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Central-Verein-Zeitung · 1937-10-28 · 43 (28.10.1937) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
43 (28.10.1937)
Date
1937-10-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 43 28. Oktober 1937 C.-V.-Zeifung Seite 5 Semesterbeginn am Berliner Lehrhaus Die Eröffnung des Jüdischen Lehrhauses Berlin und der Lehrstätte Ch. N. Bialik fand am 21. Oktober im Grossen Saal des Brüdervereinshauses Kurfürstenstrasse statt. Ein zahlreiches Publikum, an der Spitze der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde und Vertreter fast aller jüdischen Organisationen, war der Einladung der Lehrhausleitung gefolgt. Namens des Kuratoriums des Lehrhauses begrüsste Dr. Walter Alexander die Erschienenen und drückte die Hoffnung aus, dass das Bestreben des Lehrhauses, den jüdischen Erwachsenen zu Bildung und Wissen zu verhelfen, auch weiterhin dem Interesse weiter Kreise besegnen werde. Es bleibe nach wie vor das Bestreben des Lehrhauses, möglichst vielen möglichst Gutes zu bieten. Ehrliches Lehren und ehrliches Lernen müssten sich gegenseitig ergänzen. Abschliessend wies Dr. Alexander auf die Zusammenarbeit mit der Lehrstätte Bialik hin und sprach den "Wunsch aus, dass die Zusammenarbeit recht bald zu einem völligen Zusammenschluss der beiden Lehrhäuser führen möge. Für die Lehrstätte Bialik und die B.Z.V. sprach Dr. Hans Friedenthal. Die Not der Zeit dürfe nicht zu einer Flucht ins Private, der Drang zur Zerstreuung nicht zu einer Vernachlässigung der jüdischen Bildungsgüter führen. Konzentration der Kräfte sei notwendig, daher müsse die Zusammenarbeit der Lehrhäuser Vorbild und Anlass werden, alle Aufgaben, die der jüdischen Arbeit auch auf anderen Gebieten heute erwachsen, möglichst gemeinsam durchzuführen. Anschliessend sprach Dr. Robert W e 11 s c h als erster Redner der Donnerstag-Reihe über das Thema ,.Der Judenstaat und die Juden der Welt". Er ging von der Feststellung aus, dass die Judenfrage mehr und mehr in den Vordergrund des Weltinieresses gerückt, dass sie auch durch Gründung eines jüdischen Staates nicht lösbar und, dass der jetzt in Aussicht genommene Judenstaat nicht als Lösung der Judenfrage, sondern als Lösung der Palästinafrage gedacht sei. Der Judenstaat werde nach innen Nationalismus und Humanität zu vereinen, nach aussen in der Gemeinschaft der Völker nicht nur die Rechte der Juden zu wahren, sondern auch ihre Kultur zu erweisen haben. Das Verhältnis der Juden der Welt zu dem jüdischen Staat sei von vornherein dadurch gekennzeichnet, daes einmal nur ein kleiner Teil der Judenheit im Judenstaat werde wohnen können und zum anderen dieser Staat zu der arabischen Bevölkerung innerhalb wie ausserhalb seiner Grenzen in geregelte Beziehungen treten müsse. Daher werde dieser Staat auch ganz andere Aufgaben als der antike jüdische Staat haben, und zwar werden diese Aufgaben nicht so sehr auf religiösem als vielmehr auf sozialem Gebiet liegen. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen behandelte Weltsch die Geschichte der Judenetaatsidee und zeigte, wie die bei Herzl noch sehr abstrakten Vorstellungen sich mit der fortschreitenden Realisierung des Projektes auch ihrerseits gewandelt hätten. Weiter wies er .auf die Entstehung und den Unterschied der Begriffe „Nationalheim" und „Judenstaat" hin, erläuterte die Idee des binationalen Staates und kam schliesslich auf die durch den Peel-Bericht geschaffene Situation zu sprechen. Im Anschluss an die zionistische Gegnerschaft gegen die in diesem Plan vorgeschlagenen jüdischen Staat, die sich hauptsächlich gegen die zu geringe Grösse des geplanten Staates richtet, ging Weltsch auf die von nichtzionistischer Seite erhobenen Bedenken gegen einen Judenstaat ein; diese bestehen vor allem darin, dass durch die Gründung eines Judenstaates die Stellung der Juden in ihren jetzigen Wohnländern erschwert werden könnte. Weltsch hält diese Bedenken jedoch schon aus dem Grunde für unberechtigt, weil in der Staatstreue der Juden auch durch die Gründung eines Judenstaates selbstverständlich keinerlei Aenderung eintreten wird. Zum Abscbluss seines Vortrages stellte Weltsch drei Forderungen für den jüdischen Staat auf: er müsse einen neuen jüdischen Menschentyp schaffen, er müsse die jüdische Kultur wiederbeleben und er müsse in der Lage sein, Einwanderer aufzunehmen. Gü. Lo. 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