Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 26 (1.7.1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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i Palästina-Umschau der C.-V.-Zeitimg Diskussion um Vermutungen Peel-Bericht im Mittelpunkt — Kommt round table? Nachdem noch in der vergangenen Woche Zweifel daran aufgetaucht waren, ob der viel erörterte Teilungsplan tatsächlich den Inhalt des mit Spannung erwarteten Kommissionsberichtes bilden würde, ist nunmehr die ganze englische Presse davon überzeugt, dass die Empfehlungen der Kommission auf eine Teilung des Landes hinauslaufen werden. Diskutiert werden lediglich noch die Einzelheiten der Teilung und die voraussichtliche Aufeinanderfolge von Veröffentlichung, Parlamentsberatung und endgültiger Entscheidung. In sehr bestimmter Sprache lässt sich die offiziöse Londoner Zeitschrift „Great Britain and 1he East" vernehmen. Sie warnt die gegnerischen Parteien, die Regierung durch Proteste einzuschüchtern, da man entschlossen sei, solchen Versuchen mit fester Stirn zu begegnen. Die gegenwärtige Diskussion auf der Grundlage unzureichender Tatsachen sei gefährlich, da man durch unüberlegte Worte leicht weittragende Folgen hervorrufen könne. Der Londoner ..Observe r" macht sich zum Wortführer des jüdischen Standpunktes, indem er die wirtschaftlichen und kulturellen Leistungen der Juden in Palästina darstellt und die britische Regierung nachdrücklichst auf die ihr aus ihrem Versprechen den Juden gegenüber und aus der Lage der Juden in der übrigen .Welt erwachsenden Pflichten hinweist. Zu der Art der Bekanntgabe des Berichtes vermutet ..Manchester Guardian", dass die Regierung den Bericht vor ihrer erst im Spätsommer zu erwartenden Entscheidung veröffentlichen werde. Die Veröffentlichung werde -EUGEN SCHWARZ- MÜNCHEN Domfreiheit Konserven und Kolonialwaren SPEZIALITÄT: KAFFEE Versand nach allen Orten Deutschlands. Bitte verlangen Sie die Preisliste! voraussichtlich Mitte Juli, die Bekanntgabe der Regierungspolitik erst im Spätsommer erfolgen. Anderen Informationen gemäss soll die Zusammenfassung der Kommissionsvorschläge in der ersten Juliwoche in Palästina veröffentlicht werden. Der vollständige Wortlaut des Peel- Berichtes soll dann einen Monat später gleichzeitig mit den Beschlüssen der Regierung bekanntgegeben w-erden. Der arabischen Jerusalemer Zeitung ,.A Difaa" zufolge sind zurzeit Kolonienminister Ormsby-Gore und der zu diesem Zweck nach London berufene Righ Comrr.issioner Sir Arthur Wauchope damit beschäftigt die Richtlinien der künftigen britischen Palästinapolitik im Geiste der Vorschläge der Königlichen Kommission auszuarbeiten. Den Informationen dieser Zeitung zufolge wird auch Dr. Weizmann Gelegenheit haben, mit dem High Commissioner Besprechungen über die Richtlinien abzuhalten, bevor diese der Öffentlichkeit übergeben werden. Die Zeitung will weiter wissen, dass für den Fall,, dass der Teilungsplan sowohl von den Juden wie von den Arabern abgelehnt werden sollte, die Einberufung einer jüdisch-arabischen Round-Table- Konferenz unter den Hospizien der britischen Regierung in London vorgesehen sei. Schliesslich gibt sie noch eine Information wieder, nach der das Palästinamandat zunächst bestehen bleiben solle, was auch dem entschiedenen Wunsche des Kolonienministers entspreche. Einschneidende Aenderungen würden erst in Zukunft vorgenommen werden. In Uebereinstimmung mit einer auch in den ..N e w Yo r k Time s" ausgesprochenen Befürchtung, dass die Veröffentlichung des Berichtes zu einer neuen Unruhewelle führen werde, berichtet auch ..A Difaa", dass das Kolonienministerium mit dieser Gefahr rechne, falls der Bericht den Wünschen der Juden entgegenkommen und die der Araber unberücksichtigt lassen sollte. Anlässlich der Krönungsfeierlichkeiten in London sei jedoch den arabischen Fürsten versichert worden, dass die Lage der palästinensischen Araber durch den Bericht nicht verschlechtert werden werde. Wie die Jerusalemer jüdische Tageszeitung „Haarez" mitteilt, wird die zionistische Exekutive den Leitungen aller zionistischen Parteien und Gruppen noch vor dem Zionistenkongress den Plan der Teilung Palästinas zur Stellungnahme vorlegen. In der Reihe der vorläufigen Proteste sind aus den letzten Tagen die Erklärung der 40. Jahreskonferenz der Zionistischen Organisation Amerikas zu erwähnen, die sich unter Hinweis auf die Bedeutung der Judenheit Amerikas feierlich und energisch gegen jede Verletzung der Balfour-Deklaration oder des Völkerbundsmandats verwahrt hat, und ferner die Entschliessung einer Wiener Massenversammlung der Agudas Jisroel, in der einstimmig erklärt wurde, dass Palästina ohne Jerusalem für die jüdische Orthodoxie jeden Sinn und Wert verlieren. Ausserdem hat das Zentralkonsistorium der Juden Bulgariens an den englischen Ministerpräsidenten Neville Chamberlain ein Telegramm gerichtet, in dem es an die der englischen Nation durch die Geschichte zugewiesene heilige Mission erinnert, und gegen eine Teilung Palästinas protestiert. Wie wichtig übrigens die zionistische Führung vor allem die Stellungnahme der amerikanischen Zionisten nimmt, geht daraus hervor, dass sie die führenden Zionisten Amerikas dringend aufgefordert hat, unmittelbar nach Ende der 40. Jahreskonferenz nach London zu kommen, um bei den gegenwärtigen schwierigen politischen Entscheidungen mitzuwirken. Man weist darauf hin, dass die Anwesenheit der amerikanischen Juden von entscheidender Bedeutung sein könnte. In der Londoner Zeitschrift ,,J ewish C h r o n i c 1 e" unternimmt ein ..besonderer Mitarbeiter" in letzter Stunde noch einmal den Versuch, an Hand eines bis in alle Einzelheiten gehenden Planes die Teilung als vermeidbar erscheinen zu lassen und zu einer allen Teilen zum Vorteil gereichenden Kooperation in Palästina zu gelangen. Die Möglichkeit einer solchen Lösung erblickt der Verfasser in einem systematischen Ausbau der lokalen Autonomie und der nationalen Selbstverwaltung in kulturellen, religiösen und zivilrechtlichen Angelegenheiten. Diejenigen Angelegenheiten, die die gesamte Bevölkerung angehen, sollen weiter unmittelbar der Regierung unterstellt bleiben. Es seien dies das Eisenbahn-. Strassen-, Post- und Telegraphenwesen, sowie die Verteidigung des Landes gegen Verbrecher oder feindliche Angriffe von aussen. Die Durchführung eines Landentwicklungsplanes solle das existenznotwendige Bodenminimum herabsetzen. Bodentausch und der Verkauf des über das Existenzminimum hinausgehenden Bodens solle gestattet bleiben. Die Festsetzung der Arbeiterschedule solle der High Commissioner nach Prüfung der von jüdischer und von arabischer Seite zu unterbreitenden Vorschläge vornehmen. Der gegenwärtige Augenblick, heisst es zum Schluss in dem Artikel, sei vielleicht der kritischste in der Geschichte des Landes. Wieder einmal haben sich die beiden Mütter an Salomon gewandt, und jede behauptet, dass das Kind ihr gehöre. Der durch ihren endlosen Streit ermüdete und erschöpfte Richter spielt mit dem Gedanken, das Kind zu zerschneiden und damit den Streit zu beenden. Aber diese Lösung wäre eine Lösung des Todes. In diesem letzten Augenblick müssten alle diejenigen, die Palästina mehr lieben als sich selbst Juden, Araber und Engländer zusammenkommen, und ihre Kräfte für die Erhaltung des Landes vereinigen. Es sei durchaus möglich, Richtlinien zu finden, die keine Partei schädigen. Zu einer ähnlichen Stellungnahme, nämlich zu dem Vorschlag, dass Juden und Araber sich zu einer Kooperation gegen den Teilungsplan vereinigen, kommt Albert Viton in einer längeren Studie „Kann Palästina Frieden haben?" in der New-Yorker Monatsschrift ,,A s i a". Nach einer Darstellung der politischen Situation kritisiert Viton, dass die Juden sich niemals ernsthaft um die Araber bemüht haben. Die Führer der Zionisten kennen, so meint er, nicht einmal »niIlIIUlIIIIIIIIIIIlIIlIIlI!ItIiUlfIIIIiII!II1II!lIIlI!ini!IIUIfIllllIl!IlIlSHIIll Judah L Magnes 60 Jahre Der Präsident und frühere Kanzler der Hebräischen Universität Jerusalem, Professor Dr. Judah Leib Magnes, begeht am 5. Juli seinen 60. Geburtstag. Seine Persönlichkeit ist mit der Schaffung der jüdischen Forschungsstätte auf dem Skopusberg aufs engste verbunden. Magnes, der 1877 in San Franzisko geboren wurde, hat, bevor er nach Palästina übersiedelte, das Amt eines Rabbiners im Tempel Emanuel in New- York und später das eines Vorsitzenden des Exekutivrates der New-Yorker Kehilla bekleidet. Sein Interesse gehörte schon früh Fragen der jüdischen Erziehung. Anlässlich eines Besuches in Palästina im Jahre 1912 tauchte in ihm zum erstenmal der Gedanke zur Schaffung einer Hebräischen Universität auf. Im Jahre 1918 wurde der Plan Wirklichkeit, Chaim Weizmann legte den Grundstein für das Werk. 1923 vollzog Magnes seine Uebersiedlung nach Palästina, wo er die Amtsgeschäfte eines Universitätskanzlers wahrnahm. 1935 zog er sich aus diesem Amt zurück, um das Präsidium der Universität zu führen. Dem Präsidenten der Hebräischen Universität werden aus Anlass seines 60. Geburtstages zahlreiche Ehrungen zuteil werden. Vor allem haben Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität, zu denen auch namhafte, nach 1933 aus Deutschland eingewanderte Gelehrte gehören, ein Sammelwerk vorbereitet, das in wissenschaftlichen Abhandlungen, die in hebräischer Sprache abgefasst sind, die von der Universität geleistete Arbeit zur Darstellung bringen; in erster Linie haben die Förderung der hebräischen Kultur, die Medizin, die Naturwissenschaften und die Landwirtschaft einen Platz in dem Sammelwerk gefunden. Dem um das jüdische Kulturwerk in Palästina hochverdienten Manne gehören die Sympathien der ganzen Judenheit. die alten Führer des Nachbarvolkes. Ein im vergangenen Sommer der Unruhen von arabischer Seite her. angebahnter Verstäridigungsversuch sei von jüdischer Seite her zurückgewiesen worden. Gerade im gegenwärtigen Augenblick seien aber die Araber mehr denn je zu einem Kompromiss geneigt. Sie leiden schwer unter den wirtschaftlichen Folgen des sechsmonatigen Streiks, und ob aus ihrer Verhandlungswilligkeit Nutzen gezogen wrerden könne, hänge vom Zionismus und von England ab. Vor allem Grossbritannien könne in dieser Stunde viel zur endgültigen Befriedung tun. Es könne auf beiden Seiten die Extremisten zurückdrängen und die weniger radikalen Elemente beruhigen. Wenn es ihm gelinge, die Vorstellung von einem glücklicheren und'höher stehenden Palästina und Arabien, die heute bei vielen arabischen Führern bestehe, zu nutzen, werde dauernder Frieden für Palästina gesichert werden können. Politische Nachrichten Das Britische Kolonialamt hat über die letzten Terrorakte eine amtliche Darstellung herausgegeben, in der festgestellt w-ird, dass diese Zwischenfälle keine "merkliche Spannung zur Folge gehabt haben. Es seien auch keine Anzeichen dafür vorhanden, dass die vereinzelten Terrorakte auf einen vorbedachten Plan zur Störung des Friedens zurückgehen. Im Anschluss an die in der amtlichen Darstellung behandelten Zwischenfälle sind zwei neue Regimenter aus Aegypten nach Palästina gebracht worden. Im King-David-Hotel in Jerusalem hat unter dem Vorsitz des Oberkommandierenden der britischen Streitkräfte in Palästina, General John Dill, eine mehrstündige Beratung sämtlicher Militärkommandanten Palästinas stattgefunden. In Haifa wurde eine Razzia durchgeführt, die sich besonders gegen die Führer der arabischen Terrororganisation ..Die Schwarze Hand" richtete. Ihre Anhänger wurden bei einer Zusammenkunft überrascht und sämtlich verhaftet. Ein Versammlungsteilnehmer, der aus dem Fenster sprang, kam dabei um. Am 27. Juni wurden in der Umgebung von Palästinas neues Strafrecht Von Rechtsanwalt Dr. Hans Kaiisch (Berlin) III. (Fortsetzung.) *) Chap. 17 (151—179) behandelt sehr eingehend die Vergehen gegen die Moral : Vergewaltigung, Verführung, Sodomie, Unzucht (Bordellwesen), Ausbeutung der Unzucht (Zuhälter) u. dgl. m. Strafbar ist Geschlechtsverkehr mit einem Mädchen unter 16 Jahren, doch entfällt die Strafbarkeit, wenn der männliche Teil Ursache hatte, zu glauben, dass das Mädchen über 16 Jahre war (152c). Auf die besonderen Verhältnisse der Mohammedaner zugeschnitten ist die Strafbarkeit des Mannes, der in weiblicher Verkleidung in ein Frauengemach eindringt (169). Strafbar ist auch die Abtreibung, ebenso Veröffentlichungen unsittlichen Inhalts. Von besonderer Wichtigkeit ist Ch. 18 (sec. 180—188): Vergehen "'gegen Ehe und Familienverpflichtungen. Hier ist auf dem Umwege über das Strafrecht einiges geordnet, was in das bürgerliche Recht gehört, dort aber infolge der Zersplitterung des Familien- und Eherechts je nach der religiösen Zugehörigkeit nicht einheitlich und überdies auch nicht immer zufriedenstellend geregelt ist. Auch in Palästina bestand, wie in anderen orientalischen Ländern, infolge der frühen Ehemündigkeit der religiösen Rechte der Missstand der Frühehe. um nicht zu sagen der Kinderehe. Wenn das auch in Palästina keinen grossen Umfang erreicht hatte, so hatte sich doch die Regierung schon seit Jahren bemüht, hier Abhilfe zu schaffen. Man hat den Weg gewählt, nach vorheriger Verständigung mit "sämtlichen religiösen Gemeinschaften, deren keine widersprochen hat, die Dinge im Strafgesetzbuch zu regeln'. Das Mindest-Heiratsalter für eine Frau ist nunmehr das vollendete 15. Lebensjahr (für den Mann ist ein Mindestalter im Kriminal-Code nicht vorgesehen). Strafbar ist, wer mit einer weiblichen Person unter diesem Alter eine Ehe eingeht, die Eheschliessung vornimmt (also der Geistliche) oder bei der Eheschliessung in irgendeiner Eigenschaft mitwirkt (z. B. als Trauzeuge). Die gleiche Strafbarkeit tritt im Falle eines Mädchens über 15, aber unter 18 Jahren ein, wenn nicht bei der Eheschliessung die Einwilligung der Eltern oder Vormünder festgestellt wird. Die Strafe ist sechs Monate Gefängnis (1S2). Die Strafbarkeit entfällt (183), wenn'das Mädchen trotz jüngeren Alters hinreichend entwickelt ist und ein entsprechendes ärztliches Zeugnis beigebracht wird. Zum Schutz von Kindern werden dann noch Strafbestimmungen für Aussetzung, Verlassung, Kinderraub usw. getroffen. Von grossem Interesse — gerade auch für die Juden — ist die Behandlung der Bigamie *) Vergleiche die Aufsätze zum gleichen Thema in C.-V.-Ztg. Nr. 17 vorn 29. April, S. 9, Nr. 21 vom 27. Mai, S. 11, Nr. 22 vom 3. Juni, S. 14, Nr. 24 vom 17. Juni, S. 17 und Nr. 25 vom 24. Juni, S. 14. Hebron die Telephonleitungen von arabischen Terroristen durchschnitten. Es ist in der gleichen Gegend auch wiederholt zu Schjessereien gekommen. * Die gegenwärtige Anwesenheit des Mufti von Jerusalem" in Syrien hat die Führer der arabischen Opposition in Palästina veranlasst, sich gleichfalls nach Damaskus zu begeben, um der dort vom Mufti unternommenen Aktion entgegenzuwirken. Wie der Mufti in einem Gespräch mit arabischen Journalisten erklärte, ist es ihm bereits gelungen, die arabischen Notabein _ in Damaskus zur Einberufung eines arabischen Kongresses nach Jerusalem zu veranlassen. Dieser Schritt diene besonders der Abwehr der als_ "unbefriedigend angesehenen Vorschläge der Königlichen Kommission. In der Unterhaussitzung vom 28. Juni vertrat der Abgeordnete Colonel Josiah Wedgwood den Standpunkt, dass die Reise des Mufti nach Syrien als eine Flucht anzusehen sei, und dass er keinen Anspruch darauf habe, mit „Eminenz" tituliert zu werden. Minister Ormsby Gore bezeichnete den Titel als einen Höflichkeitstitel, wie er auch bei der Anrede der geistlichen Oberhäupter anderer Religionsgemeinschaften in Palästina gebraucht werde und stellte im übrigen fest, dass der Mufti die Funktionen eines Oberhauptes des Mohammedanischen geistlichen Rates noch ausübe. In dem Bericht der Stadtverwaltung von Tel- Aviv über das Finanzjahr 1935/36 wird festgestellt, dass trotz Erhöhung der Einnahmen um über 30 Prozent durch eine noch stärkere Erhöhung der Ausgaben das Defizit 44 000 Pfund betrage. In der Einleitung zu dem Bericht hebt Bürgermeister Rokach hervor, dass Tel-Aviv das Zentrum des jüdischen Jishuw bleiben Wierde und bereit sei, seinen Platz in dem gegenwärtigen Kampf auszufüllen. Die Stadt hege die Zuversicht, alle Schwierigkeiten überwinden zu können. In der Juni-Ausgabe des Statistischen Bulletins des Völkerbundes wird festgestellt, dass die Bautätigkeit in Palästina in den ersten vier Monaten des Jahres 1937 um 39 Prozent geringer war als in dem gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. (1S1). Wer bei Lebzeiten des andern Gatten zum zweitenmal eine Ehe eingeht, ist wegen Bigamie strafbar. Bigamie ist eine Felony und wird mit fünf Jahren "Gefängnis bestraft. Die Strafbarkeit entfällt, wenn der erste Gatte zur Zeit der Eingehung der zwreiten Ehe sieben Jahre abwesend war, ohne dass innerhalb dieses Zeitraums ein Lebenszeichen von ihm zu erhalten war. Sachlich entspricht das der uns geläufigen Verschollenheit. Diese Bestimmung ändert übrigens nicht das religiöse Recht, wenn^ dieses eine" Verschollenheit nicht kennt. Das ist bekanntlich im jüdischen Recht der Fall und hat den viel beklagten Missstand zur Folge, dass eine Agunah nicht wieder heiraten kann. Die Strafbarkeit entfällt auch, wenn das Gesetz, das den „Personal Status" des Mannes zur Zeit der ersten und der zweiten Eheschliessung regelt, ihm gestattet, mehr als eine Frau zu haben. Damit ist den Mohammedanern die Mehrehe gewährleistet. Die Bestimmung, dass der Mann" bei beiden Eheschliessungen denselben religiösen Status gehabt haben muss, hat den Zweck, zu verhindern, dass ein Religionswechsel erfolgt, um eine zweite Ehe schliessen zu können. Wie steht es mit den Juden? Wieder einmal muss darauf hingewiesen werden, dass ein dringendes Bedürfnis besteht, diese Frage für Palästina eindeutig und massgeblich zu regeln. Es wird nachgerade eine Prestigefrage. Seit dem Bann des Rabbi Rabbenu Gerschom kennt der abendländische Jude die Ehe nur als Einehe. Bei den morgenländischen Juden ist das nicht der Fall. Ist auch die Zahl derer, die in Mehrehe leben, bei den morgenländischen Juden nicht sehr gross, so leben doch tatsächlich und von Rechts wegen jemenitische und, was weniger bekannt ist, tunesische Juden in Mehrehe. Palästina ist eins der Länder, in denen der Bann des Rabbi Gerschom nicht gilt. Es hat dort immer — wenn auch recht selten — einheimische Juden gegeben, die in Mehrehe lebten. Jemenitische und andere Einwanderer kommen gelegentlich mit mehr als einer rechtmässigen Frau nach Erez Jisrael. Man hört jetzt manchmal behaupten, die aschkenasischen Juden Europas hätten bezüglich der Einehe ihren Minhag nach Palästina mitgebracht. Dass sie ihn dort befolgen, dürfte" ausser Zweifel sein. Aber der Jurist, der auf die Dauer die Frage nicht umgehen kann, sondern eine klare Entscheidung haben muss, kann sich damit nicht begnügen. Gilt das Recht, das die Einwanderer mitgebfacht zu haben glauben, oder gilt das Recht, das im Lande von jeher galt? "Oder sollen gar beide nebeneinander gelten? So ist nämlich die tatsächliche Uebung. Es fragt sich, ob ein aschkenasischer Jude, der eine Mehrehe schliessen will, daran religionsgesetzlich verhindert werden kann. Nach aussen gibt es in Palästina nur eine jüdische Gemeinschaft mit einem Recht. Was will man machen, wenn ein Jude wegen Bigamie angeklagt wird und sich auf Grund des Code darauf beruht, dass das jüdische Recht es ihm in Palästina erlaube? Kann man ihn widerlegen? Hier muss bald durch die massgebenden jüdischen Autoritäten das entscheidende Wort gesprochen werden. INTERNATIONALES SPEDITIONSBÜRO Spezialisten mit langjährigen Erfahrungen für: BROKERHOFF & LIPSCHUTZ lt. UMZÖGE NACH PALÄSTINA BERLIN C 2, FROMMElsreASSE 1 a / Fernruf 420422 Verpackungen an allen Plätzen D^^^ * kostenlose Umzugsberatung