Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 22 (3.6.1937)
- Date
- 1937-06-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 4 C-V.-Zeitung Nr. 22 * 3. Juni1937 brasileiro, -a brasilianisch louro, loiro, -a blond bom m., boa f. gut humano, -a menschlich largo, -a breit, weit (nichtamarello, -a gelb Entfernung) Apprendam brasileiro (Fortsetzung) simples einfach barato, -a billig (Preis) caro, -a teuer, lieb (auch Preis) seu, Sita dein, euer; sein, ihr muito (adv. unveränderlich) sehr estreito, -a eng, schmal amavel, liebenswürdig, freundlich preguicoso, afaul habil geschickt, gewandt vao m., va f. eitel fertil fruchtbar fresco, -a frisch (nicht vonagora jetzt Fleisch zu gebrauchen)cWe wo (nur örtlich) claro, -a hell, klar com mit Phrases. i. A cidade tem casas brancas e azues. 2. Estes ourives sao vaos. j. Aquelles limöes sao muito caros. 4. Os sapatos sao pretos. y Os hospitacs sao grandes. 6. As capitaes sao bonitas. 7. Os carnieeiros tem mukös funts. 8. O corpo humano tem uma cabeqa, dois bracos, duas maos e duas pernas. 9. Os pa.es sao muito amaveis. 10. Os paes sao frescos. u. As maes sao boas. 12. Nos temos duas macas. 13^ Tenlöd dois irmaos e quatro irmas. 14. Esta fräse e muito. simples. 15. Os arredores de Sao Paulo sao ferteis, 16. Nos tivemos quatro cavallos, e agora temos cinco. 17. Estes mellöes sao amarellos. 18. As vagens sao baratas. 19. Minha escrevaninha tem quatro gavetas. 20. A sola, tem uma mesa, duas cadeiras e um armario. * 1. Dieses Haus ist weiss, und jenes ist gelb; 2. Sie sind zwei eitle2 Menschen1. 3. Der Kai ist lang. 4. Diese Farben sind hell. 5. Die Untertassen sind weiss. 6. Wir hatten die Lebensmittel. 7. Hattet ihr die Bilder? 8. Die Pferde sind Tiere. 9. Wo hatte der Arzt seinen Bleistift? . 10. Wo hast du deine Papiere? ir. Die Kellner sind faul. 12. Die Krankenhäuser sind weiss. 13. Die Kanäle sind breit. 14. Viele Deutsche sind blond. 15. Diese Greise sind Brasilianer. 16. Die Verkaufstische (Tresen) sind schwarz. 17. Diese Körner sind gelb. 18. Die Hauptstädte sind gross. 19. Die Streichhölzer sind kurz. 20. Diese Knöpfe sind schwarz. Lektion 3 § 6. Deklination der Substantive Nominativ und Akkusativ sind stets gleich. Der Genetiv wird gebildet durch Vorsetzung der Präposition „de", der Dativ durch Vorsetzung der Präposition „a" (s. Lektion 4). Dabei ist auf folgendes zu achten: Genitiv: de + masc. Artikel „o" ergibt „do", im PI. de -+- „os" ergibt „dos". de + fem. Artikel „a" ergibt „da", im PI. de + „as" ergibt „das". de + „este, esta" (dieser, diese), „esse, „essa" (dieser, jener), „aquelle, aquella'' (jener, jene) wird meist zusammengeschrieben, also „deste, desta; desse, dessa; daquelle, daquella". Doch sieht Beis Dativ: p iele : man auch noch die älteren Schreibungen „d'este, d'esse, d'aquelle". de + „um, uma" (ein, eine) kann in drei Formen geschrieben werden: a) de um, de uma, b) d'um, d'uma, c) dum, duma. a + masc. Artikel „0, os" wird einfach in ein Wort zusammengeschrieben, also „ao, aos". a + fem. Artikel „a, as": Hier tritt die 2. Merkregel (in Lekt. 2) in Kraft (treffen zwei gleich gesprochene . . .). Daher werden diese zusammengezogen in „a, as". Dasselbe tritt ein bei folgendem: „aquelle, aquella" (jener, jene), weil hier wieder zwei gleichgesprochene Vokale zusammentreffen (s. Merkregel). fem. Sg. N. 0 hörnern der Mann a tnulher der Mensch G. do (aus de 4" 0) hörnern des Mannes da (aus de -h a) mulher des Menschen a (aus a + a) mulher D. ao (aus a -f- 0) hörnern dem Manne dem Menschen mulher A. 0 hörnern den Mann a den Menschen PI. y. os homens die Männer as mulheres die Menschen das (aus de + as) Cr. dos (aus de 4os) homens der Männer mulheres der Menschen as (aus a -fas) mulheres D. aos (aus a -f" os) homens den Männern den Menschen mulheres A. os homens die Männer as die Menschen Sg. TS. um livro ein Buch uma casa 0. de um, d'um, dum livro eines Buches de uma, d'uma, duma casa D. a um livro einem Buche a uma casa A. um Uvro ein Buch uma casa PI. y. uns livros einige Bücher umas casas Gr. de uns livros einiger Bücher de. umas casas D. a uns livros einigen Büchern a umas casas A. uns livros einige Bücher umas casas Sg. N. este vinho dieser Wein esta cor G. deste, d'este vinho dieses Weines desta, d'esta cor D. a este vinho diesem Weine a esta cor A. este vinho diesen Wein esta cor p. N. estes vinhos diese Weine estas cores G. destes, d'estes vinhos dieser Weine dtstas, d'estas cores D. a estes vinhos diesen Weinen a estas cores A. estes vinhos diese Weine estas cores die Frau das Weib der Frau des Weibes der Frau dem Weibe die Frau das Weib die Frauen die Weiber der Frauen der Weiber den Frauen den Weibern die Frauen die Weiber ein Haus eines Hauses einem Hause ein Haus diese Farbe dieser Farbe dieser Farbe diese Farbe diesen Farben cores diese Farben schule) und des Hamburgischen Deutsch-Israelitischen Waiseninstituts wirbt, arbeitet und kämpft er seit Jahrzehnten, — allen Kompromissen abhold, für die Erziehung der jüdischen Jugend im Geiste der Tora. Ihm in erster Linie verdankt der Verein der Freunde der Talmud- Tora-Schule den Auftrieb zu mannigfachen segensvollen Leistungen. Ueberzeugend spricht gerade aus diesem seinem Herzen so nahen Arbeitsgebiet die Weite seiner Seele und der Adel seines Gemüts. Dem verbindet sich sein hoher Sinn, in echter Begeisterung für alles wahrhaft 40 Jahre Zionistische Vereinigung für Deutschland Am 31. Mai, an dem Tage, an dem genau vor 40 Jahren die Zionistische Vereinigung für Deutschland gegründet worden war, veranstaltete die Zionistische Vereinigung für Deutschland im Kulturbund-Theater einen Festakt. Zahlreiche Anhänger, neben ihnen die Vertretungen der grossen jüdischen Körperschaften und Organisationen, waren erschienen. Die rednerische Ausgestaltung der Tagung war von der Idee getragen, dass drei Generationen des Zionismus ihr Bekenntnis zu dem Erreichten und Aufgegebenen ablegen sollten. Zunächst begrüsste im Namen des Geschäftsführenden Ausschusses der ZVfD Rechtsanwalt Benno Cohn die Versammlung und gab einen Rückblick auf die Entstehung und Entwicklung der zionistischen Bewegung in Deutschland. Für die erste zionistische Generation, die noch selbst den Ruf Herzls vernommen hatte, sprach Rabbiner Dr. Max Joseph, früher Stolp (Pommern). Er schilderte die aufrüttelnde Wirkung des zionistischen Gedankens und gab dann eine kurze Analyse der Unterschiede, die die Erfassung der nationalen Idee im Westen und im Osten Europas aufzuweisen habe. Ernst Bauer war der Wortführer der Jugend, die erst durch das Ereignis des Jahres 1933 zum Zionismus gekommen "ist. Er stellte die zionistische Entscheidung als eine echte Revolutionierung des Lebens und nicht als eine dem Konjunkturbedürfnis entsprungene Richtungsänderung dar. Der Anschluss anöden Zionismus bedeute heute eine Umgestaltung des gesamten Lebens, ganz besonders der Idee und Wirklichkeit des Berufes. Angesichts der in politischer Hinsicht sorgenvollen Zukunft sei es notwendig, im Willen zur Neugestaltung des Landes fest und unbeugsam zu bleiben. Rabbiner Dr. Max Grüne wald sprach für die Generation, die heute mitten in der Verantwortung steht. Für ihn und seine Altersgenossen habe der Zionismus die Rettung aus dem objektiven Kulturzeriall bedeutet. Er habe einer in eine Unzahl von verschiedenen Gegebenheiten und Richtungen zerfallenden Welt wieder eine feste Ordnung eingefügt. Heute sei es vor allem die Aufgabe der Juden und Zionisten in Deutschland, den anderen Juden etwas mitzuteilen, was sie nicht selbst erlebt haben. Es gelte heute, neben einer theoretischen Durchbildung eine Geschichtserfahrung zu verpflanzen, die die übrige Welt noch nicht gemacht habe. Eine Zeit, in der das Judentum in einer grossen Anzahl seiner Wohnzentren bedroht sei, würde immer wieder auf die Bedeutung Palästinas für die Sicherung der jüdischen Zukunft hingewiesen. Gerade deshalb sei der Entschluss, komme, was da wolle, nicht aus Palästina herauszugehen, unerschütterlich. E. R. Zu Beginn des Festaktes der ZVfD erklang Freund und Feind durch seine einzige Vereinigung von Gaben und Fähigkeiten". Tatsächlich" brachte ihn der Krieg wieder in die vorderste Linie. Zuerst an die Spitze derMarine und dann des Ministeriums des Auswärtigen. In dieser Eigenschaft hatte er sich mit der Palästinairage zu beschäftigen, und in dieser Eigenschaft kam er in Berührung mit W e i z m a n n. Mrs. Dugdale schreibt (1, 433): „Ich erinnere mich, schon als Kind von ihm die Idee eingesogen zu haben, dass die christliche Religion und Zivilisation dem Judentum Unendliches verschulde, das beschämend schlecht vergolten worden sei." 1917 arbeitete Weizmann, der inzwischen die britische Staatsangehörigkeit erworben hatte, unter Baliour als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter. Am Schluss einer amtlichen Besprechung sagte Balfour: „Dr. Weizmann, wenn die Alliierten den Krieg gewinnen, bekommen Sie vielleicht Ihr Jerusalem." Die Beziehungen und Besprechungen fanden ihre Fortsetzung, als Balfour in das Aussenministerium übergegangen war. Premierminister war jetzt Lloyd George. Auch dieser interessierte sich für den Zionismus, wie Balfour meinte, deswegen, weil er seine Bibel gut kannte. Ein besonders wichtiger Förderer der zionistischen Bestrebungen war Sir Mark Sykes, einer der besten Kenner Vorderasiens unter den englischen Diplomaten, der als Katholik „für das Ethos des wirklichen Hebräers" interessiert war und der an die Bestimmung der jüdischen Rasse glaubte, „eine Brücke zwischen Europa und Asien zu bilden, indem sie den Spiritualismus Asiens nach Europa und die Vitalität Europas nach Asien brächte" (2, 229). Von den jüdischen Politikern des Parlaments begünstigte Herbert Samuel, der spätere erste Oberkommissar für Palästina, die zionistischen Bestrebungen. Einen energischen Gegner fanden sie jedoch in dem jüdischen Mitglied des Kabinetts, Edwin Montagu, dem hervorragenden Staatssekretär für Indien. „Er sah'*, schreibt Mrs. Dugdale, „das Gespenst des Antisemitismus in jedem Land, wenn seine Juden sich erlaubten, von einem territorialen Zentrum oder einer nationalen Grosse entflammt, der ihn somit auch verpflichtet, an den Zielen des jüdischen Kulturbundes fördernd teilzunehmen. In der Verwaltung des Krankenhauses der israelitischen Gemeinde wirkt er gemeinsam mit seiner Gattin. Sein Weitblick und sein Unternehmungsgeist veranlassten die Schaffung eines Hamburger Gemeinschaftshauses, das eine Heimstätte für alle jüdisch-geistigen und kulturellen Unternehmungen werden soll. Stolz und Dankbarkeit erfüllen uns, einen solchen ganzen Menschen zu den unseren zu zählen. Dr J. J. erstmalig das „Feierliche Vorspiel" von WTerner Seelig- Bass, das beim Kompositionswettbewerb des Reichsverbandes Jüdischer Kulturbünde preisgekrönt wurde. Das Werk bewegt sich im grossen und ganzen in den Bahnen der Spätromantik und des Impressionismus, wenigstens was die Satzstruktur anlangt. Leicht gehaltene Episoden sind eingestreut; das Ganze krönt eine Fuge, in die als cantus firmus die Hatikwa hineinklingt. Zwar hat diese Partitur nichts ausgesprochen Repräsentatives. Feierliches, nichts Allgemeinverbindliches, bietet aber dafür reichen Ersatz durch fesselnde Satztechnik, aparte Instrumentierung und durch eine teilweise recht subtile Stimmungskunst. Der Komponist, der die Uraufführung selbst leitete, erntete einen herzlichen Erfolg. Die Ansprachen umrahmte C h e m j a W i - n a w e r mit einigen Repertoirestücken seines Chores, die bis auf eine gewisse Forciertheit einiger Forte-Stellen in gewohnter Meisterschaft herauskamen. Von den Liedbearbeitungen stösst das „Sog sehe, rebbenju" bei aller Virtuosität in tiefe Bezirke jüdischer Messiassehnsucht hinab. — Als Abschluss der Feier spielte das-Kulturbundorchester unter Leitung Dr. Kurt Singers die Ouvertüre op. 60 von Mendelssohn. H. Fr. # Dem Festartikel der „Jüdischen Rundschau" aus Anläse des vierzigjährigen Bestehens der Zionistischen Vereinigung für Deutschland „Drei Generationen" entnehmen wir: „. . . Darum glauben wir, dass alle Juden in Deutschland, in welchen Reihen sie auch stehen mögen, im gegenwärtigen Augenblick, in dem das Palästinawerk vor einer entscheidenden Neuregelung steht, den Wunsch haben, die Kraft der massgebenden jüdischen Instanzen bei den kommenden Auseinandersetzungen zu stärken. Das Gewicht der Zionistischen Exekutive ist begreiflicherweise um so grösser, je mehr Juden hinter ihr stehen, und nach Lage der Dinge sind gerade die Juden Deutschlands hier von einer Wichtigkeit, die ihren numerischen Anteil am Weltjudentum weit überragt. Wenn sich zeigen würde, dass jener Teil der Judenheit, der durch eigene Erfahrungen die Judenfrage schmerzlich kennengelernt hat, daraus die Konsequenzen zieht, nunmehr jüdisch aktiv zu werden, für grosse jüdische Lösungen einzutreten, geschlossen die Zionistische Exekutive bei ihrem Kampf für eine gerechte Behandlung der Palästinafrage zu unterstützen, dann würde das in der ganzen Welt den grössten Eindruck machen. Die einzige sichtbare Form, in der eine solche Unterstützung vor sich gehen kann, ist die Zahlung des Schekels. Der Schekel war einmal nichts anderes als ein Bekenntnis zu einem Prinzip und ein „Parteibeitrag". Heute ist er weit mehr geworden: er ist eine Willenskundgebung, der Ausdruck des Eintretens für das bereits vorhandene, um seine Existenz ringende Jüdische Nationalheim in Palästina, das eine neue jüdische Welt aufbaut, zu Ehren und zum Nutzen des gesamten Judentums . , ." politischen Existenz ausserhalb ihrer gegenwärtigen Staatsangehörigkeit zu träumen. ... Das war ein Gesichtspunkt, der auf die nichtjüdische Bevölkerung des Britischen Reichs niemals einen grossen Eindruck gemacht hat; denn ein grosser Teil davon, wie z. B., die Schotten, sind vollkommen daran gewöhnt, ein starkes besonderes Rassenbewusstsein mit einer weiterreichenden Loyalität zu vereinigen" (2, 214). Mantagus Widerstand konnte nur nach langen Auseinandersetzungen im Kabinett überwunden werden. Balfour hat sich über die Motive seiner Palästina-Politik einige Jahre später in einer Rede im Oberhaus ausgesprochen: sie solle all den Ländern, in die die jüdische Rasse verstreut ist, die Botschaft bringen, dass das Christentum nicht vergesse, welche Dienste sie den grossen Religionen der Welt geleistet habe, vor allem „der Religion, zu der sich die Mehrheit dieses Hauses der Lords bekennt" (2, 217). Aber als britischer Aussenminister hatte er dabei selbstverständlich auch die ihm anvertrauten Interessen des britischen Reiches im Auge. Er ging davon aus, dass es gelingen werde, einen Modus vivendi zwischen den nach Palästina einwandernden Juden und den Arabern zu finden, die die britische Politik gleichzeitig durch den Oberst Lawrence zu dem von ihm so packend beschriebenen „Aufstand in der Wüste" antreiben Hess. An diesem Glauben hielt er auch zeitlebens fest, obwohl er noch die Araber- Unruhen von 1929 erlebte und selbst bei sein-im einzigen Besuch in Palästina — 1925 — eine bittere Erfahrung machen musste. Nicht uur, dass die Araber bei seiner Ankunft in Jerusalem einen Proteststreik arrangierten und ihre Zeitungen mit einem Trauerrand erscheinen Hessen. Als er nach Damaskus kam, um von dort aus die Ruinen von Baalbek zu besichtigen, brach ein Arabei aufstand los, der ihn zur schleunigen Abreise nötigte (2, 369). Wenn die britische Politik in Palästina den Stempel Balfourschen Geistes trägt, so kann man dies um so weniger von der Politik sagen, die sie bei dem Friedensschluss mit den Mittelmächten trieb. Er nahm an den Friedensverhandlungen in Paris als britischer Aussenminister teil. Aber er Hess es sich gefallen, von den wichtigsten Verhandlungen — den Besprechungen der „Grossen Vier" — vollständig ausgeschaltet zu werden, so dass er in Wirklichkeit von Lloyd George weitgehend der Funktionen beraubt wurde, die von Rechts wegen ihm selbst oblagen. Man kann zu seiner Entlastung sagen, dass er damals schon die Siebzig überschritten hatte und unter der unablässigen aufreibenden und aufregenden Arbeit der Kriegsjahre gelitten hatte. Gleichwohl lasten die politischen Sünden der Verträge von Versailles und St Germain auch auf seinem Andenken. Aber in den Förmlichkeiten vergass er nie, dass er ein Gentleman war. Er war es, der es durchsetzte, dass die Vertreter der Entente sich von ihren Plätzen erhoben, als die deutsche Delegation den Spiegelsaal von Versailles betrat (2, 282). Am Tage nach dieser Sitzung fragte man ihn, ob er die allgemeine Entrüstung darüber teile, dass Graf Brockdorff-Rantzau beim Verlesen seiner Erklärung sitzen geblieben sei. „Ich habe das nicht bemerkt", erwiderte Baliour, „ich starre grundsätzlich niemals einen Menschen an, der offensichtlich in einer Notlage ist." Balfour hat noch bis zu seinem 81. Lebensjahre den Kabinetten in diesem oder jenem Amt angehört. Sein Ansehen wuchs bei seinen Landsleuten mit jedem Jahr seines Lebens weit über die Grenzen seiner Partei hinaus. Wenige Tage vor seinem Tode im Jahre 1930 besuchte Weizmann ihn noch einmal und Mrs. Dugdale gibt eine ergreifende Schilderung von dem letzten stummen Gruss, mit dem der Sterbende von dem Mann Abschied nahm, in dem er den Repräsentanten der Judenheit sah. Die Zahl der Juden Im Organ des NS.-Deutschen Aerztebundes „Ziel und Weg" schreibt nach Meldung der ,,N a t i 0 n a 1 z e i t u n g" in Essen Dr. Oberlies über die Zahl der Juden in der Welt. Nach einer Untersuchung auf Grund der Einwanderung von Ostjuden, der Taufjuden usw. kommt der Referent zu dem Schluss, dass gegenwärtig in Europa rund 25 Millionen Rassejuden leben. In Asien seien etwa 1,5 Millionen, in Afrika etwa 800 000, darunter 100 000 schwarze Juden, in Nord- und Südamerika könne man 10 bis 12 Millionen Juden annehmen und zusammenfassend feststellen, dass 38 bis 40 Millionen Rassejuden in allen Ländern der Welt verteilt sind. Das angebliche Problem des kleinen Palästinas, das höchstens 2 bis 3 Millionen Raum geben könne, rücke durch diese Zahlenfeststellung den Zionismus in eine neue Beleuchtung und werde für den Erkennenden zu einer Tarnung für ganz andere Ziele. ¥ Dr. Friedrich Zander: Die Verbreitung der Juden in der Welt. Robert Kämmerer- Verlag. Berlin-Charlottenburg, 1936. Ein Statistiker hat sich der nicht einfachen Arbeit unterzogen, einen statistischen Aufriss über die Verbreitung der Juden in der Welt zu geben. Er hat diese Aufgabe zweifellos mit Erfolg gelöst, denn es gelingt ihm auf Grund eingehenden Quellenstudiums und Vergleichens mit der bisher auf diesem Gebiet erschienenen Literatur, unter der Arbeiten jüdischer Autoren einen wichtigen Platz einnehmen, eine auch für uns Juden anschauliche und zum Teil recht ins einzelne gehende, die Sprache der Zahlen deutende Uebersicht zu geben. Auch Zander ist natürlich für wichtige, vor allem überseeische Gebiete, teilweise auf Schätzungen angewiesen, da exakte Zahlenangaben fehlen. Besonders interessant sind seine eingehenden Untersuchungen über die Verteilung der Juden in den Ländern mit einer grossen jüdischen Wohnbevölkerung, so vor allem in Polen, USA und Russland. Um das Problem aller statistischen Arbeiten, ihre an bestimmte Stichtage gebundene Darstellung, kommt natürlich auch dieses Buch nicht herum. Das gilt insbesondere für die Länder mit einer stark fluktuierenden jüdischen Bevölkerung. So fussen z. B. die sehr eingehenden Angaben über Deutschland auf der Zählung vom 16. Juni 1933 und können damit die seitdem erfolgte Aus- und Binnenwanderung nur sehr bedingt berücksichtigen. Auch die Ziffern für Palästina dürften inzwischen überholt sein. Das ist aber ein Uebel, das sich bei derartigen Arbeiten nicht vermeiden lässt. hw.