Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 43 (28.10.1937)
- Date
- 1937-10-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2277379-2277516-2277559--12329-2281929- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 2 C-V.-Zeitung Nr. 43 » 28. Oktober 1937, 'damit die Prognose, die Weizmann der Arbeit der Nichtzionisten innerhalb der Jewish Agency gestellt hatte, als er den Heissspornen unter seinen Freunden die Notwendigkeit der Einbeziehung der Nichtzionisten in die Agency klarmachen wollte: die unpolitischen Palästina-Freunde würden im entscheidenden Moment sich ebenso stark vor das Palästinawerk schützend stellen wie die anderen. Die zweite Erinnerung entstammt der Ägency-Tagung dieses Jahres in Zürich. — Entstehung und Answertarje der Bilanz. P'ivatsinnden und Leh-gänse. LUDWIG STEHST, Suchsach'/erständiger Berlin SW 61. Blücherstrasse 1. Telephon W 0009 Dort vertrat Warburg in historischer Stunde den Standpunkt der Neinsager zum Judenstaatsplan des Peelberichts unter den amerikanischen Non-Zionists. Die Bedeutung des Gegenstandes und der Beschlüsse zwang jeden zu einer politischen und zu einer menschlichen Entscheidimg. Nicht bei allen konnte man das Empfinden haben, dass sich diese beiden Komponenten deckten. Es war viel Taktik im Politischen und viel Scheu vor Verantwortung im Menschlichen anzutreffen, und beides mag aus derselben Charakterart herrühren. Was Warbürg sagte — wir meinen hier nicht seine Forderung au! gleichberechtigte Mitarbeit der Non-Zionists, für die er bei allen Menschen seiner Gruppe und auch bei sehr, vielen einsichtsvollen Zionisten Zustimmung fand und auch nicht seine grundsätzliche Forderung nach Verständigung mit den Arabern —, wurde selbst bei seinen Freunden nicht völlig einhellig beurteilt Aber man konnte ihm glauben, dass er, ahnend oder ahnungslos an der Schwelle seiner Tage, in seiner Rede seinen jüdischen Wesensinhalt zum Ausdruck brachte. Dass ihn im politischen Denken eine ganze Welt von den jüdischen Massen des Ostens trennte, eben diesen Menschen, denen er sich im Helfen und die sich ihm im Dank verbunden fühlten,' war nicht verwunderlich. Dass es für die Forderungen radikaler Judenstaatsparteiler kein Organ hatte, bedarf keiner Erklärung. Und dass der Teil der jüdischen Diaspora, der sich in Bewegung oder Ungewissheit über sein akutes Schicksal befindet, eine in wesentlichen Punkten von seiner Anschauung abweichende Auffassung hat und haben musste, war auch zu verstehen. Aber jenseits dieser Erwägungen war es Briefmarken ° frrifgLewIü SerSin W 35, Lüfzowstrasse 91 Ä. für den Beobachter eindrucksvoll, inmitten eines jüdischen Zwecken gewidmeten internationalen jüdischen Kongresses auf sich die Kraft und die Berechtigung des jüdischen Diasporagedankens in seiner ausgeprägten und dabei Palästina bejahenden Form wirken zu lassen. Gerade in dem, was Felix Warburg in Zürich sagte, kamen ebenso Inhalt und Sorge wie Kraft und Legitimität dieser jüdischen Anschauung zum Ausdruck, wie sie sich in einem Lande repräsentiert, in dem die Vorstellungen des 18. Jahrhunderts noch wirksam sind und das sich als Wiege der Menschenrechte empfindet. Man soll die Kraft einer Idee dort messen, wo sie ihren deutlichsten und vollständigsten Ausdruck in der Wirklichkeit gefunden hat. Felix M. Warburg, Spross einer alten grossbürgerlichen Hamburger Familie, war die Verkörperung dieses Diasporagedankens für die Welt, als er in Zürich sprach — und vielleicht um so stärker, weil er dort als Amerikaner und in englischer Sprache sprach. Was aber bei den Anhängern seines Gedankens Widerspruch weckte, war das Empfinden, dass Felix Warburg zu sehr die jüdische „Diaspora in Ruhe" und nicht genügend die jüdische „Diaspora in Bewegung" sprechen Hess. Es gibt keine Heilkunst ohne Kenntnis des kranken Körpers. Wer heute helfend im Judentum wirken will, muss es in allen seinen gestörten Funktionen und Krankheitserscheinungen berücksichtigen und darf die notwendige Ueberlegung nicht ausser acht lassen, dass es in keinem Körper garantiert immune Teile gibt. So mussten die Non-Zionists, die sich als Vertreter der „Diaspora in Bewegung" empfanden, erinnerungsschwer von gar nicht so lange zurückliegenden Erwägungen in ihren eigenen Kreisen, ihre Auffassung von der Geschichte als Entwicklungsvorgang, wenn man will, als Veränderungsvorgang, gegenüber einer Ansicht zum Ausdruck bringen, die in ihrem Ergebnis mehr' mit Beharrung und Unveränderlichkeit rechnet Kaum je und anderswo ist die Kraft der jüdischen Diaspora und ihre unersetzliche Wirklichkeit im jüdischen Leben einschliesslich des jüdischen Palästina, so sichtbar geworden wie in Zürich; aber nicht minder die Vorstellung von der Trauer um Felix ML Was*]rarg Die Nachricht vom Tode Felix M. Warburgs hat in der gesamten jüdischen Welt eine aufrichtige Trauer hervorgerufen. Er hat als Präsident der Federation of Jewisch Charities Vorbildliches geleistet. Als Präsident des zunächst zur Rettung der jüdischen Kriegsopfer Europas gegründeten Joint Distribution Committee liess er die Sozialarbeit der Juden Amerikas über den Ozean, vor allem nach Osteuropa, hinübergreifen. Die Aufgaben des Joint auf dem Gebiet der konstruktiven Fürsorge unter weitgehender Anwendung des Selbsthilfeprinzips wurden später immer mehr erweitert, so dass der Joint, dessen Ehrenpräsident Felix M. Warburg zuletzt war, heute das Rückgrat der jüdischen Sozialfürsorge, und der kooperativen Hilfe für die Juden in Ost- und Mitteleuropa geworden ist. Die grossen Organisationen in Amerika, England und Paris, in Rumänien und Polen, haben Trauerfeiern veranstaltet und Beileidstelegramme an das Joint Distribution Committee und an die Familie des Verewigten gerichtet Der Gouverneur des Staates New-York, Herbert H. Lehmann, hat eine iErklärung abgegeben, in der es heisst: „Tiefer als Worte es ausdrücken können, bin ich erschüttert und in Trauer versetzt durch den frühzeitigen Tod eines meiner teuersten Freunde. New-York hat einen seiner hervorragendsten Söhne verloren, die Welt einen bedeutenden und unersetzlichen Charakter." ~~ Der frühere Völkerbundsoberkommissar für Auswandererfürsorge, James G. Macdonald, hielt auf einer gemeinsamen Veranstaltung des Joint Distribution Committee und des christlich-amerikanischen Komitees für Flüchtlingsfürsorge eine Rede, in der er Felix M. Warburg als einen Weltstaatsmann feierte, der unermüdlich für internationale und interkonfessionelle Verständigung gekämpft habe. Paul Baerwald, Vorsitzender des Joint Distribution Committee. Dr. Cyrus Adler, Präsident des American Jewish Committee, die zionistische Frauenorganisation Hadaesa, der amerikanische Rabbinerverband und unzählige andere Organisationen veranstalteten Trauerkundgebungen. Die Gefühle der englischen Juden fanden ihren Aue druck in Beileidskundgebungen des Präsidenten des Board of Deputies, Neville Laski, des Präsidenten der Anglo-Jewish Association. Leonard Montefiore. des Präsidenten des Council for German Jewry, Viscount Samuel. Der europäische Direktor des Joint, Dr. Bernhard Kahn, der Direktor des Agro^Joint Dr. Joseph Rosen, der Vorsitzende des Rates des europäischen Joint - Werkes, Dr. David Schweitzer, die Weltexekutive des ORT und ebenso die Verbände der Jewish Agency schicksalsmässigen inneren Einheit der Diaspora und das Gefühl der Verpflichtung, das die „Diaspora in Bewegung" zwingt, der „Diaspora in Ruhe" ihre Erfahrungen zu vermitteln, um sie vor gleichen Erfahrungen zu bewahren. Am Vorabend grosser Entscheidungen für die nichtzionistisehe amerikanische Judenheit ist Felix Warburg ihr genommen worden. In solchen Zeiten ist fast ebenso wichtig wie der führende Mann, der die Richtung bestimmt, dass eine überparteiliche, unantastbare Persönlichkeit da ist, an der sieh in Anstand und Sachlichkeit die Meinungen scheiden können. Von der inneren Aufgeschlossenheit der amerikanischen Judenheit für die neuen jüdischen Fragestellungen hängt jetzt und für lange Zeit unendlich viel für das Schicksal der Juden ab, in Palästina und in der Diaspora. In die Gefühle der Trauer mischen sich der Wunsch und die Hoffnung, dass der amerikanischen Judenheit eine neue Gestalt erwachsen möge, die lauter und menschlich unbestritten wie Felix Warburg die Notwendigkeiten dieser Zeit und ihre Forderungen so zu verkörpern weiss und so zum Ausdruck zu bringen vermag, wie der grosse Tote seine Zeit und ihren Geist. und der Zionistischen Vereinigungen in der Welt gaben ihrer Trauer in Erklärungen an die Jüdische Telegraphen-Agentur Ausdruck. Gewaltig ist auch die Trauer in Palästina, dem Felix M. Warburg durch seine Stellung in der Agency und durch die ungeheuren Summen, die er dem Palästinawerk und besonders der Universität Jerusalem gestiftet hat, verbunden war. Auch bei den jüdischen Organisationen in Deutschland ist die Trauer um den grossen jüdischen Organisator allgemein. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland hat eine Kundgebung veröffentlicht in der es heisst: „Wir Juden in Deutschland erleiden den besonderen schweren Verlust. In Tagen unserer Not wussten wir, dass wir auf ihn rechnen durften, und er hat uns nie enttäuscht. Der Hilfsverein der Juden in Deutschland, dessen Präsident Max M. Warburg, der Bruder des Verstorbenen, ist, die Berliner Jüdische Gemeinde, der Preussieche Landesverband jüdischer Gemeinden, der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, die Zionistische Vereinigung für Deutschland, die deutsche Abteilung der Jewish Agency haben ebenso wie der Jüdische Centrai-Verein ihre Trauer in Kundgebungen zum Ausdruck gebracht Der Vorsitzende des Jüdischen Centrai- Vereins richtete an den Joint ein Telegramm, in dem es heisst: „Wir gedenken in Trauer des grossen konstruktiven Förderers jüdischer Hilfetätigkeit Felix Warburg, dessen Leistung den Juden m Deutschland unvergessen bleiben wird." Die Trauerfeier, die am 22. Oktober in dem riesigen Tempel Emanu-El in New York stattfand, war von 2600 Menschen besucht und bot mit ihrer Teilnehmerzahl ein Bild all der Menschengruppen, der amerikanischen, der west- und osteuropäischen, die um Felix M. Warburg trauern. Die markantesten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, an ihrer Spitze Gouverneur Herbert H. Lehmann, ferner der frühere Gouverneur AI Smith, John D. Rockefeiler und viele andere wohnten der Trauerfeier bei. Die Beisetzung im Erbbegräbnis der Familie Schiff fand im engsten Familien- und Freundeskreise statt. Zulassung im jüdischen Pressewesen. Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda gibt bekannt, dass auf Grund der zahlreichen Anmeldungen zur Zulassung als Redakteur bzw. Mitarbeiter im jüdischen Pressewesen die Bearbeitung der eingereichten Anträge noch einige Zeit erfordert und daher Ausweise bzw. Bescheinigungen erst zum 1. Januar 1938 ausgestellt werden können. Bis zu diesem Termin dürfen alle Antragsteller' auch ohne besonderen Zulassungsbescheid in der jüdischen Presse tätig sein. ZahlenzurKriminalität Wir haben schon verschiedentlich über die Ergebnisse der Kriminalstatistik berichtet, in der seit dem Jahre 1936 die Glaubensjuden getrennt geführt werden. Hierzu verweisen wir auf C.-V.-Zeitung Nr. 22 vom 3. Juni 1937 und Nr. 9 vom 4. März 1937, in denen jeweils Vierteljahresziffern mitgeteilt worden waren.. Aus den nunmehr für das ganze Jahr 1936 vorliegenden Ziffern ergibt sich, dass von insgesamt 385 400 Verurteilten 4104 Glaubensjuden waren. Von 100 Verurteilten waren 1936 also etwa 1,06 Prozent Juden. Den Anteil derstrafmündigen Glaubensjuden an der entsprechenden Gesamtbevölkerung kann man dagegen auf etwa 0,6 Prozent schätzen, so dass der Anteil der Verurteilten etwas darüber liegt. Die rassische Zugehörigkeit der Verurteilten ist bisher von der Kriminalstatistik noch nicht erfasst worden. In der Statistik werden zwei grosse Gruppen von , Verurteilungen unterschieden, und zwar einmal Verbrechen und Vergehen gegen das Strafgesetzbuch und zweitens gegen andere Reicbsgesetze. Der Anteil der Glaubensjuden bei der letzteren Rubrik betrug 2348 (oder'2,42 Prozent), während Zahl und Anteil der Glaubensjuden bei den Vergehen gegen das Strafgesetzbuch mit 1756 (oder 0,61 Prozent) erheblich geringer war, und etwa ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entspricht. Von den 2348 gegen andere Reichsgesetze verurteilten Glaubensjuden entfielen allein 862 (von insgesamt 10 689) auf Vergehen gegen Passvorschriften (also etwas weniger als ein Fünftel aller bestraften Glaubensjuden), 262 gegen das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre (von insgesamt 358 Verurteilten), von denen 127 bereits vorbestraft waren und je 116 gegen die Gewerbeordnung von insgesamt 6644 und gegen das Gesetz über die Devisenbewirtschaftung (von insgesamt 1609). Von den wegen Vergehen gegen das Strafgesetzbuch verurteilten Glaubensjuden haben sich allein 411 (insgesamt 28 742) fahrlässige Körperverletzung (also etwa ein Zehntel aller verurteilten Glaubensjuden) zu schulden kommen lassen, während u. a. weiter 322 (von insgesamt 33131) wegen Betrugs, 210 (von insgesamt 22 201) wegen Beleidigung, 130 (von insgesamt 957 725) wegen einfachem Diebstahl und 113 (von insgesamt 20 323) wegen Sittlichkeitsvergehen verurteilt wurden. Zu der feierlichen Verleihung des juristischen Ehrendoktors an den Duke of Kent durch' Lord Cecil war auch Professor Dr. David Baumgardt, früher Professor an der Universität Berlin, als Visiting-Professor der Universität Birmingham geladen. fße tlk&to8mt&dm! Senden Sie mir bis auf Widerruf die C-V,-Zeitung 66 Pf. für November, Dezember und eine einmalige postalische Verspätungsgebuhr von 20 Pf. zahle ich bei Vorlage der Postquittungan .den Briefträger. Name:........................................................................ Ort:.............................................................................. Strasse:................................................................. Ausschneiden und mit 3 Pfg. frankiert {oder auch unfrankiert) senden an: C. - V. - Zeitung, Vertrieb, Berlin W 15, Emser Strasse 42. Telef. 92 81 4L Geschäftliches (Ausser Verantwortung der Redaktion) Aus Anlass des 75jährigen Bestehens der Landeshuter Leinen- und Gebildweberei F. V. Grünfeld, Berlin, Leipziger Strasse 20—22 und Kurfürstendamm 227, enthält die heutige Nummer unserer Zeitung eine Jubiläums- Beilage. Chefredakteur Dr. Alfred Hirschberg, stellvertretender Chefredakteur: Dr. Margarete Edelh e i m. Verantwortlich für den Sport: Dr. Ernst G. Löwenthal; verantwortlich für die Aufnahm* von Bildern: Dr. Margarete Edel he im; sämtlich in Berlin Für Rücksendung unverlangter Einsendungen ist Freiumschlag beizufügen. Leiter der Anzeigen-Abteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Friedrich Nathan. Berlin. DA III Vj. 37179. PL 5. Verlag: Jüdischer Central-Verein e V. Berlin W 15, Emser Str. 42. Druck der Buch- und ^Tiefdruck Gesellschaft mbH. Berlin SW 19. »DER GEDECKTE TISCH« <S><mlez£clia,iL im I. <StacL ab L J\lave,m,le,x, Unsere Spezial-Abteilungen für Tisch-, Haus- und Bettwäsche bieten für Neuanschaffungen undErgänzungen Ihrer Ausstattung stets vorteilhafte Angebote