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Central-Verein-Zeitung · 1937-09-30 · 39 (30.9.1937) · page 12

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
39 (30.9.1937)
Date
1937-09-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 C.-V.-Zeifüng Nr. 39 * 30. September 1937 haft zu werden. Man glaubt, dass der Führer der Terroristen eine unter dem Namen „der Wolf" bekannte geheimnisvolle Persönlichkeit ist. die als die rechte Hand des Rebellenführers Fauzi el Kauji gilt. Distriktskommissar Andrews war 41 Jahre alt. Er war aus Australien gebürtig. Nachdem er früher als Spezialkommissar in Tiberias tätig war, ist er bei der vor kurzem neu getroffenen Einteilung der Verwaltungsbezirke zum Leiter des obergaliläischen Distrikts ernannt worden. Die Leichen des Distriktskommissars Andrews und de° Polizisten McEwan. wurden nach Jerusalem übergeführt und dort mit militärischen Ehren beigesetzt. In Nazareth und Umgebung wurden mit Hilfe von Spürhunden umfangreiche Nachforschungen nach den Mördern aufgenommen. Im Zusammenhang mit dem Attentat sind bisher 120 Personen festgenommen worden. Das Oberste Arabische Komitee hat eine Erklärung veröffentlicht, in der es die Morde an den britischen Beamten im Namen der gesamten arabischen Bevölkerung verurteilt. Man erwartet, dass zunächst ein Preis für die Ergreifung der Mörder ausgesetzt werden wird." Sollten sich diese Massnahmen nicht binnen kurzem als wirksam erweisen, dann dürfte eine hohe Kollektivstrafe — man spricht von 20 000 Pfund — der Stadt Nazareth auferlegt werden. Man glaubt, dass die Bevölkerung unter dem Druck einer solchen Strafbesteuerung und angesichts verstärkter Einsetzung von Polizei und Militär eher bereit Tel-Aviv, Mitte September. Gründlicher als je zuvor wurde diesmal die Jahreswende dazu benutzt, Bilanz zu ziehen. In der Fülle der verwirrenden und meist so traurigen Ereignisse, die sich im Lande selber abspielten, in der Fülle der schwerwiegenden Erörterungen, die über das Schicksal unseres Landes in Zürich, London und Genf geführt wurden, war man kaum dazu gekommen, den wirtschaftlichen Zusammenhängen, die gebührende Aufmerksamkeit zu widmen. Dies ist jetzt nachgeholt worden, und wenn man die umfangreichen Rosch- Haschanah-Nummern der hebräischen Presse ^aufschlägt, ist man erstaunt, welche sorgfältige, beinahe wissenschaftliche Arbeit von berufenen Männern geleistet worden ist. Diese Rückblicke sollen aber auch die Wege und Möglichkeiten für die Zukunft zeigen. Das Gesamtbild Nicht nur die allgemeine Stimmung, sondern auch das exakte Bild der Wirtschaftskurven bestätigen, dass die Periode der Prosperity vorläufig beendet ist. Der politische Wille zur Selbsterhaltung und zur Fortführung des Aufbauwerks, der Schwung der Gemeinschaft und der nationalen Institutionen ist aber in die Bresche gesprungen, als die geschäftliche Kalkulation des privaten Kapitals stellenweise zu einer übertriebenen Zurückhaltung führte. Und so war dieses Jahr, neben allen Opfern, Hemmungen und Rückschlägen, auch keineswegs arm an p:0 s i - tiven Errungenschaften, gerade auf sein wird, Angaben über die Täter zu machen, was sie jetzt offenbar aus Furcht vor Racheakten nicht wagt. * In seinem Haus in Haifa ist der Muchtar Mahmud Nagar im Schlaf erschossen worden. Ein arabischer Kaufmann in Jerusalem hat ein verdächtiges Paket erhalten, das drei Bomben enthielt; die Polizei hat die Verfolgung des Falles aufgenommen. Aus Amman wird berichtet, dass die Ruhe in Transjordanien durch die radikale Propaganda des Mufti erneut gefährdet sei. Die arabische Zeitung „Feiestin" will wissen, dass die Palästinaregierung demnächst Einwanderungs- und Bodengesetze erlassen wird, die in Uebereinstimmung mit den Vorschlägen der Königlichen Kommission stehen. Auch andere Anzeichen deuten darauf hin, dass der Widerstand der radikalen arabischen Kreise in alter Stärke fortgesetzt wird. Ein Mitglied des Obersten Arabischen Komitees hat einem Journalisten erklärt, auch die neue Palästinakommission, deren Entsendung der Völkerbund beschlossen hat, würde boykottiert werden. Das arabische Blatt ,.A Difaa" meldet umfangreiche Waffenfunde der Polizei in der Umgebung Jerusalems. Die Polizeibehörden selbst veröffenlichen ein Communique, wonach zwei arabische Hirten, die ihre Herden auf dem Gebiet der jüdischen Siedlung Hassade bei Beisan weiden Hessen, beschossen worden sind. Ein jüdischer Hilfspolizist der Siedlung ist wegen angeblicher Mitschuld verhaftet worden. wirtschaftlichem Gebiet: verstärkte Anstrengungen der Regierung und der jüdischen Zentralinstanzen führten zu wesentlichen Verbesserungen des Strassennetzes und der Hafen von Tel-Aviv brachte einem wichtigen Zentrum des jüdischen Wirtschaftslebens neuen Auftrieb. In der Produktion wurde eine weitgehende Rationalisierung durchgeführt, und namentlich in der Landwirtschaft gelang es, durch Zusammenwirken der Fachverbände und der Forscbungsstelle, die Erträge bei gleichzeitiger Senkung des Kostenanteils erheblich zu steigern; ein ernstes Problem der palästinensischen Landwirtschaft wurde damit der Lösung nähergeführt. Neue Produktionszweige wurden erschlossen und bestehende ausgebaut, Futtermittel- und Gemüseanbau stiegen erheblich. Die Bodenkauftätigkeit, die während der Unruhen stark zurückgegangen war, nahm wieder zu, allerdings waren nicht private Unternehmer, sondern die zentralen Instanzen, insbesondere der Keren Kajemeth bzw. die Palestine Land Development Co. die Hauptkäufer. Die Landwirtschaft Aus einem Situationsbericht über die 79 landwirtschaftlichen Siedlungen, die der Landwirtschaftszentrale der Arbeiterorganisation angeschlossen sind, geht hervor, dass der Getreidebau, der in diesem Sektor der jüdischen Landwirtschaft die entscheidende Rolle spielt, ein gutes Jahr hinter sich hat. Auch G e - m ü s e - und Obstbau, Geflügel- und Klein Viehzucht, Eier- und Milchproduktion stiegen erheblich. Auf zwei Gebieten gab es allerdings gegen Ende des Jahres heftige Enttäuschungen. Die sinkende Kaufkraft führte zu einem fühlbaren Druck auf die Milchpreise und die ausländische und arabische Konkurrenz erschwerte den Absatz der erweiterten Gemüseproduktion. Einige Siedlungen gerieten dadurch in eine schwierige Lage, doch schlössen die Arbeiterwirtschaften, soweit bisher schon Bilanzen vorliegen, per Saldo mit Gewinn ab. Der Durchschnittserlös des Orangenexportes sank von 234 Millim pro Kiste im vorigen Jahr auf 140 Millim im Berichtsjahr, so dass manche Pardessanim von ihren Einnahmen kaum die erhaltenen Erntevorschüsse zurückzahlen konnten. Aber es ist nicht zu vergessen, dass ein grosser Teil dieses Wirtschaftszweiges in den vorhergehenden Jahren gewisse Reserven ansammeln konnte und dass auch die kommende Saison wieder wesentlich bessere Aussichten bietet. Industrie Auch die Industrie leidet unter der verminderten Kaufkraft, zumal die Francabwertung zu einer erheblichen Stärkung der zollfrei hereinkommenden syrischen Konkurrenz führte. Aber die Schwierigkeiten der Fruchtkonservenfabrik Assis und des Eisenwerks Kremener dürfen doch nicht auf das Konto der allgemeinen Konjunktur geschrieben werden; vielmehr handelt es sich hier um besondere Umstände. Dagegen konnten führende Betriebe der Textilindustrie gerade im letzten Jahr ihre Anlagen erweitern und ihren Absatz, namentlich im Ausland, vergrössern. Erhöht hat sich u. a. auch der Export von Aluminiumwaren, Seife und O e 1 e n sowie künstlichen Zähnen. Die immer wirksamer werdende Tätigkeit der Organisation zugunsten der Tozereth Haarez (heimischen Produktion) bietet der Industrie auf dem Binnenmarkt wenigstens einen gewissen Ersatz für den fehlenden Zollschutz. Schlechte Beschäftigung herrscht selbstverständlich in der Bau- Wirtschaft und den von ihr abhängigen Handwerks- und Industriezweigen. Bevölkerung und Siedlung Der Rückgang der Bautätigkeit ist keine Kapitalfrage, sondern eine Frage des Bedarfs. Die Einwanderung ist hinter der Bautätigkeit zurückgeblieben und nach der amtlichen Statistik der Ankünfte und Abreisen hat sich — einschliesslich des natürlichen Bevölkerungszuwachses — die jüdische Bevölkerung hm 15 000, die nichtjüdische um 25 000 Seelen vermehrt. Zum erstenmal seit einer Reihe von Jahren ist damit der jüdische Anteil an der Gesamtbevölkerung etwas gesunken. Aber dass auch bei verkleinerter Einwanderung chaluzische Leistungen möglich sind, beweist die Tatsache, dass —■ die stolzeste Errungenschaft des letzten Jahres — nicht weniger als neunzehn neue Siedlungspunkte auf neuen Böden gegründet worden sind. Die Stadt Tel-Aviv Ein Beispiel für die öffentliche Wirtschaft im jüdischen Sektor ist die Entwicklung der Stadt Tel-Aviv, welche in besonders hohem Masse von der Aufnahme neuer Einwanderer und von der Dienstleistung für die Einordnung Anträge auf Nachsendung Beschwerden über das Ausbleiben der C.-V.. Zeitung, Umleitenünsche sind stets dem zuständigen Postamt (Zeiiungsstelle) zu {irtierbreiten. Die Bezugsgebiihren sind an den Briefträger zu zahlen der Ankömmlinge gelebt hat. Hier ist die Schrumpfung des Baumarktes besonders fühlbar. Trotzdem äusserte sich der Bürgermeister Rokach in einem Presse-Interview zuversichtlich über die Zukunft der Stadt, deren Wachstum auch im letzten Jahre angehalten hat. Tel-Aviv verfügt über eine umfangreiche bodenständige Produktion, und neue Arbeitsstätten — wie der Hafen und das Ruthenberg-Kraftwerk — sind im letzten Jahre hinzugekommen. Vor allem aber bezeichnete es das Stadtoberhaupt als einen wesentlichen Fortschritt, dass es endlich gelungen ist, bei der Regierung grösseres Verständnis für die Bedürfnisse dieser grössten Stadt des Landes, die jahrelang ziemlich stiefmütterlich behandelt wurde, zu erwecken. Das neue Budget, das trotz aller Schwierigkeiten ein Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben zeigt, waide schneller bestätigt als die früheren Voranschläge, ein grosserer Teil konnte für dringliche öffentliche Arbeiten vorgesehen werden, die Regierungsbeihilfe wurde wenigstens etwas erhöht, eine Anleihe von hunderttausend LP abgeschlossen und mit den Verhandlungen über die schon lange geplante Anleihe von ein** Million LP wird wieder begonnen. Der arabische Sektor Während somit das jüdische. Palästina durc^ verdoppelte Anstrengungen die äusseren Schicksalsschläge wettzumachen sucht und mit ungebrochener Kraft, ja sogar mit neuen Chancen in das Jahr 569S eintritt, scheint sich der arabische Sektor von den Verwirrungen des Aufstandes, des Terrors und der Parteikämpfe noch nicht erholt zu haben. Die wichtigste arabische Wirtschafisposition, Jaffa, befindet sich seit dem Streik im Niedergang. Der durch besondere Delegierte unternommene Versuch, ausländische Firmen zum Ersatz ihrer jüdischen Vertreter durch arabische Kaufleute zu bewegen, blieb ergebnislos. Eine Agrargesellschaft wurde mit einem Kapital von 6000 LP gegründet, hat aber bisher noch keine Tätigkeit entfaltet. Das Projekt einer englisch-arabischen Bank ist gescheitert, obwohl es auf der einen Seite von dem verdrängten Parteiführer Naschschibi, auf der anderen sogar von dem früheren High Gommissioner Lord Chancellor gefördert worden sein soll. Die einzige sichtbare und positive Errungenschaft der Boykotte eweguns ist die Gründung eines arabischen Kinos in Jaffa. In der Tat. sieht man in Tel-Aviv viel weniger arabische Kinobesucher als früher, aber auch das Jaffaer Theater soll sich schlecht rentieren, und ähnliche Gründungspläne in Jerusalem und Haifa sind bisher immer wieder vertagt, worden. Zwischen Unruhen und...? Das Wirtschaftsjahr 5697 Von unserem ^-Palästina-Berichterstatter singende im Takte stampfende Schar. Inzwischen huscht die kätzige Orientalin, eine Grazie in Demut, auf dem lockeren Boden davon, als würde sie vom Winde gespült, und ihr zierlicher, schmächtiger Körper entflieht den Reihen der Fremdlinge. Schwimmer sind dem winterliehen Meere entstiegen, eilen über den tiefer werdenden Sand und bewegen sich heiter in der kühlen sonnigen Luft, so dass die rötlich durchblutete Haut der Frauen fleischlich gegen die straffe und stumpfe Wolle ihres Trikots erglänzt. — Ein arabischer Dandy im kurzen gelben Paletot folgt mit gedrehtem Kopfe dem unbekümmerten Spiele. Er schlingt den Hauch der weissen Frauen ein, und sein Körper duckt sich in lautloser List. Welche Lust gebiert doch Europa und welche Verachtung! — Da spaziert ein behäbiges Paar von Jaffa heran: er trägt den europäischen Mantel über dem bequemen und langen gelbgestreiften Gewände, sie aber hüllt sich noch, verschleierten Gesichts, in die unscheinbare faltige Kleidung der Städterin. Schalom oder Saläm! — Das sind beruhigte Bürger, geborgen in Verdienst und Zufriedenheit, denen dies eifrige Tel-Aviv recht zupasse kam und ein Klein-Paris bedeutet, an den neuen blitzenden Läden vorbeizuflanieren und im Cafehause und Kino sich zu vergnügen. Denn sie sind geneigt, mit allem zu pakten, was dem Gewinn ihres Lebens zugute käme. So treibt es friedlich oder begehrlich an einem vorbei. Ein Kucbenverkäufer, fezgeschmückt, mit prall sitzendem, grünem Sammetwestchen und pludrigen Hosen, hat sich inzwischen aufgebaut und schneidet auf schwarzem Bleche die Streifen der mandelgekrönten leckeren Fladen, während jüdische Kinder, die Hände auf dem Rücken trotzig verschränkt, mit begehrlichen Blicken den völkerverbindenden Konditor umstehen. Von weitem her drängt ein trippelnder Schwärm, tänzelt die weisse Sandbahn heran. Reiter kommen in zierlichem Schritte. Ihre Tiere mit Flatterbändern und blauen Glasketten behängt, berühren auf schlanken Fesseln mit glänzenden Hufen den muschligen Sand. Von jungen Herren mit schmalem Bärtchen auf der scharf gezeichneten Oberlippe respektvoll begleitet, reitet ein weissbärtiger Greis. In kurzem Abstände folgt ein Diener und führt am Zügel ein verspieltes, schräg springendes Fohlen neben der Mutterstute. Den Alten umweht der weite arabische Mantel bis über den Rücken des unruhigen Tiers, während die Jüngeren sich der anspruchslosen europäischen Kleidung bedienen (nussbraun und grauschwarz bevorzugen die arabischen Herren). Kein Blick der Stolzen, die plaudernd ihre Zigarette rauchen, trifft die Nachbarn und Zuschauer von Tel-Aviv. Nun muckt aus der knapp gezügelten Pferdeschar nervöse Unruhe auf: eines stutzt und wirft auf steil gebogenem Halse den edel ernsten Kopf zur Seite, indes ein anderes sich wider den Boden stemmt und aus roten Nüstern den Wind bläst. Frohlockend spürt es der Reiter in der nachgiebigen Faust, pfeift ein liebkosendes Lachen durch die blanken Zähne, schlägt kurz mit lockerer Hand auf den schief sitzenden Fez, tritt in die Bügel, schon steht er im Sattel, und — fort bricht es in voller Karriere ... Die Hufe trommeln den aufwirbelnden Sandstrand, die Schenkel der Tiere spiegeln wie Schaukein, es schweben die Reiter wie Seelen geflügelter Rosse! — Unbeweglich jagt der unteilbare Wuchs des Zwittergeschöpfes und segelt und schiesst durch die Luft. Wie schön ist die selige Grazie ihrer Hingabe und des selbstvergessenen Stolzes! — Ein Staubnebel flattert über den nachdröhnenden Boden ... Eine fremde Welt tobte an uns vorbei. Denn das sind keine europäischen Kavaliere, das sind Wüstensöhne und Tiere der Weiten! Eine Leidenschaft rast sich pathetisch aus, gesteigert in animalischer Verschlingung, und erstürmt den Horizont ihres Daseins. So stürzt das Schicksal die Hingegebenen in die irre siegreiche' Flucht, dass sie sich Freiheit und Wildnis ergeben, blindwütig zerstampfen, vernichten und sich und das Tier willenlos opfern . . , --Ich muss an die Liebermannschen Reiter am Strande denken. An der holländischen Küste stiegen einige Herren in den Sattel, dem von der Stubenluft angestrengten Körper Erholung zu gönnen. Man kann es sich leisten! Dem Maler sind sie ein erfreulicher Anhaltspunkt; denn er baut ja sein Bild, damit er sich darin wieder begegne. Und die Rechnung geht auf: eine soziale Perspektive, in reichen Silbertönen gestuft, aber durchaus ihrer Grenzen bewusst und von unnaiver herablassender Schönheit — eine mechanisierte Natur. Denn wenn der Derbyhengst den ruhmreichen Sieg gewinnt, so ist das eine systematische Ordnung, bei der die Kosten und Lasten verteilt sind. So will es der weisse Mann, ob er redet oder schweigt, ob er geht oder reitet, und so befiehlt er sich und der gesteuerten Kreatur . . . Barhäuptig und im weissen Sporthemd kommt mein Freund, der bäuerliche Grundbesitzer, im bequemen englischen Trabe daher. Seine Augen gehen sorglos in die Runde, indes der stämmige Mann im federnden Takte sich bewegt und den arabischen Hengst lässig verhindert, seinen wilden Genossen zu folgen. — Plötzlich aber packt er mit angezogenen Knien und drängender Faust das zusammengehaltene Tier und lässt es anspringend die rieselnde Dünenhöhe erklimmen, herunter und wieder herauf, pariert es aus, klopft den Hals dem zitternd Gehorsamen und nickt mir einen gemächlichen Gruss zu . . . Das nenne ich reiten! Er kann, was er will, und zwingt es! Und das ist viel, ja alle Hoffnung eines jüdischen Landes! (Fortsetz, folgt.) Eli Rubin: „Illusion Judenstaat Palästina." Soziusbuch Nr. 27, Wien. In einer Reihe von Veröffentlichungen, die neben der genannten Schrift solche über „AI Capone", „Autarkie" und „Krankenkassen — ein blühender Geschäftszweig" enthält, ist nicht viel Vertiefung des uns heute in Anziehung und Abstossung gleich heftig bewegenden Themas zu erwarten. Es handelt sich um eine antizionistische Volksschrift. Sie schwankt, wie das so bei volkstümlichen Kampfansagen zu sein pflegt, zwischen durchaus beachtlichen Einwendungen, die einer ernsthafteren Behandlung wrert wären und der billigen Feindseligkeit jeder Opposition, die unbelastet von Verantwortung ihren Ressentiments freien Lauf lassen zu dürfen glaubt. —Ml. Das Schulschiff „Sara" in Palästina Das erste jüdische Schulschiff der jüdischen Marineschule in Civitavecchia, Sara I, ein Viermaster von 750 Tonnen, ist mit einer Besatzung von 44 Offizieren, Kadetten und Matrosen dieser Tage im Hafen von Haifa eingetroffen. Im Tei- Aviver Rathaus wurden 25 Offiziere und Mairosen des Schulschiffes von Bürgermeister Rokach empfangen, der sie im Namen der Stadt begrüsst? und dabei auf die Bedeutung der jüdischen Schiffahrtsunternehmungen und der Arbeit der jüdischen Matrosen hinwies. Das Schulschiff, das vor drei Jahren für die jüdische Marineschule erworben worden ist, hat jetzt zum ersten Male die palästinensischen Gewässer besucht Es ist 1S98 gebaut worden und hat schon mehrfach Namen und Flagse gewechselt und die Erde umschifft. Es führt jetzt die französische Flagge. Vorstudien für den Bevölkerungs-Transfer? Der Direktor der Palestine Land Development Company, Dr. Jacob Thon, ist in Begleitung von Dr. Kurt Mendelsohn, einem aus Deutschland nach Palästina eingewanderten Fachmann für Siedlungsfragen', in Saloniki eingetroffen, um die Ergebnisse des griecbiscbtürkischen Bevölkerungsaustausches und der Kolonisation der aus der Türkei gekommenen griechischen Flüchtlinge in Thrazien und Mazedonien zu studieren. Es heisst, dass die Untersuchung der beiden palästinensischen Fachleute im Zusammenhang steht mit der geplante11 Ueberführung von Arabern aus dem Gebiet, das für den künftigen Judenstaat in Aussicht £e' nommen ist, in andere Teile Palästinas und nach Transjordanien. Die in Griechenland gewonnenen Erfahrungen sollen auch bei der Kolonisation des Hule-Gebietes verwertet werden. Der Gouverneur von Mazedonien, Kyrin^ empfing die palästinensischen Siedlungsfachleute und gewährte ihnen alle gewünschten Erleichterungen für den Besuch der Kolonisationszentren in Nordgriechenland.

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