Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 44 (4.11.1937)
- Date
- 1937-11-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 6 &-?.-Zfe1fang Kr/44 * ^.^ovemf>erT93?j Ziele jüdischer Gegenwartswanderung Beginn einer Vortragsreihe im Gross-Berliner C.-V. Swarsensky, Dr.Michael Traub, Dr. Mark W i s c h n i t z e r. Zu stellvertretenden Vorsitzenden des Wanderungsausschusses wurden der Wanderungsreierent der Reichvertretung, Dr. Paul Eppstein, und das Vorstandsmitglied des Hilfsvereins Dr. Werner Rosenberg gewählt. _ Dr. Franz Meyer berichtete über die Entwicklung der Palästina-Wanderung sowie über den Stand der Transferverhandlungen. Auf Grund eines Referates von Dr. Paul Eppstein über die Wanderungskosten im Haushaltsplan 1938 der Reichsvertretung wurde der Voranschlag für den Wanderungsetat beraten. DerHilfsverein teiltmit: In letzter Zeit häufen sich die Fälle, dass Ratsuchende ausserhalb der Sprechstunde in unserer Berliner Beratungsstelle erscheinen und infolgedessen nochmals vorsprechen müssen. Zur Vermeidung unnötiger Zeitversäumnis wird deshalb erneut darauf hingewiesen, dass die Anmeldung zu den Sprechstunden der Berliner Beratungsstelle Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 9 bis 12% Uhr stattfindet. Beratung der Mitglieder des Hilfsvereins erfolgt Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10 bis 12 Uhr, Donnerstag auch von 17 bis 19 Uhr. Die Mitglieder werden gebeten, bei der Anmeldung die letzte Beitragsquittung vorzuweisen. Beratungsstellen des Hilfsvereins (Nr. I. bis VI. vergleiche C.-V.-Zeitung Nr. 42 vom 21. Oktober.) Beratungsstelle VII Hannover: Auswandererberater: Dr. Max SchJeisner, Hannover, Sophienstr. la; Sprechstunden: Montau, Dienstag, Donnerstag:, Freitag SlA bis 13, 15—18 Uhr, Mittwoch 17 Uhr. Zuständi?- keitsbezirk: Provinz Hannover (mit Ausnahme von Gross-Hamburg, Cuxhaven, Stadt Harburg/Wilhelms-' bürg, Kreis Meppen, Lingen und Bersenbrück, Landkreis Verden, Rothenburg/Hannover, Bremervörde und Stade, Kreis Grafschaft Bentheim, Landkreise Osnabrück, Melle, Wittlage), ausserdem Schaumburg-Lippe, Stadt und Land Braunschweig und der Bezirk der Zentralwohlfahrtsstelle Kassel, Freistaat Waldeck. Beratungsstelle VIII Karlsruhe: Auswandererberater: Assessor a. D. Paul Steeg. Kriegsstr. 154: Sprechstunden: Mittwoch und Donnerstag 11—13 Uhr; Zuständigkeitsbezirk: Land Baden, ausser Mannheim. Beratungsstelle IX Köln: Auswandererberater: Dr. Hans Jacobi, Rubensstr. 33; Sprechstunden 9 bis 13 Uhr, Zuständigkeitsbezirk: Rheinprovinz und Saar/Pfalz. Beratungsstelle X Königsberg: Auswandererberater: Dr. Kurt Rosenhain, Tragheimer Pulverstrasse 5a: Sprechstunden: Dienstag, Donnerstag, Freitag 11 bis 13 Uhr: Zuständigkeitsbezirk: Provinz Ostpreussen. Beratungsstelle XI Leipzig: Auswandererberater: Dr. A. Wachtel, Leipzig C. 1, Goethestr. 1, III; Sprechstunden: Dienstag und Donnerstag 10—13 Uhr, 16—18 Uhr; Zuständigkeitsbezirk: Land Sachsen, Thüringen, Anhalt und Provinz Sachsen, Kreis Herrschaft Schmalkalden. Beratungsstelle XII Mannheim: Die Beratungsstelle wird von dem Berater der Beratungsstelle Karlsruhe, Assessor Steeg, mit betreut. Ständiges Büro: Mannheim, E 7, 28; Sprechstunden: Dienstag und Freitag Ws—VZy» Uhr: Zuständigkeitsbezirk: Stadt Mannheim und Rhein/Pfalz. (Wird fortgesetzt) Die Zentrale der HIAS-ICA-Emigration Association in Paris hat in Zagreb ein Zweigbüro eröffnet, das von Dr. Marko Horn und Dr. Dscherhof Makso geleitet wird. Das Büro soll grössere Wanderungemöglichkeiten für Juden "erschliessen, die nach Jugoslawien gekommen sind, sich jedoch in das Wirtschaftsleben dort nicht endgültig eingliedern konnten. Wenig Themen beschäftigen die jüdischen Menschen in dieser Zeit mehr als die Fragen der Auswanderung. Das allgemeine geographische Wissen der Juden unserer Tage hat sich gewaltig erweitert, in diesem Blatte ist sogar der Begriff einer „jüdischen Geographie" entwickelt worden. Aber die Kenntnis von den für die jüdische Wanderung wichtigen Gebieten ist meist mehr oder weniger oberflächlich, zumindest aber doch einseitig. Man kennt zwar Länder und Städte, Einwanderungs- und Arbeitsbedingungen und noch vielerlei andere Dinge der täglichen Praxis. Was fehlt, das ist oft das Wissen von dem geschichtlichen Werden und den grossen wirtschaftlichen und historischen Zusammenhängen. Aber gerade dieses ist notwendig, um Länder und Völker auf ihrem heutigen Stand und in ihrer seelischen und geistigen Grundhaltung voll erfassen zu können. Menschen, die dort neu aufbauen und arbeiten wollen, müssen das ebenso ernst nehmen, wie tausend praktische Fragen, um deren Beantwortung sie sich Tag um Tag mühen. Erst wenn beide Wissen zusammenkommen, werden sie die vielen grossen und kleinen Probleme des täglichen Lebens in der neuen Umgebung voll verstehen und leichter den Kontakt mit den Einheimischen und die Gewöhnung an ihre Sitten und Gebräuche finden. Diese Erwägungen veranlassten den Landesverband Gross-Berlin des Jüdischen Centrai- Vereins zu einer drei Abende umfassenden Vortragsreihe über „Ziele jüdischer Gegenwartswanderung". Es war nicht beabsichtigt, was schon in der Einladung deutlich gesagt wurde, in dieser Vortragsreihe praktische Hinweise über die Fragen der Aus- und Einwanderung zu geben — das wäre auch in der Arbeitsteilung der jüdischen Organisationen in Deutschland nicht seine Aufgabe —, sondern es soll das Wissen um die geistesgeschichtliche und wirtschaftliche Entwicklung der Länder, die vielen unserer Menschen eine neue Heimat geworden sind, erweitert werden. Keiner konnte also erwarten, Transportanweisungen, Einreisebestimmungen und andere Technika des Auswanderers vorgesetzt zu bekommen. Aber gerade mit seiner Themenwahl, das zeigte der gewaltige Andrang am ersten der drei Abende, hat der C.-V. bewiesen, dass er einen innerlich vorhandenen Mangel empfunden hat, und sein Wunsch, ihm abzuhelfen, wurde daher dankbar begrüsst. Der grosse Saal des Jüdischen Brüdervereins in Ber iin war überfüllt und Hunderte mussten wieder umkehren, weil sie keinen Einlass mehr finden konnten. # Der erste Abend brachte nach einleitenden Worten von Dr. Glaserfeid, des Vorsitzenden des Landesverbands Gross-Berlin des Jüdischen C.-V., zwei Vorträge, von denen der eine als geschichtliche Grundlegung für die Themenreihe zu betrachten war, während der andere gleich mitten in das Thema der Abende hineinging, und die nordamerikanischen Länder behandelte. Die geschichtliche Einführung über „Jüdische Wanderung in früheren Jahrhunderten" hatte Dr. Fritz Bambergen übernommen. Er ging davon aus, dass es auch für die Gestaltung des Einzelschicksals wichtig ist, die allgemeinen Linien der Entwicklungzu erkennen und es auf diese Weise bewuest einzubauen in das jüdische Gesamtschicksal. Die jüdische Geschichte sei zu einem grossen Teil Wanderungsgeschichte. Die zahlenmässigen Schwankungen der in der Welt zerstreut lebenden Juden, für die Bamberger einige interessante Beispiele gab, seien ebenso ein Produkt der Wanderungen, wie das ständige Ueberwiegen der aschkenasischen über die sephardischen Juden. Ein Teil der jüdischen Wanderungsbewegung in der Geschichte habe religiöse Gründe: Immer habe es Juden gegeben, die dem Messias, dem wahren und den falschen, nachgewandert seien. Diese religiös bedingten Wanderungen liessen daher kaum einen Vergleich zur heutigen Zeit zu. Dagegen könnten zwei andere Wanderungsbewegungen der jüdischen Geschichte in eine gewisse Parallele zu der Entwicklung in unseren Tagen gesetzt werden: die Wanderung von Juden aus Deutschland nach Polen, die im 12. Jahrhundert begonnen habe, und die Wanderung der spanischen Juden nach Europa und Südamerika. Während die Wanderung von Juden aus Deutschland nach Polen — um mit Worten unserer Zeit zu reden — eine Art Gruppenwanderung dadurch darstellte, dass Familienverbände, ja ganze Gemeinden geschlossen ihr Domizil verlegten und auch so aufgenommen wurden, habe es sich bei der Auswanderung der spanischen Juden fast ausschliesslich um Einzel Wanderung gehandelt. Dies lasse einmal Schlüsse auf die Struktur des jüdischen Lebens im damaligen Mitteleuropa, wo die Gemeinde alle«, und der einzelne ohne sie nichts war, und in Spanien zu, wo es als Folge der individuelleren Lebensgestaltung mehr als irgendwo anders hervorragende jüdische Einzelpersönlichkeiten, Dichter, Philosophen, Wirtschaftler und Politiker gegeben habe. Zum anderen aber erkläre es auch, wieso die sephardische Judenheit von etwa 93 Prozent aller Juden im Jahre 1170 auf noch nicht 9 Prozent in unseren Tagen zurückgegangen sei, während die aschkenasischen Juden durch den stärkeren Zusammenhalt in Gemeinden, in der gleichen Zeit eine entsprechende Vergrösserung ihrer Zahl zu verzeichnen hatten. Ohne damit für den einzelnen eine unbedingte Nutzanwendung auf unsere Zeit zeigen zu wollen — da die Verhältnisse sowohl bei den Auswanderern, wie in den Ernwanderungsländern völlig verschieden von den damaligen seien — so ergebe sich doch, vom Gesichtspunkt der jüdischen Gesamtheit aus betrachtet, aus dieser historischen Parallele der Vorteil der Gruppenwanderung für Fortdauer und Beständigkeit des jüdischen Lebens. Von gleicher Warte behandelte das Referat von Dr. Hanns Reissner die nordamerikanischen Länder. Reissner gab einen geistesgeschichtlichen Abriss der Entwicklung Nordamerikas vom jungentdeckten, überseeischen Kolonialland, das durch den Wetfc kämpf damaliger europäischer Grossmächte um seinen Besitz erst den Weg zur eigenen Selb* ständigkeit fand und damit zu einem entscheidenden Faktor der Weltpolitik wurde. Durch eine Verkettung politischer Ereignisse habe England Nordamerika mit Ausnahme von Kanada verloren, trotzdem es zunächst die konkurrierenden europäischen Grossmächte aus dem Felde geschlagen hatte. Aber durch die Ansiedlung puritanischer Auswanderer („Mayflower") war bereits der Grundstock zu der heute noch vorherrschenden amerikanisch-puritanischen Geisteshaltung gelegt worden. Der Grundsatz des Puritanismus, „mit Pflugschar und Bibel", sei trotz des Völkergemisches, das Amerika heute beheimate, sowohl in geistigen wie in wirtschaftlichen Strömen spürbar, und so stark einerseits der ungezügelte Erwerbstrieb vorwärtsdränge, so lebendig sei andererseits die religiöse Grundhaltung. Diese Religiosität, deren Verkörperung als Diesseitsreligion (und damit dem Judentum in etwas wesenverwandt) u. a. das Quäkertum darstelle, öffne auch dem jüdischen Einwanderer unserer Tage eine geistige Atmosphäre der Aufgeschlossenheit für Glaubensbegriffe und Giaubenswerte. Daneben dürfe man aber nicht daran vergessen, dass die geographische Lage Amerikas zwischen Europa und Asien (Columbus glaubte ja, den Seeweg nach Indien gefunden zu haben) bis zu einem gewissen Grade auch auf seine geistige und wirtschaftliche Haltung einwirke. Reissner ging im Laufe seiner Darlegungen auf die verschiedenen Arten der amerikanischen Geisteshaltung ein. Auf der einen Seite stünden die Politiker, die USA in folgerichtiger Entwicklung aus der eigenen Unabhängigkeit über die Monroe- Doktrin (die jedoch niemals Hegemonieabsichten über ganz Amerika ausschloss) bis zum heutigen Stand eines in vielen einzigartigen politischen Gebildes mit grösster Weltbedeutung geführt hätten. Demgegenüber sei ein eigener Typ des Amerikaners entstanden, der als ein Begriff in der amerikanischen Literatur zu finden sei: Der Babbit. Dass der Individualismus — geschichtlich durch das Puritanertum bedingt — in USA weiterlebe, zeige sich auf religiösem Gebiet in dem überaus starken Sektiererwesen und wirtschaftlich in einem mitleidslosen Wettkampf und unzulänglichen Öffentlichen sozialen Einrichtungen. So erwüchsen scheinbare Gegensätze in USA aus der gleichen Wurzel: einem religiös bewussten, hart kämpfenden Kolonistentum. Amerika habe sich zwar im Laufe seiner Geschichte von Europa emanzipiert. Dass aber trotzdem rege wechselseitige Verbindungen von Kontinent zu Kontinent gingen, erleichtere auch aus Europa einwandernden Juden die Einordnung. Zum Schluss seiner Ausführungen gedachte Dr. Reissner des jüngst verstorbenen Felix Warburg, der aus unserem Kreis gekommen und Beispiel für die glückliche Verbindung zweier Geistesrichtungen geworden sei, ohne dass die vom Elternhaus überkommene jüdische Haltung dabei verloren ging. Der starke Beifall, der den Referaten folgte, bewies die Befriedigung der grossen Zuhörerschaft und war zugleich ein gutes Vorzeichen für den zweiten Abend am 11. November, über den unsere Leser auf Seite 5 dieser Nummer nähere Angaben finden. H. W—I. jüdischen Klubs und klubähnlichen jüdischen Vereinigungen, in denen sich ein grosser Teil des Gesellschaftslebens abspielt. Manche von ihnen verfügen über prunkvolle Gebäude mit herrlicher Einrichtung und zahllosen Räumen. In solchen Klubs gibt es Schwimmbäder, Turnhallen, grosse Bibliotheken, elegante Speiserestaurants usw. Die hiesigen Juden haben einen bedeutenden Einfluss im Wirtschaftsleben. So ist ein grosser Teil der riesigen Geschäftsunternehmungen und Warenhäuser, über die Chikago verfügt, in ihrer Hand. Sie haben auch einen grossen Einfluss in fast allen Zweigen des .Engroshandels. Andere sind in der Industrie tätig. Viele von ihnen zeichneten sich durch grosse philanthropische Stiftungen aus. Namen wie die der Rosenwalds sind in der ganzen Welt bekannt. Die Chikagoer Judenschaft verfügt über eine Reihe von modernen und reich bedachten Wohlfahrtsinstitutionen (Krankenhäuser, Altersheime, Waisenhäuser usw.). Daneben gibt es eine grosse jüdische Volkshochschule, das „Jewish Peoples Institute". Die Verwaltung eines Teils der gewaltigen Wohlfahrtsfonds und Institutionen ist in den sogenannten „Jewish Charities" zusammengefasst, die über ein Jahresbudget von mehreren Millionen Dollars verfügen. Sie nehmen sich auch der Einwanderer an. Daneben arbeitet für die Einwanderer ein Komitee des HIAS. Für die Beratung aller Emigranten in Rechts- und Einwanderungsangelegenheiten steht neben den beiden oben genannten jüdischen Ausschüssen noch eine besondere überkonfessionelle Hilfsgesellschaft zur Verfügung. Antisemitismus macht sich wie überall in den Vereinigten Staaten so auch in Chikago neuerdings bemerkbar. Neulich fand ich in Zeitungsinseraten, in denen Wohnungen angeboten wurden, mitunter die Bemerkung, dass Juden nicht erwünscht seien. Ein Freund von mir erlebte letzthin, dass sich ein Geschäftsinhaber gegenüber einer jüdisch aussehenden Kundin, die sich allerdings nicht ganz einwandfrei benommen haben soll, antisemitische Bemerkungen erlaubte. Es wird einem von den einheimischen Juden allgemein bestätigt, dass der Antisemitismus wächst. Gemeinhin bemerkt man allerdings nicht allzuviel davon. Hinsichtlich der allgemeinen Wirtschaftslage kann man von einer Besserung der Konjunktur sprechen. Allerdings ist diese Konjunktur nicht gleichmässig. So hat der erwartete Bauboom noch immer nicht eingesetzt, und das Holzgeschäft — hier baut man mehr mit Holz als in Deutschland — klagt beträchtlich. Natürlich liegt auch hier, wie an vielen Stellen in der Welt, eine gewisse Unsicherheit über der Wirtschaft. Man weiss nicht recht, was die soziale und politische Zukunft bringen wird und hat im Frühjahr grosse Wirtschaftskämpfe und Streiks erlebt. Im ganzen aber wickeln sich die Geschäfte normal ab, Dr. Ernst Schwarz. Ein weiterer Artikel -wird sich mit den Möglich. keiten und der besonderen Lage der Eimeanderer befassen. Samuel Lifschitz Mit dem Namen Samuel Lifschitz verknüpft sich seit über dreissig Jahren für unzählige Menschen, die mit seiner Hilfe eine neue Heimat gefunden haben, der Begriff vorbildlicher jüdischer Hilfstätigkeit. In der Vorkriegszeit, als zu vielen Hunderten und Tausenden Transporte von jüdischen Flüchtlingen aus dem Osten Deutschland passierten, da sorgte Lifschitz im Auftrage des Hillsvereins dafür, dass von der Reichsgreoze bis zum Einschiffungshafen die Flüchtlinge betreut und mit jeder notwendigen und möglichen Hilfe versehen wurden. Die Hilfe, die Auswanderer aus Deutschland in Ueberseeländeräf gerade oft in ostjüdischen Kreisen finden, ist nicht zuletzt der Dank für die Gastfreundschaft, die ihnen hier am Schlesiscben Bahnhof und im Sammellager Ruhleben sowie in den Auswandererhäfen Hamburg und Bremen und an den Grenzübergangsstellen zuteil wurde. Die für unsere jüdische Gemeinschaft in Deutschland wichtigste Aufgabe des Hilfsvereins setzte in der Nachkriegszeit ein, als die Betreuimg der gesamten nichtpalästinen- Lifschitz auf der „Stuttgart" Privataufnähme sischen Wanderung durch den Hilfsverein übernommen wurde. Von 1933 bis in die Gegenwart hinein konnte Lifschitz die in den Jahren der Vorkriegszeit unter Dr. Bernhard Kahn, seinem Lehrmeister, gewonnenen Erfahrungen auch für die jüdische Gemeinschaft Deutschlands fruchtbar auswerten. Unzählige jüdische Auswanderer aus Deutschland, denen in diesen Jahren Lifschitz die Wege zu einer neuen Zukunft wies, werden sich stets in Dankbarkeit seiner erinnern; mit dem Aufbau der modernen Auswandererberatung des Hilfsvereins wird sein Name immer verbunden bleiben. Als mit der Reise der „Stuttgart", die im Oktober 1936 540 Menschen noch kurz vor Toresschluss nach Südafrika bringen sollte, die grösste organisatorische Leistung des jüdischen Auswanderungswerks der letzten Jahre durchzuführen war, wurde die verantwortungsvolle Aufgabe der Leitung dieses Transportes Lifschitz übertragen. Das volle Gelingen dieses Unternehmens rechtfertigte das in ihn gesetzte Vertrauen. Lifschütz scheidet in diesen Tagen aus seiner Arbeit. Möge ihm in eigener Sache der gleiche Erfolg beschieden sein, den er so oft für die Auswanderungsprojekte seiner Schützlinge erreichte, damit er auch in der neuen Heimat ohne Sorge um die eigene Existenz der jüdischen Einwanderung Wegweiser und Berater sein kann. Liberaler Gemeindeabend in Amsterdam Aus Anlass ihres sechsjährigen Bestehens veranstaltete die Liberaal Joodsche Gemeente Amsterdam am 21. Oktober einen Gemeindeabend, der sich eines ausserordentlich guten Besuches erfreute. In einer Ansprache wies Rabbiner Dr. M e h 1 e r darauf hin, dass man es das erstemal für gerechtfertigt gehalten hätte, auf den Gründungstag der Gemeinde besonders hinzuweisen, da die Gemeinde besonders im letzten Jahre vor allem durch die Einweihung der eigenen Synagoge bedeutende Fortschritte gemacht habe. Die Schwierigkeiten, die die junge Gemeinde überwinden musste, seien vom ersten Tage an ungeheuer gross gewesen und auch heute noch nicht überwunden. Der starke Besuch dieses Abends beweise jedoch, einen wie grossen Kreis holländischer und deutscher Juden sich die Gemeinde erworben habe. Wir haben, so schloss der Redner seine Ansprache, allen Grund, voll Mut und Vertrauen in die Zukunft zu sehen, und wir fordern alle auf) kräftig am Aufbau unserer Gemeinde mitzuhelfen. Ein gut zusammengestelltes künstlerisches Programm, bei dem u. "a. der Kantor und der Organist der Gemeinde mitwirkten, erfreute die Zuhörer. Thea Stuckenschmidt vom Jüdischen Kulturbund Berlin hatte sich liebenswürdigerweise zur Verfügung gestellt: ihr Vortrag religiöser und weltlicher Gesänge stand auf hohem Niveau.