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Central-Verein-Zeitung · 1937-05-27 · 21 (27.5.1937) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
21 (27.5.1937)
Date
1937-05-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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SäitelO 'C-V.-ZelfDng Nr.2T »27.MpH937 seinem langjährigen speziellen Forschungsgebiet, aus dem bisher'nur kommentarische Anmerkungen, "und' gelegentliche Textproben veröffentlicht waren, zeigt die nunmehr erstmalig publizierte Gesamtübertragung seine Meisterschaft in der sprachlichen und inhaltlichen Erfassung des Bibeltextes. ' ' ' ' ' Wir besitzen nunmehr eine erfreuliche Anzähl von Bibelübertragungen, von denen eine jede ihren eigenen Wert besitzt. Wird es nun aber auch genügend Menseben geben, die sie zur Hand nehmen, um durch sie einen Zugang zum Geiste des Judentums zu suchen? Dr. Manfred Swarsensky. Neue Romane der . der -wissenschaftlichen Abhandlung, immer aber mit dramatisch zusammengeballter künstlerischer Gestaltungskraft dieses Buch. Wir folgen dem Wege des vom Schicksal verdammten Arztes und des von der reinen Idee beherrschtön jungen Forschers. Erschütternd besonders die Gestalt des jungen englischen Musikers, der im furchtbaren Erleben der Schlacht in Flandern die grosse Harmonie von eigener Seele und Welt, verliert, die seine Kunst zum Ausdruck bringen vill. Dr. E. Fr .... I. James Hilton: Irgendwo in Tibet, ■ Geschichte eines Abenteuers. Herbert Reichner Verlag, Wien—Leipzig—Zürich 1937. . Man erkennt den Verfasser von „Leb wohl, alter Chips" an der Art wieder, wie er die Menschen, die er schildert, liebenswert macht. Wo man sein neues Buch „Irgendwo in Tibet" eingruppieren soll, ist schwierig zu bestimmen. Ist es ein Abenteurerroman, ist es ein fabulöses Reisebuch oder ist es eine in ansprechende Form gekleidete kulturkritische Abhandlung? Die Entscheidung ist letzten Endes überflüssig. Im Leser entsteht, wenn er das Buch beendet hat, der Wunsch, dass es kein Märchen, sondern Wirklichkeit sein möge. Und — so seltsam es klingt — in dem von Sturm umbrausten tibetanischen Tal wächst eine Art blauer Blume, die die Sehnsucht weckt, sie zu erreichen. Ueber den Inhalt sei nichts mitgeteilt, um die Spannung nicht zu vermindern, die den Leser packt, sobald er die ersten zwei Seiten gelesen hat. —rg. Emanuel Worlik: Der Fahnenreiter von Prag. Brandussche Verlagsbuchhandlung, Berlin 1937. " Dieser Kulturroman aus dem Prager jüdischen Zunftleben vergangener - Zeiten soll nicht als Kunstwerk, sondern als Kulturdokument gewertet werden. Er schildert auf Grund von Familientraditionen des Verfassers Gebräuche und Lebensweise der Prager jüdischen Fleischerzunft und entwirft darüber hinaus ein farbiges Bild des jüdischen Lebens gegen Ende des 18 Jahrhunderts, einmündend in den Festzug zu Ehren des- Kaisers Leopold II. im Jahre 1790. bei welchem letztmalig die grosse, von zwölf Mann zü tragende Schwedehfahne zur Schau gestellt wurde, die noch heute in der Altneuschul zu sehen ist. Die kulturhistorische Bearbeitung stammt von Alfred Grotte. Obwohl die Handlung von einer romantischen Liebesgeschichte getragen wird, lässt sieh sagen, dass das Buch nach der Art seiner Darstellung vor allem als eine anregende und belehrende Jugendlektüre gelten kann. Ca. Louis Ferdinand Gel ine: Mea Culpa und Pas Leben und Wirken des Arztes Ph. J. Senimelweis. Verlag Julius Kittls Nachfolger, Berlin 1937. : In einem schmalen, kaum hundert Seiten umfassenden Band vereinigt der Autor der grossen epischen Werkel „Reise ans Ende der Nacht"' und „Tod auf Borg" zwei Arbeiten, die auf den ersten Blick ausser dem sich nie verleugnenden Temperament des stets angriffslustigen Verfassers kaum Gemeinsames zu haben scheinen. „Mea Culpa", unter dem Eindruck einer Reise nach Sowjetrussland entstanden, ist eine Abrechnung mit allen Ideologien, die der Menschheit Erlösung vom. Uebel versprechen, wenn sie nur eine Lebensordnung durch eine andere ersetze. Celine erblickt die Wurzel alles Bösen im Menschen, wie er war, ist und sein wird. Der Mensch war stets sein eigener Tyrann. Mit der elementaren Kraft eines vom heiligen Zorn Besessenen und mit der drastischen Ausdrucksweise eines Busspredigers zeigt Celine den Menschen in seiner ewigen Nichfswürdigkeit. „Das grosse Verlangen nach Glück", ruft er seinen Mitmenschen zu, „das ist der ungeheure Betrug ... Es gibt im Leben kein Glück, es gibt nur ein grösseres oder kleineres, früheres "oder späteres, greifbares, verborgenes, aufgeschobenes, tückisches Unglück." Wenn Celine in der. zweiten Arbeit dieses Buches den Lebenslauf des ungarischen Arztes Ph. J. Semmelweis, des genialen Bezwingers des Kindbettfiebers, erzählt, so scheint diese kleine Biographie eine Bestätigung seiner radikalpessimistischen Anschauungen zu sein. In Wahrheit ist die Lebensgeschichte des grossen Arztes eine Widerlegung .aller Meinungen, die am Menschen verzweifeln. Allerdings, Semmelweis wird verkannt, verhöhnt, in den Wahnsinn getrieben. „Hat man das Recht, die gigantische Gewalt der Absurdität zu verkennen?" fragt Celine angesichts der zahllosen Intrigen und Missverständnisse, mit denen sich die Welt der Ewig-Gestrigen gegen eine Entdeckung zur Wehr setzte. Aber menschlicher Glaube und menschliche Intelligenz, deren Träger Semmelweis war. haben es doch zuwege gebracht, die Menschheit für immer von einer Krankheit zu befreien, die sie bis dahin wie eine Naturgewalt hinnahm. Menschenwerk ist grösser als der Mensch. Der unglückliche Semmelweis hätte den Wahlspruch eines anderen genialen Arztes zum eigenen machen können: „Man lebt für den Geist, alles andere gehört dem Tode." P.M. Karl E. Kassowitz: Die Flucht um den Erdball. Julius Kittels Nachf., Leipzig/ Mährisch-Ostrau 1937. Diese Kriegsabenteuer eines jungen Militärarztes, der seit einigen Jahren seine Praxis in New-York ausübt, sind äusserst beweiskräftig für den begeisterten und aufopfernden Einsatz der jungen Kriegsgeneration von 1914. Als junger Freiwilliger trat Kassowitz damals als Militärarzt ein. Schon nach wenigen Wochen geriet er in russische Gefangenschaft. Eine abenteuerliche Flucht gemeinsam mit einem ärztlichen Kameraden wird vorbereitet und durchgeführt. Genau ein Jahr nach Kriegsbeginn melden sich Kassowitz und sein Kamerad Avieder bei ihrem Truppenteil zur neuen Verwendung an der Front. Ein spannendes, mit zahlreichen Zeichnungen ausgestattetes Buch. og. Rudolf Brunngrab er: Radium. Roman eines Elements. Verlag Ernst Rowohlt, Berlin 1936. An einem grauen Februartag 1896 entdeckt Marya Sklodowska, die junge, polnische Assistentin des Pariser Professors Henri Becquerel in einer Stunde geheimnisvollen Zusammenklingens von Zufall und genialer Intuition die Kraft, die von einem Stück Uranerz ausgeht. Radium, „das Leuchtende", nenn sie das neue bisher unbekannte Element, das ihr mit Hilfe ihres späteren Gatten, des Professor Curie, darzustellen gelingt. Wie diese „Sternstunde der Menschheit"', in der zwei Menschen „von dem geistigen Rausch erfasst werden, der das Lebendigste im Menschen ist", diese Stunde, die eine umwälzende Wirkung in der Welt "der Wissenschaft hervorzubringen berufen ist, später in das Leben einzelner Menschen eingreift, davon erzählt teils in der Form der Reportage, teils in Richard Flatter: Weg und Heimkehr. Herbert Reichner-Verlag, Wien. Richard Flatter, der als Shakespeare-Uebersetzer sich einen Namen gemacht hat, legt zum ersten Male einen Band eigener Gedichte vor. Die starke Neigung, 'des Verfassers zur Klassik sowohl in der Wahl der Motive wie in der dichterischen Form wird auch hier deutlich: während der Inhalt des ersten Teiles der Sammlung, der reinen Empfindungslyrik, noch manchmal sichtlich um die Vollkommenheit des Ausdrucks zu ringen hat, finden sich im zweiten Teil „Im alkaeischen Versmars" wundervoll geschliffene Reime, voll von eigenem Sinn und lautmalerischem Wohlklang. Zeitnah klingen viele der schönen Wandersprüche. „Du klagst dein Schicksal an, weil es dir wehtun muss: Von Uferri eingepresst, wird erst die Flut zum Fluss." Starke Lebensbejahung spricht aus dem ganzen, besonders schön ausgestatteten Band. H. M. Auswärtige Maier In der vom Sekretarial für Bildende Kunst in den Räumen des Frauenbundes, Marburger Str. 5, eröffneten Ausstellung zeigen diesmal auswärtige Künstler ihre Arbeiten. Ernst S t e r naus Düsseldorf ist die stärkste Begabung unter den dreien, seine Gemälde und Aquarelle atmen jene Freiheit und Weite, die den wirklichen Könner ausmachen. In stimmungsvollen Landschaften und auch in Porträts aus der Provence verrät sich eine Kultiviertheit der Palette, und viel kompositioneile Klarheit spricht aus einem Bild „Reisigsammlerin" oder „Obsternte", man wird an Batos Arbeitsweise erinnert, fühlt aber aus den Werken von Ernst Stern die grössere, und freiere Persönlichkeit heraus. Daneben sieht man in der Hauptsache Porträts von Ernst Dreyfuss aus Frankfurt a. M. Düstere Farben kennzeichnen das Kolorit, sie sind oft dem Sujet angepasst, das nicht immer erfreulich ist. „Der Benno" oder „Die Sinnende" sind in ihrer Art tüchtige Leistungen, aber der Künstler arbeitet zu stark mit Schlagschatten, und dies kommt zum Beispiel dem „Bildnis Professor W." gar nicht sehr zu gute. Anders, wenn auch nicht gelöster, ist das Problem bei dem „Mädchen in Blau" und dem Selbstporträt des Künstlers, der bestimmt eine eigenwillige Begabung darstellt. Dann stellt Kurt Löwengard aus Hamburg Aquarelle und Graphik aus. Zwei Winterbilder und eine Regenlandschaft bringen das Atmosphärische gut heraus, die „Dünen am Watt" verraten zeichnerisches Können in der Bewegtheit, eine Federzeichnung von Professor Liepmann ist beachtenswert. Im Grunde ist Kurt Löwengard ein tüchtiger Aquarellist. Dr. O.B. Ueber Messianische Ideen iii der Jüdischen Kunst sprach Rahel Wischnitzer-B ernst e i n auf Einladung des Berliner Kulturbundes. Sie legte besonderen Wert auf das formbildende, stilkritische Moment des Themas. Die Symbole standen im Mittelpunkt eingehender Betrachtungen, die die Zuhörer vom Titusbogen in Rom über Dura Europos TTTit seinen Fresken bis in das Mittelalter führten, wo in Bibeln, Gebetbüchern, Haggadot, die vier Tiere begegnen, die zum Tempel gehören, oder das Haus des Messias in Gestalt eines. Vogelnestes, das Tor, das wohl die Himmelstür bedeutet, oder der Tempel selbst in seiner Architektur in der Erinnerung an das zerstörte Gotteshaus. Der Vortrag war beachtenswert, weil ein Einzelgebiet im vielverzweigten, unbekannten Land der"-jüdischen Symbolik behandelt wurde. 0. B. In der Berner Kunsthalle findet gegenwärtig eine Gedächtnisausstellung für Alexandre Perrier und Max Liebermann statt. Wie die jüdische Presse von Saloniki meldet, hat König Georg VI. von England den in Paris lebenden Maler Jean de Bot ton beauftragt, ein Gemälde von den Krönungsfeierlichkeiten in London herzustellen. Jean de "Botton ist ein bekannter, aus Saloniki stammender jüdischer Künstler. Er hat bereits wochenlang in London mit Erlaubnis des Königs an der Herstellung von Skizzen von den Schauplätzen der Krönungsfeierlichkeiten gearbeitet. Die Arbeit wird zwei Jahre in Anspruch nehmen. Robinson, Fisher & Harding versteigern in ihren Londoner Räumen alte und neue Gemälde sowie wertvolle Zeichnungen aus dem Besitz von Mrs. Rosa S c h a 1 i t (London). — Sotheby & Co. verauktionierendieBestände alten Kunstgewerbes aus dem Besitz von Mrs. Lina S a n d a y, ein englischer Kunstbesitz, der auch Judaica enthält. Die Zeitschrift „Die Internationale Kunstrevue", die Adolph Donath in Prag herausgibt, bringt im Aprilheft einen Aufsatz „Inhalt und Bestimmung des Rembrandtschen Moses"' mit Illustrationen aus. der Feder von Dr. Albert Heppner (Amsterdam), über alte Möbel von Dr. Ilse Blum (London), von Wolfgang Born (Wien) über Goya und nicht zuletzt einen beachtenswerten Beitrag des Herausgebers Adolph Donath über "den „Weg des" Impressionismus". Der Maler Gerson D a vi do witsch aus Berlin stellt im Kunstraum der Kopenhagener Universität seine Bilder und Zeichnungen aus. In der Jüdischen Kulturstelle in Wien, Franz-Josef-Kai, stellt die Graphikerin Anna Katz-Taussky ihre Arbeiten aus. Es geht um Landschaftliches und Figürliches. Die österreichische Kunstkritik hebt die Ansätze der Künstlerin zu persönlichem Sehen hervor. * Adolf Reifenberg: Denkmäler der jüdischen Antike, Bücherei des Schocken- Verlags 75—76. . Dieses Buch legt man mit dem, tröstlichen Gefühl aus der Hand, wirklich Wissenschaftliches gelernt zu haben. Wurde doch diese Publikation, zu der der in Deutschland bekannte Kunsthistoriker A. L. Mayer ein Vorwort schrieb, von Adolf Reifenberg kenntnisreich und verständnisvoll sichtend im Zusammenhang mit der allgemeinen Kunst- und Stilgeschichte durchgearbeitet. Der Verfasser fügt 63 Tafeln zur Beweisführung und Ilustration hinzu, ein reiches Material von Denkmälern aus der Zeit, da man in Palästina vieles baute und künstlerisch gestaltete. Leider ging das meiste verloren, aber Reifenberg und Mayer konnten in wertvoller Forschungsarbeit alles das in dem schönen Buch des Schockenverlages in die Erinnerung rufen, was in den Museen der Welt, in Bibliotheken und Privatsammlungen zu dem bisher nicht bearbeiteten Thema, der jüdischen Spätantike, zusammenhanglos und stilkritisch nicht gedeutet vorhanden ist. Dr. 0. B. nach. Mit tiefer Empfindlichkeit wünschte er, dass die Begegnung mit ihm seiner jungen Seele ganz allein gehörte. Diese ewige Minute vertrug keinen Zeugen. Er nahm, als es zum Feierabend läutete, schnell Abschied, als wollte er jeder Erörterung ausweichen. Dann eilte er auf dem kürzesten Wege heim. Aber er erwähnte hier sein grosses Erlebnis nicht. Die Mutter war an seine wunderlichen Stimmungen gewöhnt und liess ihn den ringenden Gedanken. Bald nach der'Mahlzeit ging er noch hinaus — sie hinderte ihn nicht. '" Geber wandte sich zum Oelberge. Im Hain der jungen Bäume ging er langsamer. Nie hatte er einen Eindruck so aus dem Golde der Erinnerung geformt. Aber er wusste bald, dass sie nicht das reine Gold wurde, das er in seinem Gemüt bereit hatte. Schatten zogen über das schöne Bild, Klüfte und Risse bildeten sich. Das Geheimnis seines Lebens war von einem Menschen fern gewesen, von ihm. Den König zu befragen, seiner Weisheit Rat zu hören, war Gebers Hoffnung geblieben. Nun aber — stockend schritt er durch den Hain — nun verband-sich auch dieser Mann mit der ungelösten Welt. Warum? War es die Erkenntnis, die doch keine war, dass auch König Salomo ein Mensch und menschlichen Gesetzen unterworfen? Geber hasste jedes Gebilde phantastischer Willkür. Er war froh, dass er endlich den Menschen Salomo gesehen und im Herzen bewahrte. Doch mit diesem Bilde verband sich auch das allgemeine Los. Menschen konnten niemals wahr voreinander •sein; sie konnten es nicht, um ihrer selbst willen und derer, die sie liebten. Sie gingen alle in das Ungewisse Dunkel, Mitleid war ihr Bestes. Auch die Mutter. „Erfreue ferner deine Mutter." So hatte König Salomo gesprochen. Plötzlich wusste Geber: sie war dem König nicht fremd. Ihr Schicksal war ihm bewusst geworden, jetzt oder einst. Geber, der nächste zum Wissen, wusste nichts davon. Sein junges Sehnen, sein Weg zum Tempelbau — alles war dem Herrscher in Zion schon vertraut. Vielleicht durch den Propheten? Der König wusste ja von Gebers Sendung. Ahia — man sagte es oft im Volk — verbrachte viele Stunden beim König oder dieser in seiner Hütte. Im dürftigsten Raum entstanden Israels Geschicke. Hier wurde der König wohl zu Gott geführt. Was hatte er sonst gesprochen? „Diene dem heiligen Werk." Geber war ihm ein willkommener Arbeiter. Aber es klang neben der Freude in des Königs Worten auch ein Schmerz. Es war, als ob dieser Jüngling etwas in das heilige Werk brächte, was der König nicht mehr besass. „Dein Weg zu Gott ist noch frei." Das hatte Salomo vielleicht gedacht. Ein Mensch, ein ringender Mensch, der seligsten Liebe wert, das war dieser König. Lastete wirklich schon seine Weisheit auf ihm? Was nur dem Herrscher Israels unter allen Menschen zuteil geworden? Hatte die Einfalt der Mutter dies erkannt? „Nun ist der Weg zu ihm offen, und doch fühle ich, dass ich ihm für immer fern bleiben muss. Alle Menschen dürfen sich vor mir verbergen — nur bei ihm dürfte kein Geheimnis sein." So dachte Geber. Und ein Versagen kam in die Stunde seiner Erhebung, ein schüttelnder Frost ergriff sein heisses Herz. Zurückgestossen sah er sich von allen gut Gewillten. „Oh, wäre es zu Ende!" flüsterte er. „Der ganze fromme Betrug! Ich kann auch nicht mehr zu dem Propheten gehen! Ein Rätsel bin ich, das den Schlüssel zu sich selbst verlor! An einem sichtbaren Hause schaffe ich für den Unsichtbaren! Glaubt auch er an solches Heiligtum? Ich brachte vom Gibeon unter freiem Himmel mit, was ich zur Arbeit brauche!" „Geber!" (Fortsetzung folgt.) nach Texten des Dichters zu Gehör gebracht wurden. * Aus dem Nachlass Friedrich Gundolfs hat Elisabeth Gundolf einen bisher unveröffentlichten Vortrag des bekannten Literarhistorikers über Rainer Maria Rilke (im Verlage der Johannes-Presse in Wien) herausgegeben. * Der Jüdische Verlag, Berlin, kündigt folgende Neuerscheinungen an: Simon Dubnow: Weltgeschichte des jüdischen Volkes, kurzgefasste Ausgabe in 3 Bänden, bearbeitet von Dr. A. Ö t c i nb c r fr. — A. D. G o r d o n : Auswahl aus seinen Schriften in der Ucbersetzung von Professor Dr. Viktor Kellner, Wien, eine Fortsetzung des ersten im Jahre 1029 unter dem Titel „Erlösung durch Arbeit'1 erschienenen Auswahlbandes. — Die Ucbersetzung des Bibelkommentars von Chief-Rabbi Dr. J. H. Hertz, London, in fünf Banden mit hebräischem und deutschem Bibeltext. * Aus Anlass eines Gesellschaftsabends der Bundestheaterfreunde, der unter dem Kennwort ..Burgtheaterdichter lesen vor" im Festsaal der Staatsoper in Wien sattfand, sprach u. a. R. Auernh e i m e r einleitende Worte; Franz W e r f c 1 las drei seiner Gedichte. Literarische Notizen Im Klubsaal der Urania in Wien fand ein Ernst-L is sau e r- Abend statt, bei dem Unbekanntes und Ungedrucktes von Lissauer in Vers und Prosa sowie ernste und heitere Lieder Aus der wissenschaftlichen Welt Professor Dr. Louis Eisen mann, Inhaber des slawistischen Lehrstuhls an der Pariser Universität und Direktor des Instituts Francais Ernest Denis in Prag, ist am Freitag, 14. Mai, in Paris im 68. Lebensjahr gestorben. Anlässlich des Ablebens des berühmten jüdischen Gelehrten haben zahlreiche Persönlichkeiten der wissenschaftlichen und politischen Kreise, unter ihnen der tschechoslowakische -Aussenminister, Professor Dr. Kamil Krofta, an die Witwe des Verstorbenen und an den Rektor der Pariser Universität, Charlety, Beileidskundgebungen gerichtet. Louis Eisenmann, der 1869 in Hagenau geboren war, wurde 1905 Professor an der Universität Dijon; seit 1922 lehrte er slawische Kulturgeschichte und Zivilisation in Paris und war zugleich Generalsekretär des Instituts für slawische Wissenschaften an der Pariser Universität. Im Amsterdamer Rundfunk fand eine speziell für Ost- und Westindien bestimmte Sendung über die Tätigkeit des ..Joodsche Invalide", der grössten holländisch-jüdischen Wohltätigkeitseinrichtung, statt. Die Sendung, die unter dem Titel: „Ein Miilionenwerk der Barmherzigkeit'" angekündigt war. wurde eingeleitet durch einen Vortrag des Direktors Gans über die Tätigkeit dieser einzigartigen philantropischen Einrichtung und den in Vorbereitung befindlichen Neubau, Anschliessend daran brachte der berühmte Amsterdamer Synagogenchor einige Psalmen und jüdische Lieder zu Gehör. Die „Genootschap voor de Joodsche Wetenschap in Nederland" ernannte den Privatgelehrten Dr. Felix Falk in Den Haag zu ihrem ordentlichen Mitgliede. Ein neues Werk von Dr. Fritz Kahn: „Het sexueele leven van den mensch" ist im Verlag Contact, Amsterdam, erschienen. Es ist für Holland bearbeitet und eingeleitet von Dr. Heijermans, dem Direktor des Amsterdamer Gesundheitswesens, * Anlässlich des 100jährigen Bestehens der Wiener Gesellschaft der Aerzte ist eine Festschrift erschienen, in der die Leistungen führender Wiener Mediziner, unter ihnen einer Reihe jüdischer Gelehrter, gewürdigt werden. So werden u. a. als Bahnbrecher auf dem Gebiet der Augenheilkunde Josef Beer und Professor Klein genannt, als führender Gelehrter auf dem Gebiet der experimentellen^Pathologie Dr. Stricker, unter den berühmten Ohrenärzten Professor Politzer, der das erste Ordinariat der Welt für Ohrenheilkunde innehatte, sowie der noch heute wirkende Professor N e u m a n n, als Kinderarzt Professor Clemens Pirquet und schliesslich die Nobelpreisträger Baranyi und der aus dem Judentum ausgetretene Professor Carl Landsteiner; als der bedeutendste zeitgenössische Gelehrte auf dem Gebiet der praktischen Anwendung der Röntgenologie wird Professor Leopold Freund bezeichnet und als bedeutender Vertreter der pathologischen Anatomie der vor kurzem, verstorbene Professor Erdheim erwähnt. ,

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