Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 26 (1.7.1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 26 * 1. Beiblatt CYZeitung I.Juli 1937 -Seite 3 Das jüdische Sozialwerk in Deutschland Von Dr. Bruno Sommerfeld Grundgedanken der sozialen Hilfe Die zweckmässige und straffe Durchorganisierung der sozialen Einrichtungen in Deutschland ist auf das jüdische Soziahverk nicht ohne Einfluss geblieben. Die tiefer reichende Wurzel des jüdischen Soziahverkes jedoch liegt jn unserer jüdischen Religion. Alle sittlich-religiösen Gebote wollen das soziale Pf lieh tbewusstsein in uns reifen lassen. Das ..Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" (genauer... „denn er ist wie du") verlangt die Ueberwindung des allzumenschlichen Egoismus und packt so den Menschen an der empfindlichsten und zugleich für ihn begreiflichsten Stelle. Die unzähligen Vorschriften, die das soziale Verhalten der Juden im einzelnen regeln, lassen sich sämtlich auf den Kernsatz zurückführen: „Es werden allezeit Arme sein im Lande. Darum gebiete ich dir und sage, dass du deine Hand auftust deinem Bruder, der bedrängt und arm ist in deinem Lande" (Mose 5,15). Das sind die Grundgedanken, auf denen die jüdische Nächstenliebe und Wohltätigkeit beruht. Die Mizwoth, die Gebote des Wohltuns, wurden so zur religiössozialen Pflicht des Juden, dass die Betreuten geradezu einen Anspruch auf Unterstützung zu haben glaubten. Israel Zangwill schildert uns in seinem amüsanten Buch „Der König der Schnorrer" einen solchen Typ, der sich noch wie ein Philanthrop vorkommt, wenn er die Gaben der Reichen annimmt, da sie nur durch ihn ihre religiösen Pflichten erfüllen könnten. Das ist die Kehrseite dieser Art Mildtätigkeit. Das „gute jüdische Herz" wurde vornehmlich für die rein materielle Hilfsbedüri'tigkeit in Anspruch genommen. Die Sozialpolitik der Sammelbüchse hat hinsichtlich des Gebenden wie des Nehmenden ihre schweren Bedenken. Der Gebende fühlte sich schon durch die Spende der Almosen entlastet, anstatt sich dem Dienst aufbauender Sozialarbeit zu widmen. Und die Kraft des Nehmenden wurde in den meisten Fällen mit unerarbeitetem Gelde eher geschwächt als gestärkt. Mit den ersten Almosen sind Menschen nicht selten für ihr Leben lang zu Bettlern gemacht worden, so dass der Schaden den Nutzen überwog. Das jüdische Soziahverk in Deutschland musste daher andere Wege beschreiten, wenn es die vielfältigen und schweren Aufgaben einigermassen bewältigen wollte. Dass in einer Zeit, in der die Grundfesten der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland erschüttert wurden, für die Dachorganisation der Sozialarbeit der \ame „Zentralausschuss für Hilfe und Aufbau" gewählt wurde, sollte mehr als eine kühne Foraiel sein. Die sozialen Einrichtungen Der Zentralausschuss für Hilfe undAufbauhat seit dem Jahre 1933 die einheitliche Leitung über das gesamte Hilfs- und Aufbauwerk inne. Die Fülle der den Juden in Deutschland gestellten Sozialaufgaben machte die Zusammenfassung aller Kräfte erforderlich. Es gelang im Einvernehmen mit den beteiligten Organisationen, den Gedanken der Einheitlichkeit weitgehend durchzusetzen und die Hauptstellefür jüdische Wanderfürsorge, die Jüdische Arbeitshilfe E. V., die Vereinigte Zentralstelle für Berufsumschichtung, die Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe und die Zen.tral wohlfahrtssteile der Juden in Deutschland in einen Gesamtrahmen zu bringen. Als selbständige Organisationen, aber in enger Zusammenarbeit mit der Reichs Vertretung blieben innerhalb dieses Aufgabenkreises das Palästina-Amt und der Hilfsverein der Juden in Deutschland übrig, bei denen aus Gründen ihres Aufbaus und ihres Arbeitsgebiets die Selbständigkeit der Organisationen von allen Seiten als erwünscht bezeichnet wurde. Es ist im Rahmen eines Zeitungsaufsatzes unmöglich, mehr als eine Skizze des Sozialapparates und seiner Funktionen zu geben, aber schon diese Umrisse werden den grossen Umfang des jüdischen Hilfswerks erkennen lassen. Die Tätigkeit des Zentralausschusses und der ihn bildenden Organisationen erstreckt sich auf vier Hauptgebiete: die B e r uf s vo r b e r e it u n g (Erstausbildung und Berufsumschichtung), die Wanderung (Binnenwanderung'und Auswanderung), die W i r t s c h a f t s h i 1 f e (Kredithilfe und Vermiltlungsdienst) und die Wohlfahrtspflege (offene Wohlfahrtspflege und Anstaltswesen). Die folgenden Ausführungen werden nur auf die Aufgaben und Leistungen der Wohlfahrtspflege näher eingehen, da die anderen Gebiete wiederholt ausführlich dargestellt worden sind. Träger der Wohlfahrtspflege sind in erster Linie die Gemeinden. Die grösseren Gemeinden führen die Arbeit selbständig durch. Die mittleren und kleineren Gemeinden können ohne den von den Zentralinstitutionen herbeigeführten Lastenausgleich ihren Anforderungen nicht gerecht werden. Die starke Auswanderung der jüngeren Jahrgänge hat den schon an sich, ungünstigen Altersaufbau der Juden in Deutschland noch verschlechtert und dadurch die Wohlfahrtspflege auf lange Sicht vor fast unlösbare Aufgaben gestellt. Nach den neuesten Ermittlungen sind von 100 jüdischen Menschen 15 im Alter von unter 20 Jahren. 30 im Alter von 20—45 Jahren, 55 im Alter von über 45 Jahren. In vielen Kleingemeinden sind nur die Alten und Leistungsschwachen zurückgeblieben, so dass fast alle Familien hilfsbedürftig geworden sind. Die krasseste Folge des Bevölkerungsrückgangs sind die Gemeinde a u f 1 ö s u n g e n , die auch im abgelaufenen Jahre in einer Reihe von Orten notwendig geworden sind. Zu den betrüblichsten Posteingängen gehören die Briefe, in denen die Gemeindevorstände sich zum Verkauf der Synagogengrundstücke veranlasst sehen. In Auswirkung dieser Umstände mussten 276 Gemeinden zu Notstandsgemeinden erklärt werden. Bei diesen Gemeinden müssen die Zentralinstitutionen auch noch den gemeindlichen Teil der Kosten für die Berufsausbildung und Auswanderung mittragen. Nur wer diese Faktoren berücksichtigt, wird die Anforderungen und Leistungen des jüdischen Sozialwerkes richtig beurteilen können. Die Beanspruchung des Sozialapparates lässt sich mit den Mitteln der Statistik nicht aufzeigen. Wir wissen nichts von den Schicksalen der jüdischen Familien, wenn wir wissen, dass 83761 Personen von der jüdischen Winterhilfe betreut werden mussten. Ein ungefähres Bild der sozialen Situation lässt sich nur aus der unmittelbaren Anschauung, wie sie der Fürsorger hat, gewinnen. Die vorliegenden Zahlenangaben können nur roh die Entwicklungstendenz der Wohlfahrtspflege angeben und dadurch erkennen lassen, auf welchen Gebieten die Tätigkeit künftig verstärkt werden muss und auf welchen sie abgebaut werden kann. Ein Streifzug. durch den Arbeitsbericht des Zentralausschusses des Jahres 1936 zeigt uns, dass die Altersfürsorge erheblich ausgebaut werden musste und künftig noch intensiviert werden muss. Die 2988 verfügbaren Altersheim- und Siechenhausplätze reichten nicht mehr aus, um all den hilfsbedürftigen Alten Aufnahme zu gewähren. In verschiedenen Gemeinden sind neue Altersheime bzw. zusätzliche Plätze geschaffen worden. Wo die Anstaltsunterbringung nicht bewerkstelligt werden konnte, versuchte die Hauspflege Abhilfe zu schaffen. Es wurden — besonders in Krankheitsfällen — Kräfte zur Besorgung des Haushalts und zur Krankenpflege zur Verfügung gestellt. Eine Betreuung der Alten aber auch der anderen Hilfsbedürftigen in Form der offenen Fürsorge bedeuten auch die Speiseeinrichtungen, die im letzten Jahre sehr erweitert worden sind. Einen besonderen Typus dieser Volksküchen stellen die sogenannten Baerwaldküchen in Berlin dar. In den verschiedensten Stadtteilen Berlins wurden in Wohnungen von Familien, die sonst selbst der Fürsorge anheimgefallen wären, Küchen gegründet. Die Gesundheitsfürsorge ist von jeher ein Kernstück jüdischer Sozialarbeit gewesen. Die Aufrechterhaltung der jüdischen Krankenhäuser und Kliniken wird immer schwieriger. Die grossen Zuschüsse sind aus jüdischen Mitteln auf die Dauer nicht aufzubringen, daneben bereitet die Frage des ärztlichen Nachwuchses ernste Sorge. Zu den Aufgaben der Gesundheitsfürsorge gehört auch die Frage der schulärztlichen, berufs- und gewerbeärztlichen sowie der wohlfahrtsärztlichen Versorgung. Die drei der Gesundheitsfürsorge zur Verfügung stehenden Fonds zur Durchführung von Heilkuren für organisch Kranke und Kuren für Nervenkranke wurden 1936 ausserordentlich stark in Anspruch genommen. Es würde zu weit führen, wollte man alle Zweige der Wohlfahrtspflege, wie Kinderverschickung, Schulkinderfonds, Gefährdetenfürsorge usw. zur Darstellung bringen. Aufgaben und Leistungen der Jüdischen Winterhilfe können als bekannt vorausgesetzt werden. Landesverbände und Gemeinden haben dafür Sorge getragen, dass keine Gemeinde mehr ohne fürsorgerische Betreuung ist. Die Wohlfahrtspflege ist nur ein kleiner Teil des umfassenden jüdischen Sozialwerkes. Die für den Fortbestand der Judenheit ungleich wichtigere Arbeit wird von der produktiven Sozialarbeit geleistet. Von der Berufsvorbereituno; mit ihrem grossen Netz von Ausbildungsstellen, von dem 160 Schulen umfassenden jüdischen S c h u 1 w e rk, von den 6S im Dienste der Wirtschaftshilfe stehenden Darlehnskassen und nicht zuletzt von den zentralen und örtlichen Beratungsstellen des Hilfsvereins und des Palästina-Amtes zur Lenkung der jüdischen Auswanderung: ein Soziahverk, das jeden Vergleich mit entsprechenden Einrichtungen ausländischer jüdischer Gemeinschaften aushält, aber ein Werk, das von den verschiedensten Seiten her gefährdet ist. Gefahren und Hoffnungen Das'jüdische Sozialwerk ist in mannigfacher Hinsicht gefährdet. Die ungeheuren Soziallasten werden auf immer weniger Schultern abgewälzt. Der zahlenmässige Umfang der Hilfsbedürftigkeit trat bei der Winterhilfe deutlich in Erscheinung. Jeder fünfte Jude musste betreut werden. Noch ungünstiger wird das Bild, wenn nur die berufsfähigen Jahrgänge miteinander verglichen werden. Wir nähern uns dem Zustand, dass jeder Berufstätige einen Berufslosen miternähren muss. Die sozialen Einrichtungen konnten bisher nur durch die tatkräftige Unterstützung der grossen ausländischen jüdischen Hilfsorganisationen au frech f erhalten werden. Es ist aber völlig ungewiss, wie lange die ausländischen Juden sich noch zu diesen Hilfsleistungen unverändert in der Lage sehen. Die jüdischen Mittel müssen an viele Stellen verteilt werden. Die neuesten Berichte des American Joint Distribution Committee aus Osteuropa, besonders Polen, lassen mit unüberhörbarer Deutlichkeit erkennen, dass die Juden im Osten die materielle Unterstützung noch weit nötiger brauchen als wir. Dieser Gefahr kann nur begegnet werden, wenn jeder Jude ein Hüchstmass von Opferbereitschaft aufbringt und ein innerer Umbau der sozialen Fürsorge vorgenommen wird. Die Sozialarbeit muss mehr und mehr produktiviert werden. Der Sektor der reinen Wohlfahrtspflege sollte nach Möglichkeit verkleinert und die sozialen Einrichtungen nach wirtschaftlichen Gesichtspunk- ■ —"'^-i.....................im...........i..............iwmumi—j Letzter Schmltag vor den grossen Ferien Von Franz Kaelter, Königsberg Letzter Schultag vor den Grossen Ferien! Wir wissen's aus unserer Schulzeit: Wie kribbelte es uns da in den Beinen, wie zählten wir die Minuten, bis die ersehnte Glocke das letzte Mal ertönte, um uns nun die goldene Freiheit auf vier oder fünf lange Wochen zu versprechen: denn jetzt ging es ins Freie, hinaus aus der dumpfen Schulstube, ohne den Druck der Bücherlasche, ohne Belastung der Sinne und des Geistes, selig hingegeben, wie es nur dem Kinde möglich ist, der Sonne, dem Spiel, der ungehemmten Daseinsfreude! . . . Letzter Schul tag bei uns heute in der jüdischen Schule: Da sitzen sie vor einem, die ISO Kinder unserer Schule, und auch auf ihren Gesichtern glänzt die Erwartung, die Freude auf die Zeit des nun beginnenden Lebens in Licht, Luft und Sonne. Und doch — über der Schabbosslunde. welche ja regelnlässig am Ende der Woche alle Klassen unserer Schule miteinander vereint, liegt diesmal ein unausgesprochener Ernst, eine heimliche Wehmut; oedeutet sie doch für acht unserer Kinder nicht nur eine Trennung von der Schule auf vier Wochen, sondern Trennung für ein ganzes Leben: Während vier von ihnen mit ihren Eltern in die Reichshauptsladt ziehen, geht unsere Liesi nach Italien, unsere Sonni gar nach Südafrika und Michael und Hanne- Eva nach Erez Israel. Doch davon sprechen wir ja noch nicht, nur die diesmal besonders zahlreichen Eltern und Freunde, welche heute unsere Gäste sind, um bei der letzten Schulstunde ihrer Kinder dabei zu sein, mahnen an den Abschied. Sonst aber verläuft diese Schabbosstunde in ihrem Aufbau und Stil zunächst so wie ihre regelmässigen Vorgänger: da stehen die Kleinen des ersten und zweiten Schuljahres und singen ihr neu gelerntes Musis mtenliedchen. dessen Kehrreim die ganze Korona lustig übernimmt: da erklären die grossen Mädels gewichtig und im Vollgefühl der vollbrachten Leistung, wde sie sich ihre Strandanzüge in der Magister Kirsch der gute Likör, Magister München VIS In Berlin zu bezichen durch die W cingroUhandlung Bernhard Brauer, Burgstr. 3_Tel. 51 43 40. ten geführt werden. Anfänge auf diesem Gebiet sind bereits gemacht. Einige Altersheime sind in privatwirtschafliiche Regie gegeben worden. Sie erhalten sich zum grössten Teil aus den Beiträgen der Insassen oder ihrer Augehörigen. Bei den landwirtschaftlichen Berufsausbildungsstätten ist man sorgsam bemüht, solche Güter ausfindig zu machen, die bei normaler Bewirtschaftung eine Rente abwerfen. Und bei Unterstützungsanträgen sollte man in jedem Fall prüfen, ob eine Form der Kredithilfe nicht zweckmässiger als Almosen ist. In Polen ist man mit Hilfe des Joint längst zu diesem System übergegangen. Mit der Tendenz zur Produktivierung der Sozialarbeit müsste eine Vereinfachung des Sozialapparates Hand in Hand gehen. Welche Massnahmen in dieser Beziehung am besten getroffen werden können, soll der Entscheidung des von der Reichsvertretung und den Gemeinden eigens dafür eingesetzten Fachausschusses vorbehalten bleiben. Nur unter Anspannung der letzten Kräfte wird es möglich sein, wenigstens den dringendsten Sozialaufgaben gerecht zu werden. Der Leser dieser Zeilen wird sich vielleicht fragen, ob es denn heute noch Juden gibt, die ihre sozialen Pflichten nicht erfüllen. Er wird vielleicht mit leicht gekränkter Miene an seine hohen Gemeindesteuern und seine Spenden für die Jüdische Winterhilfe oder an jüdische Vereinsbeiträge denken und sich von jedem Tadel frei wissen. Diese Einstellung des Gebenden bedeutet die Gefährdung des jüdischen Sozialwerks von innen. Es genügt in dieser Situation nicht mehr, dass jeder das von der Gemeinschaft vorgeschriebene Minimum an Pflichten erfüllt, jeder muss wirkliche Opfer bringen. Aus der Fülle zu geben, ist keine Guttat. In diesem Sinne bleibt für jeden von uns noch viel zu tun. Die Sozialgesinnung der Gebenden darf sich nicht in den festgesetzten Beiträgen erschöpfen, sie muss zu einer ständigen Einsatzbereitschaft für die Verwirklichung des Sozialwerks führen. Nicht minder wichtig ist die Läuterung der Sozialgesinnung beim Nehmenden. Nicht selten begegnen einem in der Sozialarbeit Menschen, die die öffentlichen Mittel in Anspruch nehmen wollen, um ihre — wenn auch bescheidenen — Mittel oder die ihrer Angehörigen zu schonen. Diese Menschen glauben geradezu ein Recht auf Unterstützung in jeder Beziehung zu haben. Sie wollen sich dieses „Rechtes" auf keinen Fall begeben, denn sie „werden doch der Gemeinde Handarbeitsstunde selber angefertigt haben, und die besonders gut gelungenen Arbeiten werden —, wie in einer richtigen Modenschau, meint einer der Ideinen Zuschauer — stolz vorgeführt; da erleben wir in einer schlicht und anschaulich von den Kindern selbst gestalteten biblischen Szene, wie der König Ah ab den Rat des Gottespropheten verwirft und den falschen Propheten folgt. (Unser Lothar, der mit solcher Hingabe den wahren Propheten spielt, ist ja heute zum letzten Mal bei uns!) Einige hebräische Sätze leiten über zu ernsten Gedanken: Morgen ist der 17. Tammus. an welchem die Mauer Jerusalems von dem römischen Eroberer gestürmt wurde, ein Tag ernster Besinnung für das jüdische Volk. Und jetzt denken wir wieder daran: auch diese sonst so frohe und ungetrübte Stunde vor den grossen Ferien wird überschattet von unserem gemeinsamen Judenschicksal, dem seit der Väter Tagen sich keiner entziehen kann. Die acht Kinder treten vor, wir befestigen symbolhaft, wie wir es schon bei so vielen ihrer Kameraden vor ihnen taten, den ..Herzfaden", jenes Zeichen der Verbundenheit unserer Schule mit ihren Kindern, die in die weite, weite Welt verstreut werden. Und gleichsam uns zum Tröste hören wir, was unsere Lore, die vor acht Wochen nach Südwestafrika ging, uns über ihre neue Heimat, die Menschen ihrer Umgebung und über ihr neues Leben schreibt. Und aus dem Brief von Dani, der wie so viele aus unserer Mitte nach Palästina ging, erfahren wir gar, dass er in seinem Kinderheim dort drüben einen Jungen getroffen hat, der lange vor ihm in unsere Schule ging, und der nun schon seit anderthalb Jahren in Palästina ist. Ja, wir spüren es aus diesen Briefen, wir sehen es in den Blicken unserer Abgehenden: über Länder und Meere, über Kontinente und Zonen hinweg bleiben wir uns so nahe, wir, die Zurückbleibenden, und ihr, die das Schicksal von uns losreisst; dieses Bewusslsein mag uns über die bittere Abschiedsstunde hinweghelfen: Ali das. was miteinander verband, als ihr noch mit uns zusammen wäret, bleibt in euch und in uns lebendig, es wird fortwirken in euch und euch die Kraft geben, euren Weg in der Welt gerade und aufrecht zu gehen, als Menschen und als Juden. Uofteusiekue äefätiscUe HMstkmJte Petroleum-Kochherde VerKauf im 2. Stock Ausrüstung für Palästina und Übersee Schriftliche Anfragen an die Ubersee-Abteilung / Telefonische Verabredungen unter 52 OO11 BERLIN C2 SPANO AUER KON I G STR. 2fW\& i® ^ttf&S