Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 23 (10.6.1937)
- Date
- 1937-06-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite. 10 C.-V.-Zeifung Nr..23* 10. Juni 1937. Vom Schaffen Rudolf Saudeks Viel bedeutet es. die Gesetzmässigkeit aufzufinden, die hinter der menschlichen Erscheinung ruht: mehr noch, selbst im Gewordenen das Ungesagte, Zukunftweisende zu erkennen. Zum ersten gehört Wissen und Forschen; zum zweiten eine ewig junge, sich immer neu entflammende Liebe zum Menschen. Aus diesem doppelten Antrieb, stark nach der Seite des Verstandes, zart nach der Seite der Empfindung, erwächst in dem Bildhauer der Wunsch, „Bildner", — Bildhauer zu werden. Studien- und Arbeitsjahre in Prag, Paris, Florenz, die genialen Schöpfungen grosser Meister bestärken ihn darin, für diesen Beruf die ganze Kraft, das volle Menschentum einzusetzen. Vor allem sind es Gesichter, immer wieder Gesichter, die Rudolf Saudek fesseln. So erstehen die Köpfe, die dank ihrer Eigenart und wundersamen Einfühlungsgabe ihren Platz in der Welt gefunden haben: Dante, im Britischen Museum zu London, Spinoza, erworben von der Philosophischen Gesellschaft im Haag, Brentano in der deutschen Universität in Prag, Wagner, dem Wagner-Museum in Luzern-Triebschen eingereiht, Ibsen in Oslo, die Duse und eine grosse Anzahl von Bildnissen in Privatbesitz. Sie geben uns einen Ausschnitt aus dem Schaffen des Meisters und der Würdigung, die ihn überall mit gleicher Wärme empfängt. Die vielen Etappen, die bis zur Vollendung einer solchen Schöpfung zu durchlaufen sind, deuten auf einen langen Weg innerer und äusserer Arbeit. Er beginnt bei der Auswahl des Materials, das der Persönlichkeit des Modells entsprechen soll. Ton, fügsam, aber auch wankelmütig, Marmor, ganz in seiner Dichte konzertiert, die Bronze mit ihren lebendigen Lichtern! Aus diesem oder jenem Material soll zuerst die äusere Aehnlichkeit geschaffen werden, die dem Bildhauer manche harte Probe zu bestehen gibt. Aehnlichkeit, das bedeutet eine Wiedergabe des Charakteristischen, ein plastisches Auswiegen nach allen Seiten und ein Nachspüren des Rhythmus bis in seine feinsten Lebensgesetze. Da gibt es das Gesicht, das nur ins Profil orientiert ist, da gibt es den plastischen oder malerischen Typ. Da sind die Köpfe, die nur ..Stirn", andere, die nur „Auge", und auch solche, die nur ..Mund" sind! Arbeitend wächst Rudolf Saudek mit Wesen und Werk seines Modells zusammen. Er weiss, dass es gilt, den vergänglichen und den ewigen Menschen zugleich, zu bildeu, besonders, wenn es um das Antlitz geht. Er weiss, dass es eine Magie des Gesichts gibt, und dass unsere Grossen so aussehen, wie sie aussehen wollen! Wie viele Köpfe sieht man als Nachbildungen von Gehörtem, Gesehenem, Erlesenem, die dem inneren Erleben nicht Neues mehr hinzufügen. Anders aber, wenn ein Künstler in intuitivem Edison Erfassen einer Persönlichkeit etwas zu ihrer äusseren Nachbildung hinzuträgt, das ein Lebensschicksal neu und fesselnd beleuchtet. Sagt uns Spinozas Kopf nicht mehr, als Worte vermögen? Klar die Stirn, leidvoll das Auge, empfindsam der Mund; schon in ihnen ist alles enthalten, was dieser Genius zu geben, was er zu erleiden hatte. Die von Vorurteilen erfüllte Welt, in der er mit seiner denkenden Stirn den Glauben zum Wissen führt, die gefühlvollen Lippen, die eine neue Sittlichkeit predigen, der schmerzvolle Blick, der sich einsam und ausgestossen aus der Gemeinschaft, kein Lächeln, keinen Dank zurückgewinnt. Wie anders setzt sich ein anderer Philosoph in seiner Werkstatt mit ihr auseinander, wenn er die Lippen fest zukneift, wenn die Augen unter den buschigen Brauen kaum die Höhle verlassen. Auch mit dem Kopf von Edison, der sich in die Wunder der Materie verbeisst. mit dem Kopf eines Schauspielers, dessen. Profil den' Typ des motorischen, des Bewegungsmenschen, verrät und ebenso bei dem gelassenen Gesicht eines Staatsmannes wird dieser Bilderhauer zum Verkünder, nicht zum Former. Das Gewesene, das Gewordene, das Mögliche und das Erträumte steht in dem Antlitz, das er schafft. Man merkt, der Bildhauer steht hier über den Stürmen, die das menschliche Dasein in jedes Gesicht einzeichnet. So betrachtet und vollendet er jedes Werk und bejaht somit die Welt im Sinne des Dichters: „Ihr glücklichen Augen, was je ihr gesehen, es sei, wie es wolle, es war doch so schön!" Meta Samson. David Wcill, dessen Samminn«? französischer Kunst aus dem 17. und 18. Jahrhundert von der Pariser Firma Georpes Wilden stein kürzlieh erworben wurde, schenkten dem Louvre u. a. Werke des Museums. Man sieht von Renoir („La jironouillicre") und Houdson (Büste der Madame de Jaueourt). Fastolle von Perroneau; Studien von Watteau, chinesische und griechische Statueten sowie ägyptische Bronzen. Jüdisches Museum Berlin: Die . Ausstellung ,,l)on J i z e Ii;i g A b r a - h n n e 1 . seine Welt und sein Werkwird nach einer Eröffnungsfeier für jzchulene Gaste, die am Sonntag, den 13. Juni stattfindet, vom 34. Juni an für das Publikum täglich von 10—14 Uhr. ausser Sonnabend geöffnet. Zur Ausstellung ist ein illustrierter Katalog erschienen. HOTELS SANATORIEN PENSIONEN | HeimDr.FritzM.Meyer,Berlin-Wilmersdorf.Güutzelstr.57 | |Norpü!n-,Sc)i!afniittel-,AlKoliol-| Kranke israelitisches Heimaitas v. Telefon: 41 11 73 nimmt nach nunmehr erfolgter Erweiterung wieder Pensionare auf Berlin H 54 Gormannsfrasse 3 r BAD NAUHEIM Sanatorium Dr.Schoenewaid i TJ^„~- „ C(„r/,^...l,M)I.^n.,7.7,»;i^ 411* JliA-» I.w*..o,. ^: Herz-?i. SlofficcchsclkranMicilen. Alle Diätkuren. Sanatorium Dr. Kotinsfamm Honfgsfein i. Taunus -Telefon 548- Nerven- und innere Erkrankunsen. Diätkuren Dr. M. Friedemann Dr. B. Spinak Dr. H. 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