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Central-Verein-Zeitung · 1937-11-04 · 44 (4.11.1937) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
44 (4.11.1937)
Date
1937-11-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 44 4. Beiblatt ^alä^tina-Umsclmii tler C.->V.-Zeitiui Immer neue Terrorakte Die Lage im Lande weist zwar im allgemeinen Kennzeichen der Beruhigung auf, aber die Kette der Terrorakte reisst ^nicht ab. Der nach dem Durchgreifen Englands eingetretene Stillstand der Unruhebewegung ist durch kleinere Aktionen in vielen Teilen des Landes abgelöst worden. Ein allgemeiner Terrorplan scheint nicht vorzuliegen, aber die Erregung der Bevölkerung macht sich immer wieder Luft Andererseits ist die Polizei diesen Dingen noch nicht in vollem Umfange Herr geworden. In der vorigen Woche verbreitete sich das Gerücht, dass der berüchtigte Führer des vorjährigen Aufstandes, Fauzi Bey el Kaukji wieder in das Land zurückgekehrt sei und die Banden in der Gegend von Hebron und Beer Seheba befehlige. Auf einen Transport der Palestina Potash Company ist zwisclien Jericho und Jerusalem ein Bandenangriff unternommen worden. Die Transportkolonne bestand aus sechs Lastwagen, deren Begleitmannschaft das Feuer erwiderte und drahtlos Verstärkungen anforderte. Nach zweistündigem Kampf konnte die Bande, die ein Maschinengewehr mit sich führte, vertrieben werden. Der jüdische Arbeiter Lnbnicki wurde getötet, ein arabischer Polizist verwundet. In den arabischen Vierteln von Jerusalem ist die Unsicherheit noch so stark, dass die Regierung ihre Beamten im Auto von den Wohnungen abholen und zum Dienst bringen lässt. Bei Tulkerem und Lydda griff eine arabische Bande Polizei und Militärpatrouillen an. Die Strassen, die zu den Eisenbahnwerkstätten in Lydda führen, wurden gesperrt. Auf ein Polizeiauto wurde ein Schuss abgegeben und ein arabischer Polizist leicht verwundet. Im Laufe der Woche wurde die Lage in Lydda gespannt, zwei Häuser wurden mit Dynamit gesprengt. Schliesslich kam es zur Verhängung des Ausnahmezustandes über die Stadt. Auf Veranlassung des Oberkommandierenden, Generalmajor Wavell, ist in Aussicht genommen worden, das Flugfeld von Lydda, das bekanntlich Gegenstand eines Angriffs gewesen ist, mit einer hohen Mauer zu umgeben. In Talpiot kam es zu vereinzelten Schiessereien. Ein britischer Soldat der Jcrusalemer Garnison ist schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert worden, ohne dass man bisher die Ursache der Verletzung hätte feststellen können. Bei der Explosion einer Bombe in der Altstadt wurde ein Polizist verwundet. Vor dem Haus eines jüdischen Polizisten in S a f e d explodierte eine Bombe, ohne Schaden anzurichten. Der sechzehnjährige Ascher Hermann in Jagur bei Haifa wurde durch einen Schuss schwer verwundet. Die Polizei ist bemüht, die Zusammenhänge des Ueberfalls klarzustellen. Im B a 1 f o u r - W a 1 d ist, vermutlich durch, arabische Terroristen, ein Brand entstanden, der einen Schaden von wahrscheinlich 30 000 Pfund anrichtete. Fast ein Drittel des Waldes wurde vernichtet, die übrigen Teile schwer beschädigt. Man nimmt an, dass die Brandstifter aus dem Dorf Jafelit bei Nazaret gekommen sind. Die Löseharbeiten gestalteten sich äusserst schwierig. Mit der Wiederaufforstung soll alsbald wieder begonnen werden. Ein Versuch, die von der Regierung errichtete neue Technische Schule in" Haifa in Brand zu stecken, ist misslungen. Nach Nablus wurde eine Militärabteilung entsandt, um die Berge der Umgebung nach arabischen Banden abzusuchen. Die Regierung hat verfügt, dass die bei der britischen Truppe beschäftigten arabischen Arbeiter und Bediensteten ab 1. November entlassen werden. Diejenigen, die weiterbeschäftigt werden wollen, müssen ein polizeiliches Führungszeugnis beibringen. Auf den Oberrichter von Jaffa, Ralph B. B o d i 11 y, wurde ein Attentat verübt. In dem arabischen Sportklub .in Haifa wurden 15 000 Nadeln mit dem Bild des Mufti beschlagnahmt. Die Strasse nach Aegypten musste infolge von Truppentransporten für den allgemeinen Verkehr gesperrt werden. Am Freitag wurden in Jerusalem zwei Juden leicht verwundet. Beim Nablus-Tor, gegenüber den Regierungsämtern, wurden auf einen mit jüdischen Arbeitern besetzten Lastwagen von Arabern Schüsse abgegeben. Der 25jährige Menachem Benrubi' w"u r d e von einer Kugel getroffen. Auf den Leiter der Deutschen Zentral-Sparkasse ist von einem Araber ein üeberfall unternommen worden. Am Freitag abend wurde in Jerusalem auf eine Gruppe von Betarim bei der Rückkehr von der Klagemauer in die Altstadt ein Üeberfall . aus dem Hinterhalt verübt. Der marokkanische Jude Aron A1 k a be z ist seinen Verletzungen erlegen. Der Zustand eines anderen Verletzten, Schlomo R o s e n z w e i g , ist bedenklich. Dem arabischen Viertel der Altstadt ist eine Kollektivstrafe auferlegt worden. Fast gleichzeitig wurde ein Auto mit jüdischen Insassen beim St. Stephans-Tor beschossen. Mehrere Personen wurden leicht verletzt. Die Polizei konnte trotz Durchsuchung der in der Nähe gelegenen Häuser die Täter nicht feststellen. Auf der Jaffa-Strasse in Jerusalem ist der persische Jude Raphael Nimdar durch einen Revolverschuss schwer verwundet worden. Die Tat geschah in der Nähe des Amtes des Distriktkommissars. Auch ein Araber wurde durch eine abirrende Kugel getroffen und erlag seinen Verletzungen. Man nimmt an, dass die zwischen Hebron und Beer Scheba agierende angeblich von Kaukji Bey befehligte Bande ihr Tätigkeitsfeld jetzt in die Umgebung von Jerusalem verlegt hat. „Haare z" meldet aus Amman die Alarmierung der französischen Fremdenlegion in Syrien zum Zwecke der Grenzüberwachung. Auch das transjordanische Grenzkorps soll Befehl erhalten haben, verdächtige Bewegungen arabischer Stämme und saudi-arabischer Truppenteile in der Nähe von Akabar genau zu überwachen. In einer arabischen Massenversammlung in Gaza wurde erklärt, dass die Terrorakte der letzten Zeit der mohammedanischen Religion widersprächen. Stimmen der englischen Oeffentlichkeit Auch in den letzten Tagen ist innerhalb der englischen Presse vielfach zu der Palästina- Politik der Regierung und den Ereignissen im Lande selbst Stellung genommen worden. Als gemeinsames Kennzeichen fast aller Presseäusserungen ist die Ueberzeugung anzusehen, dass ein energisches Durchgreifen in Palästina zur Zeit am Platze ist. Andererseits werden Besorgnisse geäussert, England ' möge sich nicht durch Gewaltmassnahmen diskriminieren, und überdies wird" betont, dass die gegenwärtige Politik die Grundlage für eine konstruktive Lösung nicht abgeben kann. Sehr deutlich kommt diese Stimmung in einem Aufsatz der Wochenschrift „Observe r" zum Ausdruck. In dem Artikel wird auf die Auswirkungen der Unruhen auf Indien' hingewiesen und vor den Folgen gewarnt, die ein Zusammenstoss des Islam für die britische Politik in Palästina haben könnte. Die Unterdrückung der Unruhen sei notwendig, aber mit Gewalt könne man das Problem nicht lösen. Auch der Berichterstatter der ,;T i m e s" spricht sich für energische Massnahmen aus. Die Regierung habe einen grösseren Aufruhr verhindert, aber Ruhe herrsche nur an der Oberfläche, und das neue, heftigere Aufflammen des Aufruhrs müsse befürchtet werden. Die Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung sei auch dadurch erschwert, dass der Geheimdienst der Regierung gelitten habe. Die Versöhnungspolitik, die fortgesetzt worden sei, nachdem ihre Zwecklosigkeit bereits offenkundig geworden war, habe den'Polizeiapparat am Funktionieren gehindert. Jetzt sei Zeit erforderlich, bis Sir Charles Tegart das Nest der Verschwörung aufdecken könne. Es müssten Massnahmen getroffen werden, die es den gemässigten Arabern ermöglichten, ihren Standpunkt zum Ausdruck zu bringen. Man könne von ihnen nicht erwarten, dass sie ihre Ansichten öffentlich äusserten, solange sie nicht die Gewähr dafür haben, dass die -Verwaltung keinen weiteren Versuch machen werde, die Extremisten zu beschwichtigen. „Great Britain and the East" stellt fest, dass der Abschluss eines jüdisch-arabischen Kompromisses zur Vermeidung der Teilung nicht zu erwarten sei. Einen gemeinsamen Plan, auf den beide Parteien sich einigen könnten, gebe es nicht. „Daily Hera 1 d" hat vom Palästina- Komitee in Syrien ein Telegramm erhalten, in dem es heisst, die Zustände in Palästina seien unerträglich. Religiöse Würdenträger würden beschimpft. Tausende seien deportiert oder gefangen, Häuser würden demoliert, die persönliche Freiheit sei eingeschränkt, während die Regierungsmassnahmen infolge der parteilichen Einstellung der Behörden auf die Juden nicht angewandt werden. Sehr bemerkenswert ist eine Verordnung des englischen Kolonienministers Ormsby-Gore, die die Presse anweist, bei der Bildberichterstattung über die Unruhen grösste Sorgfalt und Zurückhaltung zu üben. Es seien von der englischen Presse häufig Bilder veröffentlicht worden, die teilweise aus dem Jahre 1933 stammten und die Zustände in dem Unruhegebiet viel schlimmer erscheinen lie<ssen. als sie seien. nähme, dass der Papst und sein Staatssekretär die Lage im Nahen Osten und insbesondere in Palästina gemeinsam mit den Kirchenfürsten erörtern werden. *. Die ITA meldet, dass der österreichische Staatssekretär des Aeusserem Guido Schmidt, vor seiner Reise nach Polen den Auftrag erhalten hat, mit der polnischen Regierung über die mit der Teilung Palästinas zusammenhängenden Fragen Fühlung aufzunehmen. Oesterreich sowohl als auch Polen sind als katholische Staaten an der Sicherung der heiligen Stätten besonders interessiert. Es soll ein Uebereinkommen zwischen beiden Staaten getroffen werden, um eine einheitliche Stellungnahme im Völkerbund zu erzielen. Die Anregung hierzu soll vom Vatikan ausgegangen sein. Dieser soll sich in Gemeinschaft mit Polen und Oesterreich für eine Teilung einsetzen unter der Voraussetzung, dass die Heiligen Stätten in Jerusalem, Bethlehem und Nazareth gesichert werden. Katholizismus und Palästina-Teilung In der Stadt des Vatikans ist der Patriarch von Bagdad, Emanuel Tooma, in Begleitung zweier Bischöfe eingetroffen. Man vermutet, dass der Patriarch, der im Senat des Irak die chaldäische orientalisch-katholische Kirche vertritt, mit seiner Reise besondere politische Absichten verbindet. Es verlautet, dass der Patriarch in Besprechungen mit dem Papst und dem Staatssekretär des Vatikans. Kardinal Pac e 11 i , über die Auswirkung der Lage in Palästina auf die Nachbarländer und über das Problem des Schutzes der heiligen Stätten im Falle einer Teilung befragt werden sollte. Gleichzeitig hat sich auch der Patriarch der syrischen Katholiken. Kardinal A p o n a a i. mit zwei hohen Geistlichen des Libanon in Rom eingefunden. Ebenso wird der Patriarch von Jerusalem, Monsignore Barlassina, in Rom erwartet. Es besteht daher Grund zu der An- Um den Mufti Die Gerüchte um den Mufti verstummen nicht. Der arabischen Tageszeitung „Feiestin" zufolge soll der französische Oberkommissar für Syrien und Libanon, Graf de Martel. ihn aufgefordert haben, innerhalb einer Woche das Land zu verlassen. Aegyptische Pressemeldungen besagen, der Mufti werde demnächst in Bagdad eintreffen. Dagegen berichtet die Tageszeitung ,.E 1 A h r a m", dass Bemühungen im Gange seien, dem Mufti die Niederlassung in Aegypten zu ermöglichen. Dem „Daily Herald" zufolge sollen diese Versuche gescheitert sein. Der Mufti erstrebe vielmehr eine Einladung nach Ankara. Vermutlich werde er aber in einem Dorf im Libanon unter Polizeiaufsicht gestellt werden. Endlich wird aus Beirut gemeldet, der dortige Konsul des Irak habe den Mufti im Namen des Königs Gazi in aller Form nach Bagdad eingeladen. Auch aus Libyen soll eine Einladung ergangen sein. In Beirut sind die Frauen und der Harem des Mufti eingetroffen. Die palästinensischen Zeitungen dürfen jetzt wieder Meldungen über den 'Mufti veröffentlichen. Die Zeitung ..El L i wa a", das Organ des geflüchteten Mufti, ist nach Ablauf der sechswöchigen Verbotsfrist nicht wieder erschienen. Kleine politische Nachrichten In Jerusalem fand eine gemeinsame Beratung führender Militärs und hoher Regierungsbeamter statt, an der sich auch der Stellvertreter des High Commissioner William D. Battershill und der Oberkommandierende der Truppen, Generalmajor Wavell, beteiligten. * Einer Meldung des „H a a r e zce zufolge hat Kolonienminister Ormsby-Gore den stellvertretenden High Commissioner beauftragt, mit den vier noch in Palästina verbliebenen Mitgliedern des Obersten Moslemitischen-Rates die Forderungen zu besprechen, die sie in ihrer Denkschrift als Vorbedingungen für die Mitarbeit erhoben haben. * Aus Bagdad wird gemeldet, dass dort eine Beratung arabischer Führer staltgefunden habe, auf der man beschloss, einen neuen panarabischen Kongress nach Bagdad zu berufen. # Die Londoner Presse spricht die Vermutung aus, dass die neue Palästina-Untersuchungskommission erst in einem halben oder ganzen Jahr entsandt werden und nur aus drei Mitgliedern bestehen solle. Vom 1. April 193S an soll ein erhöhtes Budget für Polizei und Grenzkorps in Palästina bewilligt werden. Eine durchgreifende Reorganisierung der Polizei steht bevor. Der Plan hierzu wird in zwei Wochen aufgestellt sein und nach London gesandt werden. Auch die Geheimpolizei soll vergrössert werden. * Nachdem bereits kürzlich eine Umbesetzung in der Leitung des Generalinspektorats der Polizei angekündigt worden war, heisst es nun, dass Schweiss-^pparaSe „Jupiter" auch zum Löten und für Dontal-Arbelten Dr. Ernst. Moritz «* Co., Berlin W 30, Schwäbische Str. 11 auch der stellvertretende Generalinspektor Harry- Patrick Rice sowie der Leiter der Kriminalpolizei Albert John Kingsley-Heath ihr Amt verlassen werden. # Der Oberkommandierende der palästinensischen Truppen, Generalmajor Wavell, hat zum erstenmal eine öffentliche Ansprache gelegentlich der Inspizierung eines Regiments gehalten. Er erklärte dabei, die Truppe müsse in ständiger Bereitschaft sein, denn das Unerwartetste könne geschehen. Das Statistische Amt der Palästina-Regierung veröffentlicht eine Uebersicht über die im ersten Vierteljahr 1937 in Palästina verhandelten Straftaten. Vor dem Geschworenen-Strafgericht wurden 11 Mordprozesse gegen 19 männliche Angeklagte durchgeführt; 10 Angeklagte wurden verurteilt, davon zwei zum Tode. Die Kreisgerichte fällten in 161 Prozessen ein Urteil. Von 295 angeklagten Personen sind 185 verurteilt worden.' Die Polizeigerichte behandelten 15 422 Fälle. Von den 18 711 Angeklagten wurden 14S55 bestraft. 7282 Verurteilungen entfielen auf Vergehen gegen die Verkehrsordnung. Die Zahl der Verurteilungen war mit 94,S Prozent in Tel-Aviv die höchste, in Beisan und Ramalla mit 33,3 Prozent die niedrigste. * Der britische Richter in Safed hat 56 Juden wegen illegaler Einwanderung zu Gefängnis und. Landesverweisung verurteilt. # Die beiden Oberrabbiner von Palästina. Jacob Meir und Dr. Isaac Herzog, haben an den Jischuw einen Aufruf erlassen, Selbstbeherrschung zu üben. Einen ähnlichen Aufruf erliess der Waad Leumi. Der politische Beirat der Jewish Agency ist nach London einberufen worden. # Der Emir von Transjordanien hat im neugewählten Gesetzgebenden Rat die absolute Mehrheit Die Opposition boykottierte die Wahl. Warburg-Gedächtnisfonds der Hadassa Die Frauenorganisation Hadassa besjchloss auf ihrer Jubiläumskonferenz in New York einen Warburg-Gedächtnisfonds zur Förderung der Sozialarbeit unter der palästinensischen Jugend zu schaffen und mit zunächst 25 000 Dollars zu dotieren. Die Verteilung des Fonds wird Henrietta Szold unterstehen. Die Fortsetzung der Palästina-Berichte von Dr. Eva Reichmann-Jungmann hat uns diese Woche aus postalischen Gründen nicht erreicht. Wir fügen deshalb einen Abschnitt aus dem Feuilleton von Fritz Benjamin, „Palästina zwischen Ost und West", ein. Bleibt die Landwirtschaft krisenfest? Von unserem ^-Palästina-Berichterstatter Tel Aviv. Ende Oktober. Ein kluger Besucher unseres Landes hat einmal gesagt: Man sieht viel Positives, aber man hört manches Negative. Das war im Jahre der stärksten Prosperity. Käme derselbe Besucher heute wieder ins Land, so würde er mit sanftem Autorenstolz feststellen, dass seine Formulierung auch im Wellental der Konjunktur Gültigkeit behalten hat. Man sieht erstaunlich wenig von „Krise", aber man spricht erstaunlich viel über sie. Das braucht kein innerer Widerspruch zu sein. Gewiss ist es richtig, dass sich in manchen Kreisen eine psychologische Depression entwickelt hat. die durch die objektiven Tatsachen der Wirtschaftslage nicht gerechtfertigt ist. Ebenso unzweifelhaft aber widerlegt das äussere Bild lebendiger Städte — und geradezu sichtbar wachsender Dörfer die Behauptung, dass sich die Wirtschaft unseres Landes unter schwerem Druck befindet. Aber so jung unsere Wirtschaft auch ist und so v-ele, gar nicht immer leichte Kinderkrankheiten ihr anhaften — soweit ist sie doch in sich gefestigt, dass selbst in schlechten Zeiten das Massiv der Wirtschaft intakt geblieben ist. weiter produziert und weiter wächst, und dass die überwiegende Mehrheit der schaffenden Menschen Arbeit hat. Es wird nuo gerade von Aussenstehenden oft die Frage aufgeworfen, ob sich denn der Gedanke bewährt habe, der immerhin auch ein Viertel der Einwanderer aus Deutschland bewogen hat. sich in völliger Umschichtung der Landwirtschaft zuzuwenden: der Gedanke nämlich, dass die Landwirtschaft krisenfester sei als der städtische Beruf. Diese Frage kann nur durch eine nähere Betrachtung beantwortet werden. Der grösste Teil der neueren landwirtschaftlichen Siedler wählte seinerzeit nicht die Citruspflanzung — die 1933/34 schon als ziemlich „gesättigt" galt, sondern die sogenannte Gemischtwirtschaft zur Grundlage seiner Existenz. Im Gegensatz zu der beinahe restlos auf Export eingestellten Citruswirtschaft, ist die Gemischtwirtschaft, die Erzeugung von Eiern und Geflügel, .Obst und Gemüse, Milch und .Milchprodukte — ausschliesslich auf den Inlandsmarkt angewiesen. Allerdings hat die Tenuva, die Vertriebszentrale für die Arbeitersiedlungen, jetzt erfolgversprechende Versuche zur Ausfuhr von Frühgemüse und Frühkartoffeln unternommen, aber in absehbarer Zeit liegt das Schicksal der jüdischen Gemischtwirtschaft auf dem jüdischen Inlandsmarkt Palästinas. Auf diesem Binnenmarkt nun hat die Rückwanderung zahlreicher Arbeiter vom. Baugewerbe und anderen städtischen Berufen auf das Land — so positiv man diese Erscheinung auch im allgemeinen bewerten mag — zunächst zu einer Senkung des durchschnittlichen Lohneinkommens geführt. Gleichzeitig wurde die Massenkaufkraft auch dadurch beeinträchtigt, dass die Citruswirtschaft — hoffentlich nur vorübergehend — unter den Ausfällen, der vorigen INTERNATIONALES S P E D IT 10 N S B ö R O BROKERHOFF & LIPSCHUTZ Geschäftsaründung 1910 BERUM C 2, FROMMELSTRASSE 1a / Fernruf 420622 G. M. B. H. Spezialisten mit langjährigen Erfahrungen für ACH PALÄSTINA Verpackungen an aiien Plätzen Deutschlands durch geschultes Fachpersonal r a t u n g Kostenicse U m z u g s b

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