Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1937-10-21 · 42 (21.10.1937) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
42 (21.10.1937)
Date
1937-10-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2277379-2277516-2277558--12310-2281907
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seife 2 C-V.-Zeitung Nr. 42* 21. Oktober 1937. schaft ab. Erst, als man in Sevilla die den Kolonien verheissene Handelsfreiheit aufhob, schlug die spanienfreundliche Stimmung um. Die Parole der Unabhängigkeit Südamerikas von Europa wird ausgegeben. Bald tönt sie als mächtiger politischer Ruf durch den gesamten Kontinent. Die Jahre 1811 bis 1829 sind von dem Kampf erfüllt, der den südamerikanischen Kolonien die Selbständigkeit bringen sollte. Namen wie Hidalgo, Tiradentes und Francisco de Miranda bezeichnen die ersten Etappen des Aufstandes. Im Mittelpunkt der Erhebung steht der Nationalheld Simon B o 1 i v a r. An der Spitze der gegen Spanien kämpfenden Rebellen befreite er zunächst Venezuela, Kolumbien, Ekuador und Peru von der Herrschaft des Mutterlandes. Die übrigen Teile Mittel- und Südamerikas folgten. Sie erklärten sich nach teilweise harten Kämpfen ebenfalls für selbständig. Brief marken - Fritz Lewin Beriin W 35, tü'/zowstrasse 91 A. Im September 1829 fiel der letzte spanische Stützpunkt, die spanische Festimg Tampico. Damit hatte Spanien nach einer Herrschaft von 319 Jahren seinen südamerikanischen Kolonialbesitz verloren. IL Wie sollte der selbständig gewordene Erdteil sein staatliches Leben gestalten? Die Meinungen hierüber waren geteilt. Eine starke Strömung war auf Einführung konstitutioneller Monarchien gerichtet. Denn, ein König, so meinte man, sei das geeignete Zentrum, nach dem sich alle widerstreitenden Kräfte der jungen Staaten ausrichten könnten. Das Königtum, so sagten andere, Messe, die spanische Vormundschaft durch eine andere ersetzen. Der befreite Kontinent müsse deshalb republikanisch sein. . Die Geschichte des südamerikanischen Erdteils zeigt beide Staatsformen. Allerdings.blieb der monarchische Regierungstyp nur auf Brasilien beschränkt. Sieben Jahrzehnte hindurch, von 1822 bis 1889, war Brasilien Kaiserreich. Es verdankt namentlich der .umsichtigen Herrschaft Dom Pedros IL einen grossen Teil seines Aufschwunges und seiner-Entwicklung. Indes war der republikanische Gedanke in Brasilien nie erloschen: Als Don Pedro nach einer Auslandsreise im November 1889 in die Heimat zurückkehrte, wurde er von Verschwörern verhaftet und nach Europa verbannt. Seitdem ist Brasilien Republik. In den übrigen südamerikanischen Staaten ist es nie zur Einführung der monarchischen Regierungsform gekommen. Vielmehr waren und sind, sie seit Erringung der Unabhängigkeit Republiken. Trotzdem war in ihnen jahrzehntelang von den verheissenen und verfassungsmässig festgelegten ..FreiheitsrechterT praktisch kaum die Rede. Denn die militärischen Nachfolger Bolivars traten gegeneinander auf und kämpften um die Macht. Nur zu oft bedeutete deshalb der Präsidentenwechsel blutigen Bürgerkrieg. Erst allmählich ist es den südamerikanischen Staaten gelungen, stabile politische Verhältnisse zu schaffen. Heute bieten die lateinamerikanischen Republiken das Bild geordneter Staatswesen. Die grössten von ihnen sind als Bundesstaaten organisiert. So besteht Argentinien aus 14, Brasilien aus 20 Bundesländern. An der Spitze jedes südamerikanischen Staates steht ein Präsident, der in Argentinien auf sechs, in Brasilien auf vier Jahre gewählt wird. Bemerkenswert ist, dass die Stellung des argentinischen Präsidenten sich eng an die des nordamerikanischen Staatsoberhauptes anlehnt. Demgemäss ist der argentinische Regierungschef mit weiten Vollmachten ausgestattet, die ihn als unabhängiges Exekutivorgan erscheinen lassen. Eigenartig ist, dass trotz dieser Stellung der Präsident sich nur mit Genehmigung des Parlaments aus der Hauptstadt entfernen darf. Die Parlamente der südamerikanischen Staaten sind vielfach nach dem Zweikammersystem gebildet. So besteht in Brasilien ein Senat, dessen 63 Mitglieder auf neun Jahre gewählt werden. Daneben fungiert das Abgeordnetenhaus. Die Volksvertreter werden in allgemeiner direkter Verhältniswahl gewählt. Wahlberechtigt ist jeder 21 Jahre alte Brasilianer, der lesen und schreiben kann. In Argentinien ist das Wahlalter auf 18 Jahre herabgesetzt. Ueberdies besteht hier eine Wahlpflicht. Die staatsrechtlichen Verhältnisse der einzelnen Bundesländer sind entsprechend ausgestaltet. An der Spitze steht ein mit Exekutivhoheit ausgestatteter „Governador". Soweit die Bundesländer zur eigenen Gesetzgebung befugt sind, sind besondere Bundesparlamente zuständig. Hervorgehoben sei schliesslich noch, dass in vielen südamerikanischen Staaten allgemeine Wehr- . pflicht eingeführt ist. In Brasilien beispielsweise beträgt die aktive Dienstzeit zwei Jahre. Doch erfolgt die Heranziehung.zum. Militärdienst auf Grund von Auslosungen. Ein weiterer Aufsatz, der sich besonders mit rlcn berölkcnninspo!itischen Verhältnissen Latein -Amerikabefasat, fötal in der nächsten Summer. Dr. Kurt Stillschweig Berichte aus Polen Der Kampf um die Ghettobänke Der bereits für die vorige Woche angekündigte Proteststreik der jüdischen■ Studenten in Warschau hat nunmehr am 14. und 15. Oktober stattgefunden. Etwa 1500 Studenten and Studentinnen hatten sich freiwilig in das jüdische Akademikerheim zurückgezogen. Nachts leuchteten weithin Transparente mit der Aufschrift ..Nieder mit dem Hochschulghetto — es lebe die Freiheit der Wissenschaff'. Am Freitag wurde ausserdem ein Hungerstreik durchgeführt. Für die Studentinnen waren in einem besonderen Saal Schlafgelegenheiten geschaffen worden, während die Studenten die Nacht wach verbrachten. Diese Demonstration wurde von der jüdischen Bevölkerung durch zwei Aktion-en wirksam unterstützt. Am 19. Oktober fand ein halbtägiger Proteststreik der gesamten jüdischen Bevölkerung Polens statt, der in grösster Geschlossenheit durchgeführt wurde. Sämtiicbe jüdischen Geschäfte, Werkstätten, Fabriken, Banken, Büros. Kaffeehäuser und Restaurants waren geschlossen. Selbst in den nichtjüdischen Stadtteilen fielen die zahlreichen geschlossenen jüdischen Läden auf. Der Unterricht in den jüdischen Schulen, die Tätigkeit innerhalb der Gemeindeinetitutionen wurde unterbrochen, die jüdischen Zeitungen erschienen an diesem Tag nicht. In der Zeit von 8 bis 12 Uhr vormittags, in der der Streik durchgeführt wurde, sammelten sich Tausende von Menschen in den Strassen. Ein grosses Polizeiaufgebot verhinderte Zusammenstösse, so dass. es zu keinen Ruhestörungen kam. Von Jugendlichen wurden Streikaufrufe verteilt. Es fanden eine Reihe von Versammlungen statt, in denen die Führer des polnischen Judentums vor überfüllten Sälen sprachen. Von den Verbänden wurden Telegramme an den Ministerpräsidenten Skladkowski gesandt, in denen die Abschaffung der getroffenen Massnahmen gefordert wurde. Auch in den Provinzstädten und in kleineren Orten -Polens wurde der Streik in der gleichen Geschlossenheit und disziplinierten Ruhe durchgeführt. Als zweite Aktion zur Unterstützung der jüdischen Studentenschaft wurde die ,.W o c h e der jüdisch-akademischen Jugend in Polen" proklamiert. Die jüdischen Abgeordneten und Senatoren sowie 15 grosse Organisationen erliessen einen Aufruf, in dem auf die grossen Opfer hingewiesen wird, die von der studierenden Jugend seit vielen Jahren im Kampf um die akademischen Rechte gebracht werden. Die zum Schutz der Verfassung berufenen Behörden werden aufgefordert, die Verordnung der Warschauer Rektoren aufzuheben, die die Ehren und die bürgerliche Stellung von o1A Millionen Juden Polens angreife. Die jüdische Bevölkerung wird aufgerufen, in der Woche vom 20. bis zum 27. Oktober alle überflüssigen Ausgaben zu unterlassen, auf Unterhaltungen zu verzichten, und die so ersparten Gelder den Selbsthilfeeinrichtungen der jüdischen Studentenschaft, dem Koncilhrm Academicum Judaicum zuzuführen. Auf einer Massenkundgebung im Theater Nowoszczy in Warschau sprachen die Senatoren Trockenheim und S c h o r r. Sie unterstützten die Forderungen des Aufrufs. Professor Schorr erklärte u. a., er spräche nicht als Politiker sondern als Universitätsprofessor. Zu seiner Genugtuung könne er feststellen, dass diese Einführung „des gelben Flecks" auch bei nichtjüdischen Professoren eine Protestbewegung ausgelöst habe. Er spielte damit auf die feierliche Semeeiereröffnung der Wilnaer Universität an, bei der der frühere Rektor Professor Stankiewicz die studentische Jugend ermahnt hatte, die Würde der Hochschule zu wahren. Durch Unruhen, wie sie neuerdings in die Studentenschaft getragen würden, werde das Andenken Marschall Pilsudskis entehrt. Denn di§* ser habe bei der Wiedereröffnung der Universität nach 120jähriger Unterdrückung erklärt, dass an dieser Stätte keinerlei Feindschaft zwischen Guppen verschiedener Nationalität und verschiedener Abstammung herrschen, dürfte. Die aus der Knechtschaft erlösten Polen würden brüderliche Beziehungen zu den Angehörigen der anderen Nationalitäten unterhalten und sie nicht verfolgen. An dieser Feier nahmen Abgeordneter Rabbiner Rubinstein und Vertreter der anderen religiösen Bekenntnisse teil. Die jüdischen Studenten waren der Eröffnung ferngeblieben. Die Handhabung des Erlasses über die Ghettobänke und das Verhalten der jüdischen Studierenden ist an den einzelnen Instituten verschieden. In der medizinischen Fakultät forderte der Chirurg Professor R a d 1 i n s k i absolute Ruhe und ersuchte die jüdischen Studenten, nicht auf den Ghettobänken, sondern in der Mitte des Hörsaales Platz zu nehmen, wo auch die nichtantisemitischen polnischen Studenten sassen. Professor Orlowski verlangte die Einnahme der Ghettoplätze, was von den jüdischen Studenten damit beantwortet wurde, dass sie der Vorlesung stehend folgten. An dieser Demonstration beteiligte sich auch eine erhebliche Anzahl christlicher Studenten. Auf der Landwirtschaftlichen Hochschule verliessen die jüdischen Studenten, als man ihnen die gleiche Demonstration untersagte, den Hörsaal. Auf der Handelshochschule ging man noch radikaler vor und drohte bei Demonstrationen mit der Nichtzulassung zu den weiteren Vorlesungen. Im Zuge dieses Kampfes gegen die jüdischen Akademiker wurde auf einer Tagung der polnischen Aerzte in Posen die Einführung des Arierparagraphen beschlossen. Die Vertreter der jüdischen und der demokratischen polnischen Aerzte hatten sieb an der Tagung nicht beteiligt. Es sei vermerkt, dass in vorausgegangenen Kreisärzteversammlungen in den bedeutendsten Städten Polens der Arierparagraph mit Ausnahme von Brest Litowsk abgelehnt worden war. Gleich-, zeitig tagte in Posen ein Kongress der polnischen Jungärzte, der in einer Entschliessung die Beseitigung der jüdischen Professoren und Studenten von der medizinischen Fakultät sowie die Ebtfernung der Juden aus den pharmazeutischen Unternehmungen forderte. Or. * Während des'Wochenmarki.es in Branck (Kreis Bialystok) wurden Mitte voriger Woche zahlreiche' jüdische Händler mit Steinen beworfen, jüdische Passanten überfallen und zum Teil schwer verwundet. Mit erheblicher Verspätung trafen Polizei Verstärkungen ein, die mehrere Verhaftungen vornahmen und die Ruhe wiederherstellten. * . Aus einer amtlichen Statistik ist zu ersehen, dass von 3114000 Glaubensjuderi in Polen 2 732 573. das sind 88 Prozent, Jiddisch oder Hebräisch als Muttersprache angegeben haben. Die übrigen bekannten sich zur polnischen Muttersprache. Diese Angaben ersetzten bei der letzten Volkszählung das Bekenntnis zur Nationalität. * Revision im Prozess Czszerbowski? Gegen das Todesurteil, das gegen den Brest- Litowsker Schlächterssohn Wolf Czszerbowski wegen Ermordung des Polizisten Kendziora auch in zweiter Instanz verhängt worden war (siehe C.-V.-Zeitung Nr. 38 vom 23. September) hat sein Verteidiger Rechtsanwalt Szernichow beim Obersten Gerichtshof Revision eingelegt, die sich unter anderem auf die bereits in d^n vorausgegangenen Instanzen erhobene aber nicht bewilligte Forderung stützt, durch ärztliches Gutachten das Alter des Angeklagten und damit die Zuläss.igkeit einer Todesstrafe überhaupt festzustellen. Es wird weiterhin in der Berufungsschrift gesagt, dass die erste Instanz vorbedachten Mord angenommen habe, während die zweite dem Täter den Willen zum Töten, im Augenblick der Tat abgesprochen habe. * Vor dem Kreisgericht in K i e 1 c e hatten sich die vier Brüder Krasinski wegen der Ermordung des Mosche Scbmul e w i e z, drei weiblichen Mitgliedern seiner Familie und eines Hebräisch-Lehrers, der bei ihnen gewohnt hatte, zu verantworten. Die Angeklagten gestanden ihre Tat ein, und begründeten den Mord damit, dass man im Dorf immer wieder gesagt habe, die Zeiten würden sich bessern, wenn erst einmal alle jüdischen Kaufleute beseitigt wären. Selbst der Dorfpriester habe in seiner Predigt die Vertreibung der Juden und die Beschlagnahme ihres Vermögens gefordert. Der älteste der Brüder wurde zum Tode, ein zweiter zu lebenslänglichem, ein dritter zu zehnjährigem Zuchthaus verurteilt. Der vierte wurde freigesprochen. Ein weiterer Angeklagter erhielt fünf Jahre Zuchthaus. Alle an der Tat Beteiligten sind zwischen 20 und 25 Jahre alt. 20000 Pfund Geldstrafe wegen Pressebeleidigung Der frühere Redakteur der judenfeindlichen Zeitung „Action", John Becket, wurde am Freitag von einem Sondergericht zu einer Geldstrafe von 20 000 Pfund wegen Verleumdung des „Daily Telegraph*' und seines Herausgebers Lord Camrose verurteilt Der Anklage liegt ein Artikel zugrunde, in dem Lord Camrose als internationaler jüdischer Finanzier bezeichnet worden war, der der Krone gegenüber keine Treue beweise und bei der Leitung des „Daily Telegraph" seine persönlichen finanziellen Interessen denjenigen des öffentlichen Wohles übergeordnet habe. Der Vertreter des Klägers, Rechtsanwalt Roland Oliver, stellte fest, dass Lord Camrose nicht jüdischer Abstammung sei. Zwar bedeute es an sich keine Verleumdung, einen Nichtjuden als Juden zu bezeichnen, wohl aber sei es eine Beleidigung, wenn man zunächst behaupte, alle jüdischen Finanziers. seien skrupellos und unpatriotisch, und dann jemanden einen jüdischen Finanzier nenne. Der angeklagte Redakteur verteidigte sich selbst. Er" wollte den Kläger um Verzeihung bitten, und wies ferner darauf hin, dass das Blatt, in dem der Artikel veröffentlicht worden war, unbedeutend sei, eine unbedeutende Bewegung repräsentiere und nur eine geringfügige Auflage habe. Der Rechtsvertreter der „Action", Gerald Gardiner, vertrat den Standpunkt, dass der Artikel nur eine zulässige Kritik geübt habe, denn es sei die Ansicht vertreten, dass die Leiter der grossen Zeitungen an anderen grossen Industrieunternebnmngen beteiligt seien. Das Gericht, das unter Vorsitz des Richters Hüben* tagte, erklärte die Angeklagten der Verleumdung schuldig und erkannte Lord Camrose eine^Entschädigung von 12 500 Pfund, dem ..Daily Telegraph" eine solche von 7500 Pfund zu. Ausserdem müssen sie die Kosten des Verfahrens und der Klage tragen. Für die Strafe haften solidarisch die Zeftung „Action"', Becket und die Argus-Presse, in der das Blatt hergestellt wurde. Eine Stundung der Entschädigungsleistung, die von dem Vertreter der Druckerei mit Rücksicht auf die Höhe der Beträge verlangt worden war, lehnte der Vorsitzende ab. Bernhard Dernburg Im Alter von 73 Jahren starb in diesen Tagen der Staatssekretär a. D. und Reichsminister a. D. Bernhard Dernburg. Dernburg, dessen Vater der jüdischen Religionsgemeinschaft schon nicht mehr angehört hatte, war ein Sohn des Darmstädter Juristen und späteren bekannten Journalisten Friedrich Dernburg. Auch sein Onkel Heinrich Dernburg war als Professor für bürgerliches Recht weiteren Kreisen als Jurist bekannt. Zeitweise war dieser auch Mitglied des preussischen Herrenhauses. Bernhard Dernburg selbst war zunächst für die kaufmännische Laufbahn, bestimmt worden; er arbeitete im Bankfacb. einige Jahre auch in Amerika, leitete später eine deutsche Treuhandgesellschaft und war in den ersten Jahren dieses. Jahrhunderts Vorstandsmitglied der damaligen Darmstädter Bank. Von hier wurde er im Jahre 1906 an die Spitze des Koloriialämts berufen, dessen erster Staatssekretär er unter-dem Reichekanzler Fürst Bülow, dann auch nach Ausgliederung des Kolonialamts aus dem Auswärtigen Amt im Jahre 1907 war. In dieser Eigenschaft bereiste er die Kolonien —: teilweise in Begleitung von Walther Rathenau um sich persönlich von den praktischen Auswirkungen seiner Kolonialpolitik zu überzeugen. Im Jahre 1910 trat er zurück. Etwa zwei Jahre vor dem Kriege wurde Dernburg in das Preussische Herrenhaus berufen. In der Nachkriegezeit sass er als demokratischer "Abgeordneter in der Nationalversammlung und in verschiedenen Reichstagen. Kurze Zeit war er 1919 auch Reichsfinanzminister, schied jedoch als Gegner des Versailler Vertrags schon bald wieder aus der Regierung aus. Später war er Leiter des Enqueteausschusses, der von der Regierung zur Untersuchung der Arbeitsbedingungen der verschiedenen Zweige der deutschen Wirtschaft eingesetzt war: den Aufsichtsrälen der Gesellschaft für ■ Oeffentliche Arbeiten und der Akzeptbank gehörte er gleichfalls einige Zeit an leitender Steile an. Neben dieser öffentlich-wirtschaftlichen Tätigkeit hat er sich, vor allem nachdem er vor mehr als sieben Jahren der. politischen Arbeit entsagt hatte, auch sonst im Wirtschaftsleben betätigt. Seine grosse wirtschaftliche Erfahrung, die genaue Kenntnis fremder Länder, ihrer Wirtschaft und ihrer Menschen kam ihm dabei sehr zustatten. Im Grunde war D^rrv bürg überhaupt immer mehr Wirtschaftler als Politiker; in seiner öffentlichen Tätigkeit, ain-h soweit diese im politischen Rahmen lag. kam dies ebenfalls stark zum Ausdruck. Die letztes Jahre verlebte er in voller Zurückgezogenheit in seinem Heim in Berlin-Grunewald. Neuwahl eines Vorstandsmitglieds der jüdischen Gemeinde zu Berlin In der zum Zwecke der Neuwahl eines Mitgliedes des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde für den 15. Oktober einberufenen Sitzung der Repräsentantenversammlung wurde an Stelle des ausgeschiedenen Georg Kareski Direktor Schm eidler zum Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gewählt- Herr Schmeidler hat die Wahl angenommen. Chefredakteur Dr. Alfred Hirsch berc; . stellvertretender Chefredakreur: Dr. M a r p a r c t e R d e 1 - heim. Verantwortlich für den Sport: Dr Ernst G. Löwenthal; verantwortlich für die Aufnahm'.' von Bildern: Dr. AI a r £ a. r e i e H d e 1 n e i m;?<"51'!jch in Berlin Für Kücksendunp unverlangter Einsendungen i*t Fremmschlasr beizufügen Leiter der Anz*tcren-Abteilunp uDd verantwortlich für den Inhalt dt*" Anzeigen: Friedrich Nathan. Berlin. DA III v.i- 37 179. PL 5. Verlas: Jüdischer Cenrnl-Vcrein c \- Berlin W 15. Emser Str. 42. Druck der Buch und Tietdruck Gesellschaft mbH, Berlin SW 19. Im ml ftJftltt WW/jL***±Mm<** ,n aMen führenden Wäschegeschäften ®g&$*ss fty Damenwäschefabrik Rosa Klauber / Mönchen mw®r*® wwasene

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.