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Central-Verein-Zeitung · 1937-10-07 · 40 (7.10.1937) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
40 (7.10.1937)
Date
1937-10-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seife 6 C.-V.-Zeitung Nr.40*7. Oktober 1937 50 Jahre Concertgebouw Von Karl Wiener wieder seinen Rul als Virtuose srossen Stils. Zimbaiist liess in Konzerten von Brahme tuad Glazounoff bei aller Bravour den künstlerischen Abstand von seinem Rivalen Heü'etz erkennen. Mitten in der Arbeil an einein neuen musikalischen Film ist George Gershwin in Los Angeles gestorben (vgl. C.-V.-Zeitung, Nr. >H vom 5. August 1937). Der Tempel Emanu Ei veranstaltete für den vor Erreichung des 40. Jahres verstorbenen Tonsetzer eine weihevolle Trauerfeier, zu der sich viele Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Loben der Vereinigten Staaten eingefunden hatten. Auch das Lewisohn-Sladium gedachte seiner an einem nur seinem Schaffen gewidmeten Abend, der wegen Ueberi'üllung wiederholt werden mussle. Georue Gershwin stammt aus einer kleinbürgerlichen jüdischen Familie in Brooklyn. Er ist einer der charakteristischsten und talentvollsten Vertreter jener Musik, die Anspruch darauf erheben kann, als spezifisch amerikanisch bezeichnet zu werden. Als ein Kind des ihn umgebenden Milieu« nimmt er seit frühester Jugend alles in sich auf, was dieses Land an originalem Kianggut in Songs. Tanz- und Volksmusiken besitzt. Er bildet es dank seiner ungewöhnlichen Anlagen auf einer Ebene weiter, die für die Komponisten landläufiger Unterhaltungsmusik unerreichbar ist. Gershwin besitzt ein Fornigei'ühl, eine- Leichtigkeit und Fülle der Phantasie, die auch den anspruchsvollen Hörer immer wieder fesselt. Sein Klavierkonzert F-dur. die „Rhapsody in Blue" und die witzige Phantasie ..Ein Amerikaner in Paris" zeigen den ganzen Reichtum seiner Erfindung und technischen Meisterschaft. In „Porgy and Bess"' baut Gershwin mit an dem Fundament, auf dem sieb einmal eine sel'ostän- MetoU Mießl dige amerikanische Oper erbr-ben kann. Die besten Werke des Komponisten, zu dem-n auch mehrere seiner Filmmusiken zählen, bilden ein interessantes Kapitel amerikanischer Musikgeschichte. Im Zentrum Manhattans breitet sirh von der 59. bis zur ilO. Strasse der an seinen Lünusseiten von der Fi Ith Avenue und der Centrai Park Avenue unisäumte C e r- \ r a 1 P a r k aus. Manche Partien sind von Wasseradern durchzogene, zerklüftete Felslandschaiten. die pittoresk den granitnen Untergrund der Stadt und ihr Wachstum aus Urwildnis erkennen lassen. Mitten in diesem romantischen Gelände ist die ..Mall". An diesem Platz finden sich Tausende, von New-Yorkem an vier 'Abendan der Woche ein, um den Veranstaltungen der D a n i e 1 und Flore nee G u g g e n h e i m -Stiftung beizuwohnen. An den übrigen drei Abenden konzertiert das von Edwin Franco Goldman geleitete, recht respektable Orchester im Brooklyner Prospect. Park. Im Gegensatz zu den Aufführungen im Lewisohn Stadium, das sehr massige Eintrittspreise erhebt, sind die Konzerte dieser Stiftung völlig unentgeltlich. Die mehr populär gehaltenen Programme mischen alle Kategorien — unter Ausschluss der Minderwertigen — und erziehen somit gerade die Schichten zur Musik, die über das Radio hinaus kaum Gelegenheit haben. Konzerte zu besuchen. Die häufig gegebenen ..Wunschprogramme''' kennzeichnen in überraschendem Masse das Verlangen der Hörer nach guter Musik. An der gleichen Stätte unterhält die staatliehe Institution WPA (Works Progress Administration) ein Freilichttheater. Es gibt in der musikalischen Welt einige wenige Namen von Instituten, die Höchstleistungen auf dem Gebiete der Tonkunst bedeuten und die als Beispiele vollendeter Kunstübung für alle Zeiten hingestellt werden dürfen, so die Wiener Philharmoniker, die Seal« in Mailand, die Metropolitan Opera in New York — jeder Name ist ein ehrfurchtgebietender Begriff an sich. Unter diesen Orchestern von Weltruf hat das altberühmie Coneertgebouw-Orkest noch eine Besonderheit zu verzeichnen: seit mehr als 40 Jahren steht es unter der Leitung und geistigen Führung eines Mannes, der Tradition und Fortschritt zu vereinen weiss, und dieser eine ist Willem Mengelberg. Als das Amsterdamer Konzertgebäude im Jahre 1888 errichtet wurde, war Willem Kes Leiter des neugegründeten Orchesters. Besondere Sorgfalt war begreiflicherweise auf die Akustik des geräumigen Saales gelegt worden. Als Kes — übrigens ein Schüler von David und J o a c h i m — im Jahre 1895 nach Glasgow berufen wurde, übernahm der 24jährige Mengelberg aus Utrecht die Leitung des Orchesters und brachte es in kurzer Zeit auf die gewaltige Höhe, die es seif einem Menschenalter innehat. Schon 1897 konnte Richard Strauss einem Freunde wahre Wunderdinge von diesem Orchester und seinem Kapellmeister berichten. Seither ist nicht nur Strauss. sondern auch eine-ganze Reihe berühmter Komponisten am Dirigentenpult des Coneertgebomv-Orchesters erschienen — Debussy Casella. R a v e 1 und viele andere. Ein besonderes Kapitel nimmt aber in der Geschichte des Coat-erigebouws der Name Gustav Mahl e r ein. Im Oktober lßQ?> war Mahler zun) erstenmal in Amsterdam gewesen und hatte seine erste und seine dritte Sinfonie dirigiert. Nach der Aufführung der zweiten und vierten (1904), welch letztere an einem Abend gespielt wurde, schreibt Mahler an Mengelberg: ..Was ich Ihnen zu danken habe. Ihrer jugendfrischen und tatkräftigen Initiative. Ihrer kongenialen Interprelationsktmst und durchdringendem Verständnis meiner Werke — die? gehört zu jenen Dingen, die man nur tief empfinden kann . . ." Und so seheji wir die wunderbare Tatsache, dass. während sich den neuartigen Welten Mahl erscher Symphonik noch das Verständnis zaghaft und allmählich zu öffnen beginnt Mahler häufiger Gast des Concertgebouw ist und in Holland seinen triumphalen Weg als Komponist zu beschreiten anhebt . . . Dieser hohe Freondschafisbund fand ein jähes Ende durch Mahlers Beschäftigungslosen Schauspielern wird hier in klassischen und modernen Stücken die Möglichkeit gegeben, den Sommer in respektabler Berufsarbeit wirtschaftlieh leichter, zu überstehen. Zu einem der originellsten Plätze der New- Yorker Kunslpflege im Freien gelangt man nur im Auto nach mehr als einstündiger Fahrt. An der dem Ozean zugewandten Seite von Long Island, an der Jones Beach, hat man ebenfalls ein Stadium errichtet. Die Bühne befindet sich auf einer kleinen Insel, von der der aniphi-heairalische Zuschauerraum durch einen breiten Wasserstreifen getrennt ist. An den tropisch heissen Tagen geniesst man freudig frühen Tod. Als würdige Totenfeier veranstaltete Mengelberg 1920 das denkwürdige Mahler- Fest, bei dem sämtliche Werke des Meisters (mit Ausnahme des Torsos der X. Sinfonie) in vollendeter Wiedergabe erklangen. Bei jedem Orchester ist die Frage der Klangkultur entscheidend. Das Ergebnis einer jahrzehntelangen Erziehungsarbeit ist bei einem solchen Material und einem so meisterhaften Stabführer nicht anzuzweifeln. Die Besonderheit, die sofort auffällt, ist dadurch gekennzeichnet, dass jede Phrase des Orchesters wohlgegliedert und sinngemäss akzentuiert vorgetragen wird, Ueberfiüssig zu bemerken, dass die Instrumente singen und an keiner Stelle die Belebung der Melismen aussetzt. Es ist Tradition, dass die 100 Musiker des Concertgebouw alljährlich auf Reisen gehen. Sie spielen oftmals im benachbarten Haag, in Rotterdam. Utrecht, Haarlem. Leyden und anderen holländischen Städten. Die Beliebtheit der sinfonischen Musik ist noch immer ständig im Wachsen, weil der Holländer seine Konzerte über alles liebt. Ja. er setzt sie weit höher an als den Besuch einer Opernvorstellung. Das ist offenbar eine Landeseigentümlichkeit. Für die J u b i 1 ä u m s s a i s o n sind grosse Veranstaltungen geplant. Repräsentative Dirigenten und Komponisten werden im Laufe der Spielzeit klassische ' und moderne Werke dirigieren. Hindemith wird sein Fragment ..Mathis der Maler" bringen, Darius M i 1 h a u d seine ,,Cantate nuptiale" leiten, auch Alfrede Casella. Igor Strawinsky. Ernst Krenek und Beia Bartök werden am Dirigentenpult erscheinen und eigene Werke dirigieren. Von den holländischen Tonsetzern werden genannt: der Nestor der niederländischen Tonsetzer Johan Wagenaar. Willem Pijper, Henk Badings und viele andere. So sehen wir in der kommenden Saison die bekanntesten unter den Komponisten aus der ganzen Weit in Amsterdam vereinigt, um dem Geist, der dieses Wunderorchester und seinem ständigen Leiter beseelt, zu huldigen. Angeschlossen an das Orchester ist ein ebenso vollendeter Chor verein und auch eine Kammermusik Vereinigung, so dass ein ständiger Ueberblick über neue Kompositionen möglich ist. Schon blickt die musikalische Welt erwartungsvoll auf das ehrwürdige Gebäude, das eine solche Fülle des musikalischen Schöpfertums in sich birgt und zweifellos zu seinem alten Ruhm frischen Lorbeer hinzufügen wird. Karl Wiener. die Seebrise in legerer Bindung mit dem Bühnenspiel. Klassische und moderne Operetten in gepflegter Herrichtung bilden den Hauptbestandteil des allwöchentlich wechselnden Repertoires. Unter den Kräften, die den besseren Operettentheatern von „downtown" entstammen, steht Vivienne Segall mit an erster Stelle. Ganz Nordamerika besitzt bekanntlich noch kein halbes Dutzend ständiger Opernbühnen. Selbst Städte etwa von der Grösse und dem Musikinteresse Philadelphias begnügen sich im Winter mit kurzfristigen Gastspieleu. Die Tatsache, dass das amerikanische Opernwesen erst in den Anfängen steckt, sollen sich Kapellmeister, Regisseure und Sänger bei einer Einwanderung stets vor Augen halten, um sich vor schweren Enttäuschungen zu bewahren. So wenig dem Durchschnittsamerikaner der Besuch einer Opernvorstellung im Winter ein kulturelles Bedürfnis ist, in die Annehmlichkeiten eines Ferienaufenthaltes oder einer Weekendfahrt reiht er auch gern den Besuch einer Opernvorstellung ein. Besonders dann, wenn die äusseren Umstände so verlockend wie in dem fashionablen Badeplatz Atlantic City sind. Hier bringt die von Jules Falk geleitete Steel Pier Opera Company Meisterwerke des Repertoires, * wie ..Carmen" und „Die verkaufte Braut" in wohlvorbereiteten Aufführungen heraus. Die Freilichtaufführungen in New-York sind für die Bevölkerung, die auch in den heissesten Monaten ein Tempo und eine Intensität der Berufsarbeit kennt, wie vielleicht keine Weltstadt, eine .unentbehrliche Quelle der Erholung, Lebensfreude und künstlerischen Schulung geworden. Die Hohen Feiertage in Johannesburg In Ergänzung unserer Berichte, wie die Hohen Feiertage in Amerika und in Holland begangen wurden, wird uns aus Südafrika mitgeteilt, dass die vor etwa einem Jahr gegründete Gemeinde ,.Ez Chajim" dort stimmungsvolle Gottesdienste veranstaltet habe. Die Jewish Guild hatie einen Saal zur Verfügung gestellt, der etwa 600 Menschen fasste. Kurt Hirsch aus Berlin amtierte als Vorbeter. Ludwig Cohn besorgte die Ausgestaltung des Raumes, und Hans Sachs zeichnete für den technischen Teil des Gottesdienstes verantwortlich. Die Festansprachen hielten Felix M. Rosenthal aus Berlin. Dr. Erich FI e h r aus Kaiserslautern und Dr. Eisner aus Breslau. Gemeinsam mit Felix M. Rosentha 1 leitet Louis Halpern aus Berlin die Gemeinde, die sich stets wachsender Beliebtheit erfreut. 88BBS&&SSS^SS^ISS25SaS§E&ESaE!2aSSa88 Lied des Bettiers Von H. L e i w i k Am Sun nahend. 0. Oktober, wird hx> Beniner Kulturbund das sc-haus|>icl ..O o I e irr van H. Lei wik uraufgeführt. Wir bringen nachstehend ein Gedicht von Leb.vik. das Dr. Rabinn w i i. z - Leipzig aus dem Jiddischen ins Deutsche übertrug. Die Nacht ist finster, Und ich bin blind. Es zerrt am Stecken Der scharfe Wind. Leer ist mein Teller, Mein Herze — leer. Und beide — nutzlos, Und beide — schwer. Ich fühl ein Rühren Von fremder Hand: Komm, lass' uns tragen Die Last seiband. Wir geh'n zu zweien Weltenwärts: Ich trag' den Teller Und er — mein Herz. Zahl der Bewerbungen um die Piüize in dieser Schule viel grosser als die Aufnahmefähigkeit, da nur etwa 70 Kinder gleichzeitig dort sein können. So nwss bei der Aufnahme stark gesiebt werden, und man glaubt ts dem Direktor, dass seine Menschenkenntnis, unterstützt durch die Aufnahmeprüfung, sich über den Charakter und die Eignung der Kinder selten täuscht. Die Atmosphäre des Hauses ist wundervoll. Die Kinder werden zu wirklich freien Menschen erzogen in Seibstveraniwortung und mit dem gesunden Ehrgeiz zu guter Leistung. Voll Stolz zeigt uns der Direktor die vielen Preise, die sie jedes Jahr im Sport, vor allem im Fussbai!, erringen, und ebenso die Medaillen, mit denen ihre handwerklichen Leistungen auf grossen Ausstellungen ausgezeichnet wurden. So bekamen sie z. B. 1.912 den Grand prix dTionneur auf der Ausstellung von Lehrlingsarbeiten in Paris, .letzt gehören auch einige jüdische Kinder aus Deutschland zu den Bevorzugten, die in diesem Heim aufwachsen und lernen dürfen. In ganz anderem Rahmen spielen sich natürlich die Kurse ab, die die französische O R T - Gesellschaft zur Erstaushiidung und Berufsumschichtung von Juden in ihrer Pariser Schule, die den Namen Paul P a i n 1 eves trägt, eingerichtet hat. Die Berufszwei.se sind nach den Bedürfnissen der Menschen ausgewählt, die noch nicht wissen, wo in der Welt sie sich niederlassen sollen. Deshalb sucht man solche Berufe, die möglichst überall, unabhängig von einer Arbeitserlaubnis, zu einer Selbständigmachung mit. geringen Mitteln befähigen. Betritt man das Haus in der Rue des Saules am Montmartre, so riecht man gleich, dass liier Maler am Werk sind, um das Haus instand zu setzen. Abgesehen davon, dass es sicherlich kein Luxus war, denn das Haus gehörte früher dem Asyl, erfahren wir damit, dass hier das Gute mit dem Praktischen vereint worden ist, denn die Klasse für Zimmer- und Dekorationsmalerei hat gerade zum Schluss der Ferien Eingang, Treppenhaus und Klassenzimmer frisch gestrichen. Neu gelegte Lichtleitungen verraten uns, dass es auch einen Kursus für Installation gibt, und den radiotechnischen Lehrgang können wir gerade noch bei der Arbeit bewundern. Dann ruft uns das Rattern von Nähmaschinen in den Schneidereilehrgang, in dem Frauen in sechs bis acht Monaten nähen und schneidern lernen und anschliessend auf Wunsch auch noch in die Geheimnisse der haute couture, in .jene berühmte Methode des Zuschneidens (coupe) und in die moulage des robes eingeführt werden, die dem Pariser Schnitt noch heute seinen Weltruf sichern. Was wir hier als moulage, das heisst als Form in Gaze sehen, erleben wir in höchster Vollendung der Ausführung in jenem reizenden Pavillon de FEleganee auf der Ausstellung. Da gehen wir zwischen rosagelb getönten Lehmwänden, rechts und links Figuren aus dem gleichen Material, ohne Gesichter, aber mit schön modellierlen Körpern, stehend, sitzend, liegend, verhüllt und enthüllt durch Gedanken von Kleidern aus Tüll, Spitze, Seide, breiten Schärpen in leuchtenden Farben, unwirklich durch die Schmalheit der Taille, wirklich doch durch die Rundheit 'des Körpers und der Glieder. Scharm. Eleganz und — Geist . . . Oder mit Pelzem zu denen ganze Rudel von Füchsen. Hermelinen, Nerzen und persischen Lämmern ihr Leben lassen mussten. Namen der Haute Couture klingen an unser Ohr, die wir sonst beim Gang durch Paris an vornehm verschlossenen Türen der Place Vendöme oder der Champs Elvsees lesen. Das ist Paris. Hier in der ORT-Schule aber spricht uns der Ernst des Lebens an. Hier sehen wir die wirtschaftliche Kehrseite, die ökonomische Bedeutung der Eleganz. Frauen wollen für sie arbeiten und durch sie leben. Mit Hingabe lernen sie unter der Leitung einer hervorragenden Meisterin. Der Unterricht kostet monatlich 60 Francs, ist also für jeden erschwinglich und wird auch stark in Anspruch genommen. Auch Putz und Korsettmachen werden hier gelehrt. Handschuhnähen und künstliche Blumen, je nach Bedarf. Für das notwendigste Brot des Alltags ist ein Lehrgang für Männerkleidung bestimmt, in dem der Arbeiter geschult wird, der nur Hosen oder nur Westen für den Zwischenmeister arbeitet, und damit in relativ kurzer Zeit wenigstens auf einen Lebensstandard kommt, der ihn vor der Inanspruchnahme der Wohlfahrt schützt. Die Schule ist eng an Raum, und so kann manches, w-as geplant war. vor allem Kurse für hochqualifizierte Handwerker und manches andere, was der Leiter der Schule, Dr. Rabinowitch, als Ziel erträumt, noch nicht verwirklicht werden. Aber das, was hier geleistet wird, ist, wie mir ein früherer Rechtsanwalt aus Deutschland, der jetzt an den radiotechnischen Kursen teilnimmt, mit dankbarer Anerkennung für das Gebotene bestätigt, durchaus erfreulich. Es wird ergänzt durch Kurse des Cent re de Ree lasse ment Professional p a r l'Artisanat et l'Agriculture. Das Büro in den Champs Elysees machte noch Ferien. Aber von einem neuartigen Kurs, den dieses Centre de Reclassement, nachdem es schon Hunderte in den allgemein üblichen Kursen ausgebildet hat, "gerade für Juden aus Deutschland jetzt eingerichtet hat. wurde mir von allen Seiten berichtet: von der Ausbildung früherer Angehöriger der freien Berufe zu Eisenbahnfacharbeitern. Die französische Staatsbahn hat in Werkstätten bei Paris und in der Normandie 13 Männer von 22 bis 42 Jahren eingestellt, die dort die Ausbesserung schadhafter Lokomotiven oder Wagen lernen, Sie leben in ausgezeichneter Kameradschaft mit den anderen Arbeitern und sind ven ihrem neuen Beruf, von der Tatsache des Arbeiferdaseins, beglückt. Ihr gegenwärtiger oberster Chef, der Generaldirektor der französischen Staatsbahn, Raoul Dautry, hatie sie kürzlich zu sich ins Büro bestellt und unterhielt sich mit ihnen von Kolben und vom Schweissen, aber auch von ihren früheren Interessen, von Euclid und Paul Valery. Die Lehrzeit soll ein Jahr dauern, und es ist ihnen dann eine Anstellung in Palästina — wo es bisher noch keinen jüdischen Eisenbahnarbeiter gibt — oder in einem der südamerikanischen Länder zugesichert. Dem Präsidenten des Centre de Reclassement Professionnel. dem bekannten Senator Justin Godart. und dem Generalsekretär Louis Chanial ist jedenfalls der Dank dieser Menschen sicher, denen sie neue, erfolgreiche Berufswege weisen. X Noch einmal schlendern wir durch Paris, betrachten die schöne Ausstellung Rembrandtscher Zeichnungen und. Radierungen aus der Sammlung Edmond de Rothschild, die in der Orangerie des Tuileries an der Concorde ausgestellt ist. und wandern an unzähligen Bücherkästen und Antiquariaten vorbei bis zur Notre- Dame. Wir gemessen ihre herrliche Gotik, den unendlichen Wirrwarr der Streben und Gesimse, der Wasserspeier und des zarten Laubwerks, und die edle Ruhe der Statuen der Könige "von Israel und Juda in den Nischen oberhalb des Erdgeschosses. Wir steigen hinauf in die Kapelle aller Kapellen, in jenes Glas- und Lichtwunder von St. Chapelle im Justizpalast und spazieren weiter hinüber in die alte Studentengegend, zur Sorbonne und zum Boulevard Michel: dann stehen wir plötzlich, mitten im Lärm und Wogen der Grossstadt, vor dem romantischen Museum Cluny mit seinen Wunderwerken französischer Kleinkunst, Fayencen, Holzplastiken, Spitzen,

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