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Central-Verein-Zeitung · 1937-07-22 · 29 (22.7.1937) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
29 (22.7.1937)
Date
1937-07-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 29 » L Beiblatt CYZeiiung 22. Juli 1937 - Seife 3 Wohin die Sommer-Reise? Sehr verehrte gnädige Frau! Sie fragen an, wo Sie in diesem Sommer Ihren Urlaub verbringen können. Es soll ein schöner Ort sein, in mittlerer Höhenlage, mit Schwimmgelegenheit und waldreicher Umgebung. Ich könnte mir das Leben leicht machen, indem ich Ihnen die beigefügte Liste von eventuell in Frage kommenden Unterkunftsmöglichkeiten überreiche und Sie im übrigen Ihrem Schicksal überlasse. Aber da die Dinge nun einmal etwas schwieriger liegen, so soll auch meine Antwort etwas ausführlicher werden. Es ist eine alte Erfahrungstatsache, dass die Menschen während ihres Urlaubs empfindlicher aufeinander reagieren als in den übrigen Monaten des Jahres. Nicht umsonst haben die schönsten Novellen oft das Leben und Treiben des Kurorts zum Hintergrund, jene Atmosphäre, die ausschliesslich der körperlichen und. seelischen Ausgeglichenheit geweiht ist und die gereinigt ist von dgn vielfältigen Sorgen des Alltags. Nirgends verknüpft sich sonst in so merkwürdiger Paradoxie die Sehnsucht nach Bindung mit dem Hunger nach Distanz. Sie sehen, gnädige Frau, ich schweife ins Psychologische ab; aber das ist nun einmal unvermeidlich, damit Sie verstehen, dass Ihre Frage sich nicht schematisch dadurch beantworten lässt, dass ich Ihnen einzelne Orte nenne, die Sie aufsuchen können, und andere, die Sie meiden sollten. Bedenken Sie, dass es neben den äusseren Zeichen, aus denen Sie entnehmen können, ob Ihr Besuch ratsam ist oder nicht, auch unwägbare Momente gibt, die mich bei mein ex Auskunft leiten müssen. Wenn Sie dies einsehen, so werden Sie mich auch nicht Lügen strafen, weil ich Ihrer Freundin vom Besuch der See abriet, obwohl in X-Bad, wohin sie wollte, eigentlich keine greifbaren Bedenken bestehen. Aber ich bin nun einmal der Ansicht, dass auch diejenigen Seebäder, die sich nicht ausdrücklich gegen den Besuch Ihrer Bekannten ausgesprochen haben, besser nicht besucht werden sollten, da die Konzentrierung des Kurlebens Carl Neuberg Am 29. Juli wird Professor Carl Neuberg 60 Jahre alt. Neben seiner hervorragenden wissenschaftlichen Tätigkeit bat er sein Interesse auch für die Angelegenheiten der Judenheit in- und ausserhalb Deutschlands wachgehalten. Dem Central-Verein, dessen Hauptvorstand er seit vielen Jahren angehört, hat er stets mit seinem wertvollen Rat zur Seite gestanden. Dem Ausschuss der Reichsvertretung gebort er als wissenschaftliches Mitglied an. Professor Neuberg entstammt einer jüdischen Familie Hannovers und studierte in Würzburg und Berlin. Er wurde noch vor Ei'langung des philosophischen Doktorgrades Assistent Vircbows um Pathologischen üniversitätsinstitut zu Berlin und verblieb elf Jahre in dieser Stellung, die ihn) reiche Gelegenheit zum Forschen und zum Unterrichten gab. Im Jahre 1909 folgte er dann einem Rufe als Abteilungsvorsteber ans Tierphysiologische Institut in Berlin; 1913 berief ihn die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zum zweiten Direktor des Dablemer Kaiser-Wilhelm-Instituts für experimentelle Therapie. 1923 wurde er Direktor des Kaiser-Wilheim-Instituts für Biochemie, das er bis zu seiner Emeritierung, Ende 1936, leitete. Die Arbeiten Neubergs bewegen sich auf vielen Gebieten, hauptsächlich auf denen der Biochemie, der Stoffwechsellehre, der Serodiagnostik und der Landwirtschaft. Er entdeckte verschiedene Fermente, die für den Ablauf der Vorgänge in lebeudeu Zellen eine wesentlich0- Bedeutung haben. So fand er die Methoden, mit denen es möglich ist, normalerweise nicht wahrnehmbare Zwischenprodukte bei biochemischen Prozessen zu fassen; es sind dies die vielbenutzten Abfangmethodeu. Mit ihrer Hilfe wurde gezeigt, dass die Energien liefernden und damit das Leben erhaltenden Reaktionen bei Tieren, Pflanzen und Kleinlebewesen grundsätzlich die gleichen sind. Bahnbrechend sind seine Arbeiten auf dem Gebiete der Gärungserscheinungen und der damit zusammenhängenden' Tabakforschung- Dabei handelt es sich um die Erkenntnis der Vorgänge, die sich bei der Umwandlung des grünen Blattes in das rauchfähige Produkt vollziehen, um die Vorgänge, welche „Farbe", Aroma und Bekömmlichkeit regeln. Neuberg veröffentlichte mehr als tausend Arbeiten. Die meisten davon sind in der von ihm 1906 beaul den Seestrand Schwierigkeiten mit sich bringen könnte, die im Gebirge nicht ohne weiteres zu erwarten sind. Deshalb sollte nur an die See fahren (und in den dort befindlichen jüdischen Häusern wohnen), wer, insbesondere aus gesundheitlichen Gründen, sonst nirgends Erholung finden kann. Sie sind vielleicht auch empört, dass ich Ihnen vorschlage, in das jüdische Hotel in Y zu gehen, obwohl dieser Ort für uns im allgemeinen nicht in Frage kommt. Aber ich halte meinen Rat nicht nur deswegen aufrecht, weil -s ungerechtfertigt wäre, den jüdischen Hotelbesitzer des Ortes in seiner Existenz zu gefährden, sondern weil mir bekannt ist, dass die Badegäste, die in jüdischen Häusern wohnen, Schwierigkeiten nicht hatten. Warum, so werden Sie weiter fragen, empfehlen Sie nicht den Besuch von Z? Sie'haben sooo viele Bekannte, die sich dort glänzend aufgehoben fühlen. Ja, sehen Sie, gerade weil Si« sooo viele Bekannte dort haben, halte ich es für unzweckmässig, dass deren Schar noch vergrössert wird. Und dann, ausser Ihren Bekannten könnten vielleicht auch einmal Menschen dorthin geraten, die es an der gebotenen Zurückhaltung fehlen lassen. Ich weiss ebenso wie Sie, sie bilden eine verschwindende Minderheit unter uns, und wir würden diesen wenigen Aussenseitern unserer Gemeinschaft zuviel Ehre antun, wenn wir gegen sie Proteste losliessen, die sie entweder gar nicht lesen oder nicht auf sich' beziehen. Aber rechnen müssen wir schliesslich auch mit ihnen. Und noch eins: Ich stehe Ihnen iu deu Fragen, die in unseren unmittelbaren Erfahrungs¬ und Aufgabenbereich gehören, mit allen meinen Kräften zur Verfügung. Wenn Sie jedoch von mir wissen wollen, ob es in A.bad schön ist, oder ob es dort häufig regnet, ob man von „Pension Waldblick" wirklich auf den Wald blicken kann und ob es zum Vesper Gebäck oder Butterbrötchen gibt, dann ..überschätzen Sie mir". Um all dies und gar auch noch die Preise festzustel-!!!!>!!!!!!!iiil!iill!!!l!l Zeichnung von Borst Moraiz gründeten ..Biochemischen Zeitschrift" publiziert, von der unter seiner Redaktion 280 Bände erschienen sind. Es ist selbstverständlich, dass ein solcher wissenschaftlicher Erfolg auch äussere Ehrungen nach sich zog, aus deren Fülle eine Reibe von Ehrendoktoraten der verschiedensten Fakultäten sowie Medaillen und Mitgliedschaften der bedeutendsten wissenschaftlichen Vereinigungen in Europa und Uebersee erwähnt seien. len, miisste ich meine Koffer packen, eine zweimonatige Rundreise antreten und für diese Zeit mein Büro abschliessen. Damit wäre Ihnen und den vielen anderen Lesern doch erst recht nicht geholfen. Jetzt habe ich Ihnen einen richtigen Knigge für Badereisende geschrieben. Dabei kommt mir dies eigentlich gar nicht zu, da Sie. verzeihen Sie, viel älter sind als ich. Ich habe nämlich erst drei Sommer gesehen. Vielleicht werden Sie jetzt die beigefügte Liste mit anderen Augen betrachten als vor der Lektüre dieses moralischen Bädekers. Sie werden mir Verständnis und Vertrauen entgegenbringen und auf Ihre Reise das Bewusstsein mitnehmen, dass wir uns gern der schwierigen Aufgabe unterziehen, die Wünsche des Einzelnen mit den Interessen der Gesamtheit in Einklang zu bringen. Dass wir Ihnen und Ihren Bekannten auch weiterhin stets zur Verfügung stehen, versteht sich von selbst. Nun wünsche ich Ihnen eine recht gute Erholung und bin mit den besten Grüssen Ihr sehr ergebener „Leserdienst der C. Y.-Ze?fciHg" Die Führung der jüdischen Jugend Der Reichsausschuss der jüdischen Jugendverbände E. V. teilt mit: Dr. Friedrich Brodnitz hat Anlang des Monats, kurz vor seiner Auswanderurig, sein Amt als Vorsitzender des Reichsausschussses der jüdischen Jugend verbände E. V. niedergelegt. Als Nachfolger von Ludwig Tietz hat Friedrich Brodnitz seit November 1933 die Leitung des Reichsausschusses der jüdischen Jugenciverbände E. V. innegehabt und in dieser Zeit die Grundlagen für die Gemeinschaftsarbeit der jüdischen Jugend ausgebaut und vertieft. Der Führerrat des Reichsausscbusses der jüdischen Jugendverbände hat Friedrich Brodnitz für seine hingebungsvolle Tätigkeit den Dank der gesamten jüdischen Jugend in Deutschland zum Ausdruck gebracht. Der Führerrat hat als Nachfolger von Friedrich Brodnitz zu seinem Vorsitzenden Hans Frieden thal gewählt. In den Führerrat wurde auf Vorschlag der Jüd.-Nat. Jugend ..Herzlia" (Befar) Josef Fried aufgenommen. Die Geschäftsführung des Reichsausschusses der jüdischen Jugeudverbände wurde nach dem Ausscheiden von Bruno S o m m e r f e 1 d durch den Führerrat Hardi Swarsensky übertragen. * Die vorstehende Mitteilung des Reichsausscbusses über die Auswanderung von Dr. Friedrich Brodnitz müsste eigentlich auch uns, seinen nächsten Freunden, Anlass zu offizieller Verabschiedung sein, wenn nicht die Empfindungen, die uns dem Menschen auf der Höhe des Lebens und am Beginn eines neuen Lebensabschnittes gegenüber bewegen, ebensowenig einen offiziellen Ausdruck finden können^ wie die Stellung, die er in unseren Reihen bekleidet bat. durch einen formellen Begriff ausreichend gekennzeichnet werden kann. Es genügt nicht zu sagen, dass er der engste .Weggenosse von Ludwig Tietz gewesen ist; er begleitete nicht nur, er ging auch voran. Er hat mit seiner starken publizistischen Begabung der Sache, die der Freundeskreis um Ludwig Tietz inneriüdisch vertrat, treu gedient und in Wort und Schrift mitgeholfen, die jüdische Linie vorzubereiten, auf der sich jetzt alle anständigen Elemente zur gemeinsamen Arbeit begegnen können, ohne intellektuelle Opfer bringen zu müssen. Friedrich Brodnitz hat als Sohn von Julius Brodnitz sich sehr langsam und schwer gegen die Auffassung durchsetzen können, nur der „junge" Brodnitz zu sein. Aber nicht erst jetzt, wo seine jüdische Arbeit innerhalb der deutschen Grenzen ihr Ende gefunden hat, wird einem bewusst, dass er durchaus ein Eigener gewesen ist, auch wenn man, wie er selbst, die formellen jüdischen Posten seiner „Aufsichtsratsliste" nicht als Legitimation an sich ansieht: Pressereferent der Reicbsvertretung, Beiratsmitglied im Jüdischen Centrai-Verein, Council-Mitglied der Jewish Agency, Hauptschriftleiter einiger sozialpolitischer jüdischer Zeitschriften, um nur diejenigen Plätze aufzuführen, bei denen man ihn tätig sehen konnte. Der C.-V.-Zeitung war Friedrich Brodnitz ein Mitarbeiter, dessen Beiträge weniger nach ihrer Anzahl, als nach ihrem Gewicht gewertet werden müssen. Seine Stärke lag ira kulturpolitischen Essay. Wer die C.-V.-Zeitung sammelf, mag als Abschiedsgruss in dieser Stunde noch einmal Aufsätze lesen, wie etwa „Aufgaben einer Zwischengeneration" (Nr. 40r 5. 10. 1934), ,,Wir lesen Marc Aurel — aber für wen?'' (Nr. 38, 16. 9. 1936). Er war uns mehr als Mitarbeiter. Die engen freundschaftlichen Verbindungen mit uns bedeuteten zugleich eine ständige Fühlungnahme und Beratung. Wir werden ihn schmerzlich vermissen, auch wenn wir mit ihm nicht nur menschlich, sondern auch sachlich verbunden bleiben. Friedrich Brodnitz wird, von seinem neuen Wohnsitz aus, Mitarbeiter der C.-V.- Zeitung über die bedeutsamen Fragen des grossen amerikanischen Judentums sein. A. H. Chile und Brasilien Der Hills verein der Juden in Deutschland teilt mit: Es besieht zurzeiI für eine begrenzte Anzahl von Familien eine Einwanderungsmöglichkeit nach Chile, doch ist diese an folgende Bedingungen geknüpft: Es muss sich um kinderreiche Familien handeln, deren Familienvater nicht mehr als vierzig Jahre alt ist und einen manuellen Beruf ausübt: ferner darf es sich nicht um Staatenlose handeln. Ausserdem muss die Familie in der Lage sein, auf Grund des Runderlasses 153/36 (der den Kleinkapitalisten einen üOprozentigea Transfer von höchstens 8000 RM gestaltet) einen Befrag transferieren zu-können. Nach Auskunft der zuständigen Konsulate in Deutschland werden zur Zeit Einwanderunssvisa für Brasilien vorläufig nicht mehr erteilt. Er handelt eich hierbei voraussichtlich nur um eine provisorische Massnahme die auf Grund einer Kabelanweisung des zuständigen Ministeriums in Rio de Janeiro getroffen worden ist. ILB ER FUCHS- Capes. Edelmarder, Xerze. moderne Pelzpaletots, eleg-ante echte Pelzmäntel grosse Auswahl, sehr preiswert J.WeissIer,PeIze,nur Kurflirsiendamm 29 Von dieser augenblicklichen Einwanderungssperre abgesehen,' besteht aber Anlass, erneut von der Inanspruchnahme all jener Büros und firmen zu warnen, die ihre Dienste zur Beschaffung von Einwanderungsmöglichkeiten nach Brasilien in Zeitungsinseraten anbieten. Die von diesen Büros angewandten Praktiken stellen häufig Verletzungen oder Umgehungen der brasilianischen Gesetze dar und bringen für die Einwanderer selbst das grösste Risiko mit sich. Zuschriften sind zu richten an den Hilfsverein der Juden in Deutschland e. V., Berlin W 35, Ludendorffstrasse 20. Wann und wo finden Sie Rat? Kbeinlanrf- YC*v»tf»len SUeWold am 1. und " 7» i e n?!•;> Z (nicht. mehr, wie bisher ' MiT-~ vroeb.) i^kn Monats, 11—13 Uhr, Tnrnerstr. 1. norforrt pvx 2. und 4 DiP.ü - t 3. c< (rikhr. mehr. vrjp. bisher Min- ^*ccl:) jede?} Mona-ts. H—ix Uhr. Gchreobcr-c 1. F.s*f?n Morias bis Fr0it3.tr. 11—1? Uhr. Hindcnbnr^str. 73 (Tel.: 31212). Düsseldorf Donnerstag. 16—13 Uhr. Str. Ai. Bilker Wittel deutschend Erfurt 20. Juli, 16—19 'Uhr , bei Dr. Max B;nim^:irt. N onnenrain 6Sa, Wessen. Kassau und Hessen Bad Ems 27. Juli. 10—12 Uhr. Brwubaciier Str. 17. bei Rabbiner Dr. Laupheimer Worin* 29. Juli. 15-17 Ubr. Gen leiad«- haus. Hintere Judensass Xordclentschlam.dl. Hannover 2. August. 12—14 und Uhr, GeorgrstT. 14. II. 75—IT /^C,^iZ^-^fr-cuZ' f fafe/- C^ic§Xyfxy euip: rünfeld-4^mmer-^diluß % Umieshoter Leinenand Seiildweiisfei f.l 6RÖHFCLD . Berlin, Lepjgsr Stf. 20-S, Kttrf&fstendamtn 227 KS erkauf <£W Z&^jc/o^ <*&i<£ I.77-79L

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