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Central-Verein-Zeitung · 1937-07-22 · 29 (22.7.1937) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
29 (22.7.1937)
Date
1937-07-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 29 * 2. Beiblatt ~ C.-V.-Zeitung 22. Juli 1937 * SeiteS Iii, 17 M Dass das Wiedersehen mit Emmerich Kaimans Operette derart stürmisch gefeiert werden würde, wie es bei dieser Kulturbund-Premiere geschah, hätte man kaum erwarten sollen, da man in früheren Jahren all die schmeichelnden Melodien und Rhythmen der „Csardasfürstin" tagtäglich und schon fast bis zum Ueberdruss in jedem Garten.- und Kaffeehaus-Konzert präsentiert bekam. Aber siehe da, mit herzlichster Freude wurden die guten alten Bekannten wieder begrüsst, soweit sogar, dass der Nachbar stillvergnügt auf seinem Platz diesen Walzer oder jenes Marschlied mitschaukelte oder -summte, ohne — und das ist besonders bedeutsam — in der allgemeinen Anteilnahme irgendwie lästig zu fallen. f Von der politischen, sozialen und künstlerischen Satire des grossen Ahnherrn Offenbach aus Köln bis zur ungarisch gefärbten Wiener Operette des Emmerich Kaiman aus Siofok ist ein weiter Weg. Dass jedoch auch dieser jüdische Komponist zu den sehr wenigen Künstlern im neuzeitlichen Operettenhandwerk gehört, hat dieser Abend eindringlich in Erinnerung gebracht Die melodische Erfindungsgabe Kaimans ist ganz ausserordentlich, die so populär gewordenen Schnelltänze haben unverwüstliches Feuer, die Rhythmik ist dank dem Einfluss der madjarischen Volksmusik . pikant wie bei keinem anderen. Am wertvollsten erscheint, dass in der Moll-Melodik,- die hauptsächlich durch ihn in die moderne Operette eindrang, Töne einer feinen Empfindung poesievoll zum Ausdruck kommen, und zumal in den elegischen Partien der „Csardasfürstin" werden Saiten berührt, die von oberflächlicher Sentimentalität weit entfernt sind. Schliesslich ist daran zu denken, dass Kälmän, wieder im Gegensatz zur Mehrheit, seine Instrumentation selbständig besorgte, und wenn er hier auch nicht die aparten Sätze Leo Falls erreicht, so hat sein Orchesterkölorit doch stets eigene Klangfarbe, oder er versteht es, Stimmungen durch geschickte Bevorzugung einzelner Instrumente zu betonen. Und da Emmerich Kaiman auch ein kluger Mann ist, kämpfte er selbst mit dem Textbuch nicht vergebens. Die Textschablone mit. der standesungleichen Heirat wusste seine Musik vorzüglich aufzulockern oder sogar zu persiflieren, so dass gar die Illusion eines anständigen Textbuches beschworen werden konnte. Allerdings ist der Dialog der beiden jüdischen Librettisten Leo Stein und Bela Jenbach stellenweise witzig und immer nett unterhaltend, was in manchen früheren Aufführungen gar nicht so zur Geltung kam. Die Aufführung des Kulturbundes aber ist insgesamt eine so meisterliche -Leistung, wie "sie, in Anbetracht der begrenzten Mittel wirklich kaum zu erwarten war. Vor allem wohltuend war die Tatsache, dass die kleineren Ausmasse, mit denen die Bühne zu arbeiten genötigt ist, von vornherein die Möglichkeit nahmen, auf der Linie des in Zirkusrummel ausartenden Spektakels fortzufahren, sondern, im Gegenteil, auf die ursprüngliche Bestimmung der Operette als „Musiquette" zurückführten. Der Erfolg war dank der routinierten Regie Julius Kuthans, die alle Ereignisse und Vorgänge in stetig kollernder Beweglichkeit hielt, dank der ausgezeichneten Besetzung auch der kleinen Rollen und der energischen Stabführung von Rudolf Schwarz, der nicht das . geringste Schleppen duldete und insbesondere die Steigerungen der zuckenden Rhythmen, eminent feinfühlig herausbrachte, wahrhaft verblüffend. Die Zuhörer .waren von der ersten Nummer an in ctem Bann der. prickelnden Musik und der prächtigen Laune aller Mitwirkenden und forderten unablässig so viele Wiederholungen, dass die Aufführung sich beinahe verdoppelte. Julius Kuthan, der, wie gesagt, eine an netten szenischen Einfällen besonders reiche Wiedergabe eingerichtet hat, war auch auf der Bühne überaus munter und trieb seinen Spass mit sympathischem Behagen. Er sang und tanzte gleich angenehm, und in der reizenden Ruth Lehnberg, die ebenso vergnügt ihren hübschen Sopran und ihr übermütig heiteres Spielen und Tanzen einsetzte, hatte er die erforderliche Partnerin. Die Säulen der Handlung, die entsprechend massiger und gesetzter zu agieren hatten, waren bei Doris Wilamowska, die, wenn sie sich bei ihren Liedern ausgeben konnte, überraschende Materialfülle offenbarte, und bei dem tenorleuchtenden B e*r t Meyer gut vereint. Beide Hessen die Stimmen in den Melodien schwelgen, ohne den Rahmen der „Musiquette" zu sprengen, und walzten dazu behende über die Bretter. A1 f r e "d Berliner war ein gewinnender Schwerenöter. Ergötzlich anzusehen in merkwürdider Verwandlung Siegfried Urias, dessen Stimmgewalt auf ein hilfloses Krächzen als der alte Fürst reduziert war; eine ebenbürtig absonderliche Ehefrau war ihm LillyKann. Zu erwähnen ist auch der tödliche Ernst des ungemein schneidigen Husarenleutnants. Dazu kommt der von Bert hold Sander wieder vorzüglich gedrillte Chor, acht nette, tanzende Mädchen, an deren Spitze RuthCondell und N e 11 y Hirsch, die einen schmissigen Csardas hinlegten; auch die hübschen übrigen tänzerischen Ideen stammten von Julius Kuthan. Vergessen dürfen nicht werden ein drolliger Notar, die wirksamen Beleuchtungseffekie (Hans Sondheim e r) und natürlich nicht das grosse Geschick und der feine Farbensinn Heinz Condells, der aus der kleinen Bühne grosse Säle zu zaubern versteht. Sein drittes Bühnenbild, ein in Farbe und Aufteilung besonders gelungener Hotelraum, erntete mit Recht minutenlangen Sonderbeifall. Der Applaus, der für die freundliche, lustige Unterhaltung dankbaren^ Hör er zog alle, die einen Teil zu der in ihrer Geschlossenheit vollendeten Aufführung beigetragen hatten, immer wieder aus den Kulissen hervor und Hess erst nach. Mitternacht die Lampen erlöschen Bruno Kaiser. Konzerte im Reich Bei den „Jüdischen Tonkünstlera Frankfurts" kam kürzlich als U r a u f f ü h r u n g ein Hörspiel Alfred Auerbachs, des Neffen Berthold Auerbachs, zu Gehör, das in drei Einzelszenen;1 die erstmalig in der C- V.-Zeitung zum Abdruck gelangt waren, dem Leben und Streben des Komponisten Jacques Offenbach gilt. Der Autor hat sich und anderen das Vergnügen gemacht, „sich in den Geist der Zeiten zu versetzen" und dabei starke Einfühlungsgabe bewiesen. Die Wiedergabe, bei der Alfred Auerbach selbst sehr lebendig den Titelhelden verkörperte, fand ein dankbares Echo. Vorher hatte Rudolf Ganz, ein ehemaliger Schüler Auerbachs, mit guter Sprechtechnik und in sorgsam gestuftem Vortrag Stücke der Weltliteratur vorgetragen. tt. Zu einem Offenen Singen und einer Lehrprobe in der Chor- und Instrumentalgemeinschaft war Direktor Karl Adler (Stuttgart) nach Dresden eingeladen worden und regte hier mit seiner ungewöhnlichen, aus echtem- Musikerleben kommenden pädagogischen Art einen grossen Kreis zu elastischer vitaler Bereitschaft an, zu aktivem Hören wie zu disziplinierter Gemeinschaftsarbeit im Chorsingen und im Orchesterspielen. Wie sich urwüchsige Freude an Klang, Rhythmik und Ausdruck zu persönlichkeitsbildenden Werten gestalten lassen —, hierzu deuteten Adlers üebungsstunden den Weg an. _ E.B. Theater* Musik* Film Ende Juli wird Hugo von Hofmannsthals „Grosses Weltth-eater" unter dem Titel „The Theatre of the World'1 zum ersten Male in England, und zwar im Rahmen der Festspiele von Wales, zur Aufführung kommen. * Marianne R i ese r-Werfel, deren Drama „Turandot" am Züricher Schauspielhaus einen ungewöhnlichen Erfolg hatte, bereitet eine Dramatisierung der Gottfried Kellersehen Legende „Eugenia" vor; die Uraufführung des neuen Werkes wird in der zweiten Hälfte der nächsten Spielzeit stattfinden. * Ladislaus Bus-Fekete, der Autor des auch im Berliner Kulturbund erfolgreich aufgeführten Lustspiels „Jean", hat ein neues Bühnenwerk „Die ganze Stadt spricht davon" vollendet, das als Weihnachtsnovität — mit Lili Darvas in der weiblichen Hauptrolle — am Deutschen Volkstheater in W i e n in Szene gehen wird. * Das W i ener Jüdische Kulturtheater verananstaltet gegenwärtig mit den erfolgreichsten Werken seines Repertoirs eine Tournee durch Litauen. 'k Als „Lustspiel des Monats" sendet Radio-Wien am 23. Juli, 20.05 Uhr, Ludwig Fuldas Lustspiel „Der Dummkopf". * Der schweizerische Sender Monte Ceneri bringt am 31. Juli, 21% Uhr, die Wiederholung einer Hörszene von Alfred Auerbach. * Hans J a r a y wird am Deutschen Volkstheater in W i e n den Prinzen in Shakespeares „Heinrich IV." sowie den Marquis Posa in Schillers „Den Carlos" spielen. * „Oedipe" von Edmond F I e g , Musik von Georges Enesco, ist in den Spielplan der Opera in Paris wieder aufgenommen worden. * Das Danziger jüdische Theater hat in der letzten Saison 76 Vorstellungen gegeben. Die Besucherzahl betrug bei Komödien und musikalischen Komödien 70 Prozent, bei Dramen 58 Prozent, Operetten 56 Prozent, Revuen 46 Prozent. Melodramen 34 Prozent. Für die nächste Saison fehlt ein geeigneter Raum. 3* „Leuchtbrunnen1', ein neues Lustspiel von Georges B e r r und Louis Verneuil, fand soeben bei der Uraufführung am Deutschen Theater in Prag, inszeniert von Arnold Marie, bei Kritik und Publikum stürmischen Beifall. * Gustav M a h 1 e r s 2. Sinfonie in C-moll ist — als Schallplattensendung — am 24. Juli, 22.20 Uhr im Wiener Rundfunk zu hören. c££)

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