Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1937-09-30 · 39 (30.9.1937) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
39 (30.9.1937)
Date
1937-09-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2277379-2277516-2277555--12263-2281857
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

C.-V.-Zeitung Se?te 10 Faktum geschaffen woirde, das man nicht genug unterstreichen kann. Abgesehen davon, dass hiermit einer der Herzenswünsche der Einwanderer erfüllt ist (das „Orgelproblem" ist, nach meinen Beobachtungen unter den Einwanderern völlig nebensächlicher Natur), stelle man sich einmal vor, dass 5000 holländische Juden nach Berlin gekommen wären und man ihretwegen 'den Gottesdienst in der Fasanenstrasse geändert hätte! Es muss unumwunden festgestellt werden, dass nach den langen Jahren des Schweigens von Seiten der Hauptgemeinde jetzt die wahre Problematik der Gegensätze — die übrigens mit dem wirklichen Gegensatz zwischen Orthodoxie und Liberalismus so ausserordentlich wenig zu tun hat — von Grund auf erkannt ist, und dass diese Erkenntnis durch die sehr rege Contactkommission auch zielbewusst in die Praxis umgesetzt wird. Die Hauptgemeinde lehnt nach wie vor jeden Kampf und jede offizielle Auseinandersetzung mit dem Liberalismus ab. Als die liberale Gemeinde vor einiger Zeit mit der Herausgabe eines Monatsblattes begann, schwieg man dies fast überall tot, und es kam zu keiner weiteren Diskussion. Das Blatt (..Het Licht") ist übrigens seit drei Monaten nicht erschienen, woraus man aber nicht ohne weiteres auf einen Rückgang der liberalen Gemeinde schliessen kann. Der Gottesdienst in Amsterdam war wie in den Vorjahren sehr gut besucht, aber — und darin liegt eine entscheidende Tatsache — die liberalen Synagogenbesucher sind nicht im entferntesten mit liberalen Gemeindemitgliedern zu identifizieren. Noch von einer ganz andern Seite versucht man Fühlung herzustellen. Es ist im Augenblick die Gründung einer Vereinigung: „De Brug" (Die Brücke) im Gange, deren ^Ziel es sein soll, die produktiven Kräfte der Immigration zum Wohle der jüdischen Gemeinschaft m Holland einzusetzen. Die Mitglieder sollen sich aus den Kreisen des holländischen und deutschen Judentums rekrutieren. Durch Kulturveranstaltungen. Vorträge. Arbeitsgemeinschaften auf geselliger und gesellschaftlicher Basis will man eine Plattform zur Erörterung aller jüdischen Probleme schaffen, mit dem Ziel, eine Art Lehrhaus aufzubauen. Vorläufig ist als Versammlungsraum das Flüchtüngsheim in Oosteinde in Aussicht genommen, späterhin wird man wahrscheinlich eigene Räume schaffen. In den Kreisen der eingewanderten Juden haben all diese Bestrebungen durchaus „zündend" gewirkt. Eine grosse Anzahl ist der Haupigemeinde beigetreten und besuchte während der Feiertage ihre Gottesdienste. Man spürt überall die völlig veränderte Atmosphäre, und man kann cur hoffen, dass die Kräfte, die auf beiden Seiten mit Eifer und Geschick am Werk sind, sich weiterhin zum Wohle der jüdischen Gemeinschaft auswirken. Ehrungen jüdischer Männer in Holland Professor Clarence F e 1 d ra a n n wurde am Geburtstag der Königin Wilhelmina zum C o m - mandeur des Ordens von Oranje- Nassau befördert und erhielt damit wohl die höchste Auszeichnung, die einem niederländischen Gelehrten verliehen werden kann. In der Nummer 24 der C.-V.-Zeitung vom 17. Juni hatten wir über die Ehrungen, die Professor sehen, mit welch unendlicher Mühe er immer wieder gefeilt hat. Am krausesten sehen solche Manuskriptseiten vielleicht bei Balzac aus, so den Mann und sein Werk charakterisierend, während uns Baudelaire durch schöne Verse aus seinen „Fleurs du mal'*' nahegebracht wird, wie-,Je sais que la douleur est la noblesse imique". Den grossen Streiter Emile Zola (..J'accuse"), AnatoleFrance, Flaubert, sie alle lernen wir liier kennen — und, was diese Ausstellung, die den Grundstock zu einem Museum der französischen Literatur bilden soll, so auszeichnet, verstehen : in dem Laien wird Ehrfurcht vor dem Schaffen des Schriftstellers geweckt. Diese Art des Ausstellens, die das Schaffen des Künstlers dem Publikum nahebringen will, ist in vorbildlicher Weise auch bei einer kleinen van Gogh-Ausstellung durchgeführt, die in dem neuen Nationalmuseum am Quai de Wilson zu sehen ist. Dieser neue Bau enthält ausserdem u. a. die grosse Rückschau der französischen Kunst, beginnend bei den herrlichen. Gobelins der Kathedrale von Reims bis zu den Werken der Impressionisten Corot, Manet. Monet, Sislet, Gauguin, Camille Pissaro und anderen, deren echter Kunstwert sich vielleicht durch nichts so stark dokumentiert wie dadurch, dass sie in dieser tausendjährigen Reibe erster Kunstwerke und Künstler — es seien nur Namen wie Fouquet, Fontainebleau, Watteau genannt — gleichwertig und zeitlos schön bestehen Der Rundgang durch die jüdischen Teile der Ausstellung führt uns zunächst zu dem Pavillon „Terre d'Israel". dem Palästinahaus, einem schlichten, weissen Bau im Palästina-Stil mit einem Vorgarten, in dem Palästina-WTein verabreicht wird. Haus und Irmenhof sind als Hintergrund für die Ausstellung der Idee und der Wirtschaft des Landes gedacht. Es ist schwer, in Ausstellunsen Ideen zu zeigen. In den meisten Pavillons werden Statistik und Photomontage Feldmann bei seinem Rücktritt von der Lehrtätigkeit an der Universität D e 1 i t zuteil geworden waren, und über den Lebensweg des Elektrotechnikers ausführlich berichtet. Ferner wurden folgende .Auszeichnungen an jüdische Bürger verliehen: Zum Ritter im Orden des ..Nederlandsche Leeuw" wurden ernannt L. S. G. H a r t o g , Kantonrichter in Amsterdam, I. H. J. Vos, Mitglied der Zweiten Kammer und des ,.Kerkeraads" der Amsterdamer Hoofdsynagoge. Professor Dr. L. Polak in Groningen und J. Hartog in Den Haag. Zum Offizier im' Orden von „Oranje Nassau" wurden ernannt M. I. Prins, Direktor der Ab- Die Berliner Jüdische Gemeinde darf das Verdienst für eich in Anspruch nehmen, der Erneuerungsbewegung in der synagogalen Musik stets ihre tatkräftige Unterstützung geliehen zu haben. Auf diesem Wege folgt nach Schal it. Dymont. Kopf. Weinberg nun in der Neuen Synagoge Oskar Guttm a n n s „Bereschitb" — im Preisausschreiben dee Reichsverbandes Jüdischer Kulturbünde durch Anerkennung ausgezeichnet —. ein Werk, das zwar nicht als Ganzes, jedoch in seinen einzelnen Teilen liturgisch verwendbar ist. Den Gegenstand bildet das erste Kapitel der Thorah. und so hatte man für die Uraufführung sinnvoll einen Zeitpunkt kurz vor dem Simchath-Tnorah- Feste gewählt und sie mit der feierlichen Beendigung und Weihe einer neuen Thorahrolle verbunden. Anlässlich dieses religiösen Aktes berichtete Direktor Heinrich Stahl in seiner Ansprache, dass die Berliner Jüdische Gemeinde zur Pflege der religiösen Verbundenheit mit ihren Auswanderern des öfteren Thorahrolien für ferne Gemeinden gestiftet hat; er bezeichnete die Thorah und die Jugend als die Träger jüdischer Zukunft. Rabbiner Dr. van der Zyl wies der gegenwärtigen Generation die Aufgabe zu. in neuer Unmittelbarkeit das Erbe der Thorah anzutreten. Die künstlerischen Ziele des Guttmannschen Werkes werden bereits in der ganzen Anlage deutlich. Der biblische Bericht wird, zumeist unbegleitet. ..geleint", also in der traditionellen Melodie, gemäss den Neginoth, den biblischen Akzenten, vorgetragen. Allerdings handelt es sich um die Pentateuchweise der sefardischen Juden, die nur im „Waj'chullu" durch die bei uns gebräuchliche abgelöst wird. Hier erscheint auch ein vorsichtiger harmonischer Untergrund, auf den sonst fast ganz verzichtet wird, um die ürkraft der Einstimmigkeit sprechen zu lassen. Der Mehrstimmigkeit ist Raum gegeben in den Einschaltungen, die der Komponist „als eine Art Midrasch", also ausdeutend, der Erzählung der einzelnen Schöpfungstage folgen lässt. Sie sind, mit Ausnahme des „Adon . .olam", sämtlich der Bibel entnommen. Wuchtige Quintklangfolgen in Orgel und Orchester eröffnen das Werk, dann setzt der Chor mit ,,Bereschith" ein, das Urwort feierlich ausspinnend. Hierauf erst beginnt der Vorsänger mit der eigentlichen Erzählung. Traditionsgemäss werden Stellen wie „Wahj'hichen" u. ä. (durch orchestrale Untermalung oder chorische Wiederholung) hervorgehoben. Bisweilen lassen instrumentale Intermezzi von kleinstem Ausmass bereits Motive der folgenden Einschaltung aufklingen, was an manchen Stellen freilich etwas problematisch erscheint. dazu verwendet. Die gesamte Ausstellung hat dadurch etwas Schematisches. Man ermüdet, wenn man immer wieder die gleiche Methode sieht. Die Verantwortlichen für den Palästina-Pavillon hätten sich vorher entscheiden sollen, was zu zeigen auf solcher Ausstellung wichtiger ist, ob das Ideal oder ob die "Wirtschaft des Landes. Sie haben sich nicht vorher entschieden. So ist eine Mischung entstanden, bei der die Idee, grob gesagt, durch Oelflaschen erdrückt wird. "Die" Industrie des Landes steht, wie wir alle wissen, noch sehr im Anfang. Das Land exportiert im wesentlichen nur Orangen, Oel, künstliche Zähne, Seife. Das hätte man an einem kleinen Stande in geschickter Aufmachung zeigen sollen. Statt dessen lenkt man von den grossen, an sich schönen Photomontagen, die die landwirtschaftliche Besiedlung des Landes, die Einwanderung, besonders seit 1933, zeigen, und von den Statistiken, die u. a. den Anteil von Juden und Arabern an diesem Lande darlegen, immer wieder ab durch den Hinweis auf die Exportindustrie, die ja im Vergleich zu den Riesendimensionen, die die gesamte Ausstellung sonst in allen Teilen beherrscht, verschwindend klein sein muss. Man hat weniger die Grösse der Idee als die Kleinheit des Landes gezeigt. Und diesen Eindruck wird auch der kaum überwinden können, der sich die Mühe nimmt, die Wandsprüche und Bilder, die die Lösung der Judenfrage mit Herzl darin sehen, dass den Juden die Hacke in die Hand gegeben wird, eingehend zu betrachten. Stärker wirken schon die Abbildungen der Hafenanlagen von Tel-Aviv und Haifa und Bilder der modernen Städte. Eine Wand zeigt in Vitrinen Kunsthandwerk von EmmiBoth, A n a k, S h a n i, Silber, Keramik, Holz, Spielzeug, Basteleien usw., eine andere in winzig kleinen Dioramen das Schaffen der Habima. Immerhin, die Habima wird in wenigen Wochen in Paris Gastspiele geben und wird dabei in grösserem Rahmen von der jüditeilung für Arbeitssachen bei der Stadtgemeinde Amsterdam, G. R. Lobatto und B. Citroen in Amsterdam. Zum Ritter im Orden von „Oranje Nassau" wurden ernannt K. L. van 0 s, M. L e v i e, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Groningen, B. Abraham in Paris, S. Lioni in Paris, A. Lobstein in Hilversum und der bekannte holländische Kabarettist Louis Davids in Amsterdam. Die Ehrenmedaille in Gold wurde verliehen an A. G o b e s, Cheftelephonistin in Amsterdam, in Silber an Fräulein E. Horneman und in Bronze an M. Blök. Die Bindung an die Neginoth. an die überlieferte Pentateuchweise, bekundet den Willen, den biblischen Bericht in seiner Objektivität wirken zu lassen, ohne in der musikalischen Sprache der Gegenwart oder jüngsten Vergangenheit ausmalend oder gefühlsmässig zu ihm Stellung zu nehmen. Diesem sakralobjektiven Charakter dient ferner in den Chorsätzen die Wahl strenger Formen, wie Passacaglia. Fuge, ihr dient die Instrumentierung, die den beseelten Streicherklang zugunsten der kühleren Bläser zurückdrängt. Dem Wissen um frühere Erscheinungsformen jüdischer Musik entspringt, wie bei Weinberg, die Verwendung des Fünffonsystems: die Erinnerung an die Instrumentalmusik im Tempel, wie sie von der Bibel geschildert wird, bestimmt das exotisch wirkende Orchestergewand der Keduscha und einiger Psalmsätze mit dem hellen Geklirr der Triangeln, mit den von der Trompete imitierten Schofartönen auch der Tanzcharakter des 19. Psalms, des „Zaddik katomor" im 92. Psalm bedeutet ein solches Zurückgreifen auf biblische Musikpraxis. In diesem Rahmen fügt sich freilich nicht die klangvolle, aber doch einer ganz anderen Stilwelt verpflichtete Fuge über den 150. Psalm, fügt sich auch nicht das düstere „Enosch" der Seelenfeier, das sich an die Schöpfung des Menschen bedeutungsvoll aoschliesst und in dem der Komponist vielleicht am persönlichsten spricht. Bleibt so eine gewisse Divergenz spürbar zwischen dem mit kühner Konsequenz verfolgten Willen, der jüdischen Musik ..Altneuland" zu erobern, und den stilistischen Möglichkeiten, innerhalb deren sich die Ausdruckskraft des Komponisten am stärksten zu entfalten vermag, so wird maa „Bereschith" um der Radikalität willen, mit der hier künstlerische Erkenntnisse in die künstlerische Tat umgesetzt wurden, die Bedeutung einer nicht unwesentlichen Station auf dem Wege zu einer eigenständischen jüdischen Kunst- und Kultmusik zuerkennen müssen. Die Aufführung, die Chemjo W i n a w e r mit seinem Chor und dem Orchester der KünstlerhiHe dem anspruchsvollen Werk gab. erzielte besonders im Chorischen durch Straffheit und klangliche Ausgewogenheit einen geschlossenen Eindruck; orchestral hätte (z. B. in der Fuge) manches stärker ausgefeilt werden dürfen. Winawer besitzt die Vertrautheit mit jüdischem Melos, aus der heraus hier zu gestalten war. Das gilt auch für Hanns John- J a c o b s o h n , der den Part des biblischen ^Erzählers in geradezu vorbildlicher Gebändigtheit des Ausdrucks, dazu in ausgezeichneter Stimmdisposition durchführte. Paula S a 1 o m o m sehen Kultur im jüdischen Lande Zeugnis ablesen. Die Ausstellung de5 ORT, Gesellschaft zur Förderung des Handwerks, der Industrie und der Landwirtschaft unter den Juden, ist am anderen Ende der Ausstellung, in dem Pavillon International, untergebracht. Auch hier ist die Wand mit einer Photomontage bekleidet: sie zeigt in wirksamer Gegenüberstellung die alten Ghettoberufe und den jüdischen Bauern .bei der Landarbeit und den jüdischen Arbeiter an der Maschine. „C'est dans le travail aux ateliers et aux champs que TORT voit la gusrison economique des masses juives" ist in grossen Lettern darüber geschrieben und eine Wandkarte aus Holz mit aufblitzenden Lichtern zeigt, wo der ORT überall Komitees, Fabriken,"Schulen und landwirtschaftliche .Siedlungen unterhält: 159 Berufsschulen, 126 landwirtschaftliche Genossenschaften, 114 genossenschaftliche Fabriken, 621 Volksküchen, 280 landwirtschaftliche gemischte Vorstadtsiedlungen unterhält ei. 55 000 Menschen wurden im Laufe der Jahre durch die produktive Fürsorge des ORT erfasst, und einen eindrucksvollen Ueberblick über das, was diese Menschen erlernt haben, geben die Arbeiten aus den Schulen, die auf den Tischen ausgestellt sind: Maschinen aus den Schulen in Wilna und Kowno, ein Schreibtisch aus der Tischlerei in Warschau, Handarbeiten aus den Mädchenkursen in Warschau, Kleider und Hüte aus der Pariser ORT-Schule, Handwebereien aus Jugoslawien und vieles andere mehr. Auch die junge Berliner ORT-Schule stellt sich in Photografien und in einer Arbeit vor, einem Schlüssel, der im Bart und im Kopf die Inschrift trägt: „Durch ORT-Fachschulen zur Qualitätsarbeit", „Der Schlüssel der Zukunft der jüdischen Jugend." Wenige Schritte entfernt ein grosser, fast leerer Stand mit. der anspruchsvollen Ueber=,cbrift „La culture iuive"n«d > Klammern dahinter gefügt: Yiddisch. Kinder- Nr.39 * 30. September 1937 (Lindberg) entfaltete frauliche Beseeltheit in den leuchtenden Farben ihres weittragenden Altes. Werner Baer an der Orgel diente mit herben, klaren Registern dem Charakter des WTerkes und nahm dessen Stil geschickt auch in die Improvisation zum abschliessenden Umzug aller Thorahrollen mit hinüber. — Die Synagoge war ausserordentlich gut besucht: die Hörer bekundeten durch Erheben von den Plätzen ihre innere Beteiligung._ H. Freykan. Sonntag-Nachmittagsvorstellungen im Berliner Kulturbund Vielfachen Anregungen aus Publikumskreisen folgend, beabsichtigt der Jüdische Kulturbund, bef genügender Beteiligung eine Abteilung ehv zuricWen7 die ihre Theatervorstellung an Sonntag Nachmittagen hat. Diese Vorstellung ist besonders für ältere Personen, denen der verhältnismässig späte Vorstellungsschluss beschwerlich wird, "gedacht. Darüber hinaus wird diese Vorstellung, die jeweils am dritten Sonntag im Monat stattfinden soll, und die laufenden Kulturbund- Stücke in der' gleichen Besetzung wie abends darbieten wird, für nicht in Berlin ansässig? Juden, die in der näheren oder weiteren Umgebuns Berlins wohnen, geeignet sein, da aus diesen Kreisen sehr häufig der Wunsch geäussert wurde. Kulturbundmitglied in Berlin zu werden, eine Teilnähme an den Abendvorstellungen aber aus Reisegründen nicht möglich ist. Der Kulturbund bittet daher diejenigen seiner Berliner Mitglieder, die für. diese Nachmittagsvorstellung fnteresse haben, um Meldung unter Angabe der Mitsrliedsnummer. ferner die Juden ausserhalb Berlins, die auf diese Weise Kulturbundmitglied werden wollen, um sofortige Anmeldung, damit nachgeprüft werden kann, ob eine solche Vorstellung genügende, Beteiligung findet. Alexander Kipnis singt am 4. Oktober. 20'/4 Uhr, im Grossen Saal des Jüdischen Brüdervereins. Berlin, u. a. die Arie aus dem ..Requiem*' von Verdi, eine Reihe von Liedern von Schubert und Rubinstein sowie Arien aus bekannten Opern und von ihm noch nicht gehörte russische Lieder. _ Alexander von Zemlinsky Der 4. Oktober, an dem dieser feine Musiker 65 Jahre alt wird, gibt Anlass. seiner zu gedenken. Seine sensible und vielgestaltige Musiksprache ist kennzeichnend für den Uebergang zweier Epochen, deren Ausdruckswelt deutlich den Stempel der Wiener Schule trägt. In gleicher Weise hat er die Oper und den Konzertsaal mit neuen und neuartigen Werken bedacht, von denen sehr viele auch nach Deutschland' gelangt sind: „Kleider machen Leute"' — vielleicht sein bestes Werk — eine Oper voll ansprechender Melodik und der ,;K r e i d e k r e i s" (nach Klabund) erlebten viele Wiederholungen. Zemlinsky, der Halbjude ist, begann seine Wirksamkeit als Kapellmeister der Wiener Volksoper, wurde dann nach Mannheim berufen und verlest« später seine Tätigkeit nach Prag, wo er law Jahre als Opernleiter und Direktor der Malakademie beispielhaft wirkte. Auch als sinfonischer Komponist ist Zemlinsky bedeutend. Unter vielen anderen Werken hat er auch eine „Lyrische Sinfonie" mit zwei Singstimmen geschrieben. Vor kurzem leitete er in Wien, seinem ständigen Wohnsitz, ein Orchesterkonzert mit grossem Erfolg und bewies damit von neuem, dass er noch viel zu sagen und noch lange mitzusprechen hat. K. W. uuw. ~i ».Mwww^Aiii»wytMi»-i .^jr^mBimMixmuMMmjmir«ai arbeiten aus Polen sollen hier nach den Erzählungen jüdischer Dichter wie Scholem Alejchem, Perez und anderen jüdisches Volksleben im östlichen Ghetto zeigen. Bücherreihen zeigen die Verbreitung des Jiddisch und die Zahl der in jiddischer Sprache erschienenen Literatur. Das ganze eine Darstellung, die in keiner Weise den anspruchsvollen Namen rechtfertigt. (Fortsetzung folgt.) Wodhe'nplan des Berliner Kulturbunds Theater in der Kommandantenstrasse 51- 20 Uhr 15 Min.: ..Stützen der Gesellschaff: 2. Oktober (Abt. 1 11), 3. Oktober (Abt. 2, 12). 4. Oktober (Abt. 3, 13). 6. Oktober (Abt. 6, 16). 7. Oktober (Abt. 23, 33). .,Csardasfürstin5. Oktober (Sondcr-Veranstaltxmg). Synagoge Oranienburger Strasse 2931. 20 Uhr" 15' Min.: Orchester-Konzert: 4. Oktober (Abt. 5. 15. 6, 16, 7, 17, 23. 33). 6. Oktober (Abt. 1. 11. 9, 19. 41. 51), 7. Oktober (Abt 2. 12, 3, 13. 4, 14). Am 3. Oktober. 1.1 Uhr 30 Min., findet im Brüd-Tverpinshaus. K-'-f)jr<sfr>n«frasse 11.5/116. ein Einführungsvortrag in das Schauspiel ,$sT Golem" von Lehvik statt. Dr. Lutz W e 11 in a n n spricht über das Golem-Thema, unter Mitwirkung von Rita A11 a s z, Siegfried U r i a s (Gesang) nnd Kapellmeister Hans Margolinsky (Kla" vier). Der Vortrag ist nur Mitgliedern des turbundes segen Vorzeigung der Mitgliedskarte zugängig. Kostenlose Eintrittsmarken sind in de'1 Zahlstellen erhältlich. Dela Lipinskaja tritt am 11. Oktober in Frank' f u r t a. M. in einem von der Konzertdirektion Hermann Koch veranstalteten Konzert mit einern völlig neuen Programm (mit neuen Chansons und Figurinen) auf. Jüdische Künstlerhilfe Die ersten Aufführungen des Kleinkunstpro* gramms* „Der grosse Bilderbogen" ~~ Texte:" Leo Hirsch.. Musik: Ts mar Weiss. Regie: Nicolai E! i a s o h o w , Ausstattun? Osias Koffler — finden am 9. und 10. Oktober im Saal des Hotel „König von Portugal"- Burgstrasse 16, statt. Darsteller: Edith Esther Hirsch. Lotte Oppcnheiraer. Heinz Kahnem a n n. Alexander L i p s c h i t z, Herbert ■ -M e y r o• witz, Arthur Pey.ser. Oskar Guttmanns 9SBereschith" Uraufführung in Berlin

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.