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Central-Verein-Zeitung · 1937-06-24 · 25 (24.6.1937) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
25 (24.6.1937)
Date
1937-06-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 25 * 4. Beiblatt CYZeitung 24. Juni 1937 - Seite 13 Abschied von einer Stadt Von Heinz Berggrün Um halb acht geht schon der Zug. Früh stehen sie auf. Durchs offene Fenster sickert kalt und fremd das Taglicht. In der Ecke neben dem nun halbleeren Bücherschrank, in dem die Bände wie schlaftrunken schräg und quer gegeneinandergelehnt sind, liegen die Koffer gepackt; abreisefertig, fast vorwurfsvoll, noch nicht hinausgeschafft zu sein. Aus den Schränken quillt Leere, auf dem Teppich ringeln sich zwei alte Krawatten, abgetragen, zerschlissen. Der Kaffee ist heiss, sie nehmen das Frühstück ohne Hast, es wird kaum gesprochen. Es ist ein gutes Frühstück, aber das Brot bleibt am Gaumen kleben. Dann gehen sie. „Augenblick", sagt der Junge, .,ic'h komme gleich." Er läuft in sein Zimmer zurück, bleibt ein paar Sekunden stehen. Die weissgelackte Eisenbettstelle, der Warenhausschreibtisch (Barmizwa- Geschenk, Ersatz für Kinderpult), das Bücherregal, der Kleiderschrank — es sieht alles ein bisschen verloren aus. Tisch und Stühle und zwei fade Landschaften an der Wand. Gut, adieu. — Vorm Haus steht der Portier, raucht. Es ist ein neuer Portier. Der alte ist vor vier Jahren gestorben. Der alte sammelte Briefmarken, und der Junge sammelte auch Briefmarken. Manchmal ging er nachmittags zu ihm herunter, es roch immer scheusslich nach Kohl, weil der Mann krank war und Diät halten musste, aber der Junge merkte den Geruch nicht, während er bei ihm unten sass und Marken tauschte. ,Wenn er nicht tot wäre, würde ich ihm bald viele fremde Marken schicken können', denkt er. Der neue sammelt keine. Sie gehen bis zur Ecke, wo die Taxis stehen. Frauen in 'Pantoffeln schlürfen vorbei, Milchflaschen und Brötchenkörbchen unterm Arm. Ein Mann mit grauer Mütze auf dem Kopf schiebt einen alten Kinderwagen vor sich hin: Zeitungen, die er austragen wird. Sie steigen in ein Taxi, fahren. Es ist ein ganzes Stück bis zum Bahnhof, aber am Morgen geht es rasch. Die Verkehrsampeln hängen mit leeren Augen in der Luft, wie Vögel, die sich tot in einem Drahtnetz verfangen haben. Vor den Terrassen der Cafes stehen die Stühle überein andergekippt, die Strassenbahnen fahren noch mit Licht. Drüben rechts, denkt der Junge, liegt das Geschäft, aus dem ich den ersten Anzug mit langen. Hosen hatte. Er macht eine unwillige Bewegung. Warum fällt mir das gerade jetzt ein? Wenn ich wollte, könnte ich mir viele solche Dinge einfallen lassen: z. B. die Ecke dort hinter der Kirche, an der ich einmal eine Verabredung mit einem rothaarigen Mädchen hatte, das aussah wie ... ja wn'e eigentlich? Wie eine bestimmte amerikanische Filmschauspielerin jedenfalls, ich komme jetzt nicht auf den Namen. Und hier war das Theater, in dem wir Jungen zum erstenmal „Don Carlos" sahen und „Minna von Barnhelm" und „Hamlet Prinz von Dänemark" und hier ging es zu der altmodischen Wohnung, in der die iEltern früher wohnten, und gleich hinter der Ecke dort lag unsere Stammkneipe, als wir, neunzehnjährig, einen literarischen Verein gründeten mit gedruckten Statuten und ersten und zweiten Vorsitzenden, und hier .. . und dort... Lautlos gleitet der Wagen durch die Strassen. „Zum letztenmal für lange Zeit, vielleicht für immer, fährst du jetzt diesen Weg", sagt der Vater mit halblauter Stimme, er sitzt tief zurückgelehnt im Polster neben der Mutter. „Ja", sagt der Junge, ohne sich umzuwenden, „natürlich." „Fällt es dir nicht schwer, zu denken..." Der Wagen hält. Monoton geschäftiger Betrieb auf dem Platz vor dem Bahnhof: Gepäckträger. Schuhputzer, Zeitungsverkäufer. Der Zug steht schon in der Halle, in zehn Minuten fährt er. Freunde sind da und Verwandte. Sie bilden einen kleinen Kreis um den Jungen, er kommt sich etwas unbeholfen vor, lächelt vor sich hin, steckt Päckchen mit Schokolade und Zigaretten ein. die ihm in die Hand gedrückt werden, sagt: „Es ist ja hoffentlich keine Trennung für die Ewigkeit," und schaut nervös auf die grosse Bahnhofsuhr, weil die zehn Minuten immer noch nicht um sind. Neben ihm stehen Leute mit Aktenmappen; sie fahren wahrscheinlich geschäftlich in die nächste Stadt, 120 Kilometer weit — am andern Tag sind sie sicher schon wieder zurück. Gelangweilt kaufen sie eine Morgenzeitung und blicken etwas verständnislos auf den jungen Mann, mit dem da soviel hergemacht w?ird. Dann kommt das Signal zum Einsteigen. Händedrücke. Küsse. Tränen. Schwerfällig rückt die Maschine an. die Gesichter schwimmen plötzlich ineinander, um den Mund liegt bei allen der gleiche einsame Zug gekrampften Lächelns. Wortfetzen, Blickfetzen, jetzt geht es schon rascher. „Bleibe gesund, mein Junge!" „Zurückbleiben!", gesund bleiben, zurückbleiben, gesund bleiben, zurückbleiben, gesund bleiben," zurückbleiben, gesund, zurück, gesund, zurück, gesund, zurück, gesund, zu . . . — weg. „Würden Sie das "Fenster bitte schliessen," sagt eine Dame, „es zieht nämlich/' „Ja, sofort," sagt der Junge und schliesst es. Sie hat recht, er gab nicht acht darauf: es zieht bei offenem Fenster, wTenn der Zug fährt. Draussen gleiten Strassenzüge mit. Läden und Autos und Omnibussen und Schutzleuten und Arbeitern und jungen Stenotypistinnen vorbei. Ich erkenne niemand, denkt der Junge, nichts, kein Gesicht, kein Haus, merkwürdig. Ein Kellner aus dem Speisewagen reisst die Tür vom Gang auf und bietet Kaffee an. „Nein, danke." Er hat zu Hause gefrühstückt wie jeden Tag, wüe vorvorgestern und vorgestern und gestern und heute ... ja und heute. Der Zug fährt rasch. Schon kommen Vororte und Gärten und Felder. Es ging überhaupt alles sehr rasch. Es war gar nicht recht feierlich. Wenn ich die Augen schliesse, denkt der Junge (aber er schliesst sie nicht), sehe ich die Strasse, in der unsere Wohnung liegt, diese helle Strasse mit den kleinen Ziergärten vor den Häusern, in der ich beinahe jeden' Stein kenne. Der Portier stand vor der Tür und rauchte. Er greift in die Manteltasche, um Zigaretten herauszunehmen. Ein Stück Papier kommt ihm zwischen die Finger; er wirft einen flüchtigen Blick darauf, es ist ein alter Strassenbahnfahrschein. Achtlos t knüllt er ihn zusammen, will ihn unter die Bank werfen, dann aber hält er inne, faltet den Schein wieder sorgfältig auseinander, glättet ihn säuberlich und liest, liest die umständlichen Erklärungen über Gültigkeit und Umsteigeberechtigung, studiert Vorder- „Blinde Kuh" ist nicht nur Spiel. '„Blinde Kuh" ist Weltgefühl, das so mancher manchmal kriegt, den das Leben narrt und trügt. Sollt' es zum Verzweifeln sein? Unsinn! Denn ein heller Schein von der sonnenfrohen Welt durch der Augen Binde fällt — wenn darunter nur die Augen noch zum Offenhalten taugen! Text ton Rüde Marx, Foto: Herbert Sonnenfeld!l!!l!i!ijiliiii!i!i!!jiiiii!ililil!iiiliK und Rückseite, untersucht, auf welcher Strecke und mit welchem Ziel er diesen Schein benutzte, nimmt schliesslich die Brieftasche heraus und verwahrt ihn darin wie ein kostbares Dokument. Jetzt trage ich ein Stück meiner Stadt in der Tasche, denkt er, und weil ihm der Gedanke plötzlich grotesk vorkommt, dass es eines Stück Papiers bedarf, um ein Stück Stadt bei sich zu tragen, holt er den Fahrschein wieder heraus, zerreisst ihn mit der gleichen Sorgfalt, mit der er ihn vorher auseinanderfaltete, öffnet spaltweit das Fenster, steckt die Hand mit dem zerrissenen Schein hinaus und beobachtet lächelnd, wie der Wind die Fetzen eilig davonträgt. Sir James M. Barrie Von Sir James Barrie haben wir zuletzt das Folgende gehört. Der berühmte schottische Dichter "pflegte der kleineren Tochter des jetzigen Königs "die biblischen Geschichten zu erzählen. Da der kleinen Prinzessin die Geschichte vom König David am besten gefiel, dramatisierte er sie und widmete seine Dichtung seiner „Mitarbeiterin", der Prinzessin, die ihn mit ihren kindlichen Fragen dazu angeregt hatte. Das Buch erschien, und Sir James erhielt einen Dankbrief, geschrieben von der älteren Prinzessin und jetzigen Thronfolgerin: da ihre kleine Schw-ester noch nicht schreiben könne, sei die Thronfolgerin ihre Sekretärin und danke Sir James für das Buch. Da aber Sir James ihr auch von den Tantiemen das erste Pfund Sterling zum Geschenk gemacht habe, so frage die Prinzessin hierdurch an, ob auch weitere Tantiemezahlungen zu erwarten seien . . . Die Tantiemen kamen von der mit grossem Aufsehen erfolgten ersten Aufführung, deren Sensation darin"bestand, dass Elisabeth Bergner den jungen David spielte. Das war im vorigen Jahre, und da das Davids-Drama nicht sehr dramatisch war, hatte es in London keinen Erfolg und mussie trotz der ßergner bald wieder vom Spielplan abgesetzt werden. In der vorigen Woche ist der 77jährige Sir James M. Barrie an einer Lungenentzündung in London gestorben. Er wrar als armer Leute Kind 1860 geboren, früh Journalist geworden, begann schottische Heimatgeschichten zu schreiben, mit Liebe zum Phantastischen, Grotesken, arbeitete eine Zeitlang mit Conan Doyle zusammen, eroberte mit Theaterstücken die Bühne und wurde' mit dem liebenswürdigen Märchenhumor des „Peter Pan" ein Klassiker der Kindergeschichte. „Peter Pan" ist längst unsterblich, jeder Engländer kennt ihn,- im Hyde-Park steht dies Wunderwesen sogar schon in Bronze, wir haben es im Film gesehen, und Charles Laughton hat den Peter Pan voriges Jahr gruselig wunderbar gespielt. Nicht der „Knabe David", aber dieser. „Peter Pan" wird den Dichter lange überleben, _ H. Die Universität Athen hat Professor Dr. Ä.. A. Hijmans van den Bergh von der Staatsuniversität in Utrecht zum Ehrendoktor der Medizin promoviert. Professor van den Bergh, der Jude ist, wurde erst vor kurzem zum korrespondierenden Mitglied der Londoner Gesellschaft für medizinische Wissenschaft ernannt. Dat Kind 6. Fortsetzung. Nun beherrschte sich Gebers Mutter. Sie stand aufrecht und starrte die Dirne an. „Jetzt erkenne ich", sagte sie mit einem schweren Nicken, „was dein Elend und dein Irrtum ist. Du bist wirklich ohne Recht und ohne Besitz und ohne Hoffnung. Du greifst mit Geierklauen nach einem Menschenherz wie nach Aas und glaubst es zu besitzen. Vernichten kannst du, aber nicht schaffen. Wie fing es an? Mit einem schändlichen Betrug. Du vertauschtest die Kinder, das lebende und das tote. Was du dem lebenden bewahrt hast, bei Gott dem Herrn, ich verachte es nicht. Blumen von trauriger Schönheit steigen aus Sumpf und Moder. Auch dir gab Gott ein Gefühl und es soll nicht absterben. Doch mein Kind gehört dir nicht. Was du es glauben lässt ist eitel Lüge. Gebers Weg führte nicht zu dir. Auch ihm soll grosses Glück und Freude und der Segen eines reinen Samens werden — ich bin die Mutter. Ich bete darum vom Morgen bis in die Nacht. Ich habe immer gebetet, dass er keiner Dirne verfallen sollte. Dafür habe ich gelebt, ohne Glück, ohne den Mann, die Kraft meiner Arbeit dem Sohne weihend. Mein Leben liegt offen vor jedermann und Geber wird es begreifen. Wenn diese Stunde kommt, wird er auch wissen, wer du bist!" „Hüte dich, Diblaim/' Sie hörte die schrille Vogelstimme. Ihre Hände hob sie zum Haupt: „Wovor warnst du mich? Willst du auch das letzte noch besudeln, was ich an dir ehre?" „Du an mir?" „Ja, Hagit: Ich verstand dich seit Jahren — ich dankte es dir, dass wir getrennt blieben durch den Königsspruch und uns nicht wiedersahen. Du bewahrtest das Geheimnis. Du entgingst den Steinen des Volkes, aber es war doch gross, was du getan, weil du schweigen konntest, wie alle, die meinen Weg zur Erlösung nicht verderben wollten. Geber weiss nichts. Geber hält seine Mutter für eine KriegerswitwTe, die ihren Sohn erzog. Das Urteil des Königs svurde ihm ferngehalten — was seine Mutter einst gewesen ist ihm unbekannt." Hagit trat dicht an Diblaim heran: „Meinst du, dass ich schwieg um deinetwillen?'' Mit einem toten Lächeln schüttelte Diblaim den Kopf. „Nein. Das meine ich nicht. Du schwiegst für seine Seele, und das danke ich dir." „Glaubst du, dass ich jetzt noch schweige?" In lebloser Erstarrung blickte Diblaim sie an. Dann stiess sie hervor: „Ich weiss es nicht. Möglich ist auch das Unmögliche. Wenn du dich rächen willst und an Rache glaubst, an eine Schuld von mir, so wirst du es mir nicht sagen. Du wirst mich auf der Schaukel halten zwischen Leben und Sterben. Ich soll nicht wissen, was Geber weiss. Es soll mich verzehren, wenn er bei dir ist und aus deinem Hause zu mir kommt." Ein höllisches Lächeln lag auf Hagits Zügen. — „Möglich, möglich, dass ich es also will." Da trat Diblaim von ihr zurück und wandte sich zur Tür: „Dann ist es gut. Du armer Trümmer, ich begreife dich. Aber du wirst deinen Irrtum erkennen. Das Kind erreichst du nicht, wieder einst noch jetzt. Salomos Weisheit ist nun über uns, in Gott, aus dem sie kam. Ich suche kein Gericht mehr, ich stehe zu jeder Stunde vor dem Richter. Ich gehe und weiss, was zu tun ist." VII. . Diblaim wartete. Das Mahl war bereit. Geber kam, doch nicht im Fluge, wie sonst, schon fern, während er bei der Mutter sass und nur hinaustrachtend. Seine Augen waren ruhiger und gespannt auf sie gerichtet. Er suchte sogar ein Gespräch. Er erzählte von der Arbeit, von seinem phönikischen Freunde. Er erwähnte, dass. er den König gesehen, zum erstenmal nahe und deutlich. Nur die Worte, die Salomo an ihn gerichtet, nannte er nicht. Es warnte ihn noch einmal vor der geheimen Verschwörung, die zwischen der Mutter und dem König bestehen konnte. Lange sprach er schwärmend von dem Tempelbau. Er schilderte die beiden Cherubim mit ihren goldenen Flügeln über dem Altar, er wusste, wie sie werden sollten, die Riesenwächter des Allerheiligsten. Das edle Gestühl und die Palmensäulen und das ganze herrliche Gerät — Geber sprach, als ob Wein ihm die Zunge gelöst hätte. Aber sie gössen nur Wasser in ihre Becher. Plötzlich unterbrach Diblaim Gebers Rede: „Gehst du heute nicht hinaus?" Er erschrak heftig. — „Doch, Mutter", stammelte er. „Ich gehe noch. Bald. Ist es dir nicht lieb, dass ich heute länger bei dir weile? Ich brauchte es, ich musste dir noch sagen, was mich erfüllt, denn im Arbeitslager verstumme ich. Wenn ich dort spräche, würde man mich nicht verstehen." Die Mutter neigte sich vor. Plötzlich sah er Tropfen über ihre Wangen rinnen. Ihr Busen hob und senkte sich, aber sie schwieg. „Mutter — weinst du?" „Es ist nur Glück, mein Kind. Was du mir heute gebracht, könnte mir den grössten Wunsch erfüllen. Du brauchst mich wieder? Du kommst, um zu bleiben, an meinen Tisch? Das ist doch, was ich einst genossen, wenn du von deinen Spielen kamst, und was ich entbehren musste, als du ein Mann geworden. Geber, du weisst nicht, was du schenken und was du rauben kannst." „Verzeih mir, Mutter. Wenn ich übel tat, ich wusste es wirklich nicht." „Dies ist dein Schatz. Doch jetzt . . ." Sie presste die Hände auf das Herz, sie konnte nicht weitersprechen. „WTas, Mutter?" „Jetzt sollst du alles erfahren. Das Beste des Mannes sollst du finden: Klarheit und Verantwortung/'. „Wie soll ich das verstehen?" „Du wirst es verstehen. Höre." Sie trat mit ihm in den Garten hinaus. Wieder sassen sie auf dem Brunnenrande. Ein gewaltiger Himmel im Sternenkleide war über ihnen. Da hörte er, dicht bei der Mutter, Herz am Herzen, die Geschichte von dem Königsurteil. Lange sprach Diblaim. Tönend floss die Zeit« Nun hatte sie geendet. Geber regte sich nicht. Die Mutter wollte sich erheben, aber er hielt sie fest. „Ich lasse dich jetzt deinen Gedanken", sagte Diblaim. „Kämpfe alles aus. Es muss ja sein."- „Nein, Mutter. Wenn ich jetzt allein bleibe, sinke ich in den Abgrund. Bleibe bei mir. Nur; du. So w*ar es immer." „Armes Kind. Ich will dich doch nicht beschämen. Ich verstehe, was du erlebt hast, und spreche dich frei. Aber die Wahrheit musste von mir kommen. Hagit hat viel zu geben, keine Wahrheit/' „Sie hat mich betrogen, nicht durch das, was sie sprach, sondern durch das, wai Sie verschwieg." „Wenn sie nicht geschwiegen hätte, Geber, wäre sie schuldig geworden an dir und an mir." „Du verteidigst sie, Mutter?" „Jetzt kann sie nicht mehr schaden. Jetzt weisst du alles. Das Geheimnis deiner Geburt liegt offen vor dir." Geber sah in den Himmel. „Und alles ist gross und wahr. Ach, Mutter, das Geheimnie zerbricht an unserem Herzen. Hätten wir uns nicht besser kennen sollen? Du liessest mich' suchen und irren, und ich habe immer gewusst,; dass ich mit meinen Sinnen blind und taub bin. Wenn der König die Sprache der Vögel versteht, so verstehe ich nicht einmal die Sprache der Menschen. Rätselworte im Alltag, verborgener Sinn im Gewöhnlichen. Es schnürte mich' zu, es nahm mir die Lust an meiner Jugend." „O Geber, diesen Vorwurf habe ich nie erwartet." Fortsetzung folgt.)

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