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Central-Verein-Zeitung · 1937-07-22 · 29 (22.7.1937) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
29 (22.7.1937)
Date
1937-07-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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C.-V.-Zeitung Seite 4_ Jüdische Schüler in Preussen Von Dr. Hermann Weil, Frankfurt a. ML In Heft 12 der Zeitschrift „Deutsche Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung" (Amtsblatt des Reichs- und preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung und der Unterrichte-verwaltungen der anderen Länder) vom 20. Juni 19o7 werden für Preussen statistische Mitteilungen über Volks- und Mittelschulen gemacht, denen wir für die jüdischer. Schulen, Lehrkräfte und Schüler folgendes entnehmen: I- Oeffentliehe Volksschulen. 1936 1935 Jüdische Schulen....... 43 43 Hauptamtlich beschäftigte Lehrkräfte isr. Religion männlich........ SO 94 weiblich........_._25_24 "zus.: 105 IIS Schulkinder isr. Religion Knaben......... 6 034 Mädchen....... . 6 062_ zu?.: 12096 14 537 Schulkinder nach der rassischen Zugehörigkeit jüdisch Knaben......... 5 969 Mädchen ...... . . . 5 046 zus.: 11915 jüdisch-mischbliitig Knaben......... 2 495 Mädchen...... . ._2 42$ •zus.: 4 923 II. Private Volksschulen. Jüdische Schulen....... 35 ±6 Schulkinder isr. Religion Knaben......... 4 318 Mädchen ......_ . ._3P43_ zus.": S261 7 276 Schulkinder nach der rassischen Zugehörigkeit jüdisch Knaben......... 4 313 Mädchen ........ 3 936 zus.: 8 249 jüdisch-mischblüt-ig Knaben......... TS Mädchen ........ 94_ zus.: 172 III. Oeffentliche und private mittlere Schulen. Schulkinder isr. Religion an öffentlichen, und zwar an Mittelschulen....... 1710 2104 Rektoratsschulen . . . . . 48_68 zus.: 1 758 2 172 Schulkinder isr. Religion an privaten, und zwar Mittelschulen....... 138 172 Rektoratsschulen..... 582 376 sonstigen......_._ 683_482 zu.*.": 1403 1 030 Schulkinder nach der rassischen Zugehörigkeit an öffentlichen Schulen jüdisch Mittelschulen....... 1710 Rektoratsschulen..... 48_ zus.: 1758 Japanisches Skizzenbueh Van Hilde Rosenthal, Tokio 2. Fortsetzung und Schluss Dannwiederum gibt es eine Menge Fahrgäste, die, wenn der Stadtbahnzug nicht allzu voli ist, sich der Länge nach auf die Sitze legen, andere hingegen pflegen in ganz besonders ausgefallenen reizvollen Stellungen dazusitzen, etwa so, dass sie ihre Füsse auch auf das Sitzpolster aufstützen, auf dem sie schon mit ihrer verlängerten Rückenpartie sitzen, oder aber sie lassen ein Bein herunterbaumeln, ziehen das andere hoch an und legen es möglichst weit gespreizt auf den Nebenplatz, was unser Auge als nicht gerade sehr angenehm empfindet. Aber hier müssen w i r umlernen, nichts dabei finden. Im Fernen Osten herrscht eben in diesen Dingen eine etwas primitivere Natürlichkeit. Kimono Verführerisch hingegen sind die Kimonostoffgeschäfte. Kimonostofie in Seide, Kunstseide oder Musselin (hier hoch in Gunst) in den kühnsten Farbenzusammenstellungen und in den. zartesten Zeichnungen. Alles liegt offen aus, nichts ist hinterm "Ladentisch verborgen, jeder kann so lange herumsuchen, wie er will, ohne dass ihn jemand fragt: „Womit kann ich Ihnen dienen?'' oder ,, ,Gnä' Frau werden schon bedient?" Stoffschnipsel, in allen Farben, gross und klein, zum Teil bestickt, zum Teil auch nur bemustert, dann wieder einfarbig, sind haufenweise in Kästen, in die man nur hereinzugreifen braucht, aufgeschichtet, Stoffschnipsel, über deren Bedeutung sich das „Greenhorn" noch nicht klar ist. Sie alle sind Bestandteile des Kimonos und lassen ungefähr einen leisen Schimmer aufkommen von der Kompliziertheit des japanischen Frauengewandes. Unklar bleiben einem auch vorläufig noch der verschiedenartige Gebrauch der japanischen Schuhe. Getas und Soris, und der Anblick eines Geta-Gescbäfts, mit seinen lausenden von geflochtenen Sohlen, Lack- und ffoIz-Schuben, die so gänzlich von der unserigen Mode verschieden sind, uud deren ständiges Klappern beim Geben wohl auch zu dem ungewöhnlichen Strassenlärm beitragen, erweckt nicht endenwollendes Staunen. (jewissj es verblüfft, dass der Kimono nicht jüdisch-mischblütig Mittelschulen....... 535 Rektoratsschalen . . . . . 18 zus.: 353 Schulkinder nach der rassischen Zugehörigkeit an privaten Schulen jüdisch Mittelschulen....... 141 Rektoratsschulen..... 582 sonstigen....... . 683 zus.: 14Ö6~ jüdisch-niischblütig Mittelschulen.....' . . 43 Rektoratsschulen..... 38 sonstigen........__99 zus." 180 " Zusammenfassend ergibt sich, dass der. jüdischen R e 1 i g i o n"s gemeinschaft. angehörten Schüler an öffentlichen Volksschulen..... 12 OOS an privaten Volksschulen...... 8 261 an öffentlichen Mittelschulen..... 1 IhS an privaten Mittelschulen..... 1 4.03 Zus.: 23 51S Nach der rassischen Gliederung ergibt sich folgendes Bild: jüdisch jiidi.-ielimisdibliitig zus. sn öff. Volksschulen . Ii m'o 4 923 16 S38 an priv. Volksschulen 8 24 J> .172 8 421 an öff. Mittelschulen. 1758 353 2 111 an priv. Mittelschulen 1 406 180 1 "-86 23 32S 5 628 28 056 l"lie letzte Mitteilung über den gleichen Gegen- 'tand erfolgte in Nr. 6 der C.-V.-Zcitung vom 6. Februar 1036. Eine weiter? kurze Darstellung über die höheren Schulen folgt in Kürze. Aus den Gemeinden Chemnitz Die zur Errichtung einer jüdischen Volksschule seit längerem im Gange befindlichen Vorbereitungsarbeiten sind so weit gediehen, dass die Eröffnung im Oktober stattfinden kann. Es liegen 180 Anmeldungen vor. die Unterrichtserteilung wird also im Rahmen einer vollausgebauten achtklassigen Volksschule erfolgen. G. J. Dresden Die Ostern 1935 mit drei Klassen eröffnete Jüdische Volksschule erhält nach der Sommerpause, in der Erweiterungsbauten vorgenommen werden, die dem siebenten Schuljabrgang vorbehaltene zweite Klasse. Sie wird 30 Kinder zählen, die Ostern 1938 in die neuzuerrichtende erste Klasse, womit die Schule vorläufig vollständig ist, aufrücken können. G. J. Frankfurt a. M. In der Sitzung der Gemeindevertretimg vom 7. Juli wurde ein Vorsiandsbescbluss angenommen, wonach der Schule der Jüdischen Religionsgemeinschaft eine Hilfsschulklasse für Schwachbegabte Kinder beider Frankfurter Gemeinden angegliedert wird. Die Errichtung einer Denkmalschutzstelle, die das Inventar der Synagogen aufgelöster Gemeinden künftig verwalten soll, wird ein besonderer Ausschuss erörtern. In die Kosten teilen sich das Gesamtarchiv der Juden in Deutschland, der Preussische Landesverband und die Jüdische Gemeinde Frankfurt a. M. A. H. J. nur wie bei uns auf Kostümbällen getragen wird, sondern dass er wirklich das landesübliche Kleidungsstück für Männer und Frauen ist und durch-seine lichte Buntheit das Tokioler Strassenleben wirkungsvoll unterstreicht. Auch der Anblick bleibt ungewohnt, dass die Frauen ihre Allerjüngsten, auf dem Rücken festgebunden, zu jeder Tages- und Nachtzeit überall mit herumschleppen, ihnen im Omnibus, in der Elektrischen, Eisenbahn oder Untergrund, im Theater oder im Kino mit grösster Selbstverständlichkeit die Brust geben. Seltsam berührt auch, dass fast alle Nipponesen und Nipponesinnen vom Herbst ab Masken über Mund und Nase gestülpt tragen — „Influenzamasken". Sie bestehen aus Gaze, schwarzem Samt oder farbigem Leder, sind mit Luftlöchern versehen, innen mit Mull ausgelegt und sollen angeblich vor Erkältung schützen. Diese Vorsichtsmassregel hindert die Inselbewohner jedoch nicht, dafür bei grosser Kälte und heftigem Schneegestöber mit sackten Füssen, nur mit Getas (japanische Fussbekleidung) behaftet, herumzulaufen. Alle diese interessanten und zugleich befremdenden Sitten haben mich keineswegs so aus der Fassung bringen können wie die Stadt Tokio selbst in ihrer gewaltigen Ausdehnung. (Flächenmassig etwa dreimal so gross wie Berlin.) Puppentheater Das japanische Puppentheater ist über tausend Jahre alt. Ursprünglich wanderten die Schauspieler von Provinz zu Provinz, führten dabei ihre Spiele vor und verdienten so ihren Lebensunterhalt. Etwa 800 Jahre später, Anfang des 17. Jahrhunderts, nahm das Puppentheater zwei typisch gewordene Merkmale an, die dem Spiel eine weitaus grössere .Wirkung verliehen, und die noch heute in der gleichen Form bei allen Vorstellungen Verwendung finden: „Joruri" und „Samisen". „Joruri" ist das Stück, das extra für das Puppenspiel geschrieben wurde. Es enthält neben Dialogen auch poetische Teile, die in einer Art Versmass gehalten sind und die Szene beschreiben. Sie erläutern beispielsweise die einleitende Handlung, das Spiel, den Gesichisausdruck, die Stimmung der Puppen, ja, sie geben selbst auch die eigene Meinung deg Die Anfang Juli erschienene statistische Uebersicht der Gemeinde für Mai 1937 weist u. a. folgende interessante Zahlen auf: Zuzüge 253 (Mai 1936: 295), Wegzüge 316 (288), darunter Wegzüge nach dem Ausland 134 (134), nach dem übrigen Deutschland 134 (114), nach ,,Unbekannt" 48 (40). Der letzten Ziffer dürften wohl in der Hauptsache Wegzüge ins Ausland zugrimdeliegen, so dass für Mai mit einer Auswanderung von etwa 180 Personen zu rechnen ist. Die Zahl der Geburten betrug 9 (6), die Zahl der Sterbefälle 22 (27). die der Ehen 8 (28). Eine langsame, aber anhaltende Verringerung des Gemeindemitgliederbestandes ist trotz des verhältnismässig starken Zuzugs nicht zu verkennen. F. Haniburg Der Stadtbund jüdischer Frauenvere i n e Gross-Hamburgs hatte Vertreterinnen der jüdischen Anstalten und Heime zu einem Informationsabend über die rituelle Versorgung in den Heimen gebeten. Begrüssungsworte sprach die Vorsitzende des Verbandes, Rebecka Z a d i k. Das Referat hielt die Leiterin des Mädchenwaisenhauses. Elisabeth Mirabeau. Anschliessend erhielten je eine Vertreterin der verschiedenen Heimarten sowie die anwesenden Aerztinnen zu sachlicher Begutachtung und Beratung das Wort. Den wertvollen Abend beschloss ein reger Gedankenaustausch. S. E. München In der Sitzung des Vorstands und der Gemeindevertretung vom 30. Juni wurde zum 1. Vorsitzenden der Gemeindevertretung an Stelle von Rechtsanwalt Dr. Regensteiner, der sein Amt wegen Aufgabe des Wohnsitzes in München niedergelegt hat, Dr. med. Marschütz gewählt. Die Ausschüsse wurden ergänzt. Justizrat Dr. Oestreich erstattete Bericht über die Jahresrechnung 1936/37 und den Haushaltsplan 1937/38. Die schon seit langem unzulänglichen Arbeitend Warteräume der 'Wohlfahrtsstelle der Kultusgemeinde konnten durch Ausbau einer freigewordenen Wohnung erweitert werden, —mm. Willy Natt. Frankfurt a. M.. wurde als Kantor nach Glessen berufen. Aufruf zur 3. Knessio Gedaulo Der Rabbinische Rat der Agudas Jisroel fordert in einem Aufruf die toratreue Judenheit auf, sich an der bevorstehenden 3. Knessio Gedaulo in Marienbad zu beteiligen und die in ihrem Mittelpunkt stehenden Fragen mit zu beraten. Die Lage der Juden sei zur Zeit ausserordentlich ernst. Die Juden seien aber an Leiden und Prüfungen gewöhnt, sie seien im Schmelztiegel der Armut geläutert worden. Es sei daher ein Zusammenschluss der toratreuen Judenheit erforderlich, die die Leistungen der Agudas Jisroel während der letzten 25 Jahre würdige und fortführe, um dem Ansturm der zerstörenden Elemente Widerstand zu leisten. Der Aufruf ist von zahlreichen orthodoxen Rabbinern vor allem aus den osteuropäischen Ländern unterzeichnet worden. Geschichte eines Briefumschlags Das Folgende, so unwahrscheinlich es klingen mag, hat sich genau so vor wenigen Wochen in Berlin zugetragen, wo der „Held" dieser romantischen Geschichte — ein im Ruhestand lebender Kaufmann — bei Verwandten zu Besuch weilte. Da er seine Freizeit, an der es ihm in Autors über Charaktere und Handlungen der Puppen wieder. Die Verse sind meistens in einfacher, leichter Sprache geschrieben, so dass sie auch für den Ungebildeten verständlich sind. Das „Samisen" ist ein guitarrenartiges Instrument mit drei Saiten, das verbreiteste japanische Musikinstrument. Zu den Klängen des „Samisen" wird das „Joruri" gesungen. Die ..Joruri'"-Sänger sowohl wie die „Samisen"- Spieler sitzen auf einer erhöhten Plattform auf der rechten Seite der Zuschauer und übersehen die Bübne. Sie tragen besondere Zeremonialkleidungf ..kamishimo". In Verbindung mit ihrem Spiel und ihrem Gesang werden die Puppen zur Vorführung gebracht. Eine Puppe wird gewöhnlich von drei Leuten bedient, von einem Hauptakteur und zwei Assistenten. Der Hauptakteur entscheidet die Stellung der Puppe mit seiner linken Hand und handhabt mit seiner Rechten die rechte Hand der Puppe. Der erste Assistent führt die linke Hand der Puppe und der zweite bedient ihre Beine. Der Hauptpuppenmann trägt nach althergebrachtem Brauch auch das vorschriftsmässige Zeremonialkostüm „kamishimo", wohingegen sich die anderen Puppenmänner von Kopf bis Fuss in schwarze Gewänder hüllen, um ihre Körper zu verbergen. Ihr „Nichtvorhandensein" soll damit dokumentiert werden, ihre Gegenwart soll den Zuschauer nicht aus der Stimmung reissen. Es ist wirklich zu verwundern, in welchem Masse die kalten und leblosen Puppen imstande sind, die verschiedenartigsten Gemütsbewegungen zu zeigen. Dabei sind ihre Bewegungen sehr einfach und ihr Gesichtsausdruck beruht nur in der Bewegung ihrer Brauen, ihrer Augen, ihres Mundes; trotzdem-vermögen sie, verbunden mit dem gesungenen Text und der Musik die Zuhörerschaft oft bis zu Tränen zu rühren. Die Puppen sind von Meistern ihres Fachs geschaffen. Sie werden oft mit den Masken verglichen, die im Noh-Spiel Verwendung finden, einer anderen klassischen Art des japanischen Bühnenschauspiels. Das Bunraku-za-Puppentbeater in Osaka besitzt noch einige Puppen aus vergangenen Jahrhunderten, mit denen natürlich wie mit Heiügtiimern umgegangen wird, m ßi§ Euppen werden in der Wjeise angefertigt, Nr. 29 * 22Juli 1937 Schachaufgabe Nr. 103 von. L, Schor 1. Preis. Turnier d. Haagschen Post 1921. Mali in drei Zügen. Weiss: Kb7, Da2, Ld5. Sd3. Sc2, Bb6. f4 (7) Schwarz: Kcö, Lee», SdT, SfS, Bei, co, e7 (7) # Lösung der Aufgabe Nr. 102: ' 1. c2—c3, Lei—h4. g3: c3—c4, u. Sa7—c6 bzw. Df6—c3 matt. .... beliebig, 2. Df6—g-7 (Drohnng), 3. DgT^cT bzw. c3 matt. # Richtige Lösunsen gingen ein von: Gustav Lewi, Genre K." R. Israel, Sanitätsrat Dr. S. Domke, Sanitätsrat Dr. Ritterband (Berlin), Michael Levy (Krefeld"). Adolf Schlick. (Breslau), Rechtsanwalt Dr. Ernst Boehni (Bricg). Siegmund Austerlitz (G5essen\ Gerds. Loewkowitz "(Konstadt), Karl Bechhöfer (Nürnberg). Tierarzt .Max Koschminski (Landsberg). Dr. med. .1. .Meyerhaff (Rotenfels). Landg.-Rat a. D. Dr. Karl Ulrich (.München). Bernhard Loeb (Bingen). Rechtsanwalt Leo Rothschild (Konstanz), Adolf Nussbams (Rheydt). « "Weitere Lösungen von Nr. 100 und. 101: Joadotm Neumark (Berlin): von Nr. 100: Diplonrvolkswirt Walter Silberstein (Berlin). # Aus dem Turnier um die jüdische Schachmeisterschaft von Berlin ging Siegfried Wmitzki mit 10/2 Punkten aus 11 Partien als Sieger hervor. der süddeutschen Provinzstadt nicht ermangelte, grösstenteils mit der Sichtung und dem Ausbau seiner umfangreichen. Markensammlung verwendet, so war es nicht verwunderlich, dass er hier in Berlin einige Beziehungen zu Sammlern und Briefmarkenhändlern anknüpfte. Bei dieser Gelegenheit nahm er an einer kleinen Versteigerung sogenannter Ganzsachen (Briefumschläge und Karten mit eingedruckten oder aufgeklebten Marken) teil, bei der auch Briefe mit Stempel seiner, des Sammlers hessischer Heimatstadt angeboten wurden. Er erstand ein kleines Päckchen besagter Ganzsachen. Zu Hause findet er bei der Durchsicht einen Umschlag, dessen Schrift ihm bekannt vorkommt. Er liest genau die halbverblichene Adresse auf dem stockfleckigen Umschlag. Ja,.es ist die Schrift seines Vaters und die Adresse ist die Anschrift seiner Mutter. Er hält einen Brief, den sein Vater vor 65 Jahren an seine Braut — seine längst dahingegangene Mutter — gerichtet hat, in Händen. D. dass sich der Kopf leicht entfernen lässt. Ein Kopf wird meist in verschiedenen Stücken verwendet, und man ändert ihn einfach durch andere Haartracht oder andere Schminke, Die Verschiedenartigkeit der Rollen bedingt die Einteilung der Köpfe in einen Prinzen, Städter. Krieger, tapferen Mann, in eine Magd, eine junge Frau, in die Frau eines Edelmannes, eine alte Frau, eine Hexe, einen alten Mann usw. Viele Jahre ernsthaftesten Studiums gehören dazu, die Technik des Puppenspiels zu erlernen, denn es ist ausserordentlich schwer für drei Menschen, an einem so kleinen, diffizilen Mechanismus mit Präzision zu arbeiten und dabei, noch die volle Uebereinstimmung mit den abseits sitzenden „Joruri"-Sängern und ,,Samisen''-Spielern einzuhalten. Sehr verwandt dem Puppenspiel ist das Kabukispiel. Als das Puppenspiel etwa in der Mitte des 17. Jahrhunderts in vollster Blüte stand, existierte das Kabukispiel bereits und wetteiferte mit dem Puppenspiel um die Popularität. Aber etwa hundert Jahre lang war das Puppentheater in diesem Wettstreit der Sieger. Dann begann seine Popularität rasch zu sinken und heute ist das Bunraku-za-Theater in Osaka das einzige Theater in Japan, das diese klassische Kunstgattung noch pflegt. Das Kabukispiel wurde jahrundertelang durch 'das Puppenspiel stark beeinüusst und Reste dieses Einflusses sind noch heute erkennbar. Man kann bei einer Kabukivorstellung eine besondere Art des Spiels beobachten, das jenen Puppenstil kopiert. Es beisst ,,ningye buri*"' oder „Spiel auf Puppenart", und je mehr der Schauspieler diese Puppenart imitiert, desto grössere" Applaus ist ihm sicher. Etwa die Hälfte aller Stücke, die auf der Kabukibühne aufgeführt werden, sind ,,Joruri"-Stücke,' die ursprünglich für Puppenspiele geschrieben waren. „How do you like Japan?" „How do you like Tokyo?" Damit wird jeder „Neue" begrüsst, ganz gleich, ob er eine Stunde, eine Woche, einen Monat oder schon ein ganzes Jahr im Lande ist. In welche Gesellschaft er auch immer hereingerät, ob zu Europäern, Amerikanern oder zu den Inselbewohnern selber — unweigerlich ruft es ihm entgegen: „How do you like Japan?" „How do you like Tokyo?" : Ein Bekenntnis: ich liebe Japan,

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