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Central-Verein-Zeitung · 1937-08-19 · 33 (19.8.1937) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
33 (19.8.1937)
Date
1937-08-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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C.-V.-Zeifung_ Seite 7 Der Berliner Spielplan 1937/38 Theater und Oper „Der Golem" von Leiwik, überfragen von Leo Hirsch — „Viel Lärm um Nichts" von Shakespeare, "Musik von E. W. Korngold — „La Boheme" von Giaccomo Puccini — „Kapitän Brassbbunds Bekehrung" von G. B. Shaw — „Fräulein Else" von Arthur Schnitzler — „D e r S c h a t z" von Scholem Alejchem — „W enn ich Königwär..." von Ch. A. Adams — „Herodes und Mariamne"- von Friedrich Hebbel — „R i g o I e 11 o" von Giuseppe Verdi — „Die schön e H eIena" von Jacques Offenbach. Konzert-Serien: Kammermusik, Streichquartett des Kulturbund - Orchesters — Orchester-Konzerte, Leitung: Rudolf Schwarz — S a u 1, Oratorium von Händel, Leitung: Kurt Singer-Berthold Sander — Chorkonzert, Leitung: Berthold Sander. Vorträge: Julius Bab, Rabb. Dr. Baeck, Bertha Badt-Strauss, Dr. Bamberger, Prof. Jsmar Elbogen, Dr. Arthur Eloesser, Edith Herrnstadt-Oettingen, Dr. Anneliese Landau, Prof. Dr. Landsberger, Rabb. Dr. Maybaum, Rabb. Dr. Max Nussbaum, Prof. Dr. Franz Oppenheimer, Dr. Max Osborn, Dr. Schlossberg, Dr. Lutz Weitmann, Rabb. Dr. Max Wiener u. a. m. Sonderveranstaltungen: Kleinkunstbühne, Leitung: Max Ehrlich. Ossy Renardy (Violine), Dela Lipinskaja, Paula Solomon — Wilhelm Guttmann, Rita Storch (Klavier), Tanzgruppe Iis Vordemberge, Solotänze Ruth Condell — Nelly Hirsch, Mendelssohn-Trio (Leipzig). iilllJHHIIIIIilillillilHIIIW Nr. 33 * 19. August 1937_ Beitragszahlung erfordert doppelte Buchung, das macht im Monat 36 000 Buchungen! Ein wichtiger Bestandteil im Kulturbundetat sind die S o n d e r v e r a n s t a 11 u n ge n, die sehr erheblich zur Erleichterung der stets vorhandenen Finanzsorgen beitragen. Und besonders erfreulich ist, dass das Max-Ehrlich-Kabar e 11 — das unabhängig von den 200 Personen nochmals 18 bis 20 Menschen beschäftigt — kein Zuschussbetrieb ist, sondern sich selbst trägt: So, jetzt haben wir Sie einmal für einige Minuten hinter die Kulissen blicken lassen. Allzuviel darf man bekanntlich beim Theater nicht entschleiern, sonst verliert es an Illusionskraft. Darum heisst es auch jetzt für uns: Vorhang! Und wir verabschieden uns mit einer kleinen Anregung, die gerade die jüdischen Geschäftsleute angeht: Wie. wäre es, wenn Sie auch für Ihre jüdischen Angestellten mit niedrigen Gehältern, die sich eine eigene Mitgliedschaft nicht leisten können, eine Mitgliedskarte für dav=» kommende Spieljahr im Jüdischen Kulturbund erwerben und bezahlen würden? Manche Firmen tun es schon, folgen Sie ihrem Beispiel! Ihren Angestellten machen Sie damit eine grosse Freude und gleichzeitig helfen Sie einer der wichtigsten jüdischen kulturellen Einrichtungen Deutschland. Herbert Wiesenthal. Wie entsteht eine Opernvorstellung? Wer macht sich wohl einen Begriff von den vielerlei Schwierigkeiten, die ein kleines Theater, das einen gemischten Spielplan mit Oper und Schauspiel bietet, zu überwinden hat? Ein grosses Theater stellt je nach seinen Mitteln einen Spielplan auf und wählt aus dem Riesenreservoir vorhandener Darsteller die notwendigen Kräfte aus. Es hat mehrere Vertreter für jedes Fach, so dass es jede Rolle doppelt besetzen kann. Es hat die Möglichkeit, im Falle der Erkrankung eines Künstlers bei einem befreundeten Theater oder beim Bühnennachweis Ersatz zu finden. Diese Voraussetzungen entfallen beim Kulturbund völlig. Hier herrscht starker Mangel an begabtem Kachwuchs, ja, es gibt Fächer, iür die wir nur je einen befähigten Vertreter haben. Da wir also nur einen sehr knapp begrenzten Kreis von Künstlern zur Verfügung haben und unser Etat überdies sehr beschränkt ist, müssen wir uns bei der Aufstellung des Opernspielplans für eine Winterspielzeit vor allem nach dem vorhandenen Sängermaterial richten,. um vor peinliehen Ueberraschungen gesichert zu sein. Wir können, wie das andere Häuser vermögen, unserem Publikum, da, wir kein ständig -wechselndes Repertoire haben, bei Erkrankung eines Künstlers keine andere Vorstellung bieten, sondern müssen unter Umständen die Aufführung ganz absagen. Nach 'der Festsetzung des Spielplans und der Rollenbesetzung — nach Möglichkeit werden wenigstens die Hauptpartien doppelt besetzt — geht es an das Studium. Es ist natürlich unser Ehrgeiz, dass die Darsteller ihre Rollen wirklich peinlich genau beherrschen!. Ich habe die Leitung der musikalischen Einstudierung. Da muss ich zunächst feststellen, welcher der Künstler seine Rolle früher schon einmal auf einer anderen Bühne gesungen hat, und dann mit ihm repetieren, um zu sehen, wie weit er sie noch im Gedächtnis hat. Ich muss die uristudierten Darsteller von Anfang an in die Rollen einführen, berechnen, wieviel Proben sie brauchen, um ihre Aufgabe zu meistern, und so zunächst mit jedem Künstler einrein die Rollen durcharbeiten. Nach wochenlanger gründlicher ' Vorarbeit setzen nunmehr die Ensembleproben mit dem jeweiligen Leiter der Aufführung ein. Bis dahin muss jeder Künstler seine Rolle schon so gut beherrschen, dass diese Proben nur noch letzten Schliff und Ausdruck zu geben brauchen. Inzwischen hat sich auch der Chor (unter Berthold Sanders Leitung) auf die bevorstehende Aufgabe vorbereitet, und das Orchester hat seine Stimmen studiert. Bevor es aber darangehen kann, muss das Notenmaterial gesichtet und kontrolliert sein, müssen Druckfehler beseitigt, . falsche, dem wirklichen Partiturbild zuwiderlaufende, von fremder Hand eingefügte Eintragungen entfernt, Zeichen für Dynamik und Tempo nachgetragen werden. Während wir 60 an der musikalischen Vorbereitung der Aufführung arbeiten, werden von Regisseur und Bühnenbildner die Ausstattung -und die Kostüme vorbereitet. Schliesslich, nach wochenlangem täglichem Studium, steigt die Kostümprobe und endlich die Generalprobe. Noch einmal wird alles überprüft, damit die Arbeit aller dieser verschiedenen Kräfte und Glieder einen musikalisch und darstellerisch schönen Zusammenklang ergeben. Denn wir wissen, dass wir, besonders in Berlin, ein anspruchsvolles Publikum zu befriedigen und, wenn möglich, zu begeistern haben; das stachelt unseren Ehrgeiz und unsere Freude an der Arbeit täglich von neuem an. Wilhelm Altmann. Abteilung: Vorträge Das Vortragswesen am Jüdischen Kulturbund in Berlin, wie es sich in diesen vier Jahren entwickelt hat, kennt zwei verschiedene Gruppen von Rednern: die eine kleinere Gruppe besteht aus denjenigen Dozenten, die sich beim Publikum so starker Beliebtheit, so bedeutenden Zulaufs erfreuen, dass sie in keinem Vortragsmonat fehlen dürfen. (Es war dies nur im ersten Jahr jeder Monat, jetzt ist es abwechselnd mit dem Konzert jeder zweite Monat.) Die Vortragenden dieser kleinen Gruppe sind nun zugleich diejenigen, die bestimmte Gebiete des künstlerisch-kulturellen Lebens, die über das rein Jüdische hinausgreifen, planmässig und in grösserer Folge behandeln. Das klarste Beispiel geben vielleicht die ausserordentlich beliebten Vorträge von Anneliese Landau, die immer zweimal gehalten werden müssen, weil sich fast stets über 2000 Hörer melden. Da ihre Ausführungen von Sängern oder Instrumentalisten illustriert werden, bieten diese Vorträge wohl auch musikhungrigen Mitgliedern im konzertlosen Monat einen Ersatz. Anneliese Landau hat im ersten Jahr einen Vortragszyklus über das Lied, im zweiten über Kammermusik, im dritten über die Oper gehalten und ist, nachdem sie so immer weitere Kreise der musikalischen Komposition durchwandert hat, im letzten Jahr zur besonderen Betrachtung, jüdischer Musik vorgeschritten. —- In ähnlicher Art, wenn auch nicht ganz so systematisch, hat Dr. Max Osborn die bildende Kunst, haben Julius Bab und Arthur Eloesser Probleme der Literatur und des Theaters behandelt. . Neben diesen regelmässigen Sprechern hat der Kulturbund stets'eine grosse Reihe einzelner Redner auftreten lassen, denen vor allem die Aufgabe zufiel, jüdische Probleme in grosszügiger und zugleich populärer Art darzustellen. (Auch hier ist der Unterschied zu den besonderen Aufgaben und Leistungen des jüdischen Lehrhauses, mit dem der Kulturbund in keinem Falle kollidieren möchte, ziemlich deutlich.) Es haben wiederholt vorzügliche Gelehrte wie Professor Elbogen und Franz Oppenheimer, hervorragende Rabbiner wie Dr. Baeck, Dr. Max Wiener, Swarsenski und Nussbaum gesprochen und andere vorzügliche Träger jüdischer Gelehrsamkeit wie Dr. Bamberger und Berta Badt- Strauss. Das Vortragswesen des Berliner Kulturbundes umgreift aber noch ein ganz anderes rein künstlerisches Gebiet, das nur planmässige Pflege finden kann: regelmässig finden Rezitationsabende statt, in denen bedeutende Sprecher den Mitgliedern lyrische und epische Kunst vermitteln. Einige der bekanntesten und erfolgreichsten Vortragskünstler jüdischer Herkunft sind nicht mehr in Deutschland, wie Ludwig Hardt und Meinhart Maur. Aber Rezitationskünstler wie Edith Herrnstadt-Oettingen und Johanna Meyer, Otto Bernstein und Willy Buschoff und noch manche andere finden stets ein dankbares Publikum. Und nicht schwächer zeigt sich der Anteil der Mitglieder, wenn die Autoren selbst zu Wort kommen und die Dichter und Dichterinnen, die noch unter uns leben, einmal aus ihren eigenen Werken lesen. Gewiss ist es nur ein Teil der vielen hauptsächlich durch das Theater gefesselten Mitglieder, die die Vorträge besuchen, aber es sind doch immer noch gewaltige Zahlen, wenn wir hören, dass ein Vortragsmonat im Kulturbund 6000 bis 7000 Hörer durchschnittlich versammelt. Die Zahl der Vorträge musste aus wirtschaftlichen Gründen etwas herabgesetzt werden; das bringt natürlich die Gefahr mit sich, dass die Mannigfaltigkeit, der Auswahlreichtum geringer wird. Die Leitung hat deshalb den lebhaften Wunsch, dass der Erfolg der neuen Werbung sie in die Lage setzen möge, die Zahl der angebotenen Vorträge wieder zu erhöhen. Denn zweifellos befriedigt auch die Gestaltung des Vortragswesens ein im jüdischen Publikum stark vorhandenes Bedürfnis; auch hierin liegen Recht und Pflicht der ganzen Institution begründet. Julius Bah. Wir Künstler rufen Von Rita Atlasz Als ich etwa 4 Jahre alt war, steckte eines Tages eine Nachbarin ihren Kopf durch die Tür der elterlichen Wohnung mit der Frage, wer eigentlich hier 60 sänge, mal klänge es wie der Gesang eines Erwachsenen, mal wieder wie der eines Kindes. Dieses „Phänomen", nach dem man sich so interessiert erkundigte, war ich, und dieses Vorkommnis war somit mein erster öffentlicher Erfolg. Schon damals nahm ich mir fest vor, Sängerin zu werden, und verkündete diese Absicht jedem, der es hören wollte. Aber ach, der Prophet gilt bekanntlich nichts im eigenen Vaterlande. Meine brüderliche Liebe prophezeite mir im günstigsten Falle eine Laufbahn als — Gänse-Sengerin bei Weis-Csarda oder einem ähnlichen Unternehmen, und hat damit meine kindliche Seele in schwere Kränkung versetzt. Dieser liebevolle Bruder war damals in den gewiss urteilsfähigen sogenannten Flegeljahren. In der Zwischenzeit hat er sein Urteil allerdings revidiert. Meine musikalischen Studien habe ich — wie so viele andere jüdische Künstler — im Sternseben Konservatorium absolviert und bin dann auf dem Umwege über die Provinz vor drei Jahren in Berlin, meiner Geburtsstadt, vom Kulturbund engagiert worden. Ich habe in der Zwischenzeit hier viele schöne Rollen gesungen, und gerade in der letzten Saison hatte unsere Oper so grosse künstlerische Erfolge zu verzeichnen, dass ich mit Sicherheit annehmen darf, dass diese Erfolge — in die Potenz erhoben — sich künftig weiter entwickeln werden. Ich persönlich freue mich sehr, dass Wünsche, die von mir schon seit langem im Rahmen des Kulturbundprögramms gehegt wurden, in der nächsten Spielzeit verwirklicht werden — Aufgaben, die meiner künstlerischen Eigenart besonders liegen, werden mich zu Höchstleistungen anspornen. Also, liebes Publikum, wir sind bereit. Und wo bleibst du? Wir sind bereit, zu geben, seid ihr bereit, zu nehmen; euren Dank für das Gebotene — ich darf wohl sagen, auch Genossene — könnt ihr abstatten, indem ihr durch Erwerb der Mitgliedschaft dem Kulturbund die Geldmittel zuführt, die für die Leitung eines Kunstinstitutes nun einmal von unerlässlicher Notwendigkeit sind. Kommt also alle, die ihr der jüdischen Gemeinschaft angehört! Ihr werdet eine bis ins letzte einsatzbereite und arbeitsbegeisterte Künstlerschart vorfinden! Der Jüdische Kulturbund wirbt! Die Werbeaktion findet ein ausserordentlich günstiges (Echo. Sämtliche Werbevorstellungen sind ausverkauft, so dass eine grosse Reihe von Interessenten unberücksichtigt bleiben musste. Die Leitung des Kulturbundes weist daher darauf hin, dass den bis zum 3. September neu hinzutretenden Mitgliedern die laufende Theatervorstellung und ein Orchesterkonzert im September gratis geboten werden. Da erfreulicherweise täglich ausserordentlich viele Mitgliedsanmeldungen eingehen, empfiehlt es sich, den Neueintritt bald zu vollziehen. Die Karikaturen auf der linken Seite stellen dar: Oben von links nach rechts: Ruth Condell — Nelly Hirsch, Hans Karl Rosenberg, Rita Atlasz. — Linke Spalte: Edith Ei senheimer. Herbert Grünbaum, Lilly Kann, Walter Olitzki, Doris Wilamowska. — Auf der rechten Seite: Heinz Condell, Wilhelm Guttmann, Gina Friedmann - Pßtruschka, Gerhard Pech n er, Camilla Eisner-Spira. Bitte ausschneiden und! einsenden an den Jüdischen KuSfurbund e.V. Berlin SW19 Kommandantenstrasse 57 | Hierdurch erkläre ich meinen Eintritt in den Jüdischen Kulturbund Berlin E.V. zum monatlichen Mitgliedsbeitrag von RM 2,65 (Einmalige Einschreibegebühr RM 0,50). Der Austritt kann nur bis zum 30. Juni mit Wirkung zum 30. September jeden Jahres erklärt werden. Das Mitglied hat das Recht, zwei Bundesveranstaltungen monatlieh zu besuchen, und zwar eine Theatervorstellung (Schauspiel bezw. Oper) und »in Konzert bezw. einen Vortrag. Die Mitgliedskarte ist nicht übertragbar« [Für jedes neue Mitglied ist eine Eintrittserklärung auszufüllen.) Durch meines eigenhändige Unterschrift versichere ich gleichzeitig, Jude (im Sinne der Reichsgesetze) zu sein. Name: . Adresse: - Telefon: (Bitte deutliche Schrift

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