Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 22 (3.6.1937)
- Date
- 1937-06-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Jfr>22*3.Junn937 C.-V.-Zeitung Seite 5 Nachklang zum Brest- Litowsker Pogrom Die Ereignisse von Brest-Litowsk halten die Jüdische und nichtjüdische Oeffentlichkeit de9 Landes noch immer in ihrem Bann. Inner- und ausserhalb Polens beschäftigen sich Presse und öffentliche Kundgebungen immer wieder mit dem auf die Juden verübten Anschlag, wobei die Figur des ermordeten Polizisten ganz in den Hintergrund getreten ist. Eine gewisse Rolle spielt noch immer die Frage der Entschädigungen für die Opfer des Pogroms. Eine Abordnung des Verbandes^jüdischer Kaufleute hat vom Finanzminister Steuernachlass auf ein halbes Jahr für die geschädigten Kaufleute in Brest-Litowsk gefordert. Dem weitergehenden Wunsche, auch in anderer Form von Staats wegen Hilfe für die Opfer der Ausechreitungen zu gewähren, hat der stellvertretende Finanzminister wohlwollende Prüfung zugesagt. Der bei den Unruhen schwer verletzte Uhrmacher Baruch Zilberberg aus Brest-Litowsk ist im Warschauer jüdischen Krankenhaus gestorben. Seinen letzten Wunsch, in seiner Heimat begraben zu werden, haben die Behörden abgelehnt. Noch ein weiteres Opfer der Unruhen befindet sich in Lebensgefahr und geht einer schweren Operation entgegen. Die jüdischen Stadtverordneten von Brest- Litowsk haben es abgelehnt, ihre Stimmen für eine Protesterklärung gegen die Ausschreitungen abzugeben, nachdem deren Wortlaut gemildert worden war. Auch im Ausland beschäftigt man sich noch immer mit den gemeldeten Vorgängen. Der „Manchester Guardian" spricht eine ausdrückliche Warnung an die Adresse der polnischen Regierung aus, weitere Ausschreitungen zu dulden, wie das bisher geschehe. 1936 seien mehr als 1000 Juden bei Exzessen verwundet worden, oftmals habe man jüdisches Eigentum vernichtet. Wenn die Regierung auf Achtung und Freundschaft des Auslandes Wert lege, möge sie die notleidenden jüdischen Menschen, die seit Jahrhunderten im Elend lebten, schützen. Der American Jewish Congress hat für den 10. Juni eine ausserordentliche Konferenz einberufen, die über Hilfsmassnahmen zugunsten der Juden Polens beraten soll. Auch aus Tel« Aviv kommt die Nachricht von einer Protestyersammlung der aus Brest-Litowsk stammenden Juden. Ihre besondere Beleuchtung erfahren diese Nachrichten durch die Meldung von neuen schweren Ausschreitungen, die diesmal in dem Städtchen Ostrow-Mazowiecki vor sich gegangen sind. Eine Abordnung der jüdischen Bevölkerung des Ortes musste in Warschau um Schutz nachsuchen. Am Montag kam es zu zahlreichen Ueberfällen und Misshandlungen von Juden. Die Schaufenster jüdischer Geschäfte wurden zertrümmert, teilweise die Warenbestände geplündert oder vernichtet. Ueber das Bild, das sich von den Unruhen in Brest-Litowsk ergeben hat, haben die Direktoren dee Joint Distribution Committee, Dr. Bernhard Kahn und David Schweitzer, nach ihrer Rückkehr aus Brest-Litowsk, wo sie die ersten Hilfsmassnahmen geleitet haben, auf einem Das Kind 3. Fortsetzung. IV. Es war keine Täuschung. Er erstarrte und wandte sich lauschend hin. Der Olivenhain senkte sich zu einer Lichtung. Hier rauschte eine Quelle über moosiges Gestein. Aus diesem Geröll kam die Stimme. Geber erkannte eine weibliche Gestalt, hingestreckt und schwer von ihrem Lager zu scheiden, denn auch das Gewand war grün- Er wollte weitereilen, durch das Wasser, wenn es sein musste, aber das Weib erhob sich und trat ihm entgegen. „Geber." Die Stimme kam jetzt aus einem Menschenmunde. Es war ein voller roter Mund, von dem bräunlichen Antlitz stark unterschieden. Weisse Zähne glänzten, ein feiner Duft umfing den verwirrten Jüngling. Unter üppigem Haar leuchteten ihn Augen an, voll Verlangen, dennnoch sanft. Sie blickten jung, aber aus tiefster Reife. Sie wollten nicht fordern, sondern warteten auf ihr Recht. „Geber!" „Was willst du?" Sie trat auf ihn zu, schlank, mit erhobenen Händen, in der sieghaften Raschheit einer Tänzerin. „Nur eine Stunde mit dir! Ich diene um dich seit Jahren, ich rufe dich, Monde schon! Du weisst es. Du kannst meinen Ruf nicht mehr verleugnen! Immer stellst du dich taub. Presseempfang für die Korrespondenten amerikanischer Zeitungen in Warschau berichtet: 20 Prozent der jüdischen Einwohnerschaft hätten beträchtlichen Schaden erlitten, Tausende von Juden kleinere Vermögensverluste. Zahlreichen Familien habe man alles bis aufs letzte Hemd geraubt. * Es verlautet, dass sich-*-die polnische Regierung mit der rechtlichen Zulässigkeit der Beschlüsse beschäftigt, die von einigen Organisationen der freien Berufe hinsichtlich der Einführung des Arierparagraphen gefasst worden sind. Es steht noch nicht fest, ob die Regierung sich zum Eingreifen entschliessen wird. Inzwischen geht jedoch die Ausschaltung der Juden in den einzelnen Berufsverbänden weiter. So haben der Verband der Elektroingenieure und die Vereinigung der Warschauer Architekten den Arierparagraphen eingeführt. Andererseits hat jedoch die Aerzteschaft Lembergs sich gegen die Einführung des Arierparagraphen im Gesamtverband der Aerzte Polens ausgesprochen und die neuerliche Einberufung eines Gesamtkongresses gefordert. Unter dem Vorsitz des Sejm-Abgeordneten Dr. Emil Sommerstein hat eine Beratung von Delegierten der jüdischen Rechtsanwälte stattgefunden. Es wurde beschlossen, eine einheitliche Standesorganisation der jüdischen Advokaten ins Leben zu rufen. Das Comite du Congres Mondial des Anciens Combattants Juives in Wien, das nach, dem letzten Weltkongress der China Die Jüdische Gemeinde in Schanghai wird im Herbst die 50jährige Wiederkehr ihrer Gründung feiern. Die erste Zusammenkunft jüdischer Einwohner in Schanghai zur Gründung einer Gemeinde fand während der Hohen Feiertage des Jahres 1887 statt. Einige der ältesten Juden, die bei der Gründungsversammlung zugegen waren, sind noch heute innerhalb der Gemeinde tätig. Bei den Jubiläumsfeierlichkeiten wird die Grosse Synagoge der aschkenasischen Gemeinde, die jetzt 4000 Seelen zählt, eröffnet werden. Gegenwärtig gibt es nur eine aschkenasische und zwei sephardische Synagogen in Schanghai. Frankreich Ein „Antijüdisches Komitee für Frankreich'*, dessen Vorsitz der Gründer des „Nationalklubs", der Pariser Abgeordnete und Stadtrat Darquier de Pellepoix, übernommen hat, beabsichtigt eine judenfeindliche Einheitsfront in Frankreich zu schaffen. Pellepoix hat im vergangenen Jahr durch persönliche Angriffe gegen Blum im Parlament Aufsehen erregt. Das Komitee, dem unter anderem Henry Robert Petit, Poirso und Jean Boissel, der Herausgeber der judenfeindlichen Monatsschrift „Reveil du peuple", angehören, will auch die Einwanderung von Ausländern, insbesondere von Juden, bekämpfen. Griechenland Der griechische Minister für Presse und Touristik, N i c o 1 o u d i s, hat der jüdischen Presse eine Erklärung über die Haltung der griechischen Regierung zum Judentum übergeben, in der es heisst: du holder Hellhöriger, und blind, du Leuchtender! Immer bist du mir entflohen." „Du weisst nichts von mir! Ich kenne dich, ohne deinen Namen zu wissen!" „Du kennst mich? O, Geber!'* „Wohnst „du nicht an der Hebronstrasse? Die Jugend von Jerusalem meidet sie! Wir er^ starken in Spiel und Warfen! Wir brauchen euch nicht!" „Das hat dir deine Mutter gesagt!" „Nenne nicht meine Mutter! Ich verbiete es dir!" „Du weisst nicht, wem du das verbietest. Du kennst die Hebronstrasse nicht und das Schicksal derer, die dort wohnen. Ein Kind bist du noch als Jüngling. — Das will deine Mutter. Sie ist edel, ich weiss —" „Wohl dir, dass du sie so nennst!" „Ich denke gut an sie, doch besser noch an dich. Köstlich ist es, eine Mutter zu haben auf Erden — ich kannte die meine kaum. Aber der Segen wendet sich, wenn man der Mutter nicht entwächst. Wenn die Trösterin Verderberin wird. Wenn sie zwischen der Jugend und dem Leben steht." „Was soll das alles? Willst du mich über meine Mutter belehren? Weiss ich doch, wer du bist." „So weisst du mehr als von den Töchtern des Landes. Du trachtest nach schöner Mädchen Spur und wenn sie ihre Augen zu dir wenden, fliehst du ins Feld." „Lache nicht!" Er rief es fast drohend. „Nein. Sieh meinen Ernst." Mit diesen Worten ergriff sie seine Hand. Er musste es geschehen lassen. „Du brauchst meinen Ernst", fuhr sie fort. Ihre Stimme hatte sich gewandelt. Es war nicht mehr der ferne, wilde Vogelruf — nahe milde Menschensüsse legte sich wie Salbe auf sein wundes Gemüt. Er stand erschüttert. Er konnte nicht mehr fliehen — nur lauschen wollte er und vernehmen, was die Quelle des Lebens sagte. „Geber", sprach das Weib und zog ihn neben jüdischen Frontkämpfer eingesetzt worden war, hat an den Marschall von Polen, Rydz-Smigly, ein Schreiben gerichtet, in dem es ihn bittet, sich mit der Kraft seiner Persönlichkeit für das Recht der Juden in Polen einzusetzen. Das Schreiben erinnert an den Vorgänger Rydz- Smiglys, den Marschall Pilsudski, "der seinerzeit sich der verfolgten Juden in Polen angenommen habe. Die Statistik des Landwirtschaftsministeriums zeigt einen Rückgang des Rindfleisch-Konsums im Mai. um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese rückläufige Entwicklung, die schon seit einigen Monaten zu beobachten ist, ist eine der Auswirkungen des Antischächt-Gesetzes, durch das die Mengen des für die rituelle Schlachtung zugelassenen Viehs beschränkt worden ist. Man erwartet ein weiteres Absinken des Fleischkonsums und eine erhebliche Schädigung der Landwirtschaft durch das Sinken der Preise. Landwirtschaftsministerium und Innenministerium beraten bereits über Massnahmen gegen das weitere Absinken des Fleischkonsums. Von April 1936 bis April 1937 sind 4764 Juden über Warschau nach Uebersee ausgewandert. Nach Nord- und Südamerika gingen 2347, nach Brasilien 872, nach Uruguay 205, nach Kanada 288, nach Südafrika 44, nach Kuba 106, nach Paraguay 38, nach Mexiko 85, nach Australien 19, nach Nikaragua 3, nach Kolumbien 2, nach Ekuador 4, nach Kostarika 3, nach Chile 28, nach Peru 6 und nach Venezuela 11. Von Januar bis April 1937 hat das zentrale Palästinaamt in Warschau 1510 Palästinawanderer abgefertigt. K. J. R. „Die jüdische Welt kann über die Lage und Stellung unserer jüdischen Mitbürger vollkommen ruhig sein. Wir hegen kein rassisches oder nationales Vorurteil. . . . Wir behandeln sie auf der Grundlage vollständiger Gleichstellung mit den christlichen Bürgern: alle haben die gleichen Pflichten und erfreuen sich der gleichen Rechte. Gegenüber dem Zionismus halten wir an der traditionellen Politik fest, die Griechenland seit Jahren befolgt hat. . . . Wir verfolgen mit grösstem Interesse die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims und wünschen ihm vollsten Erfolg." * Anlässlich des Jahrestages 3er historischen Schlacht von Skra, in der die griechische Armee : im Weltkrieg die Bulgaren geschlagen hat, fand auf dem ehemaligen Schlachtfeld eine grosse Gedenkfeier statt. Der in dieser Entscheidungsschlacht schwer verletzte jüdische Kriegsinvalide Josef N e h a m a , Inhaber des Kriegskreuzes, hat ■ anlässlich der Feier einen Aufsatz veröffentlicht, : in dem die bedeutende Rolle hervorgehoben wird, die die in den Reihen der griechischen Armee kämpfenden jüdischen Soldaten in der Schlacht gespielt haben. * Zahlreiche Häuser und Baracken in 'den jüdischen Vorstädten Mustafa Arif und Regie Vardar sinddurch eine Wetterkatastrophe schwer beschädigt worden. Die Jüdische Gemeinde Moncki hat jeder betroffenen Familie einen ersten Hilfsbeitrag von 200 Drachmen zur Verfügung gestellt. Die Familien sollen neue WTohnungen in dem Viertel erhalten, das für die seit Jahren obdachlosen Mitglieder der Salonikier Jüdischen Gemeinde mit Unterstützung der Regierung und der Stadt errichtet werden wird. sich auf das tiefe Moos —, „ist es nicht so, wie ich dir sage? Deine liebevolle Mutter — ist sie nicht oft sehr hart? Grausam wider ihren Willen? Sie hält dich am Gängelband und lächelt über den hohen Jüngling. Sie will das Beste für dich und hindert dein Leben." „Hast du es etwa? Bist du noch jung?" Da schwieg sie eine "Weile. Er sah, dass sie sich gewaltsam fasste. — „Nein, Geber, jung, in deinen Jahren bin ich nicht mehr. Aber ich. fand den Schatz der bleibenden Jugend. Ich locke den Mann nicht in Fesseln und Schwäche, du bleibst ein Freier und ich freue mich an dir, wenn ich dich entlasse, besser und reiner als die Tugendhaften. Ich will nichts von dir als dich." „Dienst du den Männern von Jerusalem nicht für Geld?" Er konnte es kaum aussprechen. „Niemand verleugnet den Fluch seines Daseins. Aber dir ist es gegeben, mich davon zu erlösen. Wenn ich deinen Mund küsse, suche ich keinen anderen mehr." Er sass gebückt und betrachtete sie. „Du Rätselhafte", sagte er nach einem Schweigen. „Wie bist du schön. Dein Antlitz, deine Hand, dein Fuss, du bist doch jung!" Sie trank seine Worte. „Aber ich darf dich nicht berühren. Auch wenn du noch jung wärest. Seltsam befällt es mich. Du bist vielleicht nicht jünger als meine Mutter und die schreitet noch mit den Jungfrauen über den Acker. Sie gleicht Sulamit, sagt man, die der König einst geliebt. „Sie gleicht Sulamit?" „Meine Mutter und ich, wir sind für das Glück der andern verloren. Uns bleibt nur die Arbeit und das harte Sein. Oft schon sah ich mich im Wasserspiegel und das Ebenmass meines Leibes — dennoch dünkt es mich, ein armer Krüppel zu sein, der am Wege sitzen muss. Du kannst es nicht begreifen, doch mein Entschluss ist gefasst. Ich entrinne dem gewöhnlichen Los. Ich weihe mich der Aufgabe, der einzigen, die zu Gott führt. Ich habe mich zum Tempelbau gemeldet," Fahrschule ICi§ne§§na§1 Berlin W 50, Nürnberger Platz 5 Ruf: 2451 06 Der Minister für soziale Fürsorge hat volle Regierungsunterstützung für die Notleidenden versprochen. Oesterreich Anlässlich der österreichischen Verfassungsfeier hatte in dem von Juden stark bewohnten Gemeindebezirk Leopoldstadt eine Versammlung der Vaterländischen Front stattgefunden, bei der der Rat der Stadt Wien H o 1 o u b e k schmähende Ausdrücke gegen die jüdische Bevölkerung gebrauchte und die vaterländische Gesinnung der Juden anzweifelte. Nunmehr hat bei, einer in demselben Bezirk abgehaltenen zionistischen Kundgebung der als offizieller Vertreter der Vaterländischen Front erschienene Bezirkspropagandaleiter erklärt, dass die Vaterländische Front die Handlungsweise Holoubeks aufs entschiedenste verurteile und jede Verbindung mit ihm abgebrochen habe. Derartige Vorfälle würden sich rächt wiederholen. Die Vaterländische Front strebe nicht einen Kulturkampf, sondern den Zusammenschluss aller Bürger Oesterreichs an. Besorgnisse in Rumänien Die Exekutive der Jüdischen Reichspartei hat sich auf Grund der Feststellung, dass die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden in Rumänien durch Regierungsmassnahmen und rechtsradikale Propaganda gefährdet sei, veranlasst gesehen, einen ausserordentlichen Parteikongress auf den 20. Juni nach Bukarest zu berufen. Starke Beunruhigung wurde in jüdisch-politischen Kreisen vor allem durch eine ministerielle Verordnung hervorgerufen, die zum rumänischen Kartellgesetz ergangen ist. Die Verordnung bestimmt, dass die Industriekommission bei Prüfung von Genehmigungsgesuchen auch „die Kategorien und die Nationalität des Personals" berücksichtigen solle, zu dessen Verwendung das Unternehmen sich verpflichtet. Es hat den Anschein, als ob hier beabsichtigt sei, die rumänischen Industrie-Unternehmungen in versteckter Form zur Beschäftigung von Angestellten rumänischer Volkszugehörigkeit zu verpflichten und so den bekannten Gesetzentwurf des Handeisministers Pop auf einem Umwege zur Durchführung zu bringen; dieser Entwurf, der bekanntlich einen numerus clausus innerhalb der Angestellten der freien Wirtschaft vorsieht, soll, wie halboffiziell verlautet, inzwischen fallengelassen worden sein. Bemerkenswert ist auch die sehr rigorose Behördenpraxis in Czernowitz, die dazu geführt hat, dass bei einer vom Kriegsministerium angeordneten Revision der Staatsbürgerpapiere tausend Personen, darunter 900 Juden, die Staatsangehörigkeit entzogen wurde. Nach Pressemeldungen soll ihre Ausweisung bevorstehen. In der Landeshauptstadt Bukarest mehren sich in letzter Zeit Ueberfälle auf Strassen und in öffentlichen Parks auf jüdische Passanten, ohne dass die Behörden bisher eingegriffen hätten. Zionisten-Kongress in Zürich. Die Zionistische Executive hat beschlossen, den diesjährigen Zionistenkongress nicht nach Basel, sondern nach Zürich einzuberufen. Das Datum der Eröffnung, 3, August, bleibt unverändert. Ganz nahe sass sie nun bei ihm. Langsam schüttelte sie den schönen Kopf. — „Ich weiss, dass du im Fron des Königs stehst. Aus den Aengslen bei der Mutter kamst du in diese." „Locke mich nicht von meiner Pflicht!" „Ruhig, ruhig, Geber. Ich will dir ja Kraft und Fröhlichkeit dafür geben. Dir soll alles werden, dessen ein Mann bedarf. Der König und deine Mutter — ihre Weisheit tötet. Aber es gibt auch Leben auf dieser Welt." „Du sprichst verächtlich vom König. Du hast keine Ehrfurcht vor ihm." „Ich fürchte ihn. Aber ich habe nie einen Gott in ihm gesehen, weil er das Volk glauben lässt, er kenne Gott." „Das ist nicht wahr. Er ist nur das Werkzeug. Gott offenbart sich ihm." „In Träumen. Haben wir keine Träume, wir Geringen? Auch ich lausche im Olivenhain den Vögeln und glaube ihre Stimme zu verstehen. Auch ich löse manches Rätsel, doch die Königin von Saba liess mich peitschen, als ich gaffend an ihrer Strasse stand. Ich bin eine heimatlose Hetiterdirne, Beute von Salomos Kriegern. Ich wollte nicht verhungern in Israel und verkaufte meine Liebe. Davon weiss dein weiser König nichts, dein unfehlbarer Richter. Armut fesselt mich, Armut verdarb, was auch mich zum Glück begabte. Deine Mutter lebt im Wohlstand der Bürgerin und fand des Königs Gnade. Es freut mich deinetwegen/' Er schwieg. Angstvoll betrachtete er sie. —* „Du bist anders, als ich gedacht. Ich höre dich, ich will dich hören. Doch warum —" Sie umschlang ihn. — „Was?" „Warum ist hinter deiner guten Stimme ein böser Ton? Ein feindlicher Laut, der höhnt und hindert?" „Glaube mir, ich bin nicht feindlich." „Warum sagtest du, meine Mutter fand des Königs Gnade?" „Ist es denn anders?" „Nichts ist gut. was des Menschen ist." „Geber, du bist krank. Komm, ich mache dich gesund." (Fortsetzung folgt.) Auslands-Nachrichten