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Central-Verein-Zeitung · 1937-06-24 · 25 (24.6.1937) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
25 (24.6.1937)
Date
1937-06-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seife 4 C.-V.-Zeitung Nr.25 * 24Junil937i Juli 1937 Tammus 5697 3. Sonnabend 8. Donnerstag 24. Wochenabschniti: Pinchas 4. B. M. 25,10—30,1 Haftara: Jev. 1,1 —2,3 Neumondsweihe Pirke Awoth 1 29. Jörn Kippur Katan Aw 5697 9. Freitag 1. Rosch Chodesch 10. Sonnsfeentl 2. Wochenabschnitt: Mattot, M tss'ej 4. B. M. 30.2 —36,13 Haftara: Jer. 2,4-29 Pirke Awoth 2 17. Sonnabend g. Schabbath Chason " Wochenabschnitt: Dewarim 5. B. M. 1,1 —3,22 Haftara: Jes. 1,1-27 Pirke Awoth 3 18. Sonntag jQ. Tischa beaw (vom 9. verschoben) 23. Freitag 15. Chamischa assar beaw 24. Sonnabend ]S. Schabbath Nachamu " Wochenabschnitt: Waetcha-; nan 5. B. M. 3,23—7,11 Haftara: Jes. 40,1-26 Pirke Awoth 4 31. Sonna'oend 23. Wochenabschnitt: Ekew 5. B. M. 7,12—11,25 Haftara: Jes. 49,1*—51,3 Neumondsweihe Pirke Awoth 5 Jubiläum der ZVfD Dein 40jährigen Jubiläum der Zionistischen Vereinigung für Deutsehland, das bereits in einem Festakt feierlich begangen wurde, widmet die „Jüdische Rundschau" eine sechs Seiten starke Beilage, die viele kurze und längere Aufsätze führender zionistischer Mitarbeiter zu einem bunten und eindrucksvollen Bild von Entstehung und Entwicklung der zionistischen Bewegung in Deutschland vereint. Die Spitze bildet neben einem Glückwunschbrief Dr. Weizmanns, in dem dieser seiner besonderen Verbundenheit mit der zionistischen Bewegung Deutschlands Ausdruck gibt, die Eröffnungsansprache, in der Benno Cohn bei dem Jubiläumsfestakt einen Rückblick über die gesamte zionistische Arbeit in Deutschland und ihre hervorragenden Köpfe gegeben hat. Kurt Blumenfeld schildert knapp, fast in Stichworten drei charakteristische Zeitabschnitte der Bewegung, die er von der Gründung bis 1904, von 1904' bis 191S und 1918 bis 1933 datiert. Ueber die letzten zehn Jahre, ganz besonders über die Zeit nach 1933, in der neue unvorhergesehene Aufgaben zu bewältigen waren, schreibt Siegfried Moses, einer der Hauptverantwortlichen dieser Epoche. Heinrich Löwe behandelt von den sozusagen ..prähistorischen" Anfängen des Zionismus in Deutschland, die ..National-Jüdische Vereinigung", Arnold Sack den von dem Mathematiker Dr. Hermann Schapira gegründeten ersten national-jüdischen Verein in Heidelberg. Andere persönliche Erinnerungen steuern Max Bodenheimer in „Zionistische Frühgeschichte", Ahron E1 i a s b e r g über „Die Entstehung einer Ortsgruppe" und Fabius Schach ,,Wir fuhren zum ersten Zionistenkongress" bei. Hillel Hugo Schachtel schildert eine „oppositionelle" Richtung, die später in die Verantwortung vorrückte, und Max Jacob s o h n stellt aus eigenen Erfahrungen Probleme der mittelständischen Siedlung dar. Georg Hirsch behandelt die zionistische Studentenbewegung, „Das Kartell jüdischer Verbindungen". Ernst Simon spricht unter der Ueberschrift „Ein Leben lang lernen" von der charakteristischen Uebergangssituation der Menschen, die im Vollbesitz europäischen Kulturbewusstseins den Weg in die jüdische Welt nicht nur im räumlichen, sondern im geistigen Sinn beschritten haben. So sind in der Jubiläumsbeilage die Generationen, die die Zionistische Vereinigung für Deutschland verantwortlich getragen haben, in vielen bekannten Vertretern zu Wort gekommen. Heute, wo die rasche Entwicklung der Zeit über historisch werdende Tatsachen nur allzu rasch zur Tagesordnung übergeht, -wird auf diese Weise Menschen, die aus einem ganz anderen Erleben heraus zum Zionismus kommen, gezeigt, welche Art von Erbschaft sie anzutreten haben. _ E. R.-J. Lesebücher für jüdische Schulen Die Schulabteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland hat, wie wir erfahren, bereits seit geraumer Zeit die Vorarbeiten für die Schaffung von Lesebüchern für jüdische Schulen in die Hand genommen. Durch Erlass des Herrn Reichs- und preussischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 24. April 1936 (Aktenzeichen Ella Nr. 664, Elle, M) ist das Einverständnis mit der Schaffung eines besonderen jüdischen Lesebuches für das fünfte tind sechste Schuljahr ausgesprochen worden. Gleichzeitig sind die jüdischen Schulen von der Verpflichtung zur Einführung des staatlichen Lesebuches für das fünfte und sechste Schuljahr befreit worden. Auf Grund eines Entwurfes "der Herren Emanuel bin Gorion, früher Berlin, jetzt Tel-Aviv, und Dr. Siegfried Braun, Köln, der von zahlreichen Schulen und Einzelpersönlichkeiten begutachtet worden ist, ist ein Lesebuch fertiggestellt worden, an dem zusammen mit Dr. Leschnitzer und Julius Stern von der Schulabteilung der Reichsvertretung und einem der Verfasser des zugrundeliegenden Entwurfs, Dr. Braun, mitgewirkt haben: Dr. Epstein (Frankfurt am Main), Dr. Esther Frank (Köln), Dr. Gutmann (Würzburg), Dr. Loewenberg (Hamburg), Schulleiterin Schiratzki (Berlin) und Dr. M. Spanier (Berlin). Nunmehr ist durch einen weiteren Erlass vom 25. Mai 1937 (Aktenzeichen: Ella 1337/37) die Grundlage für die Inangriffnahme der Vorarbeiten für die Schaffung von Lesebüchern für das zweite, dritte und vierte Schuljahr gegeben worden. Der Erlass an die Schulabteilung der Reichsvertretung hat folgenden Wortlaut: „Gegen die Schaffung besonderer Lesebücher für das zweite,- dritte und vierte Schuljahr jüdischer Schulen habe ich keine Bedenken. Ich ersuche Sie, die Lesebücher mit Ihrem Antrage entsprechend vorzulegen. Den jüdischen Volksschulen ist die Einführung der neuen Lesebücher für das zweite, dritte und vierte Schuljahr (Rirnderlass vom 20. Mai 1936 — E IIa 1054/36 — RMinAmtsbiDtschWiss. 1936, S. 27S) und vom 26. Februar 1937 — Ella 626 — RMinAmtsbiDtschWiss. 1937, S. 122) freizustellen." Demnach sind die jüdischen Schulen von der Verpflichtung zur Einführung der neuen staatlichen Lesebücher befreit. Mit dem Erscheinen des Lesebuches für das fünfte und sechste Schuljahr ist nach den grossen Ferien zu rechnen. Man wird in der jüdischen Oeffentlichkeit die intensiven Bemühungen der Schulabteilung der Reichsvertretung begrüssen. Wir behalten uns vor, auf das neue Lesebuch nach seinem Erscheinen näher einzugehen. Jüdische Lehrkräfte für Turnen und Sport Die Presse-Abteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit: Die Schulabteilung der Reichsvertretung hat mit Genehmigung der zuständigen Behörden seit 1935 zwei Lehrgänge zur Ausbildung von jüdischen Turn- und Sportlehrern in Stuttgart durchgeführt. Nunmehr ist durch Erlass des Herrn Reichs- und preussischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 7. April 1937 (Aktenzeichen KI 8004'26.~ 2. 37 Elb'Elle M) die Anerkennung der Abschlussprüfung des ersten Lehrganges ausgesprochen worden. Die Teilnehmer des Lehrganges erhalten staatliche Zeugnisse, die sie zur Tätigkeit im jüdischen Schulwesen berechtigen. Der Herr württembergische Kultminister hat im Anschluss an einen Erlass des Herrn Reichserziehungsministers vom 5. Mai 1937 (K I S004) die Genehmigung zur Abhaltung eines weiteren Lehrganges erteilt. Der Lehrgang hat bereits begonnen. Die Lehrgänge werden mit Unterstützung des Oberrates der Isr. Religionsgemeinschaft Württembergs durchgeführt. Jüdische Kulturgeschichte Schluss vor trag von Selma Täubler-Stern Selma Täubler-Stern brachte die Montag-Reihe des Lehrhauses dieses Semesters „Jüdische Kulturgeschichte" mit einer Analyse der frühen Emanzipationszeit zum Abschluss. Bei ihrer sehr ausgereiften und vorbildlich geordneten Darstellung wurde es deutlich, dass diese Wendezeit — wenn überhaupt eine — verdient, als einmalige angesprochen zu werden. Mit Recht hielt sich die Referentin deshalb eingehend dabei auf, darzustellen, aus welcher Lage die Juden (es war nur von denen Deutschlands die Rede) herausgerissen wurden, wie sie erstarrt waren im jüdischen Leben und noch mehr in ihrer Beziehung zum Geist der Umwelt und wie sie gleichzeitig erleuchtet und geblendet wurden, als- Mendelssohn weit die Tore ihres Ghettos aufriss und einer neuen Morgenröte Eintritt gewährte. Diese „Erleuchtung" war von den Juden nicht stärker gewünscht als von der Umwelt: diese, erfüllt von den Ideen der Aufklärer und der Physiokraten, bejahte zumeist ebenso tief die neuen Strebungen. Die erste Generation — von Mendelssohn repräsentiert, aber auch von Kuh und Ben-David ziemlich ungebrochen widergespiegelt — hatte noch die Kraft, mit natürlichem Schwung und ohne jedes Bindstrichlein die Synthese von überkom- Dem Wunsche zahlreicher Leser folgend, erscheint der brasilianische Sprachkurs während der Sommermonate nur vierzehntägig. Ein Kepetitorium des bisher erschienenen Stoffes veröffentlichen wir in der nächsten Woche. menem Glauben und neuem Bildungserlebnis, von Judentum und europäischer Welt zu vollziehen. Die Romantik mit ihrer bestimmten Vorstellung vom christlichen Staat erschwerte die Situation bereits gewaltig. Vielfältig war auch hier jüdische Verhaltungsweise: teils warfen sie sich („Salons"!) dem Neuen enthusiastisch in die Arme, um weltschmerzlerisch am jüdischen Erbe zu leiden, teils verdrängten sie das Jüdische, andere bekannten sieh zur religiösen Reform und wieder andere zur kulturellen und historischen Arbeit (Kulturverein: gegründet im Jahr der Hep-Hep-Bewegung 1819). — Inhaltlich wie methodisch hinterliess das sympathische Referat beste Eindrücke. Zu bedauern war nur, dass es sich im zweiten Teil fast nur mit der Geistesgeschichte befasste und kaum mit der Kulturgeschichte, die vor allem die Lage und Verhaltungeweise des „kleinen Mannes" zu betrachten hätte, während die uns vorgetragene Ideengeschichte doch im wesentlichen nur von einer dünnen geistigen Oberschicht ausgehen konnte. _ Hans Lamm. Entlassungsfeier am Berliner Rabbiner-Seminar Die traditionelle Jahresfeier für Rabbi Esriei Hildesheimer und die damit verbundene Feier zur Entlassung der Absolventen fand kürzlich im Berliner Rabbiner-Seminar statt. Nach einem Gesangsvortrag von Oberkantor Apfel sprach Dozent Dr. cTrünberg über Rabbi Esriei Hildesheimer. Rektor Dr. W e i nb e r g gab eine tiefgründige psychologische Analyse der Persönlichkeit von Mosche Rabbenu. Er forderte die jungen Rabbiner auf, sich in den Lebens- und Lernprozess der rabbinischen Generation einzugliedern. Im Anschluss daran sprach Dr. Weinberg dem verdienstvollen Dozenten Dr. Joseph Wohlgemut die herzlichsten Wünsche zu seinem 70. Geburtstage aus. Ueber die Aufgaben des Rabbiners von heute sprach Rabbiner Dr. Blaser, ausser ihm wurden noch die Rabbiner Dr. Guzik und Wohlgemizth aus dem Seminar ent- Um 1U13 Hk findet jetzt die Sprechstunde der Beratungsstelle des jüdischen Centrai- Vereins, Berlin W15, Emser Straße 42, IV, statt. Sprechtage sind Montag bis Freitag, für Mitglieder des Centrai-Vereins auch ausserhalb der angegebenenSprechstunde nach vorheriger telephonischer Vereinbarung. Wann und wo finden Sie Ret? Messen-Xassau und Hessen Kassel Fulda Himburg Bad Ems Worms Gemeindehaus. Gt. Rosenstr. 22, 7. Juli 1937, 15 ühr 30 bis 17 Ühr 30. Hotel Kaufherr, Bahnhofstrasse, 14. Juli 1937, 9 ühr 30 bis 11 ühr 30. Werner - Senger - Strasse 13 bei Albert Metzger, 20. Juli 1937, 15—17 ühr. Braubacher Str. 17 bei Rabbiner Dr. Laupheimer, 27. Juli 1937, 10—12 ühr. Gemeindehaus. Hintere Judengasse 2, 29. Juli 1937, 15 bis 17 Uhr. Erinnerung an Lautenburg Viele Berliner der älteren Theatergeneration werden von der Nachricht überrascht worden sein, dass das Residenztheater in der Blumenslrasse, von dem schon seit vielen Jahren nichts mehr zu hören war, jetzt abgerissen wird, um einem Wohnungsneubau Platz zu machen. Nicht ohne leise Wehmut wird man sich der Stunden ausgelassener Heiterkeit erinnern, ' die an dieser schon nahe an ' die Peripherie Berlins herangerückten Stätte der leichten Muse ihr Wesen trieb und hier einen seltenen, von kaum einer anderen Bühne je wieder erreichten Stärkegrad annahm. Hier diente man wirklich dem Vergnügen der Einwohner, und zu den Einheimischen gesellten sich die zahlreichen Fremden, die in die Reichshauptstadt kamen und sich für ihr abendliches Unterhaltungsprogramm vor allem das neueste Repertoir- und Zugstück des Residenztheaters vorgemerkt hatten. Denn an dieser vom Glück besonders begünstigten Bühne gab es eigentlich nur Zugstücke, unter 200 Aufführungen ging es kaum ab, und wenn sich die Wirkung des einen allmählich erschöpft hatte, lag schon das andere bereit, das der ebenso findige wie geschäftstüchtige Direktor Sigmund" La utenburg von jenseits des Rheins frisch importiert hatte. Lautenburg, eine der originellsten Erscheinungen unter den leitenden Bühnenmännern jener Zeit, hatte das Residenztheater 18S7 — also vor 50 Jahren — von seinem Vorgänger Anton Anno, dem späteren Direktor des Kgl. Schauspielhauses in Berlin, für eigene Rechnung übernommen, und er setzte dem von Anno hauptsächlich gepflegten französischen Sittendrama der Dumas und Augier die ausgiebig heitere Note der Schwanke und Vaudevilles entgegen, die durch Namen wie Georges Feydeau, Alexandre Bisson, A 1 b i n V a 1 a - b r e g u e, Pierre Veber u. a. am wirksamsten vertreten wurden. Es waren nichts anderes als bedenkenlose, schmissige Amüsierstücke, technisch glänzend wie aus dem Handgelenk hingeworfen — man denke nur an die in vielen hundert Aufführungen erprobte ..Dame von Maxim"s man denke an den „Scblaiwagenkontrolleur", an „Haben Sie nichts zu verzollen?", an „Kümmere Dich um AmeTie" — Stücke von einer gewiss nicht sehr zahmen und oft turbulenten, aber ungeheuer schlagkräftigen Komik der Situationen, die immer neue Anläufe nahm, in unvorhergesehenen „Trics" immer neue Höhepunkte erkletterte, um schliesslich in Stürmen von Gelächter widerstandslos zu versinken. Solche Stücke wollten gespielt, sie mussten, im Tempo und in ihrer unaufhaltsam nach aussen drängenden vis comica, von Regie und Darstellung aufs sorgsamste reguliert werden. Der verlässliche und vielbewährte Regisseur war, auch wenn er den Aufführungen oft nur den letzten Schliff gab, Lautenburg meist in eigener Person; als Träger der Hauptrollen aber ragten aus dem gut eingespielten Ensemble eine männliche und eine weibliche Kraft heraus: Richard Alexander, der beweglichste, der unwiderstehlichste und charmanteste aller Komiker, der Komiker in tausend Nöten und Aengsten, und Rita Leon, eine der temperamentvollsten und mondänsten Lustspielsoubretten. Zu Zeiten gab es indes an Lautenburgs Residenztheater eine merkwürdige Ueberraschung: dann verwandelte sich die nur belustigende Schwankbühne, die keinerlei literarische Ambitionen kannte, in ein Thealer der Uraufführungen von nochunbekannten, ernsten Dramen der Moderne. Man weiss eigentlich nicht, was den unumschränkten Herrscher im Reich erfolgsicherer Schwanke damals dazu trieb, das gelegentliche Risiko eines solchen Wandels auf sich zu nehmen. War es Eitelkeit, die sich im Glan2 des Aussergewöhnlichen gern selbst bespiegelte und die im persönlichen Auftreten des „Monsieur Lautembourg" oft erheiternde Formen annahm? War es der Wagemut des Mitläufers, der von den frischen literarischen Kämpfen der Zeit erfasst war, oder schliesslich nur naive, neuerungssüchtige Entdeckerfreude? Wie dem auch sei: diese Uraufführungen, die meist als Sonntagmittagsvorst ellungen staltfanden, erregten das wachsende Interesse des Publikums und boten auch der Presse Gelegenheit, sich an der neuesten dramatischen Produktion zu orientieren. Auf diese Weise lernte man zuerst Ibsens „Wildente" auf der Bühne kennen — in einer Aufführung, zu deren vorbereitenden Proben die beiden kundigen Ibsen-Apostel Brahm und Schienther als Berater hinzugezogen wurden und in der Lautenburg, mit vielen Zügen seiner selbst, den Hjalmar Ekdal spielte: von Ibsens Antipoden Strindberg wurden die „Gläubiger" herausgebracht, und ein Dichter vom Range Maupassants^kam mit seinem rührendschmerzlichen Melodram „Musotte" zu Wort. Seinen grössten Trumpf spielte jedoch Lautenburg mit Max Halbes Liebesdrama „Jugend" aus, an das sich in jenen Tagen keiner seiner Direktionskollegen herangewagt hatte. Der Lohn war ein Erfolg von seltenem Ausmass, ein Erfolg, der sich dann an dem von Lautenburg eigens für ..Jugend" gepachteten Neuen Theater am Schiffbauerdamm in einer endlosen Reihe von Wiederholungen auswirkte. Und wie in dem Hause der Blumenstrasse, wo sonst nur grossstädtisches Amüsierbedürfnis seine Befriedigung fand, manches literarisch wertvolle Drama ans Licht gefördert wurde, so öffnete sich von hier aus auch einer Reihe schauspielerischer Talente der Weg in die Helle und .die Höhe. Man braucht sich nur Namen wie Rudolf Rittner, Emanuel Reicher, Josef Jarno, Hans Pagay, Irene Triesch.RosaBertensin die Erinnerung zurückzurufen, und jeder, dem diese Namen die Assoziation besonderer künstlerischer Leistungen wecken, wird die Bedeutung ermessen, die das Residenztheater unter Lautenburgs Führung für die Entwicklung der modernen Schauspielkunst angenommen hat. h. l. Ein Schauspieler-Jubiläum Wenn ein Künstler, wie der Schauspieler Wilhelm Kolmar, von 1909, wo ihn Hagemann verpflichtete, bis 1933, also 24 Jahre lang, einer Bühne von der Tradition und dem Rang des Mannheimer Nationaltheaters angehörte, so verdient er wohl, dass man seiner zu seinem 60. Geburtstage, am 2. Juli, gedenkt. In Oesterreich, und zwar in Mähren, geboren, war Kolmar ein Charakterdarsteller von Format, zu dessen bedeutendsten Gestalten sein Nathan und Shylock neben seinem Rabbi Sichel usw. zählten. Seit seinem Abschied von der Bühne lebt der Künstler in Baden-Baden. Möchte ihm das viele Schöne, das er uns einst auf der Bühne gab, durch etwas Sonne an seinem Lebensabend vergolten werden. so. Der Kalender der Künstlerhilfe wird für das Jahr 5698 (1936/37) von der Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde, Berlin, Charlottenbnrg 2, nunmehr schon im vierten Jahrgang erscheinen (Verlag Joseph Jastrow). Die redaktionelle Arbeit unterliegt: Prof. Dr. Landsberger. Dr. Max Osborn und Dr. Hermann Schildberger. Die Bilder und Texte stammen von rund 30 jüdischen bildenden Künstlern und Dichtern. Lehrhaus Berlin Pb oto - Arbeitsgemeinschaft: Vorbesprechung 24. Juni, 20 Uhr 30 Min., Marburger Strasse 5/iII. Wanderung in der Natur (Leitung: Otto Treitel): 27. Juni: Wanderstrecke Bahnhof Chorin— Herrscherberg—Forsthaus Liepe—Chorin Kloster. Treffpunkt: 6 Uhr 30 Min. vor Stettiner Fernbahnhof. Sprachkurse: Neue Anfängerkurse werden für Englisch, Spanisch, Portugiesisch eingerichtet. Anmeldungen beim Sekretariat, Marburger Str. 5. Bei einer genügenden Interessentenzahl sollen auch Kurse für kaufmännisches Englisch, englische Konversation und Stenographie geführt werden. Kulturbund-Spielplan der Woche Theater in (1er Ivommandantenstrasse 57: 20 Uhr 15 Min.: „J e a n": 28. Juni (Abt. 1 und 11), 29. Juni (Abt. 2 und 12). ..H o f f n u n g" : 1. Juli (Premiere: Abt. 5 und 15), 4. Juli (Abonnement und Abt. 45). Reform-Svnagoge Johaimisstr. 16: Chorkonzert: 28. Juni (Abt. 4. 5, 6, 7, 14, 15, 16, 17 und 46), 29. Juni (Abi. 8. 9, 18. 19, 22, 23, 32 und 33). Brüderverein, Kurfürstenstr. 115/116: Vortrag Dr. Anneliese Landau: 1. Juli. Der Jüdische Kulturbund Berlin teilt mit: Die beiden Vorträge von Dr. Joachim Prinz über „Juden und Judenfrage in USA", die am 8. und 9. Juni stattfinden sollten, müssen ausfallen. Die bereits gelösten Karten werden im Kulturbund und in den Zahlstellen zurückgenommen. Der Jüdische Kulturbund Berlin bringt als nächste Premiere Henry Bernsteins Schauspiel ,.H o f f n u n g", das in Paris meistgespielte Stück der letzten Jahre, heraus. Regie: Dr. Hans Buxbaum. In den Hauptrollen"': die Damen Jenny Bernstein, Elfriede Boro dk in, Gina Friedmann und die Herren Fritz Bensch er, Bert Baer und Willy £ r a g er.

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