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Central-Verein-Zeitung · 1937-10-28 · 43 (28.10.1937) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
43 (28.10.1937)
Date
1937-10-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 C-V.-Zeitung Nr/43 * 28.QteoSer1937j roch christlich geborene Personen zum Verband zuzulassen, worüber wir in der vorigen Nummer der C.-V.-Zeitung ebenfalls berichtet haben, droht zu einer Spaltung , des Verbandes zu führen, da die Gegner dieses Beschlusses in den Kreisärzteversammlungen fast überall die Mehrheit bilden. # Der Redakteur des Wolhynier Kuriers, Mordechai Markuse, hatte in einem Artikel die Brest-Litowsker Ausschreitungen vom Mai dieses Jahres als Pogrom bezeichnet. Es war darauf- Strümpfe / Strickwaren Wäsche / Handschuhe i S>cM>jr..GruuewaIdstr.5G _5 a. Bayer Platz Tel.. 7138 13. hin gegen ihn Anklage wegen „Verbreitung falscher Nachrichten, die geeignet sind, öffentliche Unruhe hervorzurufen", erhoben worden. Das Gericht in Rowno hat ihn jedoch freigesprochen. * Zwei der im Przytykprozess verurteilten jüdischen Angeklagten, nämlich der siebzigjährige Leiser F e 1 d b e r g und der fünfzigjährige Abraham Hochberg, sind mit Rücksicht auf ihre gute Führung aus dem Gefängnis entlassen worden, nachdem sie 13 Monate ihrer insgesamt auf 18 Monate festgesetzten Strafe ver. büsst hatten. Or. Auslandsnachrichten Amerika Präsident Roosevelt hat den ehemaligen Schatzmeister des vom Joinl Distribution Committee und dem American Palestine Campaign durchgeführten United Jewish Appeal. Nathan St raus, zum Leiter der staatlichen Wohnbau-Aktion ernannt. Als Chef der zu diesem Zweck eingesetzten Behörde (United States Housing Authority) wird Nathan Straus den Plan der Regierung, mit einem Kostenaufwand von 526 Millionen Dollar die Elendsviertel zu beseitigen und ein grosszügiges Programm der Schaffung billiger Mietwohnungen zu verwirklichen, durchzuführen haben. Nathan Straus war früher Direktor der N. R. A. für den Staat New-York. Die älteste jüdische Gemeinde in der einst blühenden Bergwerksstadt L e a d v i 11 e in Colorado am Westufer des Mississippi ist aufgelöst und ihre Synagoge niedergerissen worden. Die Gemeinde zählte früher 200 Familien und jetzt nur noch zwei. Auch der Reformtempel von Leadville soll demnächst niedergerissen werden. Der Erlös aus dem Verkauf des Abbruchmaterials und des Grundstücks wird dem jüdischen Landeskinderheim in Denver zugeführt werden. Danzig Auf den Märkten in Danzig und seinen Vororten sind den jüdischen Händlern von der Polizei besondere Stände angewiesen worden. Am Sonnabend kam es in der Nähe des Danziger Wochemnarktes zu Menschenansammlungen, wobei jüdische Geschäfte beschädigt wurden. England Am 7. November findet in London der Feldgottesdienst zur Erinnerung an die gefallenen jüdischen Frontkämpfer Englands statt. Die Parade wird der Earl of A t h 1 o n e abnehmen. * Der feierlichen Eröffnung einer neuen Synagoge in Cambridge durch Lionel de Rothschild und Oberrabbiner Dr. J. H. Hertz wohnten der Vizekanzler der Universität Cambridge und Vorsitzende des Trinity Hall College, Professor H. R. Dean, und mehrere andere Leiter von Colleges, Mitglieder des Professoren- und Dozentenkollegiums bei. In seiner Weihepredigt wies Dr. J. H. Hertz darauf hin, dass Cambridge die erste Universität gewesen sei, die die jüdischen Wissenschaften in ihren Studienplan aufgenommen hat. Dr. Chaim Weizmana übergab dem Kolonienminister Ormsby-Gore das Krönungsgeschenk des Jischuw zur Weitergabe an König Georg VI. Es besteht aus einer auf kostbarem Pergament geschriebenen und künstlerisch ausgestatteten Torarolle, einem Album mit Bildern, die den Fortschritt des jüdischen Aufbauwerkes unter britischem Mandat veranschaulichen, und einer Huldigungsadresse in englischer und hebräischer Sprache. Griechenland Prinz P e t r o s von Griechenland benutzte einen kurzen Aufenthalt in Saloniki zur Besichtigung jüdischer Einrichtungen der Stadt. Der Prinz erschien überaschend in einer Synogoge der Juden von Monastir und in der Hauptsynagoge Bet Schaul. Er liess sich die Torarollen zeigen und bat, auch in ein Exemplar des Sohar Einblick nehmen zu dürfen. Prinz Petros verriet durch seine Bemerkungen eine weitgehende Kenntnis des jüdischen Schrifttums. Nach der Besichtigung der Synagogen besuchte der Prinz den Oberrabbiner Dr. Zwi Koretz und unterhielt sich mit ihm in seiner Wohnung etwa eine Stunde lang über jüdische Fragen. Er erklärte, dass er sich schon während seiner Studien an der Londoner Universität mit jüdischen Dingen befasst habe und dass sein Interesse für jüdische Probleme durch seine Besuche in Polen und Palästina noch gesteigert worden sei. König Georg IL von Griechenland vereidigte in Athen die einrückenden Rekruten, unter ihnen zahlreiche jüdische. Dabei erklärte er unter anderem: „Ihr alle seid Söhne derselben Mutter. Söhne von Hellas. Wisset, dass keine Unterscheidungen zwischen Hellenen bestehen. Die einzige Unterscheidung, die möglich wäre, ist die nach der Fähigkeit und Bereitschaft jedes einzelnen, den Schutz des gemeinsamen Vaterlandes zu sichern." Jugoslawien Der neue Justizminister im Kabinett Stojad i n o w i t s c h , Milan S i m o n o w i t s c h , hat einige Tage nach seiner Ernennung dem jugoslawischen Oberrabbiner Dr. J. A1 k a 1 a y. der im Senat die Judenheit Jugoslawiens als ihr geistliches Oberhaupt vertritt, einen Besuch abgestattet. Er zeigte dabei lebhaftes Interesse an den geistigen und kulturellen Bestrebungen der jüdischen Bevölkerung und sprach mit hohem Lob von der bewährten Staatstreue der Juden in Jugoslawien. Portugal Zu Chanukka wird in 0 p o r t o die von Sir Elle Kadoorie gestiftete Synagoge der dortigen zum Judentum zurückgekehrten Marannen- Gemeinde eingeweiht. Die Synagoge ist vollständig aus Granit im gotischen Stil erbaut. Rumänien Der Präsident der Union rumänischer Juden, Dr. Wilhelm Fildermann, wurde vom stellvertretenden Ministerpräsidenten Ion Inculetz und von dem stellvertretenden Justizminister Aureliu Bentoiu in längerer Audienz empfangen. Dr. Fildermann schilderte den Ministem die Auswirkungen der judenfeiodlichen Propaganda und führte Beschwerde über die für jüdische Anwälte unerträglichen Zustände bei den Gerichten. Schweiz In Bern beginnt am 27. Oktober in zweiter Instanz vor dem Obergericht der Prozess tan die „Protokolle der Weisen von Zi'on", der im Mai 1935 in erster Instanz verhandelt worden war. Ungarn Das Budapester Amtsblatt veröffentlicht eine Entscheidung des Handelsministers, derzufolge der Umstand, dass der Zeitpunkt irgendeines bewilligten Marktes mit dem Zeitpunkt der Feste der israelitischen Konfession zusammenfällt, kein Grund zur ausnahm6weisen Verlegung des Marktes sein könne. Ein Prozess, der voraussichtlich drei Wochen dauern wird, wurde in Budapest gegen den Führer der Sensenkreuzler, Dr. Zoltan Bösz ö r m e n y, und weitere 88 Sensenkreuzler eröffnet. Dem zweiten Hauptangeklagten, Peter Cs. Szabo, hielt der Präsident vor, dass er beantragt habe, die für die Juden vorgesehenen Konzentrationslager zu unterminieren. Der Angeklagte erwiderte darauf, dies sei für den Fall eines Angriffes durch einen äusseren Feind geplant gewesen. KALEHDESI Novemb.1937 Marcheschwan 5698 3, mttmch 29. Jörn Kippur Katan 4. Donnerstag 30. 1. Tag Rosch Chodesch Kisslew 5698 5. Frsftas i. 2. Tag Rosen Chodesch 6. Sonnabend 2. Wochenabschnitt: Toldot 7.B.M. 25.19—28,9 Haftara: Maleachi 1—2,7 13. Sonnabend 9. Wochenabschnitt: Wajeze 1. B. M. 28.10—32,3 Haftara: Hosea 12,13—14,10 20. Sonnabend jB. Wochenabschn.:Wajischlach I. B.M.32,4 36,43 Haftara: Obadja und Hosea II, 7-12,12. 27. Sonnabend 23. Wcchenabschn.: Wajeschew l.B. M.37—40 Haftara: Arnos 2,6-3,8 Neumondsweihe 29. Montag 25. Chanukka Beginn Jüdische Erziehungsprop&ganda in USA Um die Vertiefung des jüdischen Erziehungswesens in USA zu propagieren, findet zur Zeit eine grosse Aufklärungs- und Propagandaaktion des Landesrats für jüdische Erziehung statt. In einer der JTA übergebenen Erklärung weist der Vorsitzende des Laienkomitees im Landesrat für jüdische Erziehung und Ehrensekretär der Gesellschaft für jüdische Erziehung in New-York. Bernard Samel, auf die Ziele der in diesem Monat durchgeführten Aktion hin. Es gelte, sich von der grundlosen Befürchtung freizumachen, als ob Amerika von seinen jüdischen Bürgern verlange, dass sie ihr Judentum opferten. Das Gegenteil ergebe eich aus Erklärungen der bedeutendsten Männer Amerikas. So habe vor kurzem erst Präsident Roosevelt die Kultur des jüdischen Volkes als die Kraft bezeichnet, die die Menschheit durch die Jahrhunderte hindurch aufrechterhalten und genährt habe. In New-York werden zur Zeit etwa 75 Prozent aller Kinder durch jüdischen Haupt- oder Nebenunterricht erfasst. Im Gesamfcgebiet der Vereinigten Staaten hingegen erhalten von den etwa 800 000 jüdischen schulpflichtigen Kindern nur etwa 200 000 eine jüdische Erziehung. Das Bestreben der Aktion geht dahin, für die bisher jüdisch nicht erfaesten Kinder eine jüdische Erziehung zu sichern. Aus den Familien Eugen Herzka (Hindenburg O/S), stellvertretender Vorsitzeader der Gemeindevertretung und Vorstandsmitglied der Ortsgruppe des C.-V., beging am 24. Oktober seinen 60. Geburtstag. — Frau Lina Freund (Beuthen O/S) feierte am 25. Oktober ihren 70. Geburtstag. — Amalie Ehrlich (Preuss. Ollendorf/Westf.) wird am 29. Oktober 75 Jahre alt. — Abraham Herrmann (Regenwal deJPomm.) vollendet am 29. Oktober sein 85. Lebensjahr. — Fraa Johanna Mosbach geb. Rosenthal (Hörde/Westf.) begeht am SO. Oktober ihren 90. Geburtstag. — S. Engel (Berlin) wird am 20. Oktober 70 Jahre alt. — Sanitätsrat. Dr. Arthur Blumenfeldll (Gleiwitz), früher langiähriger Vorsitzender der Gemeinde Myslowitz, wird'am 31. Oktober 70 Jahre alt. — Frau Bertha Seidel geb. Rosenthal (früher Ostrowo. jetzt Pardess-HannaiPalästina) vollendet am 1. November ihr 70. Lebensjahr. — Alfred Blumberg (früher Lvck. jetzt Haifa) begeht am 5. November seinen 70. Geburtstag. — Albert Schock (Glehn, Bezirk Düsseldorf). Vorsteher der jüdischen Gemeinde, and Frau Regine geh. Weber feiern am 30. Oktober ihre silberne Hochzeit. — Hermann S t r a u s s und Frau Selma geb. Kaufmann (Frankfurt a. M.) feiern am 30. Oktober ihre goldene Hochzeit. — Benjamin L e w y und Frau Sära geb. Cossmann (Commern) begehen "am 31. Oktober das Fest ihre goldenen Hochzeit. — Sally Stern und Frau Erika geb. Wolff (Essen) feiern am 5. November ihre silberne Hochzeit. — Sally Heinemann und Frau Frieda geb. Löb (■Frankfurt a. M.) begehen am 5. November das Fest ihrer silbernen Hochzeit. — Adolf Grünewaid (Löbau), Vertrauensmann der Ortsgruppe des C.-V„ ist gestorben. — Dr. Julius L iebrech t (Prenzlau), Vorsitzender der Ortsgruppe des C.-V., ist gestorben. Sophie Tischler ist am 1. November 40 Jahre als Bürovorsteherin bei den Rechtsanwälten Justizrat Eduard Marcus und Dr. Ernst Hagelberg (Berlln- Charlottenburg) tätig. . Als Jubiläumsgabe zum lOjährigen AmtsjrMäum von Rabbiner Dr. Rosenthal, Köln, bringt diö Synagogengemeinde Köln in einem Sonderdruck eine von ihm nach dreijähriger Arbeit vollendete Nachdichtung von Ch. N. Bialiks „Ha-Matmid" heraus. Die einzige in Dänemark erscheinende jüdische Zeitschrift „Jodisk Familieblad" in Kopenhagen kann in diesen Tagen unter Leitung von Max Goldschmidt ihr lOjähriges Bestehen feiern. blick zum Bewusstsein. So deutlich steht die geistige Gestalt dieses Mannes in seinem Werk, dem Schocken-Verlag, vor' uns. Sie spricht sich in den Büchern aus, die der Verlag herausbringt, auch nachdem sein Gründer nach Palästina übergesiedelt ist. Sie wirkt in der Arbeit der verständnisvollen Mitarbeiter Schockens. Und jeder, der mit dem Verlag in eine engere Berührung gekommen ist, wird gezwungen, davon, überzeugt zu sein, dass auch, in der unpersönlichsten Weisung die Persönlichkeit und der Wille Schockens nachwirken. Bevor Schocken Verleger wurde, war er ein Freund der Bücher und ein Freund der Wissenschaft. Der Mäcen der jüdischen Wissenschaft wollte tatkräftiger helfen, nicht nur von aussen dienen, sondern nach einem aus eigener Einsicht gewonnenen Plan den Bau jüdischer Wissenschaft mitgestalten. Der Sammler kostbarer Weltliteratur und seltener Hebraica und Judaica wusste aus langem und vertrautem Umgang mit Büchern, dass die schöne Form ües Buches kein überflüssiger Luxus, sondern die dem guten und wertvollen Buch angemessene Hülle ist. Diese Vereinigung von zielbewusster Sachkenntnis und bibliophilem Sinn (in der ursprünglichen, umfassenden Bedeutung dieses Wortes) haben den Schocken- Verlag von seiner Begründung an zu dem weithin vorbildlichen jüdischen Verlag gemacht. Er begann mit der Herausgabe von Büchern aus dem Kreise Bubers und Rosenzweigs, insbesondere deren Bibelübersetzung, und der Schriften des von Schocken begründeten Forschungsinstituts für hebräische Dichtung. Wie immer in der Welt des Geistes hat sich dann auch hier bewährt, dass aus der Menge des Vorhandenen und Angebotenen nur der das Wertvolle und Wirkende ergreift, wer aus festumzirktem Gebiet mit persönlich geprägten) Sinn die Fülle übersieht. Die andern, die alles verstehen, können nur mit dem Zufallstreffer gewinnen. Der Schocken-Verlag hat immer sein Gesicht gezeigt. Die Zahl seiner Verlagswerke ist gross geworden, seine Linie hat er gehalten. Damit ist der Schocken-Verlag die grosse Potenz unseres geistigen Lebens geworden. Zu starken Teilen hat er erst das, was das Judentum in Deutschland in den letzten Jahren an Bildungswillen zeigte und an Bildungsenergien verbrauchte, möglich gemacht. Er hat dem Bedürfnis der Lese- und Lernwilligen gedient. Aber wertvoller ist, dass er sich diesem Bedürfnis nie gebeugt, hat. Er hat streng und bewusst Forderungen gestellt: er hat nach einem hohen jüdischen Ideal erzogen. Auch in der Welt des Geistes geht nichts verloren. In dieser Ueberzeugung hat das von Salmann Schocken begründete Werk über die Zeit hinaus seinen Bestand. Fritz Bamberger. Der Kaufmann Es ist nicht ganz einfach, den Kaufmann Salmann Schocken losgelöst von seiner übrigen Arbeit zu betrachten, denn alles, was er leistete und leistet, ist aus einer Gesinnung heraus geboren, ist eines Mannes Werk, dessen Ursprünge in einer geschlossenen und umfassenden Persönlichkeit liegen. Es mag viele geben, die seine Ansichten, auch die wirtschaftlichen oder wirtschaftspolitischen, ablehnen. Aber keiner wird ihm seine Originalität abstreiten, die ihn dazu führte, in einem Zeitraum von etwa drei Jahrzehnten einen Warenhauskonzern ganz eigener Prägung aufzubauen und die ihn zugleich in Schriften und Vorträgen zu einer theoretischen Untermauerung seiner Warenhausidee gelangen liess. Als eine englische Gruppe im vergangenen Jahr eine Beteiligung am Schocken- Konzern aus dem Besitz von Salmann Schocken übernahm, umfasste die Gruppe, deren erste Anfänge im Jahre 1901 gemeinsam von Salmann und Simon Schocken gelegt worden waren, 19 Warenhäuser. Das Neue und Andersartige au diesen Warenhäusern, deren Entwicklung bis vor wenigen Jahren vornehmlich von Salmann Schocken beeinflusst worden war, lag in der systematischen Beschränkung des Sortiments, durch die eine Zersplitterung der finanziellen Mittel vermieden wurde, ferner in der besonders straffen Zusammenfassimg der Organisation, die di? Disposition und den Ueberblick erleichterte, und schliesslich in der klugen Beschränkung auf das eigene Arbeitsgebiet, durch die eine Geld und Arbeitskraft raubende Expansion, die an sich auf Grund der Entwicklung in der Wirtschaft nahegelegen hätte, vermieden wurde. Der Schocken-Konzern hat u. W. in seiner mehr als dreissigjährigen Vergangenheit keine grösseren fabrikatorischen Engagements besessen, und war dadurch in der Lage, seine ganze finanzielle Kraft auf den Ausbau seiner Ein- und Verkaufsorganisation zu verwenden. Wenn es richtig ist, dass die Dinge die besten sind, von denen man am wenigsten spricht, dann stand der Schocken-Konzern und sein Initiator Salmann Schocken recht weit vorne, denn von ihnen war in der Oeffentlichkeit im allgemeinen nur wenig zu hören. Das heisst aber nicht, dass Salmann Schecken in wirtschaftlicher Hinsicht nicht für die Oeffentlichkeit, und insbesondere für die jüdische Oeffentlichkeit, gewirkt hätte. Er hat seine grosse, aus Praxis und Theorie gemischte wirtschaftliche Erfahrung insbesondere auch der zionistischen Bewegung und dem Aufbau Palästinas (wo er seit einigen Jahren lebt) zur Verfügung gestellt und wirkt seit vielen Jahren als Wirtschaftsfachmann an führender Stelle innerhalb der Zionistischen Organisation. Wenn Sal« mann Schocken in jüdischen Nachschlagewerken als Groeskaufmann und Volkswirtschaftler bezeichnet wird, so trifft diese gemeinsame Bezeichnung auf ihn wie auf nur wenige andere zu. Salmann Schocken als V e r 1 e g e r ist von berufener Seite soeben gewürdigt worden. Aber dieses Gebiet seiner Tätigkeit darf auch in einer wirtschaftlichen Betrachtung nicht fehlen, denn es rundet das Bild seines beruflichen Wirkens, das ihn vom Grosskaufmann überden Volkswirtechaftler zum Verleger geführt bat und das seine Krönung in der Förderung der jüdischen Wissenschaften fand, der er durch seine grosszügigen Stiftungen und durch seine eigene Arbeit umfassendere Tätigkeitsgebiete zu erschliessen bestrebt ist. H. W—1. Rabbi Mendes „Dr. Metides war als Gelehrter von Weltnil lange Zeit eine beherrschende Figur unseres religiösen und geistigen Lebens. Er wird schwer entbehrt und weithin betrauert werden." So schrieb der Präsident der Vereinigten Staaten, Franklin D. Roosevelt, an die Hinterbliebenen des Rabbi Pereira Mendes, der am 24. April 1888 die Tagung des Senats der Vereinigten Staaten eröffnet hatte und der am 20. Oktober 85 Jahre alt in New-York gestorben ist. Mendes war am 13. April 1852 in Birmingham als Spross jenes berühmten Geschlechts von Rabbinern, Gelehrten und Staatsmännern geborsn worden. Sein jüdisches Wissen erhielt er an der Northwick-School in London. Er promovierte nach Studien in London und New- York zum Doktor der Medizin, ohne jedoch diesen Beruf auszuüben. 1874 wurde er Rabbiner in Manchester, 1877 in New-York. Dort wirkte er bis zu seinem Tod an. zahlreichen .iü dischen Stellen. Seine Schriften zeugen von seinen hebräischen, historischen und ethischen Kenntnissen. _ In Wilna ist im Alter von 62 Jahren der bekannte jüdische Publizist, Kritiker und Verleger Boris Kletzkin gestorben. Sein Verlagshaus bringt -die Werke der meisten hervorragenden jüdischen Schriftsteller der Gegenwart sowie Uebersetzungen der Werke grosser nichtjüdiseher Schriftsteller heraus. # Als vierte Jahresgabe bringt die Jüdische Buch- Vereinigung, Berlin, einen Roman von Karl E s c h e r „Zwischen Gestern und Heute". iiiiiiiiniiiiiiininiiiiiiiiinniimiinminniiiiim Herbst Neue Schallplatten Jascha H e i f e t z spielt Tsehaikowskys Violinkonzert auf Iiis Masters Voicc-Platten (DB 3J">9—62). Die r>ro5-'a!:s!ln Wanda La n d o w s k * spielt das Italirnrche Konzert sowie- PWihidien und Rcrn von J. S. Bach auf His Masters V'oice Platten ü»Ü07). Letzte Dahlien leuchten bunt im Garten, Rot und gelb verglüht das Laub der Bäume, Wald und Wiese sinken sanft in jene Träume, Die auf Schnee und Schlaf und Ruhe warten. Bis im Lenz sich wieder frische Kräfte regen, Knospen drängend sprengen ihre Hüllen — Alte, ewige Gesetze sich erfüllen, Neuer Frühling lebt auf allen Wegen. Lisc Len>innecIt-Königsberg[Pf.

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