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Central-Verein-Zeitung · 1937-09-09 · 36 (9.9.1937) · page 11

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
36 (9.9.1937)
Date
1937-09-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 36 3. Beiblatt Palästiiia-Cmsehau der C.-V.-Zeitimg Seite 11 9. September 1937 Spannungen und Unruhe Die Befürchtung, dass die in der letzten Woche gemeldeten Zwischenfälle in Palästina den Auftakt zu einer Verschärfung der allgemeinen Lage bilden würden, hat sich leider bewahrheitet. Eine verstärkte Agitation der Araber, die u. a. in den Moscheen Jerusalems Aufrufe ihres von den Unruhen des Jahres 1936 bekannten Führers Fauzi el Kaukyi angeschlagen haben, und eine entsprechend erhöhte Spannung unter den Juden haben Zusammenstösse und eine Reihe blutiger Opfer zur Folge gehabt. Am 31. August wurde in Nablus das Haus des Polizeisekretärs von Arabern beschossen, wobei ein Bediensteter verwundet wurde. Am gleichen Tage wurde in der Jerusalemer Vorstadt Sanhedria ein Araber tot aufgefunden, ein zweiter auf dem Karmel in Haifa, und ein dritter starb in einem Jerusalemer Krankenhaus an den Folgen einer Verwundung. Am folgenden Tag, dem I.September, wurden weitere vier Araber getöte|. davon zwei auf der Orangenplantage bei K e r - k u r und zwei in der Nähe des arabischen Dorfes E z a z im Kreise Tulkerem. Damit erhöht sich die Zahl der seit Sonntag, den 29. August, zu verzeichnenden Verluste auf arabischer Seite auf neun Tote und drei Verwundete, während #uf jüdischer Seite in der gleichen Zeit drei Juden getötet und zwei verwundet worden sind. Am gleichen Tage wurden an der Grenze zwischen Tel-Aviv und Jaffa ein Jemenite und eine jemenitische Wäscherin durch die Explosion einer Bombe leicht verwundet. Auf den Wächter der jüdischen Kolonie E k r o n wurden von Arabern Schüsse abgegeben. Sein Pferd wurde getroffen, er selbst^blieb unverletzt. In den Pflanzungen der jüdischen Siedlung Gan Jawne wurden fünfzig Bäume umgehauen. Am 2. September wurde in der Nähe von A11 i t ein arabischer Polizist erschossen. In Jerusalem wurde ein jüdisches Auto auf der Fahrt zur Hebräischen Universität beschossen. Die Insassen blieben unverletzt. Am 3. September wurde Rabbi Elesar Gerschein, als er von der Andacht an der Klage mau er zurückkam, durch Schüsse schwer verletzt. Er musste in das Hadassa-Krankenhaus eingeliefert werden. Am 4. September ist ein bekannter Parteigänger der arabischen Verteidigungspartei, Ibrahim Bey el Khalil in Haifa so schwer verwundet worden, dass er seinen Verletzungen erlag. In der Prophetenstrasse in Jerusalem wurde eine Bombe gegen einen arabischen Autobus geworfen, durch die" ein britischer Polizist leicht verletzt wurde. Eine Araberin wurde getötet, eine zweite schwer verwundet. Sofort nach dem Bombenanschlag drang Polizei in einen revisionistischen Klub ein und nahm drei Personen fest. Ein britischer Polizist der einen arabischen Autobus eskortierte, hat sich durch Unvorsichtigkeit mit seinem Gewehr.selbst verletzt Die Hebräische Universität auf dem Skopusberg ist beschossen worden. Das Feuer wurde von Polizei erwidert, verletzt wurde niemand. Mahnung zur Ruhe Die Hochspannung im Lande gibt selbstverständlich zu erregten Erörterungen in der Presse Anlass. Von den hebräischen Blättern warnt das Arbeiterblatt ,.D a w a r" aufs neue die Regierung davor, durch eine zu milde Behandlung der Terroristen zu weiteren Zwischenfällen zu ermutigen, und „Haarez" wendet sich an die Juden "selbst, die es zu Einigkeit und Festigkeit gegenüber allen Eventualitäten aufruft. Der Waad Leumi hat an die jüdische Bevölkerung einen Aufruf gerichtet, in dem er davor warnt, auf Provokationen zu antworten und unschuldige Menschen anzugreifen. Er ermahnt den Jischuw, ruhig seiner Tagesarbeit nachzugehen, und erinnert an die heroische Selbstbeherrschung, die man bei den Unruhen des vergangenen Jahres bewiesen habe. Der Distriktskommissar des Norddistrikts, Oberstleutnant Keith Roach, ist von einer jüdischen und einer arabischen Abordnung aufgesucht und aufgefordert worden, durch strenge Massnahmen für die Sicherung von Ruhe und Ordnung zu sorgen. Die jüdische Abordnung erklärte, dass man kein Vertrauen zur Regierung habe, da diese offenbar nicht in der Lage oder nicht willens sei, durch Beseitigung der arabischen Rädelsführer die Unruhen im Keime zu ersticken. Distriktskommissar Keith Roach versprach, alles zu tun, was in seiner Macht stehe, um Ruhe und Ordnung zu gewährleisten. Auch sonst haben sich' jüdische Persönlichkeiten wiederholt um Einflussnahme auf die massgebenden Faktoren der Palästinaregierung bemüht. Sowohl der Bürgermeister von Tel-Aviv, Israel R o k a c h , wie der Leiter des politischen Departments der Jewish Agency, Mosche S h e r - tok, hielten mit dem High Commissioner, Sir Arthur Wauchope, Beratungen über Sicherheitsprobleme ab, und der Letztgenannte erörterte ausserdem mit dem Oberkommandierenden der britischen Truppen, Generalmajor A. G. W avell, die notwendigen Vorkehrungen zur Sicherung von Ruhe und Ordnung. Polizei in erhöhter Alarmbereitschaft Die Massnahmen der Regierung sind zwar von der auf jüdischer Seite gewünschten exemplarischen Strenge noch weit entfernt, lassen aber immerhin den Willen zu energischem Vorgehen deutlicher erkennen als das im Jahre 1936 der Fall war. Die Polizei ist in erhöhter Alarmbereitschaft. Besonders in Jerusalem patrouillieren stark bewaffnete Polizeikräfte und die Zufahrtswege zur Stadt sind von grossen Militärabteilungen bewacht Für Festetellungen, die zur Ermittlung der an den Terrorakten Schuldigen führen können, ist eine Belohnung von 500 Pfund ausgesetzt. Einer Meldung des Reuter-Büros zufolge, sind Militärflugzeuge mit schussbereiten Maschinengewehren bereit, im Bedarfsfall sofort einzugreifen und „Morning Post" meldet aus Jerusalem, dass man im Falle ernster Unruhen mit der sofortigen Verkündung des Kriegsrechts rechne, wofür bereite alle Massnahmen getroffen seien. Im Hafen von Haifa ist der britische Zerstörer „Imogen" eingetroffen. Auf jüdischer Seite hat sich die Absicht der Regierung, durchzugreifen in der Verhaftung und Verbannung von Jugendlichen, hauptsächlich Mitgliedern der revisionistischen Partei, gezeigt. Es wurden acht Revisionisten in Jerusalem, sechs in Tel-Aviv und 17 in Kerkur und Chedera festgenommen. Alle wurden in das Konzentrationslager nach Akko gebracht. Die Regierung hat ausserdem zahlreiche jüdische Hilfspolizisten entlassen und in jüdischen Siedlungen gründliche Durchsuchungen vorgenommen. Auch zehn Araber aus einem Dorf bei Chedera sind in das Konzentrationslager nach Akko gesandt worden. Das scharfe Vorgehen der Regierung gegen Juden, das zu der sonstigen Schonung der arabischen Agitatoren in einem bemerkenswerten Gegensatz steht, hat auf die jüdische Bevölkerung starken Eindruck gemacht. Wie das bereits aus früheren Unruheepochen bekannt ist, unterscheiden sich auf arabischer Seite deutlich zwei Strömungen: die aufgeputschte und von gewissenlosen Agitatoren auch in friedlichere Kreise vorwärtsgetragene Stimmung gewisser Volkskreise und die _Haltung der Verantwortlichen, die die Entscheidungen der grossen Politik im Auge halten, und aus Furcht vor einer Kompromittierung zur Besonnenheit mahnen. Die Doppelzüngigkeit dieser Politik kommt, einer Meldung der „New York Times" zufolge u. a. darin zum Ausdruck, dass das Oberste Arabische Komitee einerseits die Bevölkerung zur Selbstbeherrschung ermahnt und andererseits in Damaskus Söldlinge anwarben und Waffen aufkaufen lässt, um sie bei Ausbruch eines Aufstandes ins Land zu schmuggeln. Seine an die Araber gerichtete Erklärung, dass man sich auf die Hilfe der arabischen Herrscher verlassen solle, kann auch nur sehr bedingt als ein Beitrag zur Beruhigung der Lage gewertet werden. Am 4. September hat eich der High Commissioner, Sir Arthur Wauchope, im Flugzeug nach London begeben. Er hat damit seinen in der vorigen Woche auf unbestimmte Zeit verschobenen Urlaub nun doch angetreten und den Chefsekretär William D. Battershild mit seiner Vertretung betraut. Es wäre sehr zu wünschen, dass diese Tatsache als ernsthaftes Anzeichen einer beginnenden Entspannung gewertet werden dürfte. Das Teilungsproblem in der internationalen Politik Der Chefredakteur der grossen Warschauer Tageszeitung „Kurier Warszawski", Senator Boleslav K o e k o w s k i, einer der führenden polnischen Politiker und Publizisten, hat sich in sehr bemerkenswerter Weise über die Auswirkungen eines jüdischen Staates auf die Beziehungen zwischen jüdischer und polnischer Bevölkerung geäussert. Er erklärt die Entstehung eines jüdischen Staates nicht nur für eins der interessantesten politischen Ereignisse, sondern auch für ein Ereignis von ausserordentlicher kulturell-ethischer Bedeutung. Besonders hervorzuheben sei, dass es nicht durch Blutvergiessen und Verknechtung anderer, sondern durch Heroismus, Opfergeist" und mühevolle Arbeit heraufgeführt worden sei. Die Juden haben in Palästina Verwaltungs- und Kolonisationsfähigkeiten bewiesen, um die sie mancher beneiden könnte. Die Bedeutung der Staatsgründung für Polen sieht Senator Koskowski in erster Linie darin, dass die Gefahren der Ueberbevölkerung. Polens dadurch gemildert werden könnten. Polen werde es deshalb als seine Aufgabe ansehen müssen, eine starke Aktivität für die Erweiterung der Grenzen des neuen Staatsterritoriums zu entfalten. Würde es möglich sein, ein allmähliches Abströmen der in Polen in verschiedenen Berufen zu stark vertretenen Juden in das neue Staatswesen zu erreichen, so sei zu hoffen, dass damit eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Polen und Juden herbeigeführt werden könnte. Darüber hinaus werde" der jüdische Staat auch kulturell und moralisch eine starke Wirkung auf die nichtjüdische Bevölkerung ausüben, und er werde im ganzen Nahen Osten ein grosser und wichtiger Faktor werden. Auch auf der Konferenz der Kleinen Enlente in Sinaia wurde die Frage der Palästinapolitik erörtert, und zwar nahm der Aussenminister von Rumänien, der zugleich der Vorsitzende des Rates der Kleinen Entente ist, Antonescu, dazu das Wort. Den vorliegenden Berichten zufolge äusserte er sich dahin, dass eine sofortige Teilung die Gegensätze zwischen Juden und Arabern noch verschärfen werde. Es sei deshalb zu wünschen, dass die Entwicklung zweier selbständiger Staatswesen allmählich herbeigeführt werde, und dass beide Gebiete zunächst unter britischer Oberhoheit verbleiben. Der als entschiedener Gegner der Teilung bereits bekannte konservative englische Politiker Winston Churchill warnt in derRosch- Haschana-Nummer des Londoner „J ewish Chronicle" erneut vor den Gefahren einer Teilung. Eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen einem jüdischen und einem arabischen Staat erscheint ihm unvermeidlich. Wenn ee der britischen Regierung schon bei sporadischen Unruhen schwer gefallen sei, die Ruhe zu erhalten, so würde sie einen Zusammenstoss organisierter Armeen der neuen Staaten erst recht nicht verhindern können. Churchill setzt sich deshalb für die Wiederherstellung der seiner Ansicht nach vorzeitig aufgelösten britischen Gendarmerie ein und empfiehlt dringend eine jüdisch - arabische Konferenz zur Festlegung eines Modus vivendi für eine Anzahl von Jahren. Der am 7. und 8. Oktober in Scarborough stattfindende Parteitag der Konservativen Partei Englands wird sich voraussichtlich auch mit dem Palästina-Problem beschäftigen. Es wird erwartet, dass Winston Churchill und Lord Lloyd das Wort ergreifen werden. Als Sprecher der Regierung wird wahrscheinlich der Unterstaatssekretär "für die Kolonien, Lord Dufferin and Ava, der seinerzeit in der Oberhausdebatte den Standpunkt der Regierung dargelegt hatte, das Wort nehmen. * Soweit die arabischen Politiker ihre Kräfte nicht in der erneuten Terrorkampagne in Palästina verzetteln und so ihrer Stellung in der internationalen Politik mehr schaden als nützen, wenden sie ihr Interesse der kommenden Völkerbundstagung zu, bei der sie die arabischen Kräfte möglichst konzentriert einzusetzen hoffen. Die Vorarbeiten hierzu sind in vollem Gange. König Ibn Saud hat den Gesandten von Saudi Arabien in London unverzüglich zurückbeordert um in seiner Anwesenheit einen Kronrat abzuhalten, in dem die Stellung zur Palästina-Frage festgelegt werden soll. Der Gesandte äusserte sich dahin, dass ein solcher Kronrat nur in ganz aussergewöhnlichen Fällen einberufen werde, und dass auf ihm hauptsächlich zwei Fragen erörtert werden: der Teilungsplan und der Anspruch Saudi Arabiens auf den strategisch wichtigen Hafen, von Akaba, der nach dem bisherigen Teilungsplan dauernd unter englischer Mandatsverwaltung bleiben sollte. Auch die syrische Regierung wird, einer Meldung der ägyptischen Tageszeitung „E1 Mokattarn" zufolge, eine Abordnung nach Gen! entsenden, die die- Interessen der palästinensischen Araber zu wahren beauftragt ist Die Mohammedaner in Algier haben sich in einer iuweiierLudwigSfeinniefz % V Nürnberger Str. 56 (neben Woolworthl 1. Fortsetzung An Bord vor der Landung Morgensonne setzt in die Kabine schräge Lichtkeile und zittert unter der Decke. Durch das Bullauge blickt ein blankes Bild: blaues Meer in lebhafter Brandung, weisswürflige Häuser auf steilem Rande, ein vorgebeugtes Knie der Küste die flachen Ufer zu beiden Seiten beherrschend. Aus den Graten der zusammengedrängten Gassen stossen ein spitzer Kirchturm und ein Minarett hervor. Darüber eine spröde, klare Luft; Haus bei Haus, Bewegung und Ding unvermittelt nebeneinander. Drüben liegt Jaffa. Das Mittelländische Meer hat seine morgenländische Grenze gefunden. Gradlinig, ungegliedert und flach läuft das elastische Band der Dünenküste von Nord nach Süd. Die Meerschiffe zerren am Anker, weil kein gastlicher Hafen sie einlädt Wie die Unnahbarkeit spricht! Eine spannungslose Ewigkeit verträumt zwischen Küste und Meer! Drei Farben sind hingestrichen, kaltleuchtend. Sie wechseln nicht von einem zum andern wie im beziehungsreichen Europa, verbinden nicht Körper und Körper zu räumlicher Einheit. Vom eisernen Leib des Schiffes steigt die Bläue des Meeres mit weissen Schäumen wie aus zersplittertem Marmor, auf dem Seidenstreifen der Dünenküste reihen sich kleinere Flächen -aneinander, weiss und gold mit blauen durchsichtigen Schatten. Boote stürzen zwischen Felsenriffen zum Dampfer heraus, der breit- Blick auf Tel-Aviv und Jaffa Zeichnung evtl Fritz Benjamin seitig zum Ufer im Winde liegt. Nördlich lockert sich die arabische Stadt; ihre gemauerte Veste ist am Ende, und ein anderes Wesen hat sich an die gekanteten Grenzen herangemacht. Die knappe Form löst sich in Unruhe. Wirre Beweglichkeit zufälliger Baugruppen stottert den Meersaum entlang, und graugrünes Gebüsch macht die Leere noch kärglicher. Die jüdische Stadt Tel-Aviv stellt sich vor. Als Europäer sehe ich das, als Jude stutze ich betreten ... Denn unser Auge ist es, das dem Boden die Gesetzmässigkeit schuldet, die es von ihm empfängt. Aus jeder Landschaft steigt der Sinn, der seine Form bei uns sucht Seht! In der Tiefe des Bildes über die arabische und jüdische Stadt schwingen die stillen Wellen des Judäischen Gebirges. Sonnenlehmige Kuppen grenzen an den taubenblauen Himmel, ein Gewitter von Erde rollt wie eine versteinerte Sintflut Die Oede sieht fromm und grausam, heiss und kalt zugleich herüber zum lebendigen Meere. Grossartig und rücksichtslos ist das Nebeneinander. Auf diesen Höhen muss die Riesengestalt des einsamen Propheten wandeln. Ich ahne das Gesetz der gleichmässigen Reihe und Wiederholung, die unter der einzigen Höhe dieses Himmels in schicksalhaftem Abstände kreist Tel-Aviv — — Lastträger hasten einer hinter dem anderen von Speicher zu Speicher, von Speicher zum Kahn. Sie schleppen in sauberen Kisten die Erstlinge frischer Orangenernte. In den Schuppen türmt es sich von der reichen Frucht, und der süsse Duft liegt schwer in der staubigen Luft. Lebendiger Boden begrüsst uns Hoffende. Dort sind Fiaker aufgefahren. Wie man das altmodisch-hochräderige Gefährt in der Wirrnis vertraut bemerkt! Arabische Gäule sind davor gespannt, und der Kutscher ist ein jemenitischer Jude, ein schmaler Mann mit schütte- .rem Vollbart und grossen Augen im kränklichen Kindergesicht — Vorwärts! Die Strasse holpert unter den Rädern vorbei. Kleines •«Hafenviertel, enge arabische Stadt, ein länglicher Marktplatz, Verkehrspolizist unter einem Pilzdach. Einen leeren Weg entlang durch die unbestimmte Zone zwischen arabischem und jüdischem Boden. Dann niedere Häuser in kleinen verstaubten Gärten, eine Palme, hebräische Anschrift an Laden- und Hauseingängen, einsame Häuser, Baugerüste, blendende Sonne, abgestreckte Strassenfluchten, die Dünen, der Strand ... Wir sehen nichts ausser dem Meere. Das Unheimliche, das vorher östlich drohte, liegt uns im Rücken, unser Blick ist vertauscht. Wir sehen nach Westen über das grosse Wasser und also wieder wie Europäer. Der Strand vor uns ist eine bekannte Gelegenheit für den staubigen Städter. Badende werfen einander den Medizinball zu, Kinderwagen werden von Müttern mit zerlesenen Büchern in der Hand bewegt. Dies Tel-Aviv wird plötzlich zu einer Lebensgewohnheit, einer nützlich mechanisierten Natur. Erst war es ein östliches Landstädtchen voll Enge und freudloser Dürftigkeit, jetzt blickt sein anderes Gesicht auf die reine Fülle des grossen Wassers. Doppelgesicht einer Stadt, die keine ist, sondern eine Menschenansammlung von Zufall und Not zu unerwarteten Zielen genötigt Aus unserem Fenster geht der Blick übers Meer und den weiten Himmel hinauf, der in der frühen Abendstunde erkaltet. Graugrüne Kiefernbüsche ragen in die Horizontale. In den Lücken zwischen den Anwesen liegt die Düne bloss und weht ihren Sand in die umgitterten Gärten. Eine stille Vorstadtromantik am Meer, ein Irgendwo bekannter kleiner Bürgerlichkeit Vom nahen Strande klingelt es herauf: eine Karawane zieht in weitverbundener Reihe. Auf dem Leitdromedare der Treiber, quer im Arme den langen Reisestab, nickt dem Schritte des Tieres nach. Sein Singsang moduliert den un- Wegen des Versöhnungstages erscheint die nächste Nummer der C.-V.-Zeitung am 17. September

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