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Central-Verein-Zeitung · 1937-05-27 · 21 (27.5.1937) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
21 (27.5.1937)
Date
1937-05-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seife 4 C.-V.-Zeifung Nr. 21 * 27.Mail93? Apprendam braaileiro (Fortsetzung) gar in den Plural gesetzt werden, heisst dann aber „einige", also uns paes einige Eltern usw. Nominativ und Akkusativ sind im Portugiesischen gleich, a lua, heisst also „der Mond" und „den Mond". Die wichtigsten Geschlechtsregeln lauten: Worte auf -o (nicht äo) sind im allgemeinen masc, z. B. o filho der Sohn, o livro das Buch, o medo die Angst. Worte auf -a sind im allgemeinen fem., z. B. a casa das Haus, a cama das Bett, a igreja — die Kirche. Folgende Worte auf -a sind masc: o poeta der Dichter, o artista der Künstler, o agricola — _ der Landmann, o dia der Tag, o clima das Klima, o mappa die Landschaft, o sofd — das Sofa, o systema das System, o c^ttiä das Drama, o idioma — die Sprache, o problema — das Problem, die Rechenaufgabe, o programma das Programm, o thema das Thema, o telegramma — das Telegramm. ' Worfe auf -ao: Konkreta sind meist masc, z. B. o irmSo der Bruder, o cao der Hund, o c/jao der nicht gedielte Fussboden, o coracao das Herz. Abstrakta sind meist fem., z. B. a uniao die Vereinigung, a religiao die Religion, a profissao der Beruf. Bei allen übrigen ist das Geschlecht äusserlich nicht zu erkennen; es ist für den Anfänger am zweckmässigsten, die Worte gleich mit dem zugehörigen Artikel zu erlernen oder sich in Zweifelsfällen der Hilfe eines Wörterbuches zu bedienen. In allen nachfolgenden Wortverzeichnissen sind die Geschlechter in Zweifelsfällen durch nachgesetztes m. (masculino männlich) oder f (feminino weiblich) angegeben. Palavras homen m. Mensch, Mann mata-borrao m. Löschmulhcr f. Frau, Weib papier senhor m. Herr, mein Herr papei m. Papier senhora f. Dame, meine grande gross Dame pequeno, -a klein pae m. Vater comprido, -a lang mae f. Mutter curto, -a kurz menino m. Knabe, Junge novo, -a neu me?üna f. Mädchen bonito, -a schön, hübsch casa f. Haus liso, -a glatt escola f. Schule mukös, muitas viele quarto m. Zimmer branco, -a weiss (Farbe) sola f. Zimmer, Saal preto, -a schwarz parede f. Wand vermclho, -a rot soalho m. gedielter Fussazul blau boden meu, minha mein, meine janella f. Fenster um, uma eins (i) porta f. Tür dois, duas zwei (2) cama f. Bett tres drei (3) espelho m. Spiegel quatro vier (4) calqa f. Hose cinco fünf (5) saia f. Mädchenrock bom dia guten Morgen fo'me f. Hunger boa tarde guten Tag sede f. Durst boa noite guten Abend, lapis m. Bleistift gute_ Nacht borracha f: Gummi tenho ich habe penna f. Schreibfeder tem du hast, er hat, sie hat, caneta f. Federhalter Sie haben (eine Person) tinta f. Tinte e 1. du bist, er ist, sie ist, tinteiro m. Tintenfass, Sie sind (eine Person). 2. -glas e und Frases. 1. Meu pae e grande. 2. Minha mae tem um espelho. 3. O hörnern tem. sede, e a mulher tem fome. 4. O menino tem uma calqa. y A menina tem uma saia. 6. A casa e nova. 7. A cama e pequena. 8. Meu quarto e bonito. 9. A escola tem muitas salas. 10. A saia tem duas janellas. 11. Um quarto tem quatro paredes. 12. O soalho e liso. 13. A porta e branca. 14. Bom dia, Senhor. 15. Boa tarde, Senhora. 16. Boa noite, meninos. iy. Tenho um lapis e uma borracha. 18. 'A tinta e azul e o tinteiro e preto. 19. Tenho papel, umx caneta e uma penna. 20. Meu mata-borrao e vermelho. 21. A menina tem cinco pennas. 1. Der Mann hat zwei Häuser. 2. Guten Tag, mein Herr. 3. Das Fenster ist gross, und die Tür ist klein. 4. Der Fussboden ist schwarz. 5. Meine Schule ist neu. 6. Das Papier ist weiss und glatt, 7. Mein Federhalter ist hübsch. 8. Mein grosser" Spiegel1 ist schön. 9. Ich habe viele Schreibfedern. 10. Das Mädchen hat einen Bleistift, und der Junge hat einen Gummi. 11. Der Vater hat Hunger, und die Mutter hat Durst. 12. Die Frau hat ein Zimmer, 13. Der Saal ist gross. 14. Ich habe ein Löschblatt und Tintenfässer. 15. Die Wand ist blau. x6. Mein Vater hat rote2 und3 schwarze4 Tinte1. 17. Guten Morgen, meine Dame. 18. Das Bett ist klein. 19. Meine schwarze2 Hose1 ist lang. 20. Der Mädchenrock ist kurz. 21. Guten Abend, Mädchen (PL). 22. Gute Nacht, Vater. Lektion 2 %5. Pluralbildung der Substantive und Adjektive 1. Alle Worte auf Vokale und auf -m setzen im Plural ein -s an, wobei vor diesem End-s nicht mehr -mgeschrieben werden darf, sondern das ursprüngliche -nwieder eintritt, z. B. casa das Haus, as casas — die Häuser; 0 livro — das Buch, os livros die Bücher; a ordern — die Ordnung, der Befehl, as ordens die Befehle. 2. Alle Worte auf Konsonanten (ausser -m) setzen im Plural -es an z. B. a flör die Blume, die Blüte, as flores die Blumen, die Blüten; 0 mez der Monat, os mezes die Monate. Merkregel: Jedes ursprüngliche n, d, l, das zwischen Vokale tritt, fällt aus, z. B. areia (aus arena) Sand, meio (aus medio) halb, pau (aus palo der Pfahl span.) eine Holzlatte. Treffen zwei gleichgesprochene (die Schreibung braucht nicht immer gleich zu sein, vgl. Bemerkung unter „e" im Alphabet) Vokale zusammen, von denen einer betont ist, so werden sie zu einem Vokal zusammengezogen, unter Beifügung des ' (s. Lektion 3). Alle bisher erschienenen Lehrbücher behandeln Worte auf -l als besondere „unregelmässige'' Gruppen. Das abweichende Aeusscre der Pluralformen beruht indes auf der Kenntnis der beiden oben angeführten Merkregeln, deren praktische Anwendung wir nachstehend zeigen wollen: Sg.: PL: a capital Hauptstadt as capitaes 0 papel Papier os papeis o leneol Laken os lenqoes azul blau azues Das im Sg. am Ende stehende -1 tritt durch Anhängung der Pluralendung -es zwischen Vokale und fällt dann aus. Bei dem 2. und 3. Beispiel ändert sich auch die Schreibung im Plural (Grund: s. Buchstabe „e'c im Alphabet), so dass man schreibt papeis, . faeeis. Worte wie o harril (letzte Silbe betont) das Pass gehen genau so, also os Barries (-1zwischen Vokalen fiel aus, so dass barn'is entsteht). Jetzt tritt die zweite Merkregel in Kraft (treffen zwei gleich gesprochene Vokale ... etc.). Die heutige Pluralform heisst also barr'is. 3. Worte auf -s, die den Ton nicht auf der letzten Silbe haben, bleiben im Plural unverändert, z. B.: Sg.: PL: 0 lapis der Bleistift os lapis o pires die Untenasse os pires 0 caes der Kai, Hafenanlage os caes simples einfach simples (Fortsetzung folgt.) Schachaufgabe 3fr. 98 von D. Przepiorka (Warschau) (Ehrend erwähnt in einem Engl. Problemturnier 1908) Matt in zwei Zügen. Weiss: KgS. De5. Tb2. Tc4, Lc3. Le2. Bd2. g2 (8) Schwarz: Kcl, De", Tal, LdT, Sb3, SdS, BeS, e3 (8j * Schachaufgabe Nr. 99 von D. Przepiorka (Warschau) CSüdd. Schachbl. 1907) Matt in vier Zügen. Weiss: Kbl, Dc2. Lc4. Ba4. b3, f2. h4 (7) Schwarz: Ka3, Lal, Ba6, ad, bi, b2, gö (7) # Lösung der Aufgabe Nr. 96: 1. DM—cl. (drohend 2. Del—fl matt) Dh6Xd, 2. Sb5—d6 matt, fö—f4f, 2. Lc2—fö „ TalXbl (a3), 2. Sbö—a3 „ Sa6—c5 (bi), 2. Tbl—b4 TeSXc-5, 2. SctfXeö „ beliebig, 2. Del—fl „ * Lösung der Aufgabe Nr. 97: 1. b-4—b5, Keö—e4; 2. SdS—c6. b7Xc6: 3. Kg7—f6. c6Xbö; 4. d2—d3 matt. * Richtige Lösungen von< Nr. 96 und 97 gingen ein von: Landgerichtsrat a. D. Dr. Karl Ulrich (Mimchen), H. Lindner (Burgkundstadt), Julius Cahn (Neuwied), Karl Bechhöfer, Lothar Schönthal (Nürnberg), Landgerichtsrat Emil Bacharach ("Arnberg), Dr. med. Meyerhoff (Rotenfels). Siegmund Austerlitz (Glessen), Reg.-Baumeister a. D. L. Hirschfeld. Dr. med. Herbert Picard (Berlin). Dr. med. Theodor Gernsheimer (Mannheim). Karl Nussbaum (Rheydt). Bernhard Loeb (Bingen), Werner Wolf (.London), Hermann Speyer (Frankfurt a. M.). Von Nr. 96: Moritz Heynemann (Düsseldorf), Tierarzt Max Koschminski (Landsberg), Herbert Heimann (Ratibor), Gottfried Gumbel (Stuttgart), Michael Levy (Krefeld), Gustav Le.wi, Kurt Burchard, Harry Na gier. Justizrat Kurt Jacusiel, Wirtschaftsprüfer Dr. Herbert E. Hirschberg (Berlin), Adolf Schuck (Breslau), Rechtsanwalt Dr. Ernst Boehm (Brieg\ Rechtsanwalt Ludwig Mayer, Diplomvolkswirt W. Silberstein (Berlin). How do you like Johannesburg? Von Gusti Hecht Johannesburg, im April. Die Südafrikaner reisen viel: trotzdem ist man nicht zu abgestumpft, um die Reise eines Bekannten nicht als Ereignis zu betrachten, das sich zu feiern lohnte. Man feiert eben die Feste wie sie fallen, und so feiert man auch heiter Abschied mit Tee und Whisky, -wie es sich gehört, und dehnt dann diese Abschiedsparty über das Kofferpacken hinweg bis zum Einsteigesignal des Schaffners am Bahnsteig aus. Wahrscheinlich sind mit gutem Bedacht deshalb auch die Plattformen der Eisenbahnzüge zu kleinen .Veranden ausgebildet, an deren Gittern sich der Abreisende anlehnt und Gerde abhält für die Freunde und die Freunde der Freunde. Manche von ihnen hat er noch nie zu Gesicht bekommen. Es fliessen keine Tränen, dafür hat jeder etwas mitgebracht. Ein sympathischer Ersatz für europäische Bahnsteigstrauer. Ein oder der andere Festteilnehmer hat es besonders gut; er wandert von einer Plattform zur anderen, er hat gleich zwei und drei zu verabschieden, und er hat auch manchmal alle Schattierungen von Lippenrot auf seinen Wangen . . . Alle Schattierungen hat der Regenbogen, der sich über das langsam entfernende Kapstadt wölbt. Er umschliesst Meer und Berge. Ein vollendeter Rahmen für eine Märchenstadt. Und die richtige Erwiderung auf den kleinen, zum Abschied zwar passenden, aber weiss Gott nicht ernst gemeinten Regenschauer, der zehn Minuten vorher mit dem Bahnhofsdach geplappert hatte. Nun, der Regenbogen hat gut strahlen. Wa9 weiss er, wie einem zumute ist, wenn die Berge immer kleiner werden, die Taschentücher am Bahnsteig verweht sind und das Meer versunken ist. Die Bitterkeit im Hals beweist, dass man im Abschiednehmen keine Routine bekommt. Ist es denn möglich, dass man schon nach sechs Wann und wo finden Sie Rat? Mitteldeutschland Plauen 2. Juni. 10—13 ühr, Gemeindehaus, Engelstrasse. Hessen-Nassau u. Hessen Frankfurt a. 31. 3£alnz Barmstadt Wiesbaden Marburg Stein weg: 9.' Zimmer 75—77 (Tel. 254 03) Montau, Mittwoch, Freitag, 11—13 Uhr. Albinistrasse 12, II (Tel. 31S 57) Montag, Dienstag, Donnerstag. Freitag. 16—18 Uhr. Kasinostrasse 31 (Tel. 362) Dienstag. 16-17% Uhr. Kirchprnsse 7, I (Tel. 240 10) nach Vereinbarung. 3. Juni, 10—12 Uhr, Kaffee Blumenfeld. Bahnhofstrase 27. Warnung: Ein Betrüger, der u. a. unter dem Xaraen Kussbaum aultritt, versucht. Spenden für die Kleiderkammer abzuholen. Die .Kleiderkarnmer weist darauf hin, -dass sie ihre Spenden, abgesehen von besonderen Einzelfällen, nur durch ihre Fuhrwerke abholen lässt. und dass ihre Boten für jede einzelne Spende einen besonderen Spendenbrief, auf dem der Empfang der Gegenstände quittiert wird, mit sieh führen. Sommerferien in Lehnitz, in der reizvollen märkischen Landschaft, für Kinder ist ein beruhigender Gedanke für alle Eltern, die nicht mit ihren Kindern reisen können. Die Kinder werden hier unter fachlicher Leitung liebevoll betreut, haben Gelegenheit zu Sport, Hand- und Enssball. Tischtennis, Waldlauf und Schwimmen und zu Liegekuren im eigenen Waldpark. Den Höhepunkt bilden die Freitagabende, die eindrucksvoll und festlich gestaltet werden. Anmeldungen: Verband Berlin des Jüdischen Frauenbundes. Berlin-Grunewald. Königsallee IIa. Telephon: 97 37 46. Dienstag 1—B ühr und Freitag 11—1 ühr. Das Wohlfalirts- und Jugendamt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin richtet an seine Freunde die Bitte, die ihm für die Kinder-Ferienverschickung zugedachten Spenden auf Postseheckkonto Berlin 29 640 zu überweisen. Aus den Familien Frau Clara Lew (Berlin-Charlottenburg") wurde am 2U. Mai 75 Jahre alt. — Arnold Monath (Berlin W.) feierte am 24. Mai seinen 70. Geburtstag. — Samuel F 1 e i s c h m a n n (Kaiserslautern) beging am 25. Mai seinen 75. Geburtstag. — Zicgeleibesitz^r Max W e i s s e n b u r g (Obersersno!>. Peiskretsch.-tini feiert am 29. Mai seinen 7D. Geburtstag. — Frau Sophie Springer (Schwetzingen) vollendet am 30. Mai ihr 70. Lebensjahr. — Amalie C a h n geb. Schmidt (Hattingen/Ruhr) wird am 30. Mai 90 Jahre alt. — Heinemann S t r a u s s (Markt- Schnaittach) begeht am 30. Mai seinen 90. Geburtstag. — Nathan W 0 1 f f (Nordhausen) feiert am 1. Juni seinen SO. Geburtstag. — Samuel B ö 11 i gheiraer und Frau Hermine geb. Fleischer (Klein- Eichholtzheim/Baden) feiern am 1. Juni ihre goldene Hochzeit. Der Rabbiner der Magdeburger Synagogengemeinde Dr. Georg W i 1 d e beging kürzlich seinen 60. Geburtstag. Er ist mit seiner Gemeinde aufs innigste verwachsen und geniesst einen grossen Ruf als Prediger. Dem C.-V. ist er ein warmer Freund und Förderer. Während des Krieges wirkte Dr. Wilde als Fcldrabbiner. Seinen 60. Geburtstag beging in diesen Tagen Apotheker Martin W 0 1 f f , Berlin-Charlottenburg, der sich als Vorsitzender der Ortsgruppe Braunsb e r g und als stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes Ostpreussen. wo er bis vor kurzem wohnte, grosse Verdienste um die C.-V.-Arbeit in Ostpreussen erworben hat. Auch in der Gemeindearbeit stand Apotheker Wolff in Braunsberg an führender Stelle; besonders wirkte er dort auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung. In Ballenstedt (Harz) starb Sanitätsrat Dr.Danz i g e r im 73. Lebensjahr. Der Verewigte genoss als Arzt wie als Mensch in weitesten Kreisen das grösste Ansehen. In den letzten Jahren war er Vertrauensmann des C.-V, Monaten sich künftiges Heimwehrecht aui eine Stadt erworben hat, dass man auf ihre Schönheit und Pracht so stoiz ist. als ob man sie hingebracht hätte, und dass man ihre Fehler und Mängel umdeutet wie ein Verliebter, den ein schielendes Mädchen beinahe zur Verzweiflung bringt, weil er immer fürchtet, sie sähe einen anderen an? Oder erinnert das zögernde Rucken der Eisenbahnräder, die es vielleicht selbst noch nicht glauben wollen, dass es nun endgültig losgeht, an einen anderen Morgen, ein halbes Jahr vorher, wo es weder Regenbogen noch Berge noch Meer gab, aber eine graue Bahnhofshalle, die immer grauer und trauriger wurde. Wie es auch sei. das Leben ist gut, und in jedem Eisenbahnzug gibt es einen Speisewagen. Der Tee erweckt die Lebensgeister, die sich mit der Gegenwart einverstanden erklären, auf die Zukunft neugierig sind und vorläufig die Vergangenheit ein wenig beiseite schieben. Und dann fährt man auch schon durch Afrika. Das Land ist erst wellig, mit sanften Hügeln, und an den Stationen blühen die Blumen in braver Ordnung auf Beeten, an denen Kindern am besten die Geometrie beigebracht werden könnte. Der Zug fährt in Serpentinen Steigungen immer weiter hinauf, er fährt langsam auf seiner schmalen Spur, bedächtig aber zähe. Was gilt auch schon die Zeit, wenn er die grosse Karroo durchfährt, die Steppenwüste. Ein weites, weites bäum- und strauchloses Land. Ohne Ziel, ohne Grenze und Richtung, dürr und einsam. Diese müde Anspruchslosigkeit! Und man blickt gebannt zum Fenster, Ausschau hallend nach einem Lebenszeichen dieser stillen Erde. Aber nichts regt sich, „nichts wagt aufzustehen"-- man hat zwei Augen zuviel. Hie und da kommt man an ein paar Wellblechhütten vorbei, an Lehmbauten und Zelten. Die Neger, die dem Zug nachsehen, dem einzigen Ereignis in ihrem langen Tag, tragen braune Tücher. An einer Station, vier Ziegelhäuser, zwei Schienenstränge ein Farmer steigt ein und ein kleiner verwachsener Negerjunge singt ein dumpfes Lied mit ausgestreckter Hand vor dem Kupeefenster. So geht es bis in die Nacht. Der Himmel ist hell, die Sterne blass. Auch sie sind müde. Der nächste Morgen bringt nichts anderes. Der nächste Abend bringt Johannesburg. Auf dem Johannesburger Bahnhof können die Autos auf den Bahnsteig fahren. Es ist ein ganz neuer, ein unglaublich moderner Bahnhof. Die Träger sind von der Bahnhofsverwaltung angestellt und drehen einem den Rücken, wenn man hilflos in seinem Portemonnaie kramt. Blickt man noch hilfloser auf--die Stimme bleibt einem in der Kehle stecken: das Gepäck schwankt auf einem hoch, und zwei räderigen Karren und der Karren wird von einem Rickshawboy gezogen! Rickshawboy?? Wer kann sich die Inkarnation eines bunten Kulturfilms vorstellen? Ein schokoladenbraunes Geschöpf mit nackten, blossfüssigen Beinen, mit einem Hut, auf dem Straussenfedern nach allen Himmeln weisen, mit einem Röckchen, das aus einem Fundus einer Theaterschmiere zu stammen scheint: Einem kurzen Harlekinröckchen aus roten und grünen Bändern. Irgendwo ist irgend etwas gestickt, irgendwo hängt das Fransenende einer Schärpe und um die Fussknöchel knattern und rattern aufgefädelte getrocknete Früchte, deren Samen sich wie in getrockneten Mohnkapseln schütteln. In den Ohrläppchen stecken glitzernde Knöpfe, Ringe, Spangen oder Pfeile. Die Fusssohlen knirschen auf dem Asphalt, als ob sie mit Kolophonium eingeschmiert w-ären. Die Rickshaw setzt sich in Bewegung, die Boys heben die Knie, es geht rasend rasch und ebenso rasch weiss man, dass njan sich in Afrika befindet. War man denn nicht schon in Capetown in Afrika? Nein, in Capetown war man oft in Neapel, manchmal in der Schweiz, man war im Harz, in Dalmatien, an der Riviera, man war in einer köstlich gelungenen Kombination aller herrlichen Plätze, die man in Europa gesehen oder von denen man geträumt hatte. Die Atmosphäre war vertraut, so wie einem eine Sommerfrische am ersten Tag vertraut ist. Die Eingeborenen waren blass neben diesen dunklen ^ickshawmännern, sie trugen dieselben Kleider, die alle Konsumenten der Konfektionsindustrie auf der ganzen Welt tragen, und als sie am ersten Neujahrstag ihr stolzes Nativefest feierten, das so bunt und herrlich war, so voller pracht- und geschmackvoller Phantasie, da mussten sie sich erst ihre Gesichter mit schwarzer Farbe anschmieren, um sich als Farbige ganz deutlich zu kennzeichnen. Und die Zuschauer fühlten sich wie in einem Freilufttheater, w-o glänzende junge Tänzer in Regenbogenseidenfracks eine Riesenausstattungsrevue vorführten. Silberne Zylinder w-irbelten in der Luft und die rosa Seidentücher wehten um den Hals. Auf den langen schlanken Silberhosen war eine schmale gelbe Seidenblende. Das Singen verfing sich in der Luft und wurde zum Meer und auf die Berge getragen und der junge Uebermut war „reine du bal". Die Rickshawboys sind ernste Männer, die einen schweren Beruf ausüben. Ihre Kleidung ist kein Reklamekostüm, sicherlich fühlten sie sich in einem richtigen Anzug wie auf einem Maskenball. Und so führen sie auf dem uitramodernen Bahnhof die Reihe von Kontrasten ein, die es einem so schwer machen. Johannesburg mit irgendeiner anderen Stadt zu vergleichen, über Johannesburg zu urteilen, und vor allem auf die ewig wiederkehrende Frage zu antworten: How do you like Johannesburg? Schmalbrüstige, kleine Häuser, höchstens zwei Stockwerke hoch. Auf den altmodischen Balkons haust hinter verschnörkeltem Eisengitter und dem jetzt welkenden Grün des dichten Bohnengemüses Spitzwegsche Traulichkeit. Das Haus müsste im Schatten alter Buchen stehen und der Brunnen dürfte nicht weit davon sein. Das Haus steht im Schatten eines Anträge auf Nachsendung Beschwerden über das Ausbleiben der C.-V.- Zeitung, UmleileTvünsche sind stets dem zuständigen Postamt (ZeitungssteUe) zu unterbreiten. Die Bezugsgebühren sind an den Briefträger zu zahlen

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