Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 24 (17.6.1937)
- Date
- 1937-06-17
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2277379-2277516-2277540--11984-2281559- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seife 16 C-V.-Zeitung Rr.2* * T7.Jun?1937; — Dr. Moses Lipschitz Einem unserer Besten gilt zum 15. Juni unser Glückwunsch. Dem C.-V. gehört er der Gesinnung nach seit dessen Gründung, bald auch durch treue Mitarbeit an: verbunden mit ihm in dem_ Streben, den aufrechten, tätigen und gemeinnützigen Menschen und Juden herauszubilden. Als ein Mann, der es mit allem für Pflicht und Recht Erkannten ernst nahm, stellte er sich dem C.-V. zur Verfügung, r- - - - ~~_— -7 nahm an wich'saen / r/ Beratungen teil, lei- " - '>-/';- tete Bezirksversammlungen, war ungeachtet seiner Mitgliedschaft in so vielen anderen Körperschaften und Vereinigungen stets, wenn es nottat, zur Stelle. Vor seiner Seele stand das Idealbild eines jüdischen Menschen, wie er ihn zu verwirklichen trachtete: der Mensch der strengen Selbstzucht, der unermüdlichen Arbeit, (]ps opferwilligen Gemeinsinns. Ein solches Ziel ist un ibhängig von allem Wechsel der Zeit. Ein Wirken und Schaffen, das von einem gütigen Herzen und reiner Gesinnung beflügelt ist, kann sein Ziel nicht verfehlen. Moses Lipschitz brachte beste Tradition schon aus der elterlichen Lehrerfamilie in Flatow mit, wo er 1867 geboren wurde: darf aber im höheren Sinne als Selfmademan gelten. Neunzehnjährig ging er als ältester Sohn zum Studium nach Berlin. Kaum als praktischer Zahnarzt approbiert, musste er an den halbverwaisten Geschwistern Vaterstelle vertreten, ihnen allen die Wege ins Leben bahnen, ehe er das eigene Haus gründete. Spät führte er die Gattin heim, verlegte er die Praxis aus dem Zentrum nach dem Westen; unermüdlich mehrte er Klang und Gewicht seines Namens. An der Hand seiner zahnärztlichen Lehrbücher und Abhandlungen kann man bequem die Entwicklung seiner Fachwissenschaft wie seines Standes verfolgen. Wir nennen die wichtigsten: ..Diagnostik und Therapie der Pulpa-Erkrankung", 1920: „Die Selbstregu- Üerung des Gebisses". 1927: „Führer durch strittige Fragen der täglichen Praxis". 1931. Unlösbar ist sein Name mit wichtigen Fortschritten der zahnärztlichen Praxis verbunden, die heute Allgemeingut geworden sind; seinen unablässigen Bemühungen ist die Einführung der Schulzahnkliniken zuerst in Berlin, dann im Reiche, zu danken, mit ihren unabsehbaren Segnungen für Volksgesundheit durch Prophylaxe und Hygiene Für einen Forscher und Arbeiter wie Lipschitz gibt es keinen Stillstand; auch sein wissenschaftliches Werk ist noch nicht abgeschlossen: mehrere seiner Schriften harren noch der Veröffentlichung. Wer ein Leben hindurch der leidenden Menschheit gedient hat und ihre Nöte zu lindern bestrebt war, hat Anspruch auf Dank und Anerkennung, die ihm unsere Gemeinschaft an dieser Stelle zum Ausdruck bringt, verknüpft mit dem Wunsche auf noch viele tätige Jahre. Dr. S. Samuel Professor Hans Sachs Am 6. Juni wurde der frühere ordentliche Professor an der Universität Heidelberg und Direktor der wissenschaftlichen Abteilung des dortigen Instituts für Krebsforschung. Dr. med. Hans"Sachs. 60 Jahre,alt. Der Gelehrte stammt aus Kattowitz in Oberschlesien und wurde bereits im Jahre 1900 Mitarbeiter Paul Ehrlich*, an dessen Institut für experimentelle Therapie in Frankfurt am Main. Es war dies zur Zeit, als der grosse Forscher mit dem theoretischen Ausbau der Immunitätslehre beschäftigt war. und an den grundlegenden Arbeiten dieser Schaffensperiode war neben dem verstorbenen Julius Morgenroth, in besonderem Masse Hans Sachs beteiligt. Als Ehrlich, selbst sich später anderen Forschungsgebieten zuwandte, wurde Sachs an dem Institut, dessen ordentliches Mitglied er 1905 geworden war. der Hauptvertreter der experimentellen Serumforschung. Es entstand eine grosse Zahl von Arbeilen, die unsere Kenntnisse "von den Veränderungen des Blutserums bei den Iminunisierungsvorgängen wesentlich förderten. Im Jahre 1914 wurde er Honorarprofessor an der neugeizründeten Frankfurter Universität und folgte 1920 einem ehrenvollen Rufe nach Heidelberg. Hier war er bis Ende 1935 tätig. Im Verein mit seinen Schülern arbeitete er ein neues Verfahren zur Serodiagnostik der Syphilis aus. förderte er den Ausbau der serologischen Tuberkulose-Diagnose und widmete auch" eine grössere Zahl von Arbeiten der Immunbiologie der Krebskrankheit. So ist Sachs heute in der ganzen Welt als einer der hervorragendsten Vertreter der serologischen Forschung anerkannt und hochgeschätzt. * S. J. Dr. Herrmann, Danzig Am S. Juni vollendete der Vorsitzende des Dan zig er Central -Vereins, Rechtsanwalt Dr. Bruno Herrmann, das fünfzigste Lebensjahr. Diesen Tag nahmen die Danziger Vorstände des Centrai-Vereins, des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, der£ religiös-liberalen Vereinigung und des ,.Ring" jn Danzig zum Anläse, um dem Jubilar für seine unermüdliche Arbeit im Dienste des Judentums zu danken. Nach einer Ansprache von Gemeinderabbiner Dr. Grün, der die jüdische Persönlichkeit des Jubilars würdigte, überbrachten die Vertreter der genannten Organisationen die Glückwünsche ihrer Mitglieder. Besonders der Danziger Centrai-Verein und die ihm angeschlossene Jugend sagten Dank dafür, dass mii Icpfl/iinfflki Britische Krönungsmarken und Neuerscheinungen Zum zweiten Male feierte das britische Weltreich (ausser dem Freistaat Irland) ein Fest der gemeinsamen „Krone" durch besondere Briefmarken aller britischen Postgebiete, nach dem Silberjubiläum König Georg V. nun die Krönung seines zweiten Sohnes, Georg VI. Zwar brachte diesmal das Dominium Australien keine eigentlichen Krönungsmarken, dafür aber erstmalig eine Marke der neuen Reihe mit dem Bilde der Königin Elisabeth (1 d) gleichzeitig mit einer 2 d mit dem Bilde König Georg VI. heraus, und das Kaiserreich Indien wird die Kaiserkrönung in Neudelhi abwarten, bis es sich anschliesst. Indien hat bekanntlich Georg V. stets im Muster der Krönungsausgabe von 1911, im Kaiserornat, abgebildet. Sonst gab es bisher nur noch eine Krönungsausgabe von Neufundland (1911), auf deren 4 c der damalige Prinz Albert, später Herzog von York und jetzt König Georg VI., abgebildet ist (ferner auf der Silberjubiläumsmarke zu 2 c von Kanada). Die neuen Krönungsmarken umfassen insgesamt 202 Werte, wovon 135 auf die Kronkolonien fallen. Das Mutterland, Grossbritannien, gab nur eine Krönungsmarke heraus, eine VA d im Querformat. Zwischen dem König (links) und der Königin befindet sich die Krone über dem kgl. Monogramm, seitlich in der Mitte der Verzierungen links der Reichsapfel, rechts das Salbgefäss; Malteserkreuze in den oberen Ecken symbolisieren den Union Jack, die britische Flagge. Zwischen der Wertbezeichnung in den unteren Ecken lesen wir das Krönungsdatum „12. Mai 1937" und oben „Postage Revenue". Die Riesenauflage entspricht einem Schalterbedarf dieses Wertes von zwei Monaten, dann erscheint die endgültige VA d der neuen Reihe, von der die Werte zu A. 1 und 2A d bereits am 10. Mai erschienen sind, mit dem Kopfe des Königs nach links. Den Rahmen bilden oben die Krone, unten die Wertbezeichnung . im Kreise, links „Postage" und rechts „Revenue". In den vier Ecken sind die Embleme des Königshauses angebracht: (von oben links im Uhrzeigersinn) Rose (England), Distel (Schottland), Narzisse (Wales) und Kleeblatt (Nordirland). Für die Postämter in Marokko wurde die Krönungsmarke überdruckt mit „Tangier* für die französische. „Marocco Agencies 15 centimos" für die spanische Marokkozone. — Alle diese Marken tragen bereits das neue Wasserzeichen ..Krone G VI R mehrfach'^. — Mit dem Wz. „Krone E S R" mehrfach erschienen weitere Portomarken, 1. 3 d und 2/6 (Half Crown). Für Marokko wurden in letzter Zeit noch einige kursierende Marken im Georg V.-Muster überdruckt: 5 Shill. rosa: 90 Centimes auf 9 d und 1 Fr. auf 10 d (franz. Zone); 1 Peseta auf 10 d (span. Zone); alle mit „Marocco Agencies". Die 45 Kronkolonien (einschliesslich Neufundland, das als Dominium ausserdem noch eine eigene Ausgabe von 11 Werten veranstaltete) haben ein einheitliches querrechteckiges Muster: links die Königin, rechts der König, dazwischen die Herrschersymbole unter der Krone; oben das Krönungsdatum „12th May 1937." weiss - auf "farbig, unten Landesname farbig auf weiss, links Randleiste Szepter, rechte Schwert; Wertbezeichnung unten in den Ecken. Da Farben und Wertstufen nicht einheitlich sind, müssen wir auf Einzelmeldungen verzichten, das Wz. ist das alte geblieben. Eigene Zeichnungen mit Doppelbild tragen: Kanada 3 c, Neuseeland (für Cookinseln und Niue entsprechend überdruckt) und Südrhodesia; nur den Königskopf: Nauru. Neuginea, Papua, Südafrika und Südwestafrika (diese abwechselnd mit englischer und afrikanischer Inschrift). Die erwähnten elf Neufundland-Marken zeigen den Königskopf im Medaillon nebst Bildern. — Kanada hat ausserdem bereits die neue Serie mit Georg VI. (Ahornblätter über den Wertziffern in den unteren Ecken) ausgegeben, 1, 2, 3, 4, 5 und 8 c. Die Neuausgaben der Kronkolonien werden, wie verlautet, erst nach und nach erfolgen. Tauschecke Suche: Orient. Gebe: Europa und Uebersee; Alfred Löwisohn, Breslau 5, Freiburger Str. 18. — Suche: U.S.A. Gebe: Europa; A. Hildesheimer, Speyer. Ankauf VIKTOR WEISS BERLIN W. 9, Potsdamer Strasse 12 Xäae Potsdamer Platz. Telef. 21 2901 Verkauf Ankauf BRIEFMARKEN woTI Berlin O. 27 Holzmarktstr. 68. Tel. 59 2103 Verkauf Grosse Auswahl in Neuheiten: Alt-Europa und Deutsches Reich Ankauf — Verkauf 10—14 Uhr nnd ah 6 Uhr LUDWIG MEYER Berlin W 50, Achenbachstrasse 6 / 24 52 50 <xxxxxxxxxxxx><xxxxx><>c Gegr. 1893. S. ftaludf, Bln.-Halensee Hektorstr. 2. An-, Verkauf über 2 OOO verschiedene S e r i © n am Lager. Alben zu Originalpr. Ruf 971084 o<xxxkxxxxx><xxxxxxxxx> ungern ANu. VERKAUF KOSACK <fc CO. BERLIX, Burgstr. 13. Ankauf — Verkauf Erledigung von Fehllisten. Fritz Lewin MERKUR 7 EJTUNtrs IS Briefmarkenharsdelsses. m. b. H. Berlin W15, Kurfürstenefamm 26A Auswahlsendungen —— Kostenlos illustrierte Sonderangebote vi . ZE1TUNGS :S Y-^^r— STAMPFL Die nächste Brietmarken >»I£el£e erscheint in ca. 4 "Wochen. Dr. Herrmann von Jugend an für seine Ueberzeugung gekämpft und nun als reifer Mann in schwerster Zeit die Führung übernommen hat. Jüdisches Leben — jüdischer Geist Henry Sliosberg Der frühere Vorsitzende der jüdischen Gemeinde zu Petersburg, Henry Sliosberg. ist am 8. Juni in Paris 70jährig gestorben. Zuletzt hörte die jüdische Öffentlichkeit von ihm, als er vor etwa Jahresfrist im Berner Prozess um die ,.Protokolle der Weisen von Zion" als Zeuge auftrat, um gestützt auf sein umfangreiches Material die Behauptungen ihrer Verteidiger zu erschüttern. Bereits im zaristischen Regime war er als Anwalt mit unermüdlicher Umsicht und grossem Mut für die Rechte der russischen Juden eingetreten. Keine jüdische Tragödie jener Zeit, mit der sein Name nicht verknüpft wäre. Im Wiinaer Ritualmordprozess, im Beilisprozess, in den Pogromprozessen von Kischinew und Hornel setzte er sein Wissen und sein Ansehen für die Bedrückten ein. Nach dem Kriege ging er den Weg so vieler russischer Emigranten nach Paris. Wiederum organisierte er ein Hilfswerk: das für die russischen Juden in Frankreich und wurde zum Vorsitzenden der russischjüdischen Gemeinde in Paris gewählt. Sliosberg, der das Problem des Ostjudentums in seiner vollen Grösse kannte, zählte zu den Mitbegründern der „ORT"; der zionistischen Bewegung hat er sich aktiv nicht angeschlossen. — Zur Trauerfeier waren viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens erschienen. An seinem Grabe sprachen Grandrabin Julien Weil und der frühere Oberrabiner Moses A i s e n s t a d t. Ludwig Pick Mit dem Senior der Rabbiner Deutschlands, Dr. Ludwig Pick, der am 29. Mai aus dem Leben schied, ging ein Gelehrter und edler Mensch dahin. Er entstammte einer alten Rabbinerfamilie, in der humanistische Bildung, jüdische Gelehrsamkeit und jüdische Herzensoffenbarung Tradition waren. Er verbrachte seine Jugend in der Blütezeit der Haskala, und die eigenartige Romantik dieser Epoche begleitete sein ganzes Leben. Mit seinem grossen jüdischen verband er ein ausgedehntes allgemeines Wissen und ein gerades, philosophisches Denken. Und dieser Weg der Schlichtheit, Bescheidenheit und Wahrhaftigkeit wurde der Weg seines Lebens — eines Lebens voll äusserer Entbehrung und innerer Grösse. Eine Sanftmut und Demut, die an den Meister Hillel erinnert, ging von ihm aus, die alles gut deutete, alles Menschliche begriff und mit Liebe bestrahlte. Vierundneunzig Jahre wurde dieser wahre Patriarch alt, und er trug sein Leben als Gnade und nicht als Last, weil er den äusserlich unsichtbaren Rahmen mit soviel Schönheit und Herzenswärme ausfüllte. R. Jüdische Kulturgeschichte 1650-1750 Das Jüdische Lehrhaus in B e r 1 i n eröffnete am 7. Juni vor einem allzu kleinen Hörerkreis seine Vortragsreihe mit dem Thema „Jüdische Kulturgeschichte". Wenn wir uns kritisch zu dem Vortrag des ersten Redners Hermann S i n s h e i nie r, der über das s e p h a r d i s c h e Judentum sprach, äussern, dann muss freilich zweierlei vorausgeschickt werden: Kulturgeschichte ist noch schwerer, als allgemeine Historie in Kurzvorträgen interessant und doch zulänglich darzustellen. Als zweiter Mangel der Themastellung ist die zeitliche Umgrenzung zu nennen, die "wir als willkürlich empfunden haben. Nach diesen Einräumungen ist zu sagen, dass Sinsheimer ein buntes und gedankenreiches Quodlibet von meist biographischen Einzelbildern gab, die vielleicht dem'Kenner manche Erscheinung neu und eigenwillig (oft höchst anfechtbar, — etwa bei den wenig verständnisvollen Bemerkungen über die messianischen Bewegungen) beleuchteten, nicht aber den Laien" wirklich in die Materie einführten. Die Eigenwilligkeit begann mit der Zusammenstellung von Sabatai Zewi und Spinoza und den (Nichtsephardim) Baalschem und Mendolssohn, als deren Gemeinsames ihre — doch höchst verschieden gegründete — Ablehnung talmudischen Denkens angeführt wurde und ward gesteigert, wenn der Halbjude Montaigne als Typ des sephardischen Juden gepriesen wurde, Nichtsephardim zu Sephardim ernannt und Ursephardim als unsephardisch gestempelt wurden. Es konnte doch nicht darauf ankommen, ein vorgefasstes Bild vom Sephardentum unbedingt zu bestätigen, sondern es hätte das innere Wesen des Durchschnittsjuden jenes Kulturkreises gezeichnet werden sollen. Dazu taugte freilich auch kaum, dass die romantischen Lebensläufe sephardischer Einzelgänger unterschiedlicher Bedeutung vorgeführt wurden, denn es waren doch nicht Kuriositäten noch so ansprechender Art zu sammeln, sondern vielmehr wäre das Durchschnittsniveau aufzuweisen gewesen. — Alles was Sinsheimer vortrug, war höchst anregend und nach weiterer Klärung drängend und ein solcher Abend ist nie ein verlorener, selbst wenn er weitgehend nur zum — Widerspruch reizt. Als zweiter Redner schilderte am 14. Juni Dr. Fritz Bamberger den aschkenasischen Kulturkreis jener Epoche. Während Sinsheimer immerhin noch versuchen konnte, seine Aufgabe durch eine Reihe von Biographien prominenter und typischer Vertreter des sephardischen Kulturkreises zu lösen, ist dies nach Bambergers eigener Erkenntnis für die Aschkenasim unmöglich. Hier sind Menschen, die' über die Masse hervorragen, weit mehr als dort Einzelgänger, die kaum mehr dazugehören. Es w^ar deshalb vor allem ein soziologischer Auiriss zu geben und darzustellen, dass die bisherigen Berufsvorstellungen berichtigt werden müssen. Eine als Beleg verlesene Clevesche Statistik wies vor allem jüdische Schlachter und dann Spezialisten (Glaser, Klöppler, Mechaniker) und am wenigsten Hausierer auf! Auch das Geldgeschäft entwickelt sich erst spät wieder, und zwar da im grossen Stil der Hoffaktoren, die gleichzeitig Kredit gewährten und Waren lieferten. — Der Wohlstand des aschkenasischen Juden jener Zeit war ansehnlich; seine durch Beziehungen und Wagemut ausgezeichnete Handelstätigkeit oft sehr erwünscht. Das Bildungsniveau der Gemeinden allerorts erstaunlich einheitlich, worüber auch die verbreiteten inneren „Kleinkriege'1 nicht hinwegtäuschen „Ketzer"artige Gestalten, die wir im sephardischen Raum fanden, sind hier unvorstellbar. Der geistige, sprachliche und bildungsmässige Kontakt zur Umwelt war stärker als in der Regel vermutet wird. Die Kulturgeschichte hat der starken wirtschaftlichen und geistigen Rolle der jüdischen Frau jener Zeit zu gedenken (Glückel von Hameln: Frauenliteratur). Akademiker und Künstler finden sich in überraschender Zahl damals unter den Juden, wenn auch nicht so zahlreich wie etwa in Italien. — Zusammenfassend wurde die Kultur der Aschkenasim jener Zeit als anonym und nicht w-eltweit gekennzeichnet. Ausserordentliche Leistungen wurden — auch von der Umwelt als Kuriosa empfunden, was noch bei der Wertung Mendelssohns auffällt, des unerschöpflichen Mannes, der schon in eine gewandelte Zeit weist. Das Referat fesselte ungemein stark, weil es bis ins letzte wissenschaftlich durchdacht und unterbaut war; durch die prächtig ausgewählten Belege aus dem Schrifttum und den Dokumenten der Zeit wurde seine Lebendigkeit erhöht. Die dankbaren Hörer hätten sich in dieser aussergewöhnlichen Weise gern noch lange belehren lassen. Haus Lamm Lehrhaus Berlin Montagreihe: 21. Jnni, 20 Uhr 30 Min., Fasanenstr. 80 (Vortragssaal): Jüdische Kulturgeschichte. Sehna Täubler- Stern: „Die Zeit Mendelssohns in Frankreich und Deutschland." Sprachkurse: Zum Juli sollen neue Anfängerkurse für Englisch, Spanisch, Portugiesisch eingerichtet werden. Baldige Anmeldung von Interessenten Jm Sekretariat Marburger Strasse 5 (10—13, Iß—18 Uhr). Die bisher vom Hilfsverein der Juden in Deutschland E.V. durchgeführten Auswanderersprachkurse sind auf das Jüdische Lehrhaus übergegangen und werden von ihm fortgeführt.