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Central-Verein-Zeitung · 1937-10-28 · 43 (28.10.1937) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
43 (28.10.1937)
Date
1937-10-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XVI. Jahrgang / Nr. 43 Berlin, 28. Oktober 1937 Preis 2 0 Pfennig ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftleitang, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung): Berlin W 15, Emser Strasse 42. Fernsprecher: 928141—43. Telegrammadresse: Centralglauben, Berlin. Postscheckkonto: Berlin C.-V.-Zeitung erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag:. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durch den rostboten erhebt. Bezugspreis vierteljährlich 81 Rpf. (einschl. 22,74 Rpf. Postaeitnngseebühr) zuzügl. 18 Rpf. Bestellgeld. Für Ausland vierteljährlich 2,30 RM (umgerechnet in die Landeswährung) einschl. Zustellgebühren, kinzeinummer 10 Rpf. (Ausland 20 Rpf.). Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigengebühren: Preisliste 5 gültig. Die lSgespaltene mm-Zeiie; -*J kpt., für Stellengesuche 10 Rpf;. für Familienanzeigen 16 Rpf.. weitere ermässiate Grundpreise s. Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluss: Dienstag. Platzu. Datenvorschriften ohne Verbmcl'ictmeu. üitwaiidentiig^fee^eliräiilciiiig für Palästina befürchtet Die Mandatsbehörden haben sich trotz ihrer Bemühung, alles zu vermeiden, was Viie Entschlüsse der neuen Palästina-Kommission präjudizieren könnte, zu einer sehr einschneidenden Massnahme entschlossen. Die „Palestine Gazette" veröffentlichte eine Verordnung, die den High Commissioner bevollmächtigt, die jeweilige Höchstzahl der zur Einwanderung und zum Aufenthalt zugelassenen Ausländer für jeden Zeitraum festzusetzen. Er erhält ferner das Recht, die Höchstzahl für jede Einwanderungskategorie zu bestimmen und den Prozentsatz der Juden an der Gesamtheit der Einwanderer und jeder Kategorie festzusetzen. Es verlautet, dass diese Verordnung, die sachlich nach einer Erklärung des stellvertretenden. Leiters der Polizei in Jerusalem mit der im letzten Jahr gehandhabten Praxis übereinstimmt, bereits am 4. November" in Kraft treten soll. Bemerkenswert ist, dass die Verordnung den Vorschlägen .der Peel-Kommission über die Festsetzung »einer politischen Höchstgrenze für die Einwanderung genau entspricht. In jüdischen Kreisen hat die Veröffentlichung des Entwurfs Bestürzung hervorgerufen, weil man in ihm eine Konzession an die Araber sieht. Die. scharfen Bestimmungen, die in dem Verordnungsentwurf gegen die illegale Einwanderung vorgesehen« sind, werden als bezeichnbnd für ihren Geist angesehen. Die jüdische Presse nimmt äusserst scharf gegen den Verordnungsentwurf Stellung. „Haarez" nennt ihn einen Hohn auf das Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes, das das Mandat festgelegt hat. „Palestine Post" bemerkt, dass die Verordnung alle die erschüttere, die geglaubt hätten, das Mandat werde in Geltung bleiben, bis es durch ein anderes, gerechtes Regime abgelöst werde. Die Jewish Agency for Palestine beabsichtigt, ein Protestmemorandum gegen die neue Verordnung einzureichen. üiffl eteia Mufti Das Schicksal des Grossmufti hat im Laufe der Woche vielfach zu Rätselraten Anlass gegeben. Die französischen Behörden in Syrien zögerten zunächst, eine Entscheidung zu treffen. Der Oberkommissar Graf de Martel wandte sich nach Paris, um zu erfahren, ob dem Mufti das Aufenthaltsrecht in Syrien gewährt werden sollte. Dem „Petit Journal" zufolge hat diese Angelegenheit diplomatische Verhandlungen zwischen der englischen und französischen Regierung im Gefolge gehabt. Bevor die Entscheidung fiel, hiess es zeitweilig, der Mufti werde sich nach Rom begeben. Diese Nachricht wurde dementiert, ebenso hat der Mufti ein Asyl in Paris, das ihm die In dieser Nummer finden unsere Leser u. a. Die Aufsätze: Ernst Feder: Die Habima in Paris — Was geht in Amerika vor? — Hugo Lachmanski: Komödie der Irrungen — Esriei Hildesheimer und Dr. Herzfeld: Esra Münk — Fritz Bamberger: Der Verleger Salmann Schocken Die Beilagen: Wirtschaft der Woche — Palästina-Umj schau — Die Judische Gemeinde — Sportblarr — Apprendam brasileiro französische Regierung angeboten haben soll, abgelehnt. Gleichzeitig hat England die irakische Regierung ersucht, dem Mufti die Erlaubnis zum Aufenthalt im Irak zu verweigern, wenn er um sie nachsuchen sollte. Schliesslich kam es zur Entscheidung: Frankreich gestattete dem Mufti wahlweise den Aufenthalt in Syrien oder dem Libanon mit der Massgabe, dass er sich nicht in der leicht erregbaren Stadt Damaskus aufhalten dürfe. Daraufhin hat sich der Mufti nach der Hauptstadt des Libanon, Beirut, begeben. Dort befindet er sich unter strenger Bewachung, die ihm den Verkehr mit der Aussenwelt fast unmöglich macht. Veröffentlichungen' über den Mufti sind der Presse verboten.worden. Er lebt im Hause des Präsidenten des Obersten Moslemitischen Rates der libanesischen Republik, Dr. Samech Fakhoury, und steht mit verschiedenen arabischen Führern in enger Verbindung. „Time s" glauben, dass das aufgelöste Oberste Arabische Komitee in Beirut - wieder herg^tellt und seine Tätigkeit gemeinsam mit den syrischen Nationalisten fortsetzen werde. Für England und nicht weniger für Frankreich würde durch eine solche Entwicklung freilich ein neuer, besorgniserregender Gefahrenpunkt geschaffen werden. ParlameMtsdefeatteii Das englische Unterhaus hat sich bereits in der Eröffnungssitzung seiner neuen Session mit den palästinensischen Vorgängen beschäftigt und damit zu erkennen gegeben, welche Bedeutung den Sorgen um Palästina im British Empire heute zukommt. Kolonienminister O r m s b y Gore gab eine Reihe von Erklärungen ab, die die Lage in Palästina selbst und die Absichten der Regierung behandeln. Er befasste sieh dabei mit den Anfragen, die aus dem Hause an die Regierung gelangt waren, und es kam zu einer Aussprache, an der sich eine grössere Zahl von Abgeordneten beteiligte. Aus den Mitteilungen des Kolonienministers ergab sich, dass die britische Regierung an ihren Reformpiänen für Palästina grundsätzlich festhält, wobei die Einzelheiten des Verfahrens noch offen bleiben. Die Regierung, so führte Ormsby-Gore aus, sei der Auffassung, dass sie nach den Resolutionen des. Völkerbundes freie Hand habe, um Untersuchungen in Angriff zu nehmen, die zur Ausarbeitung eines Plans für die Teilung Palästinas im Sinne des Peel-Berichts erforderlich sind. Es werde eine neue Körperschaft eingesetzt werden, die an Hand, von Feststellungen im Lande detaillierte Vorschläge zu unterbreiten habe, zu denen alsdann die Völkerbundsinstanzen Stellung zu nehmen hätten. Das Wiederaufleben des Terrors habe zu einem energischen Eingreifen der Behörden geführt, und er, der Minister, sei sicher, dass das Unterhaus die scharfen Massnahmen zur Niederschlagung des Terrorismus, zum Schutze des Lebens britischer Beamter und zur Wiederherstellung der wirksamen Autorität der britischen Zivil Verwaltung billigen werde. Auf die Zwischenfrase eines Abgeordneten, ob die Vorschläge der neuen Palästina - Kommission einer gemeinsamen Kommission beider Häuser des Parlaments vorgelegt werden würde, gab Ormsby- Gore keine endgültige Antwort. Im übrigen werde die Entsendung der Kommission erst in Frage kommen, sobald die ordentliche Herrschaft des Gesetzes in Palästina wiederhergestellt sei. Vorher würden über Ernennungen von Persönlichkeiten zu Mitgliedern der Kommission keine Erwägungen angestellt werden. An die Einzelheiten des Teilungsplanes, wie der Peel-Bericht ihn vorgeschlagen habe, sei die Regierung nicht gebunden. Auf eine Frage, ob der Minister von der schädlichen Wirkung der Tätigkeit des Grossmufti überzeugt sei, antwortete Ormsby-Gore mit Ja. Die Verkündung des Kriegsrechts in Palästina, wie sie in der Palestina (Def ence) Ordre in Council vorgesehen sei, werde nicht vorgenommen werden. Die Regierung sei auch nach Ansicht der Militärbehörden auf Grund ihrer eigenen Vollmachten durchaus in der Lage, die Situation zu beherrschen. Zivilverwaltung und Militär arbeiteten bei der Unterdrückung von Mord, Brandstiftung und Gewalttat einmütig zusammen. Es seien auch Schritte unternommen worden, um die innere Verwaltung Palästinas, insbesondere den Beamtenstab für das Rechtswesen und die Ansiedlung zu verstärken. An die Stelle des bisherigen Generälinspektors der Polizei, Roy G, S p e c e r, der mit dem Jahresende ausscheidet, werde der bisherige Polizeiinspektor von Nigeria, Saunders, treten. Ausserdem werde Sir Charles T e g a r t, der früher der indischen Polizei zur Seite gestanden habe, naeh Palästina kommen, um die Mandatsregierung in Angelegenheit der Polizeiorganisation zu beraten. Die Gelder der Wakf-Kommission würden von einem dreigliedrigen Kollegium verwaltet, das die Mittel des Fonds wohltätigen und Erziehungszwecken zuführe. Wie die JTA von gut unterrichteter Seite erfährt, ist die britische Regierung nicht in dem gleichen Masse von einer ruhigen Fortentwicklung der Ereignisse in Palästina überzeugt, wie dies nach den Mitteilungen des Kolonienministers im Parlament erscheinen könnte. Die RegieiiwiniiiiinniiiiiiiMiiiiiiMiniiniiMiiiiiiiiiniiniiiiiiiiiniiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiMiiiiiMiii Dr. Eva Reichmann-Jungmann nimmt im Auftrage der C-V.-Zeitung an der Palästina-Reise teil, die der Berliner Judische Kulturbund und die Berliner Zionistische Vereinigung zurzeit veranstalten. Wir beginnen mit der Veröffentlichung ihrer Reiseberichte in der Palästina-Umschau dieser Ausgabe ini!iniii)i;:iini!!iiiiiniii!ui!iii]i:i!inniiiiniiiniiii!ii!i!H!!iiiiiniiiniiiiiiii:K!iiiiiiiniH!H!ii;is rungskreisesind aber entschlossen, keine Schritte zu unternehmen, bevor nicht Ruhe und Ordnung im Lande wiederhergestellt sind. Offenbar ist man also in London auch heute noch nicht der Ansicht, dass die neue Terrorwelle abgeklungen und die Gewähr für eine gedeihliche und geregelte Entwicklung in Palästina gegeben sei K. J. R. * Der Präsident der Jewish Agency und der zionistischen Organisation, Dr. Chaim Weizmann, hat in einer Botschaftan die vierzehnte Jahreskonferenz des jüdischen Nationalfonds für Grossbritannien und Irland auf die wichtigen Entscheidungen, vor denen die zionistische Bewegung steht; und vor allem auf die Bedeutung des jüdischen Bodenbesitzes hingewiesen. Professor Selig Brodetzky ging in einer Rede vor dem Kongress davon aus, dass politische Erfolge in den nächsten Monaten von den Fortschritten der praktischen Arbeit in Palästina abhängig seien. Er hoffe immer noch, dass die Teilung sich vermeiden lasse; vielleicht würden die Araber einsehen, dass eine Verhütung der Teilung Palästinas ihrem Interesse am besten entspreche. Sie sollten sich mit den Juden zur Arbeit am Aufbau Palästinas verbinden, um dem Land seine historische Grösse .wiederzugeben, Ein Mumm' mmd §®im Ge&iG&mh&f Am 20. Oktober starb Felis M. Warburg in New-York im 'Alter von noch nicht gams 67 Jahren. A. H. Der Tod von Felix M. Warburg reisst in die von Jahr zu Jahr kürzere Reihe jüdischer Persönlichkeiten, die über den Kreis ihrer Gruppe oder die Grenzen ihres Landes hinaus von allgemeiner jüdischer Bedeutung sind, eine schmerzliche Lücke. Von grossen Aufgaben ist er hinweggegangen, um deren Lösung. er sich Jahrzehnte seines Lebens hindurch bemüht hat, denen er seine Kraft und sein Herz gab. Sein Tod löst zugleich verstärkt Gedanken an die Sorgen aus, die heute das Judentum in allen Teilen der Welt, besonders auchdie jüdischen Kreise Nordamerikas, erfüllen. Es sind nicht nur die materiellen Fragen, zu deren Beantwortung das von Felix Warburg geschaffene Joint Distribution Committee seit über zwanzig Jahren unermüdlich das Seine tut und zweifelsohne auch in Zukunft im Sinne seines Schöpfers und Präsidenten mit unveränderter Intensität tun wird. Felix Warburg war nicht nur ein Philanthrop im umfassenden und modernen Sinne, er war auch der repräsentative jüdische Politiker seiner Gruppe und seines Landes, Führer der Non-Zionists in der Jewish Agency und der erste Präsident des Administrative Committee der Agency. An zwei aufschlussreiche Ereignisse in der Geschichte der Agency sei heute erinnert, weil sie , den Charakter des Mannes deuilich machen, und vielleicht ist diese Erinnerung mehr als nur Material zur Würdigung des Mannes; vielleicht dient sie dazu, die tiefen Meinungsverschiedenheiten, die gerade jetzt wieder im amerikanischen Judentum zwischen Zionisten und nichtzionistischen Palästina - Anhängern bestehen, zu mildern und zur Verständigung zu führen. In der jüngsten Geschichte Palästinas gab es nämlich einen Augenblick, in dem, auch durch einen englischen Kommissionsbericht, das sogenannte Passfieid-Weissbuch, die Arbeit von Jahrzehnten zerstört zu werden schien. Damals erklärte Weizmann als Protestakt seinen Rücktritt vom Amt des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency. Warburg bekundete seine Solidarität mit dem von Weizmann vertretenen Standpunkt gleichfalls durch seinen Rücktritt innerhalb der Jewish Agency. Er bestätigte

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