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Central-Verein-Zeitung · 1937-06-24 · 25 (24.6.1937) · page 12

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Seife 12 &-V.-Zerftmf Wr,25»gg.yunn9ff bisher ungedruckte Stücke aus dem NacMass von Leopold Zunz, kulturgeschichtlich aufschlussreiche jüdische Privatbriefe aus dem Jahre 15S8, eine familiengeschichtliche Skizze Meier Spaniers, sowie einen methodisch tiefdringenden. 'Aufsatz Ludwig Feucht wangers über neue Forschungsaurgaben'für die Geschichte der Juden im Mittelalter. Andere Beiträge behandeln das Problem der Theodicee, .die Rechtsordnung Palästinas, die Gestalt. Spinozas, den Dichter Richard Beer - Hofmann, sowie unbekannte jüdische Künstler und ihre Werke. Die schöne Literatur ist mit jüdischen Gedichten von Ilse Blumenthal-Weiss, einem Kurzroman von Rudolf Frank und einer Uebersetzung von Bialiks Epos „Ha-Matmid" vertreten. F. F. Samuel Grimberg: Biblische Eigennamen als Quelle jüdischer Kulturgeschichte und Bibelexegese. Verlag Zion, Berlin 1936. Grünberg bringt für seine 'Arbeit nicht nur <?*e Gaben des Philologen mit, sondern seine ausgedehnte Kenntnis der midraschisch-rabbinischen Literatur und psychologischen Scharfsinn für das religiöse Ethos und den Genius Israels. Dazu kommt eine souveräne Beherrschung des Stoffes aller einschlägigen Werke. Ueberall erkennen wir die Sonde einer gesunden wissenschaftlichen Kritik. So kommt er zu dem Ergebiiis: „"Die meisten jüdischen Namen aus dem Zeitalter der Bibel sind treue Zeugen jüdischen Erlebens, jüdischer Wesensart, jüdischer Sehnsucht, jüdischen Wollens und jüdischer Hoffnung." Er unterscheidet drei Epochen der Namensgattung: 1. die Urzeit, die auf den Anfang der mosaischen Religion hinweist, 2. die Zeit von Josua bis Salomo, 3. die Zeit von Salomo bis zum Ende des babylonischen Exils. Hierbei gewinnen wir gegenüber der modernen Bibelkritik neue Einblicke über Geschichte, Wesen und Bedeutung der Gottesnamen- und Gottesvorstellung. Mi. Rudolf Braschr Midrasch Schir Ha- Schirim Suta. Verlag M. Poppelauer, Berlin 1937. In dieser Dissertation wird dieser Midrasch zum erstenmal übersetzt, kommentiert und mit dem anderen zum Hohenliede bestehenden Midrasch Rabba verglichen. Die umfangreiche, mit grosser Sorgfalt geschriebene Arbeit, die in erster Linie den Wissenschartier interessiert, ist eine wertvolle Bereicherung der Midrasch-Forschung. Die Abfassungszeit ist das 10. Jahrhundert. Er liegt in einer einzigen recht korrumpierten Handschrift vor, die S. Schechter und S. Buber ediert haben. Erst 1894 wurde dieser Midrasch entdeckt, da vielfach Zitate eines Midrasch Schir Ha-Schirim angeführt werden, die sich in dem bekannten Midrasch zum Hohenlied, dem Midrasch Rabba, nicht finden. Dieser von S. Buber als Midrasch Schir Ha- Schirim Suta bezeichnete Midrasch ist ein homiletischer Kommentar zum Hohenlied. Brasch gelingt es, die meisten textlich korrumpierten Stellen wiederherzustellen, die inhaltlichen Zusammenhänge klar herauszuarbeiten und so erst ein wirkliches Verständnis dieses Midrasch zu ermöglichen. Dr. M. S. SeligmannBaer: Israels Gottesdienst. Schocken-Verlag, Berlin 1936. Eine in dieses liturgische Standardwerk eingeheftete Notiz besagt, dass dieser Siddur auf Grund einer Vereinbarung mit der Firma M. Lehr berger in Frankfurt a. M. neu herausgegeben wurde. Das Wiedererscheinen dieser selten gewordenen und hochbewerteten Arbeit wird "in den Interessentenkreisen mit grosser Freude begrüsst werden. Was Wolf Heidenheim, der sehr verdienstvolle Begründer der Rödelheimer Offizin, als notwendig ausgesprochen und geplant hatte, hat Seligmann Baer später in seinem Geiste ausgeführt- Wie wir durch die Freundlichkeit des Verlages J. Kauffmann in Frankfurt a. M. erfahren, geht aus dem von Heidenheim hinterlassenen, aber nicht völlig abgeschlossenen Material hervor, dass er die Absicht hatte, eine kritische Ausgabe des Gebetbuchs unter dem Titel „Halacha berura" herauszugeben. Baer, der ausgezeichnete Grammatiker und Massoretiker, war die gegebene Persönlichkeit, das Begonnene zu vollenden. Mit seiner umfassenden Kenntnis der weitschichtigen Gebetiiteratur und mit der ihm eigenen Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt stellte er zusammen, sichtete und revidierte er alles Einschlägige und versah es mit seinem literarisch und philologisch wertvollen Kommentar Jach in Laschon, Der Baer'sche Siddur, auch in seiner gegenwärtigen der 1. Auflage von 1S68 getreuen Abbildung, stellt eine Spitzenleistung von Korrektheit und typographischer Schönheit auf dem Gebiete des hebräischen Druckwerks dar. Ein hervorragend prächtiger Siddur auf dem Vorbeterpult konservativer Gemeinden. M. Abraham. Leo Steinberger: Der Bedeutungswechsel des Wortes Levit. Entwicklung aus einer Milizformation zu einer Priesterkaste. Verlag Kedem, Berlin 1936. Diese kleine Schrift will nachweisen, wie der Stamm Levi, über den im Jakobs- und im Mosessegen merkwürdige Worte gesagt werden, und dessen Stammvater bei der Vernichtung Sichems eine nicht ganz eindeutige Rolle spielte, zuerst eine Milizformation war. um dann später zu einer Priesterkaste zu werden. Die Beweise, die Steinberger für seine Hypothesen bringt, sind so schwach, seine Konjektur bei dem schweren, aber unendlich wichtigen Vers Gen. 19.10 so willkürlich, und alles Folgende so ohne Zusammenhang, dass es sich erübrigt, näher auf diese Schrift einzugehen. — Die Frage der altisraelitischen Militärverfassung ist noch nicht völlig geklärt, obwohl schon viele.,, gute Ansätze vorhanden' sind; hier aber kommt man der Lösung wenig näher. Als interessant mag noch erwähnt werden, dass Steinberger im Gegensatz zu der heute weit verbreiteten These der Entlehnung jüdischer Sitten aus dem Aegyptischen die ägyptische Kasteneinteilung auf Israel zurückführt. A. Moses Sister: Probleme der Aussprache des Hebräischen. Verlag Siegfried Scholem, Berlin 1937.- Eine ganze Reihe solcher Probleme zeigt der nun veröffentlichte Vortrag auf, der im Februar 1936 an der Lehranstalt für die Wissenschalt des Judentums gehalten wurde. Auf einige weist der Verfasser nur in Kürze hin, andere legt er eingehender dar. So erscheint ihm eine Reform der hebräischen Rechtschreibung notwendig. Nach Streifung der Hauptdialekte: Aschkenasisch, gesprochen von etwa 13,8 Millionen Juden, Sepfardisch von 1,6 Millionen, und der Frage: Gibt es schon einen palästinensischen Dialekt?, wendet sich der Verfasser den Quellen zu. die zur Erhellung der hebräischen Aussprache in der Vergangenheit beitragen könnten. Das Resultat, zu dem Dr. Sister in seiner Untersuchung gelangt, ist sehr behutsam und einschränkend gefasst. — Die Arbeit dürfte grossem Interesse begegnen. M. A. N. und B. Berggrün: Giljonit. Verlag Rubin Mass, Berlin 1936. Das fünfte der „ Hebräischen Unterrichts- und Lesehefte" bringt drei Stücke. Das erste nimmt 13 von den 19 Textseiten ein. In ihm erzählt Smilanski von dem bis zum Fanatismus begeisterten Herz-Freund Reb Jakob aus Hornostaipol. Sonst kommt Perez zu WorL Anschaulich stellt er an dem Lastträger Chaijim innise jüdische Gattenliebe bei kürmmerlichen materiellen Verhältnissen dar. In Rabbi Jechiel zeigt er uns das sicherlich nur schwer erreichbare, ausserordentliche Peingefühl, das auch einen ertappten Dieb nicht beschämen will. — Eine angefügte Worterklärung verzeichnet die auf dieser Stufe als unbekannt geltenden Ausdrücke. Das Juni-Heft des „Morgen" Werner Cahnmann behandelt in seiner Arbeit ,.Der nahe Osten" die gegenwärtigen Probleme des Orients im Hinblick auf Palästina. Die ewige Frage, ob Amerika es wirklich besser hat als unter Kontinent, der alte, sucht Joachim Prinz vom jüdischen Gesichtspunkt zu klären. Es gibt eine jüdische Problematik in Amerika, wenn sie sich auch im Land, dem die Menschenrechte Fundament des staatlichen Lebens sind, anders auswirkt als in anderen Ländern. ».Wirkliche Klubs sind entweder rem jüdisch oder judenfrei. Sozien können zwanzig Jahre im selben Raum miteinander sitzen — ihre Familien kennen einander nicht." Eine neue Generation, meint Prinz, wird das gesellschaftliche und im Zusammenhang damit auch das jüdische Bild Amerikas verändern. Hans Joachim Schoeps glaubt in seinem Essav ..Zur jüdisch-religiösen Gegenwartssituation"" die Tragik des Menschen unserer Zeit m seinem Mangel an Erlösungsbedürfnis erkennen zu dürfen. Der moderne Mensch sträubt sich, den Herrschaftsanspruch eines Herrschers über sich anzuerkennen, eines Schöpfers also, dessen Geschöpf er ist. Aber es komme darauf an, dass der Mensch den Appell Gottes an ihr jederzeit im Gesetz der Thora wiederfinde. An den Menschen, das Ebenbild Gottes, wendet sich auch Suse Michael in ihrer Mahnunng, die sie „Umgang mit sich selbst" nennt. Was wir an Gaben besitzen, an sichtbaren und unentdeckten, müssen wir als Darlehen Gottes betrachten. Zum Widersacher des Schöpfers werden wir, wenn wir mit den Kräften des Auges und des Ohres und mit der Kraft des Herzens, Liebe zu empfangen und auszustrahlen, nichts zu beginnen wissen. Es ist sicher kein Zufall, dass diesen schönen Worten von Gott und dem Menschen „Zwei Psalmen" von Edith L. Meyer folgen. In den Impressionen, die M. Y. ben G a v r i e 1 „Palästina für empfindsame Reisende nennt", führt er uns in die im Mondlicht schimmernden Orangenplantagen des Scharon, in die Ausgrabungsstätten von Lachisch, in das Sumpfgelände von Hule und an andere denkwürdige Stätten des vielumkämpften Landes, das so reich ist an Orten, wo der Traum sich in Vergangenheit verlieren und an Zukunft aufrichten kannT Jakob Seifensieder ruft die Erinnerung an Marianne von Eybenberg wach, die Enkelin Veitel Heine Ephraims, des „Generalmünzlieferanten" Friedrichs des Grossen. Sie war in morganatischer Ehe einem Fürsten von Reuss verbunden und die Sonne Goethes gab ihrem kurzen Leben Schönheit und Sinn. Goethe hat mit der liebenswürdigen, für sein Werk begeisterten Frau in Briefwechsel gestanden, in Karlsbad mit ihr gemeinsame Spaziergänge und Spazierfahrten unternommen und bekannt, dass sie durch lebhafte Anteilnahme, frisches Urteil und durch ihre blosse 'Anwesenheit die Entstehung seiner „Wahl* Verwandtschaften" gefördert habe. Aus dem Glossenteil seien zwei kleine Arbeiten erwähnt, in denen die unvergeßliche Ge* stalt Friedrich Gundolfs sichtbar wird. P. M. . Knnstnachrichteii Die Versteigerung der Sammlung DeniseBoaS endete in Paris mit einem Gesamtergebnis von rund VA Million Francs. Die Pariser Museen erwarben einen Aubusson-Salon für 71 000 Francs. Der Totalertrag der Rothschild-Auktion beläuft sich auf 125 262 Pfund Sterling. Die Zeitschrift „Pantheon" nennt diese Londoner Versteigerung in ihrer Bedeutung „einen Markstein in der neueren Geschichte des europäischen Kunsthandels".^ Die Wiener Galerie Neumann & Salz es veranstaltet eine Ausstellung des vergessenen Biedermeier-Malers Jean Baptiste Reiter, die Wolfgang- Born organisiert hat. Das Wiener „Oesterreichische Museum für Kunst und Industrie" zeigt eine Ausstellung von Kunstgegenständen. die den handwerklichen Betrieb in der Kunst verdeutlichen. Zum grossen Teil stammen die gezeigten alten Handwerkszeuge aus der Sammlung Dr. Albert F i g d o r. In Wien verschied im Alter von SO Jahren d«r Kunstmaler Dr. August Heymann. Er hat die» grösste Sammlung österreichischer Kunst zusammengebracht, den Museen u. a. erst kürzlich bedeutende Zeichnungen vermacht. Die Kollektion dieser Architckturbliitter ist jetzt in Wien zu sehen. Die Pariser Galerie Guy Stein veranstaltet eine Ausstellung „Die Maler des Schnees und der Winterfreuden1', die holländische Bilder des 17. und 18. Jahrhunderts in guter Qualität vorführt. Die holländische Kunstzeitschrift. „Oud Holland" bringt im letzten Heft einen wertvollen Artikel aus der Feder von Dr. C. H. de J on g e über holländische Goldschmiedekunst. ..Bulletin des Musees Royeaux" (Brüssel) veröffentlicht einen beachtenswerten Aufsatz über neue' Funde in Mesopotamien. Sotheby & Co. verauktionieren in ihren Londoner Räumen Möbel, Tapisserien und Porzellan aus der New-Yorker Sammlung Guy Mayer. Ferner die Bestände persischer Kunst von Dr. M. Heymann. In einer besonderen Auktion kommt die Gutenberg- Bibel, das erste mit Metalibuchstaben gedruckte Buch,- Mainz 3455, aus Adelsbesitz, unter den Hammer. Während die Versteigerung der berühmten Miniaturensammlung von Miss Isabel Robertson an den Scbluss dieser beachtenswerten Versteigerungen rückt. Im Kunstantiquariat Boerner in Leipzig kommt der letzte Teil der Berliner Sammlung Julius Model unter den Hammer. Bereits im Jahre 1029 konnte das Leipziger Hans mit dem Verkauf der kostbaren französischen Farbdrucke, der Kupferstiche, Lithographien, der wertvollen gebundenen Folgen und illustrierten Bücher französischer Künstler beginnen. Julius Model, der 1020 starb, lebte in Berlin und war in Landau in der Pfalz geboren. Er gehörte zu den Sachverständigen des Berliner Kupferstichkabinetts. Zu dem für die Geschichte des Kunstsammelns wertvollen Katalog hat damals Max I. Friedländer ein Vorwort geschrieben. Julius Model veröffentlichte gemeinsam mit Jaro Springer ein Werk „Der französische Farbstich des 18. Jahrhunderts". O. B. Professor Ludwig Basnitzki-Heidelberg sprach auf Einladung des Jüdischen Lehrhauses München über „Wesen und Geschichte unseres jüdischen Kalenders". Der Vortragende verstand es, wie seinerzeit auch in seinem Aufsatz in der C.-V.-Zeitung (Nr. 38 von 1936) seine Entstehung und die Art seiner Berechnung in der ältesten Zeit und die Kalenderreform "Hilleis IL, die Berechnung der Monate und Jahre bis zur Uebereinstimmung des Mondjahres mit dem Sonnenjahr durch eine Fülle vorzüglich aufgebauter und durch Lichtbild wiedergegebener. Zahlentafeln zu veranschaulichen. Es^war eine Art von Jüdischem Elementarunterricht, von dem man hoffen möchte, dass er in recht weite Kreise dringt. Ca. Epen gefunden, die ihnen ..bänkelsängerisch" vorkamen. Schon der stereotype Anfang jeder Geschichte: „Ma'asse geschah'' (hebräisch assa gleich tun, handeln, geschehen lassen, daraus Ma'asse) bedeutet: Es ereignete sich, es begab sich — und gelangt so in die Nähe der berühmten Märchenformel: „Es war einmal"; allerdings lösen sich die Ma'asses nicht so vollständig von Zeit und Raum wie die Märchen; im Gegenteil erheben sie oft durch nähere Angaben ebenso den Anspruch auf Wahrheit wie durch ihren Anschluss an die alt jüdische Tradition den Anspruch auf Heiligkeit. Dann kommt es vor, dass der Erzähler beim Bericht über irgend ein Unheil, das einen Helden seiner Geschichte betroffen, zu seinen Zuhörern gewendet, einen schnellen Wunsch: ..Nie bei euch!" einfügt. Oder er antezipiert ein kommendes Ereignis mit der Wendung: „Wie ihr weiter hören werdet . . ." (woraus dann später: „lesen werdet" wird). Der Schluss lautet fast regelmässig: „Derhalben, liebe Leut\ bedenkt, was die Ma'asse bedeut"; oder es wird der fromme Wunsch geäussert, es möge allen. Vortragendem wie Zuhörern, besser gehen; oder gar, der Messias möge kommen. Alle diese Wendungen entstehen durch den nahen Kontakt zwischen dem Vortragenden und dem Hörer, sie sind stehengebliebene Formen ihres gemeinsamen Verkehrs, sie machen die Existenz des jüdischen Erzählers oder Spielmanns ebenso zur Gewissheit wie der lebendig-dramatische Erzählerton der Geschichte. Es war uns schon immer seltsam vorgekommen, dass die Erscheinung des jüdischen Minnesängers S ü s s k i n d von T r i m b e r g so allein und unvermittelt im nichtjüdischen Raum stand. Minnesänger war er genannt worden, weil seine mittelhochdeuschen Verse in die berühmte Manessesche Liederhandschrift Aufnahme fanden; aber er ist höchstwahrscheinlich ein Fahrender von Beruf, also ein Spielmann, gewesen; die Wendung eines seiner Lieder von „der Herren Güte", von der er abhängig war, zeugt davon. Jetzt steht er nur noch als jüdischer mittelalterlicher Dichter in hochdeutscher Spräche allein, andere jüdische Spielleute, die das Judendeutsch jener Zeit sprachen und im jüdischen Raum auftraten, mögen seine Vorgänger, Zeitgenossen oder Späterlebende gewesen sein. Viele der Ma'asses stammen also aus dieser Zeit der Spielleute oder haben sonst ihren Einfluss zu spüren bekommen. Denn diese kannten auch die Auftritts- und Arbeitsweise ihrer nichtjüdischen KoHegen; wie diese waren sie nicht nur Vortragende, sondern oft auch Bearbeiter, oft auch Schöpfer ihrer Erzählungen. Nach dem Untergang des Spielmannstums wurden die Ma'asses, oft nach dem Gedächtnis, niedergeschrieben und von Sammlern als Ma'asse-Büchlein herausgegeben. Diesem Umstand ist wohl die Trockenheit mancher Ma'asse zuzuschreiben. Andere aber sind uralt, ihr Ursprung Hesse sich bis in die spätjüdische Antike zurückverfolgen. Ja, Meitlis nimmt auch hier einen Stand wandernder Erzähler — wir denken hier auch an die Märchenerzähler des orientalischen und an die mimen und ioculatoren des römischen Altertums — an, der „den märchenhaft schönen Agadastoff" durch seine Erzählungen ins Volk trug. Alle diese Vortragenden zeichneten sich gegenüber ihren nichtjüdischen Kollegen, die profaneren Charakters waren, durch tiefen religiösen Ernst aus, der sich in der moralischen Tendenz ihrer Erzählungen ausprägte. Welche Beziehungen walten von diesen Erzählern der Agada, den baali agada, zu bekannteren Erscheinungen des jüdischen Altertums, etwa zu den Prophetenschulen? Religion und Dichtung ist im Judentum oft in eins verschmolzen; der Aufgang der Religion ist ebenso ein dichterisches Ereignis wie der Beginn der Dichtung ein religiöses. (Fortsetzung folgt.) Um vielseitigen Wünschen aus dem „Kreis im Jüdischen C. V.", Hamburg, Rechnung zu tragen, wird der Syndikus des Landesverbandes Norddeutschland des Jüdischen Central-Vercins, Dr. Ludwig Freudenthal, von August 19:37 an in monatlichen Vorträgen einen Zyklus über Gebiete des öffentlichen jüdischen Lebens durchführen, Theater, Musik, Film Max Reinhardt wird auch in diesem Sommer wieder bei den Salzburger Festspielen Goethes „Faust" und Hugo v. Hofmannsthals „Jedermann" inszenieren. # Ernst Deutsch wird, zunächst in Prag und an den Bühnen der Schweiz, in einem brasilianischen Drama „A planta virginal" von Pedro Carpinteiro die Hauptrolle eines Europäers darstellen, der nach Brasilien ausgewandert ist. Das Burgtheater Wien wird als eine der ersten Neueinstudierungen der kommenden Spielzeit Adolf Wildbrandts „Meister von Palmyra" bringen. Das Werk ist seit dem Ableben Adolf Sonnen t hals, zu dessen Glanzleistungen die Titelrolle gehörte, in Wien nicht mehr gespielt worden. Die Regie der Neuinszenierung hat Friedrich Ro s e n t h a 1. * In der Theaterarena in Rotterdam, die von Direktor Artur Spitz geleitet wird, gelangte aus Anlass der Juni- und Juli-Festspiele die bekannte Operette „Viktoria und ihr Husar" von Paul Abraham zur erfolgreichen Aufführung. * Bei einem Gastspiel-Konzert der Wiener Philharmoniker in London wirkt Artur Schnabel als Solist mit. # Der Geiger Hans Bassermann spielte am 27. Mai im Rundfunk Lugano Violinkonzerte von Bach und Mozart und wird am 29. Juni im Rundfunk Paris das Violinkonzert von Jaques-Dalcroze vortragen. # An der Wiener Staatsoper wird als erste Novität -der nächsten Spielzeit Jaromir Weinbergers Oper „Wallenstein" in Szene gehen. * Rita Georg ist von der Leitung der Pariser Folies Bergeres für die grosse Operettenrevue verpflichtet worden, die im Herbst in Szene geht. Vor ihrem Debüt in den Folies Bergeres wird die Künstlerin in London gastieren. * Dr. Ludwig Herz er hat gemeinsam mit Hans Holzer die bekannte Operette „Drei Paar Schuhe" von Carl Millöcker neu bearbeitet. S. K r a c a u c r hat im Verlage Albert de Lange (Amsterdam) ein neues Werk über. Qffeabach erscheinen lassen, betitelt: „Jacques Offenbach und das Paris seiner Zeit". # Radio-Wien bringt am 1. Juli, 10 Uhr 25 Min., unter dem Titel „Der unbekannte Offenbach" eine Veranstaltung, die zahlreiche wenig gehörte Werke von Offen b ach zu Gehör bringen wird. * Aus Anlass des 75. Geburtstages von Ludwig Fulda wird die Ravag-Wien im Juli d. J. eines seiner Lustspiele als Hörspiel senden. * üeber den Sender Hilversum II ist am 24. Juni, 21 Uhr 40 Min., der jugendliche Geiger Ossy Renardy mit Mendelssohns Violinkonzert E-moll, op. 64 zu hören. * Der englische Rundfunk übernimmt am 25. Juni, 21 Uhr 3o Min., aus der Queens Halt das Konzert der Wiener Philharmoniker-unter Leitung von Bruno Walter; sie spielen Bruckners Sinfonie in C-molL * Julius I s s e r 1 i s (Klavier) spielt am 26. Juni, 21 Uhr 45 Min., vor dem Mikrophon des Wiener Rundfunks Mozarts Sonate D-dur und andere Werke. * Im tschechischen Sender in Brünn sind am 27. Juni, 17 Uhr öO Min., u. a. Gustav Mahler a „Lieder eines fahrenden Gesellen" zu hören. * Radio-Strassburg überträgt am 30. Juni, 20 Uhr 30 Min., aus dem Sangerhaus in Strassburg ein Konzert der Wiener Philharmoniker unter Leitung von Bruno W alter. ¥ M e n d e 1 s s o h ns Streichoktett in Es-dur, op. 20 ist am 30. Juni, 20 Uhr 40 Min., über den Prager Sender zu hören. # Alice Ehlers, die bekannte Cembalistin, spielte im Radio-Wien die Cembalokonzerte A-dur und D-dur von Jon. Sebastian Bach. # Die zweite Sendung der Ccrabalokonzerte von J. S. Bach des Wiener Rundfunks, am 2. Juli, 22 Uhr 20 Min., die ebenfalls wieder von Alice Ehlers bestritten wird, bringt die Konzerte D-nioll und F-dur. # Radio Bero-Münster (Schweiz) übertrug das auch' von der Berliner Kulturbundbühne aufgeführte Lustspiel „Grosse Liebe" von Franz Mo Ina.r. # In Paris kommt demnächst ein neuer Film „Abus de confiance" nach einem Original-Szenarium won Pierre W. o 1 f. f heraus.

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