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Central-Verein-Zeitung · 1937-07-08 · 27 (8.7.1937) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
27 (8.7.1937)
Date
1937-07-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 C.-V.-Zeitung Nr.27*8Julil937 in der erhabenen Gestalt Massischer Kunst dargebracht. Nur kurze vorbereitende Worte unterstützten das Verständnis. Der Erfolg war iür die Veranstalter, die Künstler und vor allem für die Kinder selbst über alle Massen beglückend. Zahlreiche Dankbriefe haben die Tiefe des Eindrucks und die Vielfältigkeit des Empfindens bestätigt Die Gemeinde Essen ruft auf zur Nachahmung dieses so gelungenen Versuchs. Unnötig zu sagen, dass eine Gemeinde, die so glücklich ist in der Neuentdeckung von Wegen, die gewohnten Pfade zielsicher und erfolgreich beschreitet. Unnötig zu sagen, dass die 'iiehr als hundertjährige, zehnklassige Schule unter Leitung von Rektor Isaac ausgezeichnet arbeitet, dass die Winterhilfe klappt, das Wohlfahrtsamt unter Max Kugelmann, Palästinaamt und Hilfsverein, eine ausgedehnte Tätigkeit entfalten, dass der Gemeindesyndikus Dr. Schweitzer seine Aufgaben aufs beste bewältigt und ihre immer neue geistige Problematik mit klarer Ueberlegenheit beherrscht. Dass der seit Fortgang von Dr. Samuel einzige Rabbiner der Gemeinde, Dr. Hugo Hahn, sich als Schriftsteller, Y\rissenschaftler und Redner weit über die Grenzen der Stadt und des Bezirks hinaus einen guten Namen geschaffen hat, dass er seiner verantwortungsbewussten Auffassung von der Aufgabe des Rabbiners in dieser Zeit gemäss im Gotteshause der strengen Form des Lehrvortrages vor der Predigt den Vorzug gibt und damit einen sehr beachtlichen neuen Weg beschreitet — das alles gehört in das Gefüge dieser Gemeinde so notwendig hinein, als griffe ein Rad ins andere. Man wundert sich schliesslich gar nicht mehr, dass auch der Vorsitzende des Jüdischen Centrai-Vereins, Dr. H e r 2 f e 1 d, in Essen seinen Wohnsitz hat, dass der Landesverband Rheinland-Westfalen von einem unserer Besten, von Dr. David Krombach geleitet wird, und dass das Landesverbandsbüro unter Leitung von Dr. Ernst •Plaut auch einige Superlative für sich in Anspruch nehmen könnte, die auszusprechen kollegialer Takt leider hindert. Uebrigens hat der gesamte Aufbau des C. V. in Rheinland, Westfalen und dem Saargebiet von Essen seinen Ausgang genommen. Ausser Dr. Herzfeld und Rabbiner Dr. David (Bochum) war an ihm vor allem auch Rechtsanwalt Dr. Abel beteiligt. Er ist seit Jahrzehnten auch Vorpitzp^der r]pr GemeinrVrePräs(li"'-^T'? F=?pn ist es durch kluge, weitherzige Rücksichtnahme auf seine vor allem osljüdisch. bestimmte Orthodoxie gelungen, Einheitsgemeinde zu bleiben. In der Wochentagssynagoge beten regelmässig Ostjuden, im Synagogengebäude befindet sich auch eine Mikwa. Der jüdische Sport spielt hier wie überhaupt im Ruhrbezirk eine bedeutsame Rolle. Alle gängigen Sportarten sind vertreten. Die einzelnen jüdischen Sportvereine finden ihren Zusammenschluss, einerseits im Landessportverband Westdeutschland des Sportbundes „Schild", der in zwei Bezirksgruppen, „Industrie" und „Westfalen", gegliedert ist, andererseits im Bezirk Westdeutschland des Deutschen Makkabikreises. * Alle diese Leistungen und Tatsachen werden um so bewundernswerter, wenn man weiss, dass selbstverständlich auch die jüdische Bevölkerung Essens stark zurückgegangen ist. Sie betrug 1933 : 5100 und ist heute auf 3300 zusammengeschmolzen. Die Zahl der Aerzte hat sich von 31 auf 21 und die der Anwälte von 42 auf 16 vermindert. Im S i e p e n, einer Talsenke im Süden der Stadt, wo in überraschend ländlicher Umgebung Schafherden weiden und man kaum noch Industriewerke sieht, liegt nicht weit von dem ältesten Friedhof der Essener Juden der neue Parkfriedhof. Er lehnt an einem malerisch friedlichen Berghang und die Leichenhalle ist edel und ruhig in ihren Massen. So bleibt sich Essen treu im Leben wie im Tode. Während das Leben noch kraftvoll seine Aufgaben meistert und zu neuen Lösungen drängt, zeigt es, wie man sterben können muse, wenn man solchen Lebens wert war. Düsseldorf Eine knappe Stunde südwestlich von Essen, in Düsseldorf, fühlt man sich dem Industriegebiet schon völlig entronnen. Nur der neue Bahnhof, dessen mächtige Ausmasse seiner vollkommenen Zweckschönheit keinen Abbruch tun, mahnt an die Nähe des dichtest (bevölkerten Wohngebietes Deutschlands. Zwar gibt es auch Industrie in Düsseldorf, aber sie ist nicht mehr stark genug, um dem ganz auf Kunst und Schönheit gerichteten Stadtbild ihr Gepräge zu geben. Eine enge Verbindung zur Industrie ist trotzdem dadurch hergestellt, dass Düsseldorf vielfach zum Sitz ihrer Verwaltungen gewählt wurde. Die sitzen in repräsentativen Gebäuden, arbeiten mit harmlosen Rechen- und Schreibmaschinen und bilden für die stolzen Parks und Grünanlagen keine Staub- und Russgefahr. Alles ist hier weit, licht und grün, und schon der berühmteste jüdische Sohn der Stadt, Heinrich Heine, fand, dass sie „sehr schön" ist, obgleich ihre schönsten Teile erst nach seiner Lebenszeit entstanden. Die 1545 geschaffene Malerschule, die jetzige Kunstakademie, begründete ihren Ruf als Kunststadt, den Düsseldorf auf allen Gebieten der Kunst zu behaupten sich bemühte. In den langen Reihen berühmter Männer, die hier wirkten, finden wir auch die Namen zahlreicher Juden: die Maler Eduard Bendemann, Max Stern und Julo Levin, den Porträtisten Max Westfeld, den Bildhauer Fleischhacker, den Dirigenten Ferdinand Hiller und last not least Felix Mendelssohn- Bartholdy, der hier von 1833 bis 1835 als Städtischer Musikdirektor und bis 1842 als Leiter der bekannten Niederrheinischen Musikfeste wirkte. Auf wissenschaftlichem und organisatorischem Gebiete zeichnete sich Professor Schlossmann aus als Gründer 'der Kinderklinik der Düsseldorfer Medizinischen Akademie und Leiter der Gesolei. Eine stolze Namensliste, und dabei ist Düsseldorf eine junge Gemeinde. Es kann seine Geschichte nur bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen, war aber schon frühzeitig Sitz des Oberrabbinats der Jüiich-Bergischen Judenschaft und wurde unter Napoleon zum Sitz des Landrabbinats Düsseldorf. Unter preussischer Herrschaft im Jahre 1868 sind im ganzen Bezirk 2905 Juden nachgewiesen. Unter den Rabbinern, die im Unterschied zu den Ruhrgemeinden schon auf eine ehrwürdige Tradition zurückblicken, ragten u. a. hervor der grosse Gelehrte Jehuda Löb Scheuer 1779 bis 1821, Dr. W. Feilchenfeld 1835 bis 1872, später Oberrabbiner in Posen, Dr. Wedeil, Begründer des W7edell-, später Jugendvereins, Dr. Leo Baeck und Dr. Max Wiener. Gegenwärtig amtiert Dr. Eschelbacher (seit 1913), der verehrungswürdige Sohn einer alten Rabbinerfamilie, der die seltene Vereinigung seines umfassenden juristischen mit seinem theologischen Wissen u. a. apologetischen Arbeiten von neuartiger und besonders wirkungsvoller Prägung dienstbar gemacht hat. Ihm zur Seite steht seit 1919 Rabbiner Dr. Klein, ein gütiger, liebenswerter Mensch, ein Seelsorger, wie er gerade in heutiger Zeit seiner Gemeinde zum Segen werden muss. Beide Männer, gemeinsam mit der ausgezeichneten Persönlichkeit ihres ersten Vorsitzenden Erich Felsenthal vereinen auf sich in gegenseitiger Ergänzung und Unterstützung die Verehrung und das Vertrauen der Gemeinde. Sie setzen die Tradition ihrer grossen Vorgänger würdig fort. ESSEN OTTO PLAUT Bankgeschäft / Essen Irmgardstrasse 61. Telefon 35657 Eiluni Utkmt von Wertpapieren Abteilung: Reisebüro Besorgung von Schiffskarten für sämtliche Linien nach allen Ländern. 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