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Central-Verein-Zeitung · 1937-08-19 · 33 (19.8.1937) · page 15

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
33 (19.8.1937)
Date
1937-08-19
Page
– (sequence 15)
Language
German
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| Nr. 33 * 4.BeibIarf 19.Aug. * Seite 15 -____~d Judaica Franz Rosenzweig: Zur jüdischen Erziehung. Drei Sendschreiben. Mit einem Nachwort von Eduard Strauss. Nr. 77 der Bücherei des Schocken Verlag, Berlin 1937.- Leo Baeck hat einmal gesagt, dass sich 'der wahre Wert eines Buches nicht erweist in der Stunde seines Erscheinens, sondern vielmehr nach Jahren oder Jahrzehnten, wenn man neuerdings prüft, ob seine Worte Bestand hatten. Seit dem Erscheinen von Franz Rosenzweigs drei Sendschreiben „Zeit ist's" (1917), „Bildung und kein Ende" (1920) und „Die Bauleute" (1923, im Philo Verlag, Berlin), hat sich unsere innere wie äussere Lage in einem Mass gewandelt, dass wir oft daran zweifeln, ob seitdem erst knapp zwei Jahrzehnte verstrichen sind. Alle drei Schriften waren — Eduard Sirauss, der Freund, äussert sich in seinem klugen und warmblütigen Nachwort aufschlussreich dazu — ..Gelegenheitsschriften", die an bestimmte Personen gerichtet, aus besonderen Situationen heraus, Fragen stellten, Antworten gaben. Dass es weit mehr als „Gelegenheits^-Schriften waren, dass sie mit unverminderter Dringlichkeit, auch in unserer so vielfach und grundlegend veränderten Zeit sprechen, erweist diese Neuausgabe, die man so aufgeregt durchliest, als ob ihr Inhalt einem noch neu w-äre, und die man beglückt und — erschüttert aus der Hand legt. Beglückt: von der Fülle dessen, was als Anregung und Aufruf, Hinweis and praktischer Rat aus diesen Blättern spricht, beglückt von der gründlichen und doch so uuschulmeisterlichen Erfassung des Stoffs und der Schönheit der glasklaren Sprache. — erschüttert: nicht nur darüber, dass der Mann, der wie wenige den Juden in Deutschland notwendig gewesen wäre, zu früh verstummen musste, sondern ebensosehr davon, w:ie wenig z. B. der Ruf „Zeit ist's" Geaör und Verwirklichung fand, in einer Stunde, da es dafür noch Zeit war. Alles was zur Frage der Jugendbildung und der Schulung ihrer Bildner oder zum Lehrhaus damals niedergeschrieben wurde, war zwar hochgemut, aber nicht hochfahrend, kühn, aber nicht utopisch und wurde — nicht oder unzulänglich verwirklicht. Wie weit die „Bauleute", die in einem nun veröffentlichten Briefwechsel mit Buber die Frage des jüdischen Gesetzes erörterten, weitergewirkt haben, vermessen wir uns nicht zu entscheiden, da sie ja — anderes als die zwei sich auf die Volksbildung beziehenden Sendschreiben — an den einzelnen und nicht an die Allgmeinneit gerichtet sind. Man müsste pessimistisch werden, wenn man d i e unter den Juden Deutschlands zählen *nllte, die den Weg gegangen sind, den Franz Rosenzweig in erstaunlicher Erkenntnis dessen, vas ..die jüdische Lebensfrage des Augenblicks"!>t. Gewiesen hat. Der Schocken-Verlag hat den dankenswerten Optimismus, zu meinen, dass auf das, was damals zum jüdischen Bildungsproblem gesagt wurde, auch heute noch in einer dieser Munde angemessenen Form geantwortet werden kann. Vor allem unsere bündischen Gruppen sollten dieses schmale Bändchen — nicht nur lesen, sondern ..lernen" in dem alten Sinn der streithaften Auseinandersetzung mit jeder Zeile. >icht jeden w:ird dieses Lesen zu Rosenzweigs Ansichten bringen, aber jeden zu einer Klärung und auch zu einem Mann, der für das Leben eines jeden von uns eine echte, -starke Bereicherung sein kann. Hans Lamm Jakob Horovitz: Aus der Oxforder Handschrift des Josif Omez. Verlag Kauffmann, Frankfurt a. M., 1937- Niemand wird hinter diesem anspruchslosen Titel eine höchst lehrreiche und interessante Schrift vermuten. Der in Frankfurt am Main 1637 verstorbene Rabbiner Josef Hahn hat eine Arbeit hinterlassen, die nur unvollständig im Druck erschienen ist. Aus dem ungedruckten Teil hat Horovitz zwei kurze Kapitel herausgegeben, die der Bedrängnisse der Frankfurter Juden um die Mitte des 30jährigen Krieges Erwähnung tun und eine Empfehlung über das Verhalten bei Religionsgesprächen enthalten. Beide Punkte werden eingehend historisch beleuchtet, insbesondere auch die Predigten der Frankfurter lutherischen Geistlichkeit gegen die Juden, die in der Zeit vorher und nachher quellenmässig belegt werden. Die kleine Schrift verdient viele Leser. I. Elbogen. Die Heilige Schrift. Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M., 1937. Schon mehrfach nahmen wir Veranlassung, an dieser Stelle auf die von Professor HarryTorczyner (Jerusalem) im Auftrage der Jüdischen Gemeinde Berlin herausgegebene neue Bibelübersetzung hinzuweisen. Im Laufe der letzten drei Jahre ist in vier Bänden diese „Gemeindebibel" erschienen. Unter der Mitwirkung bekannter Gelehrter ist hier ein Uebersetzungswerk entstanden, das unter der grossen Zahl" von Bibelübertragungen -in deutscher Sprache allgemeine Beachtung gefunden hat. Der überlieferte massoretische Text ist zugrunde gelegt wrorden. ..Die Verantwortung für das, was in dieser Uebersetzung im deutsch-sprachlichen Ausdruck wie in der Auffassung des Bibelsinns neu und ungewohnt ist, trägt der Herausgeber fast ausschliesslich." Bei der Besprechung des vierten Bandes gaben wir in diesen Spalten der Hoffnung Ausdruck, dass sich nun auch Menschen finden .mögen, die diese Uebersetzung zur Hand nehmen mit dem ehrlichen Willen, sich durch sie einen Zugang zum Geiste des Judentums zu erschliessen. Diesen Weg hat nun in dankenswerter Weise der Verlag — .technisch und nicht zuletzt finanziell — noch mehr zu erleichtern sich bemüht. Soeben erscheint die bisher in vier Teilen vorliegende Ausgabe in einem einzigen Bande auf 1S81 Seiten Dünndr u c k - papier vereint. Der Herausgeber hat diese Ausgabe nochmals durchgesehen und zum Teil noch verbessert. Die verlegerische Leistung, die dem Verlangen, aber auch dem Können" des Publikums weitgehend entgegenkommt, muss in dieser Zeit besonders dankbar anerkannt werden und verdient daher besondere Beachtung. * Zur gleichen Zeit erschien in England eine Uebersetzung der Bibel in einem Negerdialekt Belgisch-Kongos. Mit dieser Arbeit ist die Bibel nunmehr i n 1 0 0 0 Sprachen übersetzt worden. Dr. Manfred Swarsenskr. Simcha Katz: Die Strafe im talmudischen Recht. Verlag Kadern, Berlin 1936. Die Arbeit erörtert den Begriff der Strafe und seine Auswirkung in der Rechtssprechung und Rechtslehre der talmudischen Zeit. Das Recht der Bibel und Lehre und Praxis der nachtalmudischen Zeit werden insoweit herangezogen, als es erforderlich ist. Sachgemäss zieht die Darstellung als Quellen nur die beiden Talmude, die Tossefta und die halachischen und aggadischen Midraschim heran, während sie die ausgedehnte spätere rabbinisebe Literatur, insbesondere den Kodex des Maimonides, nicht als Quellenwerke gelten lässt. Deren dauernde Bedeutung liegt auf anderem Gebiet. Eine ausführliche Einleitung legt die Grundlagen und behandelt insbesondere die wichtige Frage, inwieweit die talmudischen Berichte gerichtliche Praxis und nicht nur die Theorie des Lehrhauses darstellen. Dabei ergibt sich, ..dass das jüdische Strafrecht in Palästina bis zur Zerstörung des zweiten Tempels fast ungehindert gehandhabt wurde. Nach diesem Zeitpunkt kann man nicht mehr von einer ordentlichen jüdischen Strafrechtspflege sprechen. Die Kapitalgerichtsbarkeit nach der Zerstörung des zweiten Tempels beruht auf einer gesetzlichen Sonderermächtigung, die den Gerichten im Bedarfsfalle ein Recht zur Verhängung der .poenae exlraordinariae' einräumte". Ein zweiter Abschnitt behandelt die Strafcwecke und ein dritter schliesslich die Strafarten des talmudischen Rechts, Todes- und Freiheitsstrafe, Verbannung, Geldstrafe und Geiselung. Bei genauer Kenntnis der jüdischen Ueberlieferung in den oben genannten Quellen geht der Verfasser überall auf die modernen rechtsphilosophischen und rechtshistorischen Probleme ein und verweist stets auf die entsprechenden Erscheinungen im Leben und in der Wissenschaft des Rechtes der verschiedensten Nationen. Von hoher Bedeutung sind die Anmerkungen. Sie setzen sich mit der einschlägigen Literatur vieler Zeiten und Völker auseinander und liefern die wissenschaftliche Rechtfertigung für die vorangegangene systematische Darstellung. Der Verfasser bekundet dabei eine begründete und wohltätige Skepsis gegenüber der jüdischen wie der allgemeinen Wissenschaft und gewinnt so Klarheit und Befreiung von vielen oft gehörten aber unbegründeten Meinungen. Manche Anmerkung stellt in gedrängter Kürze eine wichtige Sonderuntersuchung dan Die Vorbemerkungen für talnmdunkundige Leser und die übersichtliche Zusammenstellung der Ergebnisse erleichtern auch einem weiteren Kreise das Verständnis der nicht einfachen, aber klaren und überzeugenden Untersuchung. Die Wissenschaft vom Judentum muss Katz, der jetzt in Tel-Aviv lebt, für diese Bereicherung auf einem wichtigen Gebiete dankbar sein. Dr. Max Eschelbacher. Martin Buber: Der Grosse Maggid und seine Nachfolger. Schocken-Verlag, Berlin 1937. Abermals erscheint ein Ausschnitt aus dem Werk Martin Bubers über den Chassidismus, mit nur sehr geringfügigen Abänderungen gegenüber den früheren Auflagen, und der Schocken-Verlag trägt mit dieser Neuauflage (19. bis 23. Tausend) einem starken Bedürfnis Rechnung, denn kein anderes von Bubers Werken hat wie dieses den Weg gerade auch in solche jüdischen Kreise gefuuden, die im übrigen jüdischer Lektüre nicht allzu bejahend gegenüberstehen. Es heisst diesem Leserkreis, aber auch dem Werk Bubers Unrecht tun, will man, wie es oft geschieht, das grosse Interesse an den chassidischen Büchern auf eine Strömung der Mode oder auf einen erwachenden Hand zur Mystik allein zurückführen, oder auf jenen Blick zum Ostjudentum, den der seiner selbst unsicher gewordene Westjude voll Staunen über ein so lebendiges Judentum hinüberlenkt. Schon die ausführliche Einleitung ist nicht dazu angetan, solche an der Sache vorbeigehenden Interessen zu befriedigen. Es ist eben "doch viel mehr, was von diesem Buch ausgeht: die ganze Stärke einer in sich fest gefügten' Welt offenbart sich in ihm, und ebeu jene'Einleitung verschafft auch dem vom Westen geformten Menschen die Möglichkeit des Zutritts Bei B&UUklS Berlin W50 Der grosse Roman-Erlolg S alm an S chn'c u r ttoaft #att**e (Leinen M 4.—) In den jüdischen Buchhandinngen erhältlich. zu dieser Welt, der er, ohne sie in falscher Romantik als die für ihn erstrebenswerte zu erachten, seine tiefe Bewunderung nicht versagen kann. Aus ihm erschliesst sich dem Leser ein kraftvoller, weltbejahender jüdischer Weg: und wenn er selbst ihn auch nicht wird gehen können, so findet er doch, wenn er nur richtig liest und versteht, sicher einen Hinweis für die Lösung der ■ Fragen, die er bei aller anderen Unterschiedlichkeit mit jenen Menschen gemein hat, uud die in eine grosse Frage geballt Levi. Jizchak von Berd tische w ausspricht": ..Aber das eröffne du mir, tiefer, klarer, was dies hier, das jetzt eben geschieht, mir meint, was es von mir fordert, was du, Herr der Welt, mir damit ansagst." G. F. Hans Margolius: Ideal und Leben. Verlag M. u. H. Marcus, Breslau 1936. Der Leser steht dem Buch ein wenig hilflos gegenüber; die behandelten Probleme: Ideal und Leben. Sympathie und Ordnung. Reiz und Wrert, Sehnsucht und Gemeinschaft. Ethos und Werk. Problem und Interesse — werden nämlich gesprächsweise erörtert, und diese Weise geht weit über das platonische Vorbild hinaus, sie ist nahezu belletristisch. Diese erzählerische Leichtigkeit und Flüssigkeit enthebt natürlich nicht nur den Leser vom Eindruck der düstern Zentnerschwere der Probleme, sondern auch vom Eindruck der Verschiedenartigkeit und verschiedenen Gewichtigkeit des Dargestellten. Da* ist die Gefahr solcher Vortragsform, ihr Vorzug ist ebenso gross: das Nachdenkliche wird unvermutet und fesselnd mitgeteilt. Einer von Margolius' schönsten und das ganze Buch hindurch mit schillernder Konkretheit ausgeführten Gedanken betrifft die ethische Beschreibung: die Ethik ..muss sich bemühen, zu beschreiben, was sie an Werten im Leben gefunden hat... Die Arbeiten der Ethiker sind zumeist ausschliesslich von Erörterungen erfüllt. Und wie sollte es anders sein! Probleme bedürfen der Erörterung. Aber die Welt der problemlosen, der fragelosen Tugenden... bedarf keiner Erörterung. Diese Tugenden und Werte, die einleuchten, weil sie Die Fresken von Dura Europos Die grossartige Aufdeckung der Synagoge in Dura Europos. der syrisch-mesopotamischen Grenzstadt nahe Palmyra im oberen Euphrat-Tal, und ihrer Wandmalereien biblischer Szenen und 0estalten beschäftigt immer lebhafter die wissenschaftlichen Kreise. Auch an dieser Stelle ist von den ohne Beispiel dastehenden Fresken aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. gelegentlich die Rede gewesen, wobei darauf hingewiesen wurde, dass ein ausführlicher Bericht der Ausgrabungsleitung, an der die Pariser Akademie und vor allem die Yale-Universität in Nordamerika uuter Führung von Professor Clark Hopkins beteiligt waren, ■ leider noch aussteht. Tatsächlich hat Hopkins seiner Veröffentlichung in einer Londoner illustrierten Zeitschrift vom Juli 1933 bisher keine Aeüsserung folgen lassen. Um so willkommener ist eine Studie, die Theodor Ehrenstein soeben herausgibt („U eber die Fresken der Synagoge von DuraEuropo s", mit acht Abbildungen; Wien, Kunstverlag Albert Kende). Er knüpft dabei an eine inzwischen in der Literatur vertretene Anschauung an, die glaubt, die Bilder seien, mindestens zum Teil, von persischen Künstlern gemalt, zugleich aber in Uebereinetimmung mit älteren Forschern annimmt, dass allen diesen Darstellungen eine alte Bildtradition zugrunde liegen müsse, mit anderen Worten, dass wohl auch in den Kreisen des griechisch gebildeten Diaspora-Judentums bereits etwas wie eine Bilderbibel existierte. Ehrenstein sucht nun nachzuweisen, dass es nicht persische, sondern jüdische Künstler gewesen sind, die in Dura Europos tätig waren. Mir scheint, dass er damit durchaus im Recht ist. Ab ich vor drei Jahren in Palästina die ersten photographischen Aufnahmen jener verblüffenden Kuppelgemälde sah, sagte auch mir sofort ein ganz bestimmtes Gefühl: dies können nur Schöpfungen jüdischer Hände sein. Nur jüdische Menschen waren in der Lage, mit solch genauer Kenntnis der verschiedenen biblischen Berichte vorzugehen, jüdische Symbole so zutreffend zu verwenden. Freilich, wie das plötzliche Auftauchen dieser meisterlichen Fresko-Schilderungen zu verstehen ist, darüber haben wir noch keine Klarheit. Eine so reife Kunst kann nicht wie aus der Pistole geschossen erscheinen, sie muss durch eine Tradition, die wir nur noch nicht kennen, vorbereitet gewesen sein. Ehrenstein geht sehr gründlich vor. Er gibt eine ausführliche Uebersicht über die Menschendarstellungen der älteren persischen Kunst und kann feststellen, dass sie ausnahmslos heroische und kämpferische Themata behandeln, hauptsächlich Kriegs- und Jagdszenen. Um so etwas wie die Fresken von Dura Europos malen zu können, hätten sich Perser aus jener Zeit seelisch völlig umstellen müssen! Die schönste der grossen Figuren die dort grüssen, ist die eines Priesters mit der Thorarolle, in dem manche einen Moses, andere einen Esra erkennen wollen. Das Gewand dieses Priesters ist weder ein griechischer Chiton noch eine römische Toga, sondern ein jüdischer Gebetmanlel, in reichem Faltenwurf umgehängt — man muss annehmen, dass es ein jüdischer Künstler war, der seinen Priesterhelden so einhüllte. Einleuchtend namentlich ist das, was Ehrenstein über das Fresko des Quellwunders sagt. Hier ist nicht dargestellt, wie Moses Wasser aus dem Felsen schlägt — ein damals und später oft geschilderter Vorgang —, sondern das Bild bezieht sich vermutlich auf die etwas schwierige Stelle im vierten Buch Mosis, Kap. 21, Vers 17 und 18. Oder, wie Rahel Wischnitzer- Bernstein es kürzlich in einem Vortrag auslegte, wir haben den mystischen Strom des lebenspendenden Quells vor uns, dessen Wasser sich zu den zwölf Stämmen hin verteilen. Aber wie das Gemälde auch zu deuten ist, man muss zu der Auffassung kommen, dass nur ein Jude den symbolischen Tiefsinn eines solchen spezifisch jüdischen Gedankens zum Bildmotiv wählen konnte. Treffend ist auch Ehrensteins Hinweis darauf dass in Dura Europos die Gestalten faßt durchweg in frontaler Stellung auftreten. wras der gesamten vorderasiatischen Gepflogenheit widerspricht. Weiter gibt das kleine Heftchen interessante Anregungen zum Studium der Frage, wie die Synagogenmalereien kunstgeschichtlich einzuordnen sind. Ihre unmittelbare Wirkung auf die Folgezeit kann allerdings nicht, gross gewesen sein, da die Ausschmückung, wie wir aus den Inschriften genau entnehmen können, 246 n. Chr. vorgenommen wurde, die Stadt Dura Europos aber bald nach der Mitte des dritten Jahrhunderts zerstört worden ist, so dass ihr jüdisches Gottesbaus kaum zehn Jahre bestanden hat. Uebrigens hören wir, dass die Fresken im vergangenen Jahre 1936 zwecks besserer Konservierung vorsichtig vom Mauerwerk abgelöst und in einen Museumsneubau in.Damaskus übertragen wurden. M. 0. borgenheit und Anonymität in das Licht öffentlicher und privater Sammlungen. So war er ein Kunsthändler jener seltenen Art: Kaufmann und Freund der Künste zugleich. — Dem C. V. war Zacharias M. Hackenbroch ein treues, zuverlässiges Mitglied. Dr. G. Zacharias M. Hackenbroch Im 53. Lebensjahr ist der bekannte Frankfurter Kunsthändler Zacharias M. Hackenbroch von einem lange«, schweren Leiden erlöst worden. Aus einer alten jüdischen Familie Frankfurts stammend, empfing Zacharias Hakkenbroch seine erste fachliche Ausbildung im Hotel Drouot in Paris. Dort hat er die ungewöhnlichen kennerischen Voraussetzungen, die er für seinen Beruf von Hause aus mitbrachte, durch die Berührung mit bedeutenden Kunstwerken vertiefen können. Als Hackenbroch einige Jahre vor dem Krieg nach Frankfurt a. M. zurückkehrte, verfügte er so bereits über eine reiche Erfahrung auf dem Gebiete des mittelalterlichen, besonders französischen Kunstgewerbes und der Malerei. Seine Beziehungen zur Sammler- und Museumswelt, seine kaufmännische Sicherheit, sein feiner Kennerblick, nicht zuletzt sein persönlicher Charme führten dazu, dass sein Geschäft — ein Unternehmen von hohem geschmacklichem und künstlerischem Rang — bald zu einer berechtigten Berühmtheit In der internationalen Kunstwelt gelangte. Durch ihn fanden Werke, die heute zum Bestand der allgemeinen Kunstgeschichte gehören, den Weg aus der Ver¬ Kalender der Jüdischen Künstlerhilfe 1937-1938/5698-5699 Soeben ist der Kalender der Jüdischen Künstlerhilfe für das neue jüdische Jahr im Verlag Joseph Jastrow, Berlin, erschienen. Die Herausgabe des Kalenders leitete Dr. Hermann Schildberger; die sehr gute Auswahl der vorzüglichen photographischen Wiedergaben {Photos: Grete Karplus, Abraham Pisarek, Herbert Sonnenfeld) von Zeichnungen und Gemälden jüdischer Künstler trafen Professor Franz Landsberger und Dr. Max Osborn. Die Bilder, zum Teil auch Wiedergaben jüdischer Kultgegenstände oder alter jüdischer Drucke, sind in kurzen Texten von Professor Franz Landsberger, Dr. Max Osborn, Dr. Lydia Baruc h so n -Aschheim und. Dr. Irmgard Schüler erläutert. Unter den 37 Künstlern sind Namen wie Josef Bato, Else und Ludwig Meidner, Pro- Bei Bmtdus BerlinW50 Der neue Kultur-Roman Emanuel Worl i k ©er Mnenretter m präg (Leinen M. 3.50) In den jüdischen Buchhandlungen erhältlich fessor Leonid Pasternak, Anita Ree, Alexander Oppler und andere mehr. Verse von Gertrud Chodziesner, Kurt Walter Goldschmidt, Mascha Kaleko, Hertha Kanuer. Dr. Max Samter und Dr. Davin Schönberger schmücken ausserdem den praktischen Wochenkalender, dem schon deshalb Eingang in viele jüdische Häuser zu wünschen ist, weil der Ueberschuss aus dem Verkauf (Preis 2 RM) jüdischen Künstlern, die in Berlin und im Reich wohnen, zugute kommen wird. M. E.

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