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Central-Verein-Zeitung · 1937-09-09 · 36 (9.9.1937) · page 12

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
36 (9.9.1937)
Date
1937-09-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seife 12 C.-V.-Zeltung Nr. 36 * 9. September 1937. Entschliessung gegen den Teilungsplan erklärt und an den französischen Aussenminister die Aufforderung gerichtet, bei der bevorstehenden Völkerbundsversammlung gleichfalls zugunsten der Araber Palästinas zu intervenieren. Der Emir Abdulla von Transjordanien hat sich trotz der gespannten Beziehungen, die zur Zeit zwischen seinem Lande und Saudi-Arabien herrsehen sollen, der arabischen Einheitsfront insofern angenähert, als er in einer an die britische Regierung und den Völkerbund gerichteten Note vom politischen und juristischen Standpunkt her die Zweckmässigkeit des Teilungsplanes bezweifelt. Eine arabisch-christliche Abordnung wird demnächst eine Europareise antreten, die der Propaganda in den griechisch-orthodoxen Gemeinden der Balkanländer dienen soll. Und der von Genf zurückgekehrte Führer der dortigen arabi- Tel-Aviv, Ende August 1937. Bei der Ankunft oder Abfahrt im Hafen von Haifa grüsst den Reisenden, gleichsam als Wahrzeichen des jungen Palästina, der grosse Komplex des neuen Ruthenberg-Kraftwerks, der, namentlich abends, wenn die Fassade von hellen Scheinwerfern bestrahlt wird, mit seinen über palästinensische Durchschnittsverhältnisse hinausgehenden Massen ein eindrucksvolles Bild bietet. Wenn in wenigen Wochen der jüdische Einwanderer oder Tourist im Hafen von Tel- Aviv ankommen wird — zwischen Stadt und Regierung ist nunmehr die endgültige Einigung über die Aufnahme des Personenverkehrs erfolgt — wird ihn ein ähnliches Bild begrüssen. Tag und Nacht wird an der Fertigstellung der neuen Kraftstation am nördlichen Ufer des Jarkon gearbeitet, und in der Dunkelheit bietet das gewaltige, von tausend Glühlampen besetzte Baugerüst, das selbst von den Dächern der inneren Stadt zu sehen ist, einen geradezu romantischen Anblick. Und eine gewisse Romantik liegt wirklich auch in dem wirtschaftlichen Vorgang, für den dieses Bild ge Wissermassen ein Symbol ist: In dem Kampf gegen die Gefahr der Stagnation. In einer so dynamischen Wirtschaft, wie der des jüdischen Palästina, wäre ein wirklicher Stillstand mehr als Rückschritt; er wäre Vernichtung von Werten und - Energien, Verlust mühsam eroberten Bodens. Der gegenwärtige Schwebezustand, in dem sich dieses Land befindet, ist aber ein nur allzu günstiger Nährboden für die Tendenzen der Stagnation. Die grösste hebräische Zeitung des Landes schrieb dieser Tage in bezug auf die verwickelte politische Lage — in etwas freier Uebersetzung —: „Wir stehen am Vorabend der Entscheidung, aber es wird anscheinen ein sehrlanger Abend werden." Einwanderung, Kapitalimport und Unternehmungelust sind verhältnismässig gering, und diese Faktoren verstärken die Auswirkungen der stillen Saison, die ohnehin in der zweiten Hälfte des Sommers zu herrschen pflegt. Trotzdem ist die Bautätigkeit, die naturgemäss unter der verminderten Einwanderung, den unsicheren Einkommensverhältnissen sowie der Teuerung am Weltmarkt für Baumaterialien erheblich gelitten hat, nicht so gering, wie man aus den Ziffern der amtlichen Statistik entnehmen könnte. Ein Gang durch die Strassen der grossen Städte und noch mehr eine Fahrt über Land bestätigt diesen Eindruck. Die amtliche Statistik erfasst nur die Baubewilligungen in den vier grossen Städten. endlichen Sandweg und weist an ihm hinauf und hinab von Mittag zu Mitternacht. Es ist, als schritte eine Passion des ewig Beharrlichen vor dem nächtlich entrückten Meere vorbei... II Tel-Aviv, ein Stadtschicksal Jaffa ist eine uralte arabische Stadt. Ein paar Juden, die darin wohnten, verliessen vor vierzig Jahren die geschlossenen Tore und siedelten sich im Freien nach Norden hin an. Langsam wuchsdie kleine Kolonie, vermehrt von osteuropäischen Zu Wanderern, denen philantropische Hilfe Rast im Heiligen Lande gewährte. Jenseits mancher Dünen lag der Strand, aber der polnische oder russische Kolonist in der Gewohnheit früherer Länderweiten mied das Abenteuer des unbekannten Meeres und spann sein Leben in die Enge einer kleinbürgerlichen oder kleinbäuerlichen Existenz. So ist der Anfang von Tel-Aviv; ein jüdischer Vorort ausserhalb der Araberstadt. Anschaulich und gleichnishaft ist das Gesicht von Tel-Aviv. Denn jede Menschenansammlung zeigt ihre bildliche Gesetzmässigkeit und treibt von Haus zu Haus weiter denselben Weg, solange die geistige Inzucht nicht von aussen her unterbrochen wird. Der erste Abschnitt städtischer Entwicklung wird durch das Herzl- Gymnasium bezeichnet, das seine breite Front noch nach Süden, zum alten Jaffa hin, wendet. Der wachsenden Siedlung ist die Richtung gewiesen: südlich lagert die arabische Stadt; nach Osten, ins Land hinein, blühen die jungen Orangengärten und Sarona, die Kolonie der Templer. Tel-Aviv muss nach Norden greifen als ein schmaler Bezirk und langgezogener Markt. Auf den Dünen zwischen Meer und Ebene reihen sich die leichten Mauern,, wie eine breite, baumbepflanzte Chaussee trottet die Allenbystrasse daher, und an sie drängen die zahlreicher werdenden Menschen. Ihre Seitenstrasen falten sich mit freudlosen Runzeln in die zerfranste Leere des Strandes und wirken wie Sackgassen, die sich ins Fremde verlaufen haben. Bescheidene sehen Delegation, Dschemal el H.usseini will sogar wissen, dass der Mufti von Jerusalem selbst, gemeinsam mit dem christlich-arabischen Bischof Chadjer an der Spitze einer religiösen Delegation zur Völkerbundstagung in Genf erscheinen wird. Ob so weitgehende Hoffnungen wie diese und die auf eine Unterstützung der arabischen Interessen durch die Türkei sich erfüllen werden, muss freilich dahingestellt bleiben. * Amtlich wird bekanntgegeben, dass im August 1040 jüdische Einwanderer nach Palästina gekommen sind. Die Zahl der jüdischen Einwanderer in den ersten'acht Monaten d. J. betrug 7272. Ausserdem erhielten 404 jüdische Touristen die Genehmigung zur dauernden Niederlassung, so dass sich eine jüdische Gesamteinwanderung von 7681 Personen ergibt. Es ist aber bekannt, dass zur Zeit das Schwergewicht der Siedlungstätigkeit auf dem Lande liegt; allein seit den Unruhen wurden zwanzig neue Dörfer auf bisher unbesetzten Böden gegründet. Ausserdem wurden jetzt durch eine Reihe zentraler Institutionen grosse und dringliche Bauprogramme, die schon früher bewilligt worden waren, in Angriff genommen. So wurde in Tel-Aviv dieser Tage der Grundstein zu einer Arbeitersiedlung im Norden der Stadt gelegt. Die S c h i k u n - Baugesellschaft für Arbelterhäuser, welche diese Bauten ausführt, hat gleichzeitig mit umfangreichen Erweiterungsbauten in der südlichen Vorstadt von Tel-Aviv, Kirjat Avoda, und in Kirjat Amal in der Haifabucht begonnen. Insgesamt hat die Bautätigkeit der Gesellschaft in der ersten Hälfte dieses Jahres den Rekordumfang von rund 2700 Häusern im Werte von mehr als einer Million LP erreicht, für die zweite Jahreshälfte sind ausser den erwähnten Programmen noch Bauten in Jerusalem vorgesehen. Das neue Kraftwerk in Tel-Aviv baut die ebenfalls der Arbeiterorganisation nahestehende Gesellschaft „Sollei Bon e". Diese Gesellschaft ist ausserdem mit dem Bau des neuen Regierungsspitals in Haifa sowie mit zahlreichen Siedlungs- und Strassenbauten in Land und Stadt beschäftigt. Die Arbeitersiedlungsbank NIR hat schon seit langem die Errichtung billiger Häuser mit Hilfswirtschaft für Landarbeiter in ihren Geschäftsbereich aufgenommen. Sie baut jetzt in Gemeinschaft mit anderen Stellen und den Fonds in Fortsetzung dieser Aktion, etwa zweihundert solche Kleinsiedlerstellen in Merchawia, Hedera, Kfar Saba, Gan Jawne, Petach Tikwah und Tel Mond. Dadurch erhalten auch zahlreiche unbemittelte Einwanderer aus Deutschland ein Eigenheim, einen gewissen Rückhalt für ihre Existenz und — eine Verbesserung ihrer Position auf dem Arbeitsmarkt der landwirtschaftlichen Kolonien. Dieselbe Gesellschaft hat endlich erhebliche Mittel für den Ausbau der neuen Siedlungen Massada und Ejn Hakorel im Jordantal und Giwat Haschloscha bei Beit Gan zur Verfügung gestellt. Sie hat endlich die Wassergesellschaft Mekorot zur Erschliessung des westlichen Emek, die zum guten Teil mit deutschen Transfergeldern finanziert wird, gegründet. Die erfolgreichen Bohrungen der Gesellschaft haben es schon jetzt ermöglicht, in den bisher unbewohnten Hügeln von Scheik Abrejk mit dem Bau von hundert Siedlungshäusern zu beginnen. Die „Rasse o", die zu einem wesentlichen Teil für die Ansiedlung von Einwanderern Häuser stehen darin in ängstlicher Stille, als ob ihre Bewohner stutzten vor der grossen Weite, der sie sich plötzlich gegenüber sehen. Abseits dieser Richtung aber bewacht auf dem höchsten Punkte des Dünengeländes das Rathaus die Sicherheit der jungen Stammesgesellschaft vor arabischen Ueberfällen. So geht es bis ins erste Jahrzehnt nach dem Kriege. Eine Mittelstadt von 40 000 Bewohnern wächst und verzögert in einer fortgesummten Melodie. Immer noch ist Tel-Aviv wesentlich ein vorstädtisches Anhängsel des arabischen Jaffa. Land und Garten, Strasse und Haus sammeln sich als ein toter Besitz, aber alles bleibt formlos, ungelenk und vermeidet Entscheidungen. Immer noch bewahrt Tel-Aviv sein kontinentales Gesicht, ein östliches Städtchen in der Steppe, wird eine Uferstadt nicht aus Drang zum Meere, sondern zwangsmässig und unfroh, lebt dahin im Selbstzweck seiner Existenz, ein Zustand, aber kein Standpunkt! Denn die organische Form eigner Verantwortung geht über die Einsamkeit seiner Menschen hinaus, und so schwankt der Styl ihrer Gemeinschaft zwischen Leere und Dichte. Während Strasse und Haus namenlos und unbeschildert bleiben, ist keine Tür verschlossen, und statt der politischen Ordnung ihr Recht zu geben, wird ein ethischer Zustand schwebend über den Grenzen des Raumes vorausgesetzt. Wirklichkeitsfremd aus jahrhundertaltem Abschluss und Ausschluss reizt das Gegenständliche leicht das Misstrauen der seelisch Verschworenen, und so schleppen sie das Alte in Vorstellungen und Gewohnheiten mit sich, auch wenn es unter veränderten Umständen ein Veraltetes ist. So sehr vergassen sie die orientalische Heimat, dass Palästina selbst, „Erez Israel", sie nicht aus ihrer Fremdheit befreit! Das Wunder begibt sich im Rücken von Tel- Aviv: das jüdische Land erwacht, und die Ernte aus der eroberten Arbeit reift. Die Frucht reift, und die Stadt Tel-Aviv erntet das Wunder! — Auf dem Lande formt sich die Wirklichkeit eines jüdischen Schicksals mit der Kraft und Würde eines jüdischen Volkes. Sumpf und Wüste weraus Deutschland tätig ist, hat jetzt den Entwurf für drei weitere Siedlungen fertiggestellt, wobei insbesondere auf die Tatsache Rücksicht genommen wird, dass der heutige Einwanderer meist weniger Kapital zu investieren hat, als der frühere. Die Siedlungen stehen auf Keren Kajemet Boden, so dass der Kaufpreis für das Grundstück fortfällt. Neben den üblichen Voll- und Hilfswirtschaften sind auch sogenannte Halbwirtschaften für solche Leute vorgesehen, die zwar den grössten Teil ihrer Arbeitszeit für Garten und Stall verwenden können, aber noch ein gewisses Nebeneinkommen aus Kapitalerträgen zu verzehren haben. Abgesehen von den eigenen Mitteln der erwähnten Unternehmungen und den nationalen Fonds konnte auch die General Mortgagebank infolge des äusserst lebhaften Pfandbriefabsatzes Hypothekarkredit für viele der erwähnten Bauten zur Verfügung stellen. Die mit Auslandsgeldern arbeitende South African B i n j a n Mortgage Co. hat ihr Kapital auf 200 000 LP erhöht. Der Kongress hat beschlossen, für öffentliche Investitionen, insbesondere zur finanziellen Stärkung der Gesellschaft Bizur 25 000 LP zur Verfügung zu stellen; es wurde bereits gezeigt, dass diese Finanzierungsgesellschaft für öffentliche Arbeiten schon bisher durch Bereitstellung von hunderttausend LP öffentliche Investitionen im Werte von 400 000 LP ermöglicht hat. Wesentliche Träger der öffentlichen Arbeit sind endlich die Städte, insbesondere die Stadt Tel-Aviv. Die Stadt Tel-Aviv hat, vorwiegend aus den Mitteln ihrer neuen hunderttausend LP- Anleihe von der Barclays Bank, zahlreiche dringend nötige Strassen- und Schulbauten in Angriff genommen. Ausserdem haben Stadtratsmitglieder von Tel-Aviv und Jerusalem wichtige städtebauliche A n'r e g u n g e n von kürzlich unternommenen Studienreisen nach Europa mitgebracht Der Tel-Aviver Stadtbaurat Schiffmann hat einen Plan für die Errichtung eines neuen Marktes ausgearbeitet, der geschäftsführende Bürgermeister von Jerusalem, Daniel Auster, wendet sich in einem Aufruf an seine Mitbürger gegen die unschöne Entwicklung der neuen jüdischen Viertel um Rechawia, und gegen spekulative Ausnutzung des Bodens durch den — seiner Meinung nach oft sehr lieblos ausgeführten Bau von Wolkenkratzern, die dem Klima des Landes und den Siedlungsidealen des Volkes nicht entsprechen. Er stellt einen Gesetzentwurf zur Diskussion, der gewisse Beschränkungen der Bauhöhe, den Zwang zur Anlage von Grünflächen und Pflanzung von Bäumen bei jedem Haus, zur Einzäunung und Reinhaltung unbebauter Parzellen, zu Strassenpflasterung usw. vorsieht. * Ein wesentliches Moment zur Stärkung der Wirtschaftstätigkeit ist die Zunahme der Kreditgewährung durch die Banken. Sie ist im Laufe, des Mai weiter um rund 150 000 LP gestiegen und lag im August mit 13,55 Millionen um rund eine Million über dem Stande des gleichen Vorjahrsmonats. Andererseits beliefen sich Ende Mai die gesamten Bankeinlagen auf 17,32 Millionen, was eine kleine Steigerung gegenüber dem April und kaum eine Veränderung gegenüber dem im März erreichten Rekordstand bedeutet Der Eindruck der Stabilisierung hat sich noch dadurch verstärkt, dass seit einiger Zeit eine fortschreitende Abwanderung vom Tagesgeld zu den auf gewisse Termine gebundenen Einlagen stattfindet. Zweifellos wären die Einlagen noch höher, wenn nicht fortlaufend Anlagekäufe in palästinensischen Effekten stattfänden, die ja ebenfalls sogar mit besonders hohem Nutzeffekt, der Ankurbelung der Wirtschaft zugute kommen. den zu ihrer edelsten Bestätigung. Die träumerischen Bewohner Tel-Avivs haben daran kein Verdienst, aber ihre Stadt empfängt eine unerwartete Lebensberechtigung und eine Aufgabe innerhalb der zionistischen Arbeit. Tel-Aviv erhält einen politischen Sinn. Das Land drückt seine junge Energie in die Kleine-Leute-Stadt, und in ihrer psalmodierenden Betriebsamkeit bricht der politische Horizont einer Kolonialsiadt auf. Denn nun kann Tel-Aviw für den Umkreis des erstarkenden Landmannes Mittelpunkt und der Umschlagsplatz seiner Waren sein. Eine beginnende Bau- und Kleinindustrie wendet sich an weitere Bezirke jüdischer Kolonisation, und die Stadt Jaffa, der historische Handelsplatz dieser Küste, verliert an den jüngeren Nachbarn. Statt sich von ihr furchtsam zu entfernen, rückt Tel-Aviw seinerseits gegen Jaffa vor. Die Stadt wird gleichsam zur Etappe eines Kriegsschauplatzes, von Gerüchten und Plänen gereizt in einem Zustande abenteuerlicher Bereitschaft Verschiedene Lebensebenen streichen aneinander vorbei wie bewegliche Plattformen abgestufter Schnelligkeit. Wachere Menschen werden in der jungen Kolonialstadt gebraucht, und das Zufällige dieser städtischen Siedlung ergibt sich einer unternehmenden Zielsetzung. Die Stadt wächst, um ihre Notwendigkeit von neuem bestätigt zu ßehen. Menschen strömen herein, Phantasien erhitzen sich und stürzen in das unerfahren« Feld kolonialer Möglichkeiten. Der Blick schiesst über Palästina hinaus und übersteigert sich an fremden Massstäben. — Eine egoistische Kolonialstadt, wieder und immer in der Zeit und nicht im Räume denkend (wie sie vordem im zeitlosen Ghetto' ruhte!), eine Kolonialstadt von 150 000 Bewohnern. Ihr Gesicht hat sich verändert. Nicht genug Hände, alles auf einmal umzugestalten und das Versäumte als Wahrzeichen aufzurichten! Die Menschenwalze rollt kilometerweit nach Norden bis zu den Ausstellungsbauten am Jarkonflusse. Wo die Allenbystrasse noch unentschlossen das Meer erreicht, beginnt eine Promenade und eine vorstädtische Uferstrasse. Solange wich man dem Weltverband polnischer Juden Sonderbericht für die C.-V.-Z e i t u n g K. H., Antwerpen, 30. August. Die Hauptarbeit der Konferenz, über deren Eröffnung wir berichtet haben, wurde wie üblich in den Kommissionen erledigt, die von Montag bis Donnerstag fast ununterbrochen tagten. Die Debatten ergaben, dass durchaus aktive Kräfte hinter dem Weltverbande stehen und seine Arbeiten auch sicher Erfolg haben werden, wenn natürlich auch die unmittelbare Auswirkung nur relativ gering sein kann. Das Hauptziel des Weltverbandes ist — wie in den verschiedenen Resolutionen zum Ausdruck kam — Mitarbeit an einer konstruktiven Lösung der polnischen Judenfrage. Er betrachtet Palästina als die nationale Heimstätte des jüdischen Volkes, lehnt aber jede Evakuierungstendenz eindeutig ab und bemüht sich besonders um die Lösung der jüdischen Frage in Polen. Die Idee des Weltverbandes ist es aber nicht etwa, politische Aktionen gegen Polen zu unternehmen oder sich in innerpolitische Angelegenheiten Polens zu mischen. Er begrüsst vielmehr besonders die beabsichtigte Schaffung einer massgebenden und verantwortlichen jüdischen Repräsentanz der polnischen Juden in Polen und will in gemeinsamer Arbeit an der Lösung der ökonomischen polnischen Fragen mitarbeiten, um auf die^se Weise die Einordnung des verarmten und verelendeten polnischen Judentums wieder zu erreichen. Unabhängig davon hat man auf der Konferenz beschlossen, einen Hilfsfond von einer Million Dollar zu schaffen, doch soll dieser nicht zu der üblichen philantropischen Unterstützung benutzt werden, sondern gerade dieses Geld soll in verantwortlicher Weise zum Nutzen der gesamten polnischen Judenheit verwandt werden. Ausdrücklich hat der Weltverband in einer Resolution zum Ausdruck gebracht, dass er allen seriösen Emigrationsprojekten in ausserpalästinensische Länder sympathisch gegenüberstehe, und die Exekutive beauftragt, mit allen in Frage kommenden Stellen in Verhandlung zu treten. Der Weltverband wählte in der letzten Sitzung eine neue Exekutive und zwar besteht diese aus zwölf Mitgliedern für Europa, je sechs für Palästina und Amerika und drei Mitgliedern aus Argentinien. Diese zusammen bilden die Weltexekutive, als deren Präsident wiederum Benjamin Winter aus New-York gewählt wurde. Zur Durchführung der laufenden Arbeiten wählte man ein Direktorium, das aus vier Mitgliedern besteht Die neue Exekutive hat in eingehender Beratung das zukünftige Arbeitsgebiet besprochen und es ist zu hoffen, dass der erstrebte Zusammenschluss der polnischen Juden im Auslande gute Fortschritte machen wird. Eine der Hauptaufgabenfragen in dieser Verbindung ist die Erfassung der fast zwei Millionen polnischen Juden, die in Amerika leben. Aus den Debatten ergab sich, dass hier noch eine grosse Arbeit zu leisten ist. Wenn auch von Amerika grosse finanzielle Unterstützungen geleistet werden, so ist damit ja weder das polnische Problem gelöst, noch ist es, wie nicht ausdrücklich genug betont werden kann, die alleinige Aufgabe des Weltverbandes, Geld zu sammeln oder gar ein Konkurrenzunternehmen zum Joint oder etwas ähnliches zu werden. Der bekannte amerikanische Delegierte Goldberg schilderte in der Debatte sehr anschaulich die gesamte Situation in Amerika und brachte dabei zum Ausdruck, dass es sicherlich gelingen werde, den grossen polnisch-jüdischen Bevölkerungssektor in Amerika immer mehr und mehr zu aktivieren Schicksal aus und liess sich vom Zufall über Land treiben! Das Meer ist der spät gefundene Sinn dieser Händlerstadt, in der ein Küstenvolk werden will. Hier sei ihr Mittelpunkt! Hier muss sie sich zu ihrem politischen Sinne bekennen: Baut Jerusalem ans Meer! Am Meere entlang, von Jaffa bis zum Jarkonfluss, sollte sich eine festliche Strasse ziehen mit Bogengängen von grosszügiger Freiheit, besetzt mit Rathaus und Stadthalle, Theater und Bibliothek, durch Gärten und Bäder gelockert! Ein stolzes Bild dieser jüdischen Stadt! (Ein Bild, zu schön, um wahr zu sein, zu unwahr, um schön zu sein!) — Denn die Tradition des Kulturraumes rings um das Mittelländische Weltmeer verlangt die Krönung der politischen Einheit durch die repräsentierende Stadt. Jerusalem aber ist und bleibt eine Stadt des Ostens und der Wüste. Das junge zionistische Palästina braucht für seine mittelländischen Menschen den Blick auf das Meer! Tel-Aviv wird befeindet und romantisch verklärt, Schicksal jeder kolonialen Gründerstadt, deren sprunghafte Wirrnis das bescheidenere Land ^erführt. Ihre jungen Bewohner umschwärmen ihre unternehmende Weitläufigkeit. Auswanderer Europas, haben sie die harten Grenzen an sich selber erfahren. Weil sie nicht als Mayflower-Schiffer ein fremdes, unverbindliches Land eroberten, bekämpft sich in ihrer Brust immer das europäische Vorbild mit dem asiatischen Schicksal. Ein ungeheures Erlebnis treibt nackt über den Boden und findet keine Gestalt, Blindheit der Stadt Tel-Aviv . . . (Fortsetzung folgt.) Das Palästina-Orchester gab während seiner ersten Saison insgesamt Qi Konzerte, innerhalb deren 50 verschiedene Werke zur Aufführung gelangten. Während des Sommers wurden Konzepte fü'r Kinder, populäre and Freiluftkonzerte veranstaltet. Für die kommende Wintersaison sind unter anderem in Aussicht genommen: mehrere Toscanini-Konzerte, Huberman als Solist in Beethovens Violinkonzert, ein Auftreten Adolf Büschs sowie Konzerte unter H. W. Steiaberg und M. Tau b e. Kampf gegen die Stagnation Von unserem «-Palästina-Berichterstatter

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