Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 45 (11.11.1937)
- Date
- 1937-11-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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3. Beiblatt C-V.- Zeitung Seife 7 Nr. 45 11. Nov. 1937 Was ist öffentliches Eigentum der Stadt? Es sind der Marktplatz, die Synagoge, das Badehaus, die Lade und die Bücher © Man sei sehr darauf bedacht, die Bücher in Ehren zu halten. Man soll beim Liniieren eines Heftes sich nicht eines anderen Buches zur ünterlage bedienen, geschweige denn, dass man es, oder auch nur den noch unbeschriebenen Teil, zu einem unehrbaren Zwecke gebrauchen dürfte o Bewahrt man eine Bücherkiste in einem Schlafzimmer auf, so soll sie am Kopfende des Bettes und nicht am gussende stehen © Federn, womit man heilige Schriften schreibt, soll man, selbst w;enn sie unbrauchbar werden, nicht geringschätzig behandeln, z. B. auf « <xh ocS3 w - d6r E^de ije?ei1 laf- | /^ZK>^\ I sen' s ^eigestab- _ /^i^A«^» > chen, womit man den Kindern die Buchstaben und Wörter zeigt, soll man zuspitzen, bevor man es in Gebrauch nimmt. Ist es einmal gebraucht, so darf man. weil es durch den Gebrauch Heiligkeit erlangt hat. die Schnitzel nicht auf die Erde fallen lassen. Dasselbe gilt auch von einer Feder, die man zum Schreiben heiliger Schriften verwendet. Mit einer solchen Feder darf man sich nicht kratzen (noch viel weniger darf man das Buch dazu benützen), auch keine Geschwüre damit öffnen. Ein Gleiches gilt auch von der Feile und Nadel, die man zum Glätten und Heften der Bücher verwendet o Man darf in einem religiösen Buche keine Schuld oder Rechnung notieren. Man soll auch keine Federn und Münzen, noch sonst etwas zur Aufbewahrung hineinlegen. Man soll nicht einmal vorübergehend die Feder oder das'^Alesser auf das Buch legen, um sie zum Schreiben und Zurichten zur Hand zu haben © Der Lehrer soll den Schüler nicht mit dem Buche schlagen, und der Schüler nicht den Schlag mit dem Buche abwehren. Auch auf das Buch soll der Lehrer nicht im Zorne schlagen o Man soll ein Buch nicht gebrauchen, um sich damit vor der Sonne oder vor Rauch zu schützen oder etwas darunter zu verbergen. Man darf Bücher -nicht bei Esswaren aufbewahren, es könnten sonst Mäuse, durch diese angelockt, jene mit benagen. Geht das Schloss eines Buches schwer zu, so soll man es nicht mit den Knien zudrücken. rzienimg zum Man gebe kleinen Kindern kein Buch zum Spielen. Sie zerreissen das Buch, und es ist doch sehr unrecht, mit heiligen Buchstaben ein Spiel zu treiben o Wenn das Kind noch sehr jung ist, ehe es noch sprechen kann, soll man ihm schon heilige Bücher zeigen. Es soll lernen, die Bücher zu küssen, damit es daran gewöhnt wird, die Bücher in Ehren zu halten © Wenn der Knabe drei Jahre alt ist soll man ihn die Buchstaben lehren. Alan gibt ihm gute Worte, schenkt ihm Nüsse, Lebkuchen und Honig, damit er gern in die Schule geht © Wenn die Zeit gekommen ist, das Kind in die Schule zu tun, dann soll der Vater früh am Morgen das Kind selbst in das Haus des Lehrers bringen. Vater und Mutter sind verpflichtet, das Kind auf dem Weg in die Schule mit dem Gebetsmanter zuzudecken, damit es nichts Unreines sieht. Im Hause des Lehrers setzt der Vater das Kind dem Lehrer auf den Schoss. Dann wird eine Tafel gebracht, auf welcher" das Alef-Bet geschrieben steht Der Lehrer liest es zunächst in der richtigen, dann in der umgekehrten Reihenfolge vor, und das Kind uch spricht jeden Buchstaben nach. Darauf bestreicht man die Tafel mit Honig, und das Kind leck damit es t den Honig von den Buchstaben, ich die Buchstaben einprägt. Am Von der Pflicht, Bücher zu verleihen „Dein Haus sei ein Sammelplatz der Weisen" (Sprüche der Väter I, 4) — das bedeutet: In deinem Haus soll ein Zimmer mit vielen Büchern jedem Lernwilligen zugänglich sein o „Habe und Reichtum ist in seinem Hause, und sein Verdienst besteht immer" (Psalm 112, 3). Rab Huna und Rab Chisda legten diesen Psalmvers aus. Der eine sagte: Das bezieht sich auf den, der gelernt hat und lehrt; der andere: das bezieht sich auf den, der die heiligen Bücher abschreibt und sie anderen leiht © Sage nicht nein, wenn der, welcher kein Geld hat, sich Bücher zu kaufen, sie von dir leihen will. Du musst ^^^B^^ff^ aber die Sicherheit haben, dass er sie zurückbringt Wenn du ein. Buch verleihst,, notiere es, bevor du es weggibst. Bringt man es dir zurück, dann streiche den Vermerk wieder aus. Zu Pessach und Sukkot fordere alle entliehenen Bücher wieder zurück o Man soll nicht Anstand nehmen, Bücher zu verleihen aus Furcht, dass die Schrift verlöscht wird, besser die Schrift wird verlöscht, als dass die Bücher unbenutzt liegen o Der wahrhaft Fromme, der einem Gleichgesinnten Bücher aufzubewahren gibt, soll diesem sagen: wenn du deine Bücher wegleihst, dann , darfst du auch die meinigen wegleihen. Man soll überhaupt nur gegen diese Erlaubnis Bücher in Aufbewahrung nehmen. © Ein Vater, der zwei Söhne hat, von denen der eine gern Bücher verleiht, der andere aber nicht, soll seine Bücher dem ersteren hinterlassen. Einer, der Bücher zu verleihen pflegte, befahl seinen Söhnen im Testamente, dass sie Leuten, mit denen sie etwa in Zwist kämen, deshalb ihre Bücher nicht vorenthalten sollten. Sie sollten höchstens zur Sicherstellung ein Pfand nehmen: ferner sollten sie nur solchen borgen, die um der Sache willen studierten, und sie sollten die Armen den Reichen bevorzugen o Beim Verleihen von Büchern soll man denjenigen, der sie täglich benutzt, vor demjenigen bevorzugen, der sie nicht täglich benützt Je mehr Abschriften von einem Buche genommen werden, desto grösser ist das Verdienst des Eigentümers; er soll deshalb die Abschriftnahme nicht aus Besorgnis, dass das Buch Schaden nehme, verweigern. Man soll, wenn man Bücher verkaufen muss, sie lieber einem Fremden verkaufen, wenn man weiss, dass dieser sie verleiht, als dem eigenen Bruder, wenn dieser sie nicht verleiht o Es gibt Kaufleute, die durch ihr Geschäft so stark beansprucht werden, dass ihnen zu eigenem Studium keine Zeit bleibt Sie aber kaufen Bücher, machen sie Lernwilligen in ihrem Hause zugänglich und leihen sie aus. Vom Büchersammeln Man soll die Bücher bevorzugen, in welchen grosse und deutliche Buchstaben sind © Man soll nur solche Handschriften zum Studium benützen, die schön, sauber und fein und auf Pergament geschrieben sind und sich in einem schönen Futteral befinden o Gib acht auf deine Schrift und die Ordnung deiner Bücher, denn die Handschrift des Menschen und sein guter Geschmack verbreiten seinen Ruhm © Kontrolliere deinen hebräischen Bücherbestand an jedem Monatsanfang, jeden zweiten Monat die arabischen Bücher, die Sammelbände in jedem Vierteljahr. Halte gute Ordnung, damit du Bücher, wenn du sie brauchst, nicht zu suchen nötig hast, sondern ihren. Platz im Schrank oder auf dem Bücherbrett kennst. Schreibe die Bücher jedes Faches in einer Liste nieder und bewahre diese Liste in dem betreffenden Fach.- Du kannst dann, _ wenn du ein Buch brauchst, auf der Liste nachsehen und brauchst dann die Bücher nicht durcheinander zu werfen © Schütze deine Bücherregale mit einem Vorhang, hüte sie vor Wasser schaden, vor Mäusen und jedem anderen Schaden; denn sie sind dein Kl-inod. Abend dieses Tages sollen die Eltern den Armen ein Essen geben und entsprechend ihrem Vermögen Spenden austeilen © Mein Sohn, ich habe dich ausgezeichnet, indem ich dir viele Bücher angeschafft habe, so dass du dir kein Buch zu leihen brauchst, wie es die meisten Schüler tun müssen, die umherrennen, um ein Buch zu suchen, das sie nicht finden. Du aber, Gott sei Dank, kannst selbst Bücher verleihen und hast es nicht nötig, zu entleihen. Ja, von den meisten Büchern hast du zwei oder drei Exemplare. Mit Büchern aller Wissenschaften habe ich dich versorgt o Mein Sohn, mach deine Büeher zu deinen Gefährten; deine Bücherschränke und Bücherbretter sollen dein Garten und dein Paradies sein; nähre dich in ihren fruchtbaren Pflanzungen, pflücke ihre Rosen, sammle ihre Früchte ein, geniesse ihren Duft. Wenn du müde wirst, so gehe weiter, von Garten zu Garten, von Acker zu Acker. Dann wird deine Begierde von neuem erweckt werden und dein Geist wird Gefallen finden © Zu jeder Zeit habe ein Buch in deinem Schosse, und der Verstand sei dein steter Begleiter. Nachbemerkung —- Diese Zusammenstellung, die die Stellung des Juden zum Buch" belegen will, ist der jüdischen Volksliteratur entnommen. Eben darin, das sie nicht die Sprache der hohen Gelehrsamkeit spricht, liegt der Reiz und der überzeugende W7ert dieser Aeusserungen über " das Buch. Neben dem Talmud sind .»Testamente" herangezogen worden: das Mahugedicht des babylonischen Hai Gaon (um 1000), das Testament des Jehuda ibn Tibbon (Frankreich, ™9 12. Jahrhundert), 'tip das Ermahnungs- 00 schreiben des Por- * tugiesen Salomo Alami (1415). Zur eigentl:chen Volksliteratur gehören die zitierten Moralbücher: das Buch der Frommen (13. Jahrhundert, Deutschland), der in jüdisch-deutscher Mundart geschriebene Brantspiegel (16. Jahrhundert), das in Frankfurt a. M. 1691 gedruckte Kab hajaschar des Hirsch Koidanower. Daneben wurden in geringerem Umfang verwendet: die Responsen de< Salomo Duran (Algier lo. Jahrhundert), die Vorrede des Druckers zu der Rokeach- Ausgabe Cremona 1557, das methodische Werk des 3Vfc>- sesb.Aharon(LubIin 1635). Die Güdemannschen Veröffentlichungen wurden dankbar benutzt. Fritz Bamberger ********************************** ***:*<