Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 24 (17.6.1937)
- Date
- 1937-06-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 2 C-V.-Ze?fung Nr.24 17.Juni!937! Krankenversicherung Aufnahme bis 70 Jahre ohne Untersuchung USUS SCflWSfZ Gr? BoSenhe'imer sSaße*29^il wesen, in dem nur eine einzige Sprache und ein einziger Nationalgeist vorherrscht, gegenstandslos geworden: die Forderung nach kultureller Autonomie kann nur die Forderung nach einer religiös-kulturellen und nicht nach einer national-kulturellen Autonomie sein. Auf der anderen Seite ist es unbestreitbar, dass die jüdische Gemeinschaft in Oesterreich infolge der politischen Geschehnisse seit der Bürgermeisterschaft Karl L u e g e r s , insbesondere aber auf Grund der Tendenzen des letzten Jahrfünfts, immer mehr auf sich selbst zurückgeworfen wird. Eine Grossgemeinde wie Wien hat heutzutage tatsächlich das Aussehen einer Selbstverwaltungskörperschaft mit einer eigenen weit ausgebauten Kultur- und Sozialpolitik angenommen. Die Dinge sind wirklich so zwangsläufig, dass auch eine imionistische Gemeinderührung nicht viel mehr an ihnen ändern könnte, als den Namen. Mit der Vertretung jüdischer Interessen nach aussen liegt es kaum anders. Der Staat, der sich von jedem Eingreifen in den innerjüdischen Kampf offiziell zurückhält, hat der Tatsache einer eigenen jüdischen Gemeinschaft im Rahmen des ständischen Aufbaus dadurch Rechnung getragen, dass er -in die Berufsgilden, in denen Juden zahlreich vertreten sind, wie in die Gilde der Textilkaufleute und der Spediteure, in 'den Bundeskulturrat, in den Staatsrat und in das Gremium der Gemeinde Wien Juden, und zwar an die beiden letztgenannten Stellen den Präsidenten der Kultusgemeinde, Dr. Friedmann, und den zionistischen Kultusvorsteher Dr. Ehrlich berufen hat. So unzulänglich zahlenmässig diese Vertretung ist, so wenig die jüdischen Vertreter, seien sie nun Zionisten oder Unionisten. auch praktisch zu erreichen vermögen, sobald es um mehr geht als um Einzelfragen, so ist die Vertretung als solche doch von Bedeutung. Mit ihr hat^der neue autoritäre Staat wenigstens einen Versuch gemacht, die jüdische Gemeinschaft in seinen -Organismus einzufügen, indem er sich zu Grundsätzen der Vertretung jüdischer Interessen nur durch Ju- LONDON N W 3M„. LB. BENDHEIM Vornehm, deutsch-englische Familienpension 11 .Adamson Road den ...und als Juden als der zuverlässigen Richtlinie jüdischer Politik bekannt hat. Man kann aus der Entwicklung in Oesterreich lernen, dass Ideen ihren historischen Ort haben, räumlich und zeitlich. _ Der Grundsatz, der in der französischen Nationalversammlung ausgesprochen wurde, den Juden „als Nation'^sei nichts, den Juden „als Menschen" sei alles zu gewähren, hat in den germanischen und slawischen Ländern des mittleren und östlichen Europa teils nie gegolten, teils ist er seit einiger Zeit ausser Kraft gesetzt. Die Juden werden „dissimiliert". Diesem Prozess können sich auch die Anhänger einer Gruppe nicht entziehen, deren geistiger und soziologischer Ausgangspunkt in einer anderen Welt zu suchen ist. Der Fehler des Liberalismus in Oesterreich war von Anfang an der, dass er, genau besehen, gar keiner war und es dem genius loci entsprechend auch nicht sein konnte. Die Nalionalitätenkämpfe überschatteten von Anfang an das Werden eines freien Staatsbürgertums. So ist der Sieg der Zionisten in Wien, — ursprünglich ein Sieg des historischen über das abstrakte Denken, ein Sieg des Ostens über den Westen, — heute" nur mehr ein Sieg der schärferen Formulierung und der schlagkräftigeren Organisation. Gedanklich ist dieser Sieg so unbestritten, dass von einer wirklichen und mehr als latenten Gegenposition bei keiner Richtung mehr gesprochen werden kann. Nachdem der Versuch der Zionisten, einem zu gründenden österreichischen Gemeindebund rechtliche Anerkennung zu verschaffen, als gescheitert zu betrachten ist. hat das Bestreben des unpolitischen österreichischen Frontkämpferbundes, dem im Gegensatz zu den Gemeinden nur österreichische Staatsbürger angehören können, einen zentralen Vollzugsausschuss aller jüdisch-politischen Richtungen zur Wahrung der Interessen der österreichischen Juden schaff nach Art der Reichs Vertretung der Juden in Deutschland zu bilden, grosse Aussicht auf Verwirklichung. Soziologisch allerdings ist der Kampf der „Oestier" und der „Westler" um den vorwiegenden Einfluss in der Kultusgemeinde nach wie vor in vollem Gang. Obwohl der Zionismus über westjüdische, die Union über ostjüdische Anhängerschaft verfügt, lässt sich sagen, dass das Geheimnis des kräftigen Widerstands der Union gegenüber der Gemeindemehrheit nahezu ausschliesslich darin zu suchen ist, dass sich 1 Erregte Atmosphäre in Polen Strafprozesse Die jüdische Oeffentlichkeit Polens steht unter dem Eindruck des Prozesses gegen einen 33jährigen Schneider aus Kaluszyn, Juda Leib Chatzkelewicz, der vor Jahresfrist den polnischen Wachtmeister JanB uj a k ermordet hat. Der Prozess, der vor dem Warschauer Kreisgericht stattfand, hat die öffentliche Aufmerksamkeit sehr stark auf sich gezogen. Der Staatsanwalt hatte ursprünglich die These vertreten, dass der Mörder das Werkzeug einer politischen Verschwörung gewesen sei. Er hat diese Annahme aber fallen lassen und persönliche Motive für ausschlaggebend erklärt. Die Sachverständigen haben in einem von 16 Psychiatern verfasslen Gutachten die geminderte Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten festgestellt. Die Vertreter der Privatkfäger versuchten, die jüdische Gesamtheit für die Mordtat, verantwortlich zu machen. Die Verteidigung, die zum Teil in nicht jüdischen Händen lag, wandte sich scharf gegen alle judenfeindlichen Angriffe. Der Angeklagte -machte einen durchaus minderwertigen Eindruck und brachte in seinem Schlusswort nur unzusammenhängendes Gestammel vor. Das Gericht nahm ihn aber im Gegensalz zum Sachverständigengutachten für voll verantwortlich für seine Handlungsweise und verurteilte ihn zum Tode. In der Begründung des Urteils, gegen das übrigens bereits Berufung eingelegt ist, wird gesagt, dass die feindselige Einstellung eines Teils der jüdischen Bevölkerung und der jüdischen Presse den Entschluss des Mörders indirekt beeinflusst habe. . Der Prozess und das ihn abschliessende; Urteil haben in jüdischen Kreisen tiefe Erregung ausgelöst. Der Verband der jüdischen Journalisten erhob feierlichen Einspruch gegen den Versuch, die jüdische Oeffentlichkeit für die Tat des Chatzkelewicz verantwortlich zu machen. In der Erklärung wird gesagt, dass durch ein solches Urteil die Vernichtungsaktionen gegen die jüdische Bevölkerung gerechtfertigt und die Wiederholung von Vorfällen, wie sie in Brest-Litowsk sich zugetragen hätten, ermutigt würden. Die Zeitungen, die diese Erklärung veröffentlichten, wurden beschlagnahmt. Gleichzeitig hat der Sejmabgeordnete Dr. Emil Sommerstein beim Ünterstaatssekretär für Justiz Verwahrung gegen die Bezichtigung der Juden eingelegt. Tm Senat hat Oberrabbiner Professor Moses Schorr an den Ministerpräsidenten und den Justizminister eine Interpellation gerichtet. Professor Schorr wies darauf hin. dass auch der Staatsanwalt die Tat des Angeklagten auf Einflüsse seiner jüdischen Umgebung zurückgeführt habe, ebenso wie die Urteilsbegründung dies tue. Der Senator fragte die Minister, welche Massnahmen die Regierung gegen einen Staatsanwalt zu treffen gedenkender die gesamte Judenheit für das Verbrechen eines einzelnen verantwortlich mache. u"; Neben dem Warschauer Urteil hat auch ein .. anderer Strafprozess die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Neun Personen waren angeklagt,. sich an den Ausschreitungen in Brest-Litowsk aktiv beteiligt zu haben. Acht von ihnen wurden zu sechs Monaten Gefängnis mit dreijährigem Strafaufschub verurteilt, einer, ein Jugendlicher, der häuslichen Aufsicht übergeben. Gleichzeitig treffen immer neue Meldungen ein, die von weiteren Ausschreitungen berichten. In den Dörfern Trzaba und Oraniczyk bei Osirow-Mazowiecki wurden Ueberfälle auf jüdische Familien verübt. Die Häuser der Juden wurden zerstört, diese selbst mussten fliehen. Auch in Brest-Litowsk kam es zu leichteren Ueberfällen und Plünderungen. Aus Lodz meldet man. dass dort durch ein Grossfeuer 400 jüdische Menschen obdachlos geworden sind. 100 Juden wurden teilweise schwer verletzt. In Lemberg hat der General der Sicherheitspolizei einer jüdischen Abordnung die Verstärkung der Polizei Patrouillen zur Verhütung weiterer Ueberfälle versprochen. Der Stadtpräsident von Warschau hat dem Verband jüdischer Kleinhändler zugesagt, er werde die Vernichtung ihrer Existenz verhüten. Wie wir nach Redaktionsschluss erfahren, ist in dem Prozess gegen den jüdischen Sehiächtergesellen Szozerhowski, dessen Mord an dem Polizisten Kendziora den Auftakt zu den bekannten antijüdischen Ausschreitungen von Brest- Litowsk gegeben hatte, das Urteil gesprochen worden. Es lautet auf Tod durch den Strang: daneben ist eine symholis'"flre Geldstrafe von einem Zloty verhängt word# -Ö<v-r Staatsanwalt bemühte sich in seiner Ad^gerede um eine in ihm der Widerstand des altösterreichischen Judentums gegenüber dem neu hereingedrungenen offenbart. Dieser Widerstand ist um so bemerkenswerter, als der alte Typ bei aller Proletarisierung nach Herkunft und Gesinnung bürgerlich und in seiner geistigen Haltung auf eine Art von ..Gehenlassen" eingestellt ist. Der neue Typ ist von Grund auf weit konsequenter im Denken, weit schärfer in der Tonart, weit ungehemmter im Handeln. Er beherrscht heute das jüdische Wien, aber der Wahlausgang hat nicht nur diese Herrschaft bestätigt, sondern auch ihre Grenzen auf- ■ gezeigt. Was heute in Wien vorgeht, ist der Beginn einer Verschmelzung des Ostens mit dem Westen, der Beginn einer neuen Epoche in der Geschichte der Juden Wiens. # Unter dem Vorsitz von Universitätsprofessor Dr. Herbert Elias hat die Vereinigung objektive [Würdigung der Tat, die er als eine Einzelaktion hinstellte, nur die man die jüdische Gesamtheit nicht verantwortlich machen könne. Der Vertreter des Nebenklägers suchte dem Prozess eine judenfeindliche Wendung zu geben. Gegen das Urteil hat die Verteidigung Berufung eingelegt Kurz vor der Urteilsverkündung kam es am Nachmittag des 15. Juni zu neuen antijüdischen Ausschreitungen, weil sich das Gerücht verbreitete, der Mörder sei nur zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden. In zahlreichen Brest- Litowsker jüdischen Geschäften wurden die Fensterscheiben eingeschlagen. Die Polizei stellte die Ordnung wieder her. Konstruktive Hilfe Politisch bedeutsam ist die aus Genf kommende Nachrieht, dass der polnische Delegierte bei den Beratungen des Internationalen Arbeitsamtes, das schon einige Male das Forum diplomatischer Vorstösse Polens gewesen ist, die Forderung nach stärkeren Einwanderungsmöglichkeiten in Uebersee, besonders in Südamerika, vorgetragen hat. Der Delegierte erläuterte die bevölkerungspolitische Lage Polens; die polnische Regierung sei der Ansicht, dass die Auswanderung der überschüssigen Landbevölkerung wichtiger sei als die von Industriearbeitern. Internationale Organisationen müssten die Mittel zur Lösung des Wänderungsproblems zur Verfüng stellen. Die Hilfsarbeit für die polnische jüdische Bevölkerung wird weiterhin lebhaft gefördert. Die Aktion zugunsten der Progromopfer von Brest- Litowsk breitet sich immer weiter aus. Die Zahl der örtlichen Komitees ist auf 310 gestiegen. Das Zentral-Hilfskomitee hat festgestellt, dass etwa 1100 Juden geschädigt worden sind. Die Verhandlungen zwischen dem europäischen Direktorium des Joint und der Zentral- Exekutive der Ort-Gesellschaft in Paris haben dazu geführt, dass beide Organisationen ihre Hilfsarbeit auf dem Gebiete der Berufsausbildung der jüdischen Bevölkerung koordinieren werden. Auslandsecho Stimmen des Auslands beschäftigen sich wieder und wieder mit den Vorgängen in Polen. Der englische Ministerpräsident Lloyd George hat aniässlieh einer Kundgebung jüdischer Organisationen in London ein Schreiben veröffentlicht, in dem er darauf hinweist, dass es der Weit nicht gleichgültig sei, wenn die jüdische Minderheit eines Landes eine Herabdrückung ihres Status erleide und die Regierung es unterlasse, ihre internationalen Verpflichtungen auf dem Gebiet des Minderheitenrechts zu beachten. Auch mehrere englische Kirchenfürsten haben an die Versammlung in London Protestschreiben gerichtet. Der Erzbischof von Gahterbury, das Haupt der High Church. unterstrich „seinen dauernden Protest gegen die Verfolgung von' Angehörigen der jüdischen Rasse". In New-York fand'auf Anregung des American Jewis Congress eine Konferenz über die Lage der Juden in Polen statt, an der sich 400 Organisationen beteiligten. Wie der Congress meldet, haben fünfzig führende nichtjüdische Persönlichkeiten Amerikas, vor allem Schulmänner und Geistliche, an die polnische Regierung eine Erklärung gerichtet, die gegen die Verfolgung der Juden in Polen protestiert. K. J. R. Der Ruf nach einheitlicher Führung VertreLer des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten, der Aguda, des Misrachi, des Verbandes Tora-we-Awoda, der Judenstaatspartei, der Revisionisten, des Verbandes jüdischer Kaufleute traten in Warschau zu einer gemeinsamen Konferenz zusammen, um eine politische •Gesamtvertretung der Juden Polens, vorläufig provisorisch, einzusetzen. Ein Komitee wurde gewählt, das mit den Vorarbeiten sofort beginnen soll. Den Bemühungen des Oberrabbiners von Athen, Dr. Koretz, ist es jetzt endlich gelungen, vom griechischen Kultusminister Georgacopoulous die staatliche Anerkennung des Verbandes der jüdischen Gemeinden Griechenlands zu erwirken. Dem Verband dürfen auch ausländische Juden angehören, sofern sie. ihren Wohnsitz in Griechenland haben. jüdischer Aerzte in Wien ihre Generalversammlung abgehalten. Der geschäftsführende Vizepräsident, Dr. Gustav Jellinek, wies auf die wachsende Not unter den jüdischen Aerzten Oesterreichs hin. Es wurde folgende Protestentschliessung gefasst: „Die Generalversammlung der Vereinigung jüdischer Aerzte konstatiert 'mit grösstem Bedauern, dass — von „ganz wenigen Ausnahmen abgesehen — die jüdischen Jungärzte von der Anstellung als Hilfsärzte an den Fonds-Krankenanstalten seit vier Jahren ausgeschlossen werden. Sie erhebt feierlichen Protest gegen diese unverdiente und ungerechtfertigte Zurücksetzung junger jüdischer Aerzte und beschliesst, neuerlich geeignete Schritte bei den zuständigen Stellen zu unternehmen, um dieses Unrecht aus der Welt zu schaffen." Der neugewählten Leitung gehören Universitätsprofessor Dr. Herbert Elias als Präsident, Dr. Gustav J e 11 i n e k, Dr. Siegfried P1 a s c h - kes und Primarius Dr. Kurt Tschiassny als Vizepräsidenten an. Julius Broduitz An diesem 16. Juni vor einem Jalirö ging eine Woche zu Ende, erfüllt von liebender Hoffnung und schmerzlicher Befürchtung um den teuren Menschen, der mit den Folgen eines schweren Unfalls rang. Wir gedenken der Jahrzehnte, durch die Julius Brödnitz. Führer und Freund der Mitglieder und Mitarbeiter des C.-V. gewesen ist, und des einen Jahres, seitdem er uns fern ist und fehlt. Wir erneuern an diesem erinnerungsvollen Tage das Gelöbnis, das wir an seinem Grabe niedergelegt haben in der Gewissheit, während des Jahres in seinem Sinne gearbeitet zu haben. * Der Vorsitzende des C.-V., Dr. Herzfeld, versammelte am Todestage seine Mitarbeiter in der Hauptgeschäftsstelle zu einer kurzen Trauerfeier. gjwwaiMiwii^^ Internationale Aussprache über Wanderungsfragen Vom 28. Juni bis zum 3. Juli wird das Völkerbundsinstitut für geistige Zusammenarbeit in Paris eine allgemeine Studienkonferenz abhalten, welche sich mit der Frage der friedlichen Revision befassen soll. Die Erörterung wird sich u. a. auf bevölkerungspolitische Fragen erstrecken, und in diesem Zusammenhang wird auch das Wanderuhgsproblem zur Sprache gebracht werden. Für die Berücksichtigung der Wanderungsfrage im Konferenzprogramm war die Erwägung massgebend, dass von allen Mitteln zur Abhilfe bevölkerungspolitischer Missstände die internationale Wanderung an erster Stelle stehe. Nachdem in der Nachkriegszeit die Wanderungsbewegungen infolge der Unsicherheit der weltpolitischen Lage und infolge von gesetzlichen Einschränkungen erheblich zusammengeschrumpft sei, hätten mehrere bevölkerungspolitische Sachverständige nunmehr die Meinung geäussert, dass es vielleicht an der Zeit sei, den Wanderungsbestrebungen neuen Impuls zu geben. Darum besitze das Wanderungsproblem gegenwärtig grösste Aktualität, und ferner stehe es angesichts der revisionsbedürftigen Haltung vieler" Einwanderungsländer mit dem Hauptgegenstand der Konferenz, der Frage der friedlichen Revision, in engem Zusammenhang. Die internationalen Beschränkungen der Wanderung hätten unzählige ■ Nachteile zur Folge gehabt, welche ihrerseits überall zu wirtschaftlichen Erschütterungen geführt hätten. -Im einzelnen,sollen folgende Fragen behan- . delt werden: 1. In welchem Umfang dient die Auswanderung als Abhilfe gegen Ueberbevölkerung und die Einwanderung als Abhilfe gegen Bevölkerungsmangel? 2. Unter welchen Bedingungen muss siclTdie Wanderung vollziehen, um sowohl für den Auswanderer als auch für die. Aus- und Einwanderungsländer vorteilhaft zu sein? 3. Welches sind im allgemeinen die Schwierigkeiten und Hindernisse, welche der Wanderung entgegenstehen? 4. Wie können diese Schwierigkeiten gelöst und die Hindernisse beseitigt werden? Die Beratungen sind durch eingehende Berichte und Denkschriften erster Sachkenner gründlichst vorbereitet worden, so dass man den Ergebnissen der Konferenz erwartungsvoll entgegensehen darf, ohne dass freilich auf unmittelbare praktische Auswirkungen von erheblicher Tragweite gerechnet werden sollte. Dr. Werner Landecker. & In Genf findet zurzeit eine Sitzung des Internationalen Arbeitsamtes statt. Im Verlaufe der Diskussion kam am 14. Juni auch der Vertreter Kubas, Senor A. Eskabar. zu Wort und erklärte, dass die südamerikanischen Länder unter einem Mangel an gelernten Arbeitern litten. Er schlug den Austausch gelernter Arbeiter unter den daran interessierten Staaten vor. Er wies ferner darauf hin, dassder kubanische .Kongress ebenso wie Argentinien (vgl. C.-V.-Zeitung Nr. 23 vom 10. Juni) sich für eine internationale Regelung des Wanderungsproblems ausgesprochen habe. A uslandsnach rieh ten! Türkei In der türkischen Nationalversammlung in Ankara sprach zum Thema „M inderh ei ten" der griechisch-orthodoxe Äbgeordne'e S t a m a t i Z i h n i O d j d a m --\ r. Zu dieser Rede und der sich anschliessenden Debatte bemerkt die istanbuler Tageszeitung „Tan" u. a., dass Minderheiten nur solche Gruppen seien, die sich nach Religion, Sprache und Nationalität von der Bevölkerung ihrer Heimatstaaten unterschieden. Diese Merkmale träfen aber auf die in der Türkei lebenden Juden, Tscherkessen und andere Bevölkerungselemente nicht zu, sie könnten als Minderheit nicht anerkannt werden. Man dürfe ihnen die Genehmigung zur Eröffnung von Minderheiteschulen nicht mehr erteilen und man müsse bestrebt sein, die Jugend jener Elemente zu echten Türken zu erziehen. Hanptschrif tleiter Dr. Alfred Hirschberg; Stellvertreter und verantwortlich für die Aufnahme von Bildern: Dr. Margarete Edelheim Verantwortlich für Sport: Dr. Ernst G. Löwenthal. sämtlich in Berlin. Für Rücksendung unverlangter Einsendungen ist Freiumschlag beizufügen. Leiter der Anzeigen-Abteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Friedrich Nathan, Berlin. DA I. Vi 40 000. PI. 5. Verlag: Jüdischer Centrai-Verein e. V.. Berlin W 15 Emser Strasse 42. Druck der Buch- und Tiefdruck Gesellschaft mbH., Berlin S\V 19. In allen führenden Wäschegeschäften W7~W » ww r „ m Darnenwöschefabrik Rosa Klauber / München M&i€iWli$&i*— wWtBSCitG