Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 27 (8.7.1937)
- Date
- 1937-07-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 27 * f. Beiblatt CYJeitunq 8. Juli 1937 - Seite 3 Die Einheit der Juden in Deutschland r Der Rat der Reichsvertretung der Juden in Deutschland hat in seiner Sitzung vom 7. Juli unter Vorsitz des Präsidenten der Reichsvertretung, Dr. Leo Baeck, folgende Resolutionen einstimmig angenommen. I. Die Reichsvertrehuig ist die Vertretung der Juden in Deutschland gegenüber den deutschen Behörden und den jüdischen Hilfsorganisationen des Auslandes. Sie hat über die Verteilung aller ihr zufliessenden Gelder zu bestimmen. Sie ist die Planungsstelle für die jüdische Gesamtarbeit in Deutschland. Sie ist die Spitzenorganisation für die jüdische Wohlfahrtsarbeit in Deutschland. — Ihr obliegen die reichswichtigen Wohlfahrtsaufgaben. Die bisherige Arbeitsteilung zwischen Reichsvertretung. Landesverbänden. Gemeinden und Organisationen wird in folgenden Punkten geändert: 1. Die Errichtung. Erweiterung und Aufrechterhaltung von Schulen wird von den Landesverbänden bearbeitet. Voraussetzung für die Durchführung dieser Aenderung ist, dass über die die Arbeiten des Landesverbandes auf diesem Gebiet leitenden Personen ein Einvernehmen mit der Reichsvertretung herbeigeführt wird, beim Preussischen Landesverband ausserdem ein Einvernehmen mit der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Zu Schritten bei Behörden und zu finanziellen Zusagen, die eine Belastung der Reichsvertretung im Gefolge haben können, ist die vorherige Zustimmung der Re-ichsver- * tretung erforderlich. Verhandlungen mit den Zentralbehörden bleiben der Reichsvertretung vorbehalten. 2. Einrichtungen der Reichsvertretung auf dem Gebiete der Berufsausbildung und Berufsumschichtung sind auf Verlangen denjenigen Gross- oder Mittclgemeinden, in * deren Bezirk sie sich befinden, zur eigenen Verwaltung zu überlassen. Benachbarten ,!•& Gross- und Mittelgemeindeu können solche , Einrichtungen auf ihren Wunsch zur eigenen Verwaltung überlassen werden.? Im übrigen bleibt die bisherige Arbcitsj teilung zwischen Reichsvertretung, Landesverbänden, Gemeinden und Organisationen bestehen, soweit sie nicht künftig durch übereinstimmende Beschlüsse des Präsidialausschusses und des Rates geändert wird (vgl. II. 3). II. Der Rat bildet aus seiner Mitte einen Haushaltsausschuss von fünf Mitgliedern, der folgende Aufgaben hat: 1. Beratung und Prüfung des dem Rat vom Präsidialausschuss vorzulegenden Jalireshaushaltsplans und Berichterstattung hierüber an das Präsidium des Rates. 2. Prüfung aller die Finanzgebarung der Reichsvertretung betreffenden sonstigen Anträge und Beschwerden und Berichterstattung hierüber an das Präsidium des Rates. 3. Laufende Kontrolle der Finanzgebarung der Reichsvertretung. In den Haushaltsausschuss entsenden aus der Mitte des Rates je ein Mitglied der Preussische Landesverband, die nichtpreussischen Landesverbände, der Vorstand der Berliner Gemeinde. Die zwei weiteren Mitglieder wählt der Rat aus seiner Mitte. III. Die Zusammensetzung des Rates wird dahin abgeändert, dass die Zahl der Vertreter des Preussischen Landesverbandes auf zwölf festgesetzt wird. Von den Vertretern des Preussischen Landesverbandes soll nicht mehr als die Hälfte Wohnsitz in Berlin haben. Die Vertreter, die ihren Wohnsitz nicht in Berlin haben, werden von dem Rat des Preussischen Landesverbandes bestimmt. Die Zahl der Vertreter der Organisationen wird vermehrt um einen Vertreter der Staatszionistischen Organisation und der Unabhängigen Orthodoxie. Von den fünf Mitgliedern des Rates, die vom Rat und Präsidialausschuss gemeinsam zu wählen sind, sollen a) mindestens drei ihren Wohnsitz im Bereich des Preussischen Landesverbandes haben; b) eines einer vom Jüdischen Frauenbund dem Rat vorgelegten, drei Namen enthaltenden Vorschlagsliste entnommen werden. Voraussetzung ist, dass die im Rat der Reichs Vertretung vertretenen Körperschaften und Organisationen die Reichsvertretung als die Vertretung der .luden in Deutschland gegenüber den deutschen Behörden und den jüdischen Hilfsorganisationen des Auslandes und ihre ordnungsmässig gefassten Beschlüsse als für sie bindend anerkennen. Ferner wurden folgende Richtlinien einstimmig angenommen: I. Dem Haushaltsausschuss wird aufgetragen, den Etat der Reichsvertretung dahin auf das Genaueste zu prüfen, wie weit Ersparnisse auf Seiten des Persouaietats zu machen sind. II. Soweit geeignete Persönlichkeifen im Präsidialausschuss vorhanden sind, ist deren Betrauung mit bestimmten Dezernaten anzustreben. Der neue Präsidialausschuss Der Präsidialausschuss ist vom Rat einstimmig neu zusammengesetzt worden. Er bestellt unter dem Präsidenten der Reichsvertretung, Dr. Baeck, aus folgenden Mitgliedern: Otto Hirsch und Franz Meyer, sowie Alexander (Krefeld), Freimann (Frankfurt a. M.), Grünewald (Mannheim), Josephsthal, Klee, Landenberger (Nürnberg), Michaelis, Schmeidler, Seligsohn, Stahl und Sulzberger. Auch der neugebildete Haushaltsausschuss wurde sofort besetzt. * A. H. Mit diesen Resolutionen, die am Mittwoch Nachmittag — nach Redaktionsschluss dieser Nummer — ihre Annahme fanden, ist ein Zeitabschnitt in der Geschichte der Reichsvertretung beendet, der an Wirrnissen und Verwirrungen reich gewesen ist. Unsere Leser wissen, wie sehr wir uns an dieser Stelle um Klärung und Klarheit in diesen sachlichen und personellen Auseinandersetzungen bemüht haben, und sie werden uns in diesem Augenblick zustimmen, wenn wir empfehlen, der Forderung zu entsprechen, die Baeck zu Beginn und am Ende der Sitzung aufgestellt hat: Es gelte nicht, in der Vergangenheit nach Schuld auf der einen oder anderen Seite zu suchen, sondern in neuem Geiste einen neuen Anfang zu nehmen. In seinem- Schlusswort stellte Baeck fest, dass die Anerkennung der Reichsvertretung auch durch die Staatszionistische Vereinigung ausdrücklich erfolgt sei, und der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlin, Heinrich Stahl, erklärte ebenso freimütig wie ernst, dass er den Abschluss der Meinungsverschiedenheiten, wie er nun vorliege, begrüsse und seinen und seiner Freunde guten Willen in die Arbeit einbringe. Ein Vertrauensvotum zur Reichsvertretung, vor allem zu Baeck und Hirsch, das Max W a r b u r g vorsehlug, wurde widerspruchslos angenommen. Es ist im Augenblick nicht möglich, vielleicht aber auch nicht zweckmässig, einen Kommentar zu den einzelnen Bestimmungen der neuen Verfassung der Reichsvertretung zu geben. Auf allen Seiten wurde Verzicht auf Forderungen, Wille zur Einfügung aus höheren Notwendigkeiten verlangt und dargeboten. An vielen Klippen wurde teils mit Geschick und teils mit "Energie vorbeigesteuert. Die traditionelle Aufgabe des Vorsitzenden des C. V., Sachwalter überparteilicher jüdischer Interessen in schwierigen innerjüdischen Situationen in Deutschland zu sein, führte Dr. Herzfeld (Essen) erfolgreich durch. Der Waffenstillstand, der vor drei Wochen im gleichen Kreise beschlossen worden ist, hat sich so zum Verständigungsfrieden, zum Bündnis gewandelt. Nur diese Lösung konnte verhindern, dass — gleichgültig, wer Sieger oder Besiegter das Ergebnis eine Niederlage des jüdischen Gemeinschaftsgedankens geworden Auslands-Nachrichten Bulgarien In der Nacht zum 29. Juni wurden in Varna Bomben gegen die. Synagoge und ein jüdisches Haus geworfen, ohne' Schaden anzurichten. Es ist der vierte Bombenanschlag gegen jüdische Häuser, der in den letzten Wochen dort verübt wurde. 140 Mitglieder der kürzlich gegründeten judenfeindlichen" Organisation der „Fortschrittskämpfer Bulgariens" wurden auf Veranlassung des Innenministers Krasnowski, der sich aus Sofia nach Varna begeben hatte, verhaftet. G riechenland Die Jüdische Gemeinde Athen hat der nationalen Regierung eine Ergebenheitsadresse überreicht, in" der "sie den Dank der Juden Griechenlands für die. Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung im Lande und für die Fürsorge, die die Regierung der jüdischen Bevölkerung ' angedeihen lässt, zum Ausdruck bringt. Irland Der bisherige Abgeordnete des irländischen Dail. Robert Briscoe, ist trotz heftiger judenfeindlicher Propaganda in seinem Wahlkreise wiedergewählt worden. Er gehört der Regierungspartei an und spielt seit vielen Jahren in der irländischen Politik eine bedeutende Rolle. Mit Präsident de Valera ist er eng befreundet und hat ihn auch auf seiner Anierikareise begleitet. Briscoe nimmt am jüdischen religiösen und Gemeindeleben aktiv teil. Polen Die Vorgänge in Czenstochau, über die wir bereits berichteten, haben nunmehr ein gerichtliches Nachspiel gefunden. Das Kreisgericht hat den jüdischen Fleischergesellen Josef Bendrak, der den Träger Stefan Baran im Streit erschlagen hatte, zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. In Radomsk wurden Angriffe auf die jüdische Bevölkerung verübt. In Wolomin bei Warschau wurden die Schilder jüdischer Geschäfte mit judenfeindlichen Aufschriften versehen und zahlreiche Fensterscheiben jüdischer Häuser wurden eingeschlagen. In der Gegend von Myszkow wurden in einer Reihe von Dörfern jüdische Häuser und Läden demoliert. In K o z i e 1 o w y wurden die Stände jüdischer Markthändler und die Fenster der Synagoge und viele r jüdischer Häuser eingeschlagen. In Zakopane wurden Hand in Hand mit einer antijüdischen Boykottaktion zwei Bomben gegen jüdische Geschäfte geworfen. In P r z e m y s 1 wurden mehrere jüdische Passanten überfallen und misshandelt; ein Jude wurde schwer verletzt ins Krankenhaus ein- Japanisches; Skizzenbuch * Von Hilde Rosenthal, Tokio Ankunft } Tokio, Frühjahr 1937. ■■f& Verlässt der Neuankömmling in Tokio das Bahnhofsgebäude, glaubt er sich in eine europäische Grosstadt versetzt. Wolkenkratzer, moderne Prachtbauten erheben sich um das Bahnhofs viertel (Marunouchi). Die bedeutendsten Banken haben hier ihren Sitz, Ver- 'Sicherungen und Schiffahrtsgesellschal'ten, ausländische Firmen, Rechtsanwälte usw. ihre Büros. „ Doch eine Wendung des Autos zeigt sofort -|| das entgegengesetzte Bild, ein Bild das wohl keine andere Grossstadt der Welt malerischer?~ zu bieten vermag: von breiten Wassergräben s von der übrigen Umwelt getrennt, von uralten t Bäumen umrahmt, erhebt sich inmitten seiner 5 Gärten, hoch über der Stadt, der Kaiserliche Palast, der das eigentliche Kernstück derMetropole bildet. Wie ein Märchenschloss, in bizarrer C Formenschönheit, in weiter Ferne thronend, '\ mutet der blendend weiss schimmernde Palast "T an, abgeschnitten von dem pulsierenden Leben, >h das zu seinen Füssen abrollt. Kein gewöhnlicher Sterblicher hat dorthin Zutritt, es sei denn, er kann eine vorschriftsmässige Einladung vorweisen. Nur bis zum Haupteingang, der „Nijubashi" (Doppelbrücke), die dem Beschauer zwar wenig Sicht, dafür aber die Genugtuung verschafft, auf kaiserlichem Grund und Boden zu stehen, ist der Zutritt für die breitere Oeffentlichkeit gestattet. Der Respekt der Nipponesen vor dem kaiserlichen Haus sitzt so tief, dass Vk* .yorüberfahrende oder Vorübergehende beim % Anblick dieser Brücke sich ehrfurchtsvoll ver- ^1 neigen. Der Blick haftet am Schloss. Man lnerkt kaum, dass der Wagen inzwischen längs W deS den kaiserIicnen Grund und Boden umspan- Ä nenden Wassergrabens abgebogen ist. Er passiert einen Teil des sich wie ein Ring um die kaiserliche Residenz schliessenden Regierungsviertels (Kojimachi) mit seinen Ministerien, seinem Parlament (ein getreues Abbild des Capitols in Washington), mit den Botschaften und Gesandtschaften der ausländischen Regierungen. Elektrische Bahnen, Omnibusse, Taxis fahren in rascher Folge durch die breiten asphaltierten Strassen, unterstreichen den. hier durchaus „westlichen'' Einschlag der Stadt Aber «ach zehn Minuten weiterer Fahrt ist man gezwungen, diesen Eindruck zu revidieren. Die breüen Strassen sind verschwunden, enge Gassen beginnen, in denen nur die Tokioter AutochauM'eure zu fahren und auszuweichen verstehen. Kleine, unansehnliche Holzhäuschen, von der Witterung geschwärzt, stehen dicht beieinander, machen sich gegenseitig das Tageslicht streitig. Einer kann dem andern ins Haus hineinsehen, zumal die Schiebetüren, meist aus Holz und Papier, tagsüber weit offenstehen. Dann wiederum passiert man kleine und grössere Gärten, in deren Mitte gepflegte japanische Häuser stehen, von der Strasse durch Bambus, Wellblech — oder Holzzäune getrennt. Auch ihre Tore sind geöffnet, damit der Vorübergehende die schönen Pflanzen, die üppig blühenden Sträucher oder die Gartenanlagen bewundern kann. Keinem Menschen werde es hier je einfallen, in das fremde Haus einzudringen, etwas Unrechtes zu tun. Die Nipponesen sind ein überaus ehrliches Volk. Ein Abend Tokio ist auf Hügeln aufgebaut, hinauf und hinunter fährt der Wagen, einmal links, dann wieder rechts herum, hinauf, hinunter, wieder links, wieder rechts, wieder hinauf, wieder herunter. Ein unentwirrbares Knäuel von Gassen und Gässchen, aus dem man nie zurechtzufinden vermeint. Jeder Distrikt hat seine eigenen Tempel, ja, meist sogar jede Strasse. Es ist nur natürlich, dass: es mich am Tage der; Ankunft nicht lange im Hause hält. Die Ungeduld packt, am abendlichen Vorstadtbummel teilzunehmen. Denn ganz plötzlich hat Dunkelheit eingesetzt — eine Dämmerung kennt man hier nicht. Lichter flammen auf! Doch die schmalen Gassen, die in die Hauptstrasse münden, sind in Dunkel gehüllt, nur sehr schwach erhellt durch grüne, weisse und rote Lämpchen vor den Häusern. Die Häuser mit den roten Lampen verraten die Praxis eines Arztes, die mit weissen locken den Gourment zu kulinarischen Genüssen. Aus den Häusern mit den grünen Lampen tönen die zarten Klänge des Samisen (meist verbreiletsles japanisches Musikinstrument) heraus, in die die dünnen Stimmchen der Spielerinnen einstimmen, die zum Besuch einladen — Geishahäuser! Aus der Dunkelheit heraus führt der Weg endlich in die Haupistrasse des Distrikts. Die Lichterfülle blendet. Man merkt, dass elektrische Beleuchtung, hier billig ist. Tausende von Glühbirnen vom leuchtendsten Rot über Gelb, Grün und Weiss zu Blau schmücken verschwenderisch ganze Häuserfronten. Lärmen und Treiben ist in den Strassen. Einen Sieben-Uhr-Ladenschluss kennt man hier nicht. Bis elf Uhr nachts sind die Geschäfte (Warenhäuser bis neun Uhr abends) geöffnet, zu denen sich noch als Konkurrenz ab sieben Uhr die in den Hauptstrassen aufgestellten Buden mit ihrer ungeheuren Warenfülle gesellen. An den Ecken „parken" Stehimbiss-Buden, Holzkarren, auf denen billige Spezialgerichte gekocht werden. Was es ist, kann man nicht enträtseln; es sieht für unser Auge höchst fremdartig aus, und auch die Gerüche wirken auf unsere Nerven nicht gerade verführerisch. Dass zur Weihnachtszeit bei uns Tannenbäume auf den Strassen zum Verkauf stehen, ist ja durch das jährliche Fest nur zeitbedingt. Dass hier aber ganze Sträucher und Bäume (die Wurzeln sind sauber mit Stoffen abgebunden) tagtäglich reissenden Absatz finden und in ihrer ganz enormen Länge hin und her transportiert werden, ist schon verblüffend. Transportschwierigkeiten gibt es nicht, denn es sind ja genügend Hände da, die anpacken helfen g . . Von der belebten Hauptstrasse führt ein kurzer Weg hinauf zum Vergnügungsviertel des Distrikts. (Fast jeder Stadtteil hat sein eigenes Vergnügungsviertel.) Kino an Kino, mit japanischen Programmen, Bars an Bars, nach europäischem Muster eingerichtet, unbeschreiblich ungemütlich. Zwar gibt es Stühle und Tische, aber sie sind klein, eng und unbequem, sind so in Form und Geschmack zugeschnitten, wie sich die Nipponesen den europäischen Stil vorstellen, wie er aber in Wirklichkeit nicht ist. Geishas passieren die Strassen, einige von ausserordentlicher Schönheit, erkennbar daran, dass sie den Kimono in anderer Weise schliessen, erkennbar aber auch an der Frisur, an dem unnatürlich g-?weissten Gesicht, dessen Bemalung bis zum Hals hinunter reicht und dadurch um so krasser den Unterschied zwischen der natürlichen gelblichen Hautfarbe und dem künstlichen Weiss der Puderschicht hervorstechen lassen. Schiessbuden locken zahlreiche Gäste an, 'eizende kleine europäisch gekleidete Barfräuleins laden mit unwiderstehlichem Lächeln und nimmermüder Freundlichkeit zu einem Drink ein. Unzählige Schilder mit quer übereinander gelegten Queues und Bällen auf grünem Grund, elektrisch beleuchtet, winken zum Eintritt. Das Billardspiel ist hier besonders beliebt. Grosse wegen der japanischen Schriftzeichen horizontal beschriebene Transparente, in den fröhlichsten Farben schillernd, fügen sich vorschriftsmässig ein in die Buntheit und in das Gewimmel des abendlichen Lebens, das gegen elf Uhr ziemlich abrupt endet. Die Erde bebt An Schlaf ist vorläufig nicht zu denken. Mir ist, als ob das Bett mit rasender Geschwindigkeit vorwärtsgetrieben wird — ich bin immer noch im „Fahrzustand". Zu viel neue Eindrücke sind auf mich eingestürmt, immer neue Büder ziehen vorüber, die der Sandmann nicht bannen kann. Aus der Ferne wird ein Trommeln hörbar, das langsam lauter wird, näher dringt. Es ist, als ob zwei Stöcke aneinandergeschlagen werden und als ob dieses Spiel mitten in der