Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 45 (11.11.1937)
- Date
- 1937-11-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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&fe&4 CfV*»Zeitung Nr.45 * 11.Novembsrl93$ vor allem dem werdenden Werke gilt und nicht der abgeschlossenen, vor ihm liegenden Arbeit Ein Künstler spricht von „der brennenden Leiden- : schaff' für das Erstehende. Ja, ein Schaffender steht in dieser brennenden Leidenschaft, und die ausschlagenden, leuchtenden Flammen sind eben die schöpferischen Augenblicke, und so seine höchste Zeugung und sein tiefstes Glück. Georg Hirschfeld Der jüdische Schriftsteller unserer Tage sieht sein. Schaffensfeld verhüllt und zugleich im inneren Licht eines Gebotes, das vielleicht noch nie vor ihm aufgerichtet worden ist Er müsste verzagen, wenn es ihm kalt und klar vor Augen stände, was der schöpferische Entschluss von ihm fordert Zum Glück bleibt der Traum, das alte Spiel der Phantasie seiner menschlich allzumenschlichen Kraft. Aber die produktive Flut von einst kann nicht mehr Raum finden. Hindernisse geistiger und materieller Art türmen sich. Das neue Dasein ist Verzicht, und Hoffnung, Fessel und Freiheit zugleich. Wird des Dichters Würde wieder darin erkannt, Sprecher seines Volkes zu werden — der Jude fühlt sie in den ältesten Blutrinnen, aber er sucht noch sein Volk. Er fühlt es, kennt es, sieht es schon und muss es doch noch in einsamer Zelle hüten, ohne die erlösende Vereinigung zu finden. Einst! Mit diesem verhallenden Ruf wird er zur Ruhe gehen. Nicht von den Jünglingen, so gross und schön ihr Recht ist wird hier gesprochen. Sie haben den vergangenen Weg nicht erlebt — sie erleben nur den Aufbruch. Wohl ihnen — und doch — die Verantw-ortung, nicht das Ungestüm ist schöpferischer Moment. So taumelt und will sich behaupten in seinem treibendem Gewicht das neue jüdische Buch. Strümpfe ✓ Strickware« Wäsche / Handschuhe i Selibir., <s?«Hn<?waldstr.5f» * a. Bayer. Platz. Toi.: 71 $813. Dass es selten geworden ist im Drange der Umstände, erhöht seine Intensität. Der schweren Wahl des Autors folgt die des Verlegers und -des Publikums. Keine ..Saison" mehr, keine Marktflut — das Mögliche und Wenige will sieb behaupten. Das sucht der Verleger, ohne wirklich zu wissen, was. Der Leser sucht und kann gewiss nicht sagen, was.er finden möchte. Und der Autor? Der Schriftsteller, sofern er Dichter ist? Er muss den Hohlweg zeitlicher Gegebenheit gehen. Er mues dem Lichtpunkt folgen, in seiner durchkämpften Dunkelheit.- Was einst Naturalismus hiess, stirbt noch einmal und steht vor dem Realismus als Grundproblem. Der Romantik dröht schmerzliche Geringschätzung.. Wer darf jetzt träumen? Das Symbol ruht vielleicht im Gedicht. Ein neues Buch muss doch vom Realismus leben, vom Gesehenen, Erlebten, Durchdachten. Boden ohne Erdreich gibt es nicht. Kann der in Deutschland aufgewachsene Jude ihn draussen in der weiten Welt finden? Die Antwort hierauf hängt wohl von seinem Dichterram ab. Unbedingt aber gilt es auch jetzt der Wirkung des mit seinen Lesern aufgewachsenen Dichters. Er kann ihnen nur sagen, was sie erjüdischen Geschichte, wenn man von rühmlichen Ausnahmen wie der Maimonides-Biographie von Abraham Heschel oder dem ,Jud Süss" von Selma Stern absieht. Das jüdische Ereignis schlechthin für unsere Zeit, das seine Weilen bis an die Herzen selbst der entferntesten Juden geschlagen hat, ist der Palästina-Aufbau. Das letztvergangene Jahr hat dieser Tatsache die literarische Krone aufgesetzt: Heinrich Heine und Martin Buber, ja selbst Simon Dubnow sind ersetzt durch den Peel-Bericht. Mit ihm, der seit einigen Wochen in vorzüglicher deutscher Übersetzung vorliegt, und zugleich mit Arthur Ruppins gesammelten Reden und Aufsätzen ist das klassische Fundament der Palästinakunde gelegt Die Jüngsten unter uns gemessen das Vorrecht, den ältesten Weg zum Aulbau eines neuen jüdischen Wissens beschreiten zu dürfen. Sie. die nicht überlastet sind von drückenden Tagessorgen und von abgestorbenen Bildlingstraditionen, finden im grossen Spiralbogen des Werdens zurück zum Zauber des Anfangs — wenn sie von der Lust der Hingabe erfüllt sind. Diesen Tapferen und Demütigen, so wenige es sind, sind die ersten Sätze von „Bereschit" wieder das Eingangstor in eine ganze Welt, die zugleich eine jüdische Welt ist. Ihrem Zugriff liegt sie bereit und offen, zumal seit zu den älteren deutschen Bibelübersetzungen von Mendelssohn, Zunz, Bernfeld zwei vorzügliche neue gekommen sind: die abgeschlossen vorliegende „Berliner Bibel", die unter der Leitung von Torczyner zusammengestellt wurde, und der kühne, bis dicht ans Herz des hebräischen Originals führende, aber noch nicht vollendete Versuch von Buber-Rosenzweig. Wer dann noch zu den beiden Bänden Elias Auerbach „Wüste und Gelobtes Land" und zu Soloweitschiks Bilderwerk „Die Welt der Bibel" greift, der hat einen spannenden Geschichtsbericht als Kommentar» Dieser Zugangs wenngleich vom überlieferten der. fassen, künden, was sie fühlen. Mag aus Osten und Westen Grosses kommen, noch eo gut „übersetzt" — es ist doch nicht unser. Die Sehnsucht des Lesers verlängt sie nicht. Aber wenn ihm sein Erleben nun näher und ferner, seine Landschaft, kulturell verbünden, nicht mehr künstlerisch gedeutet entgegentreten darf? Wenn er sich auf den Eigenwuchs verwiesen sieht? Wer antwortet hierauf? Wenn auch divinatorisch. Der Schöpfer, der noch ins Volle greifen kann. Ohne Material ist kein Schöpfer, und als solcher wird er es finden. Hier ist der entscheidende Umstand, der Beweggrund zu einem jüdischen Buch. Der schöpferische Augenblick kann für uns nur noch im höheren Realismus sein, im Schildern des Existenten mit der Fähigkeit, über den Dingen zu schweben. Es ist hier kaum zu sagen, was ein solches Buch formal und inhaltlich sein wird, aber das Vertrauen des Lesers auf seine Gedankenkraft verdient es und gewiss auch auf die Gestaltung aus jüdischer Seele. Roman? Novelle? Lebensgeschichte? Vielleicht nur ein stilles Tagebuch, eine Bekenntnisreihe des Einsamen inmitten des wildbewegten Lebens. Kein Buch vom „Ziel", aber vom „Unterwegs". Unser Weg geht durch Jahrtausende — Jahre halten ihn nicht auf. Das siegende Gesetz der Wandlung trifft den guten jüdischen Geist gefasst und in starker Demut vor dem Ewigen. Jakob Picard Im zweiten Buch Moses, Kap. 31, Vers 3 heisst es von Bezal'el, dem "Künstler, der von Gott berufen wurde, dem Stiftszelt die seinem hochheiligen Zwecke gemässe Ausstattung zu geben: „Und ich habe ihn erfüllt mit göttlichem Geist, mit Weisheit und Einsicht, mit Wissen und allerlei Fertigkeit. Sinnreiches zu ersinnen." Damit gibt schon die Bibel schlechthin die Definition des künstlerisch-schöpferischen Menschen. Mit diesen Worten nämlich des ewigen Buches ist zunächst ausgesprochen, dass Gott nur einen Menschen besonderer Art für eben gut genug hielt, dem seinem heiligsten Dienst gewidmeten Raum die rechte Weihe zu geben durch seine schöpferische Arbeit. Ausdrücklich unterscheidet er ihn von der Menge der anderen: mit Göttlichem, mit seinem Geist, mehr als die, ist er erfüllt und init Weisheit and Einsicht offenbar mehr als alle sonst; und allerlei über das Gewöhnliche hinausgehende Gabe, etwas zu erfinden, das einen tieferen Sinn und damit symbolische Kraft habe, war in ihm; Veranlagungen, Fähigkeiten eben, die gerade ihn absichtsvoll auszeichneten vor dem Durchschnitt der anderen. Ganz deutlich ist das ausgesprochen.. Und danach heisst es weiter — um mit Büber-Rosenzweigs Worten zu sprechen — und „in das Herz-all jedes Herzeasweisen gebe ich Weisheit, dass sie machen; alles, was ich dir geboten habe'*, noch einmal besondere Weisheit, aber auch vor allem Gefühl des Herzens, aus dem sie kommt, hält Gott für notwendig mehr als bei den vielen, um die höchste Aufgabe, die des Künstlers, für diesen seinen Zweck zu erfüllen.... ' Zweifellos ist aber mit diesen Worten keineswegs nur das Wesen des bildenden Künstlers, wie Bezal'el es war, umschrieben, sondern das des Künstlers überhaupt, auch des Musikers und Methode nach verschieden, ist doch dem Inhalt nach noch immer der legitimste. Er kann gar nicht früh genug beschritten werden: „Die Geschichten der Bibel" und die „Helden und Abenteurer der Bibel" von Joachim Prinz erfüllen die Gemüter der Knaben und Mädchen mit den farbigen Bildern einer orientalischen Umweit, und ein wenig später kann man schon Edmond Flegs „Moses" und „Salome" zur Hand nehmen, Bücher, in denen die Gestalten der biblischen Vorzeit mit dem Legendenkreis des Midrasch wie mit einem phantastisch bunten Mantel umkleidet werden. Von da aus greift die Kraft der Vorstellung in kühnem Brückenschlag über die Jahrhunderte: über Bin Gorions „Sagen der Juden" zu dem Helden Röubeni, der als davidischer Märchenprinz in das dunkle Reich des Ghetto eintritt und von diesem Haltepunkt romantischer Erinnerung zur greifbarsten Gegenwart. „Arbeiterinnen erzählen" — das ist die Fahne der Zeit, der Anruf des Wirklichen. Die Frau tritt an die Seite des Mannes, Worte fallen ab wie Hüllen in der grellen Sonne eines ausgedörrten Erdstrichs, und schweigend erfüllt sich das Leben einer Jugend, die alle Bitternis des Scheiterns von Anfang an in ihre Siegerfreude mitaufgenomraen hat. Es gibt schliesslich eine höchste Leserkategorie, die unter Aelteren und Jüngeren da und dort ihre Posten ausgestellt hat. Wer zu ihr gehört, den muss man auf Franz Rosenzweig aufmerksam machen, den einen auf seine Briefe, den anderen auf seine unter dem Namen „Zweistromland" gesammelten Aufsätze, nur ganz wenige auf sein philosophisches Hauptwerk, den „Steril der Erlösung". Seine Briefe soll jeder gelesen haben, der wie er den Weg vom Nichtwissen zum Wissen im jüdischen Bereich mit dem Blick auf das letzte Ziel gehen will. Da kann man lernen, dass es .für niemand zu spät ist, der treu und geduldig Stein auf Stein fügt. Dichters; denn in den Tiefen des Unbewusstea, aus dem das Schöpferische sich nährt, sind sie gleich geartet, und nur die Mittel und Symbole, mit denen sie ihr Erleben offenbaren, sind ver- ■schieden. Und sogleich, muss gesagt werden, dass danach überhaupt künstlerische Begabung im Wesen etwas anderes ist, als jede andere; sie hat eigenartige seelische Beschaffenheit zur Voraussetzung, ist bedingt durch empfindlicheres Gefühlsleben; wobei betont werden kann, dass dies nicht nur Gnade, sondern auch Beschwernis bedeutet, um nicht ein anderes Wort zu gebrauchen. ■ Und wenn wir genauer zusehen, eo ist in der Kennzeichnung der Bibel auch noch ein anderes ausgesprochen: der reproduktive Künstler wird vom produktiven, dem schöpferischen unterschieden. Denn klar ist gesagt, dass der letzte den göttlichen Geist bekommen habe, um Sinnreiches zu ersinnen'. Der erste aber ersinnt nicht, sondern er lebt nur das Ersönnene des Schöpferischen nach; ohne den wäre er nichts, müsste der Schauspieler oder Rezitator z. B. unartikulierte Laute von sich geben oder nur Gebärden machen, die ihn bestenfalls zu Pantomime führen oder als einen Tänzer kennzeichnen würden. Dass auch er seine Mission hat, ist dabei nicht zu bezweifeln; nur ist sie wesenhaft anders, wobei selbstverständlich die Grenzen sich überschneiden und schöpferische Elemente in hohen Exemplaren der Gattung manchmal sich zeigen können. Gerade unter uns aber sind die Reproduktiven aus nicht eben lobenswerten psychologischen Gründen fast immer bevorzugt worden vor den Schöpferischen. Wenn wir so nun ungefähr wissen, wer und wie der Schaffende der Kunst ist, so müssen wir nun zu bestimmen suchen, wodurch er sich kundgibt, und wie diese Kund-Gebuög vor sich geht. Schweres Unterfangen und kaum zu lösen, gar auf so geringem Raum, der hier zugemessen ist; nur annäherungsweise kann darüber gesprochen und von subjektivem Erleben und subjektiver Erkenntnis muss ausgegangen werden. Und da es hier um das Buch, die Kunst geht, die sieb mit Wort, Klang und sprachlichem Rhythmus offenbart, so wollen Wir uns auf 6m schöpferischen Vorgang beim Dichtwerk beschränken, der — es muss wiederholt werden ~- im Intuitiven der gleiche ist, wie bei aller anderen Kunst. Der englische Dichter John Keats hat einmal in einem Briefe sich darüber geäussert, das» der Dichter vor allem die Kraft haben müsse, ..mit Geduld in Ungewissheit, Geheimnis und Zweifel auszuharren, ohne nach Tatsachen und Verstandesgründen zu fragen'". Vielleicht ist das eine Erklärung, die aus dem Wesen eines Menschen der Romantik erfässt werden muss; aber man kann ihr doch zustimmen. Und je tiefer her jenes Geheimnis aus dem Seelischen rührt, dem es geduldig nahe zu kommen gilt durch das Mittel der rhythmischen Sprache, desto reiner wird das Geschaffene sein. Aber so wenig wie ein gutes Sprachwerk wird aus Programmen literarischer Routiniers, gleichsam aus herdenweisem Brüten, und wie sehr auch der künstlerische Schaffensprozess ein anderer ist, als etwa der wissenschaftliche, ebensowenig ist es denkbar nur aus dem Rausch der ersten Empfängnis des einsamen Einzelnen. Es ist nichts mit dem dämonischen Auge des von dem Einfall Langsam, aber immer mehr und mehr wird sich ihm eine neue Welt auftun, bis er zum Schluss an ein dunkles Tor kommt: wenn es aufspringt, führt es ihn in das Land der hebräischen Sprache. Dann beginnen die Sorgen um eine hebräische Bibliothek. Aber bis dahin hat es noch gute Zeit. Man hat's nicht leicht .. Ich fabriziere jüdische Kultur; seit Jahren drucke Bogen ich um Bogen; geduldig, Leutchen, brachte ich hervur 200 000 Bände, ungelogen. Ich buddle Schätze aus, die man vergass. Ich fordre junge schreibende Talente. Und soweit machte alles das schon Spass --wenn ich den Rummel nur verkaufen könnte!! Druck' ich Geschichte, will man den Roman. Druck' ich Romane, will man die Geschichte. Druck' ich Gedichte, will man Rabbi Khan. Druck' Rabbi Khan ich, will man die Gedichte. Druck' ich Essays, dann will man Politik. Druck' ich Novellen, will man Philosophen. „Solch dünnes Buch!? Ach nein, doch lieber dick! Recht dick und billig!" — — Es sind Katastrophen...! Binde ich rot: „Ach, haben Sie nicht blau?" Binde ich blau: „Ich will es rot gebunden!" Was soll man tun? Erfahrung macht schon schlau: Halb blau, halb rot; die Lösung ist gefunden! Ich war gerüstet — —da erschien der nächste Kunde: „Haben Sie nicht grün?" Brandus Senden Sie mir bis auf Widerruf die Zeilen g 66 Pf. für November, Dezember und eine einmalige postalische Verspätungsgebühr von 20 Pf. zahle ich bei Vorlage der Postquirtung an den Briefträger. Name: ......... ............................. ............. Ort:......................... ........................' Strasse: ............................. Ausschneiden und mit 3 Pfg. frankiert oder euch unfrankiert) senden an: C..V. »Zaifung. Vertrieb, Barlin W 15. Emser Strasse 42. felaf. P2 8I 41. unmittelbar Ergriffenen und nichts mit den leicht hinfliegenden Versen; die männlichen und weiblichen Dilettanten glauben es, denen täglich ihr „Gedicht" an den Geliebten, oder neuerdings an dessen Stelle eines an Gott entüiesst: nein, schwere Arbeit ist nötig, um in Treue die ewigen Gesetze der Kunst zu erfüllen, und nur selten geschieht es, dass mit einem ersien Entwurf die endgültige Form gelungen ist; wir brauchen dabei gar nicht einmal an das Martyrium Flauberts oder Jens Peter Jacobsens etwa m erinnern. Und wenn der gute Alte, Mendels Mocher Sforim, meinte, er könne nur schaffen, wenn er „den Brenn, zu schreiben" habe, so hat er gewiss damit nur gemeint, 'dass sei» wahres inneres Erleben Voraussetzung sein müsse, ihn überhaupt an den Schreibtisch zu bringen, und hat nicht vergessen, was nötig war, um dem innerlich Geschauten Gestalt zu geben; Kämpf mit sich selbst und seinem speziellen Material, dem Wort, das aber in der reinen Dichtung zugleich Stoff ist. . Denn nur nahe kommen kann einer im Werk dem, was er geschaut hat, niemals es ganz erschöpfen; das ist die Tragik des Schaffeaden, alle haben sie empfunden. Je näher sie aber diesem inneren Bilde bei der Sichtbarmachung kamen, desto wirksamer in den Raum der Menschen und die Ferne ihrer Zeit wird ihr Werk sein. Und nur die strenge, besondere Form, die jedem Stoff als der seinen ausschliesslich innewohnt, gibt ihm die Dauerhaftigkeit, um zu bleiben. Man prüfe die Gedichte derer, die über die Jahrhunderte, ja Jahrtausende weg uns späten Menschen geblieben sind,' und versuche, den Grund dieser Datier zu erkennen: es ist das ewige , echte Gefühl, ausgedrückt durch ein wahres neues Sinnbild aus Anschauung und Klang, dem die Verzauberung gelingt und die Beschwörung, nichts anderes. Doch dieses alles ist unausschöpfbar, muss es sein; und wir sind uns bewusst, ein Fragment zu geben. Wir lesen, noch mehr: wir hören die mythischen Klänge etwa Alfred Momberts oder die grossen Strophen Gertrud Chodziesners, Dichter unserer Art, die beide unter uns armen Heutigen leben, und denken daran, dass Dostojewski in den „Brüdern Karamasow" den Dichter Joukowsky in einem seiner unerhörten Gleichnisse sagen lässt: „Dichtung ist Gott in den heiligen Träumen der Erde"; ihm aber zugleich durch den allzu nüchternen Smerdiakow kalt antworten, dass Reimen glatter Unsinn sei- Ach, die Smerdiakows sind heutzutage und gar unter uns mehr als anderswo die bittere Regel, obwohl, wie wir gesehen haben, selbst unsere Bibel ein für allemal es ausgesprochen hat, dass der schöpferische Geist der ,.göttliche" schlechthin ist: bei aller Demut vor dem ünerforseblichen und vor den grossen Meistern sei das gesagt. Bestseller: Die Bibel In London hat ein Verleger einen Neudruck der Bibel veranstaltet. Sie wurde neu übersetzt erscheint ohne Kapitel- und Verseinteilung und will in dieser Form nicht nur erheben sondern auch als literarisches Dokument gewertet sein- Der Erfolg hat dem Verleger recht gegebeD. Trotz des nicht niedrigen Preises von etwa 6,50 RM war die erste hohe Auflage in der Erscheinungswoche vergriffen. Seitdem zählt daf Buch, dessen besonders schöner Druck gerühmt wird, zu den Bestsellers der englischen Sortimenten