Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 28 (15.7.1937)
- Date
- 1937-07-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Blatt der jüdischen Trau Nr.28 * 15.Juli!937 4. Beiblatt * C.-V.-Zeitung Seite 13 Abrakadabra Kleine Plauderei über Amulette von Johannes Wolff Es gab Zeiten, in denen die jüdische Welt gottgläubiger war als heute. Es gab Zeiten, in denen die jüdischen Menschen wundergläubiger und abergläubischer waren, als sie es heute sind. Manchmal finden wir beides, echten Gottesglauben und ebenso echten Aberglauben, nebeneinander; finden beide miteinander verbunden, ja ineinander verschlungen. Sitte und Brauch unserer jüdischen Gemeinschaft zeigen im Verlauf der Jahrtausende, dass die Reinheit der jüdischen Religion und ihre 1. Sonnenamulett nach Athanasius Kircher, 1665. 2. Amulett der Pariser Bibliotheque Nationale; die Rückseite enthält Zahlenquadrate. 3. Venus-Amulett; Münzen- und Medaillensammlung Wien; die Rückseite ist mit hebräischen Zahlen in quadratischer Aufteilung versehen. 4. Amulett-Plakette.. 6. Yemenitische Halskette Phot. Sonnenfcid lautere Gotteslehre mitunter Trübungen erfahren hat. Jüdische Volkskunde weiss zu berichten, dass von den Zeiten der Bibel bis in unsere Tage hinein auch das jüdische Volk — trotz seiner Vorstellung eines Allmächtigen, eines einig-einzigen Gottes, der Mensch und Allnatur nach seinem Willen lenkt und gestaltet — manchen Einflüssen heidnischer Art in gewissen Gebieten seines Volkslebens bis zu einem gewissen Grade zugänglich war. Einen bedeutungsvollen Niederschlag fanden die u. a. in wesentlichen Zügen aus Babylonien und Aegypten herrührenden heidnischen Einflüsse auf dem hochinteressanten Gebiet des Schutz- und Abwehrzaubers. Der jüdische Mensch der Bibel wähnte sich — darin nicht anders als seine Zeitgenossen — umgeben und umlauert, beneidet und angefeindet von dunklen Mächten, gegen die er sich glaubte wappnen und wehren zu müssen. Zwar war im alten Israel Zauberei (Hexenwesen, Totenbeschwörung, Wolkendeuten u. a. m.) unter schwere Strafe gestellt: dennoch hat es Abwehrzauber in Form von geweihten Möndchen, Ringen und Ketten, d. h. Amuletten, stets gegeben. Ja, die Nachbarvölker sahen zu Zeiten in den Töchtern Israels besondere Kenner der Materie und schätzten die von ihnen verfertigten Amulette. Dass die Propheten sich nicht allein gegen den übermässigen Schmuck bei israelitischen Mädchen .wandten, sondern insbesondere gegen den mit ihm verbundenen Aberglauben entschieden . auftraten, versteht sich von selbst. Trotzdem: so beharrlich das jüdische Volk blieb im echten Glauben an den Ewigen und diesen Glauben todesmutig zu verteidigen verstand, so fest verwurzelt war doch zugleich der Glaube an die Macht der Magie, der Wahn, dass der Mensch sein Schicksal beeinflussen könne durch Anreicherung und Nutzbarmachung überlegener, übersinnlicher Kräfte, wie sie vielfach im Pflanzen- und Tierreich verborgen sein sollten. Mesusot, Tefillin und Zizzit haben ihren Ursprung sicherlich an gleicher Stelle wie das Amulettenwesen. Nur dürfen sie seit langem nicht mehr als Mittel des Abwehrzaubers angesprochen werden, haben sie doch eine verinnerlichte religiöse Weihe erhalten, so dass der Jude mit ihnen nur den einen reinen Gedanken verbindet: Gott schützt den Menschen und sein Haus! Das Amulett dagegen, das am Körper getragene Schutzmittel gegen die vielfältigsten Krankheiten, besonders die Seuchen vergangener Jahrhunderte, Pest, Cholera u. a., gegen den bösen Blick, gegen Gefahren jedweder Art, hat die religiöse Aufwärtsentwicklung, die oben angedeutet ist, nicht mitgemacht. So zeigt die Geschichte des Amuletts eine Nebenlinie an, den jüdischer Volksgeist gewandelt ist. Versuchen Avir einmal, von den Amuletten abzulesen, was sie über das Vorstellungsleben ihrer Hersteller und Träger verraten, was sie über die Aengste und Hoffnungen auszusagen vermögen, die sich mit ihnen verbanden. Wir kennen Amulette in der Form von Kleeblättern, von Kröten, Schlangen und Spinnen. Wir verstehen, dass der merkwürdige Skarabäus, der Kotkäfer oder Pillendreher, so wie andere Insekten geeignete Vorbilder für Amulette abgeben konnten. Sonne, Mond und Sterne, die Engel, die nach dem Buch Rasiel die Planeten führen, sind beliebte Motive. Bei der Vorliebe der Alten für Astrologie, bei der Verbreitung, dessen sich der S ternkult erfreute, erscheinen auf den Amuletten fast immer die Bilder des Tierkreises. Das Ungewisse und Ungewöhnliche reizte; dem Extrem - Schönen oder Extrem- Hässlichen, dem Unendlich-Weiten und Unendlich-Grossen ward wunderbare Kraft zugewiesen. Diese Kraft galt es einzufangen. Nicht viele waren Meister der Magie. Es war die Kunst weniger Auserwählter, einzelner Eingeweihter. Auf dem Gebiete des Amulettenwesens beobachten wir einen regen Austausch zwischen den Völkern und Religionsgemeinschaften, ein Geben und Nehmen zwischen Arabern und Israeliten, zwischen Juden und Christen. Häufig sind jüdisch-islamische Legenden mit christlicher Ueberlieferung eng verschmolzen. Hierfür ist ebenfalls das oben gegenannte Buch Rasiel ein typisches Beispiel: für Amulette und magische Anweisungen stellt es eine Fundgrube dar. Zu den bekanntesten Zeichen auf Amuletten zählen die ineinandergeschobenen Dreiecke, das Magen David. In der Mitte des Hexagramms finden wir oft das Wort Schaddaj. Dieses Wort, das u. a. auch auf unseren Mesusot zu lesen ist, und das beim korrekten Legen der Tefillin gebildet wird, gibt den Uebersetzern Rätsel auf; den Sinn trifft wohl am ehesten die Uebertragung: der Allmächtige. Die Gottesnamen erscheinen überhaupt in mannigfacher Abwandlung und Abkürzung. Sehr häufig begegnet uns das Tetragramm (Jhwh). Neben dem Gottesnamen finden ausgewählte Bibelverse, denen Abwehr- und Schutzkraft zugeschrieben wurde, Verwendung als Inschriften. Es kam aber keineswegs nur auf den Inhalt der Zauberformel an, sondern daneben war die Art der Schreibung durchaus bedeutungsvoll für die vermeintliche Wirkung. Man mühte sich hinter die Geheimnisse zu gelangen, die im Bibelwort liegen sollten. Die Kabbala mit ihrer Buchstabenmystik und Gematria (Zahlenmystik) erschloss der Phantasie weite Gebiete. Schon in ältester Zeit waren einige Methoden der Buchstabenumstellung (Atbasch) populär und fanden ihre Anwendung auf manchen Amuletten und magischen Quadraten. Von Farben war das Blau (T'chelet) bevorzugt. Als sicherer Schutz gegen den bösen Blick wurden blaue Perlen gepriesen. Wurde der Inhalt eines Amuletts nichts als heidnisch empfunden, dann galt es nach talmudischer Anschauung als rituell erlaubt. Wenn einerseits zwar das prophetische und später das rabbinische Judentum alle Gespensterglauben grundsätzlich negiert, so darf doch andererseits nicht übersehen werden, dass der Talmud selbst in einzelnen seiner Teile von Dämonen spricht (Schedim, Masikim, Ruchot raot). Der Glaube, dass auch leblose Dinge beseelt seien, dass sie in einer sympathetischen oder antipathetischen Beziehung zueinander stehen, dass sie wie Pole eines Magneten sich gegenseitig anziehen oder abstossen, zeigt uns den tieferen Sinn, der mit gewissen Darstellungen auf Amuletten verknüpft war. So sollte beispielsweise das Magen David Ober- und Unterwelt miteinander verbinden können und, richtig in den Tierkreis eingezeichnet, die Geister, die gefallenen Engel, die Zwischenwesen bannen können. Die Gleichsetzung von Name und Person beziehungsweise Ding und vom Teil mit dem Ganzen gibt uns eine weitere Erklärung für die Verwendung von mancher Namensinschrift oder figürlichen Darstellung (z. B. einzelner Körperteile). Besondere Bedeutung kam den Amuletten überall da zu, wo der Mensch am wenigsten Herr über sich selbst ist, wo er als schwaches irdisches Wesen den unsichtbaren feindlichen Mächten am ehesten erliegen zu müssen vermeint. Als überaus gefährdet galten seit je Wöchnerinnen und ihre Säuglinge; ihnen soll L i 1 i t, ein gefährlicher weiblicher Kobold aus der Zeit des ersten Menschen, nach dem Leben trachten. So sind denn viele der Amulette nur dazu bestimmt, die Verderberin der Neugeborenen unschädlich zu machen. Wie Aberglauben stets wieder Aberglauben gebiert oder ihm doch wenigstens Vorschub leistet, davon zeusit ein Amulett des bekannten Jonatan Eybenschütz, das den Namen des falschen Messias, Sabbatj Zwi, trägt. Das Amulett war Gegenstand einer heftigen Fehde zwischen Eybenschütz und Jakob Emden. Von Eybenschütz, der Rabbiner zu Prag, Metz und Hamburg war (18. Jahrhundert) sollen allein 31 verschiedene Amulette herrühren. Die Geschichte des Amulettewesens kann noch nicht als abgeschlossen gelten. Der Glaube an die wunderbare Schutz- und Heilkraft eines Amuletts ist noch nicht völlig erloschen. Yemenitische Juden glauben noch heute gern an die gefahrwendende und unglückabwehrende Kraft von geweihten Ringen, Ketten, Hals- und Stirnbändern. In vielen Teilen des östlichen Judentums ist heute noch der Einfluss des Kabbalisten Isaak Lurja ziemlich bedeutend. Zwar wissen die jüdischen Menschen unserer Tage, dass die Kraft und Wunderwirkung nicht an die heranreicht, die einst von dem Stein ausstrahlte, den unser Stammvater Abraham getragen haben soll: wer diesen Stein nur anschaute, der ward geheilt! Heute muss man sich mit weniger begnügen; denn jener wunderbare Stein ist uns Menschen nicht mehr erreichbar. Als Abraham starb, wurde das Kleinod von Gott selbst an die Sonne gehängt! Blick auf die Frauenarbeit in der Welt Im Staate New-York ist das schulpflichtige Alter von 14 auf 16 Jahre erhöht worden. Auch die Zulassung zur gewerblichen Arbeit ist vor dem vollendeten 16. Lebensjahr verboten. Das gleiche gilt für die Arbeit in Handelsbetrieben, Gaststätten und anderen geschäftlichen Handelsunternehmungen. Für 15jährige sind gewisse Ausnahmen möglich. — In Australien ist für die Arbeit in Fabriken und Ladengeschäften die Arbeitszeit für Jugendliche unter 16 Jahren und lür Frauen jeden Alters von 48 Stunden auf 44 Stunden wöchentlich herabgesetzt worden. * Die Vereinigten Staaten haben in Oslo einen weiblichen Gesandten, und zwar Frau Borden Harri man. Sie hatte im Laufe der vergangenen Jahre verschiedene politische Missionen und ist Verfasserin einer grösseren Reihe literarischer und sozialpolitischer Schriften. — An der polnischen Gesandtschaft in Paris ist als Attache Frau Jank o w s k a, eine führende Persönlichkeit der polnischen Frauenbewegung, tätig. * Während im Fürsorgeamt der Stadt Zürich bisher nur männliche Sekretäre Verwendung fanden, ist nunmehr auch eine Frau, die schon seit längerer Zeit beim Polizeirichteramt tätig war, zur Sekretärin des Wohlfahrtsamtes befördert worden. * In Mexiko, das im Wandel seiner politischen und wirtschaftlichen Struktur und seines religiösen Lebens steht, sind den Frauen neue Möglichkeiten zur tätigen Mitarbeit im öffentlichen Leben gegeben worden. Auf dem Gebiete des Schulwesens habeu sie bereits im Kampf gegen das Analphabetentum hervorragende Arbeit geleistet. In Mexiko gemessen die Frauen seit 1936 volle Staatsbürger-' liehe Gleichberechtigung. * Eine in Schanghai neu eingeführte freiwillige Kranken- und Mutterschaftsversicherung gewäbrt den Versicherten kostenlose Heilbehandlung, und zwar steht ihnen eine Klinik mit acht Aerzten zur Verfügung. * Im Kampf gegen den Mädchenhandel im Fernen Osten brachte eine internationale Konferenz, die auf Einladung der niederländischen Regierung in Bandoeng auf Java stattfand, viele Anregungen. Neun Regierungen waren auf der Tagung vertreten. Ein wesentlicher Teil der Aussprache war jenen Fragen gewidmet, welche mit dem Vorhandensein staatlich autorisierter Bordelle in einigen Ländern des Ostens im Zusammenhang stehen. Die Einrichtung eines Völkerbundsbüros im Orient wurde vorgeschlagen, welche die Zusammenarbeit der zuständigen Stellen und Länder vermitteln soll. Auch die Tätigkeit einer grösseren Anzahl weiblicher Polizeibeamten wurde auf der Konferenz als nutzbringend empfohlen. Ganz besonders wurde die Not der Frauen russischer Herkunft erörtert, welche in manchen Ländern des Orients infolge ihres wirtschaftlichen Elends der Prostitution anheimfallen. Besondere Erörterung fanden auch die Reiseverhältnisse in den Ländern des Ostens. Es wurden bessere Massnahmen für den Schutz von Auswanderern während der Ueberfahrt gefordert. * In Norwegen ist ein Hauswirtschaftsdepartement geschaffen worden. Seine Leitung untersteht dem Landwirtschaftsdepartement. Die Vorsteherin der staatlichen Hauswirtschaftsschule war 18 Jahre als Inspektorin aller Haushaltungsschulen tätig. H. St. Väterlichkeit „Immer hat mich eine Gruppendarstellung beschäftigt, nicht erst, nachdem meine bildhauerische Arbeit „Mutter und Kind" vor zwei Jahren in der Ausstellung im Jüdischen Museum, Berlin, preisgekrönt worden ist", meinte Ottilie W o 11 m a n n. Und ich hörte von ihr, dass sie gerade im Begriff stände, eine Komposition zu gestalten, die das uralte Thema des Vatersegens anschlägt. Ich betrachtete im Atelier der Künstlerin die Studien zu dieser Plastik, ich hörte zu, wie man mir auseinandersetzte, dass die Tochter vom Vater den Segen empfängt, wenn sie das Land verlässt; ich studierte den zeichnerischen Entwurf einer Knienden, die das Haupt senkt. Und auch der Vater senkt den Kopf, einen schmalen Kopf, fast arabisch wiijken die Konturen dieses Hauptes. Die Tochter umfasst den faltenreichen Rock des Mannes, ein Entwurf, der in die Keramik umgeschaffen wird. Vielleicht wird der Vater, der den Segen erteilt, jene biblischen Worte sprechen: .,Gott erfreue dich wie Sara, Rebekka, Rahel' und Lea", Worte sind es, die so viele Väter ihren Kindern mit auf den Weg geben. Ottilie Wollmann zeigt mir Kinderporträts, und sie erzählt, dass fast alle die Väter dieser Knaben und Mädchen den jetzt Erwachsenen nachgewandert sind, nach Uebersee, nach Palästina, in alle Länder der Erde. Und ich musste daran denken, 'dass über die Mütterlichkeit so viel gesprochen und noch Ottilie Wollmann bei der Arbeit Fat Abraham JiodeUhüte Jiuth Magnus Haiensee, Joachim-Friedrich-Strafie 49 Telefon: 97 12 50 Umarbeitunsen gut u. preiswert. Haos-9 Leib- und Gewicbtswasdie Heißmangel, Handtuchverleih 25 85 48 Bamberger Str. 7 Lieferung' und Abholung frei Haus. Alfred Schmidt, M. d. ]. G. Schonende Hauswäscherei am Lietzensee Emma Fandr^e. ChariOttenburg, Wundtstrasse 58/60. 93 54 09. Verlangen Sie überall die C.-V.-ZEITUNG! Fritz Baum Nachf, Inn. Hanna Löwenstein Waitzstrasse 17 — 9 6 09 44 Pfundwäsche la Ausführung RH 0.28 Heißmangel Forst Pfund-wäsche ab 10 Pfund 26 Pfg. Reinickendorfer Straße 36 46 62 27 Ihre SamiÜm - Anzeigt in Ihr Blatt, in die C*»y+*Zeitung Kaufhaus FellxRfcfife Inhaber: Adolf BorowskI Neukölln Hermannstrasse 16* ■ seit 1966 i, c