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Central-Verein-Zeitung · 1937-09-23 · 38 (23.9.1937) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
38 (23.9.1937)
Date
1937-09-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 C.-V.-Zeitung Nr. 38 * 23. September 1937. mir meinen Platz einzunehmen und für mich weiter zu frühstücken, damit Sie mir ja nicht auch noch auf den Bahnhof nachfolgen. Sehen Sie, diese Seelengelassenheit ist Humor ..." Damit entfloh ich, der junge Mann setzte sich nachdenklich an meinen Platz und liess den Kaffee kalt werden . . . Winterprogramm des Kulturbundes Rhein-Main Auch der Kulturbund Rhein-Main (Sitz: Frankfurt a. M.), der von Anfang an den Schwerpunkt seiner künstlerischen Tätigkeit in dem von Hans Wilhelm Steinberg begründeten und lange geleiteten Orchester sah, lässt nunmehr einiges über seine Winterpläne verlauten. Die eigentliche Arbeit soll im Oktober aufgenommen werden, der ein unentgeltlicher Werbeabend mit musikalischen und rezitatorischen Darbietungen von hauptsächlich Frankfurter Künstlern vorangeht. In ihm wird sich auch der neue künstlerische und organisatorische Leiter, Dr. Heinrich Levinger, vorstellen, von dessen Erfahrungen an der Spitze des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr (Sitz: Köln) man sich hier viel verspricht, um so mehr, als die Möglichkeit besteht, das Kölner Schauspiel für Frankfurt a. M. und das Frankfurter Orchester für den rheinischen Bezirk auszuwerten. Im übrigen ist an wiederum unter Leitung von Generalmusikdirektor Professor Prüwer stehende Reisegastspiele des etwa Sököpfigen Orchesters diesmal nur innerhalb West- und Süddeutschlands gedacht, da für den Norden das Berliner Orchester zur Verfügung Sieht. Geplant sind Orchesterkonzerte, Chorkonzerte mit und ohne Orchester (hier denkt man u. a. an eine Aufführung des Händel-Oratoriums ..Belsazar'' unter Leitung von Dr. X. Ehrenreich), Theateraufführungen im Rahmen der szenischen Möglichkeiten. Solistenkonzerte und Kleinkunstabende. Von auswärtigen Künstlern, die vorläufig in Aussicht genommen sind, werden Paula Saiomon (Lindberg), Ruth Kisch -Arndt, Wilhelm Gnttmann. Vera Schwarz und Erich Landerer, ferner für Rezitationsabende Otto Bernstein und Walter H e r z (Heriner) und — für Kleinkunstabende — Max Ehrlich und Dela Lipirjska j a genannt. Selbstverständlich wer- .den die Frankfurter Kräfte nicht übergangen werden. Es ist richtig, dass die Leitung des Kulturbundes Rhein-Main, durch Erfahrungen belehrt, von Anlang an bestrebt ist, die materielle Basis ihrer Veranstaltungen für alle Fälle zu sichern. So wird jetzt auch in Frankfurt a. M., was anderwärts längst geschah, die Zusicherung-der •Leistung eines bestimmten Jahresbeitrages von jedem verlangt, der die Mitgliedschaft erwerben •will. Es ist sehr zu hoffen, dass das Frankfurter Publikum für diese Massnahme Verständnis zeigen und so die dringend erwünschte nötige Weiterarbeit des Kulturbundes ermöglichen wird. Wie bedeutsam diese Tätigkeit ist, geht auch daraus hervor, dass die weitere Förderung und Unterstützung durch die Frankfurter Gemeinde und die zentralen jüdischen Organisationen in Deutschland erwartet wird. ' In einer Fördererbesprechung des Kulturbundes Rhein-Main sprach der neue künstlerische Leiter, Dr. Levinger, von seinen Plänen im einzelnen und im grossen, erwähnte, dass sich unter den fünf vorgesehenen Schauspielaufführungen etwa Ibsens „John Gabriel Borkman". und — aus dem jüdischen Bereich — ein neues Stück von Georg Hirschfeld aus der Jettchen-Gebert-Sphäre sowie ..Amcha" von Scholem Ale ehern befänden. Aus sozialen wie aus kulturellen Gründen wolle man das Orch ester, den anspruchsvollsten, aber auch, ehrenvollsten Faktor innerhalb des Etats nicht opfern, zumal Frankfurt a. M. ausser Berlin die einzige Stadt sei, die über ein künstlerisch vollwertiges jüdisches Orchester verfüge. Der Kulturbund stelle heute einen wichtigen Ausdruck des Lebenswillens unserer Gemeinschaft dar. er bedeute den Schutz wall gegen die geistige Proletarisierung. Die Tuchfühlung mit Dingen der allgemeinen Kultur, aber auch die starke Berücksichtigung der jüdischen Kultur in Vergangenheit und Gegenwart bestimmten zwangsmässig ein weitgespanntes Programm, zu dessen Durchführung die tätige Mithilfe der Allgemeinheit notwendig und selbstverständlich sei. —tt. Theater der jüdischen Schulen Im Oktober beginnen in Berlin die ständigen Aufführungen des Theaters der jüdischen Schulen, das aus der in der vorigen Spielzeit so erfolgreich tätig gewesenen Jüdischen Jugendbühne hervorgegangen ist. Unter der Leitung von Werner Hinzelmann und Ernst Rosenbaum finden die Aufführungen jetzt im Grossen Saal des Jüdischen Brüdervereinshauses, Kuriürstenstrasse 115/116, nachmittags 0V2 Uhr und abends 7V2 Uhr, statt. Der Spielplan umfasst bis März 1938 sechs. Aufführungen und ist im Einvernehmen mit der jüdischen Lehrerschaft und der Schulverwaltung der Jüdischen Gemeinde aufgestellt worden. Als Eröffnungsvorstellung wird am 25. Oktober 1937 Shakespeares „Komödie der Irrungen" gegeben. Es folgen dann: ..Der P 0 j a z" von "Georg Hirschfeld nach dem Roman von Karl Emil Franzos, „Der Frauenkampf" von Scribe, ,.U ri e 1 A c 0 s t a" von Gutzkow (in neuer jüdischer Bearbeitung), „Der Geizige" von MoLiere und ein Werk von Ludwig Fulda, anlässlieh seines 75. Geburtstages. Die lebhafte Anteilnahme der jüdischen Jugend an den Aufführungen erwies sich bereits im vorigen Jahr dadurch, dass der Besucherkreis von Vorstellung zu Vorstellung wuchs und zuletzt über 2500* feste Abonnenten umfasste. In dieser Spielzeit ist demnach mit einem weiteren Ansteigen der Besucherzahl zu rechnen. Anmeldungen, nähere Auskunft und Prospekte im Büro des Theaters der Jüdischen Schulen, Berlin SW19, Stallschreiberstr. 41/42, Tel. 171151. SCHACH'ECKE bearbeitet von P. Rosenblatt. Schachaufgabe Nr. 108 von L. Schor (La Liberte 1928). m ü irnß, m mmm I /^/y/%/z ''WM 1 <4 m §1 m iö'ip ■ — — « Wky/„,,,ßmy///// « « fÜl W/ -m äI $Hr*m WM "WAWr& Wfo Konzerte und Vorträge Matt in drei Zügen. Weiss: KaS, DhS, TbS, Tf2, La3, Sd6, Sei Ba6, d2. eo, H, gö (IS) Schwarz: Kd4, Dg6, Tel, Lb3, Sg2, Ba7, dö (7) Schachaufgabe Nr. 109 von F. Frankel (Die Schwalbe, 1932). Der Kulturbund Leipzig eröffnete seine Winterarbeit mit einem Arien- und Liederabend. Kantor Julius Peissachowitz vollbrachte besonders in der Arie des Grafen Luna aus dem ^Troubadour" eine sehr beachtliche Leistung, und Paula Salomon-Lindberg konnte im ..Hopak" Anmut und Wohllaut ibrer Stimme voll zeigen. Beide Künstler vereinigten sich in Duetten von Mendelssohn. Hill er u. a. Erna Klein zeichnete sich wieder durch ihre feine Begleitung aus. — Bei einer Werbeveranstaltung für" Nichtmitglieder wirkte ebenfalls Paula Salomon-Lindberg (Begleitung: Erna Klein). Max Koninski rezitierte deutsch, hebräisch und jiddisch. Dr. Hans A b e Ls 0 h n , Leipzig, sprach über das Thema: ..Ist Kultur heute Luxus*?" Das Leipziger Mendelssohn- Trio konnte seine bewährte Kunst wieder zu voller Entfaltung bringen. Die Konzertdirektion Arthur Ehrlich veranstaltete anlässlich der Messe zwei Kleinkuustabende. Herbert Zernik bewährte sich als hervorragender Ansager und ausgezeichneter Parodist. The Joker (Walter Lachmann) verblüffte die Zuhörer durch seine Zauberkunststücke. K. S. Ein Frankfurter Kammermusikabend vermochte noch nach dem eigentlichen Ausklang der Konzertsaison in den letzten Julitagen eine: zahlreiche Hörerschaft anzuziehen und zwei Kurzstunden über des Lebens "tägliche Scherze zu erheben. Richard Karps schöner Bratschenton und seine geschulte Musikalität kamen in der f-moll- Sonate von Rubinstein (op. 43) zur Geltung; die bekannte A-dur-Sonate von Cesar Franck erhielt durch Theo R a t n e r flüssige, im Ton ansprechende geigerische Formung. Hans Assenheim, prachtvoll bei Stimme, sang mit seinem ergiebigen Bariton Lieder von Rubinstein und drei altitalienische Gesänge, die Richard Karp mit feinem Stilempfinden für die Triobesetzung (Klavier, Violine, Viola) eingerichtet hatte. Am Flügel begleitete und spielte als ebenbürtiger Partner Max Firnberg, der mit seiner ungewöhnlichen Naturbegabung ebenfalls zum Gelingen dieses schönen, sehr dankbar aufgenommenen Abends beitrug. --tt. Freunde der Musik in Offenbach a. M. hatten sich zu einem Kammermusikabend eingefunden, den Frankfurter Kulturbundkünstler als Sommerveranstaltung gaben. Theo Ratner (Violine) spielte mit technischer Brillanz die Sonate für a-Dur von Cesar Frank. Hans Assenheim sang, dynamisch ausgezeichnet abgestuft, drei Lieder von Rubinstein und altitalienische Arien, die Richard Karp für Violine, Viola und Klavierbegleitung eingerichtet hatte. Der Sänger Assenheim begeisterte auch an diesem Abend wieder durch seinen metallisch-voluminösen Bariton und dynamisch ausgezeichnet abgestuften Vortrag. Den Abend beschloss Richard K a rp mit der Bratschensonate in f-moll von Kardini, die er mit überlegener Technik und warmem Ton vortrug. Der gesamte Klavierpart des Abends lag in den Händen des gewandten Max Firnb e r g. _ G—m. Wocheoplan des Berliner Kulturbundes Theater in der Kommandantenstrasse 57, 20 Uhr 15 Min.: „Stützen der Gesellschaft", 25. September (Abt. 29, 39), 27. September (Abt. 4, 14), 28. September (Abt. 5, 15), 29. September (Abt. 9, 19), 30. September (Abt. . 41. 51). Synagoge Oranienburger Strasse 29/30, 20 Uhr 15 Min.: Öi c h e s t er k-o-n z e f t, 29;September (Abt. 8, 18," 21,'22, 24, 31, 32, 34, '46), 30. September (Abt. 25, 26, 27, 28, 29, 35, 36, 37, 38, 39). — Die Aufführung der für die September-Orchesterkonzerte vorgesehenen modernen Werke von Toch, Jakob Schönberg und Walther Hirschberg ist auf einen späteren Zeitpunkt verschoben worden, zu dem sie in Gemeinschaft mit anderen Werken lebender jüdischer Komponisten in einer Sonderveranstaltung „Moderne jüdische Musik" zur Aufführung gelangen werden. ff- Die Proben zu Leiwiks „Der G ol e m". der Eröfmungspremiere der neuen Spielzeit, sind in vollem Gange. Regie: Fritz Wisten : Bühnenbilder und "Kostüme: Heinz Cond eil. mm^fMA pVlfi H Iis.Iii Iii ■ yWfr W/A-^W////.^/////^ « WM MI % %?M Iii --m«fV ■ ^&,^ßm Matt in vier Zügen. Weiss: Ke7, L<r2/ Ba6, b3, d2, eS, f2, g4 (8) Schwarz: Key, Le4, Bb6, bo, M, g6, gö, g3, h6 (9) it. Lösung der Aufgabe Nr. 106: 1. Dc8—hS, drohend 2. Te4—d4 matt. ... i Leo—d4, 2. Te4—eo matt »0,„ Le3—d2, 2. Te4—eS matt . . Le3—gl usw., 2. Te4—e® matt #»#Jj Kd5— c6, 2. Te4—c4 matt Da2Xg2, 2. Dh8Xa3 matt '. * Lösung der Aufgabe Nr. 107: 1. Dbl—b7, Sd4—bo; Db7--e4t, -Sbo—d4: ■ 3; De4—bl; 4. Dbl—b3 (Xb3) matt. -Ein Miniatur-,,White-to-play''-Problern. Durch des Dreiecks-Marsch der Dame erreicht Weiss die Ausgangsstellung mit -Schwarz am Zuge. . * Richtige Lösungen von Nr. 106 und 107gingen' ein von: Rechtsanwalt Dr. Ernst Boehm (Brieg)* Adolf Schuck (Breslau), Erwin Jaffe (Leipzig),- Michael Levy (Krefeld), Lothar Schönthal: (Nürnberg), H. Lindner (Burarkunstadt), Dr. med. J. Meyerhoff (Rotenfels), Landg.-Rat a. D. Karl Ulrich (München), Frau Tilde Adler, Tierarzt Max- Koschminski (Landsberg), Wirtschaftsprüfer Dr. Herbert E. Hirschberg. Dr. med. Herbert Picard,.- Kurt Burchard, Gustav Lew!,- A. Baronowitz. Georg Arnheim (Berlin). Landg.-Rat Emil Bacharach (Amberg)« Sicgmund Austerlitz (Giessen), Bernhard Loeb (Bingen), Rechtsanwalt Ludwig Mayer "(Berlin). Von Nr. 106: Hanno Freund (Berlin). rückt gegen die Scheibe. Das Auto knirschte . in seinen Bremsen und stand vor der Synagoge still. Die Frau lag in der Ecke des Wagens und hielt ihre Hände vor die Augen. Der Mann aber war jetzt ganz rubig und in sich gesammelt. Er blickte auf die steinernen, in der Mitte ausgetretenen Stufen, die zum Eingang des Gotteshauses hinaufführten. Er las — wie er es früher noch nie so aufmerksam getan hatte — die golden blinkende Schrift über der Schwelle. Seine Augen tasteten alle Fenster der langen Front ab: Hinter den unteren hatte er den ersten Unterricht erhalten; die des zweiten Stockes gingen in den Betraum, wo der Chasan den das Herz anrührenden ..Ani hu haschoel" gesungen, wo der Rabbi, in die Wehmut des zerrinnenden Versöhnungstages seinen „S'chor b?ris awrohom'" geweint, und wo sein eigener Vater, ihm sei, der ewige Friede ... So stand der Mann noch eine Weile vor dem Gebäude, sah jede Einzelheit: die schief herabhängende Dachrinne, das Farbenspiel der von dem Messing der Hängeleuchter zurückgeworfenen Sonnenstrahlen. Dann klopfte er leise, kaum hörbar, gegen die Scheibe. Der Fahrer verstand sofort, was der im Innersten aufgewühlte Mensch da hinter ihm verlangte. Er trat den Gashebel. Der Motor fauchte wie ein wütendes Tier. Der Propeller surrte. Und der Wagen brauste wie der Sturmwind durch die Gassen, so dass der Mann kaum noch etwas wahrgenommen haben würde, auch wenn er seinen Kopf nicht auf die Schulter seiner Frau hätte fallen lassen. langt und wird bei dieser Gelegenheit zum ersten Male gezeigt. Das Septemberlieft des 55Morgeiig .6$ Ausstellung Ernst und Alexander Oppler. Im Todesjahr des Bildhauers Alexander Oppler und gleichzeitig in Erinnerung an den 70. Geburtstag seines verstorbenen Bruders, des Malers Ernst Oppler, plant das Jüdische Museum im Oktober eine Gedächtnis- Ausstellung für die beiden Künstler. Ein grosser Teil des Nachlasset; der Kiinstlerbrüder ist in den Besitz des Jüdischen Museums ge- Nahezu alle Gebiete jüdischen Geisteslebens finden sich in dem neuen Heft des „Morgen" behandelt, religiöse Probleme ebenso wie Liturgik. Geschichte neben Philosophie, Kulturhistorie und Ethnologie. Aber die Vielgestaltigkeit dieses der Feiertagslektüre zugedachten Heftes wirkt nicht verwirrend: in ihm bewährt sich das wertvolle Arbeitsprinzip der Zeitschrift, den aktuellen Anlass aufzugreifen und aus dem Bereich des bloss Tatsächlichen gewissermaßen auf das Niveau geistiger Erörterung und Einordnung zu erheben, aufs beste. Das unaufdringlich Querschnitthafte gibt dem Heft seine eigene Note und lässt es als eine ausgezeichnete, im besten Sinn jüdische Leistung erscheinen. Dass die ersten Worte des Heftes den „Herbstfeiertagen" gewidmet sind, ist nicht andere als selbstverständlich. In schönen treffenden Sätzen wird da auf den scheinbaren Widerspruch hingewiesen, den der jüdische Wirklichkeitssinn und die jüdische Messias-Sehnsucht mit ihrem schmerzlich-hoffnungsfrohen Ineinander zu bilden scheinen, und der auch den hohen Feiertagen ihren inneren Glanz verleiht. Alexander Altmann erörtert sodann die Frage: „Dogmen im Judentum?", wobei er eine religionsgeschichtliche Betrachtungsweise wählt. Im Verlauf der Untersuchung bezeichnet er die verschiedenen historischen Versuche, Dogmen im Judentum aufzustellen, als das immer erneut gewagte und innerlich berechtigte Unternehmen, nach innen und aussen hin das jüdische Glaubensgut abzugrenzen und sagbar zu machen, obwohl nicht das „Dogma", sondern die „Emuna", das Vertrauen, den eigentlichen Quell der Glaubensfähigkeit und -Verpflichtung im Judentum bildet Meta Brinkmann schildert auf der Grundlage eines früher veröffentlichten Forschungsberichtes die religiösen und geschichtlichen Vorstellungen der Massai, die mitten unter den ostafrikanischen Negern in schlicht monotheistischem Glauben leben und deren Ueberlieferung überraschende Parallelen zur frühen biblischen Geschichtserzählung enthält; die Vermutung liegt nahe, als ob die Massai trotz vielfacher Vermischung mit anderen Völkern semitische Glaubensvorsteilungen auf ihrer Wanderung nach Süden mit sich geführt und bewahrt haben. Von dem abenteuerlichen Leben des „Alvaro Mendez — Herzog von Mytilene" entwirft Hermann Sinsheimer ein buntes Bild, in das auch das portugiesische Marannentum miteinbezogen ist. Carl Cohen führt den Nachweis, dass wohl historische Fakten feststellbar, die Ideen der Vergangenheit ohne Zwangskonstruktionen und künstliche Schlüsse aber kaum je nachträglich verständlich seien, und warnt vor falschen, historisch bestimmten Ideologien. Eine Darstellung des kulturgeschichtlichen Anteils der Juden an der Entwicklung von Schrift und Buch gibt Walter Laaser. Oskar Güttin ann erörtert eine alte Streitfrage: „Die Orgel in der Synagoge" vom Standpunkt des jüdisch empfindenden Musikers mit dankenswerter Objektivität. Von Ludwig Marx zusammengestellte „Gedanken über Gott" aus dem Werk J. J. Rousseaus, ein Gedicht ..Ahnung" aus der Feder Werner K r a f t s und einige bemerkenswerte Essays und Buchbesprechungen runden das inhaltsreiche Heft ab. Kurt Julius Riegner. Fritz Bam&erger: Leone Ebreo Im jüdischen Museumsverein unternahm es Dr. Fritz Bamberger aus der Fülle historischer, literarischer und kunstgeschichtlicher Voraussetzungen heraus,- die Gestalt und das Hauptwerk von Leone Ebreo zu deuten. Es ging um die ..Dialoghi di Amore" des Sohnes von Don Jizchaq Abrabanel, mit dessen vielfältigem Wanderschicksal ja auch das Leben dieses Renaissancemenschen engstens verbunden gewesen ist. Dass Leone Ebreo so schicksalhaft verknüpft war mit dieser Epoche der Wiedergeburt des klassischen jüdischen Altertums, wie er Resonanz gefunden in den gesellschaftlichen Strukturen in Italien, Frankreich, überhaupt in vielen Ländern, das wurde in dem Vortrag klar herausgearbeitet. Nur so erklärt es sich, dass die „Dialoghi di Amore" zum Modebuch der Renaissance und damit heute zu einem seltsamen Sammlerobjekt wurde, dass sie ins Französische und Italienische übersetzt, nicht nur gelesen, sondern auch zerlesen wurden. Das berichten die in der Abrabanei-Ausstellung gezeigten Exemplare, das kündet die Tatsache, dass zwanzig Auflagen des Werkes in den Jahren 1532 bis 1602 nötig wurden. O. B. Literarische Notizen „Die jüdische Oekonomik" heisst eine neue jüdische Monatsschrift, die von der ökonomischstatistischen Sektion des Wiljiaer jüdischen wissenschaftlichen Instituts herausgegeben und von dem auf diesem Gebiet wohlbekannten J. Leitschinsky redigiert wird. Wer die schwierigen Verhältnisse kennt, unter denen die Juden in Polen überhaupt und unter denen besonders das Institut trotzdem noch wissenschaftlich produktiv arbeiten,, der kann solches schönes Wagnis nur bewundern. Die neue Zeitschrift sieht vorzüglich aus und enthält gute Beiträge, deren Niveau dem jeden guten Fachorgans in anderen Sprachen entspricht. Das vorliegende erste Heft enthält eine Abhandlung von Lestschinsky über den jüdischen Händel ui der polnischen Kleinstadt mit statistischen Tabellen. Menachem Linder stellt die Gerber-Industrie von Bolschow und den Anteil der jüdischen Arbeiterschaft dar. Ein Aufsatz über das jüdische Kulturleben in Lettland enthält alles statistische Material über die Verhältnisse der jüdischen Schüler in jüdischen und sonstigen Schulen. Kleinere Beiträge behandeln die jüdische Einwanderung nach Palästina 1919—1934, die jüdische Studentenschaft in USSR and statistische Neuerscheinungen. „Psychologie und Erziehung" heisst das neueste umfangreiche Werk von Leibusch Lehrer, das i« Verlag Matanot, N e w - Y 0 r k , erschienen ist. L. Lehrer hat sich mit seinen früheren Arbeiten „Psychologie der Literatur'1, „Die jüdische Schule" und ,,So sind Menschen" einen guten Namen gemacht. . Demnächst erscheint eine grosse, an 30 Druckbogen umfassende Biographie „S c h 0 1 e ra Alejchem. Sein Wesen und Schaffen von J. J. Trunk in Warschau. Hebräische Lesennd Lernhefte gibt die Zionistische Vereinigung für Deutschland heraus. Soeben erschien das erste Heft mit aktuellen Notizen, Aufsätzen. Iv zäIi hingen, Gedichten und einem Vokabularium,

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