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Central-Verein-Zeitung · 1937-06-10 · 23 (10.6.1937) · page 4

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Seite 4 C-V.-Zeitung Nr.23*10Juni1937 Der Heldentempel in Budapest wie ein Märchen aussieht. So sitzen sie auf den Terrassen des Gellert-Hotels, am Fusse des Blocksberges und in den paradiesischen Anlagen der Margaretenirisel. wo jauchzende Kinder und zahme, schlanke Rehe auf den gepflegten Rasenflächen spielen. Tempel, Gassen, Lieder 100 000 Juden leben in Budapest. Sie leben verstreut in allen Teilen der Stadt. Aber es gibt ein paar Gassen, da wohnen sie noch sehr eng zusammen. Da sind kleine Geschäfte, in denen man Tallesim im Schaufenster sieht und in denen Männer gehen im langen Kaftan und mit ernsten, dunklen Barten. Ich habe in diesen Gassen manches Lied gehört: schwermütige jiddische Weisen, und dazwischen klangen immer wieder die feurigen, sentimentalen Volkslieder des Landes. Die Juden auch dieser Gassen leben gern und freudig in ihrer ungarischen Heimat. In dieser Gegend ist der Mittelpunkt des jüdischen Lebens. Ein riesiges Haus ist das Gebäude der Gemeinde, in dem alles zusammen ist: Kultusabteilung und juristische Büros, Steuerkasse und die übrigen Verwaltungsräume. Im obersten Stockwerk des Gebäudes liegen die Zimmer des Präsidenten der Budapester Gemeinde und seiner Mitarbeiter. Neben dem Schreibtisch des Präsidenten steht auf einem eigenen Tisch, ein Modell der Neubauten am jüdischen Krankenhaus. Und den Schmuck der Wände bilden Photographien der vielen, meist höchst modernen Einrichtungen der Gemeinde: Knaben- und Mädchengymnasium, Knaben- und Mädchenwaisenhäuser, Taubstummenanstalt und viele andere segensreiche Stätten jüdischen Wirkens. Ausserdem sieht man die Tempel der Stadt und des Landes im Bild. Der Heldentempel steht auf dem gleichen Baugrund, neben dem grossen Tempel. Ein schlichter, quadratischer Bau, hell, wie eine Moschee, mit niedriger Kuppel, von einfachen Arkaden umzogen, in deren Hof sich nur eine kurzgeschnittene, steingefasste Rasenfläche breitet. Im Innern des Heldentempels, in dem auch die Wochentagsgottesdienste gehalten werden, herrliche Schmiedeeisenarbeiten, in denen sich das Motiv des Mögen Dovid in immer neuen, schönen Formen wiederholt; herrlich auch die durchbrochene Kuppel, durch die hell das Licht in den Raum strömt Der grosse Tempel mit seinen fast 4000 Sitzen, der 1859 errichtet wurde, soll das grösste Tempelgebäude seit dem Tempel Salonions sein. Sehr würdig ist seine stille Grösse und seine dunkelgetönte Ausschmückung, und beim Freitagabend- Gottesdienst ist kaum ein Platz leer. Die Melodien, die ich im Gottesdienst hörte, waren fremd — die Worte, die nicht zum Gottesdienst gehörten, die-aber dennoch hie und da, und zwar häufiger als eigentlich nötig, in meiner Umgebung geflüstert wurden, waren unverständlich — aber die Gebete der Juden waren die gleichen wie in der Heimat. Auf demselben Grund, wo das religiöse und amtliche Leben der Judenheit Ungarns in Tempel und Gemeindehaus zentralisiert ist, sind Schätze seiner Vergangenheit in einem schön angelegten Museum gesammelt. Da findet man Dokumente aus der Literatur der Emanzipationszeit, Schriften für und wider, und dabei etwa eine Karikatur „Auszug aus dem jetzigen Aegypten", ein. Blatt aus dem vorigen Jahrhundert. Unter vielen anderen ist dort auch ein Bild des ersten jüdischen Abgeordneten in Ungarn, Mor Wahrmann, aus dem Jahre 1782, die Dissertation von Joseph Manes, des ersten ungarischen jüdischen Arztes mit Doktortitel, und ein Bild von Dr. Imanuel Low, Mitglied des Oberhauses. Das Bild dieses Mannes verbindet sich in den Gedanken des fremden Besuchers mit dem starken Eindruck, den das Gebäude des Parlaments und seine würdevollen Sitzungssäle auf ihn machten. Man sieht eine jüdische Deputation zu Pferde, die huldigend dem König Mathias Corvinus entgegenkommt, — eine Hawdolokerze ist aus roten, weissen und grünen Wachsstreifen geflochten — mehrere Modelle für Heldendenkmäler für die Gefallenen des Weltkrieges — Manuskripte von Joseph Kiss, dem grossen Dichter — einen Grabstein aus dem dritten Jahrhundert nach Christi mit jüdischer Inschrift in römischen Buchstaben — Büste und Bild des nichtjüdischen erfolgreichen Verteidigers in einem der grössten Ritualmordprozesse, v. Eötvös Karoly, eines Mannes, der einen Ehrenplatz in der dankbaren Erinnerung der ungarischen Judenschaft einnimmt — eine Huldigungsschrift, die die ungarischen Juden im Jahre 1930 an den Reichsverweser Horthy richteten — eine Menora mit der Büste Josefs II. — und daneben herrliche alte Kultgeräte, kunstvoll gebundene und geschriebene Gebetbücher und Megillot, Ringe, Siegel und Toravorhänge. Im oberen Stock des Museums sind lichte Räume der modernen jüdischen Kunst gewidmet; herrliche Stücke enthält besonders der Raum des berühmten Malers Isak Perlmutter, dessen Interieurs von einer seltenen Farbenpracht sind; aus ihnen sprechen jüdische Empfindungskraft und ungarisches Temperament in gleicher Weise zu dem Beschauer. Tradition und neuer Geist Alle Tradition der alteingesessenen ungarischen Judenheit verkörpert sich in dem Grossrabbiner von Ungarn, Dr. Hevesi, einem statt- -lichen Mann mit schneeweissem Haar und Bart, in dessen Augen die Ruhe und Weisheit wohnen, die aus einem langen, taterfüllten Leben kommen. Dr. Hevesi ist noch heute angestrengt tätig für seinen Beruf: „Mein Leben und meine Arbeit gelten meinem Judentum; ich kann nicht mehr sagen: der Leitsatz meines Schaffens heisst: Durch Leben. Lehre und Kultur zur Religion." Die Jugend wurde mir dargestellt durch einen ganz jungen Rabbiner, Dr. Katona Joszef, der allerdings sein Amt nicht ausübt, sondern das Jugendreferat in der Gemeinde innehat. „Wie ist die Lage der jüdischen Jugend hier?" fragte ich ihn. „Noch nicht ganz so. wie wir sie wünschen. Die meisten unserer jungen Msnsihen waren bis vor einigen Jahren ganz indifferent. Diese bemühen wir uns jetzt zum Judentum zurück- bzw. erst hinzuführen." ,,Und wie machen Sie das?" „Wir haben zuerst eine Kartothek aller jungen Juden hier angelegt — es war eine riesige Arbeit. Dann haben wir jedem einzelnen einen Brief geschrieben, in dem wir ihm sagten, dass wir uns bemühen wollten, ihm, dem jungen Juden, einen Halt für sein Leben in der Welt zu geben, dass wir ihm seine Religion nahebringen wollen, die ihn erst wirklich zu dem Menschen machen kann, der voller Bewusstsein seiner eigenen Quellen für sein Vaterland leben und wirken kann. Wir haben auf diese Umfrage zuerst wenig Antworten erhalten und es meldeten sich zu der von uns vorgeschlagenen persönlichen Rücksprache nur einige, die uns wahrscheinlich sowieso nicht ganz ferngestanden hatten. , Da setzte unsere Kleinarbeit ein. Heute haben wir einen Kreis von 5000 jungen Menschen, denen wir in allen Stadtteilen ihr besonderes gesellschaftliches, geistiges und kulturelles Leben zu geben bestrebt sind, neben all dem andern, was die Kreise ihrer Heimat ihnen bieten. Allwöchentlich machen wir Veranstaltungen, in denen junge Wissenschaftler, Schriftsteller, Berufstätige sprechen; wir bringen aber nicht ausschliesslich jüdische Themen, um jede Art von Einseitigkeit zu vermeiden . . ." Musik aus Stein Diese Unterhaltung mit Dr. Katona führle ich auf einem Weg nach der Fischerbastei. Es war am letzten Tag vor der Abreise, eben um die Zeit, wo die erste Abenddämmerung heraufzieht. „Sie kennen die jüdische Jugend in anderen Ländern?" fragte ich ihn. „Ja, ein wenig." „Und ist die ungarische Jugend wesentlich anders? Ist ihre Indifferenz den jüdischen Problemen gegenüber grösser?" ..Das kann man vielleicht nicht sagen. Aber sie ist wohl in ihrer ganzen Einstellung zum Leben bedingt durch eine gewisse Weichheit." Da standen wir gerade am Fusse der Fischerbastei. Wir stiegen die breite Freitreppe hinauf. Wir sahen unsu m. Wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht war dies alles. Das ist Musik aus Stein. In breiten Akkorden fliessen die Stufen und Geländer den Berg hinunter, in unendlich weichen Schwingungen. Wie Finalen liegen, oben kleine und grössere Terrassen. Als einzelne klare, schöne Töne fallen die Bogen der Arkaden in den Raum. Und lieblichste Staccati sind die spitzrunden 'Türmchen, die überall aufgesetzt sind, wie von einer zarten, spielerischen Hand. Rings um uns dufteten stark und berauschend die Blütenbüsche. ■Nur selten sah man Menschen in diesem Zauber. Hinter uns ragte die Silhouette der Krörhmgskirche, unter uns spiegelten sich die Lichter im herrlichen Strom, der wie Seide durch den Abend floss, und am andern Ufer funkelte die Stadt: Budapest mit seinem bunten Leben, mit seinen Strassen voll Musik, dieser wehmütigen, glühenden Musik der Zigeuner, die hier nicht in bunter Maskerade, wie draussen in der fremden Welt, spielen, aber dafür mit Geigen, auf deren Saiten das ganze Herz des Landes weint und singt. Das Alte Testament im Religionsunterricht Nach Mitteilung des „Berliner Tageblatts" hat der württembergische Kultusminister einen Erlass über die künftige Gestaltung des Religionsunterrichts herausgegeben. Danach ist in der Schule in allen Fächern dem Grundsatz Rechnung zu tragen, dass die Erziehung der deutschen Jugend einheitlich im Geiste des Nationalsozialismus zu erfolgen hat. Für den Religionsunterricht habe dies zur Folge, dass Stoffe, die dem Sittlichkeitsempfinden der germanischen Rasse widersprächen, im Unterricht nicht zu behandeln seien. Gewisse Teile de? Alten Testaments könnten daher für den Unterricht nicht in Frage kommen, andere müssten stark in den Hintergrund treten. Dem Lehrer werde die einzelne stoffliche Entscheidung selbst überlassen, da noch nicht der Zeitpunkt gekommen sei, um fachliche, gesetzliche Regeln über den Religionsunterricht zu treffen. Staatsbeitrag bei jüdischen Volksschulen In einem neuen Erlass des Reichserziehungsministers heisst es, dass die jüdischen öffentlichen Volksschulen bisher in Erwartung einer gesetzlichen Neuregelung des jüdischen Schulwesens in der Aufzählung der Schulgattungen fortgeblieben seien. Da aber die Neuregelung noch ausstehe, sollten auch diese Schulen bis auf weiteres wie die übrigen Schulgattungen für die Zählung der Schulkinder und Lehrerstellen bei der Berechnung des Staatsbeitrages und der Mehrstellen herangezogen werden.__ Aus den Familien Frau Friederike A s c h e n d o r f f (Norikn-Ostfries.), das älteste Mitglied der Gemeinde, beging am 5. Juni ihren 90. Geburtstag. — Moritz Blume nt h a 1 feiert am 30. Juni .«einen 90. Geburtstag. — J. D. Müller (Küstrin-N.), der erste Vorsteher der Gemeinde und langjährige Vorsitzende der Ortsgruppe Küstrin des Centrai-Vereins, begeht am 12. Juni seinen 7ä. Geburtstag. — Emil Löwenthal (Flensburg) ■wird am 14. Juni 80 Jahre ait. — Nathan Hess (Berlin-) vollendet am 17. Juni sein 70. Lebensjahr. — Josef Weinberg und'Frau Rosette (Bayreuth) feierten am 7. Juni ihre goldene Hor-hzeit. — Hermann Max Kayser (Oherglogau O.-S.). früher langjähriger Vorsitzender der Ortsgruppe Oberglogau des Centrai-Vereins, ist im 60. Lebensjahr gestorben. — Alfred Elias (Güstrow) verstarb im Alter von 67 Jahren. _ Voranzeigen Berlin: 12. Juni. 20 Uhr?.0 Min.: Ramham-Loluhaus. Rabbiner Dr. A. Neuwirth „Falaseha, ihre religiöse Anschauung und ihre Siellung zur Bibel." Synagoge, Passauer- Strasse 2. 14. Juni, 20 Uhr: Ge>ell*chaff. zur Förderung der Wissenschaft de* Jurlentums. Mitgliederversammlung. Rabbiner i. R. Dr. Jacob. Hamburg „Vom Dekalog". Brüderverein, Kurfürstenstrasse 116. Konzerte und Vorträge Der letzte Abend bei Weil in dieser Saison galt modernem jüdischen Liedschaffen. James Simon, Lyriker von Geblüt, stilistisch etwa durch Richard Strauss bestimmt, schafft Gebilde von klanglicher Feinheit und zarter, reiner Empfindung. Paul Frankfurter hat sich mehr der Gattung des volkstümlichen Liedes der Spätromantik verschrieben. Max Kowalski, den wir hier des öfteren würdigten, wahrt stets die eigene Note, gibt mit jedem Lied wirklich Neues. Eine ganz starke Begabung im Grotesken ist Wilhelm Gross, dessen drei Kinderlieder unter Verwendung älterer und moderner Tanzrhythmen eine zwerchfellerschütternde Wirkung erzielen: man sollte diese erfrischenden Sorgenbrecher nicht gar zu selten reichen! — Wilhelm Guttmann, glänzend disponiert, legte sie mit einer unwiderstehlichen Vollsaftigkeit hin, die ihm so leicht keiner nachmacht; man muss das gehört haben! — Susanne Löwenstein ist heute mehr denn je eine Sängerin von ungewöhnlichem Format: der berückende Schmelz des hoch hinaufreichenden Alts, mehr noch die Genialität seelischen Gestaltens — das vereint eich immer wieder zu einem künstlerischen Erlebnis von seltener Kraft. — Leo Taub mann durfte namentlich in den Grossliedern sein Musikantentum so recht ausleben. H. Fr. # Im Berliner Kulturbund sprach Dr. Anneliese Landau über „Jüdische Musiker in Italien und der Tschechoslowake i", beginnend mit einer der grössten jüdischen Musikergestalten überhaupt, mit Salomone Rossi, der um 1600 neben anderen jüdischen Künstlern in Mantua eine wichtige Rolle spielte. Dem Bahnbrecher auf dem Gebiet der Triosonate verdanken wir gleichzeitig die ältesten und vielleicht wertvollsten Werke mehrstimmiger Synagogenkomposition. — Ein grosser Sprung führt von hier zu den Vertretern des 19. und 20. Jahrhunderts, unter denen sich am stärksten Mario Castelnuovo-Tedesco abhebt, dessen gemässigt moderne, dem Impressionismus verhaftete Schreibweise wiederholt auch in unseren jüdischen Konzerten begegnete. Von den Tschechen traten besonders Erwin Schulhoff und der ,.Schwanda"-Komponist Jaromir Weinberger in den Vordergrund. Sie alle erschienen in liebevoller und doch charakteristischer Porträtierung, wobei die musik6tilistischen Begriffe nie schlagwortartig benutzt wurden, sondern stets in. gewandter Umschreibung eine Verdeutlichung erfuhren. (Dankbar vermerkt sei noch die entschiedene Stellungnahme gegen Castelnuovos ,.Bach-Bearbeitungen".) — Wolfgang Rose gab namentlich den modernen Beispielen eine pianistisch reiche Auswertung. H. Fr. x Otto Bernstein gestaltete seinen Vortragsabend im Breslauer Kulturbund zu einem ungewöhnlichen künstlerischen Ereignis. Er erlebt jedes Kunstwerk und versteht es mit reiner seelischer Anteilnahme so zu vermitteln, dass der Hörer unmittelbar ergriffen wird. So erfuhren vor allem die Szenen aus Beer-Hofmanns „Graf von Charolais". Hermann Hesses besinnliche Betrachtung „Die blaue Ferne" und Herman Bangs duftige Erzählung ..Sommernachtstraum" die innerlich vollendet und fesselndste Wiedergabe, die verlangt werden darf. Der Beifall war gross. Schw. * Der Hamburger Kulturbund gastierte mit dem musikalischen Lustspiel „Warum lügst du, Cherie?", von Lengsfeider und tisch, über dessen Uraufführung wir in der vorigen Nummer berichtet haben, in Breslau und Leipzig. Der Beifall galt vor allem den Darstellern, unter denen Fritz Benscher, Fritz Melchior, Kurt Appel, Elisabeth Springer und Edith H e r s s 1 i k zu nennen sind. Die gefällige Musik Leonhard Märkers wurde von Kurt und Oswald Behrens bestens betreut. * In einem Lieder- und Arienabend im Kul-, t u r b u n d Leipzig zeigte Alexander K i p n i s wieder einmal sein.e grosse Kunst. Höhepunkte bildeten die Arien aus Halevys ,..Tüdin" und der „Sizilianischen Vesper" von Verdi. K. S. * Das Leipziger Collegium musicum jüdischer Musikliebhaber bewies bei einem Kammerorchesterkonzert in Leipzig unter Leitung von Barnet Licht, dass es sich nicht nur personell, sondern auch künstlerisch erheblich vervollkommnet hat. So war Händeis Concerto grosso D-moll op. 6 Nr. 10 sehr gelungen, wobei sich Dora Lepski-Stisson (Violine), Helen Strasser (Violoncello), Aenne Hoffniann (Cembalo) auszeichneten. Tanja Ury-Zunser konnte wieder einmal ihr ausgezeichnetes Können als Pianistin mit der H-moll-Sonate in einem Satz von Liszt beweisen. S. * Das Leipziger Collegium musicum gibt jungen jüdischen Künstlern, die sieh vor ihrer Auswanderung weiterbilden wollen. Gelegenheit, in seinem Orchester mitzuwirken. Anfragen an den Dirigenten Barnet Licht, Leipzig S. 3, Hardenbergstrasse 22. * Dresdener einheimische Künstler haben sich zu einer schon gut ausgeglichenen Tanzkapelle unter Leitung von Siegfried Sonnenschein zusammengeschlossen; sie eröffnete und beschloss mit ihren Darbietungen einen heiteren Kleinkunst-Abend des Kulturbundes Dresden. Herta Mautner-Falk, deren edler Alt sich sonst nur in ernsten Kompositionen bewährte, sang diesmal „Schlagerlieder". Als Conferencier trat der Berliner Vortrasskünsller Willi Maschke auf. " E. B. * Den Abschluss der Kasseler Kulturbundkonzerte bildete ein Abend des Baritons. Ernst Wolff (früher Frankfurt a. M.), der sich auf dem Flügel selbst begleitete. Da Wolff ein ebensoguter Sänger wie Pianist ist, standen die Darbietungen auf hohem Niveau. Die für den Konzertsaal im allgemeinen nicht übliche Selbstbegleitung wirkte^sich besonders vorteilhaft für den Koniakt zwischen Gesang und Klavier und die geschlossene Linie des Vortrags aus. Der Sänger erntete lebhaften Beifall. F. # Für den Abschluss seiner diesjährigen Abonnementskonzerte hatte der Jüdische Kulturbund Düsseldorf durch die Verpflichtung des Streichquartetts Rhein-Main, Frankfurt, ~ Ernst Drucker (1. Violine), Theo Rathner (2. Violine), Richard Karp (Viola), Dr. Heinz Edelstein (Cello) eine glückliche Wahl getroffen. Eingeleitet wurde das Konzert mit dem Streichquartett A-dur op. 33 von Boccberini. Fühlte man schon hier die ausschöpfende Hingabe der vier Instrumentalisten an ihre Aufgabe, die sie in Technik und Vortrag überlegen meisterten, so wurde man durch die Wiedergabe des Quartetts F-dur op. 96 von Dvorak von dem tüchtigen Können der Künstler restlos überzeugt. Dieses Werk erblühte unter den Händen der kongenialen Streicher, deren minutiöses Zusammenspiel Bewunderung verdient, zu strahlender, von Blut und Leben erfüllter Schönheit. Ergänzt wurde das Programm durch Liedvorträge^der Düsseldorfer Altistin Hilde Aronstein, die vor allem in den biblischen Gesängen von Dvorak durch ihren in der Tiefe besonders» schön klingenden Alt starke Eindrücke vermittelte. Die Begleitung lag. in den bewährten Händen der einheimischen Pianistin Gertrud Neu mann-Brünn, die ihrer schwierigen Aufgabe mit ausgezeichnetem Können und star kern musikalischen Einfühlungsvermögen gerecht wurde. J. C. Der Preussische Landesverband jüdischer Gemeinden veranstaltete einen Kulturabend in der Gemeinde Kreuzburg O.-S. Dr. Willy Cohn. Breslau, hielt einen Vortrag über „Erneuerer des Judentums (Jeremijahu.'Esra, Theodor Herzl)", der umrahmt war von Gesängen von Frau Schlossland, Berlin. Die Begleitung hatte Kapellmeister S e g a 11, Berlin. " H. G. Theater, Musik, Film Am 16. Juni gelangt Arnold Schönbergs ,.Pierrot lunairp" im Wiener Konzerthaus unter Leitung Fritz S t i e d r y s zur Aufführung. * Im lähmen der Sendung „Das Lustspiel des Monats" gelangt vor dem Mikrophon des schweizerischen Senders Beromünster Franz Molnirs Lustspiel „Grosse Liebe" am IS. Juni um 20 Uhr 20 Min. zur 'Aufführung. * Alice Ehlers (Cembalo; spielt am 18. Juni um 22 Uhr 20 Min. im Wiener Rundfunk zwei Cetnbalokonzcrte (A-dur und D-dur) von Johann Sebastian Bach. * Anlasshch eines Vortrages, deri Dr. M. Carner kürzlich in der Londoner österreichischen Gesandtschaft über „Das moderne österreichische Lied"' hielt, brachte die Sopranistin Erika Storm u. a. Lieder von Arnold Schönberg und Ernst Toch zu Gehör. * Die Wiener Konzerthausgesellsehaft kündigt für die nächste Saison eine Reihe von Chorkonzerten an, in deren Rahmen Bruno Walter am 15. Juni 1938 Mahlers Achte Svmphonie dirigieren soll. * „Der Zauberlehrling" von Paul D u k a s ist am 16. Juni um 21 Uhr über den flämischen Sender in Brüssel zu hören.

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