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Central-Verein-Zeitung · 1937-11-04 · 44 (4.11.1937) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
44 (4.11.1937)
Date
1937-11-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Beilage der C.-V.-Zeitung Mitteilungen aus dem Hllfsverefn der Juden?n Deutschland Der Auswandererberater Von Dr. Werner Rosenberg Die jüdische Wanderung der neueren Zeit ißt vorwiegend Einzel- oder Familienwanderung, die hohe Ansprüche an die Tatkraft und berufliche Qualität des Einzelwanderers stellt. In den Jahrzehnten vor dem Kriege wanderten Hunderttausende jüdischer Menschen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika und die Länder Südamerikas. Von keinerlei Schranken einer einwanderungsfeindliehen Gesetzgebung gehindert, gelangten sie, meist ohne Pass und Visum, oft nur mit einem Briefumschlag als einzigem Personalausweis in der Tasche, in ihre neue Heimat. Im Zeitalter der Einwanderungsbeschränkungen und Wirtschaftskrisen türmen sich eine grosse Anzahl unbekannter und oft auch unverstandener Einwanderungsschwierigkeiten wie eine chinesische Mauer vor dem Einwanderer auf; hier ist die Betreuung des Auswanderers nicht mehr wie in der Vorkriegszeit in erster Linie ein Beförderungsproblem, sondern eine sehr komplexe Aufgabe von besonderer Verantwortung. Gründliche Vorprüfung, sorgfältige Auswahl und sachgemässe Vorbereitung und Planung der Auswanderung sind entscheidend für den Erfolg des Unternehmens. Hier liegt die bedeutsame Mission des Auswandererberaters. Der erste jüdische Auswandererberater in Deutschland dürfte Moses Mendelsohn gewesen sein. Am 19. Oktober 1870 erhielt er von einem Freunde einen Einführungsbrief für einen jüdischen Emigranten aus Braunschweig, Alexander Daveson, der vor der Ungnade seines Herzogs flüchtete, und dem Mendelsohn bei der Auswanderung behilflich sein sollte. Man liest da: „Er will von Ihnen nichts, lieber Moses, als dass Sie ihm den kürzesten und sichersten Weg nach dem europäischen Lande vorschlagen, wo es weder Christen noch Juden gibt. Ich verliere ihn ungern; aber sobald er glücklich da angelangt ist, bin ich der erste, der ihm folgt." Man kann sich das Gesicht des in allem Idealismus sehr weltklugen und nüchternen Mendelsohn vorstellen, als er diese schwärmerisch« Epistel erhielt. Wir wissen nicht, wie Mendelsohn nun seinen Schützling beraten hat, war wissen nur, dass Davesons empfindsame Reise nach Utopia in Berlin ein nüchternes Ende fand; er gründete sich dort — nicht ohne Mendelsohns Zutun — eine Existenz als Publizist. Sicherlich hat der nüchterne Philosoph den Schwärmer aus seinem Wolkenkuckucksheim zurückgeführt in die harte, aber solide Welt der Tatsachen und sich damit als ein moderner Auswandererberater von hohem Rang erwiesen. Denn die Fähigkeit, Menschen von verstiegenen Ideen abzubringen, ihre Aussichten und Möglichkeiten abzuschätzen und zu bewerten und sie der gewonnenen Erkenntnis gemäss richtig zu beraten und zu leiten, gehört zu den wichtigsten Qualitäten des modernen Auswandererberaters. Der jüdische Auswandererberater in dieser Zeit sieht sich oft Aufgaben gegenüber, die bei erster Betrachtung fast unlösbar erscheinen. Viele Tausende verzweifelnder und entwurzelnder Menschen, eine grosse Masse beruflich, wirtschaftlich und sozial höchst heterogener Elemente drängen hinaus ins Freie, wünschen Rat und Hilfe, die nicht immer, vor allem oft nicht so schnell, gewährt werden kann, wie es notwendig und erwünscht wäre. So ergibt sich zunächst für den Berater selbst eine Belastungsprobe seelischer und nervlicher Art, die schwerer nicht gedacht Averden kann. Der seiner Aufgabe wirklich gewachsene Berater wird diese Probe bestehen. Er wird eine Lösung finden, auch wenn die Schwierigkeiten fast unlösbar erscheinen, er wird durch den Optimismus und die gesammelte Kraft seiner Persönlichkeit, durch die Fülle seines Wissens und seiner Erfahrungen dem ratsuchenden Menschen neuen Lebensmut durch die Gewissheit vermitteln, auch er werde das Ziel erreichen und eine neue Heimat gewinnen. Diese seelische Mission gehört zu den vornehmsten Pflichten des Beraters, immer wird er sich klarmachen müssen, dass ein leidender Mensch vor ihm sitzt, dem auch Unverstand und unberechtigte Ungeduld nicht verübelt werden dürfen. Aber auch die beste seelische Betreuung muss wirkungslos bleiben, wenn sie nicht verbunden wird mit wirksamer Hilfe. Die praktische Beratung erfordert nicht nur grösste Vortragsreihe im Groß-BerlinerCenlral-Verein Ziele jüdischer Geg enwarts wan derung Gesdiidite, Geographie und Kultur der wichtigsten Auswanderungsländer Großer Saal des Brüdervereinshauses W62, Kurfürstenstr. 115/116, pünktL 20lU Uhr Zweiter Abend: Donnerstag, 11. November 3. Süd- und Mittelamerika ... Dr. Arthur Prinz 4. Süd-Afrika................ Dr. Margarete Edelheim Dritter Abend: Donnerstag, 9. Dezember 5. Die Entwicklung Arabiens seit dem Weltkrieg:........ Dr. Friiz Triedlaendet 6. Bildnis Palastinas.........Dipl-Ing. Frib Benjamin Eintritt nur für Inhaber einer Einladung, die In diesen Tagen den Mitgliedern des Berliner C.-Y. zugeht oder gegen sonstigen Nachweis der jüdischen Religionszugehörigkeit Menschenkenntnis und psychologisches Verständnis, sondern auch ein umfassendes Wissen. Der moderne Berater musä nicht nur sämtliche für den Auswanderer wichtigen Sparten des deutschen Rechts, er muss auch eine genaue Kenntnis der häufigem Wechsel unterworfenen Einwanderungsbestimmungen der wichtigsten Einwanderungsländer besitzen, vor allem Devisen-, Steuer-, Auswanderung- und Passrecht beherrschen. Er muss auch die Fähigkeiten eines Detektivs und Familienforschers in sich vereinen. Täglich ereignet sich in seiner Sprechstunde der Fall, dass ihm vergilbte Urkunden und Adressen eines längst verstorbenen Urgrossonkels aus Australien oder den Vereinigten Staaten von Nordamerika in die Hand gedrückt werden, und er muss oft die schwierigsten Wege gehen, um mit Hilfe der ausländischen Kommittees die noch lebenden Nachkommen dieser Verwandten aufzufinden. Der Berater muss das elementare Wissen eines Geographen, Klimatologen und Tropen-Mediziners besitzen, um den Einwanderer individuell und sachgemäss leiten zu können. Er muss die Mentalität des zu Beratenden und die Einstellung der Bevölkerung in den Einwanderungsländern genau kennen, um den Zuzug ungeeigneter Elemente zu verhindern, die nicht nur selbst Schiffbruch erleiden, sondern auch die künftige Einwanderung belasten würden. Der Berater muss wie ein Schiffahrtsagent in allen Passageangelegenheiten Bescheid wissen, auch die Gebote des gesetzestreuen Judentums muss er bei der Durchführung der Auswanderung beachten, um orthodoxen Menschen seelische Konflikte und Schwierigkeiten zu ersparen. Mit Ben Akiba kann der Berater von sich sagen, dass in seiner Sprechstunde wohl schon alles einmal dagewesen ist. Im Geiste unermüdlicher Hilfsbereitschaft mühen sich täglich mehr als 25 jüdische Auswandererberater des Hilfevereins der Juden in Deutschland in der Zentrale in Berlin und in 16 Beratungsstellen im ganzen Reich, Hunderten von Besuchern Wege zu einer neuen Existenz in Uebersee zu weisen und zu bahnen. Im gleichen Sinne arbeiten in allen wichtigen Einwanderungsländern der Erde die Komitees der HIAS, der grossen amerikanischen jüdischen Einwanderungs - Organisation, und der Kolonisationsgesellschaft JCA, die gemeinschaftlich die HICEM, die grösste private Wanderungsorganisation der Welt, gegründet haben. So arbeiten die englischen Hilfskomitees in Grossbritannien und in den britischen Dominien und vor allem auch zahlreiche private Hilfsvereine, die sich in verschiedenen Ländern gebildet haben. Aber selbst der beste Berater wird seine Aufgabe nur erfolgreich durchführen können, wenn er das Verständnis und die vollste Unterstützung der zu beratenden Menschen findet. Auswandern ist heute kein Abenteuer mehr, sondern ein gründlich vorbereitetes, sorgsam durchdachtes Unternehmen, an dessen erfolgreicher Verwirklichung vor allem auch der Auswanderer selbst ßA0JtcVckß. ALLIGATOR d a & iind, g.u te Le"d^e UNSERE VERKAUFSGESCHÄFTE: Berlin, Tauentzienstraße 16 Hamburg, Jungfernstieg 43 Köln a.Rh., Hohestraße 115 Essen, limbeckerstraße 10 Essen, Am Hauptbahnhof 10 Bochum, Kortumstraße 67 Frankfurt a.M., RoßmarictlS Zentrale, Orlenbach a.M. Wuppertal-Elberfeld, Herzogstraße 36 tätigen Anteil haben muss. So gründlich und verantwortungsbewusst der Berater vorgeht, so sorgsam muss der Auswanderer seine Fähigkeiten und Chancen prüfen und danach seinen Auswanderungsplan bestimmen. Eingehende Sprachkenntnisse, gründlichstes Studium der Verhältnisse des Ziellandes und genaueste Beachtung der von den Wanderungsorganisationen, insbesondere dem Hilfsverein in seinen Korrespondenz-Blättern gegebenen allgemeinen Ratschläge und Informationen sollten für jeden, der vor der Auswanderung steht, eine selbstverständliche Pflicht bedeuten. Das Nichtgelingen der Auswanderung wird viel seltener Schuld des Beraters sein — wenn wir auch genau wissen, dass, so sehr wir uns um Höchstleistungen bemühen, diese in der Praxis noch nicht immer erreicht werden —, viel häufiger werden unzureichende berufliche, sprachliche und sonstige Vorbereitung des Auswanderers und seine eigene unzureichende Mitarbeit der wahre Grund des Misserfolges sein. In dem grossen Auswanderungswerk, das die jüdische Gemeinschaft in Deutschland sich geschaffen hat, übertreffen die Erfolge erfreulicherweise bei weitem die Fehlschläge. Wanderungsausschuss der Reichsvertretung Der Wanderungsausschuss der Reichsvertretung hat in einer Sitzung unter dem Vorsitz von Dr. Julius L. S e 1 i g s o h n und Dr. Franz Meyer die Zuwrahl folgender Persönlichkeiten in den Ausschuss beschlossen: Dr. Alfred Hirschberg, Dr. Georg Josephthal. Hanna Karminski, Dr. Arthur Prinz, Dr. Werner Rosenberg, Moritz Rosenthal, Fritz S c h w a r z s c h i 1 d. Dr. Hardi Amerikanische Städtebilder Chicago Sonderbericht für die C.-V.-Zeitung Chicago, im Oktober. Chicago ist die zweitgrösste Stadt Amerikas und herrlich am Michigansee gelegen. Es zählt heute etwa vier Millionen Einwohner, ist aber für seine Einwohnerzahl von grosser Auedehnung. Die Stadt ist nämlich in ihrem Wachstum nur von der Seeseite beschränkt, liegt aber sonst in einer weiten Ebene. Chicago ist, was seinen Handel und seine Industrie angeht, beherrschend für viele Branchen. Seine Fleischindustrie ist die grösste der Welt, aber auch andere Industrien (z. B. landwirtschaftliche Maschinen, Telephone, Möbel, Musikinstrumente, Kaugummi und Metall) haben insbesondere nach dem Kriege eine erhebliche Ausdehnung angenommen. Als Handelszentrum ist Chicago wohl noch bedeutender. Es liegt den grossen, besonders agrarischen Rohstoffgebieten des mittleren und ferneren Westens erheblich näher als New-York und ist als Eisenbahnknotenpunkt und durch seine Lage am Südrand des gewaltigen inneramerikanischen Seengebietes auch als Verbindungspunkt und Umschlagszentrum von Kanada in die Vereinigten Staaten sehr bedeutend. Im Getreide-, Eisen-, Stahl- und Holzhandel steht die Stadt mit an erster Stelle in der Welt. Die eng zusammengedrängte City, der Loop, bietet mit ihren zahlreichen Wolkenkratzern den gleichen imposanten Anblick wie New-York. Bequem ist ihre Konzentration auf eine recht geringe Fläche. So können geschäftliche Besorgungen bedeutend leichter und schneller erledigt werden als in New-York, wenn man erst einmal im Loop ist. Chicago bietet wie New- York überraschende Kontraste. Neben Armenvierteln ohne Baum und Strauch hat die Stadt herrliche Wohnviertel, von denen die schönsten in der Nähe des Michigansees gelegen sind, Dieser bietet mit seiner gewaltigen Ausdehnung (560 Kilometer lang — Strecke Berlin—Köln —, 100 bis 135 Kilometer breit) durchaus den Anblick des Meeres. Chicago hat etwa 40 Kilometer Strandfläche mit vielen schönen Badeplätzen, und vor der gewaltigen Hitze des kontinentalen amerikanischen Sommers, die nur durch die Brisen vom Michigansee gelindert wird, fliehen Hunderttausende — oft unmittelbar aus den Büros der Wolkenkratzer — während der Mittagspause in die kühlenden Gewässer des Sees. Der Winter ist barbarisch kalt. Auch wehen während des ganzen Jahres oft starke Winde. Am schönsten ist der Herbst, der klimatisch erst Anfang Oktober beginnt, dann aber oft bis Ende November dauert. Er hat ein mildes, ausgeglichenes Klima mit vielen schönen Tagen und ist vielleicht für den Einwanderer die schönste Zeit, sich einzuleben. Im übrigen zeigen die Temperaturen auch während der gleichen Jahreszeit oder am selben Tage scharfe Üebergänge. Jeder holt sich w-ohl hier zunächst sein ,,cold" weg. Das Klima gilt aber dennoch als sehr gesund. Chicago ist im Gegensatz zu New-York eine grüne Stadt zu nennen. Viele der Wohnstrassen, auch in den nicht ganz vornehmen Wohnvierteln, sind mit Bäumen bepflanzt. Daneben gibt es ausgedehnte Parks. Manche erinnern mit ihren kleinen Seen an den Berliner Tiergarten. Ein besonders herrliches Bild bietet die City-Strandstrasse, der Michigan Boulevard. Auf der einen Seite gewahrt man die gewaltige Front der Wolkenkratzer, wie eine Riesengarde ausgerichtet und auf der anderen schweift der Blick über schöne Grünanlagen hinweg zu den unbegrenzten Horizonten von Himmel und See. Schon heute ist Chicago ein bedeutender Seehafen, zu dem über den St. Lorenzstrom auch grössere Schiffe gelangen können. An diesem Seeweg werden heute Verbesserungen vorgenommen, und man hofft, dass nach ihrer Vollendung Chicago ein vollgültiger Seehafen werden wird. Chicago ist wie New-York eine internationale Stadt. Der einzige Unterschied istj dass hier. das jüdische Element schwächer, das deutsche dagegen stärker vertreten ist. Die einzelnen Nationalitäten haben eigene Stadtviertel. So haben die Deutschen ein eigenes Viertel mit Buchhandlungen, Restaurants usw., doch wohnen selbstverständlich nicht alle Deutschen oder Abkömmlinge von Deutschen dort. Man sagt, dass jeder dritte Chicagoer deutscher Abstammung ist und man kommt mit Deutsch ziemlich weit, da, abgesehen von den Juden, hier viele Leute wenigstens etwas Deutsch verstehen. Sie bringen eine Tageszeitung, „Die Abendpost", heraus. Doch soll hier betont werden: Chicago ist eine e ngl i s ch sprechende Stadt, und wer nicht englisch spricht, ist beruflich und geschäftlich eine Null. Das muss man den künftigen Einwanderern immer wieder sagen und einschärfen. Die zahlreichen Neger und Negermischlinge, die gleichfalls in einem eigenen Stadtviertel wohnen, werden hier etwa gleich wie in New- York behandelt. Sie wohnen separat und sind gesellschaftlich von den Weissen geschieden, können aber sonst als freie Menschen ihrem Erwerbsleben nachgehen und fahren mit den M. M.WARBURG&CO. GEGRÜNDET 1797 HAMBURG FERDINANDSTR. 75 BERLINER BÜRO: TIER GART EN STR. 2 b Weissen (anders als im Süden) in den gleichen Abteilen der Verkehrsmittel. Sie sind aber wirtschaftlich oft auf niedere Arbeit, also auf Stellen beschränkt, die weniger einbringen. Neben den Deutschen gibt es in Chikago zahlreiche Mexikaner, Italiener, Spanier, Griechen und natürlich Litauer, Polen, Russen, Esten usw. An Juden gibt es in Chikago etwa 300 000. Sie sind in einzelnen Kongregationen privaten Charakters organisiert. Es gibt keine zentrale Gemeinde als öffentliche Institution, und es steht im freien Belieben jedes Juden, ob er einer Kongregation angehören will oder nicht. Zwischen den einzelnen Kongregationen bestehen starke Unterschiede hinsichtlich ihrer sozialen Zusammensetzung und religiösen Glaubensrichtung. Die reichste und vornehmste dieser Assossiationen ist wohl die von Mount Sinai. Die reicheren Juden — unter ihnen gibt es sehr reiche und wohltätige — gehören meist der amerikanischen Reformrichtung an. Zahlreiche andere Juden, meist aus dem Osten stammend, sind streng orthodox. Die Konservativen — zu denen viele jüngst aus Deutschland eingewanderte Juden neigen — bilden die Mitte zwischen den Reformern und den Orthodoxen. Sie entsprechen religiös dem Typ des Durchschnittsjuden aus Deutschland, sind aber wohl doch ein wenig orthodoxer. Die Tempel und Kongregationen (insbesondere der Reform und auch der Konservativen) pflegen aber nicht nur das religiöse Leben ihrer Mitglieder, sondern bieten ihnen auch geistige Belehrung und Entspannung auf anderen Gebieten. Sie verbinden so etwa die Betätigung des Lehrhauses und der Kulturbünde mit der Synagoge. Bei den Reformern dringt dieser weltliche Geist auch stark in das Gottesdienstliche ein. Die Jom-Kipper-Predigt eines der berühmtesten hiesigen Reformrabbiner, die ich anhörte, war für meine Begriffe mehr eine interessante und gehaltvolle Versammlungsrede als eine Festtagspredigt. Zu erwähnen sind noch die verschiedenen

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