Sehnigen osser. . . . sie erzählen euch vielleicht nicht; davon, aber manchmal fahren sie nachts aus dem Traume auf . . . Es ist eine der Gottesgaben, für die wir nicht dankbar genug sein können, das« unsere jüdische Jugend beute, wenn man dein Augenschein vertrauen darf, dies im tiefsten erschütternde Erlebnis von Grund auüberwunden hat: das sagen uns helle Augen und fröhliche Stimmen. Was aber half uns und ihnen, diese für den Fortbestand unserer Gemeinschaff geradezu lebensgefährliche Krise zu überwinden"? Vielleicht sind es — ausser ihrem eigenen gesunden Kern, dem wahrscheinlich da? Hauptverdienst daran zukommt — drei Mächte, denen Eltern und Erzieher dafür zu danken haben: jüdische Schule — jüdischer Bund — und jüdisches B u c h. Unter diesen Dreien mag freilich die jüdische Schule wohl den Löwenanteil beanspruchen und verdient haben; mit immer erneuter ..Schulfreudigkeit'" danken es ihr die Kinder. Ihr trai der Bund als zuerst fast gleichwertiger, jetzt vielleicht etwas in den Hintergrund gerückter Genosse zur Seite. Gleich sei gesagt, dass die jüdischen Bücher, soweit sie für die Kinder reden wollten, trotz vieler einzelner, mehr oder weniger geeigneter Gaben, uns bis jetzt immer noch die Gabe vermissen Hessen, die wir wünschen und deren wir bedürfen. Was erwarteten wir von dem jüdischen Kirderbuehe in dieser Zeit"? Vor allem musste es dem verirrten und ratlosen Kinde statt der für ihn zerstörten Welt eine neue Welt — seine Welt — wieder aufbauen: damit war der Stoiibezirk gegeben. Es sollte dann von diesem Stoffe in kindgemässer, doch nicht platter Weise er- Seeweg aacb Südafrika i-H-rlia Köln Southampton Kapstadt 17. II. (14) 17. 11,(21) 19.11. 6.12. Kapstadt—Johannesburg (oder Pretoria) 30 Stunden Luftweg: Zuschlag 35 Pf .für je 5 g Berlia Mündu-n ' Brindisi \ l2.ll.fi»- - 12. Ii. (IS) l;j u (Tl\ Laufzeit i:J. 11. (7) 13. 11. (10) { li" K ( t .., •5.11. (9) 15. 11. (IS) [ JC ' l,,f-p 11 <7) 18. 11.(101 ( 1ll- See- und Landweg nach Palästi&a Berlin 12. 11. (16) 13. U- (14) '.4: ii. (ii) 11. (16) Berlin 13. 11. (6>!4. ii. m 16. 1!. (f>) München 13. II. (9) U.U. (ftl 15. 11. 19) 17.-U. '(f)) IS. IL-(9) via Beirrsd—Istanbul Schiit 16. 11. ab Piräiis via Belgrad—Istanbul Schiff.-18. 1ab Brindis w.u-uvi ^. via Belgrad—Istanbul Luftweg: Zuschlag 10 Pf. für je 5 g: mind. 15 Pf München Athen. Brindisi \ 15. 11. (10 14. U. (13) 1 13. 11. (18) 15. Ii. (91 * 14. 11. Ü0) 15. 11. (« 16. 11. (10l 17. U. (I?,) 15. 11. (10) 19. 11. (13) . Laufzeit ';a. 2VX Ta2< PaSes&ine & Orient Lloyd Konzessionierte Auswanderer-Agentur <fer PSCÜSC 11(12 nach Süd-Amerika (Westküste: Chile, Peru, Columbien, Ecuador) BERLIN W 15, Meinekestrqsse 2 ./ 91 73 03 BÜESL&O Biete Schüler oder ngem Mann gate Pension Off. u O. '£. 320 Annoncen-Oliendorff Breslau 1. LONDON, E. C. 2 11/12, Finsbury Square Tel, National 1843 K. BATTSEK Beratungen Finanzierungen Gröndnngen Yermögensver-waltons; Interessenvertretungen Album 50O0 Marken für 31k. 430.- Xlfcroskop mit Glocke f. Mk. 150.- verkanft Stefan &.gwe»tfoal8 Srteg, Pension für 1 od. 2 Mädchen frei. AnfntK. Lagerk. 167, Berlin-Charlbg. 4. ür 75jährige, ieichteie psychische Alterserscheinungen wird gute Unterkunft mit nur sachkundiger Ab¬ Wartung oder Arzthaushalt per 1. Dezember im Westen j?esucht. 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Wenn wir, wie billig, mit dem Buche der Bücher beginnen, das in irgendeiner Form der Auswahl oder Bearbeitung doch immer die Grundlage bilden muss, so ist zu sagen, dass die viel umstrittenen P r i a z sehen :,G e - schichten der Bibel' (Verlag Brandus) noch immer sehr beliebt sind, wenn es auch kleine Zuhörer gibt, die gegen manche ästhetischen Zutaten mit dem Urteil .,Das stimmt, nicht!" opponieren. Immerhin, seine Art der Darstellung, zugleich mit den buntlebendigen Büdbeigftben von Waller/oerg ist besonders der Königsgeschichte sehr zugute gekommen; die Schicksale nach der Teilung des Reiches wurden den Kindern selten so klar vermittelt wie hier. Vielleicht sollte man (ob Prinz selbst in seinem neuen Wirkungskreise noch Müsse dazu finden wird?) die nachbiblische Geschichte der Juden in ähnlicher lebendiger, kindgemässer Darstellung und mit ähnlichen Bildern bringen? Damit wäre der Schule ein grosser Dienst, erwiesen. Freilich sind diese „Geschichten der Bibel" vielleicht aus mancherlei Gründen noch nützlicher in der Hand der Mutter oder der Lehrerin als in der Hand des Kindes selbst: denn sie verlangen — im Gegensatz zu den Urworteni — hier Mehrung, dort Minderung. Einen Versuch hierzu stellt Alice Oppenneimers ansprechende kleine Broschüre ..Eine Mutier erzählt die Bibel" (Philo-Verlag), dar. Nun aber kommen die Kleinsten selbst. Wenn sie das hebräische Alef Bet beginnen, hat ihnen Feebenbach im Schocken-Verlag eine prächtige Fibel geschenkt die mit Tierbildern eine ganze Arche Noah vor ihnen aulbaut und Die unruhigen Tase Diesseits und ]snse:fs des Aequator. Einwanderung nach Amerika .. Umgang mit sich selbst Säkularisierung des 3udentums... . WeiiaussseSlung 1937 . . Der wahre ShySock . . Die Orgel in der Synagoge .. Dogmen itn Judentum - - Der Schühkarion ,, Von den ersten Operetten . . lieber Schrift und Büch . . Zwischen den Konferenzen . . Die Bibel im neuen Palästina . . Das sind nur einige Titel von Aufsätzen, die DER MORGEN Monatsschrift der Juden in Deutschland in seinem 13. Jahrgang veröffentlichte. Jahresabonnement 12.— M. bei Voreinsendung des Betrags lO Mark SO für 12 Hefte und fast Ö00 Seiten. Eine lebendige Revue von hohem Niveau PhllO Gm b» H« JUundhBuch^är?eba3 Berlin V/ 15 (Pariser Str. 44) u. Amsterdam Telefon 92 13 75 Postscheck Berlin-. 83 512 HStotosedee Janggeseile.Großklm., langJ-Auslandstät Jude, 51 J., 1,72 gr., gute Erscbu, aus best. Farn., sackt Lebensgefährtin (Jüd.), gute Erscheinung, aus ebensolchen Kreisen inVerbdg. m. Einheir. od. Aas wand, mit vermög. Dame. Bringe große geschäftl. Kähigk.u. Beziehg. aber kein Kapital mit Strengste Diskr. zuges. u. erb Ansfüarl Zuschr. na. Licittb. v ernsth. Ecfiekt. n. J.6530. C.-V.-Ztg-.. Berlin W. 15. r Wohnungs- - markt 2-31-Zil m. Bad und Nebengelass Stadtbahnnähe sofort besticht. T 654« C.-V.-Zfff.. Berlin W 15- 9 i'/zZimnerwehnaii! gr. helle Zimmer, Bad u. Xebenerelass. 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Di* Kinder Heben diese Auszieh tafeln, die etwa den versteckten Afikoman oder das Kind im Nil plötzlich wieder erscheinen lassen und die Aegypter ins Meer versenken, wenn auch die Bilder den Erwachsenen manchmal ein wenig steif und süeslich erscheinen. Hier sei gleich eine „Fehlanzeige" hinzugefügt: was wir vermissen, bleibt trotz der schönen, aber bei den Kindern nach den Er-, fahrungen vieler Lehrer .wenig verwendbaren Uebersetzungen von R. und E. bin Gorion, die — wie ja überhaupt die ..Lesehefte". der Reichsvertretung — meist der Erwachsenenbildung dienen, ein lebendiges „Geschichtenbuch4' aus dem Schatze unserer Aggadot; die alten Sammlungen von Lewner u. a. dürften heute doch zu allmodisch wirken. Es dürfte in ähnlichem Tone sprechen wie etwa die Märchen von Ludwig Strauss (Die Zauberdrachenschnur, Schocken Verlag), die alte und neue Reimat reizvoll zu spiegeln wissen. — Vielleicht'würde auch eine Haggada schel Pessach, die uns die schönsten von den manchmal sowohl tiefsinnigen wie naiven alten Aggadot der Kommentare gibt (des Dubnower Maggid u. a.) nicht nur den Kindern willkommen sein. Nach dem Märchen-Alter das Helden-Alter, Geschichten,, die dieser alten Sehnsucht jedes jungen Herzens entsprechen, findet unsere Jugend., sollte man meinen, in grosser Zahl unter den Berichten von dem grössten jüdischen Werk unserer Tage, dem Palästina-Aufbau, und man wundert sich manchmal, dass die Ausbeute nicht reicher ist. Doch haben die jüdischen Verleger mit Recht aus diesen Quellen geschöpft. ..Der Retter von Chula" (im E. Reiss- Verlag) von E. S m o 11 y bleibt von allen diesen heldischen Jugendbüchern noch immer das beliebteste; obwohl auch in diesem Bande von einzelnen Geschichten nicht jede so lebendig wirkt wie die Titel-Novelle. Daneben wurden die „Vier von Kinne reih" und „Lastträger bin ich" (im Kedem Verlag) gern gelesen. Aber viel wirksamer noch fand ich für die reifere Jugend die schmalen Bändchen der Palästina-Bibliothek, die in schmuckloser Darstellung meist ,, auf den . Aufzeichnungen der Pioniere selbst beruhend, einzelne Kapitel aus den Heldentagen der ueuen Geschichte Palästinas behandeln (Die Bilu.. Ness Ziona. D a g a n i a). Auch den Kleineren kann man die Bändchen von Irma Singer „ Ke 11 e u n d Sc h wert" u. a. getrost in die Hand geben; freilich sind auch hier nicht alle Bände der .jrIeimat"-Serie gleichwertig.. —Das . K n a - benschirf" von Rothgiesser (Philo Verlag) unternahm dagegen den. originellen Versuch, eine Abenteurer- und Jungens - Geschichte in die ^larrannenzeit■ zu .verlegen. Allerdings wirkt das Kostüm hier und da etwa? künstlich". „Jungens im. fremden Land" — diese? gleichen, dankbaren Themas, das heut von besonderer Gegenwartsnähe' ist, bemächtigte sich zur selben Zeit ein Schweizer Knaben-Buch „Hans und Fritz in Argentinien" (Schweizer Spiegel - Verlag) von' Max S c h r e c k. Qier ist die „Heldenkraft" der beiden Seefahrer vielleicht ein. wenig stark aufgetragen; schon auf dem Schiffe töten. sie eine giftige Schlange ..mit kräftiger Bubenfaust'' — die reinen Herkulesse! — Aber irn Lande erleben sie so .viel Abenteuer, und haben so viel Gelegenheil, fremde Menschen und Dinge kennenzulernen, dass wir dem Verfasser, der selbst lange in Argentinien lebte, gern folgen. Steigern lies?? sich die Dankbarkeit des Lesers freilich noch durch sorgfältigere Korrektur des Buches; es empfiehlt sich kaum, den Kindern, die Rechtschreibung lernen sollen, einen so nachlässig bebandelten Text in die Hand zu geben. Auch für ein Wörterbuch nicht nur des Spanischen (das ist beigegeben!), sondern des Schweizerischen müsste gesorgt sein. — Oder weiss ein jeder was ein „Schabziger" ist?! — Ich wusste es nicht. Den kleinen Mädchen aber, soweit sie sich nicht auf die Abenteuerbücher der Brüder schon gestürzt haben, kann man mit gutem Gewisseti die warmherzig und märchengläubig geschriebene Chanukka-Geschichte von Leo Hirsch „Das Lichter haus im Walde" (im Kedem-Verlag) empfehlen. — hätten wir mehr solche! — und dazu lege man das Chanukka- Büchlein von H a n n e m a n n - W a 11 e n b e r g (vom Verlage J. Jaetrow), dort wird die alte Geschichte in anspruchslosen deutschen" und hebräischen Versen (von E. Hurwicz) und reizenden Bildern erneuert. — Bei alledem iässt es sich nicht leugnen: trotz aller richtigen Erkenntnis tmd trotz aller einzelnen Lichtblicke — im Ganzen genommen sahen wir in der Kinderliteratur der letzten Jahre doch mehr multa als multum-- lvi.ii „Robinson Crusoe" ist nicht darunter. 1'^ auch ein „Niels Holgersson. mit den Wildgäoscn" blieb aus.