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Central-Verein-Zeitung · 1937-09-17 · 37 (17.9.1937) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
37 (17.9.1937)
Date
1937-09-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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XVL Jahrgang / Nr. 37 jBerlin, 17, September 1937 greis 10 Pfennig ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftleitung, Anzeigenannahme, VertriebsaÜteilung): Berlin W15. Emser Strasse 42. Fernsprecher: J 2 .Oliva 8141-45. Telegrammadresse: CeatraJglauben, Berlin. Postecheckkonto: Berlin iOoM. Die C.-V.-Zeitung erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durcu aenrostboten erhebt. Bezugspreis vierteljährlich SlKpf. (einschl. 22,74 Bpf. Postaeitüngssebühr) zuzügl. 18 Rpf. Bestellgeld. Für Ausland vierteljährlich 2,30 RM (umgerechnet in die Landeswahrung) einschl. Zustellgebühren, binzelnummer 10 Rpf. (Ausland 20 Rpf.) Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigengcbiihren: Preisliste 5 gültig. Die gespaltene mm-z,eile JU Kpi., .„i.» m r>-r <•;:_ t7_„m:------r— r»_r —r-—j—_ T>_^i-i:»*« -----:—---------v«.,.»„.!,oM.,.,.» —Anzeigenschluss: Dienstag.' Platzu. Datenvorschnften ohne Verbindlichkeit. für Stellengesuche 10 Rpf., für Familienanzeigen 36 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise s. Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. m Zwischenlösung in Genf Grundsätzlich für Teilung — Einsetzung einer Kommission Die bei Eröffnung der Völkerbundsversammlung in Genf am Montag, dem 13. September, angekündigte Erörterung des . Palästinaproblems als einer der Hauptfragen, mit denen sich die Tagung des Völkerbundes zu beschäftigen haben würde, fand bereits am zweiten Verhandlungstage statt. Sie wurde eingeleitet durch eine Erklärung des englischen Aussenmänisters Eden, die etwa den folgenden Inhalt hatte: Das Palästinaproblem gehe nicht nur die Araber und die Juder, sondern den gesamten Völkerbund an. Ohne Ermächtigung des Völkerbundes sei die Mandatarmacht nicht in der Lage, Schritte zur Abänderung des Mandatsregimes zu unternehmen. Sie können nur dann an die Ausarbeitung von Einzelheiten eines Teilungsplanes, wie er von der Königlichen Kommission vorgeschlagen wurde, herangehen, wenn der Völkerbundsrat seine allgemeine Zustimmung dazu gebe, dass diese Aufgabe in Angriff genommen wird. Um diese allgemeine Zustimmung werde heute gebeten. „Die Regierung Sr: Majestät ist, wie der Völkerbundsrat bemerken wird", so fuhr Eden fort, ,-,an keinem einzelnen Punkt und an keinen bestimmten Teilungsplan gebunden.. Was ich in diesem Stadium, verlange, ist bloss, dass der Regierung. Seiner Majestät die Ermächtigung gegeben werde, an die Ausarbeitung von Einzelheiten eines solchen Teilungsplanes heranzugehen, womöglich in Zusammenarbeit mit Vertretern der Juden und der Araber, wobei es sich versteht, dass kein Plan durchgeführt werden wird, ohne dass er vorher dem Völkerbundsrat vorgelegt und von diesem gebilligt wurde. Das Verfahren, das die Britische Regierungfür den Fall der allgemeinen Zustimmung des Völkerbundes im Auge hat, ist die Einsetzung einer weiteren speziellen Körperschaft, die nach Palästina gehen soll, um mit Arabern und Juden zu. verhandeln und der Britischen Regierung Vorschläge für einen detaillierten Teilungsplan zu unterbreiten. In einem späteren Stadium,-fügte- Eden hinzu, wird die Einsetzung einer Kommission zur endgültigen und genauen Grenzziehung notwendig sein. Aber davon sind wir noch sehr weit entfernt. Ich glaube nicht, dass es nötig ist, meine Kollegen heute mit dieser Sache länger aufzuhalten." Zu der Frage der Einwanderungsbeschränkung auf insgesamt 8000 Personen für die nächsten acht Monate, auf die, wie aus dem an anderer Stelle dieses Blattes veröffentlichten Bericht der Ständigen Mandatskommission' hervorgeht, seitens dieser Kommission besonderes Gewicht gelegt worden ist, führte der Minister folgendes aus: „Wie die Kommission anerkannt hat, ist dies eine rein zeitweilige Massnahme in Anbetracht vorübergehender Ausnahmer Verhältnisse. Wie sie sagt, handelt es sich um ein Abgehen von , dem durch den In dieser Nummer finden unsere Leser u. a;.* Die Aulsätze: Fritz Friedlaender: Der einsame Grübler — Low David, Legeride aus einer alten Chronik —' Isaak Markon: Rabbi Akiba Eger — Länder und Währungen — Was Ormsby-Gore in Genf gesagt hat Die Beilagen: ~ \ ■ Buch und Kunst-mit Beiträgen von Werner Cahnmann, Ludwig Feuchtwanger, Heinz; Kellermann u: a. — Palästina-Umschau -— Sportblatt — Wirtschaft der Woche Völkerbundsrat bei früheren Gelegenheiten festgelegten Grundsatz- Der Rat wird die besonderen Umstände zu würdigen wissen, unter denen diese Entscheidung getroffen worden ist/' Die Einwanderungsregelung nach Ablauf der achtmonatigen Frist erklärte der Minister abhängig davon, welche Fortschritte inzwischen mit dem Teilungsplan erzielt sein würden. Im weiteren Verlauf seiner' Rede betonte Minister Eden, dass nach Ansicht der britischen Regierung als einzige Lösung des Palästinaproblems die Teilung in Frage komme. Sie allein ermögliche sowohl die Erfüllung von Artikel 22 des Völkerbundpaktes, in dem Unabhängigkeit als Ziel für alle unter die Kategorie der A-Mändate fallenden Territorien ins Auge gefasst wird, wie auch der Verpflichtung, in Palästina ein Nationalheim für das jüdische Volk zu errichten. Der Minister setzte sich auf Grund dieser Auffassung mit grossem Nachdruck dafür ein, das der Völkerbundsrat dem Teilungsplan zustimme. In einem späteren Zeitpunkt werde die Regierung Sr.' Majestät dem Völkerbundsrat das Ergebnis ihrer Untersuchung und eventuelle Ei'nzelvorschläge unterbreiten. Mit der Erteilung einer solchen Ermächtigung werde man der Lösung einer Frage näherkommen, die, solange sie besteht, die Ruhe der Welt nur beeinträchtigen könne. Die sich an die Erklärungen des Britischen Aussenministers anschliessende Debatte, die von dem rumänischen Aussenminister Antonescu, dem Berichterstatter für Mandatsfragen im Völkerbundsrat, eingeleitet wurde, führte zu einer einstimmig angenommenen Zustimmung zu diesem Bericht. Die EntSchliessung hatte folgenden Wortlaut: „Der Völkerbundsrat nimmt den Jahresbericht der Verwaltung für Palästina und Transjordanien im Jahre 1936 sowie den Bericht und das Protokoll der Ständigen Mandatskommission zur Kenntnis und nimmt den von dem Vertreter Rumäniens vorgelegten Bericht an. . Nach Prüfung der in dem Bericht der Ständigen Mandatskommission enthaltenen Bemerkungen über die Verwaltung Palästinas und Transjordaniens beauftragt der Völkerbundsrat den Generalsekretär, diese Bemerkungen der Regierung des Vereinigten Königreiches als der Mandatarmacht mitzuteilen und sie zu ersuchen, die von der Kommission verlangten Schritte zu. unternehmen. . Der Völkerbundsrat billigt die Schlussfolgerungen der Kommission über die von" ihr geprüften Petitionen und beauftragt , den Generalsekretär, sie zur Kenntnis der Mandatarmacht und der betreffenden Petenten zu bringen. ' Der Generalsekretär wird aufgefordert, den Wortlaut des Berichtes des Vertreters Rumäniens und das Protokollder gegenwartigen Ratstagung*- dem Wortlaut der . Bemerkungen und Schlussfolgerungen der Mandatskommission beizufügen, - der der Mandatarmacht mitgeteilt werden soll." ' Im, Laufe der Debatte sprachen noch , der polnische Aussenminister Beck, der das grosse Interesse Polens an . einer Lösung der Palästinafrage und an . der Herstellung guter Einwanderungsmöglichkeiten. hervorhob, sowie der französische Airs sen min iste f' Delb o s. Delbos unterstrich von den Ausführungen Edens besonders die Erklärung, wonach das. Mandat -«.ndurchführbar geworden sei. Wenn eine Macht, die wie Eng- land so. umfassende Erfahrungen in diesen Dingen habe, diese Ansicht äussere, dann könne der Völkerbundsrat ihr nur beipflichten. Der Vorsitzende der Mandatskommission, Pierre Orts, wies noch einmal auf die Notwendigkeit hin, die Einschränkung der Einwanderung nur als vorübergehende Massnahme gelten zu lassen, auch wenn bis zum Ablauf der provisorischen Regelung am 31. März 1938 eine endgültige Lösung noch nicht zustande gekommen sein würde. Der Völkerbundsrat beschloss darauf, eine aus drei Mitgliedern bestehende Kommission einzusetzen, die eine entsprechende Entschliessung für den Völkerbundsrat ausarbeiten soll. Die Kommission bestellt aus dem schwedischen Aussenminister Sandler, dem lettländischen Aussenminister Munters und dem rumänischen Aussenminister Antonescu. Am Freitag oder Sonnabend wird diese Kommission dem Plenum des Völkerbundsrats eine Entschliessung vorlegen, in der England entsprechend dem Wunsch des Aussenministers Eden ermächtigt wird, dem Völkerbundsrat im Januar einen detaillierten Plan vorzulegen. Der Präsident der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation, Dr. Chaim Weizmann, weilt in Genf und hat zahlreiche Besprechungen mit den Delegationen der einzelnen Staaten' abgehalten. Er hatte u. a. Unterredungen mit dem polnischen Aussenmenister Beck, dem Vertreter Italiens, der den Verhandlungen, des Völkerbundsrats als Beobachter beiwohnt, Signor Bovascoppa, und dem Vertreter Neuseelands, Mr. Jordan. Sicherheit / Menschlichem Wesen ist zutiefst die Sehnsucht eingeprägt, in die naturgegebene Unsicherheit des Lebens Sicherungen einzubauen. Dieses Streben entspricht zu sehr der menschlichen Natur, als dass es ethisch gering bewertet werden dürfte. Ein nicht geringer Teil aller irdischen Werte verdankt schliesslich diesem Streben sein Dasein. Vor allem ist es für das bürgerliche Lebensideal charakteristisch, dem eigenen Dasein und dem seiner. Familie durch die Beständigkeit eines bestimmten materiellen Niveaus Sicherheit schaffen und für alle Lebenslagen - Vorsorgen zu wollen. ' Seit den Jahren der Nachkriegszeit erleben wir immer stärker den allmählichen Zusammenbruch aller bisherigen Sicherungen. Immer mehr versinkt das bürgerliche Lebensideal. Der bürgerliche Mensch leidet am meisten unter der Vernichtung aller Sicherungen, die er in sein Leben legte. Er sieht "sich plötzlich einem Ungewissen gegenüber. Ein Schauer packt ihn, plötzlich in einen gähnenden Abgrund zu starren, in dessen unermesslicher Tiefe er nicht mehr festen Boden erblicken kann. Wir Juden, durch unser ganzes weitgeschichtliches Schicksal Erschütterungen an sich schon am ehesten ausgesetzt, spüren mehr noch als andere den plötzlichen Bruch, der durch unser Leben geht. Die Ungesichertheit, die seit unvordenklichen Zeiten unser Leben stets umdrohte, Hess uns vielleicht ganz besonders. danach streben, in einer Epoche des bürgerlichen Sicherheitsstrebens auch unserem Leben äussere Sicherheit zu schaffen. Der ausgeprägte jüdische Familiensinn, das viel gepriesene und heute sogar von unseren eigenen Menschen viel getadelte charakteristische „Aussorgen wollen" jüdischer Eltern für die Zukunft ihrer Kinder, hat gewiss seine psychologischen Wurzeln in jener besonderen Schicht historischen Unterbewusstseins, das in uns die Erinnerung.an die Ungesichertheit festgehalten hat, die jüdisches Leben je und je gehabt hat. Das war ja immer für den „proletarischen" Menschen-bezeichnend, — wenn es gestattet ist, um-der Deutlichkeit des Sachverhaltes willen diese früher übliche abgrenzende Bezeichnung beizubehalten —, dass er seinem Leben und dem seiner Familie keine äussere Sicherheit zu geben vermochte, er,, der von der Hand in den Mund leben und nicht durch planende Ueberlegung sein Dasein bestimmen konnte. Wenn etwas die zunehmende Proletarisierung eines immer grösseren Teiles der ost- und mitteleuropäischen Judenheit beweist, so ist es das urplötzliche Zerbrechen aller Sicherungen ihres Lebens. Der Jude, der sozusagen „vor dem Nichts" steht, wird immer mehr zur vorherrschenden Erscheinung. Dieses „Nichts" aber ist keineswegs das materielle Nichts allein.* Es steht ebenso vor dem Nichts ideeller Sicherungen. Und doch ist das Leben in der Ungesichertheit nichts Neues für das Judentum als Ganzem. Allerdings für unser Ge- Sukkotbetrachtung« von Rabbiner Dr. Manfred Swarsensky schlecht. Wir waren seit einigen Generationen an die Beständigkeit einer gewissen politischen, sozialen, kulturellen und rechtlichen Regelung gewöhnt. Da aber die Gewöhnung den Menschen oft für das Erkennen dem Leben immanenter Gesetze blind macht, so vergassen wir, dass eine sotehe Sicherheit der Lebensordnung wie die, in der wir aufgewachsen und erzogen waren, den Menschen nur in den grossen .seltenen-- Sonnenstunden der Weltgeschichte geschenkt wird. Das Regelmässige in der Geschichte ist vielmehr die ständige Erschütterung durch Krisen und Kämpfe, die den Menschen die Ungesichertheit, ihres Lebens stets unmittelbar zum Bewusstsein brachten. 'Und unsere jüdische Geschichte zumal ist vielleicht das klassische Beispiel dafür, wie äussere Unsicherheit fast zum Lebensgesetz eines ganzen Volkes werden kann, von dem ihm schon an seiner Wiege gesungen worden ist.Wenn nach den ernsten und erhabenen Feiertagen das Laubhüttenfest uns mahnt: „In Laubhütten sollt ihr sieben Tage wohnen, jeder in Israel Geborene, damit eure Geschlechter wissen, dass Ich die Kinder Israel in Hütten habe wohnen lassen, als Ich sie aus dem Lande Aegypten führte, Ich, der Ewige, euer Gott!", so will diese alljährliche Erinnerung an die Ungesichertheit, mit der unser geschichtliche Weg in der Frühzeit begann,, uns den Blick dafür offen halten, dass alles jüdische Leben, dass unser Weg über die Erde stets ein Weg ohne äussere Sicherungen war. Und gewiss nicht erst in den. letzten zwei Jahrtausenden. In ihnen hatallerdings das Golus den ganzen Raum unserer geschichtlichen Existenz umspannt.' Was aber heisst Im-Golus-leben denn anders als ohne Sicherung durch eine reale Machtbasis leben. Es wäre gewiss "nicht recht, aus dieser Not eine Tugend zu machen, ein zwar demütig getragenes, aber doch immerhin, als leidvoll genug empfundenes Schicksal ideologisch verklären und geistig überhöhen zu wollen. Es wäre geradezu unmoralisch, um die Aenderung dieser Situation bemühte aktive jüdische Kräfte defaitistisch hemmen zu . wollen. Es kann nicht Gottes Wille "sein, ein Volk für ewig zum Spielball der Welt zu machen. Religiös und sittlich ist es durchaus gerechtfertigt, wenn die wachesten Kräfte des Judentums mit aller Anstrengung versucht haben, die Dauer des Golus abzukürzen und auch unserem Dasein jene relative Sicherheit zu geben, ohne die ein Leben auf die Dauer unmöglich ist. Emanzipation unter den Völkern der Welt und ein Judenstaat unter den Völkern der Welt, Lösungen, die sich nach der bisherigen Auffassung einander auszuschliessen schienen, sind vom Judentum her gesehen gleichberechtigte „Lösungen der Judenfrage"; denn beide sind einig in dem Ziel, Judentum zu erhalten und zugleich die äussere Ungesichertheit jüdischen Lebens zu überwinden. Nur dem, der jüdische Lebenszusammenhänge mit fal-

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