Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 32 (12.8.1937)
- Date
- 1937-08-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Blatt der jüdischen Trau Nr. 32* 12. August 1937 4. Beiblatt * C.-V.-Zeitung Seite 13 Schularbeiten mit oder ohne Hilfe! Von META SAMSON Es gibt viele Kinder, die die Frage der Eltern nach den Schularbeiten wie einen Angriff empfinden, bei dem man sich sofort in Deckung begeben muss. Wodurch wird dieser Widerstand hervorgerufen? Häufig wird er geboren aus dem Ehrgeiz der Eltern, die eine gute Nummer und das Lob des Lehrers für wichtiger und greifbarer halten als den gesunden Drang ihres Kindes nach Selbständigkeit und eigener Leistung. „Der gute Schüler" bildet den Inhalt ihres Erziehungsprogramms und leider auch ihres täglichen Gesprächsstoffs. Sie behüten ängstlich die Schularbeiten ohne zu erkennen, dass sich das Kind allmählich nichts mehr selbst zutraut, und so stark in Abhängigkeit gerät, dass es bei den Klassenarbeiten versagt und schliesslich Zustände von Angst und Minderwertigkeit bekommt. Es wagt keine Entscheidungen zu treffen, ohne andere zu fragen. Besonders schädlich ist solche beberwachung, wenn die Arbeiten eine freie Gestaltung verlangen, z. B. der schönste Ferientas beschrieben werden soll, und nun die Mutter ihrem Kinde den ihrer Meinung nach schönsten Ferientag zur Beschreibung aussucht, während das Kind vielleicht einen ganz anderen Tag schildern möchte. Auch gibt es Umstände, bei denen wir den Kindern unsere Hilfe nicht versagen dürfen. Wir wissen, es wirkt sich für das ganze Leben unheilvoll aus, wenn ein musikliebendes Kind sich durch falsch eingelernte Handstellung nur mit Fingerübungen am Klavier herumquälen muss. So auch gehört es zu einer Technik des schnellen / jaweiierLudwigSlefnmetz Nürnberger Str. 56 (neben Woolworthl Lernens, dass der Schulanfänger den Federhalter richtig hält und die neuen Buchstaben richtig schreiben lernt; dass der grössere Schüler sich keine falschen Vokabeln einübt! Neben dieser zeitsparenden Hilfe ist eine Unterstützung bei allen Arbeiten am Platze, die in dem Kinde starke Unlusigefühle erregen. Fast alle Kinder haben irgendeinen „Versager", und besonders begabte Kinder, bei denen sich eine Veranlagung sehr bald nach einer einseitigen Richtung hm entwickelt, haben das allen Erziehern wohlbekannte „Loch im Kopf". An dieser Stelle sollte der Einsatz der Mutter beginnen, die manchmal schon dadurch helfen kann, dass sie einfach Jd" sagt. Nie sollte sie „Das kannst du nicht" feagen. Die gleichen Therapien des fortgesetzten Zuspruchs, die als Heilfaktor mit aller Selbstverständlichkeit bei den Kranken angewendet tv erden, spielen dem bildsamen Kinde gegenüber die weittragendste Rolle. „Das kannst du, das wirst du können", wird bei richtiger Anwendung imbedingt Erfolg haben. Aber natürlich nur dann ist diese bejahende Einstellung zu der Leistung des Kindes als „Therapie" anzusehen, wenn man es damit von einem von ihm selbst empfundenen Minderwertigkeitsgefühl befreit. Niemals darf dieser Ausspruch etwa eigensüchtigen Motiven der Mutter entspringen, "um das Kind auf eine Bahn zu stossen, die seiner ganzen Natur entgegengesetzt wären. Neben dieser psychischen Seite ist natürlich auch die körperliche Schonung zu beachten. Unterbrechungen, Pausen oder ein Wechsel des Ihemas sind fast immer notwendig, um den Zustand einer geistigen Uebermüdung zu überbrücken. Schelte und Vorwürfe machen die Schularbeiten zu einer unerquicklichen Plage. Je mehr aber die Mutter versteht, den Inhalt der Schulaufgaben mit dem Leben in Zusammenhang zu bringen, um so mehr werden sie innerhalb der tätlichen Interessen ihren Platz bekommen und nicht viel anders als eine selbstgewählte Beschäftigung empfunden werden. Die von der Mutter erstrebte Uebersicht darf nicht als Kontrolle wirken. Nur das wirkliche Miterleben mit all den kleinen Freuden und Leiden der Schulzeit schafft eine leichte und beschwingte Beziehung zueinander. Wir wissan, wie sehr sich die modernen Pädagogen darum bemühen, die schlechten Vorstellungen, die mit Lehrer und Schule verknüpft waren, auszumerzen. Seltsamerweise aber halten oft die- Eltern nicht Schritt mit diesen Bestrebungen, und das Kind findet zu Haus die lehrerhafte und einseitige Auffassung über seine Pflichten und Fähigkeiten, die ihm früher in der Schule entgegengebracht wurden. Je mehr das Kind dazu angehalten worden ist, seine Schularbeiten nach der technischen Seite zu beherrschen, sie möglichst selbständig und schnell zu vollenden, durch allerhand kleine Kniffe sich Neues schnell und gut dem Gedächtnis einzuprägen, um so mehr Zeit wird zu freier Bearbeitung und Gestaltung des Gelernten erübrigt werden. Das aber sollte das Ziel jeder Mutter sein, das Schulwissen nicht nur zu ergänzen, sondern durch Anregungen aller Art lebendig und schöpferisch zu machen. Die Schule nimmt ihr die gröbere und zeitraubendere Arbeit ab; das feine und vielseitige Ergänzen und Verschönen gehört in das Bereich der Mutter. Schrubber pause! Aas der Haushaltungssckule Kristinehoo m Schweden Fot. Lern Sonnenfeld Die Maid von Ludmir Vor kurzem stand in jüdischen Zeitungen eine Nachricht, der „Wunderrabbi" des südpolnischen Städtchens Z. sei gestorben, und der Wunderrabbi war — eine Frau. Natürlich sperrt der westjüdische Leser, für den polnische Judenstädtchen und Wunderrabbis und Chassidim immer noch ein bisschen exotisch sind, und der sich einen Rabbi und gar einen wundertätigen ohne weissen Vollbart schwerlich denken kann, Mund und Ohren auf; er hat ja immer noch das Vorurteil, als ob die Frau im Judentum immer und überall nur eine häusliche Rolle zu spielen habe. Nun, bei dem Chassidim ist es gelegentlich etwas anderes. Zur Zeit des Baalschem gab es in Satanow „die fromme Riwele", mehr noch galt des Baalschem Tochter Hödel als weiblicher „Zaddik" dann deren Tochter Feine, die Mutter Rabbi Nachmans von Bratzlaw und manche andere kundige und fromme Frau. Die berühmteste von allen aber ist die sogenannte Ludmirer Maid. Sie wurde etwa 1815 im heutigen Wlodimierz, jüdisch: Ludmir, in Wolhynien geboren als einzige Tochter eines Manes Berbermacher und hiess Hanna-RacheL (Wir folgen hier der Darstellung S. A. Horodetzkys in „Der Chassidismus und seine Führer", Wilna 1937.) Natürlich war Hanna-Rachel ein Wunderkind, sie lernte viel Mischna und Midraschim, chassidische und Moralbücher, sie war sehr fromm, und ihre leidenschaftliche Art zu beten machte das junge Mädchen bald im Umkreis bekannt, man zeigte einander die ungewöhnliche Erscheinung. Wie sah sie aus? Das •wissen wir nicht zu sagen, aber es wären viele Geschichten zu erzählen von ihren Bewerbern, "denn sie wurde von allen Seiten umworben, und je mehr Freier sie hatte, desto wählerischer wurde ihr Vater^ Der wusste, was er an seiner Tochter hatte, und er gönnte zunächst sie lange Zeit keinem und schliesslich zur allgemeinen Ueberraschung einem jungen Mann von Ludmir. Was aber zeichnete diesen jungen Menschen vor den anderen aus? Es ist seltsam zu sagen: das Mädchen hatte ihn lieb. Ob der Vater das wusste, und ob der junge Mann es ahnte, das können wir nicht berichten. Denn so sehr sie sich nach ihm sehnte, so tief in der Stille des altjüdischen Frauenlebens geschah es doch, und obwohl sie ihn schon al3 Kind lieb hatte, so konnte sie nach Brauch und Sitte doch nicht einmal ein Wort mit ihm sprechen, als die Verlobung schon begangen und hekannnt war. Aber es wird erzählt, in welch traurigem Seelenzustand die Braut Hanna-Rachel war. Sie hatte keinen Menschen, mit dem sie sich aussprechen konnte. Die Mutter war gestorben, der Vater hatte Tag und Nacht zu tun, und sie litt still. Sie war auch vielleicht zu stolz, es zu sagen, und zog sich von allen Menschen zurück. Sie vergrub und vergrübelte sich immer tiefer in die heiligen Bücher und verliess das Zimmer nur noch, wenn sie auf den Friedhof ging. Nur am Grabe ihrer Mutter war ihr wohl, und wenn 6ie sich da stundenlang ausgeweint und ihr bittres Herz ausgeschüttet hatte, war sie gestärkt und getröstet. Einmal hatte sie am Grabe ihr schweres Herz ausgeschüttet und war still geworden und in immer stillere Gedanken und endlich in Schlummer versunken. Und plötzlich erwachte sie und schrak zusammen. Es war Abend geworden, ganz dunkel zwischen den Gräbern, und der Friedhof musste längst verschlossen sein. Sie erzitterte, sie fürchtete sich, sie fing an zu laufen, sie stolperte über die Grabhügel, sie verfing sich an Grabsteinen, sie raffte sich auf, lief weiter, stürzte auf einem Grabe nieder, stiess einen durchdringenden Schrei aus und blieb ohnmächtig liegen. Der Friedhofswärter hörte den Schrei, kam ihr zu Hilfe, fand sie-und brachte sie zu ihrem Vater nach Hause. Wochenlang nun lag Hanna-Rachel krank und sprach kein Wort. Der Vater holte einen Arzt und bemühte einen an- Blick auf die Frauenarbeit der Welt Das schwedische Ministerium für Arbeit und soziale Fürsorge hat eine Erhebung über die Arbeitsbedingungen der Hausgehilfinnen veranstaltet, der etwa 5800 ausgefüllte Fragebogen zugrunde liegen. Die Zeitschrift „Soziale Arbeit" veröffentlicht interessante Einzelheiten über die Ergebnisse dieser Erhebung. Die Untersuchung hat die ländlichen Haushaltungen nicht miteinbezogen. In Schweden besteht seit vielen Jahren Mangel an tüchtigen Hausgehilfinnen. Insbesondere fehlen dort Alleinmädchen zwischen 20 und 30 Jahren, die in Haushaltungsschulen ausgebildet wurden, oder langjährige praktische Erfahrungen besitzen. Hingegen besteht ein Ueberangebot an jungen, ungeschulten Mädchen zwischen 15 bis 18 Jahren. Fälle in denen die Hausgehilfinnen länger als zwei Jahre auf derselben Stelle sind, sind selten. Die meisten Mädchen wechseln jedes Jahr. Einschliesslich der eingelegten Ruhepausen beträgt die tägliche Arbeitszeit durchschnittlich zwölf Stunden. Der Lohn für Alleinmädchen in grossen Städten beträgt durchschnittlich 50 Kronen, in mittleren Städten 40 Kronen. * Die bisherige amtliche Sachverständige für Handelssachen am Handelsministerium in Paris, Mlle. Basdevant war vor einiger Zeit als Professor an die juristische Fakultät der Universität Lyon berufen worden. Inzwischen aber hat sie ihren obersten Vorgesetzten, Handelsminister M. Paul B a s t i d geheiratet. Nunmehr ist Frau Bastid zum Kabinettchef ihres Mannes im Handelsministerium ernannt worden. * Die Rechtstellung der verheirateten Frau in Frankreich hat insofern eine Aenderung erfahren, als die Bestimmung, nach welcher die verheiratete Frau ohne ausdrückliche Genehmigung ihres Mannes weder einen Pass erhalten, noch ein eigenes Bankkonto besitzen konnte, in Wegfall gekommen ist * In derägyptiscIien Polizei arbeiten seit mehreren Jahren einige englische weibliche Polizisten, die auf Anforderung der Regierung nach Kairo und Alexandria geschickt worden waren. Die Kontrakte dieser Beamtinnen werden jetzt erneuert. * An dem internationalen XerzHn» nenkongress in Edinburg nahmen 256 Aerztinnen aus 20 Ländern teil. Hauptthemen der Verhandlungen waren die Krebsbekämpfung bei der Frau und die Beziehungen zwischen Abort und Sterblichkeit der Mütter, Bei der internationalen Ä* r b" e f t s - konferenz wurde u. a. auch das Uebereinkommen über den Kinderschutz einer Beratung unterzogen. Während bisher das Mindestzulassungsalter 'für Kinder zur gewerblichen und nichtgewerblichen Arbeit 14 Jahre betrug, ist diese Altersgrenze nunmehr auf das 15. Lebensjahr festgesetzt worden, dabei wurden für Japan, China und Indien Ausnahmen zugelassen. # Das Jugendgericht besteht In England aus einem Berufsriehter, und zwei Beisitzern, von welchen der eine immer eine Frau sein muss. * Die bisherige zwangsweise Behandlung "der Geschlechtskrankheiten in Australien hat nicht zu dem erhofften Erfolg geführt. Es wird nunmehr vorgeschlagen statt des Zwanges mehr Aufklärungs- und Erziehungsarbeit in der Bevölkerung zu leisten. H.St. deren, aber es schien, als wäre ihr nicht zu helfen. Und plötzlich raffte sie sich auf, wie aus tiefem Schlafe, rief ihren Vater und sagte: „Ich war-im Himmel und stand vor dem himmlischen Gericht, und ich habe eine neue Seele bekommen, eine grosse Seele." Und wenige Tage danach stand Hanna-Rachel auf und war gesund. Seitdem war sie ein anderer Mensch. Sie hatte sich von Grund auf verändert, man merkte es an jedem Wort, man spürte es an jeder Geste. Sie hatte nichts Weibisches mehr an sich, ja, sie trug sich fast wie ein Mann. Sie trug . Zizith wie ein Mann, sie legte jeden Morgen Tefiüin, als wäre sie ein Mann, und sie betete nicht mehr ohne Tallith. Und sie vertiefte sich den ganzen Tag in Thora und Gebet. Und eines Tages nahm sie den Heiratsvertrag und die Verlobungsurkunde und schickte sie dem Bräutigam zurück, den sie seit ihrer Kindheit geliebt hatte. Sie war entschlossen, ledig zu bleiben. Es gab nun etwas, was wichtiger für ihrer Seele Seligkeit war als heiraten. Als ihr Vater starb und Hanna-Rachel erbte, lies« sie ein Bethaus bauen und daran eine ZeEe für sich selbst. In diesem Raum sass sie fortan im Thoraleraen und Gottesdienst. Das Bethaus bestand noch lange Zeit, es wurde regelmässig chassidischer Gottesdienst darin gehalten, bis es im Weltkrieg zerstört worden ist. Immer weiter verbreitete sich der Ruhm "der Ludmirer Maid, wie sie nun genannt wurde, Jung und Alt sprach von der Heiligen und den Wundern, die sie getan hätte, und vor allem wie wunderbar sie „Thora sage". Männer und Frauen begannen zu ihr zu pilgern und zu fahren, die einen wollten ein Wunder von ihr sehen, die anderen geheilt werden, andere sie selbst bestaunen, andere die Thora aus ihrem Munde hören. Auch Gelehrte und Rabbiner kamen. Aber sie sass immer in ihrem Zellenraum, und nur durch die Tür, die ins Bethaus führte, konnte man sie Thora sagen hören, und durch die Tür auch segnete sie die Menge, die im Bethaus versammelt war. Aber mit dem Wuchs der Legenden um diese „heilige Jungfrau" wuchs auch die Gefahr, das Schicksal, das allen Menschen solcher Art droht und besonders den „heiligen Jungfrauen". Die anderen Chassidim und sonderlich ihre Führer wurden aufmerksam, und man versuchte, ihren Einfluss zu dämpfen. Gewiss gab es manchen massgeblichen Mann, der die Ludmirer Maid als einen „wahrhaften Zaddik" anerkannte. Andere wiederum schüttelten nur ablehnend den Kopf, wenn sie von ihrem weiblichen „Kollegen" hörten. Einige waren der Meinung, es könnte die Seele irgendeines früheren grossen Zaddik auf ihrer Wanderung in diese Jungfrau eingekehrt sein. mmmimiF%"^^ Schrankfert. 0,26. halbtrock. 0.15. ganz trock. 0.18 Schonende Hauswäsctierei am Lietzensee Emma F a n d r 6 e. CharlOttenburg, Wundtstrasse 58/60. 93 5409. JüdeCCfiüte Ruth Magnus Halensae, Joachim-Friadrich-Strafie 49 Telefon: 97 12 50 Umarbeitungen gut u. preiswert. Heißmangel Först Pfund-Wäsche ab 10 Pfund 26 Pfg. Reinickendorfer Straße 36 46 62 27 SEIDEN-TAUS fabriziert ale Spezialität die Seidenweberei 1. Michels * Co, / Krefeld fiaus% Leibnnd Gewichtswäscbe Heißmange!, Handtucfiverleih 25 8548 Bamberger Str. 7 Lieferung and Abholung frei Haus. Alfred Schmidt, m, d. ]. G. Fritz Baum Nachf. Inn. 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