Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 26 (1.7.1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2277379-2277516-2277542--12018-2281595- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 10__ OV.jfeitunfl ' _ Nr. 26» I.Juli 1937 tiktket Bettfam Mes&ii Midi scheinen, Julius Levin an eine verhängnishafte Problematik gerührt. Es gibt Beispiele, dass grosse Religiöse auch, grosse Psychologen gewesen sind. Psychologie aber, die sich selbständig macht, . ist der- Gefährdung und Zerstörung ausgesetzt. Psychologie, an deren Horizonten -die .Realitäten' des Glaubens, die Ordnungen des Geistes nicht mehr stehen, stürzt in die Abgründe ab. Der Weg darf nicht nur nach innen gehen. Der Blick muss eine Sicherung suchen am Absoluten, am Objektiven. Es ist. die imermessliche Weisheit der biblischen Offenbarung, dass vor Hiob, der nach den Gründen und: nach dem Verschulden sucht, in Gottes Niels Hoyer (Ernst Harthern) : Heimwärts. Franz Leo & Comp. Verlag, Wien 1937. Heimwärts, das heisst von Deutschland über Schweden nach Palästina. Ein Reisetagebuch, das neben den sehr schönen Betrachtungen über Erdteile und Länder unendlich viele Probleme zu deuten versucht. Es gibt wohl keine seelische Kombination, die die letzten Jahre für uns Juden erzeugt hat, die nicht in ungeheuer geschickter Form hier behandelt wird. Sei es die Diasporafrage oder die glühende Zionsbegeisterung, die Taufe oder die Zwitterstellung von Kindern aus Mischehen und die Mischehe selbst. Niels Höver versteht es, uns immer wieder Menschen begegnen zu lassen, die, mit diesen Problemen beladen, nun Stellung zu der Entwurzelung aus der Umweit und der Neueinwurzelung in den alt-neuen Boden nehmen müssen. Er hat dabei die Technik, diese Dinge scheinbar am Rande zu besprechen. Aber man fühlt, wie stark gerade diese menschlichseelischen Dinge für ihn doch der Mittelpunkt der Betrachtungen sind. Wie er selbst Palästina sieht, ist für jeden, auch für den, der das Land kennt, ungemein packend, wenngleich manchmal die ständige Wiederholung von Begriffen wie ..Judenbauer" etwas maniriert und ermüdend wirkt. Auch dem Lande Palästina gegenüber, verliert er, obschon er es als d i e Lösung der Judenfrage betrachtet, nicht die notwendige Objektivität. Er erkennt die Schwierigkeiten und wägt sie ab, ohne bei der Darstellung des so oft geschilderten Stoffes jemals in ausgefahrenes Geleise zu geraten. Er sieht neuartig, und deshalb wird seine Schilderung auch zum Erlebnis. Gerade dadurch, dass er auch die ernsten Probleme des Zusammenlebens von Juden und Arabern und Juden des Westens mit Juden des Ostens in aller Offenheit aufzeigt und kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es zu tadeln gibt, gewinnt sein- Lob an Glaubwürdigkeit und Stärke. Von ergreifender Menschlichkeit sind gelegentliche Wiedersehensschilderungen. Man lernt durch ihn und mit ihm Persönlichkeiten, wie die eines alten, aus Russland eingewanderten idealistischen Freundes, mit einer Lebendigkeit kennen, dass man meint, selbst mit in der kleinen Wohnung in Tel-Aviv im Kreise dieser liebenswerten Familie gesessen zu haben. in den Ritterromanen eine grosse Rolle spielte: der Held erhält einen Auftrag,' dessen Ausführung unmöglich scheint: aber diese Schwierigkeiten werden von den Tieren beseitigt, denen R. Chanina Gutes getan hat. Märchenmotiv auch das Haar, das auf die Schulter des Königs fällt und ihm Sehnsucht einflösst, die ursprüngliche Trägerin dieses Haars als Weib zu besitzen; dies Motiv erinnert an den verlorenen Schuh Aschenbrödels, der den Prinzen veranlasst, nach seiner Trägerin zu forschen. Schliesslich noch eine typische Märchen-Bedingung, die dem Helden zu erfüllen aufgegeben wird: die endlich gefundene Trägerin des Haars, die Königin, will nur dann mit R. Chanina zum König ziehen, wenn er ihr das Wasser aus dem Paradiese (Gan Eden) und das Wasser aus der Hölle (Gehinnom) bringen kann: auch diese Bedingung wird mit Hilfe der dankbaren Tiere erfüllt. Siegreich endendes Märchenmotiv: der böse König •kommt zu Tode, R. Chanina erhält die schöne Königin und wird König über Israel! Märchenmotiv ist auch der Zauberwald, in dem zwei Apfelbäume wachsen: die Frucht des einen macht aussätzig, die Frucht des andern wieder gesund; mit der Ausnützung dieser Kenntnis kann ein frommer Jüngling einen König heilen, hohe Würden erringen und die vordem unerreichbare Braut heimführen. Märchenmotiv auch der Wunschring, mit dem man Geld und Gut herbeiwünschen, aber auch jemanden in einen Werwolf verwandeln kann; es ist allerdings ein Werwolf, der auf hebräische Schriftzeichen reagiert. Märchenmotiv auch die Mitwirkung der Naturwesen bei der Aufklärung der Vergangenheit: so erinnern ein Wiesel und ein Brunnen durch aktives Eingreifen den Bräutigam an die vergessene Braut; oder der Mörder, dessen Opfer den Himmel und die Vögel zum Zeugen des Mordes aufgerufen hat, -muss beim Anblick eines ihm zubereiteten Vogels lachen und verrät sich dadurch. % Rein spielmännischen Charakters ist die Geschichte von dem Königssohn, der ausgeschickt wird, Lebensart zu lernen: interessant und anmutig die Art, wie er die Grafentochter gewinnt. deutendem Worte selber als Massbild 'die Schöpfung aufgerichtet wird. Die heutige jüdische Dichtung hat ungeahnte neue Probleme zu bewältigen. Ueber die religiöse Fragestellung hinaus wird es erhabenere Ziele nie geben können. Julius Levin hat diese aus historischem Schicksal heraufgeborenen Aufgaben nicht mehr in Angriff zu nehmen vermocht. Aber er hat, im Raum und in den Grenzen seiner Generation, das religiöse Problem dort lokalisiert, wo es unter entscheidendsten Aspekten, der damaligen Kultursituation zu lokalisieren war. — im Psychologischen. So steht dieser Dichter zwischen den Zeiten, da heute ein Absolutbeitsanspruch des Psychologischen nicht mehr gelten kann. Aber als religiöser Dichter Jenes Romans von einem Hiobsschicksal weist Julius Levin doch auf das Eigenste des biblischen Geistes hin und'damit voraus auf Forderungen, die der. jüdischen., Dichtung in einem .gewandelten Sinne gestellt worden sind. Allerdings sieht Hoyer nur einen Ausschnitt des Landes, denn seine Fahrt führt ihn lediglich von Tel-Aviv über Kiryat Anawim nach Jerusalem und in die Wüste Judäa. Das für die Siedlung so wichtige nördliche Gebiet, das Eiuek, das Hule-Gebiet bis hinauf nach Metulla, scheint er nicht besucht zu haben, obschon gerade ihn, der immer wieder betont, dass ihm das Leben der Judenbauern und nicht, die Stadt das Wichtige sei, dieses Siedlungsgebiet besonders gefesselt haben müssie. So bleibt ihm und hoffentlich auch seinen Lesern vorbehalten, dass er auch diesen Teil Palästinas noch bereisen und dort die Bestätigung seines ersten Eindrucks finden wird. Dr. 31. E. Markus Seckbach: Eine Ahnentafel von 27 Generationen bis zum Jahre 1290. Verlag der Laubhütte, Hamburg 1937. Der Titel ist nicht recht glücklich gewählt; denn er scheint mehr zu versprechen, als er — mit Fug — halten kann. Tatsächlich wird nicht etwa ein und derselbe Mannesstamm 27 Generationen weit zurückgeführt; vielmehr ist die graphische gerade Linie siebenfach unterbrochen durch jden Uebergang von der Ehefrau eines Ahnen zu dessen Schwiegervater. Hätte unter den Vorfahren des jüngsten jetzt lebenden Gliedes der Kette nie eine Verwandtenheirat stattgefunden, so müssten allein in der 27. Generation mehr als 64,5 Millionen Ahnen von ihm existiert haben. Zu gleicher Zeit haben aber nie soviel Juden gelebt. Vielmehr gehen die heutigen mehreren Millionen Ostjuden diesseits und jenseits des Ozeans und die mehreren hunderttausend „askenasischen" Juden in Mittel- und Westeuropa und Amerika auf einige Zehntausend Juden zurück, die im 13. Jahrhundert über Nord- Frankreich und Deutschland verstreut waren. Nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit darf also jeder jüdische Leser dieser Ahnentafel von sich annehmen, dass auch in seinen Adern — in der gleichen Verdünnung wie in denen des Verfassers der Ahnentafel Seckbach — das Blut des Jochanan Aschkenas vom Jahre 1290 kreist. Seckbach numeriert alle Ahnen forllaufend arithmetisch und trennt die verschiedenen Mannesstämme voneinander durch waagerechte Striche. Auf diese Weise kann der Leser zwar In dem zierlichen Gleichnis, mit dem er seine „Ausfahrt" und die Abenteuer mit den schönen Töchtern andeutet, ist die Vorliebe jener Zeit für schalk- und schwankhafte Wendungen erkennbar. In der Tat enthält auch das Maassebuch einige solcher Erzählungen, welche die Intelligenz der Helden der Geschichten darstellen, die ihre Gegner überlisten. Eine solche Schwankerzählung ist eine Geschichte von Rabbi Josse. Dessen zwei Kinder befinden sich in der Gefangenschaft eines harten Fürsten. R. Josse will sie auslösen und bietet dem Fürsten hundert Gulden für ihre Befreiung; der Fürst aber lehnt ab. Da betet R. Josse zu Gott; und dieser sendet dem Fürsten durch den Engel Michael Krankheit. Der Fürst lässt R. Josse holen und will jetzt auf sein Angebot eingehen. R. Josse aber hat von den hundert Gulden schon zwanzig ausgegeben und kann nur noch achtzig zahlen. Der Fürst, dem in Gegenwart R. Josses wohler ist, lehnt wütend ab; aber als R. Josse draussen ist, beginnen seine Schmerzen wieder. Beim nächsten mal bietet ihm R. Josse, der seinen Zustand sehr wohl erkennt, nur sechzig Gulden, die wieder abgelehnt werden. Dies Spiel geht weiter und endet damit, dass der Fürst dem R. Josse nicht nur die Kinder ohne Lösegeld herausgeben, sondern auch ihren entgangenen Verdienst ersetzen muss! Es würde nur einer zeitgemässen Bearbeitung bedürfen, um die Weisheit und Schönheit dieser jüdischen Märchen klar ans Licht zu stellen. Ludwig Strauss hat eine Auswahl aus dem Mäassebuch unter Vergleichung der beiden grossen ersten Ausgaben sorgfältig übertragen und herausgegeben; es gibt aber, wie wir gesehen haben, weit mehr dieser Geschichten, die des Vorzuges einer neuen Herausgabe wert und des Interesses würdig erscheinen. In W i 1 n a wurde eine grosse S c h o 1 e m Alejchem -Ausstellung eröffnet, über 3000 Mitglieder der jüdisch-weltlichen Schulen nahmen teil. In Warschau hatte die Scholem Alejchern-Ausstellung bekanntlich mehr als 60 000 Besucher, mühelos aus der Gegenwart in die Vergangenheit zurückschreiten. Es ist für ihn aber beschwerlich, den umgekehrten Weg zu gehen; dies hätte ihm durch die in der Genealogie übliche Bezifferungsweise (Proband — Ziffer 1, sein Vater das Doppelte, seine Mutter das Doppelte plus 1) vereinfacht werden können. Nicht voll gelungen scheinen in vielen älteren Fällen die "Jahreszahlen eingesetzt. Was soll sich der Leser z. B. bei Nummer 74 denken: ..R. Josef Trewes. geb um 1305 . . . lebte um 1343 . . ."? Gerade weil die Wissenschaft der Genealogie in Schwang gekommen ist, sollte jeder, der darüber schreibt, höchste Anforderungen an sich selbst stellen. Die Aufzählung der Ahnen ist eine erste Materialsammlung. Schon diese Vorarbeit ist gewiss nicht einfach, und doch besagt sie an und für sich wenig. Man müsste die Personenketten unter biologischen, soziologischen, geistesgeschichtlichen und geographischen Gesichtspunkten in ihrer Entwicklung schildern, wenn anders sie das Interesse einer w-eiteren Oeffentlichkeit beanspruchen sollen. Das dürfte eine vieljährige Vertiefung in den Stoff voraussetzen. Aus der blossen Aneinanderreihung von Personen zu einer Ahnentafel vermag aber auch der unmittelbare Familienangehörige für sich nicht viel mehr abzuleiten, als einen vagen Stolz auf — Namen. Die Enttäuschung darüber ist unausbleiblich. „Weh dir, dass du ein Enkel bist" Die Rabbinen des Mittelalters, deren ,.Iichusbriefe" Seckbach als wesentliches Material benutzt, haben jedenfalls diese, ihre Ahnentafeln nie gesondert für sich veröffentlicht, sondern immer nur als Einleitung zu einem exegetischem Werk. Diese Verwendung sollte besagen, dass sie als Glieder einer langen Kette lebendiger geistiger Tradition die Verpflichtung auf sich nahmen, das Erbe anzutreten und es zu mehren. Hanns Reissner. Isaac Goldberg: Major Noah. The Jewish Publication Society of America, Philadelphia 1936. Allzu wenig weiss man bisher von dem Wirken der Juden in Amerika aus früherer Zeit — im Amerikanischen und im Jüdischen. Diese ausführliche Biographie des amerikanischen jüdischen Pioniers Major Noah (Mordeehai Manuel Noah, 17S5—1851), den schon Dubnow im neunten Bande seiner Geschichte (S. 301 ff.) erwähnt, ist daher sehr zu begrüssen. Der Verfasser der Monographie, ein bekannter Romanist, hat aber viel neues Material beigebracht, und er hat vor allem auch die Korrespondenz Noahs und seiner Gattin heranziehen können. So erscheint Noah als der Jude der nachrevolutionären Epoche der United States. Geboren in Philadelphia, erzogen bei seinem sehr patriotisch gesinnten Grossvater Jonas Phillips, wurde Amerikanisches, und Jüdisches in ihm harmonisch entwickelt. Als Diplomat gab er eine Anzahl bedeutungsvoller Zeitungen.heraus, als Dichter schrieb er volkstümliche Dramen, von denen, noch 1933 zur Zweihundertjahrfeier von Washingtons Geburtstag „Marion or the Hero of Lake George" von Studenten der" Columbia-Universität aufgeführt wurde. Seine politische Rednertätigkeit, seine Freude am Predigen in der Synagoge, vor allem als Verteidiger der Juden gegen Vorurteile im Auslande und daheim erlangten einen gewissen Höhepunkt in seinem Versuche, auf Grand Island , bei Buffalo eine Zufluchtsstatt für Juden „Ararat" zu gründen. Obwohl die Grundsteinlegung (1825) mit grossem Pomp unter lebhafter Teilnahme der gesamten Bevölkerung stattfand, schlug der Plan fehl. Die Idee einer Judenstadt stiess auf vielfachen Widerstand in fast allen Ländern, insbesondere auch bei den Rab- Kostbare Bücher aus Stockholm In der Preussischen Staatsbibliothek in Berlin wurde eine Ausstellung aus den Beständen der Königlichen Bibliothek in Stockholm eröffnet. Was da in Vitrinen ruht? gehört mit zum Besten bibliophiler mittelalterlicher und modernerer Buchkunst. Man bewundert die vollständige schwedische Bibelübersetzung. Upsala 1540/41, eine Ausgabe mit wertvollen Holzschnitten. Dies Werk ist in Deutschland von Richolff gedruckt. In der Berliner Ausstellung ist der Holzschnitt mit Salomos Tempel und einer mittelalterlicheren Vorstellung von seinen Säulenstellungen aufgeschlagen. Weiter Davids Psalter in Finnisch, besorgt von dem finnischen Reformator Agricola, in Schweden gedruckt 1551 von dem heimischen Laurentsson. Aus weit früherer Zeit zeigt die Ausstellung die Bibelübersetzung des Gothenbischofs Ulfila, dem Codex Argenteus Upsaliensis, der, wie der Name schon kündet, in Upsala Ende des 5. Jahrhunderts redigiert wurde. Man verzierte diese Bibelübersetzung mit interessanten Initialen wie die illuminierten Handschriften, die gleichzeitig in Italien und Deutschland geschaffen wurden. Sehr wertvoll die Bekanntschaft in der Staatsbibliothek mit jenem „Wegweiser durch die Bibel", in dem man die erste mit Karten illustrierte Ausgabe vor sich hat, überhaupt das allererste Buch, das in Schweden erschien. Das war 1588, der Drucker heisst Gutterwitz in Stockholm, und der Verfasser Henricus Bünting nennt sein Werk „Itinerarium Gagrae Scripturae". Unter den zum Teil kostbar gebundenen Bibeln aus der Stockholmer Königlichen Bibliothek muss man die von Karl XII. hervorheben, die er auf seinen Feldzügen mitgenommen hatte. 1703 herausgegeben, ist sie mit goldenen Schliessen verziert und erfreut durch den guten Erhaltungszustand ihres schweren Ledereinbandes. Die sogenannte Gustav-Adolf-Bibel aus dem Jahre 1618 führt in die Abteilung der Ausstellung, die der Reformationszeit gewidmet ist. Gustav Adolf als Kind zeigt der Kupferstich von Sebastian Furck, und das Bildnis, das Willem van Delft nach Michael Johann Miereveld geschaffen, gehört ja mit zu den besten Kupferstichporträts der Zeit. Die Ausstellung binern. Erst 1844 nahm Noah den Plan in mehr zionistischem Sinne wieder auf und schrieb „Discourse, of the Restoration of the Jews", eine Rede, die am Laubhütten fest gehalten wurde. Hier wird als Zentrum Palästina' genannt. So wird er der Vorläufer von Hess und Herzl. Inzwischen widmete sich Noah neben seiner Tätigkeit als Sheriff in New-York ganz besonders jüdisch-kulturellen Aufgaben, was^in mannigfachen Plänen zum Ausdruck kam, wie z. B.dem der Gründung eines Hebrew College, an dem die Kinder eine ..klassische Erziehung und regelrechten Unterricht in der hebräischen Sprache erhalten sollten und gleichzeitig die Grundlehren ihrer Religion kennen und üben lernen". Goldbergs Buch enthält eine vollständige Bibliographie von Noahs Schriften und Aufsätzen, sowie'einen Index aller vorkommenden Namen. Josua Friedlaender. Literarische Notizen Das 34. Jahrbuch der Amerikanischjüdischen Historischen Gesellschaft ist in New-York erschienen. Unter den Arbeiten, die es enthält, befindet sich eine Geschichte der Juden von Newport, die aus Holland über Südamerika, Westindien und Jamaika einwanderten; Professor Guido K i s c h berichtet die Geschichte eines deutschen Juden Samuel, der sich 1819, da er kein Reisegeld hatte, dem Kapitän „verdingte", es in Amerika abzuarbeiten. J. R i w k i n d schreibt über die ältesten hebräischen Dokumente in Amerika seit 1636. einen Kommentar zu den Sprüchen der Väter, 1660 gedruckt, und Handschriften aus dem 18. Jahrhundert; J. N. Newman über jüdischdeutsche Briefe aus den USA vom 18. Jahrhundert. J. J. Hart stein beschreibt die Talmud-Thora- Schule, die 1S02 in New-York gegründet wurde, da wurde täglich drei Stunden Hebräisch gelernt. Und A. F. Lesser bringt Ada Isaacs Mencken in Erinnerung die in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ,.Die schönste Schauspielerin der Welt"; Jüdin von Geburt und stolz darauf, trat sie später mit englischen Zionshymnen in „The Israelit" hervor. # Von den 5S0 jüdischen Zeitschriften, die das Jiwo in Wilna 1935/36 registriert hat, ist die Mehrzahl jiddisch. Hebräische Zeitschriften erschienen 1935/36 nur in Palästina, Lettland, Oesterreich, Polen, in der Schweiz in Rumänien und USA, jiddische in Australien, Belgien, Brasilien, Danzig, Süd-Afrika, Holländisch-Indien, Chile, Tschechoslowakei. Litauen. Lettland, Mexiko, England. Po]en, USA, Finnland, Frankreich, Kanada, Cuba, Russland und Rumänien. * J. J. Singers bekannter Roman „Josche Kalb", mit dessen Dramatisierung Morris Schwarz in Amerika und Europa Serienerfolge erzielt hat (jetzt folgt eine hebräische Aufführung in Tel- Äviv), soll unter Schwarz' Regie verfilmt werden. Die Aufnahmen werden in Polen und Amerika gemacht,, das Budget für den Tonfilm soll 150 000 Dollar betragen. * Die Warschauer Filmgesellschaft Feniks bereitet die Verfilmung von Anskis „Dyb.uk" vor. Mark Arnstein hat die künstlerische Leitung, Michal Waszinski die Regie übernommen, die Hauptrollen spielen Abraham Morewski, Dina Halpern, A. Gamberg und Mosche Lipmann. * In L o n.d o n gastieren zur Zeit zwei jiddische. Ensembles, Josef Scbeingold und Francis Adler im Jüdischen Nationaltheater, Vera K a - n e w s k a und Paul Breitmann in einem anderen Theater in Whitechapel. Neue Schallplatten Moritz Rosenthal, der berühmte Pianist, wurde anlässlich seines 75. Geburtstages von der Victor Record Co., New-York, für Grammophon- Aufnahmen verpflichtet. Jetzt liegt eine Serie von vier Chopin-Platten Rosenthals („M 338") vor, die zwei Nocturnos, zwei Mazurken, zwei Walzer, drei Preludes und eine Polonnaise enthalten. wäre unvollständig ohne die wissenschaftlichen Bücher aus älterer und neuerer Zeit. Schwedens erste wissenschaftliche Geschichte auf urkundlicher Grundlage wurde 1790—1796 von Jonas Hallenberg besorgt und bei J. A. Carlbom in Stockholm herausgegeben, eine Arbeit in fünf Bänden. I. Freinshemius machte sich an eine Fortsetzung der römischen Geschichte des Livius, die er der Königin Christine widmete, ein besonders guter Druck in besonders wertvollem Schweinsledereinband. O.B. Kunstnachrichtea „Burlington Magazine" bringt im letzten Heft Berichte über die Ausstellung der Sammlung David W e i 11 in der Pariser Galerie W i 1 d e n s t e i n & Co., wobei das berühmte Porträt der Gattin Bouchers, das er in seiner besten Schaffenszeit gemalt hat, abgebildet wird. Ueber die Ausstellung Ostasiatischer Kunst im Wiener Oesterreichischen Museum für Kunst und Industrie schreibt Wolfgang Born. W7ährend H. Lunsingh Scheurlcer (Holland) über französische Möbel des 18. Jahrhunderts in Holland schreibt und interessante Beispiele aus der Sammlung Dr. G. Hamburger in Laren und aus den Beständen in den Museen im Haag und in Amsterdam abbildet. Unter den Buchbefprechungcn, die diese Nummer der englischen Kunstzeitschrift bringt, nennenswert die Ausführungen von Tancred Boreni-us über das neu erschienene Werk der früher in Deutschland tätigen Kunsthistorikerin Helene Rosenau ..Design and Meüieval Architecture" (Batsford, 1936). O. B. Die Kunsthistorikerin Dr. Alice Aschheim (Breslau), sprach in ihrem zweiten Dresdner Vortrag, unterstützt durch zahlreiche Lichtbilder, über „Das Alte Testament in der Darstellung berühmter Maler und Bildhauer." Unvorhergesehen war in diesen, für Erwachsene berechneten kunsthistorischen Vortrag das Erscheinen einiger Klassen der jüdischen. Religionsschule, Abänderungen, die als Anpassung an das kindliche Verständnis notwendig wurde, konnten keine Seite recht befriedigen. Immerhin werden viele Anwesende durch die verständnisvollen Erläuterungen angeregt worden sein, sich die gezeigten Bilder von Lucas Cranach, van der Werff, van Bols, Palma Veccio, Rembrandt in der hiesigen Gemäldegalerie wieder einmal anzuschauen. E. ß. Menschen und Länder