Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 44 (4.11.1937)
- Date
- 1937-11-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2277379-2277516-2277560--12348-2281949- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 C-V.-Zeifung * 4. November 1937 m :nn>. Dela Lipinskaja mit neuem Programm In einer Sonderveraastal hing des Berliner Kulturbundes trat Dela Lipinskaja nach längerer Pause wieder vor die jüdische Oeffentlichkeit. Sie hatte sich diesmal ein neues Programm zusammengestellt, aus altrussischen Volksliedern und aktuell zugespitzten Couplets, aus Bänkelliedern und Parodien — nicht alles gleich- Handarbeitszigaretten. Vemna an Privat nach IiberaJl. Prsialiste kostenl. unverbindlich. K. Hurwitz. Berlin W.57. Winterfeldtstr. 11. Kuf 27.3858. wertig und oft nur Folie für die spezifische Art dieser modernen Diseuee, die schon in ihrer aparten Erscheinung, dem brandroten Haar und der beschwingten Grazie des Auftretens, das Publikum gefangen nimmt. Als besonderen „Clou" bot die Künstlerin an diesem glänzend besuchten Abend eine Reihe von Figurinen unter dem Kennwort „Rechtfertigung der grossen Amoureusen", ein heiteres Masken- und Verwandlungsspiel, in dem sie Gestalten wie Messalina, die Marquise von Pompadour, Katharina von Russland, Lady Hamilton in einem Rausch von Farben und einer wundervoll gestuften, nachahmenden Charakteristik lebendig werden liess. Noch kennt man nicht die Grenzen dieser Kunst, die aus der Kraft und Fülle eines ungemein beweglichen Naturells die heitersten Wirkungen schöpft und auch das Gewöhnliche durch mimische, gestaltende und Parlando-Nüancen von feinster Abgewogenheit noch mit einem seltenen Schimmer von Anmut zu umkleiden weiss. Indes liess besonders eine Programmnummer des Abends, „Das Lied der Sphinx", das im übrigen keinerlei Rätsel aufgab, im Hauch der Stimme, im leise umwölkten Blick der Vortragenden ahnen, dass sich das Gebiet der Dela Lipinskaja über den enggezogenen Kreis heiterer, spielerischer Chansons viel weiter ausdehnen Hesse und daes sie, wie ihre berühmte Vorgängerin Yvette Guilbert, nicht nur die Freuden, die unendlichen, sondern auch die Schmerzen, die unendlichen, künstlerisch nachgestalten könnte. Als Begleiter des Abends machte sich wieder durch ungewöhnliche Zuverlässigkeit und Anschmiegsamkeit Walter Lajtai bemerkbar, der auch als Solist mit einem auffallend weichen Anschlag zwei Piecen von Ernest Fischer zu Gehör brachte. Das Publikum konnte sich in Beifallsäusserungen nicht genug tun und erzwang von der Künstlerin Zugabe um Zugabe. H.L. Grosse Erfolge erzielte Dela Lipinskaja in den prossen holländischen und belgischen Seebädern. Im Casino Knocke wirkte "Max Neumann als Dirigent des Kurorchesters mit. Konzerte und Vorträge Erna Leonhard (Feld), die schon seit längerer Zeit bemüht ist. neue Dichtung jüdischer Autoren einem aufnahmebereiten Publikum zu vermitteln, setzt dies Bemühen jetzt gemeinsam mit dem bekannten Rezitator Leo Merten (Menter) in einer Vortragsreihe fort, die sie ..Ungehörte S t i m - inen" nennt. Der erste Abend, wie auch die noch folgenden von der Berliner K ünstl erhilf e veranstaltet, brachte Dichtungen von Gertrud Chodziesner, Jacob Picard und Martha W e r t h e i m e r , drei Dichterstimmen, die zwar nicht mehr ganz „ungehört" sind, die aber, wie Erna Leonhard einleitend mit Recht bemerkte, in der jüdischen Öffentlichkeit bisher einen breiteren und lauteren Widerhall kaum gefunden haben. Als merkwürdiger Gesamteindruck des Eröfmungsabends liess .sich feststellen, dass Picard, der Mann, unter den beiden Frauen, in seinen Dichtungen eigentlich der frauenhaftere ist: seine Lyrik ist unbeschwerte Gefühlslyrik, ganz auf Sehnsucht, Traum, Schmerz, Erinnerung gestellt, und auch, seine Formensprache gibt diesen Gefühlen einen ebenso weichen wie. zartlinig-melodischen. Ausdruck. Dagegen führt der dichterische Weg von Gertrud Chodziesner aus dem individuellen Bereich der Lyrik, in dem sich das Ich als reines Bekenntnis entäussert, in eine phantastisch gesteigerte Realität fremder Vorgänge und Kreaturen, und ihre schweren Verse berauschen sich, als wären sie von Arthur Rimbaud inspiriert, an Farben und Bildern, die mehr einer dunkel malenden Phantasie als einem natürlichen, einfachen Empfinden zu entstammen scheinen. Hier liegt die Gefahr für die in jedem Fall ungewöhnlich begabte Dichterin, und dieser Gefahr zu entgehen, mag sie beherzt die Rückkehr zur Natur anstreben. Von Martha Wertheimer gelangten vier Szenen aus ihrem biblischen Drama „Channa" zum Vortrag: aus dem Zusammenhang gelöst, Ii essen sie immerhin starke dramatische Impulse sowie eine starke innere Anteilnahme an dem religiösen Stoff spürbar werden. Die beiden Vortragenden waren dem Dichterterzett liebevolle Helfer: Erna Leonhard mit ihrem frei schwebenden Organ und der Einfühlsamkeit der Verstehenden, Leo Merten mit der sicheren und klaren Akzentuierung einer Sprechweise, die sich in grösseren Räumlichkeiten zweifellos intensiver noch zu entfalten vermag. Der Abend fand reichen Beifall. H.L. Der Jüdische K. C. z u B e r 1 i n hatte seine Mitglieder zu einem Vortrag von Intendant Dr. Kurt Singer über „Das Werden einer Opernaufführung" eingeladen. Auf Grund seiner reichen Erfahrung sprach er von dem Problematischen der Oper als reines Musikwerk und als Theaterstück. Er zeigte die Hindernisse, die sich jeder Aufführung in den Weg stellen, indem er den Hörern einen Einblick in die unendlich mühevolle Arbeit der daran Beteiligten — einer Opernaufführung im Kulturbund gehen beispielsweise etwa 100 Proben voraus ' — vermittelte. Nachdem er durch Lichtbilder nähere Erläuterungen gegeben hatte, schloss er sein spannendes Referat mit einem kleinen Kabinettstück: er „inszenierte" eine der ersten Szenen aus den ..Lustigen Weibern von Windsor", Rita A 11 a s z und Susanne Loew enstein vom Berliner K u 11 u r b u n d theater, d;e sich zur Verfügung gestellt hatten, mussten wie auf einer richtigen Probe „arbeiten" und ernteten den starken Beifall ihrer. Zuhörer. Die Klavierbegleitung hatte Kapellmeister Wilhelm Alt mann übernommen. Wenn Dr. Singer in seinem Schlusssatz die Erwartung aussprach, dass seine Mitarbeiter und er für die Leistungen ihres Theaters wenigstens die Achtung vor intensivster Arbeit beanspruchen könnten, durfte er der Zustimmung des grossen Hörerkreises sicher sein, der ihm immer wieder seinen herzlichen Dank bezeugte. E. R. Susanne Landsberg(-Hollaender) konnte an ihrem Liederabend, in glänzender Disposition ihren geschmeidigen, durch alle Lagen mühelos ansprechenden Sopran zur Entfaltung bringen. Ihrer reifen Technik und kultiviert-lebendigen Vortragsweise erschliessen sich die verschiedensten Ausdrucksbereiche, besonders günstig etwa Mendelssohn oder die schlicht-volkstümliche Kantabilität Goldschlagscher Lieder, von denen mir das „Schottische Tanzlied"' immer wieder als glücklichster Wuri erscheinen will. Der visionären Inbrunst von Mahlers „Ich'bin der Welt abhanden gekommen" blieben freilich Gesang und Begleitung — diese von Werner Fabian sonst ausgezeichnet gestaltet — das Letzte schuldig.. Das interessante Programm umfasste ferner eine Kowalski-Gruppe, Lieder aus dem Japanischen, in denen dieser hochbegabte Lyriker wieder mit knappen Strichen ungemein charakteristisch zeichnet. Wolfgang Rose spielte eins der stärksten Klavierwerke Mendelssohns, die Variations serieuses, mit pianistischer Bravour und zielbewusstem Aufbau. H. Fr. Das Herbstprogramm des Jüdischen Kulturbundes Dresden wurde mit der Gesellschaftskomödie „Jean", die von dem vortrefflichen Ensemble des Hamburger Kulturbundes gespielt wurde, eröffnet. — In einem Tanzabend lernten wir die beiden Berliner Tänzerinnen Ruth C o n d e 11 und Nelly Hirsch kennen. Sie wussten in ihren besonders schönen Tanzkostümen bald in ausgefeilten Duos, bald in reizvollen, abwechslungsreichen Einzeltänzen zu Musik von Bizet, Rachmaninoff, de Falla, Dvorak u. a. Grazie und Leidenschaft zu entfallen. Höhepunkte waren die der Argentina gleichwertigen spanischen Tanzstudien. Der gewandte Begleiter iWerner B a e r steuerte Klaviersoli von Debussy, Bizet, Ravel u. a. bei. — Die Kinder-Oper von Paul Hindemith „Wir bauen eine Stadt" fand im Rahmen eines Kindernachmittages der Gemeinde sowohl •bei den zuschauenden wie bei den ausführenden Kindern wirkliches Gefallen. Die Jüdische Instrumental-Gemeinschaft unter Walter Goldmanns Leitung und mit dem 12jährigen Fritz Meyer am Klavier hatte den Orchesterpart übernommen; die Kinder des Kinderhorts spielten mit echter Theaterfreude und sangen mehr schlecht als recht.die ungewöhnlichen Rhythmen und Harmonien. Vorher war die Kindersinfonie von. Haydn unter Ruth Heilbrunns Leitung sehr nett gespielt worden. E. B. Im Hamburger Kulturbund gab Dr. Max 0 s b o rn eine gross umrissene Darstellung von Michelangelos Leben und Werk. Gute Lichtbilder von Werken des Meisters und seiner Vorgänger unterstützten den Redner, der dankbaren Beifall für seine anschauliche Belehrung erntete. H. G. Im Breslauer Kulturbund sprach Professor Dr. I. Heinemann über das Thema: „Der jüdische Hellenismus als Kulturproblem." Starker Beifall dankte dem Redner für seine bedeutsamen, fesselnd vorgetragenen Ausführungen. Schw. Mit Anekdoten, persönlichen Erlebnissen und Chansons unterhielt Willy Prager die Hörer eines Heiteren Abends in Frankfurt a. M., denen er aber auch — vielleicht als beste Gaben — einiges Nachdenklich-Ernste in schlichter Darbietung brachte. Als stimmbegabte und temperamentvolle Sopranistin trug Lissy Hahn- Schloss Stücke des leichteren Genres (Operette, Chansons) vor. Am Klavier der oft erprobte Max F i r n b e r g. Die 14jährige Margot Hirsch, stimmlich und tänzerisch sehr talentiert, wirkt in dem ihr passenden kindlichen Bereich erfreulich. Der Abend fand viel Beifall. —tt. Die Kölner Jüdische ,.K u n s t g e m e i n - schaft begann ihre dieswinterlichen Veranstaltungen mit einem von Erna Mann- Salm (Klavier) und Ernst Drucker (Violine) ausgeführten Konzert. Sonaten von Tartini und Paganini erstanden in der charakteristischen Art des Virtuosenstils, temperamentvoll, klar und vom Sinnlichen her bewegt Das Musizieren der Pianistin präsentierte sich am schönsten da, wo sie Gelegenheit hatte, ihrer Fingerfertigkeit "freien Lauf zu lassen. Sie erspielte sich herzlichen Erfolg mit zwei Werken von Chopin und Ernest Bloch. Drucker, der mit ihr reichen Beifall erntete, war sie eiue sorgsame Begleiterin. ( —yo— Der Jüdische Kulturbund für Ostwestfalen und angrenzende Gebiete eröffnete seine Winterarbeit mit einem Vortrag von Dr. Anneliese Landau über „Offenbach und die Operette". Mascha Benjakonski, mit entzückender Stimme, und Max Kuttner, der Tenorbuffo voll Witz und Humor, brachten die musikalischen Beispiele unter der Begleitung von Kapellmeister Wilhelm A 11 m a nn wirksam zum Vortrag. Die Veranstaltung fand in den acht _ bekannten Anschlussstädten und dem neuerdings hinzugekommenen Göttingen statt, diente gleichzeitig: der Werbung, hatte überall den gewünschten Erfolg- und brachte den Künstlern reichen Beifall. ■ iW. H. Im Jüdischen KultUTverein Landsberg (W7arthe) sang die anmutige Edith Eisenheim e r (Berlin) Lieder aus Operette, Oper und Kabarett und erntete mit ihrer Begleiterin Erna Klein (Berlin) reichen Beifall. Zu dem ausserordentlich gut besuchten Abend waren auch aus der Umgebung Freunde aus L i p p e h n e . Sold in und Friedeberg (Neumark) erschienen. _ Jüdischer Kulturbund Berlin Wochenplan Theater in der Kommandantenstr. 57: ,.D e r Golem" 6. November, 20 Uhr (Abt. 44, 54). 7. November, 15 Uhr (Abt. 50, 60). „Zweikampf der Liebe". 20 Uhr: 8. November (Abt. 9, 19), 9. November (Abt. 22, 32), 10. November (Abt. 24, 34), 11. November (Abt. 25, 35). Brüdervereinshaus, Kurfürstenstr. 115, 20 Uhr. 8. November: Edith H er r n st ad t-O.e tt i Ilgen: „Von himmlischer und irdischer Liebe". 10. November: Julius Bab: „Renaissance und Shylok-Problem'-. Jüdischer Kulturbundsaal in der Kommandantenstrasse Dem Kulturbund ist es gelungen, einen e i g en en Saal für alle nicht im Theater stattfindenden Veranstaltungen wie Konzerte, Vorträge usw. zu erlangen. Er befindet sich direkt neben dem Theater, Kommandantenstr. öS/59. In Zukunft wird dort auch die Kleinkunstbühne spielen. Der Saal wird völlig neu gestaltet und mit einem grossen Konzertpodium und einer Bühne ausgestattet. Im Novemher und Dezember werden das Lustspiel „Zweikampf d e r L i e b e" von Scribe und Legouve in der neuen deutschen Fassung von JuUus Bab und die Oper „Eugen O n e g i n;< von Tschaikowsky herausgebracht. Zu Chahukka, 1. Dezember, wird die Kleinkunstbühne mit einer neuen Revue in 14 Bildern „Von Romeo bis Streichquartett" von Max Ehrlich und Willy Rosen wiedereröffnet. Am 1. und 2. Dezember (Channkkah), 16 Uhr, finden Kinder -Vorstellungen im Kulturbundtheater. SW. 10, Kommandantenstr. 57, statt. Liesel Simon gastiert mit ihrem Kasperle- Theater: „Kasperl und die Wunderlampe", für Kinder von vier Jahren an. Gutscheine zur Platzverlosung in den bekannten Verkaufsstellen. Erwachsene müssen im Besitz einer Kulturbund- oder Reichsverbandskarte sein. Im Rahmen der Jüdischen Privaten Musikschule Hollaendcr begann Gertrud W e r t h e i m am 1. November neue Kurse im Collegiura Musicum. Interessenten richten Anfragen an die Schulverwaltuii!i Berlin-Charlottenburg 4, Sybelstr. 9. (Tel.: 31 34 18). in Tracht und Wohlstand dem behäbigen Holländer, in Bildung und feinen Manieren dem portugiesischen Edelmann entspricht. Wieder mischen sich Freude und Schmerz in groteskem Durcheinander. Die Verfluchung des Abtrünnigen, der Gerichtstag in der Synagoge und der Widerruf Uriels (Rshawer) leiten in grandioser Steigerung zu dem Hochzeitsfest seiner geliebten, ihm entrissenen Judith (Rovina). In dies Fest, das mit höchstem Glanz und in bunter Ausgelassenheit gestaltet ist, tritt, wie der Sendling einer anderen Welt, der düstere Acosta. Ausgewiesen aus der Gesellschaft, der er nicht mehr angehört, wankt er hinaus. Bei dem Schuss. durch den er sich tötet, stiebt die Hochzeitsgesellschaft auseinander und Judith, bei allmählich sich verdüsternder Bühne von Freunden und Verwandten allein gelassen, gibt ihrer Vereinsamung und 'dem Schmerz um den toten Freund in einem schwebenden Tanz ergreifenden Ausdruck, bis sie selber zusammenbricht Diese Tanzpantomime, die in freier Ausgestaltung des Gutzkowschen Stückes das Spiel Schliesst, steht in wirksamem Kontrast zu den farbigen Gruppentänzen, die kunstvoll und wie notwendig in die Handlung geflochten 'sind, und in deren Reigen sogar der fromme Arzt Da Silva und die wahrhaft lebende Gestalt des greisen Ben Akiba, für den schon alles schon dagewesen und nichts bewiesen ist, sich mischen. Wie bei Gutzkow huscht auch im Spiel der Habima der kleine Spinoza mit einem grossen Buch über die Bühne, mit seinen klugen Fragen Akiba in Verlegenheit bringend, und im Gegensatz zu Tradition und Vergangenheit, die in der köstlichen Figur des Greises sich verkörpern, den Ausblick in eine weite Zukunft des jüdischen Gedankens eröffnend ... * Ein weiter Weg , führt . von diesem Renaissancegemälde aus dem Amsterdam der neuen Zeit zu „Golems Traum", der die abenteuerlichen Gebilde aus der phantastischen Epoche vor der Anerkennung des Messias zu deuten unternimmt. Den heb' ich, der Unmögliches begehrt. Die Habima begehrt es. Sie will die grossartigen Gesichte des Propheten Ezechiel in Bühnenbilder bannen, will jene Kämpfe sichtbar machen, zu denen Ezechiel, der Vater des Judentums, ekstatisch aufruft gegen die furchtbaren heidnischen Mächte des Nordens, „gegen Gog im Lande Magog, den Fürsten von Ros. Mesech und Tubal". Aus den Weissagungen des Strafpredigers, der im Exil vor mehr als zweiundeinhalbtausend Jahren Judas' Untergang und Wiederaufstieg ankündigte, und den verschlungenen Sagen, die viele Jahrhunderte darum und daraus gesponnen haben, hat der jiddische Dichter Levik ..Golems Traum" geschaffen, den Shlonsky ins Hebräische übertrug. Lange Zeit nach der Vernichtung des Golem, den aus Ton der Wunderrabbi Low in Prag einst bildete, erwacht der wieder zu Ton Erstarrte zu neuem Leben, damit sein Traum das Reich des Messias heraufführe. Aus der Wüste holt er den wahren Messias, Ben David, der in wechselvollen Kämpfen mit Ben Joseph, dem " falschen Messias, und mit dem Golem selbst, der ihn lange verkennt, schliesslich die Oberhand behält. Auf das Zeitalter der Schuld folgt das Zeitalter der Unschuld. Der Messias erlöst die Welt, er selber aber soll untergehen, da er, um seine Sendung zu erfüllen, seine Hände mit dem Blut des Gegners beflecken musste. Das Volk jauchzt und feiert das Fest der Freiheit und des Friedens, der Messias selbst begibt sich ins Gefängnis, einzig von dem Henker begleitet, der an ihm seine letzte schwere Pflicht üben muss. Die Künstler der Habima, jeder einzelne wieder vollendet an seinem Platz, die Rovina als Messias Ben David, Meskin als träumender Golem, Finkel als der falsche Messias und Friedend als „Prophet der Gegenwart", geben unter der glanzvollen Regie Lindbergs, diesen uralten Phantasmargorien ein blutvolies Leben. Das Spiel der einzelnen mischt sich mit dem Jauchzen und Klagen der Gruppen, mit dem Toben und Klingen der Elemente zu einer Einheit, in der wir einen Hauch des prophetischen Geistes verspüren. Eine phantastische Kunst, dem Pariser Publikum, und gewiss nicht nur ihm, schwerer zugänglich? als die der früheren Darbietungen. Der Beifall war nicht minder gross. An vier Theaterabenden (vgl. auch C.-V.- Zeitung Nr. 43 vom 2S. Oktober) hat die Habima der Menschheil grosse Gegenstände vor uns abgehandelt, die Probleme dieser und jener WeK, die Schicksalsfragen des Volkes und des einsamen Menschenherzens, die lieblichen Gefühle und die Forderungen des Geistes. Eine nationale Kunst, die internationale Anerkennung heischt und erringt. Eine ernste und tiefe Kunst, die an die Zuschauer Ansprüche ohnegleichen stellt und ihnen Erlebnisse von seltener Tiefe beschert. Das hebräische Theater von Tel-Aviv kann auf den Beitrag stolz sein, den es, uralten Stoff nutzend, der modernsten Bühnenkunst unserer Zeit liefert. Dr. Ernst Feder. Theater, Musik, Film Franz W e r f e I s neues Bühnenwerk „In einer Nacht", über deren erfolgreiche Wiener Uraufführung in Nr. 41 der C.-V.-Zeitung berichtet wurde, ging mit grossem Erfolg in Zü rieh in Szene und wird demnächst auch in Budapest und Prag gespielt werden. In einer besonderen Bearbeitung wird es auch von amerikanischen Bühnen, gespielt - werden. # Das Akademietheater in Wien, die Filiale des Burgtheaters, bringt als nächste Novität die deutsche Uraufführung von F. Molnars Komödie „Delila" heraus. * Carl Zuckmayers neues Bühnenwerk, ein Schauspiel, in dessen Mittelpunkt der schwedische Dichter und Komponist Karl Michael Bellmann steht, wird am Theater der Josefstadt in Wien unter der Regie von Ernst Lothar zur Uraufführung kommen. ' * Auf der. vor kurzem gegründeten „Jüdischen nationalen Bühne" in Warschau wird demnächst eine Komödie von Sammy Gronemann „Jakob und Esau" herauskommen. Die Regie des Stückes wird der früher in Berlin wirkende Theatermarin Kart M einhardt führen. Gronemanns Stück ist bereits in Tel-Aviv aufgeführt worden und wird demnächst wahrscheinlich auch in Wien und in Amerika herausgebracht werden. * Ernst Deutsch wird demnächst zum ersten Male in einer heiteren Rolle zu sehen sein. Er spielt in dem Lustspiel „Schule der Liebe" an der Komödie in Wien die männliche Hauptrolle. * Jaromir Weinbergers neue Oper „Wallenstein", deren tschechischer Text von Max B r o d ins Deutsche übertragen wurde, gelangt am 18. November in der Wiener Staatsoper unter der Regie von Lothar W a 11 e r s t e i n erstmalig zur Aufführung. * Ludwig Altmann, der frühere Berliner Musikkritiker der C.-V.-Zeitung, brachte als Solist mit dem Federal Symphony Orchestra in San Francisco Händeis Orgelkonzert G-dur zur Aufführung. # Eine neue Operette von Paul Abrah am• „Julia", nach einem Textbuch von E. Földes und E. Harmat, wird in dieser Saison zur Uraufführung gelangen. # In einem Sinfoniekonzert im Radio Budapest am 8. November, 20.10 Uhr, ist u. a. der „Zauberlehrling" von Paul D u k a s zu hören. * Radio Luxemburg überträgt am 6. November. 22.10 Uhr, ein Sinfoniekonzert mit dem Cellisten Emmanuel Feuermann. * Eine in Paris neugegründete Filmgesellschaft lässt unter dem Titel „Kol Nidre" einen Film drehen, in dem Joseph Schmidt eine tragende Rolle übernimmt. Der Film wird unter der Regie von Dr- Robert Wiene hergestellt, der auch der Regisseur dos bekannten Films „Dr. Caligari" ist. ' Der Film wird Bilder von der j ü d i s c h e n K o 1 o n i s a t i o 3 in Palästina und eindrucksvolle Massenszenen zeigen. T.PPlsrr^«,r;rrt8.,., teppichhaus Zentrum.....-vzxz^""'"