Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 20 (20.5.1937)
- Date
- 1937-05-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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C.YZeihinq 20. Mail 937 —Seite!! Von jüdischen Musikern unserer Zeit Von KARL WIENER Komponist geschrieben. Seit 1933 lebt Kletzki in Italien. Seinen grössten Erfolg hatte Jaromir Weinberger (geb. 1S96 zu Prag) mit der volkstümlichen Oper „Schwanda, der Dudelsackpfeifer". Weder vorher noch nachher konnte er diesen Erfolg erreichen, geschweige denn übertreffen. Wenn auch das offenbare Vorbild „Die verkaufte Braut*' von Smetana an Urwüchsigkeit und Echtheit der Melodik nicht erreicht wurde, so muss doch eine gewisse Lieblichkeit der Erfindung dem Komponisten zugestanden wevden. In Frankreich ist unbestritten der berühmteste Komponist jüdischer Abkunft Darius M i 1 h a u d, der 1S92 in Aix-en-Provence geboren wurde. Er war am Pariser Konservatorium Schüler von Gedalge und ist einer der fruchtbarsten Komponisten der Gegenwart. Neben vielen Kammerwerken hat er zahlreiche Opern und Ballette geschrieben. Viele seiner Werke sind auch in den vergangenen Jahren nach Deutschland gekommen, so vor allem die grosse Oper „Christoph Columbus". Milhaud ist dadurch besonders bemerkenswert, dass er sich bewusst als Jude fühlt und diesen Umstand, auch in den Titeln und in der Haltung seiner Werke stets zum Ausdruck gebracht hat. So sind die ..poemes juifs" und der berühmte Gesang „Israel est vivant" entstanden. In den Vereinigten Staaten sind natürlich zahlreiche Tonsetzer jüdischer Abstammung vertreten. Aber die Amalgamierung ist genau wie in den romanischen Ländern so weit fortgeschritten, dass kaum noch zwischen den jüdischen und nichtjüdischen Komponisten unterschieden wird. Eine Ausnahme hiervon macht die Synagogal-Musik, von der ein wunderbares Beispiel kürzlich nach Berlin gekommen ist: ich meine die Freitag-Abend-Liturgie von Jacob Weinberg, deren tiefgehende Wirkung auf die Verbindung von echtem Judentum und schöpferischer Kraft zurückzuführen ist. — Der älteren Generation gehört Rubin Gold mark an, ein Neffe Karl Goldmarks. Er ist 1S72 in New-York geboren, studierte dann in Wien bei Door und Fuchs. Nach seiner Rückkehr nach Amerika war er dann noch Schüler Anton Dvoräks. Er hat viele sinfonische Werke veröffentlicht. — Wenn wir noch ausgesprochene Jazz-Talente wie Gruenberg und Gershwin erwähnen, ergibt sich ein buntes Bild des heutigen amerikanisch-jüdischen Musiklebens. Konzerte und Vorträge in Berlin und im Reich Einer Veranstaltung für die Förderer des Damenkomitees der Berliner Künstlerhilfe hatte sich Hermann Schey zur Verfügung gestellt." Der Künstler war aufs beste disponiert, so dass sich das herrliche Organ voll entfalten konnte. Schey zeigte sich als bewärter Meister des Oratorienstils" und gab dann Schumann und Mahler in eindringlicher Gestaltung. Den Schluss bildeten Lieder aus Kowalskis ...Pierrot"-Zyklus, in scharfer Akzentuierung hingesetzt; von ihnen musste „Die Laterne" wiederholt werden. Erna licher Prosrammfolgen, die die Aufnahmefähigkeit der Hörer und damit die künstlerische Gesamtwirkung ungünstig belasten. Das muss anlässlich eines musikalischen Nachmittagslees im Hause Simon einmal ausgesprochen werden. Den Höhepunkt bildete Schumanns „Dichterliebe", die Heinrich Korn bei glänzender stimmlicher Dispostion mit immer mehr sich steigernder Ein-, fühluns gestaltete. Dr. Willi A r o n begleitete als einvom inneren Glühen dieser unerhört schönen Musik Ergriffener. Dr. Heinrich Kuhn skizzierte in seinen klugen Ausführungen über ..Poesie, Rhythmus und Metrik im Alten Testament" manch feinfühligen Gedanken. Wenn Charlotte Hirschfeld (Holms) liest, verdichten sich Gestalten und Situationen zu bannender Unmittelbarkeit. Oskar und Cläre Manczyk musizierten klangschön Werke für Cello und Klavier. H. Fr. Dr. Fritz Eisenberg, den der Berliner Kulturbund in einem Abend „Dichtungen und Lautenlieder" herausstellte, verfügt als Rezitator nur über begrenzte Ausdrucksmittel. In den Lautenliedern, die er z. T. nach eigenen anspruchslosen Texten sang, passte sich sein Vortrag dem rezitativen Charakter der Lautensprache nicht ungeschickt an und wurde, zumal er sich ohne betonte Affektati on gab, freier, beschwingter, wärmer. Das Publikum kargte nicht mit Beifall. Ein Kollektiv Frankfurter jüdischer Künstler veranstaltete-zusammen mit 22 Mitgliedern des Orchesters der Jüdischen Kulturbünde einen Abend ..Jüdische Klänge". Die Zusammenstellung war ungemein geschickt und fesselnd. Von den Mitwirkenden ist vor allem Sofie Seligm a n n zu nennen, deren Talent sich erneut in der hervorragendsten Weise bestätigte. Alfred Auerbach, der meisterhaft Worte von Rabindranath Tagore sprach, hinterliess nachhaltigen Eindruck. Zwei biblische Gesänge von Dvorak wurden von Hans A s s e n h e i m vorbildlich gebracht. Else Liebreich gestaltete vom Schauspielerischen her zufriedenstellend. Das Orchester unter Richard Karps Leitung leistete sein Bestes. Die angedeuteten Bühnenbilder von Fritz Schames waren zweckentsprechend einfach und geschmackvoll. Der Abend war ein grosser Erfolg. A. H. J. Kammermusik nicht alltäglicher Art bot das 33. Mittwochskonzert der Jüdischen Tonkünstler Frankfurts. Diesmal war die Bratsche das beherrschende Instrument. Richard K a r p bewährte sich in der klassisch-schönen Sonate f-moll des Toskaners Pietro Nardini. in einer der Neuromantik nahestehenden Sonate von Egon Kornauth und in „Hebräischen Melodien" von Josef Joachim seine oft schon gewürdigte vornehme Kunst. Dem weichen, expressiven Bratschenion gesellte sich in zwei Stücken Max Bruchs op. 83 Ilse Klein als spielgewandte Klarinettistin bei. Den mitunter solistisch bedeutsamen Klavierpart versah Lilly Schwarz-Mey erholer mit Geschmack, Temperament und kammermusikalischer Einfügung, ü. Jüdischer Kulturbund Berlin. In der nächsten Premiere „Jean", Lustspiel von Bus-Fekete, wirken in den Hauptrollen mit: Jenny Bernstein-Schaffer, Elfriede Borodkin, Gina Friedman, Alfred Berliner, Martin Brandt, Ben Spanier. Berihoid Segall. Regie: Fritz Wiste n, Bühnenbild: Heinz Cond eil. In der Musikkomödie ..Bei Kerzenlicht'1, von Robert Katscher. die das W i e n e r Deutsche \olkstheatcr demnächst als Novität bringt, hat Max Hansen eine Hauptrolle übernommen. * Im Theätre des Champs-Elysees in Paris wird während der Pariser Weltausstellung: Hofmannsthals „Grosses Wclttheater" durch ein Ensemble des Wiener Burgtheaters zur Aufführung kommen. * Der Sonder der französischen Schweix übertragt am -28. Mai. "21 Uhr, aus T u r i n eine Aufführung von ..Figaros Hochzeit" unter Leitung von Bruno W alter. * Dela L i p i n? k a j a ist am 2*. Mai. 19K Uhr. im Wiener Rundfunk mit „Chansons aus ailcr Welt" zu hören. # Der Pianist Josef Wagner. Breslau, spielte am 30. Mai. '22% Uhr. im Radio Hilversum Chopins Klavierkonzert F-moll. Am 24. Mai gibt der Künstler einen Klavierabend in London, in dem er neben klassischen Werken u. a. ein Variationenwerk des jüdischen Komponisten Nikolai L o p a t n i k o f f 'erstmalig zur Aufführung bringt. Für den 27. Mai, 22 Uhr, wurde er zu einem Kadiokonzert von der B. B. C, London, verpflichtet. * Der Bassist Emanucl List singt am 23. Mai, 19,35 Uhr, im Wiener Sender Lieder und Arien. * Der Oberregisseur der Wiener Staatsoper. Lothar Wr a 1 1 e r s t e i n , hat Borodins „Fürst Igor" neu bearbeitet. Der Cellist Stefan Auber. der auch in Berliner jüdischen Konzerten häufig aufgetreten ist, brachte in Wien in einem Konzert des Radiozyklus unter Oswald Kabasla ein neues Cello-Konzert von Darius Milhaud zur Aufführung. * Vor kurzem brachten alle Schweizer Sender die musikalische Fabel ..Ii Ke Puppagoigia11 fKönia Drosselbart) von Lena Stein-Schneider (Berlin). Die Komponistin hat einen Auftrag für ein neues Sendespiel erhalten. * Ernst Lubitsch hat soeben seinen neuen Film „Angc" vollendet, in welchem Marlene Dietrich die weibliche Hauptrolle spielen wird. * Luise Rainer wird die Rolle der Sara Bernhardt in dem Film spielen, der das Leben der grossen französischen Trasödin behandelt. * Im Ol>7npia-Filmtheater in Paris gelangte der neue Film „Arsene Lupin", nach dem "Roman ,.L"agence Barnett1' von Maurice Leblano. bearbeitet von Henri Diamant-Berger, zur Vorführung. Oberkantor Zivi 70 Jahre Am 19. Mai feierte Oberkantor Hermann Zivi seinen 70. Geburtstag. Es gilt, dem vorbildlichen Kollegen, dem zielbewussten Musiker herzlichste Glückwünsche darzubringen. Geboren am 19. Mai 1867 in Müllheim in Baden, absolvierte Zivi das Lehrerseminar in Karlsruhe, wo er auch für den Kantorenberuf vorbereitet wurde. Von Ober-Ingelheim aus, seiner ersten amtlichen .Wirkungsstätte als Kantor und Lehrer, bildete er sich auf gesangstechnischem und kompositorischem Gebiete "in den Konservatorien zu Frankfurt a. M. und Mainz weiter. Der Ruf seiner Baritonstimme und seiner kantoralen Vortragskunet führte ihn 1893 nach Düsseldorf und 1898 nach Elberfeld, wo er Jahrzehnte hindurch segensreich wirkte. .Weit darüber hinaus erwarb er sich an- Nr. 20 * 3. Beiblatt In Ungarn sind drei bekannte jüdische Tonsetzer*) zu erwähnen. Erwin L e n d v a i' ist 1882 in Budapest geboren, studierte dort bei Koessler und lebte dann in Deutschland. Vielen Berlinern ist er noch von seiner Lehrtätigkeit am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium in Erinnerung. Später ging er nach Jena und Hamburg. Er starb vor einigen Jahren in München. Seine Werke erstrecken sich auf viele Gebiete, nieist sinfonische und Kammermusik, doch hat er auch mit Erfolg die Chorkomposition gepflegt. Im Jahre 1916 brachte er in Mannheim eine Uper „Elga" zur Aufführung. Eine hervorragende Begabung ist der 1S85 geborene Leo W e i n e r. Auch er ist Koessler-Schüler, hat zwar viele Reisen unternommen, ist aber immer wieder nach Ungarn zurückgekehrt. Seit 1907 gehört er der Budapester Akademie an. Seine Werke zeichnen sich durch Frische der Erfindung und Unbeschwertheit im Thematischen aus. Der ernsteste, problematischste von allen dreien ist Alexander Jemnitz (1890). Auch in Deutschland kennt man den Namen von seiner Tätigkeit in Leipzig und Berlin her. Er hat hauptsächlich das Gebiet der Kammermusik um sensible, transzendente Werke bereichert. Jemnitz lebt seit vielen Jahren wieder in Budapest; er ist auch ein gediegener Musikschriftsteller. Während in den bisher genannten Ländern eine stattliche Anzahl oder doch zumindest einige Komponisten jüdischer Abstammung aufgezählt werden konnten, ist diese Vielfalt der Erscheinungen in anderen Ländern, wie z. B. in Italien oder in der Schweiz nicht zu finden. Mario Castelnuovo-Tedesco ist der bedeutendste Tondichter jüdischen Blutes in Italien. Er kam 1895 in Florenz zur Welt, wo ihn Ildebrando Pizzetti in der Komposition unterwies. Er hat viele Klavierstücke geschrieben, auch Lieder in grosser Zahl. Er ist einer der feinsinnigsten Komponisten der jüngeren italienischen Schule. — Ueber Ernest Bloch ist in den letzten Jahren so viel geschrieben worden, dass man das Meiste als bekannt voraussetzen darf. Er ist 1880 in Grenf geboren, war Schüler von Jacques-Dalcroze, später im Brüsseler Konservatorium. Er hat in seinem Kompositionsstil mehrere völlig voneinander verschiedene Epochen aufzuweisen. Eine Oper „Macbeth" hatte im Jahre 1910 in Paris Aufsehen erregt, im gleichen Jahr führte er seine cis-moll-Sinfonie auf. Dann ging er nach Amerika, wo er als Begleiter und Lehrer wirkte. Seit einigen Jahren lebt Bloch wieder in Europa, nahe an der französisch-schweizerischen Grenze, wie immer einsam und neuer Arbeit hingegeben. Seine Werke atmen jüdischen Geist in jeder Beziehung, nicht nur in Titel und Text. Das Visionäre, Ueberslcigerte ist seiner Tonsprache in hohem Masse zu eigen. Seine Vertonung des 22. Psalmes, die Rhapsodie ..Schelomo" und viele andere Werke legen von der Glut seiner musikalischen Vorstellung ein deutliches Zeugnis ab. Aber auch die dunkeln, gefährlichen Ausbrüche sind ihm nicht fremd und oft grenzt seine Extase an Barbarei. — Auch Paul Kletzki ist jüdischen Stammes. Er ist 1900 in Lodz, damals zu Russland gehörend, geboren und studierte in Warschau bei Mlynarski, in Berlin bei Friedrich E. Koch. Mehrere Sinfonien, ein Violinkonzert und viele Kammermusikwerke hat der fruchtbare *) Vgl. C.-V.-Zeitucg 193(5, Nr. 30,..41 und 53. Das Kind 1. Fortsetzung. Und Hagit? Auch sie hatte geschwiegen. Diblaim wusste es. Nie mehr hatte sie die einstige Freundin gesehen. Beide mieden einander. Doch Diblaims Groll entschwand, als sie erkannte, dass Hagit nicht auf Rache sann. So blieb es viele Jahre. Was bewog sie, die eine arme Hure geblieben? Scham nur, Furcht vor denen, die ihr Vergehen kannten? Es konnte nicht sein. Sie war an Schimpf und Hohn gewöhnt. Und sie alterte. Diblaim wusste es von sich selbst. Diblaim erkannte auch Hagiis schweres Schicksal. Sie fühlte sich ihr noch immer nahe. Es zog sie nicht zu den Ehrbaren, obwohl sie alles daran setzte, zu ihnen gezählt zu werden. Die sollten nur in ihrem Glück bleiben, bei sorgenden Ehemännern. Diblaim brauchte das Reich ihrer Einsamkeit. Sie wusste, was das Menschenleben war. So bildete sich ein neues Gefühl in ihr für die einstige Schicksalsschwester. Mitleid war es, ohne Hass. Diblaim ehrte in ihrem stillen Wissen, dass Hagit Geber fern geblieben und seine Herkunft den Leuten nicht verriet. Sie verschmähte solche Rache. Was war der Grund? Diblaim mochte nicht darüber nachdenken. Sie nahm es als ein Wunder. Sie wollte die Zeit verrinnen lassen, die alles heilende. Geber wuchs indessen heran und wusste von nichts. Niemals kam der Schüler des Propheten in die Hebronstrasse. Als der Knabe zum Jüngling gereift, als nieder die^ Feigen an den Bäumen hingen, in dieser Zeit, den Jünglingsträumen günstig, an der Wende von Kinderspiel und Mannestum, kam der Ruf zu ihm, da hatte jene Stimme ihn überfallen, die in dunklem Kampf stürzte. Hagit rief! Hagit verfolgte den Knaben! In sicherer Ferne lauerte sie als unsichtbare Jägerin. Sie wusste, wann ihr Pfeil das Wild erreichen würde. III. Diblaim barg ihr heisses Gesicht im Arm. Plötzlich glaubte sie zu wissen, dass sie blind und töricht gewesen. Sie hatte diesem Weibe getraut. Sie hatte auf edlen Verzicht gehofft. Eine Mutter war Hagit nie gewesen, wenn sie auch geboren. Das sah des Königs Weisheit. Aber was sie nicht gesehen, war Hagits .Verstellung. Der Sohn gehörte ihr nicht — galt es ihr denn noch dem Sohn? Sie sah ihn heranwachsen, einen reinen Spross edler Mannheit. Den wollte sie — auf seine Seele wartete ihre Verderbnis. Was in Geber erwachte, konnte kein Richter hindern, auch er nicht, der die Stimmen der Vögel verstand. Jetzt gab es kein Gericht — die Klage der Mutter wurde abgewiesen. .«Ich liess dir deinen Sohn — nun lasse du ihm, was das Leben verlangt. Kein Mann wird verschont.'' So hätte der Richter jetzt gesprochen. Rechtlos fühlte sich Diblaim. „Er wird seinen Weg noch finden. Er ist ja so gut." Sie besänftigte sich endlich. Geber trug ja im Herzen, was seine Mutter ihm gegeben, nur seine Mutter. Sie erkannte die Stimme des Lebens. . Die kam nicht aus dem Paradies. .Wenn sie aus Gottes Garten kam, war es die alte Schlange. Adam hatte vom Sündenfall gelernt und wandte sich ab. Diblaim entschlief endlich, doch wurde sie bald geweckt. Sie hörte Geber. „Wohin gehst du? Willst du schon fori?1' „Ich muss, Mutter.'' „Wohin?'' „Der Prophet von Silo wartet.'5 Er enteilte. Bald hörte sie seinen fliehenden Fuss nicht mehr. Er musste Gewissheit finden. Als er erwacht war, -sah er nur diese Möglichkeit: Ahia, der Klein begleitete mit feinster Anpassung. Lebhafter Beifall dankte für einen gehaltvollen Abend. F- Die wohlmeinende Absicht, recht vielen Künstlern Auftrittsmöalichkeit zu bieten, verführt nicht cplipn 7.nr Aiifstellunff allzu langer und uneinheit- Prophet, wusste um des Königs Willen. Es ging nicht nur um rohe Kraft. Geist war der Ursprung des Gelingens. Aus königlicher Geistestiefe stieg der Tempelbau. Hatte der Knabe David nicht einst gesiegt? Er, der Salomos Vater wurde? Die Schleuder war stärker als das Schwert. Der Stein hatte das Haupt des Riesen Goliath getroffen, und er stürzte ins Feld. Es musste anders sein als ein Werber prahlte. Ein erleuchteter Kopf brauchte nicht zu warten. Leichten Zierat zu ersinnen, schmückenden Tand war nicht Gebers Sache. Die Inbrunst einer jungen Bereitschaft musste genützt werden. Er prüfte seinen Arm. „David", flüsterte er noch einmal — dann wandte er sich ins Feld von Silo. Sehnsüchtig sog er die Morgenluft ein. Das farbige Halbdunkel der Frühe lockte. Plötzlich wurde ihm bewusst, dass er die Stimme nicht mehr hörte. Es war von ihm genommen, was jeden Sieg störte. Sie konnte ihn heute nicht erreichen. War Einsicht über sie gekommen? Er kannte sie nicht. Er wusste kaum von ihrem Antlitz, von ihrer Gestalt. Es war wohl doch nur ein Schemen seiner kranken Sinne. Nun hatte er geschlafen im Schutz der Mutter. Nun war alles anders. Klaren Geistes trat er auf die Hütte des Propheten zu. Der Wächter lag wieder vor der Tür, der Panter, ein starkes Tier, fauchte ihn an. Geber wich nicht zurück. Er hätte heute mit dem bunten Viehräuber, dem Schrecken der Hirten, gekämpft, aber es kam nicht dazu. Die Tür der Hütte öffnete sich — ein hoher Greis trat aus dem Dunkel. Silbern fiel ihm der Bart über das härene Gewand. Ewiges Feuer glomm in den Augen. Nun hob er die Hand. Der Panter duckte sich und kroch unter die Bank. Geber kniete. „Du bist es? Er hätte dir nichts getan, weil er deinen guten Willen fühlt. Tritt näher, Geber. Setze dich. Was bringst du?1* „Mich, Vater." „Das ist nicht wenig.'1, „Die Werber achten es gering." „Willst du dem Tempel dienen?1' Theater, Musik, Film Am Theätre Montparnasse inParis ging Goethes „Faust11 in einer neuen Uebersetzung von Edmond F1e g in Szene. „Ich folge dem Ruf. Ich suche nur des Königs Dienst. Muss ich darum verachtet werden?" „Sei ruhig, Kind. Hier verachtet dich' niemand." ..Darum kam ich: Vater. Sie sind stumpf, die meisten in Israel. Sie trinken aus einer Quelle und wissen nicht, was sie trinken. Ein Lahmer kann die Mädchen tanzen lehren, ein Blinder findet den Weg zu Gott." „Vertraue mir. Deine Glieder sind gut, dein Auge ist hell. Du bist älter als deine Jahre. Komme dir selbst nach, und du brauchst keinen Werber zu fragen." „Gibt es einen andern Weg zum Tempel?" „Nimm diesen Ring. Er öffnet dir das Lager. Joab, der Führer der Bauarbeiter, prüft dich und stellt dich ein. Gehe getrost. Ich fühle, was dich treibt, du brauchst mir nichts zu sagen. Weihe ist über dir. Du stellst den Fuss auf die Schlange." Geber folgte der Weisung des Propheten. Das grosse Arbeitslager nahm ihn auf. Staunend sah er die ungeheuren Anfänge des Tempels. Schon zeigten sich seine Masse. Die stärksten Ackerstiere — jeder Landmann in Israel hatte die seinen gegeben — zogen das Gebälk herbei, das draussen gerichtet und gesägt wurde. Die gewaltigen Stämme kamen von den Höhen des Libanon, uralte Zedern, die nach Jahrhunderten ihren Boden verlassen. Der König wollte es und so geschah es. Doch Geber sah auch die Arbeit der Steinmetzen an den MarmorblöckeD aus syrischen Brüchen. Das war ein Wuchten und Winden und Stürzen und Klirren ringsum. Ueberall jedoch, bei dieser Erkenntnis zitterte Geber, zügelte tiefer Sinn die rohe Gewalt. Feinste Berechnung entschied, der Zirkel und das Winkelmass. Ueber Hammer und Säge herrschte der Stift des Architekten. Diese Männer stammten nicht aus Israel — die weite Welt hatte ihre Meister gesandt. Aus Hellas, aus Babel, aus Aegypten waren sie König Salomos Ruf gefolgt. Am stärksten aber traf Geber der neue Bundesgenosse des Landes. Hier sah er die Männer vom Meer, die wunderbaren Phöni-