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Central-Verein-Zeitung · 1937-10-21 · 42 (21.10.1937) · page 17

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
42 (21.10.1937)
Date
1937-10-21
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Seife 16 C.-V.-Zeitung Nr. 42» 21. Oktober 1937 Ein neues Bankgesetz Von unserem Dr. E. R — z- Palästina-Berichterstatter Jerusalem. 12. Okiober. Wir hatten in Nr. 23 der C.-V.-Zeitung vom 10. Juni die Grundpfeiler des palästinensischen Bankengerüste? aufgezeigt und dabei auch auf die Mängel des Systems oder besser auf die Systemiosigkeit und ihre Gefahren hingewiesen. Rascher als von vielen erwartet, ist nun Anfang Oktober eine gesetzliche Neuregelung in Kraft getreten (..Palestine Gazette" vom 7. Oktober 1937), die durchgreifende Massnahmen zur Stärkung und Gesundung des Bank- und Bankiergewerbes bringt. Das Entscheidende ist. dass die neue „Ordinance" nicht etwa nur künftige Neugründungen betrifft, sondern vielmehr auch die bestehenden Banken und Bankgeschäfte, von denen etwa zwei Drittel erst in den drei bis vier Haussejahren, die der Abessinienkrise im Herbst 1935 vorangingen, gegründet worden sind.- Eine grosse Zahrdieser Banken ist mit einer nur sehr geringen Kapitalkraft ausgestattet. ein Faktum, das in Krisenzeiten bedenklichste Folgen zeitigen, kann, zumal das Kreditvolumen teilweise aufs stärkste angespannt ist. MeM&kmerdem über das Ausbleiben der C.-V-Zeitung, Umleitewünsche sind stets dem zuständigen Postamt (Zeilungsstelle) zu unterbreiten. Die Bezugsgebühren sind an den Briefträger zu zahlen. Diese Eigenkapitalbasis wird nun erheblich verbreitert: alle bestehenden Banken müssen in zwei Etappen ihr Eigenkapital auf eine beträchtliche Höhe bringen, wenn sie das Recht behalten wollen.-als ..Banken" unter dieser Finnenbezeichnung arbeiten zu wollen und das einer Bank vorbehaltene Recht auf Auszahlung von Guthaben gegen Schecks zu behalten wünschen. Dieses allein den Banken vorbehaltene Recht der Ausgabe von Scheckheften an Kunden nimmt in der englischen Konzeption des Bankgewerbes einen breiten Raum ein, während er in der kontinentalen Begriffsabgrenzung dieses Wirtschaftszweiges nur eine verhältnismässig untergeordnete Rolle spielt. Die Gesellschaften, die als Banken bzw. Bankiers künftig in Palästina arbeiten wollen, müssen ein eingetragenes und gezeichnetes Mindestkapital von 50 000 L. P. nachweisen, von denen mindestens 25 000 L. P. eingezahlt sein müssen. Das entspricht bei einer Kaufkraftparität von 20 :1 von Mark zu Pfund also einem Mindestkapital von 1 Million RM, von der mindestens eine halbe Million RM eingezahlt sein müssen. Um den vielen palästinensischen Banken, die weit unter diesen Kapitalgrenzen liegeD. den Üebergang zu erleichtern, ist bestimmt, dass die jetzt bestehenden Institute, deren Kapitalziffern unter den obigen Grenzen liegen, innerhalb der kommenden neun Monate ihr gezeichnetes Kapital zunächst auf 20 000 L. P. erhöhen müssen, von denen nachgewiesenermaßen die Hälfte effektiv eingezahlt sein muss. Nach zu ihrer Zeit das Recht ihres Glaubens zur Seite gehabt, und der Sultan Saladin — denn dieser war es in seiner politischen Weisheit — wusste sehr wohl warum er sich des jüdischen Heros versicherte. Und statt bis zum heutigen Tage darüber zu klagen, dass der Prophet Mohammed sich des heiligen Tempelbezirks annahm, sollten die Juden frohlocken, wie lebendig und frachtbar sich ihre Tradition erwies. Yvie sich in diesem Lande alles von Hand zu Hand die Erinnerungen reicht, wie es fortzeugt und sich zum Mythos verdichtet, ohne an ihm zu sterben wie Hellas oder Aegypten! — Die Menschen sind mit ihrem Boden ineinander verschmolzen; sie wurden geboren, waren Bauern, Nomaden und überlieferten ihren Kindern ihre bescheidenen Künste und ihre Vorstellungen von Himmel und Erde. Wir, die genauen Europäer, meinen, alles müsse einmal angefangen haben: denn dahinter verschwimmt es für unser Auge, und die Schichten der Ahnen werden dichter und dichter, dass man sie nicht mehr voneinander k§nnt. Das ist die Tradition, eine soziale Kette von Wiederholungen, der man vertraut, weil sie von unserer Art ist, eine redliche und beruhigende Gemeinschaft. Aber wenn eine Tradition zum Hieratischen versteinert, kann man sie nicht mehr auflockern und ans Lebendige heranschieben. Dann wird sie zu einer Perücke, und die Museumsreife beginnt. So ist es um die Klagemauer bestellt! Denn Tradition ist eine empfindliche Freundschaft, und wer — um sich zu bestätigen! — Traditionen besitzen will, ohne sie zu erwerben, kann eine herbe Enttäuschung daran erleben! In Palästina haben sich die Traditionen jung und lebendig erhalten, und das Historische umfasst einen weiteren Zeitraum als in Europa. Dort löste sich Erinnerung vom Boden, und die Tiefen rieh tu ng von Kultur zum Kultischen wurde durch hundert fremde Einflüsse verschüttet und abgebogen. Hier aber spielen ein paar Geschlechterfolgen mehr nur eine geringe Rolle, und alles bleibt gegenwärtig in seiner dichten Verpflechtung. Weiterhin rückt weiteren 15 Monaten, also bis zum Herbst 1939, müssen sie das Minimaikapital von 50 000 L. P. bzw. 25 000 L. P. erreicht haben. Es kann kaum zweifelhaft sein, dass die notwendigen Kapitalerhöhungen selbst in zwei Etappen nur von einem Teil der kleineren Banken, die betroffen sind, durchgesetzt werden kann. Was soll mit den Kleinbanken geschehen, die dazu nicht imstande sind? Diese Frage ist nicht nur vom persönlichen Standpunkt der Betroffenen aus wichtig, sondern auch von dem der palästinensischen Wirtschaft, denn diese Kleinbanken haben eine wichtige Kreditfunktion an Handwerk und Mittelstand ausgeübt bzw. sie üben sie noch aus, die von den grösseren Banken nicht ohne weiteres übernommen werden kann. Auch nach der gesetzlichen Neuregelung dürfen diese kleineren Institute ihre bankgeschäftlichen Transaktionen in Zukunft fortführen, sie müssen aber sowohl auf den Firmenzusatz ..Bank" (oder ein ähnliches Wort) verzichten und dürfen in Zukunft keine Scheckbücher mehr an die Kunden ausgeben, d. h. also, sie dürfen Einlägen nur gegen Quittung an ihren Kassen auszahlen. Die Existenz der kleineren Banken als Kreditgeber und auch grundsätzlich als Depositenannahmestellen wird durch das neue Gesetz nicht berührt, wenn auch mangels der nötigen Kapitalbasis ihre Tätigkeit ausserhalb des in der Zukunft stärker beaufsichtigten Bankgewerbes gesteilt ist, dessen Kunden in bezug auf Sicherheit und Liquidität ihrer Einlagen durch ein besonderes Regierungsaufsichisamt weitgehend geschützt sind. Bankgeschäftliche Transaktionen in kontinental-europäischem Sinne: also Annahme von Geldanlagen gegen Verzinsung, Errichtung von Kontokorrent-Konten, Annahme fester Gelder auf der einen Seite und auf der anderen die Gewährung von kurz- und mittelfristigen Krediten, Durchführung von Effektengeschäften an palästinensischen oder fremden Börsen usw. können in Palästina also auch nach Inkrafttreten des neuen Bankgesetzes ohne besondere Genehmigung und ohne Mindestkapital durchgeführt werden, wenn auf die Bezeichnung ..Bank"' und auf die Scheckausgabe verzichtet wird. Dadurch scheint die tatsächliche Wirkung der neuen Gesetzgebung in praxi abgemildert, wenn auch nicht verkannt werden darf, dass gerade im Depositengeschäft die privilegierte ..Bank" das Feld erobern und beherrschen wird und in Verbindung mit ihrer eigenen höheren Kapitalkraft das Kreditgeschäft alimählich immer mehr an sich ziehen dürfte. Von weiteren neuen Bestimmungen, die in Kürze in Kraft treten, ist hervorzuheben, dass ab Januar 1938 jede Bank eine Jahresgebühr von 100 L.P. an das palästinensische Finanzministerium zu bezahlen hat, eine beachtliche Summe, die bei kleineren Bankgeschäften und ihrem begrenzteren Geschäfts- und verdienstrahmen eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung der Frage spielen wird, ob es für sie zweckmässiger ist, ihre Geschäftstätigkeit im Rahmen des neuen Bankgesetzes oder aber als Geld- und Kreditinstitut ausserhalb dieses Rahmens unter den oben bezeichneten Einschränkungen zu führen. Die Gebühr wird zweifellos die gewünschte Tendenz zur Verschmelzung kapitalschwacher Institute in gewissem Grade beschleunigen. An der bisherigen Bestimmung, dass Neugründungen von Banken einer vorherigen Regierungsgenehmigung bedürfen, ist nichts geändert worden, ebenso" nicht an der ausgedehnten Bankenaufsicht, die vor etwa VA Jahren eingeführt worden war und sich als sehr nützlich erwiesen hat. Ihre Wirksamkeit ist durch die Erdie Ahnenreihe näher und näher zusammen, das Einmalige löst sich in der Zeitentiefe, eines wird dem anderen gleich, lässt sich mit ihm tauschen, und unser sondernder Blick vergeistet zu einer Vorstellung. So wird der Mythos, eine gesteigerte und überhöhte Tradition. Wir können seinen winzigen Schichten nur beikommen, wenn wir sie als Integrale oder Tradition begreifen. Palästina hat alles zu bieten, was sich die Menschen je und je für Himmelsbrücken und Berechtigungen erlaubten, und alle Religionen haben daran gebaut. Von Abraham über die Propheten bis zu Christus haben die Weisen gegen einen selbstherrlichen Mythos gewettert, der sich seine eigenen Gesetze schafft, und haben es nicht verhindern können, dass sie selbst immer wieder zum Mittelpunkt neuer Mythen wurden. Ich kann es mir schon vorstellen, dass man an seinen eigenen Mythos glaubt, und er sollte einem wie auf den Leib zugeschnitten passen. Denn er ist raumgebunden, und es haftet an ihm unverkennbar ein Rest einmaligen Erlebnisses, weil er der Extrakt eines hochgesteigerten Ich-Gefühls ist. Ebendarum aber ist seine Anerkennung auch bedingt durch die lebendige Wirksamkeit seiner Bekenner, er ist historisch und stirbt mit seiner historischen Sendung. Müsste man sich nicht darüber verwundern, dass die Geschichten der Heiligen Schrift so lange der Zeit standgehalten haben? Denn der hohe Olympos ist inzwischen längst zu einer offenkundigen Antiquität geworden, und mit den Sagen um den Berg Sinai steht es im Grunde ebenso, dass sie Fleisch vom jüdischen Fleische sind und daher dem Mythos angehören. Aber die Muslims konnten das Grab des Mose ruhig nach Palästina versetzen, sie konnten den Platz des Salomonischen Tempels einnehmen, ohne dass sie damit die seelische Fruchtbarkeit, dieses Landes und die Fortdauer jüdischer Schöpfung berührten. Denn das Raumgebundene mag in seiner Ausdeutung schwanken, aber dh wandernden Zeiten, die Mose in ihrer Siebenzahl mit dem ethischen Gesetze erfüllte, sind für uns richtung eines ständigen Bankenbeirates erweitert worden, der vom High Commissioner bereits ernannt worden ist und dem gewisse Vollmachten übertragen sind, die dem von der Regierung erstrebten Ziele der Gesundung und Bereinigung des Bankgewerbes dienen sollen. — Die Wirtschaftsgesetzgebung Palästinas ist um ein sehr wichtiges Kapitel bereichert worden, das Bankengesetz wn'rd die ökonomische Widerstandskraft des Landes in Zeiten kritischer Zuspitzungen stärken. Die Bankeinlagen Von unserem ^-Palästina- Berichterstatter Tel-Aviv, im Oktober. Zum erstenmal nach einer langen Zeit des nahezu ununterbrochenen Aufstiegs zeigte die Summe der palästinensischen Bankeinlagen im Juli einen leichten Rückgang. Sie verminderten sich gegenüber dem Vormonat von 17,35 auf 16.90 Mill. "LP. Mit den früheren Ziffern sind weder die Juninoch die Julizahlen ohne weiteres vergleichbar, da das statistische Amt_ der Regierung einige offenbar recht grosse Institute, die mehr den Charakter von Finanzierungsgesellschaften als von Banken tragen, aus der Statistik ausgemerzt hat. Nun ist der Juli stets eine Zeit grösserer Abhebungen. Aber in den vorangegangenen Jahren wurde diese Saisonerscheinung mehr als restlos aufgewogen durch den anhaltenden Kapitalimport und die Bildung neuen Kapitals. In diesem Jahre aber hat zwar die Kapitaleinfuhr bisher schon 41/2—5 Millionen LP netto betragen — aber immerhin war sie geringer als vordeTn, und auch die Ansammlung von Spargeldern dürfte bei der gegenwärtigen Wirtschaftslage gesunken sein. Auf der anderen Seite wirkte sich eine der saisonmässigen Abhebungstendenzen diesmal besonders stark aus. Zunächst wurden dieses Mal so viel Europareisen vorgenommen wie vielleicht noch nie zuvor. Nicht nur der-Zionistenkongress lockte Tausende von Beteiligten und unbeteiligten nach Europa, sondern auch sonst gönnten sich dieses Jahr viele, die im Vorjahr wegen der Unruhen auf die vielleicht schon seit Jahren fällige Erholung und Ausspannung verzichtet hatten, einmal Ferien. Uebrigens hatten auch die inländischen Erholungsstätten — so die Vororte von Jerusalem, der Kar Hakarmel bei Haifa, der Har Knaan bei Safed und die Strandhotels von Tel- Aviv eine gute Saison; auch Inlandsreisen aber werden ja nicht nur aus den Einnahmen des laufenden Monats, sondern aus den bei der Bank liegenden Reserven oder Ersparnissen bestritten. Aber nicht nur zur Erholung, sondern auch zu reinen Konsumzwecken dürften Abhebungen erfolgt sein; gewisse Kreise, deren Einnahmen unter der allgemeinen Lage gelitten haben, mussten auf ihre Reserven — ßoweit vorhanden — zurückgreifen. Immerhin können diese Posten allein den Rückgang nicht erklären. Auch die sogenannte „Kapitalauswranderung" nicht. Es ist allerdings richtig, dass einzelne Familien, die sich hier nicht einordnen konnten, das Land verlassen und ihr Vermögen mitgenommen haben. Auch einige der hier ansässigen Kapitalisten haben geglaubt, bei Anlage ihres Kapitals auf bessere „Risikoverteilung" achten zu sollen, zum Schaden des Landes und zu ihrem eigenen Schaden; denn sie haben, oft auf Anraten landesunkundiger Makler oder Bankiers, gerade kurz vor der grossen New-Yorker Baisse erhebliche Summen in amerikanischen Wertpapieren angelegt. Die Lektüre des Tel-Aviver Kurszettels, ewig und unbedingt und höher als das Bewusstsein schicksalhafter Natur. Nenne es, wie du magst! Dies aber ist kein Mythos, der längst mit anderen Mythen entschlafen wäre, — ohne jenes unnennbar Eigentliche! Das erlebst du in Jerusalem: die lebendigste Tradition, den dichtesten Mythos und den fernsten Gott! (Fortsetzung folgt.) Wohlfahrtsarbeit in Palästina Im Klubheim Marburger Strasse wurde die Arbeit der neuen Wintersaison des Jüdischen Frauenbundes eröffnet. Margarete Jacob y begrüsste die alten und neuen Mitglieder, und dann erzählte Hanna Guttmann über „Wohlfahrtsarbeit in Palästina". Man hörte von einem Gang durch das in seiner Trostlosigkeit erschütternde Elendsviertel Jerusalems mit der grossen Wohnungsnot (in einem Raum zwischen 8 bis 16 Menschen) und von einem Settlement mitten darin, in dem Menschen Rat und Unterstützung erhalten und Kinder in einem freundlichen Kindergarten versammelt werden. Von der S t r a u s s - Stiftung, dem sogenannten „Gesundheitshaus'', ging die Einrichtung der Lehrküchen in fast allen Volksschulen aus. die durch freudige Arbeit die Kinder in dem Wissen um gesundes Leben ausbilden. Von diesem und anderem, mehr Persönlichem, wusste Frau Guttmann interessant zu berichten und gab so für die folgenden Abende einen guten Auftakt. H. M. Besserung im Befinden Hubermans Entgegen den beunruhigenden Nachrichten der letzten Woche sind wir erfreulicherweise diesmal in der Lage auf Grund eines Kabels, das ein Freund des Künstlers von Huberman selbst erhalten hat, mitzuteilen, dass die Gesundung fortschreitet, und die Aerzte hoffen, die Spielfähigkeit ganz zu erhalten. Wir wünschen und hoffen, dass sich diese günstige Prognose bewahrheiten möge. * Der Präsident der Hebräischen Universität Jerusalem, Dr. Juda L. M a g n e s, ist nach einem längeren Ausländsaufenthalt nach Palästina zurückgekehrt. dessen Notierungen infolge der soliden Geschäftsführung unserer zentrafen Finanzinstitute eine völlige' Stabilität zeigen, muss für diese Investoren nachträglich kein reines Vergnügen sein. Im übrigen aber sind die Summen, die auf diese Weise aus dem Lande herausgegangen sind, relativ nicht allzu bedeutend. Die oben genannte Ziffer des Kapitalimports ist, wie gesagt, eine Nettoziffer und stellt den Ueberschuss der Kapitaleinfuhr über die verschiedenen Formen der Kapitalausfuhr dar. Im übrigen zeigt gerade in den letzten Monaten der Kapitalimport wieder steigende Tendenz, nicht zuletzt infolge grosser Investitionen englischer Versicherungsgesellschaften. Auch der Ueberschuss der Waren-Einfuhr über die Waren -Ausfuhr kann keine erhebliehe Rolle spielen. Der Netto-Kapitalimport entspricht fast genau dem Defizit der Handelsbilanz, das demnach als gedeckt gehen darf. Zur Bezahlung der Wareneinfuhr brauchten deshalb per saldo — trotz der höheren Weltmarktpreise und der strengeren Zahlungsbedingungen — wohl kaum nennenswerte Abhebungen zu erfolgen. Wohl aber zeigte sich aus der Wirtschaft heraus ein anderweitiger starker Saisonbedarf. Die Zitruspfhnzer werden diesmal wieder neun bis zehn Millionen Kisten zum Versand bringen. Die Vorbereitung der Ernte und ihrer Verschiffung wird in der Regel aus den üblichen Saisonkrediten der Banken und aus den überschüssigen Erträgen der vorangegangenen Saison finanziert. Die letzte Saison hat aber, wie bekannt, finanziell eine erhebliche Enttäuschung gebracht, und es wäre denkbar, dass ein Teil o>r Pflanzer und der Genossenschaften auf die bei den Banken deponierten Betriebsmittelreserven zurückgegriffen hat. Trotz dieser Abgänge hätte vielleicht au.-h die gegenwärtige Kapitaleinfuhr zu einer Steigerung der Bankeinlagen geführt, wenn nicht zwei Umstände dem entgegengewirkt hätten. Einmal ist z. B. ein grosser Teil des Kapitalimports aus Deutschland nicht in Form von Geld, sondern in Warenform erfolgt, und die Transferenien haben nicht Bargeld, sondern Wertpapiere dafür erhalten. Der wichtigste Umstand aber und zugleich der erfreulichste ist die Tatsache, dass trotz aller Depression, laufend ein sehr erheblicher Teil der bei den Banken deponierten Gelder in der Wirtschaft investiert wird. Diese Feststellung steht nicht im Widerspruch zu den berechtigten Klagen über das Versagen der privaten Initiative. Die meisten Investoren gehen heute einen anderen Weg: Sie stellen ihr Kapital den zentralen Finanzinstituten zur Verfügung, überlassen diesen die produktive Anlage und begnügen sich mit einer kleinen, aber sicheren Verzinsung. In letzter Zeit ist zum Beispiel der Pfandbriefumlauf der Hypothekenbank, der Debentures-Umlauf der Bizur sowie das eingezahlte Aktien- und Obligationenkapital der Nir beträchtlich gestiegen. Neben diesen Wertpapierkäufen ist es auch charakteristisch, dass die Termingelder, die den Banken auf längere Frist überlassen wurden, sich in letzter Zeit, auf Kosten der täglich fälligen Einlagen, erhöht haben. Der Besitzer des Guthabens sichert sich auf diese Weise eine kleine Verzinsung, die Bank aber erhält durch eine solche Konsolidierung ihrer Einlagen eine grössere Bewegungsfreiheit in ihrer Kreditgewährung an die Wirtschaft. Auf diese Weise wird wenigstens ein gewisses Mass an Fortschritt und Aufbau gesichert und eine Grundlage für eine allgemeine Wiederbelebung geschaffen. Zur völligen üeberwindims der gegenwärtigen Lage bedarf es freilich einer umfangreichen und vielseitigeren Investitionstätigkeit. Das Mitglied der Executive und Vertreter der Jewish Agency beim Völkerbund, Dr. Goldm a n n, ist vom Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik, Dr. B e n e s c h, und von Aussenminister Dr. K r o f t a empfangen worden. Der bisherige Rektor der Hebräischen Universität Jerusalem, Professor Dr. Hugo Bergmann, ist auch für das kommende Studienjahr zum Rektor wiedergewählt worden. Die Vertreter der Zionistischen Vereinigung von Glasgow werden auf der nächsten Tagung des Jüdischen Nationalfonds in Grossbritannien und Irland den Antrag stellen, auf der im nächsten Jahr im Bellahoustone Park stattfindenden Empire-Ausstellung eine Schau palästinensischer Produkte einzurichten. Voranzeigen Berlin: 21. Oktober: Lehranstalt für die Wissenschaft &5 Judentum». Beginn des ..NationalökonomiH'hea Seminars" von Professor Oppenheim er. Xär.rTfs durch das Sekretariat der Lehranstalt, N 4, Artilleriestrasse 14. 23. und 24. Oktober, 20 Uhr 45 Min.: Ktinstlerhüfe & Jüdischen Gemeinde. ..Der Grosse Bilderbogen"- das erfolgreiche Kleinkunst-Programm von L?° Hirsch, Inszenierung: Nicolai Eljaschoff, Musi*- Ismnr Weiss, Ausstattung: Ossias Koffler. Hote! „König von Portugal'-, C2, Burgstrasse. 28. Oktober: Verein für jüdische Geschichte und Literatur e. V. Eröffnung des Winterzyklus von s;.:b-< Vorträgen mit einem Vortrag von Rabbiner Dj- M. Warschauer. Beitrittserklärungen an Martin Lewy, C, Spandauer Strasse 4L Frankfurt a. M.: 23. Oktober: Willy Prager. Mitwirkende- Sissv Scbloss- Hahn und Margot Hirsch. Kleiner Saal des Saatbaues. Ueber Handels- und Wirtschaftsrechi Palästinas hält Rechtsanwalt Dr. Han9 Kali seh im Rahmen des Berliner Lehrhauses eine Arbeitsgemeinschaft ab, die am 27. Oktober, 20 Uhr, in der Marburger Straße 5 beginnt. Magister Kirsch der gufeUkör, Magister!$8ncfo£R^si In Berlin zu beziehen durch die WeingroßhandlnDS Bernhard Brauer, Burgstr.3 TeL 51434Ö.

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